{"id":422,"date":"2020-02-26T17:22:28","date_gmt":"2020-02-26T16:22:28","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=422"},"modified":"2024-06-23T21:31:20","modified_gmt":"2024-06-23T19:31:20","slug":"kritik-der-biologischen-modelle","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/kritik-der-biologischen-modelle\/","title":{"raw":"Kritik der biologischen Modelle","rendered":"Kritik der biologischen Modelle"},"content":{"raw":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Biologische Modelle abweichenden Verhaltens sehen sich wie alle bisher besprochenen Modelle auch kritischen Fragen ausgesetzt. Comer (2008) fasst diese Kritik mit den folgenden Worten zusammen:<\/p>\r\n\r\n<div class=\"ilc_Mob\">\r\n\r\n[caption id=\"attachment_811\" align=\"alignright\" width=\"200\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-178.png\"><img class=\"wp-image-811 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-178.png\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/a> (c) der-hedinger.de\/[\/caption]\r\n\r\nHeute geniesst das biologische Modell im klinischen Bereich betr\u00e4chtliches Ansehen, und Forschungsarbeiten zu den biologischen Grundlagen gest\u00f6rten Erlebens und Verhaltens erbringen zunehmend schneller wertvolle neue Information. Die neuen Medikamente, die st\u00e4ndig weiterentwickelt werden, sind selbst zu wichtigen Forschungsinstrumenten geworden. Medikament\u00f6se Therapien k\u00f6nnen bei schwerwiegenden psychischen St\u00f6rungen wie der Schizophrenie betr\u00e4chtliche Erfolge erzielen, nachdem andere Interventionen versagt haben. Zugleich aber hat das biologische Modell auch Nachteile. So ergibt sich f\u00fcr manche seiner Verfechter aus der Annahme, jedes menschliche Verhalten k\u00f6nne biologisch erkl\u00e4rt werden, dass alle St\u00f6rungen medikament\u00f6s behandelt werden sollten. Diese engstirnige Sicht kann unser Verst\u00e4ndnis psychischer St\u00f6rungen eher behindern als f\u00f6rdern. Zwar beeinflussen biologische Prozesse mit Sicherheit unser Verhalten, Denken und Empfinden, doch genauso sicher wirkt der Einfluss umgekehrt. Wenn wir beispielsweise den Eindruck haben, die negativen Ereignisse in unserem Leben l\u00e4gen ausserhalb unserer Kontrolle, geht wahrscheinlich die Noradrenalin- oder Serotoninaktivit\u00e4t in unserem Gehirn zur\u00fcck und intensiviert so eine depressive Reaktion. Es ist anzunehmen, dass eine psychologische Behandlung, die die depressive Denkweise ver\u00e4ndert, auch eine normalisierende biologische Wirkung hat. Nach der einschl\u00e4gigen Forschung zu urteilen, h\u00e4lt sie auch l\u00e4nger an als die von Medikamenten. Es ist daher wichtig, das Zusammenspiel von psychologischen und biologischen Faktoren zu erforschen.\r\n\r\nLetztlich sind Medikamente h\u00e4ufig nicht so spezifisch wirksam wie angenommen wird, sondern haben auch unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen. So k\u00f6nnen zum Beispiel antipsychotische Medikamente extrapyramidale St\u00f6rungen erzeugen, Bewegungsst\u00f6rungen wie Zittern, Grimassieren und extreme Unruhezust\u00e4nde. Die heilenden und sch\u00e4digenden Wirkungen eines Medikaments m\u00fcssen in jedem Fall gegeneinander abgewogen werden (Comer, 2008).\r\n\r\n<\/div>","rendered":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Biologische Modelle abweichenden Verhaltens sehen sich wie alle bisher besprochenen Modelle auch kritischen Fragen ausgesetzt. 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Die neuen Medikamente, die st\u00e4ndig weiterentwickelt werden, sind selbst zu wichtigen Forschungsinstrumenten geworden. Medikament\u00f6se Therapien k\u00f6nnen bei schwerwiegenden psychischen St\u00f6rungen wie der Schizophrenie betr\u00e4chtliche Erfolge erzielen, nachdem andere Interventionen versagt haben. Zugleich aber hat das biologische Modell auch Nachteile. So ergibt sich f\u00fcr manche seiner Verfechter aus der Annahme, jedes menschliche Verhalten k\u00f6nne biologisch erkl\u00e4rt werden, dass alle St\u00f6rungen medikament\u00f6s behandelt werden sollten. Diese engstirnige Sicht kann unser Verst\u00e4ndnis psychischer St\u00f6rungen eher behindern als f\u00f6rdern. Zwar beeinflussen biologische Prozesse mit Sicherheit unser Verhalten, Denken und Empfinden, doch genauso sicher wirkt der Einfluss umgekehrt. Wenn wir beispielsweise den Eindruck haben, die negativen Ereignisse in unserem Leben l\u00e4gen ausserhalb unserer Kontrolle, geht wahrscheinlich die Noradrenalin- oder Serotoninaktivit\u00e4t in unserem Gehirn zur\u00fcck und intensiviert so eine depressive Reaktion. Es ist anzunehmen, dass eine psychologische Behandlung, die die depressive Denkweise ver\u00e4ndert, auch eine normalisierende biologische Wirkung hat. Nach der einschl\u00e4gigen Forschung zu urteilen, h\u00e4lt sie auch l\u00e4nger an als die von Medikamenten. Es ist daher wichtig, das Zusammenspiel von psychologischen und biologischen Faktoren zu erforschen.<\/p>\n<p>Letztlich sind Medikamente h\u00e4ufig nicht so spezifisch wirksam wie angenommen wird, sondern haben auch unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen. So k\u00f6nnen zum Beispiel antipsychotische Medikamente extrapyramidale St\u00f6rungen erzeugen, Bewegungsst\u00f6rungen wie Zittern, Grimassieren und extreme Unruhezust\u00e4nde. 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