{"id":387,"date":"2020-02-26T16:17:07","date_gmt":"2020-02-26T15:17:07","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=387"},"modified":"2024-10-16T09:52:14","modified_gmt":"2024-10-16T07:52:14","slug":"soziologische-konzepte-und-begriffe","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/soziologische-konzepte-und-begriffe\/","title":{"raw":"Soziologische Konzepte und Begriffe","rendered":"Soziologische Konzepte und Begriffe"},"content":{"raw":"<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Soziales Handeln: Normen, Werte, Sinn<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Soziales Handeln<\/i><\/span> als zentraler Gegenstand der Soziologie bezeichnet den unmittelbaren Austausch mit andern Personen, aber auch die Regelhaftigkeit des Handelns \u00fcber die von Gruppen, Organisationen und der Gesellschaft vorstrukturierten Beziehungsmuster (Sch\u00e4fers, 2010). Die Begriffe <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Norm<\/span>, <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wert<\/i> <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sinn<\/i> <\/span>bekommen in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Besonderheiten des menschlichen Handelns sind bedingt durch die dem Menschen eigenen reflexiven M\u00f6glichkeiten (Selbstreflexion). Handeln ist immer eine Mischung aus konkreter Situationsbew\u00e4ltigung im Umgang mit den Bedingungen von aussen und aus den \u00dcberzeugungen, dem Willen und den Motiven einer Person (als Bedingungen von innen). Der Mensch ist also gezwungen, im Handeln zu strukturieren; er muss im Handeln eine bewusste Auswahl aus den Handlungsm\u00f6glichkeiten treffen, eine Selektion vornehmen (Sch\u00e4fers, 2010). Diese Selektion erfolgt auf dem Hintergrund von <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Normen<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Werten <\/span><\/i>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sinn<\/i><\/span>.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_763\" align=\"alignright\" width=\"288\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-143.png\"><img class=\"wp-image-763 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-143.png\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"216\" \/><\/a> (c) youtube.com[\/caption]\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Normen und Normbegriff<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><i><\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Soziale Normen<\/i><\/span> begrenzen die Willk\u00fcr in den Beziehungen der Menschen untereinander. Sie k\u00f6nnen definiert werden als explizit gemachte und institutionalisierte Verhaltensregeln, die die Handlungsm\u00f6glichkeiten bestimmen und Handlungswiederholungen und Handlungserwartungen als Standardannahmen erm\u00f6glichen. Es gibt Normen mit ganz unterschiedlichen Verbindlichkeiten und Bewusstheiten. Bei gewissen allt\u00e4glichen Routinehandlungen sind die Normen eher unverbindlich, w\u00e4hrend die gesetzlich verankerten Normen eine hohe Verbindlichkeit haben.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Sanktionen<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Da Normen auch \u00fcbertreten oder ignoriert werden k\u00f6nnen, gibt es Sanktionen. Sanktionen sind <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Reaktionen auf Verhalten<\/i><\/span> mit dem Ziel, Konformit\u00e4t zu erreichen und die Normen zu verst\u00e4rken. In der Regel meint man <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>negative Sanktionen<\/i><\/span>, die von Missbilligung bis zu Gef\u00e4ngnisstrafe reichen. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Positive Sanktionen<\/i><\/span> dagegen loben ein positives Verhalten. Sanktionen geh\u00f6ren zum allt\u00e4glichen Handeln und werden von jedem Individuum sowohl empfangen als auch gegen\u00fcber andern angewendet.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Soziale Rollen<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Kombinationen von Normen, so genannte <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Normb\u00fcndel<\/i>, <\/span>verfestigen sich zu <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialen Rollen<\/i>. <\/span>Der Begriff der sozialen Rolle hat zwei Bedeutungen. Einerseits sind damit die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verhaltensanforderungen<\/i> <\/span>gemeint, die sich aus der Verfestigung von Normen ergeben, und die die Spiel- und Handlungsfreir\u00e4ume des Individuums und sozialer Gruppen bestimmen; andererseits bezeichnet man damit die Summe der Erwartungen, die \u00abder Andere\u00bb an mein Verhalten richtet.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Soziale Rollen bestimmen zwei grundlegende soziale Ph\u00e4nomene: n\u00e4mlich die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Differenzierung<\/i><\/span> (wie unterscheide ich mich von den andern) und die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Normierung<\/i><\/span> (was habe ich mit den andern gemeinsam). Dabei zeigt sich ein Dilemma des Rollenkonzepts: die personale<i> (<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">pers\u00f6nliche) Identit\u00e4t<\/span><\/i> verlangt, dass ich so bin wie kein anderer. Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Identit\u00e4t<\/i><\/span> hingegen verlangt, dass ich m\u00f6glichst so bin wie alle andern. Das Rollenkonzept ist ein unverzichtbares Analyseinstrument der Soziologie!<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Von der<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">sozialen Rolle<\/span><\/i> zu unterscheiden ist die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Position<\/i><\/span>: Es handelt sich dabei um ein komplement\u00e4res Verh\u00e4ltnis. Die soziale Position ist der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>statische Aspekt<\/i><\/span>, das konkrete Rollenhandeln ist der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>dynamische Aspekt<\/i><\/span>.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Einzelheiten zur <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Rollentheorie<\/b><\/span> -&gt; siehe weiter unten.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Werte und Wertbezogenheit <\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wertbezogenheit<\/i> <\/span>ist wichtig f\u00fcr die Erkl\u00e4rung des sozialen Handelns. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Werte <\/span>sind die Grundprinzipien der Handlungsorientierung des Menschen. Sie beinhalten Vorstellungen vom W\u00fcnschenswerten und kulturelle, ethische, religi\u00f6se Leitbilder, die die Handlungssituationen steuern. Wertorientierungen bilden das Grundger\u00fcst der Kultur. Ausserdem \u00fcbernehmen Werte als Orientierungsstandards eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Entlastungsfunktion<\/i> <\/span>f\u00fcr das Individuum, das nicht in jeder Situation selber entscheiden muss. Werte sind die ethischen Imperative, die das Handeln der Menschen leiten (Sch\u00e4fers, 2010).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Wertewandel<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Wertewandel ist ein kontinuerlich stattfindender Prozess und f\u00fchrt zu Normkonflikten. Die geltenden Normen werden pl\u00f6tzlich in Frage gestellt. Dadurch wird ein <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">sozialer Wandel<\/span> <\/i>angestossen (Sch\u00e4fers, 2010).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Sinn<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Handeln l\u00e4uft \u2014im Unterschied zum Verhalten \u2014 an Motiven und Zwecken reflektiert und zielorientiert ab (Sch\u00e4fers, 2010). Der Sinnbegriff ist f\u00fcr die Erkl\u00e4rung des sozialen Handelns unverzichtbar. Die Analyse des subjektiv gemeinten Sinns macht es m\u00f6glich, eine bestimmte Handlung als soziales Handeln zu verstehen.<\/p>\r\n\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Der Sinnbegriff hilft, die spezifische, auf den Sinn ausgerichtete Form der Wahrnehmung, die das Verhalten anderer Menschen deutbar und verstehbar macht, zu kanalisieren.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Der Sinnbegriff macht \u00fcber die konkrete Handlungssituation hinaus die sie tragende Kultur (den Zusammenhang der Normen und Werte eines Gesellschaftssystems) einsehbar.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">In diese Bestimmungen sind mehrere Annahmen und Voraussetzungen eingegangen:<\/p>\r\n\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">dass jedes Individuum zum \u00abSinnverstehen\u00bb in der Lage ist;<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">dass von bereits \u00abvergesellschafteten\u00bb, d. h. mit spezifischen Normen und Werten ausgestatteten Individuen ausgegangen wird;<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">dass Kultur ein zusammenh\u00e4ngendes, f\u00fcr den Menschen verstehbares und sie leitendes Normen- und Wertsystem ist;<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">dass Menschen nach Sinn und den sie \u00ableitenden\u00bb Kulturwerten suchen.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Allerdings wird im Alltagshandeln wie in der Wissenschaft zu unkritisch davon ausgegangen, dass der Handelnde immer sinnorientiert und reflexiv, also bewusst, sein Handeln steuert und zu ihm Stellung nimmt.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">(Sch\u00e4fers, 2010, S. 39).<\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Video: Niklas Luhmann \u00fcber Normen und Werte<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden Videoausschnitt spricht Nikaus Luhmann \u00fcber <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Normen<\/b> <\/span>und<span class=\"ilc_text_inline_Strong\"> <b>Werte<\/b><\/span>.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Ohne verbindliche Regeln und Normen kann keine Gesellschaft zusammenleben. Das reicht von diskreten Gesten, wie Augen- oder F\u00e4chersprache, \u00fcber ritualisierte Formen bei wichtigen Ereignissen bis hin zu den Kardinaltugenden und den zehn Geboten, die f\u00fcr einen grossen Teil der Menschheit seit Jahrtausenden das Fundament ihres Wertekanons bilden. Wie alle anderen \u00dcbereink\u00fcnfte auch \u00e4ndern sich jedoch auch Werte. Niklas Luhmann, gestorben 1998, war Professor f\u00fcr Soziologie in Bielefeld (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pTsjyD-cUQY&amp;amp;feature=emb_logo\">youtube<\/a>).<\/p>\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_Gibt_es_in_unserer_Gesellschaft_noch_unverzichtbare_Normen_Niklas_Luhmann.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_Gibt_es_in_unserer_Gesellschaft_noch_unverzichtbare_Normen_Niklas_Luhmann.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Niklas Luhmann<\/b><\/span> (* 8. Dezember 1927 in L\u00fcneburg; \u2020 6. November 1998 in Oerlinghausen) war ein deutscher Soziologe und Gesellschaftstheoretiker. Als wichtigster deutschsprachiger Vertreter der <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>soziologischen Systemtheorie<\/b><\/span> und der <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Soziokybernetik<\/b> <\/span>z\u00e4hlt Luhmann zu den herausragenden Klassikern der Sozialwissenschaften im 20. Jahrhundert (Quelle: Wikipedia).<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Rollentheorie<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Rollentheorie<\/i> <\/span>beschreibt und erkl\u00e4rt einerseits die Rollenerwartungen und -festlegungen und andererseits, welche Spiel- und Handlungsfreir\u00e4ume dem Individuum und sozialen Gruppen in einer Rolle offenstehen. Sie besch\u00e4ftigt sich damit, wie gesellschaftlich vorgegebene Rollen erlernt, verinnerlicht, ausgef\u00fcllt und modifiziert werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_765\" align=\"alignright\" width=\"312\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-144.png\"><img class=\"wp-image-765 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-144.png\" alt=\"\" width=\"312\" height=\"243\" \/><\/a> (c) www.imptel.odl.org\/[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Eine soziologische Sichtweise besagt, dass wir alle Theater spielen (Goffman, 2008). Jedes Individuum \u00fcbernimmt in der Gesellschaft ganz verschiedene <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Positionen<\/i> <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Rollen<\/i><\/span>. Eine Rolle spielt man immer in einer Bezugsgruppe. Diese Bezugsgruppe hat Erwartungen an die Rolle. Beispiel: Eine Person in der Rolle einer Lehrerin hat ganz bestimmte, dieser Rolle zugeschriebene Rechte und Pflichten und steht unter Aufsicht verschiedener <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bezugsgruppen<\/i><\/span> (z. B. Eltern, Kolleginnen, Sch\u00fcler, Schulleitung). Diese Bezugsgruppen haben <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erwartungen<\/i> <\/span>an das Verhalten der Lehrerin (an die Rolle) und schauen darauf, dass bestimmte Dinge getan werden, andere unterlassen. Neben normativen Erwartungen (was man tun sollte) gibt es auch die antizipatorischen Erwartungen (aufgrund des Rollenverst\u00e4ndnis zu erwartende Verhaltensweisen).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Man unterscheidet verschiedene Typen von Erwartungen: Kann-, Soll- und Muss-Erwartungen. Die Rolle ist ein B\u00fcndel von Erwartungen, das sich auf den Inhaber einer Position richtet.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Wenn Erwartungen nicht erf\u00fcllt werden, drohen Sanktionen. \u00abSanktionen sind die Reaktionen, die ein Rollenverhalten bei den Bezugsgruppen hervorruft\u00bb (AG Soziologie, 2004).<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Erwartungen<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Von den verschiedenen Bezugsgruppen werden unterschiedliche und auch sich widersprechende Erwartungen an eine Rolle herangetragen; diese einzelnen Teile der Rolle mit unterschiedlichen Erwartungen werden als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Rollensegmente<\/i> <\/span>bezeichnet. Das Individumm ist also sowohl Konflikten durch widerspr\u00fcchliche Erwartungen an seine Rolle durch verschiedene Bezugsgruppen ausgesetzt <i>(<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Intrarollenkonflikte<\/span>)<\/i>, als auch Konflikten, die dadurch entstehen, dass die Erwartungen an verschiedene Rollen einer Person sich widersprechen <i>(<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Interrollenkonflikte<\/span>)<\/i>.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Individuum oder das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Subjekt<\/i><\/span> hat in der Regel viele verschiedene Einzelrollen. Das Subjekt lebt nicht allein, sondern in einer Gruppe, z. B. in der Familie als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Prim\u00e4rgruppe<\/i><\/span>. Die Rollen und Rollensegmente werden in Gruppen, in Institutionen und Organisationen gepflegt und definiert. Hier entstehen auch die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erwartungen<\/i> <\/span>der Bezugsgruppen, die oft auf gesellschaftlichen Normen basieren. Durch diese Strukturen entsteht die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Kontrolle<\/i><\/span>. L\u00e4ngerfristig unterliegt die soziale Kontrolle dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialen Wandel<\/i><\/span>, d.h. die Rollen und Positionen ver\u00e4ndern sich mit der Zeit in einem laufenden Prozess.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Symbolischer Interaktionismus<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Menschliches Sozialverhalten \u00e4ussert sich in <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Geb\u00e4rden<\/i><\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>verbalen<\/i> oder <i>nonverbalen Gesten<\/i><\/span>, die als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Symbole<\/i><\/span> f\u00fcr bestimmte Bedeutungsinhalte stehen. Durch diese <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Symbole<\/i> <\/span>erhalten die Situationen des menschlichen Lebens ihre Bedeutung. Personen interpretieren die Lebenssituationen aufgrund dieser Symbole und verhalten sich entsprechend. Dieses Wissen \u00fcber die Bedeutungen wird unter anderem \u00fcber kulturelle und gesellschaftliche Bedingungen vermittelt und so von vielen Menschen geteilt.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_766\" align=\"alignright\" width=\"365\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-145.png\"><img class=\"wp-image-766 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-145.png\" alt=\"\" width=\"365\" height=\"208\" \/><\/a> (c) www.univie.ac.at\/[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Was in der sozialen Wirklichkeit vor sich geht, ist davon abh\u00e4ngig, was die Menschen in einer Situation und \u00fcber eine Situation meinen, wissen, glauben (AG Soziologie, 2004), auf dem Hintergrund von Normen und Werten. Wir befinden uns in einem st\u00e4ndigen Ablauf von Situationen, in denen wir aktiv handeln und entscheiden m\u00fcssen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Diese allt\u00e4glichen Vorg\u00e4nge laufen weitgehend anhand <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>signifikanter Symbole<\/i><\/span> ab.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Signifikante Symbole<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Handlungen werden geplant und durchgef\u00fchrt anhand signifikanter Symbole. Verbale und nonverbale Gesten stellen signifikante Symbole dar, durch die eine Interaktion, also eine Wechselbeziehung zwischen Subjekten, hergestellt oder ver\u00e4ndert werden kann. F\u00fcr das Individuum bedeutet dies: man muss die Bedeutung, den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>subjektiv gemeinten Sinn<\/i><\/span> der Handlungen der andern entschl\u00fcsseln k\u00f6nnen, um erfolgreich mit ihnen in Interaktion treten zu k\u00f6nnen (AG Soziologie, 2004). Je nach unseren Absichten und Meinungen k\u00f6nnen die Gesten und Handlungen eine andere Bedeutung haben. Die gleiche Armbewegung kann f\u00fcr den einen \u00abKratzen\u00bb bedeuten, f\u00fcr den andern ist sie eine Beleidigung.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Perspektiven<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Eindr\u00fccke von Sachverhalten und Ereignissen werden selektiv und abstrahierend geordnet. Es entstehen verschiedene Blickwinkel (Perspektiven) auf eine Situation. Diese ergeben dann auch mehr oder weniger treffende Situationsdeutungen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Perspektiven bestehen aus (AG Soziologie, 2004):<\/p>\r\n\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Vorstellungen<\/i> <\/span>\u00fcber die Eigenschaften einer Situation und die M\u00f6glichkeiten, damit umzugehen. Diese sind beeinflusst durch weltanschauliche, kulturspezifische, gruppenspezifische und Aspekte des Selbstbildes.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Klassifikationsschemata<\/i> <\/span>strukturieren unser Weltbild. Sie basieren auf <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Werten<\/span>, aber auch oft auf <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Vorurteilen<\/span>.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Normen<\/i> <\/span>sind die Erwartungen, die Bezugsgruppen an die Akteure richten.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ziele und Zwecke<\/i><\/span> sind ebenfalls Bestandteile der Perspektive und bewirken, dass Gegenst\u00e4nde und Situationen anders betrachtet werden. Auf einer weniger bewussten Ebene k\u00f6nnen die Ziele auch als Motivationen bezeichnet werden (Bed\u00fcrfnisse, Abneigungen, Triebe).<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Rollen\u00fcbernahme<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Begriff der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Rollen\u00fcbernahme<\/i> <\/span>ist f\u00fcr die interaktionistische Sichtweise wichtig. Ich hege <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erwartungen<\/i> <\/span>dar\u00fcber, was die andern von mir erwarten <i>(<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Erwartungs-Erwartungen<\/span>)<\/i>. Dadurch stelle ich mir vor, wie ich an Stelle der andern handeln w\u00fcrde.<\/p>\r\n\r\n<h4><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Interaktion<\/span><\/h4>\r\nDer Begriff der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Interaktion<\/i><\/span>basiert auf den Grundgedanken des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>symbolischen Interaktionismus<\/i><\/span> nach G.H. Mead. In der Interaktion werden Beziehungen ausgedr\u00fcckt, Erwartungen signalisiert und gedeutet, Regeln ausgehandelt, Werte ber\u00fccksichtigt und erwartet, Symbole ausgetauscht, Konflikte analysiert und zu einer L\u00f6sung gebracht sowie Handlungskonzepte und Zukunftsperspektiven geplant und Situationen strukturiert (Bumann &amp; Wettstein, 2014).\r\n<h4><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Rolle von Symbolen bei der Interaktion<\/span><\/h4>\r\nGesten (Geb\u00e4rden oder Laute) werden zu <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>signifikanten Symbolen<\/i><\/span>, d.h. zu Gesten, die einen direkten praktischen Sinn und Nutzen haben. Sie helfen in der Kommunikation und Interaktion weiter und vereinfachen diese.\r\n\r\nDas Handeln des Subjekts in der Gesellschaft ist immer Ausdruck seiner Beziehung zu bedeutsamen Andern:\r\n\r\nDas f\u00fcr einen Menschen typische Handeln und Verhalten, so auch eine Verhaltensauff\u00e4lligkeit, resultiert gr\u00f6sstenteils aus dem Kontakt mit anderen Menschen. Die menschliche Identit\u00e4t bildet sich im sozialen Umgang mit anderen, in den vielf\u00e4ltigen Interaktionen und Beziehungen. Dieser Umgang wird beherrscht von kulturell gepr\u00e4gten Symbolen wie Sprache, Schrift, Gestik, Mimik, welche eine f\u00fcr alle mehr oder weniger gemeinsame Bedeutung haben. Von besonderer Bedeutung ist der Symbolkomplex der Sprache (Bumann &amp; Wettstein, 2014).\r\n\r\nDie Interaktionisten haben auch kritische \u00dcberlegungen und Verfahrensweisen zu Problemen abweichenden Verhaltens vorgetragen (z.B. zu Kriminalit\u00e4t, Drogenabh\u00e4ngigkeit etc.) Manche von ihnen vertreten die Auffassung, Kriminalit\u00e4t sei eher ein Problem der Art und Weise, wie gesellschaftliche Organisationen (z.B. die Justiz) bestimmte Handlungen definieren. \u00abKriminell\u00bb ist nach dieser Auffassung, der so genannten <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Labeling-Theorie<\/i><\/span> (Engl. label: Etikett), eine Handlung nicht \u00aban sich\u00bb, sondern sie wird als kriminell etikettiert, wenn sie von den Normen und Regeln der bestehenden Institutionen abweicht. (AG Soziologie, 2004, S. 66), siehe auch weiter unten zum Etikettierungsansatz.\r\n<div class=\"textbox\"><strong><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Der symbolische Interaktionismus: <\/span><\/strong>Gem\u00e4ss der soziologischen Theorie des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">symbolischen <i>Interaktionismus<\/i><\/span> nach G.H. Mead wird die Bedeutung von sozialen Objekten, Situationen und Beziehungen im <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>symbolisch vermittelten Prozess<\/i><i>der Interaktion und Kommunikation<\/i><\/span> hervorgebracht. Man handelt aufgrund der Bedeutung, die Dinge in der Umwelt haben. Die Bedeutung ist weder an den Dingen fixiert, noch ist sie nur im Subjekt repr\u00e4sentiert, sondern sie entsteht in der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Interaktion<\/i><\/span>. Subjekte m\u00fcssen st\u00e4ndig die Bedeutung interpretieren, die soziale Objekte, Situationen und Beziehungen haben.<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Symbolischer Interaktionismus<\/h3>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das folgende Video illustriert die Konzepte des symbolischen Interaktionismus (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=prFU6SJt1T4&amp;amp;feature=emb_logo\">youtube<\/a>)<\/div>\r\n<div>\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_George_Herbert_Mead_Symbolischer_Interaktionismus_mit_Hunden.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_George_Herbert_Mead_Symbolischer_Interaktionismus_mit_Hunden.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Mind Map: Soziale Handlungstheorien<\/h3>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Umfassendes Mind Map zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Rollentheorie<\/span> und allgemein zu sozialen Interaktionstheorien (Vergr\u00f6sserung anklicken).<\/div>\r\n<div><\/div>\r\n<div>\r\n\r\n[caption id=\"attachment_767\" align=\"aligncenter\" width=\"711\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-146.png\"><img class=\"wp-image-767 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-146.png\" alt=\"Die wesentlichen Punkte aus der skizzenhaften Mindmap zur Rollentheorie sind im Fliesstext festgehalten.\" width=\"711\" height=\"524\" \/><\/a> (c) kaizenssummera.blogspot.ch[\/caption]\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2>Sozialisation, Person, Idividuum<\/h2>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Sozialisation<\/h3>\r\n[caption id=\"attachment_768\" align=\"alignright\" width=\"319\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-147.png\"><img class=\"wp-image-768 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-147.png\" alt=\"\" width=\"319\" height=\"213\" \/><\/a> (c) www.phbern.ch\/[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Angeborene Eigenschaften und Verhaltensabl\u00e4ufe legen den Menschen nur zu einem kleinen Teil fest. Es sind vielmehr die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialen Beziehungen und Kontexte<\/i><\/span>, die das konkrete Empfinden, Wahrnehmen, Erleben, Denken und Handeln des Menschen entwickeln (Scherr, 2010). Aus soziologischer Perspektive gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Gesellschaftsstrukturen und Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung, der sich im Laufe der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sozialisation<\/i> <\/span>des Individuums manifestiert.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die soziologische Sozialisationsforschung untersucht die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>gesellschaftlichen Bedingungen von Sozialisationsprozessen<\/i><\/span>, aber auch die gesellschaftlichen Einfl\u00fcsse auf die Sozialisationsprozesse. Eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>grunds\u00e4tzliche soziale Handlungsorientierung und Handlungsbef\u00e4higung<\/i><\/span> wird f\u00fcr den Menschen als angeboren angenommen. Aktive Teilnahme an sozialen Handlungs- und Kommunikationsprozessen sowie emotional bedeutsame Sozialbeziehungen sind von zentraler Bedeutung f\u00fcr den Sozialisationsprozess (Scherr, 2010).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Grundlegende Aspekte der Sozialisation umfassen die drei Dimensionen der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Personalit\u00e4t<\/i><\/span>, der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Individualit\u00e4t<\/i> <\/span>und der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Subjektivit\u00e4t<\/i><\/span>. Der Einzelne ist durch Rollen, Normen und Werte gesellschaftlich bestimmt, aber gleichzeitig auch durch die Einzigartigkeit, die dem Individuum zugeschrieben wird, und schliesslich durch die Subjektivit\u00e4t, der F\u00e4higkeit zu Sprache, Handlungs- und Selbstbestimmung (Scherr, 2010).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox\">Emile Durkheim (1858-1917) verstand unter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Sozialisation <\/span>alle \u00abEinwirkungen der Erwachsenengeneration auf diejenigen, die noch nicht reif sind f\u00fcr das Leben in der Gesellschaft\u00bb.<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Man unterscheidet verschiedene <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Phasen <\/span>der Sozialisation:<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Prim\u00e4re Sozialisation<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die prim\u00e4re Sozialisation beinhaltet die Beziehungen zur Familie, aber auch zu Gleichaltrigen, und zielt auf die\u00a0 Herausbildung einer personalen Identi\u00e4t des Individuums. Der liebevolle Umgang und die Zuwendung der Familie machen das Individuum handlungsf\u00e4hig f\u00fcr weitere Sozalisationschritte.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Sekund\u00e4re Sozialisation<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die zweite Phase, die sekund\u00e4re Sozialisation, wird auch als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Enkulturation<\/i><\/span> bezeichnet. Nach Abschluss der prim\u00e4ren Sozialisation findet in der Enkulturation ein Prozess der Vergesellschaftung statt. Das Kind soll in dieser Phase alle Werte, Normen, F\u00e4higkeiten und Techniken der eigenen Kultur durch Eltern, Familie, Schule, Medien usw. erlernen. Die in dieser Phase verinnerlichten Werte und Normen gelten als relativ stabil.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Terti\u00e4re Sozialisation<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Heute wird auch von einer dritten Phase der terti\u00e4ren Sozialisation gesprochen. Diese findet im Erwachsenalter statt und ist gekennzeichnet durch die st\u00e4ndige Anpassung des Individuums an seine Umwelt, verstanden als lebenslanger Prozess der Ver\u00e4nderung. Terti\u00e4re Sozialisation ist die Bezeichnung f\u00fcr jene Phase der Sozialisation, in der vor allem berufliche und organisationale Einfl\u00fcsse wirksam werden.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sozialisation<\/i> <\/span>ist kein zeitlich und r\u00e4umlich begrenztes Geschehen, sondern ist als lebenslanger Prozess zu verstehen. Sozialisation geschieht haupts\u00e4chlich ungeplant und unbeabsichtigt. Alle sozialen Situationen bilden struktruriertes Erfahrungsmaterial, das den Beteiligten nicht umfassend bewusst ist. F\u00fcr die Beteiligten erfolgt eine \u00abselektive und eigensinnige individuelle Aneigung dieses Erfahrungsmaterials\u00bb (Scherr, 2010).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Beispiel:<\/div>\r\n<div class=\"textbox__content\">Ein Kind erf\u00e4hrt nicht erst dadurch die bei gemeinsamen Mahlzeiten in der Familie geltenden Verhaltensregeln, dass die Eltern ihm ausdr\u00fccklich Anweisungen \u00fcber angemessenes Verhalten geben. Schon die ganz gew\u00f6hnliche Teilnahme an der Mahlzeit erm\u00f6glicht es ihm, typische Handlungsmuster und Gewohnheiten wahrzunehmen. Sozialisation vollzieht sich hier also bereits dadurch, dass ein Kind Handlungsmuster Erwachsener beobachtet und ggf. nachahmt, z. B. spielerisch imitiert. Dar\u00fcber hinaus erlebt das Kind in dieser Situation die Struktur der sozialen Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern \u2014 unabh\u00e4ngig davon, ob die Eltern dies beabsichtigen. Es erwirbt damit auch Erfahrungen bez\u00fcglich seiner Stellung in der Familie und der emotionalen Beziehungen zwischen den Anwesenden (Scherr, 2010).<\/div>\r\n<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erziehung<\/i> <\/span>kann im Gegensatz zur erw\u00e4hnten \u00abautomatisch\u00bb ablaufenden als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>geplante und absichtsvolle Sozialisation<\/i><\/span> angesehen werden. Erziehung erreicht aber oft die angestrebten Ziele nicht oder nur teilweise. Befunde aus der Sozialforschung begr\u00fcnden diese <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Grenzen der Erziehung<\/b><\/span> (Scherr, 2010):<\/p>\r\n\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Bewusste und gezielte Erziehungshandlungen sind gegen\u00fcber den unbeabsichtigt und st\u00e4ndig ablaufenden Sozialisationsvorg\u00e4ngen in der Minderzahl. D.h. die st\u00e4ndig pr\u00e4senten Sozialisationsvorg\u00e4nge haben eine gr\u00f6ssere Bedeutung.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Selbstsozialisation in Gleichaltrigengruppen ist von ausschlaggebender Bedeutung f\u00fcr die Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung, wie aus Beobachtungen geschlossen werden muss (Scherr, 2010). Kinder und Jugendliche \u00aborientieren sich demnach nicht zentral an den eigenen Eltern bzw. an Erwachsenen, sondern an denjenigen, mit denen sie sich als Alters- und Geschlechtsgleiche identifizieren k\u00f6nnen\u00bb (Scherr, 2010).<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Erziehung kann daran scheitern, dass sie als Versuch absichtsvoller Beeinflussung erkannt und abgelehnt wird. \u00abKinder, Jugendliche und Erwachsene k\u00f6nnen die Erwartung, sich erziehen zu lassen, als solche zur\u00fcckweisen\u00bb.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Diese Ph\u00e4nomene zeigen eine grundlegende Problematik f\u00fcr die p\u00e4dagogischen Berufe auf:<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erziehung<\/i> <\/span>ist nicht nur durch bewusste Erziehungshandlungen zu errreichen, sondern vor allem durch eine angemessene Gestaltung des gesamten Sozialisationskontextes in p\u00e4dagogischen Einrichtungen (Scherr, 2010).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Gesellschaftlichkeit und Individualit\u00e4t<\/h3>\r\n[caption id=\"attachment_769\" align=\"alignright\" width=\"396\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-148.png\"><img class=\"wp-image-769 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-148.png\" alt=\"\" width=\"396\" height=\"213\" \/><\/a> (c) research.ptvgroup.com\/[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">F\u00fcr die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Soziologie<\/i> <\/span>hat das Thema der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sozialisation<\/i><\/span> dreifache Bedeutung (Scherr, 2010):<\/p>\r\n\r\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Erstens impliziert sie die Frage nach den Bedingungen einer Sozialisation, die die Individuen zur Erf\u00fcllung gesellschaftlicher Erwartungen und Anforderungen bef\u00e4higt bzw. motiviert; sie h\u00e4ngt insofern eng mit der Thematik <span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Normalit\u00e4t und Abweichung\u00a0<\/span>zusammen.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Zweitens erm\u00f6glicht sie die Frage nach einer solchen Gestaltung gesellschaftlicher Lebensbedingungen, die der Entwicklung und Realisierung menschlicher F\u00e4higkeiten zu eigenverantwortlichem, rational begr\u00fcndetem, sozial kooperativem und moralisch rechtfertigbarem Handeln f\u00f6rderlich ist.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Drittens unterscheiden sich soziologische Theorien erheblich in ihrer jeweiligen Einsch\u00e4tzung der St\u00e4rke und Schw\u00e4che gesellschaftlicher Einflussnahmen auf die individuelle Entwicklung, also darin, ob sie eher die soziale Bestimmtheit oder die individuelle Selbstbestimmungsf\u00e4higkeit betonen.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\r\n\r\nSozialisation als komplexer Prozess:\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Menschen sind einzigartige <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Individuen<\/b><\/span>, die sich in ihrem Empfinden, Denken und Handeln unterscheiden. Dies gilt auch f\u00fcr Individuen, die unter weitgehend \u00e4hnlichen sozialen Bedingungen aufgewachsen sind und leben.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Es gibt aber Situationen, in denen die Besonderheiten des Einzelnen hinter sozial festgelegte Modelle zur\u00fccktreten. Solche B\u00fcndel von Erwartungen werden als\u00a0<span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>soziale Rollen<\/b><\/span> bezeichnet (<a href=\"#soziale-rollen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">siehe dort<\/a>). Sozialisation beinhaltet das Erlernen solcher Rollen und auch von Rollendistanz, und den taktischen oder spielerischen Umgang mit Rollenerwartungen.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Individuen sind Mitglieder sozialer Bezugsgruppen und Organisationen z.B. der <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Wir-Gruppe<\/b><\/span> (Familie, Verwandtschaft, Freunde, Cliquen) oder von <span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Organisationen<\/span> (Kirchen, Parteien, Vereine, Wirtschaftsbetriebe etc.). Die Mitglieder besitzen gemeinsame Merkmale, die sie von den Mitgliedern anderer Gruppen und <b>Organisationen<\/b> unterscheiden.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Grundlegende Gemeinsamkeiten aller Menschen sind Sprachf\u00e4higkeit und Selbstbewusstseinsf\u00e4higkeit (Reflexivit\u00e4t), die durch angeborene Merkmale und Dispositionen nur wenig festgelegt sind.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\n<b>Primat des Sozialen gem\u00e4ss George H. Mead<\/b> (Vorrang des Sozialen, Selbstbild und Identit\u00e4t, Scherr, 2010, S. 55)\r\n\r\nGrundlagentheoretisch ist im Anschluss an George H. Mead (1863\u20141931) von einem Primat des Sozialen auszugehen: Menschen treten mit ihrer Geburt nicht als sprach- und handlungsf\u00e4hige Individuen mit bereits ausgepr\u00e4gten Pers\u00f6nlichkeitsmerkmalen, Bed\u00fcrfnissen und Interessen in soziale Zusammenh\u00e4nge ein, sondern als durch ihre biologische Ausstattung nur wenig festgelegte Wesen. Sie k\u00f6nnen sich nur durch die Teilnahme an sozialen Zusammenh\u00e4ngen, durch die Interaktion mit bedeutsamen Anderen (significant others) im Prozess der prim\u00e4ren Sozialisation zu eigenst\u00e4ndig sprach- und handlungsf\u00e4higen Subjekten heranbilden und zugleich eine sie von anderen unterscheidende Individualit\u00e4t entwickeln (Scherr, 2010).\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Soziale Bedingungen vs. individuelle Eigenleistung<\/h3>\r\n<figure class=\"ilc_media_cont_MediaContainer\"><\/figure>\r\n[caption id=\"attachment_770\" align=\"alignright\" width=\"359\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-149.png\"><img class=\"wp-image-770 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-149.png\" alt=\"Grafische Darstellung rennender weisser Figuren, mit einer roten Figur an der Spitze.\" width=\"359\" height=\"202\" \/><\/a> (c) wilfried-fox.de\/[\/caption]\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Sozialisation: Soziale Bedingungen vs. individuelle Eigenleistung<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Veraltete Denkmodelle sehen in der Sozialisation vor allem eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Pr\u00e4gung<\/i><\/span>, also eine einseitige Beeinflussung und Lenkung des Individuums durch Gesellschaft, Kultur und Erziehung. Individualit\u00e4t und Subjektivit\u00e4t werden in dieser Sichtweise vernachl\u00e4ssigt. Diese Sichtweise ist vor allem h\u00e4ufig, wenn auff\u00e4llige Verhaltensweisen erkl\u00e4rt werden sollen. Wichtig sind demgegen\u00fcber Handlungsmodelle, die die komplexen Zusammenh\u00e4nge von sozialen Bedingungen und individueller Eigenst\u00e4ndigkeit beschreiben und empirisch erforschen (Scherr, 2010).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Auch ein anderes \u00fcberliefertes Denkmodell hat sich als falsch erwiesen: die Annahme einer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>prim\u00e4ren Asozialit\u00e4t<\/i><\/span> des Menschen mit der Vorstellung, aufgrund der egoistischen und asozialen Natur des Menschen sei es notwendig, diese prim\u00e4re Asozialit\u00e4t durch soziale Normen und Zw\u00e4nge einzuschr\u00e4nken (Scherr, 2010). Demgegen\u00fcber betont Scherr (2010) als <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">grundlegende Kompetenz des Menschen die F\u00e4higkeit zur Perspektiven\u00fcbernahme und Kooperation<\/span>.<\/i><\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Sozialisation als Aneigung sozial geteilter Wirklichkeit<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Luhmann hat die These vertreten, Sozialisation sei <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Selbst-Sozialisation<\/span>, und damit postuliert, dass sich die soziale Interaktion und Kommunikation nicht direkt auf die psychischen Prozesse des Einzelnen auswirken, sondern dass das Individuum aktiv die erhaltene Information verarbeitet. Heranwachsende nehmen an der allt\u00e4glichen Lebenswelt ihrer sozialen Gruppe teil und eignen sich damit deren Weltsicht an. Dieser Sozialisationsprozess bewirkt den Erwerb<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"> <i>grundlegender sozial geteilter Wahrnehmungs-, Deutungs-, Handlungs- und Bewertungsmuster<\/i><\/span><i>.<\/i> Bourdieu vergleicht diese Muster mit der Grammatik einer Sprache (Scherr, 2010).<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Bedingungen gelingender Sozialisation: Soziale Anerkennung und Sprach- und Handlungsf\u00e4higkeit<\/span><\/h4>\r\nSozialisationsbedingungen und -verl\u00e4ufe k\u00f6nnen zu St\u00f6rungen der individuellen Entwicklung f\u00fchren, die sich z. B. in problematischem Kommunikationsverhalten, psychischen Erkrankungen oder Suchtkarrieren manifestieren (Scherr, 2010). F\u00fcr die Entwicklung eines positiven Selbstwertgef\u00fchls sowie rationaler und moralisch verantwortlicher Handlungs- und Entscheidungsf\u00e4higkeit sind folgende Bedingungen wichtig:\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die Individualit\u00e4t und die eigenverantwortliche Handlungsf\u00e4higkeit bilden sich in Verh\u00e4ltnissen wechselseitiger Anerkennung. Diese wechselseitige Anerkennung wird im Umgang mit Kleinkindern quasi im Vorgriff auf ihre erst noch zu entwickelnde F\u00e4higkeit erbracht.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Famili\u00e4re oder familien\u00e4hnliche Beziehungen sind f\u00fcr die fr\u00fchkindliche Sozialisation bedeutsam. Sie sind gekennzeichnet durch hohe Interaktionsdichte, Konstanz der Bezugspersonen sowie verl\u00e4ssliches Verhalten dieser Bezugspersonen (Scherr, 2010).<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Grunds\u00e4tzlich ist die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sprache<\/i> <\/span>das wichtigste Organisationsprinzip der Sozialisation.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\"><span style=\"font-size: 1em\"><b>Grundannahmen zur Sprachentwicklung<\/b> aus der sozialwissenschaftlichen Sozialisationsforschung (Scherr, 2010):<\/span><\/p>\r\n\r\n<ul>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\"><span style=\"font-size: 1em\">In der Interaktion werden Kinder von Anfang an, also schon bevor sie die Bedeutung von W\u00f6rtern und S\u00e4tzen tats\u00e4chlich verstehen, von ihren prim\u00e4ren Bezugspersonen als Wesen behandelt, die zu sprachlicher Verst\u00e4ndigung grunds\u00e4tzlich in der Lage sind. Gemeinsame Handlungen mit dem Kind werden sprachlich kommentiert und die elementaren Laute und Gesten des Kindes werden als verstehbare \u00c4usserungen behandelt.<\/span><\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\"><span style=\"font-size: 1em\">Indem die prim\u00e4ren Bezugspersonen in der Interaktion mit dem Kind \u00fcber ihr eigenes Erleben und Handeln, das Empfinden und Handeln des Kindes sowie Objekte sprechen, werden dem Kind erste sprachliche Deutungen und Beschreibungen seiner elementaren Wahrnehmungen und Erlebnisse angeboten. Dadurch wird das Kind allm\u00e4hlich bef\u00e4higt, Ereignisse, Personen und Dinge mit sprachlichen \u00c4usserungen zu verbinden.<\/span><\/li>\r\n \t<li><span style=\"font-size: 1em\">Bezugspersonen reagieren auf die Gesten und lautsprachlichen \u00c4usserungen eines Kleinkindes so, als ob es sich bereits um intentionale und verst\u00e4ndliche Mitteilungen handelte. Damit werden Kindern sprachliche Ausdrucksformen und Interpretationen ihrer eigenen Wahrnehmungen, Handlungen und Empfindungen angeboten, die sie erlernen und verwenden k\u00f6nnen. Indem sich Bezugspersonen mit Kindern auf die Bedeutung elementarer \u00c4usserungen einigen, k\u00f6nnen zun\u00e4chst recht einfache sprachliche Kommunikationsmuster aufgebaut werden, die im weiteren Verlauf zu komplexeren Sprach\u00e4usserungen weiterentwickelt werden.<\/span><\/li>\r\n \t<li><span style=\"font-size: 1em\">Die prim\u00e4ren Bezugspersonen wirken, ohne dass dies notwendigerweise absichtsvoll geschieht, auf die Verfestigung und den Ausbau der sprachlichen F\u00e4higkeiten des Kindes hin, indem sie sprachliche \u00c4usserungen aufgreifen, also etwa aus kindlichen Lauten W\u00f6rter formen, sprachlich korrekte \u00c4usserungen wiederholen oder unvollst\u00e4ndige S\u00e4tze vervollst\u00e4ndigen.<\/span><\/li>\r\n<\/ul>\r\nDie <b>Bedeutung von Sprache f\u00fcr den Sozialisationsprozess<\/b> und f\u00fcr das soziale Zusammenleben insgesamt l\u00e4sst sich nicht angemessen begreifen, wenn Sprache als ein blosses Mittel der Verst\u00e4ndigung \u00fcber vorsprachliche Absichten, Bed\u00fcrfnisse oder Interessen gedacht wird. Denn Sprachen sind, wie in den sprachphilosophischen Untersuchungen <i>Ludwig Wittgensteins<\/i> (1889\u20141951) deutlich wurde, kein neutrales Instrument, \u00fcber das Individuen zum Zweck der Mitteilung und Verst\u00e4ndigung verf\u00fcgen k\u00f6nnen. Vielmehr enthalten Sprachen die grundlegenden Muster der Wahrnehmung, Deutung und Bewertung, innerhalb derer Individuen sich selbst sowie ihre soziale und nat\u00fcrliche Umwelt erleben. Unterschiede der Sprachen, die in sozialen Gruppen gesprochen und erlernt werden, bedingen folglich auch Differenzen des jeweiligen Selbst- und Weltverst\u00e4ndnisses (Scherr, 2010, S. 63).\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2>Identit\u00e4t und Habitus<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Identit\u00e4t und Habitus bezeichnen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verhaltensdispositionen<\/i><\/span>, die Menschen im Verlauf ihres Lebens entwickeln. Individuen statten sich selbst mit bestimmten Merkmalen aus und ordnen sich damit bestimmten sozialen Gruppen zu. Gleichzeitig werden sie aber auch von den Andern aufgrund dieser Merkmale bestimmten Gruppen zugeordnet und sozial typisiert (Liebsch, 2010). Identit\u00e4t und Habitus verbinden die mikrosoziologische Ebene des Handelns von Individuen mit der makrosoziologischen Ebene der gesellschaftlichen Strukturen.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Definition Identit\u00e4t<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Identit\u00e4t ist ein Konzept zum Verst\u00e4ndnis von Selbstbildern. Mit Hilfe des Identit\u00e4tskonzepts werden sich st\u00e4ndig wandelnde Antworten auf die Frage \u00abWer bin ich?\u00bb gegeben. Identit\u00e4ten werden in einem Wechselspiel von bestehenden sozialen Strukturen und ver\u00e4ndernder Aneignung gebildet. Sie transportieren sowohl Reaktionen auf Vorgegebenes wie auch selbstgestaltete Definitionen. (Liebsch, 2010)<\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\r\n\r\nDer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Habitus<\/i> <\/span>ist als eine Art sozialer Grammatik in die K\u00f6rper und Verhaltensweisen der einzelnen Individuen eingeschrieben. Der Habitus als eine Institutionalisierung und Habitualisierung des Verhaltens bringt f\u00fcr das Individuum Entlastung, weil nicht jede einzelne Handlung detailliert geplant werden muss. Habitus ist nicht eine Eigenschaft des Individuums, sondern eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Struktur des Handelns<\/i><\/span>.\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Definition Habitus<\/span><\/h3>\r\nDer Habitus bezeichnet zum einen die habitualisierten Gewohnheiten und Handlungen von Personen. Zum anderen wird mit Habitus auch ein sozialisatorisch erworbenes Schema zur Erzeugung immer neuer Handlungen bezeichnet, das Grenzen und Spielr\u00e4ume sozialer Ordnungen reproduziert und ver\u00e4ndert. Als dialektischer Begriff bezeichnet der Habitus immer beides: das bereits Strukturiert-Sein und die strukturierende Funktion der Handlungen von Individuen, die gesellschaftliche Pr\u00e4gung und die individuellen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten (Liebsch, 2010).\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Abweichendes Verhalten<\/h2>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Abweichendes Verhalten und soziale Kontrolle<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-150.png\"><img class=\"alignright wp-image-772 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-150.png\" alt=\" \" width=\"270\" height=\"181\" \/><\/a>Abweichendes Verhalten<\/i><\/span>, in diesem Kontext auch als Devianz bezeichnet, ist Verhalten, das gegen die gesamtgesellschaftlichen Normen, Regeln und Werte verst\u00f6sst. Wo es Regeln gibt, gibt es aber auch Abweichungen (Peuckert, 2010). Abweichendes Verhalten ist ein Bestandteil der gesellschaftlichen Organisation (bei Durkheim als \u00abNormalit\u00e4t des Verbrechens\u00bb bezeichnet), in diesem Sinne allgegenw\u00e4rtig und unvermeidbar.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Kontrolle<\/i><\/span> soll garantieren, dass Menschen sich konform verhalten, z. B. durch Prozesse der sozialen Integration. Die Person, die abweichendes Verhalten zeigt, soll bestraft, behandelt oder gebessert werden.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Abweichendes Verhalten kann sowohl <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>funktional<\/i> <\/span>wirken (d.h. systemerhaltend, f\u00f6rderlich), als auch <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>dysfunktional<\/i>\u00a0<\/span>(sch\u00e4dlich). Die dysfunktionalen Wirkungen sind unmittelbar einleuchtend: Das abweichende Verhalten (z. B. Kriminalit\u00e4t) sch\u00e4digt sowohl T\u00e4ter und Opfer als auch die Gesellschaft und verursacht hohe Kosten.Wird ein gewisses Ausmass an Devianz \u00fcberschritten, wird das Gerechtigkeitsempfinden verletzt und die Regeln werden in Frage gestellt (Peuckert, 2010).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>funktionale Beitrag<\/i><\/span> abweichenden Verhaltens kann wichtig sein f\u00fcr die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Lebensf\u00e4higkeit eines sozialen Systems<\/i><\/span>. Gem\u00e4ss Durkheim ist Kriminalit\u00e4t notwendig, n\u00fctzlich und ein integratives Element in jeder gesunden Gesellschaft (Durkheim, 2007). Das Positive erh\u00e4lt erst durch die Existenz des Negativen Sinn, der Inhalt der Moral, d.h. was erlaubt ist, wird teilweise dadurch definiert, was nicht erlaubt ist (Peuckert, 2010).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Soziale Kontrolle und Sanktionen sind deshalb notwendig. Sanktionen tragen dazu bei, den genauen Inhalt der Normen und die Grenzen ihres Geltungsbereichs deutlich zu machen.<\/p>\r\n\r\n<h2>Erkl\u00e4rungen abweichenden Verhaltens<\/h2>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">\u00c4tiologisches Paradigma: Anomietheorie<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00e4tiologische Paradigma<\/i><\/span> oder <i>die <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ursachentheorie<\/i> <\/span>ist einer von zwei wichtigen Erkl\u00e4rungsans\u00e4tzen f\u00fcr abweichendes Verhalten; der zweite Ansatz ist die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>interaktionistische Devianzperspektive<\/i><\/span> (Peuckert, 2010).<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Das \u00e4tiologische Paradigma<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der \u00e4tiologische Ansatz zielt auf Pr\u00e4vention, Behandlung, Korrektur und soziale Kontrolle abweichenden Verhaltens. Abweichler werden als behandlungsbed\u00fcrftig angesehen. Unerw\u00fcnschte Verhaltensweisen sollen vermieden oder abgebaut werden. Gem\u00e4ss \u00e4tiologischem Ansatz besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen Abweichlern und Konformen. Es gilt, die Faktoren aufzudecken, die abweichende Personen physisch, psychisch oder sozial von konformen unterscheiden. Diese k\u00f6nnen dann als Ursachen der Abweichung bezeichnet werden (Peuckert, 2010).<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_773\" align=\"alignright\" width=\"252\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-151.png\"><img class=\"wp-image-773 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-151.png\" alt=\"\" width=\"252\" height=\"252\" \/><\/a> (c) archive.org\/[\/caption]\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Anomietheorie<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">ist eine sozialstrukturelle Kriminalit\u00e4tstheorie und ein Beispiel f\u00fcr den \u00e4tiologischen Ansatz. Robert K. Merton formulierte die Theorie zuerst 1938 und \u00fcberarbeitete sie 1957.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Auftreten von Devianz ist ein Ausdruck von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Anomie<\/i> <\/span>(d.h. Norm- oder Regellosigkeit), die als Folge \u00fcbersteigerter Erwartungshaltungen in der Bev\u00f6lkerung auftritt. Merton setzt voraus, dass es einerseits <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>kulturelle Ziel<\/i>e<\/span> als W\u00fcnsche und Erwartungen der Menschen einer Gesellschaft gibt (z. B. Bildung, Wohlstand, hohes Ansehen), und dass es andererseits <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Normen<\/i> <\/span>gibt, welche die Mittel vorschreiben, die die Menschen zur Realisierung dieser Ziele anwenden d\u00fcrfen (z. B. Fleiss, Intelligenz, Lernfreude). Als Anomie wird dann ein Ziel-Mittel-Konflikt bezeichnet, hervorgerufen durch gesellschaftliche Bedingungen wie fehlende Chancengleichkeit.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Abweichendes Verhalten kann in dieser Sicht als Symptom f\u00fcr das Auseinanderklaffen von kulturell vorgegebenen Zielen und sozial strukturierten Wegen, auf denen diese Ziele zu erreichen sind, betrachtet werden (Merton, 1979). Deshalb liegt der st\u00e4rkste Druck auf den unteren Sozialschichten. D.h. in dieser Sichtweise ist Kriminalit\u00e4t eine normale Reaktion benachteiligter Individuen (Peuckert, 2010).<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Devianz<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Devianz ist eine m\u00f6gliche Reaktionsweise auf Anomie. Merton beschreibt f\u00fcnf verschiedene m\u00f6gliche Arten individueller Anpassung, die von Myschker (2005, S. 112) mit Bezug auf schulische Anpassungstypen so beschrieben werden:<\/p>\r\n\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Konformit\u00e4t<\/b> <\/span>meint die Situation, in der der Sch\u00fcler versucht, seine Defizite durch Hilfe von aussen (z.B. Nachhilfeunterricht) auszugleichen oder diese Defizite zu akzeptieren und sich, z.B. durch \u00dcberweisung auf eine Sonderschule f\u00fcr Lernbehinderte, auf einen unteren Leistungslevel einzustellen.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Als <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>deviante Innovation<\/b><\/span> l\u00e4sst es sich bezeichnen, wenn zur Erreichung der vorgeschriebenen Leistungen illegitime Mittel benutzt werden, wenn z.B. beim Klassenkameraden abgeschrieben wird.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Ritualismus<\/b> <\/span>oder <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Opportunismus<\/b> <\/span>ist eine Form der Scheinanpassung, d.h., der Sch\u00fcler verh\u00e4lt sich \u00abim Hinblick auf die geltenden Normen konform, obwohl er ein indifferentes oder auch ablehnendes Verh\u00e4ltnis zu den entsprechenden Zielen hat\u00bb (Wurr\/Trabandt, 1980, S. 26).<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Rebellion<\/b> <\/span>ist das Setzen und Durchsetzen eigener Ziele durch St\u00f6ren des Unterrichts, um von eigenen Defiziten abzulenken und Zuwendung oder sogar Anerkennung zu erfahren.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Als <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Apathie<\/b> <\/span>lassen sich ein innerer oder auch \u00e4usserer R\u00fcckzug, wie Schweigen und Sich-Verweigern im Unterricht, oder auch Schuleschw\u00e4nzen bezeichnen.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Umgangsformen mit anomischen Spannungen<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Barth (2009, S. 326) beschreibt die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Umgangsformen mit anomischen Spannungen<\/i><\/span> am Beispiel der Schule.<\/p>\r\n\r\n<table class=\"grid\" style=\"width: 734px\" width=\"\">\r\n<tbody>\r\n<tr valign=\"top\">\r\n<th class=\"ilc_table_cell_Cell1\" style=\"width: 314.5px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><strong>Arten der Anpassung<\/strong><\/div><\/th>\r\n<th class=\"ilc_table_cell_Cell1\" style=\"width: 167.267px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><strong>Institutionelle Mittel: <\/strong><strong>individuelle Lernleistung<\/strong><\/div><\/th>\r\n<th class=\"ilc_table_cell_Cell1\" style=\"width: 209.333px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><strong>Kulturelle Ziele: <\/strong><strong>Schulerfolg, Bildungschancen<\/strong><\/div><\/th>\r\n<\/tr>\r\n<tr valign=\"top\">\r\n<td style=\"width: 314.5px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">1. Konformit\u00e4t: <\/span>Fleiss<\/div><\/td>\r\n<td style=\"width: 167.267px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">+<\/span><\/div><\/td>\r\n<td style=\"width: 209.333px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">+<\/span><\/div><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr valign=\"top\">\r\n<td style=\"width: 314.5px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">2. Innovation (Neuerung): <\/span>spicken, krank sein bei Pr\u00fcfungen<\/div><\/td>\r\n<td style=\"width: 167.267px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">-<\/span><\/div><\/td>\r\n<td style=\"width: 209.333px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\">+<\/div><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr valign=\"top\">\r\n<td style=\"width: 314.5px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">3. Ritualismus: <\/span>hinschmieren, Pflichterf\u00fcllung ohne Interesse<\/div><\/td>\r\n<td style=\"width: 167.267px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">+<\/span><\/div><\/td>\r\n<td style=\"width: 209.333px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">-<\/span><\/div><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr valign=\"top\">\r\n<td style=\"width: 314.5px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">4. Apathie (R\u00fcckzug): <\/span>Absentismus (schw\u00e4nzen, tr\u00e4umen), hohe Besetzung der Freizeit<\/div><\/td>\r\n<td style=\"width: 167.267px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">-<\/span><\/div><\/td>\r\n<td style=\"width: 209.333px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">-<\/span><\/div><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr valign=\"top\">\r\n<td style=\"width: 314.5px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">5. Rebellion: <\/span>Disziplinarische Probleme im Unterricht (Ver\u00e4nderung der Norm wird angestrebt)<\/div><\/td>\r\n<td style=\"width: 167.267px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">+\/-<\/span><\/div><\/td>\r\n<td style=\"width: 209.333px\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">+\/-<\/span><\/div><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Die Umgangsformen mit anomischen Spannungen werden bezogen auf die Schule und ein Fallbeispiel ausf\u00fchrlich besprochen. Im letzten Abschnitt werden ausserdem die praktischen handlungstheoretischen Konsequenzen erl\u00e4utert, welche sich aus der anomietheoretischen Erkl\u00e4rung abweichenden Verhaltens ableiten lassen (Barth, 2009, S. 329).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">(Quelle: Barth, Daniel. (2009). Abweichendes Verhalten und Disziplinschwierigkeiten in der Schule als Problem der sozialen Ordnung. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Vierteljahresschrift f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik und ihre Nachbargebiete<\/i><\/span>, 321\u2013333.)<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Interaktionistische Devianzperspektive<\/h3>\r\n[caption id=\"attachment_774\" align=\"alignright\" width=\"188\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-152.png\"><img class=\"wp-image-774 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-152.png\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"281\" \/><\/a> (c) criminologia.de\/[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die zweite Erkl\u00e4rungsm\u00f6glichkeit abweichenden Verhaltens, neben dem bereits besprochenen \u00e4tiologischen Ansatz, ist die\u00a0<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>interaktionistische Devianzperspektive<\/i><\/span>, auch als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Etikettierungsansatz<\/i> <\/span>bekannt (labeling approach). Abweichendes Verhalten oder Devianz wird in dieser Perspektive als eine sich fortlaufend entwickelnde Folge dynamischer Interaktionsprozesse aufgefasst (Peuckert, 2010).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das folgende Beispiel gibt den Entwicklungsprozess delinquenten bzw. kriminellen Verhaltens im Sinn der interaktionistischen Devianzperspektive in acht Phasen wieder. Damit soll verdeutlicht werden, dass Kriminalit\u00e4t nicht eine spezielle Qualit\u00e4t eines Menschen, sondern das Ergebnis eines Prozesses ist, in dem einseitige Situationsdefinitionen und spezielle Umst\u00e4nde negative Typisierungen und Sanktionen mit entsprechenden Reaktionen hervorbringen, wie im Folgenden gezeigt wird (Quensel, 1970; zit. nach Myschker, 2005; S. 112):<\/p>\r\n\r\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Ein Jugendlicher begeht ein kleines Delikt zur L\u00f6sung eines kleinen Problems (Elternkonflikt \u2014 Diebstahl).<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Der Jugendliche hat kein Gl\u00fcck: Es kommt zu keiner Probleml\u00f6sung, vielmehr zu einer Bestrafung.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Das Problem wird gr\u00f6sser. Die Ablehnung der Umwelt w\u00e4chst. Der Jugendliche sucht nach Selbstbest\u00e4tigung bei gleich gesinnten Jugendlichen. Er lehnt die Bestrafung als \u00abUngerechtigkeit\u00bb ab.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Ein weiteres Delikt wird als \u00abR\u00fcckfall\u00bb interpretiert und bringt die Gefahr eines Aufschaukelprozesses: Das delinquente Verhalten und die Bestrafungen verst\u00e4rken sich gegenseitig.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Der Jugendliche wird als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Delinquent <\/span>definiert. Er wird aktenkundig und behandlungsbed\u00fcrftig (Jugendarrest, Heim). Er \u00fcbernimmt die Definition <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Delinquenter <\/span>in sein Selbstbild: Die Schwelle zum Verbotenen wird niedriger, die ungel\u00f6ste Problematik wird gr\u00f6sser.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Der Jugendliche wird zum Aussenseiter. Techniken delinquenter Problembew\u00e4ltigung verfestigen sich, werden zur Typisierung im Sinne \u00absch\u00e4dlicher Neigungen\u00bb (der aggressive Schl\u00e4ger, der Wegl\u00e4ufer, der Manipulator, der Rocker, der S\u00fcchtige). Mit der \u00dcbernahme der delinquenten Rolle zeichnet sich eine delinquente Karriere ab.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Der Jugendliche kommt in die Strafanstalt. Mit der nunmehr eindeutigen Rollenfestlegung ist eine deutliche Problemverst\u00e4rkung verbunden.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Nach der Entlassung ist der Jugendliche ein Vorbestrafter. Verwiesen auf das Milieu Gleichartiger, ist f\u00fcr den Jugendlichen ein R\u00fcckfall naheliegend. Der R\u00fcckfall f\u00fchrt zu h\u00e4rterer Bestrafung. Es kommt zu einem Teufelskreis, zu einem sich wechselseitig hochschaukelnden Interaktionsprozess zwischen dem Jugendlichen und seiner sozialen Umwelt unter Einschluss der staatlichen Sanktionsinstanz.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Mit der interaktionistischen Devianzperspektive kann eine sich steigernde negative Entwicklung aufgezeigt werden, f\u00fcr die Verursachung dieser Entwicklung h\u00e4lt sie jedoch keine Erkl\u00e4rungen bereit.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Etikettierungsansatz und Stigma-Theorie<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Etikettierungsansatz (labeling approach)<\/i><\/span> ist eine soziologische Denkrichtung und entspricht weitgehend der bereits beschriebenen interaktionistischen Devianzperspektive. Abweichendes Verhalten wird als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozial zugeschrieben<\/i><\/span> erkl\u00e4rt, und nicht als objektiv vorhanden. Der Etikettierungsansatz kann im Zusammenhang gesehen werden mit der so genannten \u00abS\u00fcndenbocktheorie\u00bb, nach der eine Gesellschaft Abweichler braucht, weil deren Bestrafung als Gratifikation f\u00fcr eigenes Wohlverhalten erlebt werden kann und sozialkonformes Verhalten stabilisiert.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Eine S\u00fcndenbock-Rolle spielen im Schulsystem z. B. Sch\u00fcler mit Lern- und Verhaltensst\u00f6rungen. Sie werden selektiert und in Sondereinrichtungen umgeschult. Die f\u00fcr sie eingeleiteten Massnahmen k\u00f6nnen f\u00fcr die \u00fcbrigen Sch\u00fcler einerseits als Gratifikation f\u00fcr erwartungsgem\u00e4sses Lern- und Sozialverhalten, andererseits aber auch als Abschreckung dienen. Auf diesem Hintergrund funktionieren Drohungen von Lehrern und Eltern gegen Sch\u00fcler, etwa in der Art: \u00abWenn du dich nicht anstrengst, kommst du auf die Hilfs-, Lernbehinderten-, Doofen-Schule!\u00bb. Sondereinrichtungen wirken insofern systemstabilisierend, ziehen potenziell Etikettierung, Stigmatisierung und Selbststigmatisierung nach sich und stimulieren durch ihre blosse Existenz Bedrohung und Bedarf (Myschker, 2005, S. 113).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Etikettierungsansatz geht zur\u00fcck auf den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">symbolischen Interaktionismus<\/span> von G. H. Mead, nach dem \u00abdas Individuum im Laufe seiner Erfahrungen mit sozialen Symbolen ein Selbstverst\u00e4ndnis erwirbt, das wesentlich durch die Interpretation beeinflusst wird, die dieses Individuum anderen in Bezug auf sich selbst zuschreibt.\u00bb (Myschker, 2005).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Zur Erkl\u00e4rung abweichender und st\u00f6render Verhaltensweisen nach dem Ansatz des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>labeling approach<\/i><\/span> k\u00f6nnen <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Etikettierungs<\/span>-, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Stigmatisierungs<\/span>-<\/i> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Selbststigmatisierungsprozesse<\/i> <\/span>herangezogen werden.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-153.png\"><img class=\"alignright wp-image-775 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-153.png\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"210\" \/><\/a><\/b>Stigma und Stigmatisierung<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Stigma bezeichnet eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abweichung von der Norm<\/i><\/span>, welche innerhalb einer Gesellschaft gegeben bzw. erw\u00fcnscht ist. Die Betroffenen erreichen aufgrund der Stigmatisierung nicht den Status eines normalen Mitglieds der Gesellschaft. Insbesondere leiden Menschen von Minderheiten unter der Stigmatisierung und deren Auswirkungen, die in der Schwierigkeit der eigenen Identit\u00e4tausbildung und in der Akzeptanz durch sie selbst und durch Aussenstehende liegt.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Erwartungsverletzung als Kern der Stigma-Theorie<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ein<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"> <i>Stigma<\/i> <\/span>ist eine unerw\u00fcnschte Andersheit gegen\u00fcber dem, was gem\u00e4ss Normen erwartet w\u00fcrde. Es ist also eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erwartungsverletzung<\/i> <\/span>durch die Entt\u00e4uschung von Verhaltenserwartungen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ein Stigma ist eine Verallgemeinerung einer spezifischen Handlung oder Eigenheit einer Person auf deren Gesamtcharakter. Das Stigma wird zu einer hervorstechenden Eigenschaft einer Person.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erving Goffman<\/i><\/span> [1] betrachtet Stigma als Beispiel f\u00fcr die Kluft zwischen dem, was eine Person sein sollte (ihrer virtuellen sozialen Identit\u00e4t), und ihrer wirklichen sozialen Identit\u00e4t, d.\u00a0h. dem, was sie wirklich ist.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">[1]<em><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"> Erving Goffman<\/span><\/em> (1922- 1982) war ein US-amerikanischer Soziologe.<\/p>\r\n\r\n<h2>Gruppe - Institution - Macht<\/h2>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Die soziale Gruppe<\/h3>\r\n<div>\r\n\r\n[caption id=\"attachment_776\" align=\"alignright\" width=\"176\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-154.png\"><img class=\"wp-image-776 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-154.png\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"264\" \/><\/a> (c) wikimedia.org\/[\/caption]\r\n\r\n<span style=\"font-size: 1em\">Die<i> <\/i><\/span><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-size: 1em\"><i>soziale Gruppe<\/i><\/span><span style=\"font-size: 1em\"> gilt als Paradigma der Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung des Menschen. Der Mensch ist von seiner Anlage und Organausstattung her ein <\/span><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-size: 1em\"><i>Gruppenwesen<\/i><\/span><span style=\"font-size: 1em\"> und lebte in seiner Entwicklungsgeschichte den gr\u00f6ssten Teil der Zeit in Horden oder Klans. Jedes Individuum geh\u00f6rt in der Regel verschiedenen sozialen Gruppen an. Die Gruppe verbindet das Individuum mit der Gesellschaft, die Individualnatur des Menschen mit der Sozialnatur (Sch\u00e4fers, 2010).<\/span>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als Reaktion auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen enstanden und entstehen immer neue Gruppen, so z. B.:<\/p>\r\n\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>gang<\/i> <\/span>als \u00abRotte\u00bb der Kinder und Jugendlichen, als Ersatz f\u00fcr das \u00abbroken home\u00bb.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>informellen Gruppen<\/i><\/span> in formalen Organisationen, die eine wichtige Bedeutung f\u00fcr Individuum und Organisation haben.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>peers<\/i><\/span>, Gleichaltrigengruppen von Kindern und Jugendlichen als Zwischenglied zwischen Familie und Gesellschaft.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die <i>diversen<\/i> Gruppen im Bereich der Selbsthilfe, der politischen und sozialen Identit\u00e4tsfindung und Selbstbehauptung, und die Alternativgruppen in verschiedenen Lebensbereichen.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Neue Gruppenbildungen werden zu Zufluchtsorten des Individuums als M\u00f6glichkeit, den gesellschaftlichen Zw\u00e4ngen zu entgehen oder ihnen standzuhalten (Sch\u00e4fers, 2010).<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Definition der Gruppe<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Eine soziale Gruppe umfasst eine bestimmte Zahl von Mitgliedern, die zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels \u00fcber l\u00e4ngere Zeit in einem kontinuierlichen Kommunikations- und Interaktionsprozess stehen und ein Gef\u00fchl der Zusammengeh\u00f6rigkeit (Wir-Gef\u00fchl) entwickeln. Zur Erreichung des Gruppenziels und zur Stabilisierung der Gruppenidentit\u00e4t ist ein System gemeinsamer Normen und eine Verteilung der Aufgaben \u00fcber eine gruppenspezifische Rollendifferenzierung erforderlich (Sch\u00e4fers, 2010).<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Die Prim\u00e4rgruppe<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Prim\u00e4rgruppe erh\u00e4lt ihren Namen dadurch, dass sie zeitlich und inhaltlich die erste an der Formation der Sozialnatur des Menschen beteiligte Gruppe ist (Sch\u00e4fers, 2010). Die soziale Pers\u00f6nlichkeit des Individuums wird weitgehend durch die Prim\u00e4rgruppen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Familie<\/span><i>, <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Spielgruppe <\/span>und<i> <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Nachbarschaft<\/i> <\/span>geformt. Die Menschen geh\u00f6ren der Prim\u00e4rguppe als Individuen an, nicht als Funktions- oder Rollentr\u00e4ger!<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Die Familie<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">als Sonderform der Kleingruppe kann als die Urform des Gruppenlebens angesehen werden. Sie ist in ihren Zwecken weitgehend vorstrukturiert. Alter, Geschlecht und Generationenabstand sind in der Regel konstitutive Mermale der Familie, ebenso die Strukturen der Autorit\u00e4t, der Kompetenz- und Anordnungsbefugnisse. Die Familie befindet sich aufgrund des Familienzyklus in einer dauernden Ver\u00e4nderung, die das Normen- und Wertgef\u00fcge betrifft, aber auch die interne Rollendifferenzierung.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Institution und Organisation<\/h3>\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Theorie der Institution<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\u00abUnter Institution versteht man im soziologischen Kontext eine Sinneinheit von habitualisierten Formen des Handelns und der sozialen Interaktion, deren Sinn und Rechtfertigung der jeweiligen Kultur entstammen und deren dauerhafte Beachtung die umgebende Gesellschaft sichert.\u00bb (Gukenbiehl, 2010)<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_777\" align=\"alignright\" width=\"366\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-155.png\"><img class=\"wp-image-777 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-155.png\" alt=\"\" width=\"366\" height=\"185\" \/><\/a> (c) dimagazin-aktuell.de\/[\/caption]\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Institutionen<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Institutionen in diesem Sinn sind die vielf\u00e4ltigen Formen geregelten Zusammenwirkens bei der Kommunikation (z. B. Begr\u00fcssung, Diskussion, Unterricht), bei der Arbeit und im Handel (z. B. Betrieb, Tausch, Kauf), bei der Nutzung und Verwaltung (z. B. Wohngemeinschaft, Gemeinde), bei der Pflege und Erziehung (z. B. Altersheim, Kindergarten, Schule), bei Spiel, Festen und Feiern (z. B. Fussballspiel, Kirchweih, Gottesdienst, Eheschliessung), aber auch bei geregelten Auseinandersetzungen (z. B. Gericht, Zweikampf) und schliesslich die umfassenden Formen gemeinsamen Lebens wie in Familie, Kloster oder Staat. Diese Formen geregelten Zusammenwirkens ver\u00e4ndern sich mit der Zeit, neue Formen treten auf (z. B. Gewerkschaften), oder \u00e4ltere verlieren ihre Bedeutung (z. B. Z\u00fcnfte) (Gukenbiehl, 2010).<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Funktionen von Institutionen<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Institutionen schaffen durch ihre verbindlichen Regelungen eine gewisse Sicherheit und Stabilit\u00e4t, sie tragen zu einer sozialen und kulturellen Identit\u00e4t bei und f\u00f6rdern die soziale Integration. Sie begrenzen zwar die Handlungsm\u00f6glichkeiten des Einzelnen, bringen aber eine Entlastung, indem nicht f\u00fcr jeden Einzelfall Entscheidungen getroffen und Rechtfertigungen gesucht werden m\u00fcssen.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Die Organisation<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Organisationstheorie<\/i> <\/span>ist neueren Datums, kn\u00fcpft aber in mancher Beziehung an die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Institutionstheorie <\/span>an. Organisationen sind Formen geregelter Kooperation, die sich weniger auf dem Hintergrund traditionaler Gesellschaften entwickelt haben, sondern auf dem Boden der Rationalit\u00e4t (Gukenbiehl, 2010). Das Organisieren als Form des Denkens und Handelns bringt die Organisation als soziales Gebilde hervor. Zu den Organisationen geh\u00f6ren Banken, Gemeindeverwaltungen, Kirchen, Schulen, Fernsehanstalten, Gesang- und Sportvereine.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Ziele und Strukturen<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Organisationen sind Instrumente zur Erreichung spezifischer Ziele, die durch das geregelte Zusammenwirken von Menschen und die Nutzung von Mitteln erreicht werden sollen. Daf\u00fcr sind meistens l\u00e4ngerfristige und dauerhafte Kooperationen erforderlich. Schulen erziehen und unterrichten immer wieder andere Sch\u00fcler, Krankenh\u00e4user pflegen immer wieder andere Patienten. Das Regelwerk der Organisation soll garantieren, dass die Ziele durch die dauerhafte Kooperation erreicht werden.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Macht, Herrschaft, Gewalt<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Untersuchung von Macht- und Herrschaftsverh\u00e4ltnissen ist ein zentraler Gegenstand soziologischer Analysen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Unter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Macht<\/i> <\/span>wird \u00ab die Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen (Weber, 1922)\u00bb oder auch \u00abdas Verm\u00f6gen, sich gegen fremde Kr\u00e4fte durchzusetzen (Popitz, 1992)\u00bb verstanden (Scherr, 2013b).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Herrschaft<\/i> <\/span>ist eine spezifische Form von Macht, die dadurch gekennzeichnet ist, dass Einverst\u00e4ndnis herbeigef\u00fchrt werden kann, dass \u00abein Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam\u00bb findet (Weber, 1922, zit. nach Scherr, 2013b). Herrschaft kann als Spezialfall von Macht, als<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">institutionalisierte Macht<\/span><\/i> bezeichnet werden (Imbusch, 2010).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Gem\u00e4ss Luhmann (988, zit. nach Scherr, 2013b) besteht <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Macht<\/i> <\/span>\u00abin der Neutralisierung des Willens, nicht unbedingt in der Brechung des Willens der Machtunterworfenen\u00bb. Machtverh\u00e4ltnisse k\u00f6nnen also dazu dienen, die Absichten und Interessen der Unterlegenen zu ignorieren.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_778\" align=\"alignright\" width=\"320\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-156.png\"><img class=\"wp-image-778 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-156.png\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"240\" \/><\/a> (c) forschung-erleben.uni-mannheim.de\/[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Es gibt sehr verschiedene <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Formen der Machtaus\u00fcbung<\/i><\/span>, so z. B. das Zuf\u00fcgen k\u00f6rperlicher Verletzungen,die Begrenzung des Zugangs zu wesentlichen Lebensmitteln, die Einschr\u00e4nkung sozialer Teilhabem\u00f6glichkeiten, die Zuweisung von Belohnungen oder Bestrafungen, die Beeinflussung von Wahrnehmungen, Wissen und \u00dcberzeugungen, die selektive Gew\u00e4hrung von Anerkennung.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Machtaus\u00fcbung wird vor allem durch die Tatsache erm\u00f6glicht, dass Individuen auf soziale Teilhabe und auf den Zugang zu gesellschaftlich verf\u00fcgbaren Ressourcen angwiesen sind, und dass Individuen physisch und psychisch verletzbar sind (Scherr, 2013b).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Machtbildungsprozesse beginnen z. B. damit, dass jemand ein Privileg definiert und wahrnimmt, oder dass jemand sich gesellschaftliche Ressourcen aneignen kann, die eine gewisse \u00dcberlegenheit verb\u00fcrgen (Imbusch, 2010).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Auch <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>p\u00e4dagogische Beziehungen beinhalten immer einen Macht- und Herrschaftsaspekt<\/i><\/span> (Scherr, 2013b). Eltern und P\u00e4dagogen m\u00fcssen Entscheidungen treffen und Regeln durchsetzen, mit denen die Adressaten nicht immer einverstanden sind. Im Hintergrund steht der gesellschaftliche Auftrag, Lern- und Entwicklungsprozesse bei Kindern und Jugendlichen auch dann anzustossen, wenn sie diese Notwendigkeit noch nicht einsehen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Diese Behauptung steht im Widerspruch zum Selbstverst\u00e4ndnis moderner P\u00e4dagogik. Obschon die Pr\u00fcgelstrafe abgeschafft und als abweichendes Verhalten verp\u00f6nt ist, kann nicht dar\u00fcber hinweg gesehen werden, dass in P\u00e4dagogik und Sozialarbeit mehr oder weniger offenkundige Machtmittel gegen\u00fcber Kindern und Jugendlichen verwendet werden (m\u00fcssen) (Scherr, 2013b). Gelingt es nicht, sich \u00fcber vorliegende Probleme und akzeptable Probleml\u00f6sungen zu verst\u00e4ndigen, kommen Machtmittel zum Einsatz, die institutionell, durch rechtliche und organisatorische Festlegungen und Sanktionsbefugnisse abgesichert sind.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gewalt<\/i> <\/span>im engeren Sinne des Begriffs, also das Androhen oder Zuf\u00fcgen von physischen Verletzungen ist eine m\u00f6gliche Grundlage von Macht- und Herrschaftsaus\u00fcbung durch Zwangsmittel. Im Alltagsleben geht man davon aus, dass durchschnittlich sozialisierte Individuen gr\u00f6ssere Hemmungen gegen\u00fcber der Anwendung von Gewalt aufgebaut haben. Gewalt wird deshalb nicht als Bestandteil des allt\u00e4glichen Handlungsrepertoires betrachtet.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Gewaltanwendung wird mit Sanktionen geahndet und ist deshalb nicht geeignet, informelle Machtbeziehungen auf Dauer abzusichern. \u00abDie rechtlich nicht regulierte Anwendung von physischer Gewalt kann folglich innerhalb der modernen Gesellschaft als eine Form abweichenden Verhaltens verstanden werden, deren Kontrolle und Eingrenzung Gegenstand polizeilicher und rechtlicher Interventionen, aber auch p\u00e4dagogischer Pr\u00e4ventionskonzepte ist.\u00bb (Scherr, 2013b).<\/p>\r\n\r\n<h2>Soziale Ungleichheit<\/h2>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Ungleichheit und Diskriminierung<\/h3>\r\n[caption id=\"attachment_779\" align=\"alignright\" width=\"276\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-157.png\"><img class=\"wp-image-779 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-157.png\" alt=\"\" width=\"276\" height=\"207\" \/><\/a> (c) tagesspiegel.de\/[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Ungleichheit<\/i><\/span>, d.h. die ungleichen Lebensbedingungen und die gesellschaftliche Zuweisung ungleicher Lebensbedingungen, ist ein zentrales Thema soziologischer Forschung.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Es gibt eine Vielfalt von Ungleichheiten in der Gegenwartsgesellschaft, verursacht durch Ausbeutung, Diskriminierung, Hierarchisierung, Privilegierung. Es ist den Gesellschaften nicht gelungen, Armut und Arbeitslosigkeit zu beseitigen und allen Individuen \u00e4hnliche Zugangschancen zu erstrebenswerten Lebensbedingungen zu gew\u00e4hrleisten (Hormel &amp; Scherr, 2013).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die sozio\u00f6konomischen Lebensbedingungen sozialer Gruppen und die individuellen Lebenschancen stehen in einem engen Zusammenhang. So werden beispielsweise Ehen in der Regel zwischen Partnern geschlossen, die ein \u00e4hnliches Bildungsniveau haben. Die eingenommenen Positionen in den gesellschaftlichen Ungleichheitsverh\u00e4ltnissen beeinflussen alle Lebensbereiche, besonders auch die Erziehung von Kindern und Jugendlichen und die Chancen f\u00fcr deren schulischen Erfolg oder Misserfolg.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Thematik der sozialen Ungleichheiten betrifft sowohl die Ungleichverteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen innerhalb der modernen Gesellschaften Mitteleuropas und Nordamerikas als auch die Armut und die Ungleichheiten in der Weltgesellschaft.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Ungleichheit und P\u00e4dagogik<\/b><\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Ungleiche Lebensbedingungen haben eine Auswirkung auf schulisches Lernen und schulische Karrieren. Zahlreiche soziale Probleme sind unmittelbare Folgen von Armut und sozialer Benachteiligung. P\u00e4dagogik scheitert dann oft daran, gesellschaftliche Probleme und ihre Folgen zu \u00fcberwinden.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Oft bringt P\u00e4dagogik auch aktiv Ungleichheit hervor, z. B. dadurch, dass in Schulen sprachliche Kompetenzen bewertet werden, die durch die Organisation Schule nicht vermittelt, sondern vorausgesetzt werden (Hormel &amp; Scherr, 2013).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Ob die Gew\u00e4hrleistung gleicher Lebenschancen ein erkl\u00e4rtes Ziel der P\u00e4dagogik ist, ist allerdings umstritten. Welche Ungleichheiten zu \u00fcberwinden oder zu ver\u00e4ndern und welche hinzunehmen sind, ist eine laufende und kontrovers gef\u00fchrte Debatte (Hormel &amp; Scherr, 2013).<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Diskriminierung<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In unterschiedlichen Kontexten, wie z.B. in der Migrations- und Rassimus-, aber auch in der Geschlechterforschung, ist darauf hingewiesen worden, dass gewisse Formen der Benachteiligung den Angeh\u00f6rigen bestimmter Gruppen spezifische Eigenschaften zuschreiben und aufgrund dieser Eigenschaften soziale Ungleichheiten legitimieren. Solche diskriminierende Gruppenkonstruktionen k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass \u00f6konomische, politische und rechtliche Benachteiligungen nicht als problematische Ausserkraftsetzung des Prinzips der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Individuen wahrgenommen werden, sondern als akzeptable Folge der Andersartigkeit der jeweiligen Gruppe. In Praktiken der Diskriminierung verkn\u00fcpft sich in diesem Fall die Zuschreibung bestimmter Eigenschaften mit einer Ungleichbehandlung, die auf Grund dieser angenommenen Eigenschaften als sozial erforderlich und erlaubt gilt (Hormel &amp; Scherr, 2013).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Ein paradigmatischer Fall hierf\u00fcr sind <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Rassismen<\/span>: In rassistischen Ideologien wird nicht von der Gleichheit aller Individuen, sondern von der vermeintlich naturgegebenen Existenz unterschiedlicher und ungleichwertiger Menschengruppen ausgegangen und es erscheint als \u00abnaturgem\u00e4ss\u00bb, dass diesen ungleiche soziale Positionen zugewiesen sind. (Hormel &amp; Scherr, 2013)<\/div>\r\n<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Diskriminierung<\/i> <\/span>ist von Bedeutung f\u00fcr die Aufrechterhaltung sozialer Ungleichheit zwischen Klassen und Schichten. Die Zuweisung ungleicher Positionen auf Arbeitsm\u00e4rkten und im Bildungssystem l\u00e4sst sich nur auf Dauer aufrecht erhalten, wenn es gelingt, sie als Folge der sozial nicht ver\u00e4nderbaren Unterschiede zwischen kategorial unterschiedenen Gruppen darzustellen (Hormel &amp; Scherr, 2013).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Soziale Ungleichkeit und Bildung<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als historische Beispiele f\u00fcr soziale Ungleichheit nennt Hradil (2010, S. 211):<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Wo und wann immer Menschen zusammen lebten und arbeiteten, waren bestimmte Menschen besser als andere gestellt. So lebten in der Antike Sklaven unter wesentlich schlechteren Umst\u00e4nden als freie B\u00fcrger. In Industriegesellschaften finden wir gleichzeitig entmutigende Armut und luxuri\u00f6sen Reichtum; wir sehen integrierte Normalb\u00fcrger und randst\u00e4ndige Asylbewerber; wir erleben beruflichen Auf- und Abstieg, sichere Anstellungen neben Arbeitslosigkeit, bessere und schlechtere Entl\u00f6hnung; viele Frauen k\u00e4mpfen f\u00fcr Gleichberechtigung, und viele M\u00e4nner \u00fcben sich in stiller Verteidigung ihrer Beg\u00fcnstigungen; in Ostdeutschland fehlt manches, was in Westdeutschland mehr oder minder reichlich vorhanden ist, z. B. Arbeitspl\u00e4tze und Verm\u00f6gen (Hradil, 2010).<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Dimensionen sozialer Ungleichheit<\/h2>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Video zu Dimensionen sozialer Ungleichheit, Youtube 26.03.2020<\/div>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_Dimensionen_sozialer_Ungleichheit.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_Dimensionen_sozialer_Ungleichheit.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>","rendered":"<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Soziales Handeln: Normen, Werte, Sinn<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Soziales Handeln<\/i><\/span> als zentraler Gegenstand der Soziologie bezeichnet den unmittelbaren Austausch mit andern Personen, aber auch die Regelhaftigkeit des Handelns \u00fcber die von Gruppen, Organisationen und der Gesellschaft vorstrukturierten Beziehungsmuster (Sch\u00e4fers, 2010). Die Begriffe <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Norm<\/span>, <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wert<\/i> <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sinn<\/i> <\/span>bekommen in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Besonderheiten des menschlichen Handelns sind bedingt durch die dem Menschen eigenen reflexiven M\u00f6glichkeiten (Selbstreflexion). Handeln ist immer eine Mischung aus konkreter Situationsbew\u00e4ltigung im Umgang mit den Bedingungen von aussen und aus den \u00dcberzeugungen, dem Willen und den Motiven einer Person (als Bedingungen von innen). Der Mensch ist also gezwungen, im Handeln zu strukturieren; er muss im Handeln eine bewusste Auswahl aus den Handlungsm\u00f6glichkeiten treffen, eine Selektion vornehmen (Sch\u00e4fers, 2010). Diese Selektion erfolgt auf dem Hintergrund von <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Normen<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Werten <\/span><\/i>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sinn<\/i><\/span>.<\/p>\n<figure id=\"attachment_763\" aria-describedby=\"caption-attachment-763\" style=\"width: 288px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-143.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-763 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-143.png\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"216\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-143.png 288w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-143-65x49.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-143-225x169.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-763\" class=\"wp-caption-text\">(c) youtube.com<\/figcaption><\/figure>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Normen und Normbegriff<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><i><\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Soziale Normen<\/i><\/span> begrenzen die Willk\u00fcr in den Beziehungen der Menschen untereinander. Sie k\u00f6nnen definiert werden als explizit gemachte und institutionalisierte Verhaltensregeln, die die Handlungsm\u00f6glichkeiten bestimmen und Handlungswiederholungen und Handlungserwartungen als Standardannahmen erm\u00f6glichen. Es gibt Normen mit ganz unterschiedlichen Verbindlichkeiten und Bewusstheiten. Bei gewissen allt\u00e4glichen Routinehandlungen sind die Normen eher unverbindlich, w\u00e4hrend die gesetzlich verankerten Normen eine hohe Verbindlichkeit haben.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Sanktionen<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Da Normen auch \u00fcbertreten oder ignoriert werden k\u00f6nnen, gibt es Sanktionen. Sanktionen sind <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Reaktionen auf Verhalten<\/i><\/span> mit dem Ziel, Konformit\u00e4t zu erreichen und die Normen zu verst\u00e4rken. In der Regel meint man <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>negative Sanktionen<\/i><\/span>, die von Missbilligung bis zu Gef\u00e4ngnisstrafe reichen. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Positive Sanktionen<\/i><\/span> dagegen loben ein positives Verhalten. Sanktionen geh\u00f6ren zum allt\u00e4glichen Handeln und werden von jedem Individuum sowohl empfangen als auch gegen\u00fcber andern angewendet.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Soziale Rollen<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Kombinationen von Normen, so genannte <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Normb\u00fcndel<\/i>, <\/span>verfestigen sich zu <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialen Rollen<\/i>. <\/span>Der Begriff der sozialen Rolle hat zwei Bedeutungen. Einerseits sind damit die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verhaltensanforderungen<\/i> <\/span>gemeint, die sich aus der Verfestigung von Normen ergeben, und die die Spiel- und Handlungsfreir\u00e4ume des Individuums und sozialer Gruppen bestimmen; andererseits bezeichnet man damit die Summe der Erwartungen, die \u00abder Andere\u00bb an mein Verhalten richtet.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Soziale Rollen bestimmen zwei grundlegende soziale Ph\u00e4nomene: n\u00e4mlich die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Differenzierung<\/i><\/span> (wie unterscheide ich mich von den andern) und die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Normierung<\/i><\/span> (was habe ich mit den andern gemeinsam). Dabei zeigt sich ein Dilemma des Rollenkonzepts: die personale<i> (<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">pers\u00f6nliche) Identit\u00e4t<\/span><\/i> verlangt, dass ich so bin wie kein anderer. Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Identit\u00e4t<\/i><\/span> hingegen verlangt, dass ich m\u00f6glichst so bin wie alle andern. Das Rollenkonzept ist ein unverzichtbares Analyseinstrument der Soziologie!<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Von der<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">sozialen Rolle<\/span><\/i> zu unterscheiden ist die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Position<\/i><\/span>: Es handelt sich dabei um ein komplement\u00e4res Verh\u00e4ltnis. Die soziale Position ist der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>statische Aspekt<\/i><\/span>, das konkrete Rollenhandeln ist der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>dynamische Aspekt<\/i><\/span>.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Einzelheiten zur <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Rollentheorie<\/b><\/span> -&gt; siehe weiter unten.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Werte und Wertbezogenheit <\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wertbezogenheit<\/i> <\/span>ist wichtig f\u00fcr die Erkl\u00e4rung des sozialen Handelns. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Werte <\/span>sind die Grundprinzipien der Handlungsorientierung des Menschen. Sie beinhalten Vorstellungen vom W\u00fcnschenswerten und kulturelle, ethische, religi\u00f6se Leitbilder, die die Handlungssituationen steuern. Wertorientierungen bilden das Grundger\u00fcst der Kultur. Ausserdem \u00fcbernehmen Werte als Orientierungsstandards eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Entlastungsfunktion<\/i> <\/span>f\u00fcr das Individuum, das nicht in jeder Situation selber entscheiden muss. Werte sind die ethischen Imperative, die das Handeln der Menschen leiten (Sch\u00e4fers, 2010).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Wertewandel<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Wertewandel ist ein kontinuerlich stattfindender Prozess und f\u00fchrt zu Normkonflikten. Die geltenden Normen werden pl\u00f6tzlich in Frage gestellt. Dadurch wird ein <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">sozialer Wandel<\/span> <\/i>angestossen (Sch\u00e4fers, 2010).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Sinn<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Handeln l\u00e4uft \u2014im Unterschied zum Verhalten \u2014 an Motiven und Zwecken reflektiert und zielorientiert ab (Sch\u00e4fers, 2010). Der Sinnbegriff ist f\u00fcr die Erkl\u00e4rung des sozialen Handelns unverzichtbar. Die Analyse des subjektiv gemeinten Sinns macht es m\u00f6glich, eine bestimmte Handlung als soziales Handeln zu verstehen.<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Der Sinnbegriff hilft, die spezifische, auf den Sinn ausgerichtete Form der Wahrnehmung, die das Verhalten anderer Menschen deutbar und verstehbar macht, zu kanalisieren.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Der Sinnbegriff macht \u00fcber die konkrete Handlungssituation hinaus die sie tragende Kultur (den Zusammenhang der Normen und Werte eines Gesellschaftssystems) einsehbar.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">In diese Bestimmungen sind mehrere Annahmen und Voraussetzungen eingegangen:<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">dass jedes Individuum zum \u00abSinnverstehen\u00bb in der Lage ist;<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">dass von bereits \u00abvergesellschafteten\u00bb, d. h. mit spezifischen Normen und Werten ausgestatteten Individuen ausgegangen wird;<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">dass Kultur ein zusammenh\u00e4ngendes, f\u00fcr den Menschen verstehbares und sie leitendes Normen- und Wertsystem ist;<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">dass Menschen nach Sinn und den sie \u00ableitenden\u00bb Kulturwerten suchen.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Allerdings wird im Alltagshandeln wie in der Wissenschaft zu unkritisch davon ausgegangen, dass der Handelnde immer sinnorientiert und reflexiv, also bewusst, sein Handeln steuert und zu ihm Stellung nimmt.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">(Sch\u00e4fers, 2010, S. 39).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Video: Niklas Luhmann \u00fcber Normen und Werte<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden Videoausschnitt spricht Nikaus Luhmann \u00fcber <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Normen<\/b> <\/span>und<span class=\"ilc_text_inline_Strong\"> <b>Werte<\/b><\/span>.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Ohne verbindliche Regeln und Normen kann keine Gesellschaft zusammenleben. Das reicht von diskreten Gesten, wie Augen- oder F\u00e4chersprache, \u00fcber ritualisierte Formen bei wichtigen Ereignissen bis hin zu den Kardinaltugenden und den zehn Geboten, die f\u00fcr einen grossen Teil der Menschheit seit Jahrtausenden das Fundament ihres Wertekanons bilden. Wie alle anderen \u00dcbereink\u00fcnfte auch \u00e4ndern sich jedoch auch Werte. Niklas Luhmann, gestorben 1998, war Professor f\u00fcr Soziologie in Bielefeld (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pTsjyD-cUQY&amp;amp;feature=emb_logo\">youtube<\/a>).<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_Gibt_es_in_unserer_Gesellschaft_noch_unverzichtbare_Normen_Niklas_Luhmann.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_Gibt_es_in_unserer_Gesellschaft_noch_unverzichtbare_Normen_Niklas_Luhmann.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Niklas Luhmann<\/b><\/span> (* 8. Dezember 1927 in L\u00fcneburg; \u2020 6. November 1998 in Oerlinghausen) war ein deutscher Soziologe und Gesellschaftstheoretiker. Als wichtigster deutschsprachiger Vertreter der <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>soziologischen Systemtheorie<\/b><\/span> und der <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Soziokybernetik<\/b> <\/span>z\u00e4hlt Luhmann zu den herausragenden Klassikern der Sozialwissenschaften im 20. Jahrhundert (Quelle: Wikipedia).<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Rollentheorie<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Rollentheorie<\/i> <\/span>beschreibt und erkl\u00e4rt einerseits die Rollenerwartungen und -festlegungen und andererseits, welche Spiel- und Handlungsfreir\u00e4ume dem Individuum und sozialen Gruppen in einer Rolle offenstehen. Sie besch\u00e4ftigt sich damit, wie gesellschaftlich vorgegebene Rollen erlernt, verinnerlicht, ausgef\u00fcllt und modifiziert werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_765\" aria-describedby=\"caption-attachment-765\" style=\"width: 312px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-144.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-765 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-144.png\" alt=\"\" width=\"312\" height=\"243\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-144.png 312w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-144-300x234.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-144-65x51.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-144-225x175.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 312px) 100vw, 312px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-765\" class=\"wp-caption-text\">(c) www.imptel.odl.org\/<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Eine soziologische Sichtweise besagt, dass wir alle Theater spielen (Goffman, 2008). Jedes Individuum \u00fcbernimmt in der Gesellschaft ganz verschiedene <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Positionen<\/i> <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Rollen<\/i><\/span>. Eine Rolle spielt man immer in einer Bezugsgruppe. Diese Bezugsgruppe hat Erwartungen an die Rolle. Beispiel: Eine Person in der Rolle einer Lehrerin hat ganz bestimmte, dieser Rolle zugeschriebene Rechte und Pflichten und steht unter Aufsicht verschiedener <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bezugsgruppen<\/i><\/span> (z. B. Eltern, Kolleginnen, Sch\u00fcler, Schulleitung). Diese Bezugsgruppen haben <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erwartungen<\/i> <\/span>an das Verhalten der Lehrerin (an die Rolle) und schauen darauf, dass bestimmte Dinge getan werden, andere unterlassen. Neben normativen Erwartungen (was man tun sollte) gibt es auch die antizipatorischen Erwartungen (aufgrund des Rollenverst\u00e4ndnis zu erwartende Verhaltensweisen).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Man unterscheidet verschiedene Typen von Erwartungen: Kann-, Soll- und Muss-Erwartungen. Die Rolle ist ein B\u00fcndel von Erwartungen, das sich auf den Inhaber einer Position richtet.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Wenn Erwartungen nicht erf\u00fcllt werden, drohen Sanktionen. \u00abSanktionen sind die Reaktionen, die ein Rollenverhalten bei den Bezugsgruppen hervorruft\u00bb (AG Soziologie, 2004).<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Erwartungen<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Von den verschiedenen Bezugsgruppen werden unterschiedliche und auch sich widersprechende Erwartungen an eine Rolle herangetragen; diese einzelnen Teile der Rolle mit unterschiedlichen Erwartungen werden als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Rollensegmente<\/i> <\/span>bezeichnet. Das Individumm ist also sowohl Konflikten durch widerspr\u00fcchliche Erwartungen an seine Rolle durch verschiedene Bezugsgruppen ausgesetzt <i>(<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Intrarollenkonflikte<\/span>)<\/i>, als auch Konflikten, die dadurch entstehen, dass die Erwartungen an verschiedene Rollen einer Person sich widersprechen <i>(<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Interrollenkonflikte<\/span>)<\/i>.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Individuum oder das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Subjekt<\/i><\/span> hat in der Regel viele verschiedene Einzelrollen. Das Subjekt lebt nicht allein, sondern in einer Gruppe, z. B. in der Familie als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Prim\u00e4rgruppe<\/i><\/span>. Die Rollen und Rollensegmente werden in Gruppen, in Institutionen und Organisationen gepflegt und definiert. Hier entstehen auch die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erwartungen<\/i> <\/span>der Bezugsgruppen, die oft auf gesellschaftlichen Normen basieren. Durch diese Strukturen entsteht die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Kontrolle<\/i><\/span>. L\u00e4ngerfristig unterliegt die soziale Kontrolle dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialen Wandel<\/i><\/span>, d.h. die Rollen und Positionen ver\u00e4ndern sich mit der Zeit in einem laufenden Prozess.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Symbolischer Interaktionismus<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Menschliches Sozialverhalten \u00e4ussert sich in <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Geb\u00e4rden<\/i><\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>verbalen<\/i> oder <i>nonverbalen Gesten<\/i><\/span>, die als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Symbole<\/i><\/span> f\u00fcr bestimmte Bedeutungsinhalte stehen. Durch diese <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Symbole<\/i> <\/span>erhalten die Situationen des menschlichen Lebens ihre Bedeutung. Personen interpretieren die Lebenssituationen aufgrund dieser Symbole und verhalten sich entsprechend. Dieses Wissen \u00fcber die Bedeutungen wird unter anderem \u00fcber kulturelle und gesellschaftliche Bedingungen vermittelt und so von vielen Menschen geteilt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_766\" aria-describedby=\"caption-attachment-766\" style=\"width: 365px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-145.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-766 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-145.png\" alt=\"\" width=\"365\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-145.png 365w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-145-300x171.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-145-65x37.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-145-225x128.png 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-145-350x199.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 365px) 100vw, 365px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-766\" class=\"wp-caption-text\">(c) www.univie.ac.at\/<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Was in der sozialen Wirklichkeit vor sich geht, ist davon abh\u00e4ngig, was die Menschen in einer Situation und \u00fcber eine Situation meinen, wissen, glauben (AG Soziologie, 2004), auf dem Hintergrund von Normen und Werten. Wir befinden uns in einem st\u00e4ndigen Ablauf von Situationen, in denen wir aktiv handeln und entscheiden m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Diese allt\u00e4glichen Vorg\u00e4nge laufen weitgehend anhand <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>signifikanter Symbole<\/i><\/span> ab.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Signifikante Symbole<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Handlungen werden geplant und durchgef\u00fchrt anhand signifikanter Symbole. Verbale und nonverbale Gesten stellen signifikante Symbole dar, durch die eine Interaktion, also eine Wechselbeziehung zwischen Subjekten, hergestellt oder ver\u00e4ndert werden kann. F\u00fcr das Individuum bedeutet dies: man muss die Bedeutung, den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>subjektiv gemeinten Sinn<\/i><\/span> der Handlungen der andern entschl\u00fcsseln k\u00f6nnen, um erfolgreich mit ihnen in Interaktion treten zu k\u00f6nnen (AG Soziologie, 2004). Je nach unseren Absichten und Meinungen k\u00f6nnen die Gesten und Handlungen eine andere Bedeutung haben. Die gleiche Armbewegung kann f\u00fcr den einen \u00abKratzen\u00bb bedeuten, f\u00fcr den andern ist sie eine Beleidigung.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Perspektiven<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Eindr\u00fccke von Sachverhalten und Ereignissen werden selektiv und abstrahierend geordnet. Es entstehen verschiedene Blickwinkel (Perspektiven) auf eine Situation. Diese ergeben dann auch mehr oder weniger treffende Situationsdeutungen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Perspektiven bestehen aus (AG Soziologie, 2004):<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Vorstellungen<\/i> <\/span>\u00fcber die Eigenschaften einer Situation und die M\u00f6glichkeiten, damit umzugehen. Diese sind beeinflusst durch weltanschauliche, kulturspezifische, gruppenspezifische und Aspekte des Selbstbildes.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Klassifikationsschemata<\/i> <\/span>strukturieren unser Weltbild. Sie basieren auf <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Werten<\/span>, aber auch oft auf <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Vorurteilen<\/span>.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Normen<\/i> <\/span>sind die Erwartungen, die Bezugsgruppen an die Akteure richten.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ziele und Zwecke<\/i><\/span> sind ebenfalls Bestandteile der Perspektive und bewirken, dass Gegenst\u00e4nde und Situationen anders betrachtet werden. Auf einer weniger bewussten Ebene k\u00f6nnen die Ziele auch als Motivationen bezeichnet werden (Bed\u00fcrfnisse, Abneigungen, Triebe).<\/li>\n<\/ul>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Rollen\u00fcbernahme<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Begriff der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Rollen\u00fcbernahme<\/i> <\/span>ist f\u00fcr die interaktionistische Sichtweise wichtig. Ich hege <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erwartungen<\/i> <\/span>dar\u00fcber, was die andern von mir erwarten <i>(<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Erwartungs-Erwartungen<\/span>)<\/i>. Dadurch stelle ich mir vor, wie ich an Stelle der andern handeln w\u00fcrde.<\/p>\n<h4><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Interaktion<\/span><\/h4>\n<p>Der Begriff der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Interaktion<\/i><\/span>basiert auf den Grundgedanken des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>symbolischen Interaktionismus<\/i><\/span> nach G.H. Mead. In der Interaktion werden Beziehungen ausgedr\u00fcckt, Erwartungen signalisiert und gedeutet, Regeln ausgehandelt, Werte ber\u00fccksichtigt und erwartet, Symbole ausgetauscht, Konflikte analysiert und zu einer L\u00f6sung gebracht sowie Handlungskonzepte und Zukunftsperspektiven geplant und Situationen strukturiert (Bumann &amp; Wettstein, 2014).<\/p>\n<h4><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Rolle von Symbolen bei der Interaktion<\/span><\/h4>\n<p>Gesten (Geb\u00e4rden oder Laute) werden zu <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>signifikanten Symbolen<\/i><\/span>, d.h. zu Gesten, die einen direkten praktischen Sinn und Nutzen haben. Sie helfen in der Kommunikation und Interaktion weiter und vereinfachen diese.<\/p>\n<p>Das Handeln des Subjekts in der Gesellschaft ist immer Ausdruck seiner Beziehung zu bedeutsamen Andern:<\/p>\n<p>Das f\u00fcr einen Menschen typische Handeln und Verhalten, so auch eine Verhaltensauff\u00e4lligkeit, resultiert gr\u00f6sstenteils aus dem Kontakt mit anderen Menschen. Die menschliche Identit\u00e4t bildet sich im sozialen Umgang mit anderen, in den vielf\u00e4ltigen Interaktionen und Beziehungen. Dieser Umgang wird beherrscht von kulturell gepr\u00e4gten Symbolen wie Sprache, Schrift, Gestik, Mimik, welche eine f\u00fcr alle mehr oder weniger gemeinsame Bedeutung haben. Von besonderer Bedeutung ist der Symbolkomplex der Sprache (Bumann &amp; Wettstein, 2014).<\/p>\n<p>Die Interaktionisten haben auch kritische \u00dcberlegungen und Verfahrensweisen zu Problemen abweichenden Verhaltens vorgetragen (z.B. zu Kriminalit\u00e4t, Drogenabh\u00e4ngigkeit etc.) Manche von ihnen vertreten die Auffassung, Kriminalit\u00e4t sei eher ein Problem der Art und Weise, wie gesellschaftliche Organisationen (z.B. die Justiz) bestimmte Handlungen definieren. \u00abKriminell\u00bb ist nach dieser Auffassung, der so genannten <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Labeling-Theorie<\/i><\/span> (Engl. label: Etikett), eine Handlung nicht \u00aban sich\u00bb, sondern sie wird als kriminell etikettiert, wenn sie von den Normen und Regeln der bestehenden Institutionen abweicht. (AG Soziologie, 2004, S. 66), siehe auch weiter unten zum Etikettierungsansatz.<\/p>\n<div class=\"textbox\"><strong><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Der symbolische Interaktionismus: <\/span><\/strong>Gem\u00e4ss der soziologischen Theorie des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">symbolischen <i>Interaktionismus<\/i><\/span> nach G.H. Mead wird die Bedeutung von sozialen Objekten, Situationen und Beziehungen im <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>symbolisch vermittelten Prozess<\/i><i>der Interaktion und Kommunikation<\/i><\/span> hervorgebracht. Man handelt aufgrund der Bedeutung, die Dinge in der Umwelt haben. Die Bedeutung ist weder an den Dingen fixiert, noch ist sie nur im Subjekt repr\u00e4sentiert, sondern sie entsteht in der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Interaktion<\/i><\/span>. Subjekte m\u00fcssen st\u00e4ndig die Bedeutung interpretieren, die soziale Objekte, Situationen und Beziehungen haben.<\/div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Symbolischer Interaktionismus<\/h3>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das folgende Video illustriert die Konzepte des symbolischen Interaktionismus (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=prFU6SJt1T4&amp;amp;feature=emb_logo\">youtube<\/a>)<\/div>\n<div>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_George_Herbert_Mead_Symbolischer_Interaktionismus_mit_Hunden.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_George_Herbert_Mead_Symbolischer_Interaktionismus_mit_Hunden.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<\/div>\n<div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Mind Map: Soziale Handlungstheorien<\/h3>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Umfassendes Mind Map zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Rollentheorie<\/span> und allgemein zu sozialen Interaktionstheorien (Vergr\u00f6sserung anklicken).<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_767\" aria-describedby=\"caption-attachment-767\" style=\"width: 711px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-146.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-767 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-146.png\" alt=\"Die wesentlichen Punkte aus der skizzenhaften Mindmap zur Rollentheorie sind im Fliesstext festgehalten.\" width=\"711\" height=\"524\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-146.png 711w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-146-300x221.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-146-65x48.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-146-225x166.png 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-146-350x258.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-767\" class=\"wp-caption-text\">(c) kaizenssummera.blogspot.ch<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2>Sozialisation, Person, Idividuum<\/h2>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Sozialisation<\/h3>\n<figure id=\"attachment_768\" aria-describedby=\"caption-attachment-768\" style=\"width: 319px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-147.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-768 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-147.png\" alt=\"\" width=\"319\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-147.png 319w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-147-300x200.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-147-65x43.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-147-225x150.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 319px) 100vw, 319px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-768\" class=\"wp-caption-text\">(c) www.phbern.ch\/<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Angeborene Eigenschaften und Verhaltensabl\u00e4ufe legen den Menschen nur zu einem kleinen Teil fest. Es sind vielmehr die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialen Beziehungen und Kontexte<\/i><\/span>, die das konkrete Empfinden, Wahrnehmen, Erleben, Denken und Handeln des Menschen entwickeln (Scherr, 2010). Aus soziologischer Perspektive gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Gesellschaftsstrukturen und Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung, der sich im Laufe der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sozialisation<\/i> <\/span>des Individuums manifestiert.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die soziologische Sozialisationsforschung untersucht die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>gesellschaftlichen Bedingungen von Sozialisationsprozessen<\/i><\/span>, aber auch die gesellschaftlichen Einfl\u00fcsse auf die Sozialisationsprozesse. Eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>grunds\u00e4tzliche soziale Handlungsorientierung und Handlungsbef\u00e4higung<\/i><\/span> wird f\u00fcr den Menschen als angeboren angenommen. Aktive Teilnahme an sozialen Handlungs- und Kommunikationsprozessen sowie emotional bedeutsame Sozialbeziehungen sind von zentraler Bedeutung f\u00fcr den Sozialisationsprozess (Scherr, 2010).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Grundlegende Aspekte der Sozialisation umfassen die drei Dimensionen der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Personalit\u00e4t<\/i><\/span>, der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Individualit\u00e4t<\/i> <\/span>und der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Subjektivit\u00e4t<\/i><\/span>. Der Einzelne ist durch Rollen, Normen und Werte gesellschaftlich bestimmt, aber gleichzeitig auch durch die Einzigartigkeit, die dem Individuum zugeschrieben wird, und schliesslich durch die Subjektivit\u00e4t, der F\u00e4higkeit zu Sprache, Handlungs- und Selbstbestimmung (Scherr, 2010).<\/p>\n<div class=\"textbox\">Emile Durkheim (1858-1917) verstand unter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Sozialisation <\/span>alle \u00abEinwirkungen der Erwachsenengeneration auf diejenigen, die noch nicht reif sind f\u00fcr das Leben in der Gesellschaft\u00bb.<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Man unterscheidet verschiedene <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Phasen <\/span>der Sozialisation:<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Prim\u00e4re Sozialisation<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die prim\u00e4re Sozialisation beinhaltet die Beziehungen zur Familie, aber auch zu Gleichaltrigen, und zielt auf die\u00a0 Herausbildung einer personalen Identi\u00e4t des Individuums. Der liebevolle Umgang und die Zuwendung der Familie machen das Individuum handlungsf\u00e4hig f\u00fcr weitere Sozalisationschritte.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Sekund\u00e4re Sozialisation<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die zweite Phase, die sekund\u00e4re Sozialisation, wird auch als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Enkulturation<\/i><\/span> bezeichnet. Nach Abschluss der prim\u00e4ren Sozialisation findet in der Enkulturation ein Prozess der Vergesellschaftung statt. Das Kind soll in dieser Phase alle Werte, Normen, F\u00e4higkeiten und Techniken der eigenen Kultur durch Eltern, Familie, Schule, Medien usw. erlernen. Die in dieser Phase verinnerlichten Werte und Normen gelten als relativ stabil.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Terti\u00e4re Sozialisation<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Heute wird auch von einer dritten Phase der terti\u00e4ren Sozialisation gesprochen. Diese findet im Erwachsenalter statt und ist gekennzeichnet durch die st\u00e4ndige Anpassung des Individuums an seine Umwelt, verstanden als lebenslanger Prozess der Ver\u00e4nderung. Terti\u00e4re Sozialisation ist die Bezeichnung f\u00fcr jene Phase der Sozialisation, in der vor allem berufliche und organisationale Einfl\u00fcsse wirksam werden.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sozialisation<\/i> <\/span>ist kein zeitlich und r\u00e4umlich begrenztes Geschehen, sondern ist als lebenslanger Prozess zu verstehen. Sozialisation geschieht haupts\u00e4chlich ungeplant und unbeabsichtigt. Alle sozialen Situationen bilden struktruriertes Erfahrungsmaterial, das den Beteiligten nicht umfassend bewusst ist. F\u00fcr die Beteiligten erfolgt eine \u00abselektive und eigensinnige individuelle Aneigung dieses Erfahrungsmaterials\u00bb (Scherr, 2010).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">Beispiel:<\/div>\n<div class=\"textbox__content\">Ein Kind erf\u00e4hrt nicht erst dadurch die bei gemeinsamen Mahlzeiten in der Familie geltenden Verhaltensregeln, dass die Eltern ihm ausdr\u00fccklich Anweisungen \u00fcber angemessenes Verhalten geben. Schon die ganz gew\u00f6hnliche Teilnahme an der Mahlzeit erm\u00f6glicht es ihm, typische Handlungsmuster und Gewohnheiten wahrzunehmen. Sozialisation vollzieht sich hier also bereits dadurch, dass ein Kind Handlungsmuster Erwachsener beobachtet und ggf. nachahmt, z. B. spielerisch imitiert. Dar\u00fcber hinaus erlebt das Kind in dieser Situation die Struktur der sozialen Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern \u2014 unabh\u00e4ngig davon, ob die Eltern dies beabsichtigen. Es erwirbt damit auch Erfahrungen bez\u00fcglich seiner Stellung in der Familie und der emotionalen Beziehungen zwischen den Anwesenden (Scherr, 2010).<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erziehung<\/i> <\/span>kann im Gegensatz zur erw\u00e4hnten \u00abautomatisch\u00bb ablaufenden als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>geplante und absichtsvolle Sozialisation<\/i><\/span> angesehen werden. Erziehung erreicht aber oft die angestrebten Ziele nicht oder nur teilweise. Befunde aus der Sozialforschung begr\u00fcnden diese <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Grenzen der Erziehung<\/b><\/span> (Scherr, 2010):<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Bewusste und gezielte Erziehungshandlungen sind gegen\u00fcber den unbeabsichtigt und st\u00e4ndig ablaufenden Sozialisationsvorg\u00e4ngen in der Minderzahl. D.h. die st\u00e4ndig pr\u00e4senten Sozialisationsvorg\u00e4nge haben eine gr\u00f6ssere Bedeutung.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Selbstsozialisation in Gleichaltrigengruppen ist von ausschlaggebender Bedeutung f\u00fcr die Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung, wie aus Beobachtungen geschlossen werden muss (Scherr, 2010). Kinder und Jugendliche \u00aborientieren sich demnach nicht zentral an den eigenen Eltern bzw. an Erwachsenen, sondern an denjenigen, mit denen sie sich als Alters- und Geschlechtsgleiche identifizieren k\u00f6nnen\u00bb (Scherr, 2010).<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Erziehung kann daran scheitern, dass sie als Versuch absichtsvoller Beeinflussung erkannt und abgelehnt wird. \u00abKinder, Jugendliche und Erwachsene k\u00f6nnen die Erwartung, sich erziehen zu lassen, als solche zur\u00fcckweisen\u00bb.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Diese Ph\u00e4nomene zeigen eine grundlegende Problematik f\u00fcr die p\u00e4dagogischen Berufe auf:<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erziehung<\/i> <\/span>ist nicht nur durch bewusste Erziehungshandlungen zu errreichen, sondern vor allem durch eine angemessene Gestaltung des gesamten Sozialisationskontextes in p\u00e4dagogischen Einrichtungen (Scherr, 2010).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Gesellschaftlichkeit und Individualit\u00e4t<\/h3>\n<figure id=\"attachment_769\" aria-describedby=\"caption-attachment-769\" style=\"width: 396px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-148.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-769 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-148.png\" alt=\"\" width=\"396\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-148.png 396w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-148-300x161.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-148-65x35.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-148-225x121.png 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-148-350x188.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 396px) 100vw, 396px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-769\" class=\"wp-caption-text\">(c) research.ptvgroup.com\/<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">F\u00fcr die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Soziologie<\/i> <\/span>hat das Thema der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sozialisation<\/i><\/span> dreifache Bedeutung (Scherr, 2010):<\/p>\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Erstens impliziert sie die Frage nach den Bedingungen einer Sozialisation, die die Individuen zur Erf\u00fcllung gesellschaftlicher Erwartungen und Anforderungen bef\u00e4higt bzw. motiviert; sie h\u00e4ngt insofern eng mit der Thematik <span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Normalit\u00e4t und Abweichung\u00a0<\/span>zusammen.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Zweitens erm\u00f6glicht sie die Frage nach einer solchen Gestaltung gesellschaftlicher Lebensbedingungen, die der Entwicklung und Realisierung menschlicher F\u00e4higkeiten zu eigenverantwortlichem, rational begr\u00fcndetem, sozial kooperativem und moralisch rechtfertigbarem Handeln f\u00f6rderlich ist.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Drittens unterscheiden sich soziologische Theorien erheblich in ihrer jeweiligen Einsch\u00e4tzung der St\u00e4rke und Schw\u00e4che gesellschaftlicher Einflussnahmen auf die individuelle Entwicklung, also darin, ob sie eher die soziale Bestimmtheit oder die individuelle Selbstbestimmungsf\u00e4higkeit betonen.<\/li>\n<\/ol>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\n<p>Sozialisation als komplexer Prozess:<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Menschen sind einzigartige <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Individuen<\/b><\/span>, die sich in ihrem Empfinden, Denken und Handeln unterscheiden. Dies gilt auch f\u00fcr Individuen, die unter weitgehend \u00e4hnlichen sozialen Bedingungen aufgewachsen sind und leben.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Es gibt aber Situationen, in denen die Besonderheiten des Einzelnen hinter sozial festgelegte Modelle zur\u00fccktreten. Solche B\u00fcndel von Erwartungen werden als\u00a0<span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>soziale Rollen<\/b><\/span> bezeichnet (<a href=\"#soziale-rollen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">siehe dort<\/a>). Sozialisation beinhaltet das Erlernen solcher Rollen und auch von Rollendistanz, und den taktischen oder spielerischen Umgang mit Rollenerwartungen.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Individuen sind Mitglieder sozialer Bezugsgruppen und Organisationen z.B. der <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Wir-Gruppe<\/b><\/span> (Familie, Verwandtschaft, Freunde, Cliquen) oder von <span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Organisationen<\/span> (Kirchen, Parteien, Vereine, Wirtschaftsbetriebe etc.). Die Mitglieder besitzen gemeinsame Merkmale, die sie von den Mitgliedern anderer Gruppen und <b>Organisationen<\/b> unterscheiden.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Grundlegende Gemeinsamkeiten aller Menschen sind Sprachf\u00e4higkeit und Selbstbewusstseinsf\u00e4higkeit (Reflexivit\u00e4t), die durch angeborene Merkmale und Dispositionen nur wenig festgelegt sind.<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p><b>Primat des Sozialen gem\u00e4ss George H. Mead<\/b> (Vorrang des Sozialen, Selbstbild und Identit\u00e4t, Scherr, 2010, S. 55)<\/p>\n<p>Grundlagentheoretisch ist im Anschluss an George H. Mead (1863\u20141931) von einem Primat des Sozialen auszugehen: Menschen treten mit ihrer Geburt nicht als sprach- und handlungsf\u00e4hige Individuen mit bereits ausgepr\u00e4gten Pers\u00f6nlichkeitsmerkmalen, Bed\u00fcrfnissen und Interessen in soziale Zusammenh\u00e4nge ein, sondern als durch ihre biologische Ausstattung nur wenig festgelegte Wesen. Sie k\u00f6nnen sich nur durch die Teilnahme an sozialen Zusammenh\u00e4ngen, durch die Interaktion mit bedeutsamen Anderen (significant others) im Prozess der prim\u00e4ren Sozialisation zu eigenst\u00e4ndig sprach- und handlungsf\u00e4higen Subjekten heranbilden und zugleich eine sie von anderen unterscheidende Individualit\u00e4t entwickeln (Scherr, 2010).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Soziale Bedingungen vs. individuelle Eigenleistung<\/h3>\n<figure class=\"ilc_media_cont_MediaContainer\"><\/figure>\n<figure id=\"attachment_770\" aria-describedby=\"caption-attachment-770\" style=\"width: 359px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-149.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-770 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-149.png\" alt=\"Grafische Darstellung rennender weisser Figuren, mit einer roten Figur an der Spitze.\" width=\"359\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-149.png 359w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-149-300x169.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-149-65x37.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-149-225x127.png 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-149-350x197.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 359px) 100vw, 359px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-770\" class=\"wp-caption-text\">(c) wilfried-fox.de\/<\/figcaption><\/figure>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Sozialisation: Soziale Bedingungen vs. individuelle Eigenleistung<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Veraltete Denkmodelle sehen in der Sozialisation vor allem eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Pr\u00e4gung<\/i><\/span>, also eine einseitige Beeinflussung und Lenkung des Individuums durch Gesellschaft, Kultur und Erziehung. Individualit\u00e4t und Subjektivit\u00e4t werden in dieser Sichtweise vernachl\u00e4ssigt. Diese Sichtweise ist vor allem h\u00e4ufig, wenn auff\u00e4llige Verhaltensweisen erkl\u00e4rt werden sollen. Wichtig sind demgegen\u00fcber Handlungsmodelle, die die komplexen Zusammenh\u00e4nge von sozialen Bedingungen und individueller Eigenst\u00e4ndigkeit beschreiben und empirisch erforschen (Scherr, 2010).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Auch ein anderes \u00fcberliefertes Denkmodell hat sich als falsch erwiesen: die Annahme einer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>prim\u00e4ren Asozialit\u00e4t<\/i><\/span> des Menschen mit der Vorstellung, aufgrund der egoistischen und asozialen Natur des Menschen sei es notwendig, diese prim\u00e4re Asozialit\u00e4t durch soziale Normen und Zw\u00e4nge einzuschr\u00e4nken (Scherr, 2010). Demgegen\u00fcber betont Scherr (2010) als <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">grundlegende Kompetenz des Menschen die F\u00e4higkeit zur Perspektiven\u00fcbernahme und Kooperation<\/span>.<\/i><\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Sozialisation als Aneigung sozial geteilter Wirklichkeit<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Luhmann hat die These vertreten, Sozialisation sei <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Selbst-Sozialisation<\/span>, und damit postuliert, dass sich die soziale Interaktion und Kommunikation nicht direkt auf die psychischen Prozesse des Einzelnen auswirken, sondern dass das Individuum aktiv die erhaltene Information verarbeitet. Heranwachsende nehmen an der allt\u00e4glichen Lebenswelt ihrer sozialen Gruppe teil und eignen sich damit deren Weltsicht an. Dieser Sozialisationsprozess bewirkt den Erwerb<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"> <i>grundlegender sozial geteilter Wahrnehmungs-, Deutungs-, Handlungs- und Bewertungsmuster<\/i><\/span><i>.<\/i> Bourdieu vergleicht diese Muster mit der Grammatik einer Sprache (Scherr, 2010).<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Bedingungen gelingender Sozialisation: Soziale Anerkennung und Sprach- und Handlungsf\u00e4higkeit<\/span><\/h4>\n<p>Sozialisationsbedingungen und -verl\u00e4ufe k\u00f6nnen zu St\u00f6rungen der individuellen Entwicklung f\u00fchren, die sich z. B. in problematischem Kommunikationsverhalten, psychischen Erkrankungen oder Suchtkarrieren manifestieren (Scherr, 2010). F\u00fcr die Entwicklung eines positiven Selbstwertgef\u00fchls sowie rationaler und moralisch verantwortlicher Handlungs- und Entscheidungsf\u00e4higkeit sind folgende Bedingungen wichtig:<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die Individualit\u00e4t und die eigenverantwortliche Handlungsf\u00e4higkeit bilden sich in Verh\u00e4ltnissen wechselseitiger Anerkennung. Diese wechselseitige Anerkennung wird im Umgang mit Kleinkindern quasi im Vorgriff auf ihre erst noch zu entwickelnde F\u00e4higkeit erbracht.<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Famili\u00e4re oder familien\u00e4hnliche Beziehungen sind f\u00fcr die fr\u00fchkindliche Sozialisation bedeutsam. Sie sind gekennzeichnet durch hohe Interaktionsdichte, Konstanz der Bezugspersonen sowie verl\u00e4ssliches Verhalten dieser Bezugspersonen (Scherr, 2010).<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Grunds\u00e4tzlich ist die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sprache<\/i> <\/span>das wichtigste Organisationsprinzip der Sozialisation.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\"><span style=\"font-size: 1em\"><b>Grundannahmen zur Sprachentwicklung<\/b> aus der sozialwissenschaftlichen Sozialisationsforschung (Scherr, 2010):<\/span><\/p>\n<ul>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\"><span style=\"font-size: 1em\">In der Interaktion werden Kinder von Anfang an, also schon bevor sie die Bedeutung von W\u00f6rtern und S\u00e4tzen tats\u00e4chlich verstehen, von ihren prim\u00e4ren Bezugspersonen als Wesen behandelt, die zu sprachlicher Verst\u00e4ndigung grunds\u00e4tzlich in der Lage sind. Gemeinsame Handlungen mit dem Kind werden sprachlich kommentiert und die elementaren Laute und Gesten des Kindes werden als verstehbare \u00c4usserungen behandelt.<\/span><\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\"><span style=\"font-size: 1em\">Indem die prim\u00e4ren Bezugspersonen in der Interaktion mit dem Kind \u00fcber ihr eigenes Erleben und Handeln, das Empfinden und Handeln des Kindes sowie Objekte sprechen, werden dem Kind erste sprachliche Deutungen und Beschreibungen seiner elementaren Wahrnehmungen und Erlebnisse angeboten. Dadurch wird das Kind allm\u00e4hlich bef\u00e4higt, Ereignisse, Personen und Dinge mit sprachlichen \u00c4usserungen zu verbinden.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 1em\">Bezugspersonen reagieren auf die Gesten und lautsprachlichen \u00c4usserungen eines Kleinkindes so, als ob es sich bereits um intentionale und verst\u00e4ndliche Mitteilungen handelte. Damit werden Kindern sprachliche Ausdrucksformen und Interpretationen ihrer eigenen Wahrnehmungen, Handlungen und Empfindungen angeboten, die sie erlernen und verwenden k\u00f6nnen. Indem sich Bezugspersonen mit Kindern auf die Bedeutung elementarer \u00c4usserungen einigen, k\u00f6nnen zun\u00e4chst recht einfache sprachliche Kommunikationsmuster aufgebaut werden, die im weiteren Verlauf zu komplexeren Sprach\u00e4usserungen weiterentwickelt werden.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 1em\">Die prim\u00e4ren Bezugspersonen wirken, ohne dass dies notwendigerweise absichtsvoll geschieht, auf die Verfestigung und den Ausbau der sprachlichen F\u00e4higkeiten des Kindes hin, indem sie sprachliche \u00c4usserungen aufgreifen, also etwa aus kindlichen Lauten W\u00f6rter formen, sprachlich korrekte \u00c4usserungen wiederholen oder unvollst\u00e4ndige S\u00e4tze vervollst\u00e4ndigen.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die <b>Bedeutung von Sprache f\u00fcr den Sozialisationsprozess<\/b> und f\u00fcr das soziale Zusammenleben insgesamt l\u00e4sst sich nicht angemessen begreifen, wenn Sprache als ein blosses Mittel der Verst\u00e4ndigung \u00fcber vorsprachliche Absichten, Bed\u00fcrfnisse oder Interessen gedacht wird. Denn Sprachen sind, wie in den sprachphilosophischen Untersuchungen <i>Ludwig Wittgensteins<\/i> (1889\u20141951) deutlich wurde, kein neutrales Instrument, \u00fcber das Individuen zum Zweck der Mitteilung und Verst\u00e4ndigung verf\u00fcgen k\u00f6nnen. Vielmehr enthalten Sprachen die grundlegenden Muster der Wahrnehmung, Deutung und Bewertung, innerhalb derer Individuen sich selbst sowie ihre soziale und nat\u00fcrliche Umwelt erleben. Unterschiede der Sprachen, die in sozialen Gruppen gesprochen und erlernt werden, bedingen folglich auch Differenzen des jeweiligen Selbst- und Weltverst\u00e4ndnisses (Scherr, 2010, S. 63).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2>Identit\u00e4t und Habitus<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Identit\u00e4t und Habitus bezeichnen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verhaltensdispositionen<\/i><\/span>, die Menschen im Verlauf ihres Lebens entwickeln. Individuen statten sich selbst mit bestimmten Merkmalen aus und ordnen sich damit bestimmten sozialen Gruppen zu. Gleichzeitig werden sie aber auch von den Andern aufgrund dieser Merkmale bestimmten Gruppen zugeordnet und sozial typisiert (Liebsch, 2010). Identit\u00e4t und Habitus verbinden die mikrosoziologische Ebene des Handelns von Individuen mit der makrosoziologischen Ebene der gesellschaftlichen Strukturen.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Definition Identit\u00e4t<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Identit\u00e4t ist ein Konzept zum Verst\u00e4ndnis von Selbstbildern. Mit Hilfe des Identit\u00e4tskonzepts werden sich st\u00e4ndig wandelnde Antworten auf die Frage \u00abWer bin ich?\u00bb gegeben. Identit\u00e4ten werden in einem Wechselspiel von bestehenden sozialen Strukturen und ver\u00e4ndernder Aneignung gebildet. Sie transportieren sowohl Reaktionen auf Vorgegebenes wie auch selbstgestaltete Definitionen. (Liebsch, 2010)<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\n<p>Der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Habitus<\/i> <\/span>ist als eine Art sozialer Grammatik in die K\u00f6rper und Verhaltensweisen der einzelnen Individuen eingeschrieben. Der Habitus als eine Institutionalisierung und Habitualisierung des Verhaltens bringt f\u00fcr das Individuum Entlastung, weil nicht jede einzelne Handlung detailliert geplant werden muss. Habitus ist nicht eine Eigenschaft des Individuums, sondern eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Struktur des Handelns<\/i><\/span>.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Definition Habitus<\/span><\/h3>\n<p>Der Habitus bezeichnet zum einen die habitualisierten Gewohnheiten und Handlungen von Personen. Zum anderen wird mit Habitus auch ein sozialisatorisch erworbenes Schema zur Erzeugung immer neuer Handlungen bezeichnet, das Grenzen und Spielr\u00e4ume sozialer Ordnungen reproduziert und ver\u00e4ndert. Als dialektischer Begriff bezeichnet der Habitus immer beides: das bereits Strukturiert-Sein und die strukturierende Funktion der Handlungen von Individuen, die gesellschaftliche Pr\u00e4gung und die individuellen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten (Liebsch, 2010).<\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Abweichendes Verhalten<\/h2>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Abweichendes Verhalten und soziale Kontrolle<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-150.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-772 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-150.png\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"181\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-150.png 270w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-150-65x44.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-150-225x151.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a>Abweichendes Verhalten<\/i><\/span>, in diesem Kontext auch als Devianz bezeichnet, ist Verhalten, das gegen die gesamtgesellschaftlichen Normen, Regeln und Werte verst\u00f6sst. Wo es Regeln gibt, gibt es aber auch Abweichungen (Peuckert, 2010). Abweichendes Verhalten ist ein Bestandteil der gesellschaftlichen Organisation (bei Durkheim als \u00abNormalit\u00e4t des Verbrechens\u00bb bezeichnet), in diesem Sinne allgegenw\u00e4rtig und unvermeidbar.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Kontrolle<\/i><\/span> soll garantieren, dass Menschen sich konform verhalten, z. B. durch Prozesse der sozialen Integration. Die Person, die abweichendes Verhalten zeigt, soll bestraft, behandelt oder gebessert werden.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Abweichendes Verhalten kann sowohl <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>funktional<\/i> <\/span>wirken (d.h. systemerhaltend, f\u00f6rderlich), als auch <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>dysfunktional<\/i>\u00a0<\/span>(sch\u00e4dlich). Die dysfunktionalen Wirkungen sind unmittelbar einleuchtend: Das abweichende Verhalten (z. B. Kriminalit\u00e4t) sch\u00e4digt sowohl T\u00e4ter und Opfer als auch die Gesellschaft und verursacht hohe Kosten.Wird ein gewisses Ausmass an Devianz \u00fcberschritten, wird das Gerechtigkeitsempfinden verletzt und die Regeln werden in Frage gestellt (Peuckert, 2010).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>funktionale Beitrag<\/i><\/span> abweichenden Verhaltens kann wichtig sein f\u00fcr die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Lebensf\u00e4higkeit eines sozialen Systems<\/i><\/span>. Gem\u00e4ss Durkheim ist Kriminalit\u00e4t notwendig, n\u00fctzlich und ein integratives Element in jeder gesunden Gesellschaft (Durkheim, 2007). Das Positive erh\u00e4lt erst durch die Existenz des Negativen Sinn, der Inhalt der Moral, d.h. was erlaubt ist, wird teilweise dadurch definiert, was nicht erlaubt ist (Peuckert, 2010).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Soziale Kontrolle und Sanktionen sind deshalb notwendig. Sanktionen tragen dazu bei, den genauen Inhalt der Normen und die Grenzen ihres Geltungsbereichs deutlich zu machen.<\/p>\n<h2>Erkl\u00e4rungen abweichenden Verhaltens<\/h2>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">\u00c4tiologisches Paradigma: Anomietheorie<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00e4tiologische Paradigma<\/i><\/span> oder <i>die <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ursachentheorie<\/i> <\/span>ist einer von zwei wichtigen Erkl\u00e4rungsans\u00e4tzen f\u00fcr abweichendes Verhalten; der zweite Ansatz ist die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>interaktionistische Devianzperspektive<\/i><\/span> (Peuckert, 2010).<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Das \u00e4tiologische Paradigma<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der \u00e4tiologische Ansatz zielt auf Pr\u00e4vention, Behandlung, Korrektur und soziale Kontrolle abweichenden Verhaltens. Abweichler werden als behandlungsbed\u00fcrftig angesehen. Unerw\u00fcnschte Verhaltensweisen sollen vermieden oder abgebaut werden. Gem\u00e4ss \u00e4tiologischem Ansatz besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen Abweichlern und Konformen. Es gilt, die Faktoren aufzudecken, die abweichende Personen physisch, psychisch oder sozial von konformen unterscheiden. Diese k\u00f6nnen dann als Ursachen der Abweichung bezeichnet werden (Peuckert, 2010).<\/p>\n<figure id=\"attachment_773\" aria-describedby=\"caption-attachment-773\" style=\"width: 252px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-151.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-773 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-151.png\" alt=\"\" width=\"252\" height=\"252\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-151.png 252w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-151-150x150.png 150w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-151-65x65.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-151-225x225.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 252px) 100vw, 252px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-773\" class=\"wp-caption-text\">(c) archive.org\/<\/figcaption><\/figure>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Anomietheorie<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">ist eine sozialstrukturelle Kriminalit\u00e4tstheorie und ein Beispiel f\u00fcr den \u00e4tiologischen Ansatz. Robert K. Merton formulierte die Theorie zuerst 1938 und \u00fcberarbeitete sie 1957.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Auftreten von Devianz ist ein Ausdruck von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Anomie<\/i> <\/span>(d.h. Norm- oder Regellosigkeit), die als Folge \u00fcbersteigerter Erwartungshaltungen in der Bev\u00f6lkerung auftritt. Merton setzt voraus, dass es einerseits <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>kulturelle Ziel<\/i>e<\/span> als W\u00fcnsche und Erwartungen der Menschen einer Gesellschaft gibt (z. B. Bildung, Wohlstand, hohes Ansehen), und dass es andererseits <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Normen<\/i> <\/span>gibt, welche die Mittel vorschreiben, die die Menschen zur Realisierung dieser Ziele anwenden d\u00fcrfen (z. B. Fleiss, Intelligenz, Lernfreude). Als Anomie wird dann ein Ziel-Mittel-Konflikt bezeichnet, hervorgerufen durch gesellschaftliche Bedingungen wie fehlende Chancengleichkeit.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Abweichendes Verhalten kann in dieser Sicht als Symptom f\u00fcr das Auseinanderklaffen von kulturell vorgegebenen Zielen und sozial strukturierten Wegen, auf denen diese Ziele zu erreichen sind, betrachtet werden (Merton, 1979). Deshalb liegt der st\u00e4rkste Druck auf den unteren Sozialschichten. D.h. in dieser Sichtweise ist Kriminalit\u00e4t eine normale Reaktion benachteiligter Individuen (Peuckert, 2010).<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Devianz<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Devianz ist eine m\u00f6gliche Reaktionsweise auf Anomie. Merton beschreibt f\u00fcnf verschiedene m\u00f6gliche Arten individueller Anpassung, die von Myschker (2005, S. 112) mit Bezug auf schulische Anpassungstypen so beschrieben werden:<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Konformit\u00e4t<\/b> <\/span>meint die Situation, in der der Sch\u00fcler versucht, seine Defizite durch Hilfe von aussen (z.B. Nachhilfeunterricht) auszugleichen oder diese Defizite zu akzeptieren und sich, z.B. durch \u00dcberweisung auf eine Sonderschule f\u00fcr Lernbehinderte, auf einen unteren Leistungslevel einzustellen.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Als <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>deviante Innovation<\/b><\/span> l\u00e4sst es sich bezeichnen, wenn zur Erreichung der vorgeschriebenen Leistungen illegitime Mittel benutzt werden, wenn z.B. beim Klassenkameraden abgeschrieben wird.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Ritualismus<\/b> <\/span>oder <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Opportunismus<\/b> <\/span>ist eine Form der Scheinanpassung, d.h., der Sch\u00fcler verh\u00e4lt sich \u00abim Hinblick auf die geltenden Normen konform, obwohl er ein indifferentes oder auch ablehnendes Verh\u00e4ltnis zu den entsprechenden Zielen hat\u00bb (Wurr\/Trabandt, 1980, S. 26).<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Rebellion<\/b> <\/span>ist das Setzen und Durchsetzen eigener Ziele durch St\u00f6ren des Unterrichts, um von eigenen Defiziten abzulenken und Zuwendung oder sogar Anerkennung zu erfahren.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Als <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Apathie<\/b> <\/span>lassen sich ein innerer oder auch \u00e4usserer R\u00fcckzug, wie Schweigen und Sich-Verweigern im Unterricht, oder auch Schuleschw\u00e4nzen bezeichnen.<\/li>\n<\/ul>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Umgangsformen mit anomischen Spannungen<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Barth (2009, S. 326) beschreibt die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Umgangsformen mit anomischen Spannungen<\/i><\/span> am Beispiel der Schule.<\/p>\n<table class=\"grid\" style=\"width: 734px; width: auto;\">\n<tbody>\n<tr valign=\"top\">\n<th class=\"ilc_table_cell_Cell1\" style=\"width: 314.5px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><strong>Arten der Anpassung<\/strong><\/div>\n<\/th>\n<th class=\"ilc_table_cell_Cell1\" style=\"width: 167.267px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><strong>Institutionelle Mittel: <\/strong><strong>individuelle Lernleistung<\/strong><\/div>\n<\/th>\n<th class=\"ilc_table_cell_Cell1\" style=\"width: 209.333px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><strong>Kulturelle Ziele: <\/strong><strong>Schulerfolg, Bildungschancen<\/strong><\/div>\n<\/th>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td style=\"width: 314.5px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">1. Konformit\u00e4t: <\/span>Fleiss<\/div>\n<\/td>\n<td style=\"width: 167.267px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">+<\/span><\/div>\n<\/td>\n<td style=\"width: 209.333px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">+<\/span><\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td style=\"width: 314.5px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">2. Innovation (Neuerung): <\/span>spicken, krank sein bei Pr\u00fcfungen<\/div>\n<\/td>\n<td style=\"width: 167.267px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">&#8211;<\/span><\/div>\n<\/td>\n<td style=\"width: 209.333px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\">+<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td style=\"width: 314.5px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">3. Ritualismus: <\/span>hinschmieren, Pflichterf\u00fcllung ohne Interesse<\/div>\n<\/td>\n<td style=\"width: 167.267px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">+<\/span><\/div>\n<\/td>\n<td style=\"width: 209.333px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">&#8211;<\/span><\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td style=\"width: 314.5px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">4. Apathie (R\u00fcckzug): <\/span>Absentismus (schw\u00e4nzen, tr\u00e4umen), hohe Besetzung der Freizeit<\/div>\n<\/td>\n<td style=\"width: 167.267px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">&#8211;<\/span><\/div>\n<\/td>\n<td style=\"width: 209.333px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">&#8211;<\/span><\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"top\">\n<td style=\"width: 314.5px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">5. Rebellion: <\/span>Disziplinarische Probleme im Unterricht (Ver\u00e4nderung der Norm wird angestrebt)<\/div>\n<\/td>\n<td style=\"width: 167.267px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">+\/-<\/span><\/div>\n<\/td>\n<td style=\"width: 209.333px\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_TableContent\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">+\/-<\/span><\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Die Umgangsformen mit anomischen Spannungen werden bezogen auf die Schule und ein Fallbeispiel ausf\u00fchrlich besprochen. Im letzten Abschnitt werden ausserdem die praktischen handlungstheoretischen Konsequenzen erl\u00e4utert, welche sich aus der anomietheoretischen Erkl\u00e4rung abweichenden Verhaltens ableiten lassen (Barth, 2009, S. 329).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">(Quelle: Barth, Daniel. (2009). Abweichendes Verhalten und Disziplinschwierigkeiten in der Schule als Problem der sozialen Ordnung. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Vierteljahresschrift f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik und ihre Nachbargebiete<\/i><\/span>, 321\u2013333.)<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Interaktionistische Devianzperspektive<\/h3>\n<figure id=\"attachment_774\" aria-describedby=\"caption-attachment-774\" style=\"width: 188px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-152.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-774 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-152.png\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"281\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-152.png 188w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-152-65x97.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-774\" class=\"wp-caption-text\">(c) criminologia.de\/<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die zweite Erkl\u00e4rungsm\u00f6glichkeit abweichenden Verhaltens, neben dem bereits besprochenen \u00e4tiologischen Ansatz, ist die\u00a0<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>interaktionistische Devianzperspektive<\/i><\/span>, auch als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Etikettierungsansatz<\/i> <\/span>bekannt (labeling approach). Abweichendes Verhalten oder Devianz wird in dieser Perspektive als eine sich fortlaufend entwickelnde Folge dynamischer Interaktionsprozesse aufgefasst (Peuckert, 2010).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das folgende Beispiel gibt den Entwicklungsprozess delinquenten bzw. kriminellen Verhaltens im Sinn der interaktionistischen Devianzperspektive in acht Phasen wieder. Damit soll verdeutlicht werden, dass Kriminalit\u00e4t nicht eine spezielle Qualit\u00e4t eines Menschen, sondern das Ergebnis eines Prozesses ist, in dem einseitige Situationsdefinitionen und spezielle Umst\u00e4nde negative Typisierungen und Sanktionen mit entsprechenden Reaktionen hervorbringen, wie im Folgenden gezeigt wird (Quensel, 1970; zit. nach Myschker, 2005; S. 112):<\/p>\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Ein Jugendlicher begeht ein kleines Delikt zur L\u00f6sung eines kleinen Problems (Elternkonflikt \u2014 Diebstahl).<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Der Jugendliche hat kein Gl\u00fcck: Es kommt zu keiner Probleml\u00f6sung, vielmehr zu einer Bestrafung.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Das Problem wird gr\u00f6sser. Die Ablehnung der Umwelt w\u00e4chst. Der Jugendliche sucht nach Selbstbest\u00e4tigung bei gleich gesinnten Jugendlichen. Er lehnt die Bestrafung als \u00abUngerechtigkeit\u00bb ab.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Ein weiteres Delikt wird als \u00abR\u00fcckfall\u00bb interpretiert und bringt die Gefahr eines Aufschaukelprozesses: Das delinquente Verhalten und die Bestrafungen verst\u00e4rken sich gegenseitig.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Der Jugendliche wird als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Delinquent <\/span>definiert. Er wird aktenkundig und behandlungsbed\u00fcrftig (Jugendarrest, Heim). Er \u00fcbernimmt die Definition <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Delinquenter <\/span>in sein Selbstbild: Die Schwelle zum Verbotenen wird niedriger, die ungel\u00f6ste Problematik wird gr\u00f6sser.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Der Jugendliche wird zum Aussenseiter. Techniken delinquenter Problembew\u00e4ltigung verfestigen sich, werden zur Typisierung im Sinne \u00absch\u00e4dlicher Neigungen\u00bb (der aggressive Schl\u00e4ger, der Wegl\u00e4ufer, der Manipulator, der Rocker, der S\u00fcchtige). Mit der \u00dcbernahme der delinquenten Rolle zeichnet sich eine delinquente Karriere ab.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Der Jugendliche kommt in die Strafanstalt. Mit der nunmehr eindeutigen Rollenfestlegung ist eine deutliche Problemverst\u00e4rkung verbunden.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Phase: Nach der Entlassung ist der Jugendliche ein Vorbestrafter. Verwiesen auf das Milieu Gleichartiger, ist f\u00fcr den Jugendlichen ein R\u00fcckfall naheliegend. Der R\u00fcckfall f\u00fchrt zu h\u00e4rterer Bestrafung. Es kommt zu einem Teufelskreis, zu einem sich wechselseitig hochschaukelnden Interaktionsprozess zwischen dem Jugendlichen und seiner sozialen Umwelt unter Einschluss der staatlichen Sanktionsinstanz.<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Mit der interaktionistischen Devianzperspektive kann eine sich steigernde negative Entwicklung aufgezeigt werden, f\u00fcr die Verursachung dieser Entwicklung h\u00e4lt sie jedoch keine Erkl\u00e4rungen bereit.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Etikettierungsansatz und Stigma-Theorie<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Etikettierungsansatz (labeling approach)<\/i><\/span> ist eine soziologische Denkrichtung und entspricht weitgehend der bereits beschriebenen interaktionistischen Devianzperspektive. Abweichendes Verhalten wird als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozial zugeschrieben<\/i><\/span> erkl\u00e4rt, und nicht als objektiv vorhanden. Der Etikettierungsansatz kann im Zusammenhang gesehen werden mit der so genannten \u00abS\u00fcndenbocktheorie\u00bb, nach der eine Gesellschaft Abweichler braucht, weil deren Bestrafung als Gratifikation f\u00fcr eigenes Wohlverhalten erlebt werden kann und sozialkonformes Verhalten stabilisiert.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Eine S\u00fcndenbock-Rolle spielen im Schulsystem z. B. Sch\u00fcler mit Lern- und Verhaltensst\u00f6rungen. Sie werden selektiert und in Sondereinrichtungen umgeschult. Die f\u00fcr sie eingeleiteten Massnahmen k\u00f6nnen f\u00fcr die \u00fcbrigen Sch\u00fcler einerseits als Gratifikation f\u00fcr erwartungsgem\u00e4sses Lern- und Sozialverhalten, andererseits aber auch als Abschreckung dienen. Auf diesem Hintergrund funktionieren Drohungen von Lehrern und Eltern gegen Sch\u00fcler, etwa in der Art: \u00abWenn du dich nicht anstrengst, kommst du auf die Hilfs-, Lernbehinderten-, Doofen-Schule!\u00bb. Sondereinrichtungen wirken insofern systemstabilisierend, ziehen potenziell Etikettierung, Stigmatisierung und Selbststigmatisierung nach sich und stimulieren durch ihre blosse Existenz Bedrohung und Bedarf (Myschker, 2005, S. 113).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Etikettierungsansatz geht zur\u00fcck auf den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">symbolischen Interaktionismus<\/span> von G. H. Mead, nach dem \u00abdas Individuum im Laufe seiner Erfahrungen mit sozialen Symbolen ein Selbstverst\u00e4ndnis erwirbt, das wesentlich durch die Interpretation beeinflusst wird, die dieses Individuum anderen in Bezug auf sich selbst zuschreibt.\u00bb (Myschker, 2005).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Zur Erkl\u00e4rung abweichender und st\u00f6render Verhaltensweisen nach dem Ansatz des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>labeling approach<\/i><\/span> k\u00f6nnen <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Etikettierungs<\/span>-, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Stigmatisierungs<\/span>&#8211;<\/i> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Selbststigmatisierungsprozesse<\/i> <\/span>herangezogen werden.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-153.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-775 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-153.png\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-153.png 210w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-153-150x150.png 150w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-153-65x65.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/a><\/b>Stigma und Stigmatisierung<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Stigma bezeichnet eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abweichung von der Norm<\/i><\/span>, welche innerhalb einer Gesellschaft gegeben bzw. erw\u00fcnscht ist. Die Betroffenen erreichen aufgrund der Stigmatisierung nicht den Status eines normalen Mitglieds der Gesellschaft. Insbesondere leiden Menschen von Minderheiten unter der Stigmatisierung und deren Auswirkungen, die in der Schwierigkeit der eigenen Identit\u00e4tausbildung und in der Akzeptanz durch sie selbst und durch Aussenstehende liegt.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Erwartungsverletzung als Kern der Stigma-Theorie<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ein<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"> <i>Stigma<\/i> <\/span>ist eine unerw\u00fcnschte Andersheit gegen\u00fcber dem, was gem\u00e4ss Normen erwartet w\u00fcrde. Es ist also eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erwartungsverletzung<\/i> <\/span>durch die Entt\u00e4uschung von Verhaltenserwartungen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ein Stigma ist eine Verallgemeinerung einer spezifischen Handlung oder Eigenheit einer Person auf deren Gesamtcharakter. Das Stigma wird zu einer hervorstechenden Eigenschaft einer Person.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erving Goffman<\/i><\/span> [1] betrachtet Stigma als Beispiel f\u00fcr die Kluft zwischen dem, was eine Person sein sollte (ihrer virtuellen sozialen Identit\u00e4t), und ihrer wirklichen sozialen Identit\u00e4t, d.\u00a0h. dem, was sie wirklich ist.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">[1]<em><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"> Erving Goffman<\/span><\/em> (1922- 1982) war ein US-amerikanischer Soziologe.<\/p>\n<h2>Gruppe &#8211; Institution &#8211; Macht<\/h2>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Die soziale Gruppe<\/h3>\n<div>\n<figure id=\"attachment_776\" aria-describedby=\"caption-attachment-776\" style=\"width: 176px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-154.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-776 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-154.png\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"264\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-154.png 176w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-154-65x98.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-776\" class=\"wp-caption-text\">(c) wikimedia.org\/<\/figcaption><\/figure>\n<p><span style=\"font-size: 1em\">Die<i> <\/i><\/span><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-size: 1em\"><i>soziale Gruppe<\/i><\/span><span style=\"font-size: 1em\"> gilt als Paradigma der Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung des Menschen. Der Mensch ist von seiner Anlage und Organausstattung her ein <\/span><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-size: 1em\"><i>Gruppenwesen<\/i><\/span><span style=\"font-size: 1em\"> und lebte in seiner Entwicklungsgeschichte den gr\u00f6ssten Teil der Zeit in Horden oder Klans. Jedes Individuum geh\u00f6rt in der Regel verschiedenen sozialen Gruppen an. Die Gruppe verbindet das Individuum mit der Gesellschaft, die Individualnatur des Menschen mit der Sozialnatur (Sch\u00e4fers, 2010).<\/span><\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als Reaktion auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen enstanden und entstehen immer neue Gruppen, so z. B.:<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>gang<\/i> <\/span>als \u00abRotte\u00bb der Kinder und Jugendlichen, als Ersatz f\u00fcr das \u00abbroken home\u00bb.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>informellen Gruppen<\/i><\/span> in formalen Organisationen, die eine wichtige Bedeutung f\u00fcr Individuum und Organisation haben.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>peers<\/i><\/span>, Gleichaltrigengruppen von Kindern und Jugendlichen als Zwischenglied zwischen Familie und Gesellschaft.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die <i>diversen<\/i> Gruppen im Bereich der Selbsthilfe, der politischen und sozialen Identit\u00e4tsfindung und Selbstbehauptung, und die Alternativgruppen in verschiedenen Lebensbereichen.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Neue Gruppenbildungen werden zu Zufluchtsorten des Individuums als M\u00f6glichkeit, den gesellschaftlichen Zw\u00e4ngen zu entgehen oder ihnen standzuhalten (Sch\u00e4fers, 2010).<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Definition der Gruppe<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Eine soziale Gruppe umfasst eine bestimmte Zahl von Mitgliedern, die zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels \u00fcber l\u00e4ngere Zeit in einem kontinuierlichen Kommunikations- und Interaktionsprozess stehen und ein Gef\u00fchl der Zusammengeh\u00f6rigkeit (Wir-Gef\u00fchl) entwickeln. Zur Erreichung des Gruppenziels und zur Stabilisierung der Gruppenidentit\u00e4t ist ein System gemeinsamer Normen und eine Verteilung der Aufgaben \u00fcber eine gruppenspezifische Rollendifferenzierung erforderlich (Sch\u00e4fers, 2010).<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Die Prim\u00e4rgruppe<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Prim\u00e4rgruppe erh\u00e4lt ihren Namen dadurch, dass sie zeitlich und inhaltlich die erste an der Formation der Sozialnatur des Menschen beteiligte Gruppe ist (Sch\u00e4fers, 2010). Die soziale Pers\u00f6nlichkeit des Individuums wird weitgehend durch die Prim\u00e4rgruppen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Familie<\/span><i>, <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Spielgruppe <\/span>und<i> <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Nachbarschaft<\/i> <\/span>geformt. Die Menschen geh\u00f6ren der Prim\u00e4rguppe als Individuen an, nicht als Funktions- oder Rollentr\u00e4ger!<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Die Familie<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">als Sonderform der Kleingruppe kann als die Urform des Gruppenlebens angesehen werden. Sie ist in ihren Zwecken weitgehend vorstrukturiert. Alter, Geschlecht und Generationenabstand sind in der Regel konstitutive Mermale der Familie, ebenso die Strukturen der Autorit\u00e4t, der Kompetenz- und Anordnungsbefugnisse. Die Familie befindet sich aufgrund des Familienzyklus in einer dauernden Ver\u00e4nderung, die das Normen- und Wertgef\u00fcge betrifft, aber auch die interne Rollendifferenzierung.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Institution und Organisation<\/h3>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Theorie der Institution<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\u00abUnter Institution versteht man im soziologischen Kontext eine Sinneinheit von habitualisierten Formen des Handelns und der sozialen Interaktion, deren Sinn und Rechtfertigung der jeweiligen Kultur entstammen und deren dauerhafte Beachtung die umgebende Gesellschaft sichert.\u00bb (Gukenbiehl, 2010)<\/p>\n<figure id=\"attachment_777\" aria-describedby=\"caption-attachment-777\" style=\"width: 366px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-155.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-777 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-155.png\" alt=\"\" width=\"366\" height=\"185\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-155.png 366w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-155-300x152.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-155-65x33.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-155-225x114.png 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-155-350x177.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 366px) 100vw, 366px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-777\" class=\"wp-caption-text\">(c) dimagazin-aktuell.de\/<\/figcaption><\/figure>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Institutionen<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Institutionen in diesem Sinn sind die vielf\u00e4ltigen Formen geregelten Zusammenwirkens bei der Kommunikation (z. B. Begr\u00fcssung, Diskussion, Unterricht), bei der Arbeit und im Handel (z. B. Betrieb, Tausch, Kauf), bei der Nutzung und Verwaltung (z. B. Wohngemeinschaft, Gemeinde), bei der Pflege und Erziehung (z. B. Altersheim, Kindergarten, Schule), bei Spiel, Festen und Feiern (z. B. Fussballspiel, Kirchweih, Gottesdienst, Eheschliessung), aber auch bei geregelten Auseinandersetzungen (z. B. Gericht, Zweikampf) und schliesslich die umfassenden Formen gemeinsamen Lebens wie in Familie, Kloster oder Staat. Diese Formen geregelten Zusammenwirkens ver\u00e4ndern sich mit der Zeit, neue Formen treten auf (z. B. Gewerkschaften), oder \u00e4ltere verlieren ihre Bedeutung (z. B. Z\u00fcnfte) (Gukenbiehl, 2010).<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Funktionen von Institutionen<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Institutionen schaffen durch ihre verbindlichen Regelungen eine gewisse Sicherheit und Stabilit\u00e4t, sie tragen zu einer sozialen und kulturellen Identit\u00e4t bei und f\u00f6rdern die soziale Integration. Sie begrenzen zwar die Handlungsm\u00f6glichkeiten des Einzelnen, bringen aber eine Entlastung, indem nicht f\u00fcr jeden Einzelfall Entscheidungen getroffen und Rechtfertigungen gesucht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Die Organisation<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Organisationstheorie<\/i> <\/span>ist neueren Datums, kn\u00fcpft aber in mancher Beziehung an die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Institutionstheorie <\/span>an. Organisationen sind Formen geregelter Kooperation, die sich weniger auf dem Hintergrund traditionaler Gesellschaften entwickelt haben, sondern auf dem Boden der Rationalit\u00e4t (Gukenbiehl, 2010). Das Organisieren als Form des Denkens und Handelns bringt die Organisation als soziales Gebilde hervor. Zu den Organisationen geh\u00f6ren Banken, Gemeindeverwaltungen, Kirchen, Schulen, Fernsehanstalten, Gesang- und Sportvereine.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Ziele und Strukturen<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Organisationen sind Instrumente zur Erreichung spezifischer Ziele, die durch das geregelte Zusammenwirken von Menschen und die Nutzung von Mitteln erreicht werden sollen. Daf\u00fcr sind meistens l\u00e4ngerfristige und dauerhafte Kooperationen erforderlich. Schulen erziehen und unterrichten immer wieder andere Sch\u00fcler, Krankenh\u00e4user pflegen immer wieder andere Patienten. Das Regelwerk der Organisation soll garantieren, dass die Ziele durch die dauerhafte Kooperation erreicht werden.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Macht, Herrschaft, Gewalt<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Untersuchung von Macht- und Herrschaftsverh\u00e4ltnissen ist ein zentraler Gegenstand soziologischer Analysen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Unter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Macht<\/i> <\/span>wird \u00ab die Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen (Weber, 1922)\u00bb oder auch \u00abdas Verm\u00f6gen, sich gegen fremde Kr\u00e4fte durchzusetzen (Popitz, 1992)\u00bb verstanden (Scherr, 2013b).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Herrschaft<\/i> <\/span>ist eine spezifische Form von Macht, die dadurch gekennzeichnet ist, dass Einverst\u00e4ndnis herbeigef\u00fchrt werden kann, dass \u00abein Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam\u00bb findet (Weber, 1922, zit. nach Scherr, 2013b). Herrschaft kann als Spezialfall von Macht, als<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">institutionalisierte Macht<\/span><\/i> bezeichnet werden (Imbusch, 2010).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Gem\u00e4ss Luhmann (988, zit. nach Scherr, 2013b) besteht <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Macht<\/i> <\/span>\u00abin der Neutralisierung des Willens, nicht unbedingt in der Brechung des Willens der Machtunterworfenen\u00bb. Machtverh\u00e4ltnisse k\u00f6nnen also dazu dienen, die Absichten und Interessen der Unterlegenen zu ignorieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_778\" aria-describedby=\"caption-attachment-778\" style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-156.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-778 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-156.png\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-156.png 320w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-156-300x225.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-156-65x49.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-156-225x169.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-778\" class=\"wp-caption-text\">(c) forschung-erleben.uni-mannheim.de\/<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Es gibt sehr verschiedene <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Formen der Machtaus\u00fcbung<\/i><\/span>, so z. B. das Zuf\u00fcgen k\u00f6rperlicher Verletzungen,die Begrenzung des Zugangs zu wesentlichen Lebensmitteln, die Einschr\u00e4nkung sozialer Teilhabem\u00f6glichkeiten, die Zuweisung von Belohnungen oder Bestrafungen, die Beeinflussung von Wahrnehmungen, Wissen und \u00dcberzeugungen, die selektive Gew\u00e4hrung von Anerkennung.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Machtaus\u00fcbung wird vor allem durch die Tatsache erm\u00f6glicht, dass Individuen auf soziale Teilhabe und auf den Zugang zu gesellschaftlich verf\u00fcgbaren Ressourcen angwiesen sind, und dass Individuen physisch und psychisch verletzbar sind (Scherr, 2013b).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Machtbildungsprozesse beginnen z. B. damit, dass jemand ein Privileg definiert und wahrnimmt, oder dass jemand sich gesellschaftliche Ressourcen aneignen kann, die eine gewisse \u00dcberlegenheit verb\u00fcrgen (Imbusch, 2010).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Auch <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>p\u00e4dagogische Beziehungen beinhalten immer einen Macht- und Herrschaftsaspekt<\/i><\/span> (Scherr, 2013b). Eltern und P\u00e4dagogen m\u00fcssen Entscheidungen treffen und Regeln durchsetzen, mit denen die Adressaten nicht immer einverstanden sind. Im Hintergrund steht der gesellschaftliche Auftrag, Lern- und Entwicklungsprozesse bei Kindern und Jugendlichen auch dann anzustossen, wenn sie diese Notwendigkeit noch nicht einsehen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Diese Behauptung steht im Widerspruch zum Selbstverst\u00e4ndnis moderner P\u00e4dagogik. Obschon die Pr\u00fcgelstrafe abgeschafft und als abweichendes Verhalten verp\u00f6nt ist, kann nicht dar\u00fcber hinweg gesehen werden, dass in P\u00e4dagogik und Sozialarbeit mehr oder weniger offenkundige Machtmittel gegen\u00fcber Kindern und Jugendlichen verwendet werden (m\u00fcssen) (Scherr, 2013b). Gelingt es nicht, sich \u00fcber vorliegende Probleme und akzeptable Probleml\u00f6sungen zu verst\u00e4ndigen, kommen Machtmittel zum Einsatz, die institutionell, durch rechtliche und organisatorische Festlegungen und Sanktionsbefugnisse abgesichert sind.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gewalt<\/i> <\/span>im engeren Sinne des Begriffs, also das Androhen oder Zuf\u00fcgen von physischen Verletzungen ist eine m\u00f6gliche Grundlage von Macht- und Herrschaftsaus\u00fcbung durch Zwangsmittel. Im Alltagsleben geht man davon aus, dass durchschnittlich sozialisierte Individuen gr\u00f6ssere Hemmungen gegen\u00fcber der Anwendung von Gewalt aufgebaut haben. Gewalt wird deshalb nicht als Bestandteil des allt\u00e4glichen Handlungsrepertoires betrachtet.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Gewaltanwendung wird mit Sanktionen geahndet und ist deshalb nicht geeignet, informelle Machtbeziehungen auf Dauer abzusichern. \u00abDie rechtlich nicht regulierte Anwendung von physischer Gewalt kann folglich innerhalb der modernen Gesellschaft als eine Form abweichenden Verhaltens verstanden werden, deren Kontrolle und Eingrenzung Gegenstand polizeilicher und rechtlicher Interventionen, aber auch p\u00e4dagogischer Pr\u00e4ventionskonzepte ist.\u00bb (Scherr, 2013b).<\/p>\n<h2>Soziale Ungleichheit<\/h2>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Ungleichheit und Diskriminierung<\/h3>\n<figure id=\"attachment_779\" aria-describedby=\"caption-attachment-779\" style=\"width: 276px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-157.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-779 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-157.png\" alt=\"\" width=\"276\" height=\"207\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-157.png 276w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-157-65x49.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-157-225x169.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 276px) 100vw, 276px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-779\" class=\"wp-caption-text\">(c) tagesspiegel.de\/<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Ungleichheit<\/i><\/span>, d.h. die ungleichen Lebensbedingungen und die gesellschaftliche Zuweisung ungleicher Lebensbedingungen, ist ein zentrales Thema soziologischer Forschung.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Es gibt eine Vielfalt von Ungleichheiten in der Gegenwartsgesellschaft, verursacht durch Ausbeutung, Diskriminierung, Hierarchisierung, Privilegierung. Es ist den Gesellschaften nicht gelungen, Armut und Arbeitslosigkeit zu beseitigen und allen Individuen \u00e4hnliche Zugangschancen zu erstrebenswerten Lebensbedingungen zu gew\u00e4hrleisten (Hormel &amp; Scherr, 2013).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die sozio\u00f6konomischen Lebensbedingungen sozialer Gruppen und die individuellen Lebenschancen stehen in einem engen Zusammenhang. So werden beispielsweise Ehen in der Regel zwischen Partnern geschlossen, die ein \u00e4hnliches Bildungsniveau haben. Die eingenommenen Positionen in den gesellschaftlichen Ungleichheitsverh\u00e4ltnissen beeinflussen alle Lebensbereiche, besonders auch die Erziehung von Kindern und Jugendlichen und die Chancen f\u00fcr deren schulischen Erfolg oder Misserfolg.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Thematik der sozialen Ungleichheiten betrifft sowohl die Ungleichverteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen innerhalb der modernen Gesellschaften Mitteleuropas und Nordamerikas als auch die Armut und die Ungleichheiten in der Weltgesellschaft.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Ungleichheit und P\u00e4dagogik<\/b><\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Ungleiche Lebensbedingungen haben eine Auswirkung auf schulisches Lernen und schulische Karrieren. Zahlreiche soziale Probleme sind unmittelbare Folgen von Armut und sozialer Benachteiligung. P\u00e4dagogik scheitert dann oft daran, gesellschaftliche Probleme und ihre Folgen zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Oft bringt P\u00e4dagogik auch aktiv Ungleichheit hervor, z. B. dadurch, dass in Schulen sprachliche Kompetenzen bewertet werden, die durch die Organisation Schule nicht vermittelt, sondern vorausgesetzt werden (Hormel &amp; Scherr, 2013).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Ob die Gew\u00e4hrleistung gleicher Lebenschancen ein erkl\u00e4rtes Ziel der P\u00e4dagogik ist, ist allerdings umstritten. Welche Ungleichheiten zu \u00fcberwinden oder zu ver\u00e4ndern und welche hinzunehmen sind, ist eine laufende und kontrovers gef\u00fchrte Debatte (Hormel &amp; Scherr, 2013).<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Diskriminierung<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In unterschiedlichen Kontexten, wie z.B. in der Migrations- und Rassimus-, aber auch in der Geschlechterforschung, ist darauf hingewiesen worden, dass gewisse Formen der Benachteiligung den Angeh\u00f6rigen bestimmter Gruppen spezifische Eigenschaften zuschreiben und aufgrund dieser Eigenschaften soziale Ungleichheiten legitimieren. Solche diskriminierende Gruppenkonstruktionen k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass \u00f6konomische, politische und rechtliche Benachteiligungen nicht als problematische Ausserkraftsetzung des Prinzips der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Individuen wahrgenommen werden, sondern als akzeptable Folge der Andersartigkeit der jeweiligen Gruppe. In Praktiken der Diskriminierung verkn\u00fcpft sich in diesem Fall die Zuschreibung bestimmter Eigenschaften mit einer Ungleichbehandlung, die auf Grund dieser angenommenen Eigenschaften als sozial erforderlich und erlaubt gilt (Hormel &amp; Scherr, 2013).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Ein paradigmatischer Fall hierf\u00fcr sind <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Rassismen<\/span>: In rassistischen Ideologien wird nicht von der Gleichheit aller Individuen, sondern von der vermeintlich naturgegebenen Existenz unterschiedlicher und ungleichwertiger Menschengruppen ausgegangen und es erscheint als \u00abnaturgem\u00e4ss\u00bb, dass diesen ungleiche soziale Positionen zugewiesen sind. (Hormel &amp; Scherr, 2013)<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Diskriminierung<\/i> <\/span>ist von Bedeutung f\u00fcr die Aufrechterhaltung sozialer Ungleichheit zwischen Klassen und Schichten. Die Zuweisung ungleicher Positionen auf Arbeitsm\u00e4rkten und im Bildungssystem l\u00e4sst sich nur auf Dauer aufrecht erhalten, wenn es gelingt, sie als Folge der sozial nicht ver\u00e4nderbaren Unterschiede zwischen kategorial unterschiedenen Gruppen darzustellen (Hormel &amp; Scherr, 2013).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Soziale Ungleichkeit und Bildung<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als historische Beispiele f\u00fcr soziale Ungleichheit nennt Hradil (2010, S. 211):<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Wo und wann immer Menschen zusammen lebten und arbeiteten, waren bestimmte Menschen besser als andere gestellt. So lebten in der Antike Sklaven unter wesentlich schlechteren Umst\u00e4nden als freie B\u00fcrger. In Industriegesellschaften finden wir gleichzeitig entmutigende Armut und luxuri\u00f6sen Reichtum; wir sehen integrierte Normalb\u00fcrger und randst\u00e4ndige Asylbewerber; wir erleben beruflichen Auf- und Abstieg, sichere Anstellungen neben Arbeitslosigkeit, bessere und schlechtere Entl\u00f6hnung; viele Frauen k\u00e4mpfen f\u00fcr Gleichberechtigung, und viele M\u00e4nner \u00fcben sich in stiller Verteidigung ihrer Beg\u00fcnstigungen; in Ostdeutschland fehlt manches, was in Westdeutschland mehr oder minder reichlich vorhanden ist, z. B. Arbeitspl\u00e4tze und Verm\u00f6gen (Hradil, 2010).<\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Dimensionen sozialer Ungleichheit<\/h2>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Video zu Dimensionen sozialer Ungleichheit, Youtube 26.03.2020<\/div>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_Dimensionen_sozialer_Ungleichheit.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_Dimensionen_sozialer_Ungleichheit.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soziales Handeln: Normen, Werte, Sinn Soziales Handeln als zentraler Gegenstand der Soziologie bezeichnet den unmittelbaren Austausch mit andern Personen, aber auch die Regelhaftigkeit des Handelns \u00fcber die von Gruppen, Organisationen und der Gesellschaft vorstrukturierten Beziehungsmuster (Sch\u00e4fers, 2010). 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