{"id":382,"date":"2020-02-26T16:16:02","date_gmt":"2020-02-26T15:16:02","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=382"},"modified":"2024-06-19T22:35:41","modified_gmt":"2024-06-19T20:35:41","slug":"d","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/d\/","title":{"raw":"Einleitung: Soziologische Modelle","rendered":"Einleitung: Soziologische Modelle"},"content":{"raw":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Soziologie ist die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wissenschaft vom Zusammenleben der Menschen<\/i><\/span>. Dabei geht es sowohl um das Zusammenleben zwischen einzelnen Individuen als auch um das Zusammenleben im Rahmen von Gruppen, Organisationen, Nationen usw. Die Soziologie befasst sich mit <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialen Strukturen und Prozessen<\/i><\/span>, wie sie auf der Ebene der Gesamtgesellschaft ebenso wie in den einzelnen Teilbereichen der Gesellschaft, in den verschiedenen Schichten, Institutionen, Organisationen und Gruppen vorkommen. Hauptthemen sind die interne Differenzierung der Gesamtgesellschaft und die Vorg\u00e4nge des sozialen Wandels. Zum Gegenstand der Soziologie geh\u00f6ren also nicht nur die Interaktionen zwischen Individuen, sondern auch die Interaktionen zwischen Kollektiven verschiedenster Art, sogar das Zusammenwirken ganzer Gesellschaften.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Soziologie untersucht <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>gesellschaftliche Werte<\/i> <i>und<\/i> <i>Normen<\/i><\/span> und die entsprechenden Prozesse der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sozialisation<\/i><\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialen Kontrolle<\/i><\/span>. Sie analysiert Meinungen, Attit\u00fcden und Ideologien sowie deren Beziehungen zur sozialen Struktur, aber auch die Zusammenh\u00e4nge von Struktur und Kultur. Die Soziologie ist eng verkn\u00fcpft mit anderen Wissenschaften vom Menschen, so besonders mit der Psychologie, Sozialpsychologie, Sozialgeschichte, Ethnologie, den Publizistikwissenschaften sowie den Wirtschaftswissenschaften und der Politischen Wissenschaft. (Quelle: http:\/\/www.suz.uzh.ch\/sozstudium\/faq\/faqallgemein\/wasist.html).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Soziologe untersucht Vorg\u00e4nge, die in breiteren gesellschaftlichen Zusammenh\u00e4ngen stehen (AG Soziologie, 2004). Das Verstehen und Erkl\u00e4ren der Soziologie geht von einem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Vorrang des Sozialen<\/i> <\/span>aus, d.h. individuelles Erleben, Denken und Handeln kann nur in den sozialen Lebenszusammenh\u00e4ngen betrachtet werden (Scherr, 2013a).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Wichtige <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Themenfelder der Soziologie<\/i><\/span> sind z. B. die Sozialstrukturanalyse, die Migrationsforschung, die Soziologie des Arbeitsmarkts, die Familiensoziologie, die Lebenslaufforschung, die p\u00e4dagogische und die politische Soziologie.<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Soziologie als Wissenschaft<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Gr\u00fcnderv\u00e4ter der Soziologie, Max Weber (1864-1920) und Emile Durkheim (1858-1917), haben auf die Frage, was die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Soziologie als Wissenschaft<\/i> <\/span>auszeichnet, folgende Antworten gegeben (Gukenbiehl, 2010):<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_759\" align=\"alignright\" width=\"317\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-141.png\"><img class=\"wp-image-759 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-141.png\" alt=\"Fotografien Weber und Durkheim.\" width=\"317\" height=\"204\" \/><\/a> (c) youtube[\/caption]\r\n<blockquote>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Max Weber<\/b><\/span> gibt in seiner \u00absoziologischen Kategorienlehre\u00bb, einem begriffskl\u00e4renden Vorspann zu seinem Werk \u00abWirtschaft und Gesellschaft\u00bb (2006), folgende Antwort: Soziologie (im hier verstandenen Sinn dieses sehr vieldeutig gebrauchten Wortes) soll heissen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und in seinen Wirkungen urs\u00e4chlich erkl\u00e4ren will. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Handeln <\/span>soll dabei ein menschliches Verhalten (einerlei ob \u00e4usseres oder innerliches Tun, Unterlassen oder Dulden) heissen, wenn und insofern der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Soziales Handeln<\/span> aber soll ein solches Handeln heissen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinne nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist. (Gukenbiehl, 2010, S.12)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Emile Durkheim<\/b><\/span> antwortet in seinem Werk \u00abDie Regeln der soziologischen Methode\u00bb (2007) auf diese Fragen:<\/p>\r\n\r\n<blockquote>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die Soziologie kann also definiert werden als die Wissenschaft von den Institutionen, deren Entstehung und Wirkungsart\u00bb. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Institutionen<\/i> <\/span>werden, wie ihre Elementarform der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">sozialen Norm<\/span>, von Durkheim als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Tatbest\u00e4nde<\/i><\/span> oder franz\u00f6sisch: <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>faits sociaux<\/i><\/span> verstanden. \u00abEin soziologischer Tatbestand ist jede mehr oder weniger festgelegte Art des Handelns, die die F\u00e4higkeit besitzt, auf den Einzelnen einen \u00e4usseren Zwang auszu\u00fcben; oder auch, die im Bereich einer gegebenen Gesellschaft allgemein auftritt, wobei sie ein von ihren indivuellen \u00c4usserungen unabh\u00e4ngiges Eigenleben besitzt. (Gukenbiehl, 2010, S. 12)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Weber sieht die Soziologie als eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>empirisch-rationale Sozialwissenschaf<\/i>t<\/span>, ihr Gegenstand ist die erfahrbare soziale Wirklichkeit. In ihrem Vorgehen zur Erfassung dieser Wirklichkeit ist sie systematisch-methodisch und in ihren Erkl\u00e4rungsversuchen rational-logisch.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">F\u00fcr Durkheim hat die Soziologie eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>paradigmatische<\/i> <i>Struktur<\/i><\/span>. Forschung und Lehre werden von so genannten Paradigmen oder Theorieans\u00e4tzen geleitet, die Grundannahmen dar\u00fcber enthalten, was die soziale Wirklichkeit ausmacht (Gukenbiehl, 2010).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Grundannahmen \u00fcber das Soziale<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Obschon es unter den Soziologen viele verschieden Ansichten gibt, w\u00fcrden gem\u00e4ss Gukenbiehl (2010) wohl die meisten den folgenden Grundannahmen \u00fcber Mensch und Gesellschaft zustimmen (S. 16):<\/p>\r\n\r\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Menschen leben nicht isoliert und allein, obwohl jeder Mensch seinen eigenen K\u00f6rper und sein eigenes Bewusstsein besitzt, die dann zusammen seine jeweils eigene Person und Identit\u00e4t ausmachen. Aber bei seinem Leben und \u00dcberleben ist der einzelne Mensch von Anfang an auf ein Zusammenleben mit anderen angewiesen und durch dieses Zusammenleben grundlegend beeinflusst (Mensch als soziales Wesen und Person).<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Menschen schaffen in ihrem Zusammenleben eine zweite, eine kulturelle Welt. Dieses geistige und soziale Produkt von Menschen ist aber aus ihrer allt\u00e4glichen Sicht von Wirklichkeit aufs engste mit der sinnlich wahrnehmbaren materiellen Welt verflochten. Beides zusammen bildet f\u00fcr sie die Realit\u00e4t, ihre gesellschaftliche Umwelt also. Ein Leben in einer derart doppelt konstituierten Wirklichkeit ist den Menschen jedoch deshalb m\u00f6glich, weil sie als Person sowohl mit einem K\u00f6rper als auch mit einem Bewusstsein ausgestattet sind und daher an beiden Welten bzw. an der doppelt konstituierten Wirklichkeit des Alltags teilhaben k\u00f6nnen (materielle und gesellschaftliche Umwelt).<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Herausforderndes Verhalten und soziologische Perspektive<\/h2>\r\n[caption id=\"attachment_761\" align=\"alignright\" width=\"330\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-142.png\"><img class=\"wp-image-761 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-142.png\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"162\" \/><\/a> (c) pixelio.de[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Gegenstandsbereich der Soziologie umfasst auch die Untersuchung von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>abweichendem Verhalten<\/i><\/span> und Konflikten in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft. Da das Verhalten von sozialen Einfl\u00fcssen geformt wird, m\u00fcssen wir den sozialen Kontext untersuchen, wenn wir gest\u00f6rtes Verhalten einzelner Personen verstehen wollen. Diese Erkl\u00e4rungen konzentrieren sich auf die beteiligten Gruppen, ihre Strukturen und die Kommunikation, auf gesellschaftliche Belastungen und gesellschaftliche Etiketten und Reaktionen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Abweichendes Verhalten wird im Kontext der Soziologie auch als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Devianz<\/i> <\/span>bezeichnet und umfasst einen ganzen Katalog von Verhaltensweisen, die gegen die gesamtgesellschaftlichen Normen und Werte verstossen. Darunter fallen so verschiedene Ph\u00e4nomene wie Kriminalit\u00e4t, Suchtverhalten, psychische Krankheiten, Suizid, Homosexualit\u00e4t und Prostitution (Peuckert, 2010).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In den soziologischen Erkl\u00e4rungsansatz f\u00fcr abweichendes Verhalten fliessen Erkenntnisse des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>symbolischen Interaktionismus<\/i><\/span> in Verbindung mit der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Etikettierungstheorie<\/i> <\/span>und der Kommunikationspsychologie ein. Typisches Handeln und Verhalten, so auch eine Verhaltensauff\u00e4lligkeit, resultiert gr\u00f6sstenteils aus Interaktionsprozessen, in denen vielf\u00e4ltige Situations- und Beziehungsdefinitionen eine Rolle spielen. Die aus den Interaktionen resultierenden Selbstdefinitionen gehen haupts\u00e4chlich auf bedeutende Bezugspersonen wie Eltern, P\u00e4dagoginnen und P\u00e4dagogen und andere zur\u00fcck (Bumann &amp; Wettstein, 2014).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Eine positive Selbstdefinition kann sich entwickeln, wenn sich Kinder angenommen f\u00fchlen, Grenzen gesetzt bekommen, diese auch einhalten, und wenn ihre individuellen Tendenzen in der Erziehung ber\u00fccksichtigt werden. Scheitert die Entwicklung einer ausbalancierten, gesunden Identit\u00e4t, kann ein Mensch f\u00fcr die Interaktion bedeutsame Qualifikationen nicht entwickeln und Interaktion somit nicht im Sinn gesellschaftlicher Normen realisieren. Er entspricht dann nicht den Erwartungen und sein Verhalten wird in der Folge als abweichend definiert (Bumann &amp; Wettstein, 2014).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Auf dieses erste abweichende Verhalten (prim\u00e4re Devianz) erfolgt eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Reaktion <\/span>durch die Umwelt. Das Individuum wird typisiert und stigmatisiert. Das Kind identifiziert sich mit dem ihm auferlegten Fremdbild und handelt danach, was als \u00absich selbst erf\u00fcllende Prophezeiung\u00bb bezeichnet wird. Diesen Erwartungen entsprechend k\u00f6nnen weitere Verhaltensabweichungen folgen, die wiederum die Typisierung und Stigmatisierung durch die Umgebung f\u00f6rdern. Diesen Ablauf beschreibt die\u00a0<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Etikettierungstheorie<\/i> (Labeling Approach)<\/span>. (Bumann &amp; Wettstein, 2014).<\/p>","rendered":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Soziologie ist die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wissenschaft vom Zusammenleben der Menschen<\/i><\/span>. Dabei geht es sowohl um das Zusammenleben zwischen einzelnen Individuen als auch um das Zusammenleben im Rahmen von Gruppen, Organisationen, Nationen usw. Die Soziologie befasst sich mit <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialen Strukturen und Prozessen<\/i><\/span>, wie sie auf der Ebene der Gesamtgesellschaft ebenso wie in den einzelnen Teilbereichen der Gesellschaft, in den verschiedenen Schichten, Institutionen, Organisationen und Gruppen vorkommen. Hauptthemen sind die interne Differenzierung der Gesamtgesellschaft und die Vorg\u00e4nge des sozialen Wandels. Zum Gegenstand der Soziologie geh\u00f6ren also nicht nur die Interaktionen zwischen Individuen, sondern auch die Interaktionen zwischen Kollektiven verschiedenster Art, sogar das Zusammenwirken ganzer Gesellschaften.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Soziologie untersucht <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>gesellschaftliche Werte<\/i> <i>und<\/i> <i>Normen<\/i><\/span> und die entsprechenden Prozesse der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sozialisation<\/i><\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialen Kontrolle<\/i><\/span>. Sie analysiert Meinungen, Attit\u00fcden und Ideologien sowie deren Beziehungen zur sozialen Struktur, aber auch die Zusammenh\u00e4nge von Struktur und Kultur. Die Soziologie ist eng verkn\u00fcpft mit anderen Wissenschaften vom Menschen, so besonders mit der Psychologie, Sozialpsychologie, Sozialgeschichte, Ethnologie, den Publizistikwissenschaften sowie den Wirtschaftswissenschaften und der Politischen Wissenschaft. (Quelle: http:\/\/www.suz.uzh.ch\/sozstudium\/faq\/faqallgemein\/wasist.html).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Soziologe untersucht Vorg\u00e4nge, die in breiteren gesellschaftlichen Zusammenh\u00e4ngen stehen (AG Soziologie, 2004). Das Verstehen und Erkl\u00e4ren der Soziologie geht von einem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Vorrang des Sozialen<\/i> <\/span>aus, d.h. individuelles Erleben, Denken und Handeln kann nur in den sozialen Lebenszusammenh\u00e4ngen betrachtet werden (Scherr, 2013a).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Wichtige <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Themenfelder der Soziologie<\/i><\/span> sind z. B. die Sozialstrukturanalyse, die Migrationsforschung, die Soziologie des Arbeitsmarkts, die Familiensoziologie, die Lebenslaufforschung, die p\u00e4dagogische und die politische Soziologie.<\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Soziologie als Wissenschaft<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Gr\u00fcnderv\u00e4ter der Soziologie, Max Weber (1864-1920) und Emile Durkheim (1858-1917), haben auf die Frage, was die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Soziologie als Wissenschaft<\/i> <\/span>auszeichnet, folgende Antworten gegeben (Gukenbiehl, 2010):<\/p>\n<figure id=\"attachment_759\" aria-describedby=\"caption-attachment-759\" style=\"width: 317px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-141.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-759 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-141.png\" alt=\"Fotografien Weber und Durkheim.\" width=\"317\" height=\"204\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-141.png 317w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-141-300x193.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-141-65x42.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-141-225x145.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 317px) 100vw, 317px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-759\" class=\"wp-caption-text\">(c) youtube<\/figcaption><\/figure>\n<blockquote>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Max Weber<\/b><\/span> gibt in seiner \u00absoziologischen Kategorienlehre\u00bb, einem begriffskl\u00e4renden Vorspann zu seinem Werk \u00abWirtschaft und Gesellschaft\u00bb (2006), folgende Antwort: Soziologie (im hier verstandenen Sinn dieses sehr vieldeutig gebrauchten Wortes) soll heissen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und in seinen Wirkungen urs\u00e4chlich erkl\u00e4ren will. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Handeln <\/span>soll dabei ein menschliches Verhalten (einerlei ob \u00e4usseres oder innerliches Tun, Unterlassen oder Dulden) heissen, wenn und insofern der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Soziales Handeln<\/span> aber soll ein solches Handeln heissen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinne nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist. (Gukenbiehl, 2010, S.12)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Emile Durkheim<\/b><\/span> antwortet in seinem Werk \u00abDie Regeln der soziologischen Methode\u00bb (2007) auf diese Fragen:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die Soziologie kann also definiert werden als die Wissenschaft von den Institutionen, deren Entstehung und Wirkungsart\u00bb. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Institutionen<\/i> <\/span>werden, wie ihre Elementarform der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">sozialen Norm<\/span>, von Durkheim als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Tatbest\u00e4nde<\/i><\/span> oder franz\u00f6sisch: <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>faits sociaux<\/i><\/span> verstanden. \u00abEin soziologischer Tatbestand ist jede mehr oder weniger festgelegte Art des Handelns, die die F\u00e4higkeit besitzt, auf den Einzelnen einen \u00e4usseren Zwang auszu\u00fcben; oder auch, die im Bereich einer gegebenen Gesellschaft allgemein auftritt, wobei sie ein von ihren indivuellen \u00c4usserungen unabh\u00e4ngiges Eigenleben besitzt. (Gukenbiehl, 2010, S. 12)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Weber sieht die Soziologie als eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>empirisch-rationale Sozialwissenschaf<\/i>t<\/span>, ihr Gegenstand ist die erfahrbare soziale Wirklichkeit. In ihrem Vorgehen zur Erfassung dieser Wirklichkeit ist sie systematisch-methodisch und in ihren Erkl\u00e4rungsversuchen rational-logisch.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">F\u00fcr Durkheim hat die Soziologie eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>paradigmatische<\/i> <i>Struktur<\/i><\/span>. Forschung und Lehre werden von so genannten Paradigmen oder Theorieans\u00e4tzen geleitet, die Grundannahmen dar\u00fcber enthalten, was die soziale Wirklichkeit ausmacht (Gukenbiehl, 2010).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Grundannahmen \u00fcber das Soziale<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Obschon es unter den Soziologen viele verschieden Ansichten gibt, w\u00fcrden gem\u00e4ss Gukenbiehl (2010) wohl die meisten den folgenden Grundannahmen \u00fcber Mensch und Gesellschaft zustimmen (S. 16):<\/p>\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Menschen leben nicht isoliert und allein, obwohl jeder Mensch seinen eigenen K\u00f6rper und sein eigenes Bewusstsein besitzt, die dann zusammen seine jeweils eigene Person und Identit\u00e4t ausmachen. Aber bei seinem Leben und \u00dcberleben ist der einzelne Mensch von Anfang an auf ein Zusammenleben mit anderen angewiesen und durch dieses Zusammenleben grundlegend beeinflusst (Mensch als soziales Wesen und Person).<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Menschen schaffen in ihrem Zusammenleben eine zweite, eine kulturelle Welt. Dieses geistige und soziale Produkt von Menschen ist aber aus ihrer allt\u00e4glichen Sicht von Wirklichkeit aufs engste mit der sinnlich wahrnehmbaren materiellen Welt verflochten. Beides zusammen bildet f\u00fcr sie die Realit\u00e4t, ihre gesellschaftliche Umwelt also. Ein Leben in einer derart doppelt konstituierten Wirklichkeit ist den Menschen jedoch deshalb m\u00f6glich, weil sie als Person sowohl mit einem K\u00f6rper als auch mit einem Bewusstsein ausgestattet sind und daher an beiden Welten bzw. an der doppelt konstituierten Wirklichkeit des Alltags teilhaben k\u00f6nnen (materielle und gesellschaftliche Umwelt).<\/li>\n<\/ol>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Herausforderndes Verhalten und soziologische Perspektive<\/h2>\n<figure id=\"attachment_761\" aria-describedby=\"caption-attachment-761\" style=\"width: 330px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-142.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-761 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-142.png\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"162\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-142.png 330w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-142-300x147.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-142-65x32.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-142-225x110.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-761\" class=\"wp-caption-text\">(c) pixelio.de<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Gegenstandsbereich der Soziologie umfasst auch die Untersuchung von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>abweichendem Verhalten<\/i><\/span> und Konflikten in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft. Da das Verhalten von sozialen Einfl\u00fcssen geformt wird, m\u00fcssen wir den sozialen Kontext untersuchen, wenn wir gest\u00f6rtes Verhalten einzelner Personen verstehen wollen. Diese Erkl\u00e4rungen konzentrieren sich auf die beteiligten Gruppen, ihre Strukturen und die Kommunikation, auf gesellschaftliche Belastungen und gesellschaftliche Etiketten und Reaktionen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Abweichendes Verhalten wird im Kontext der Soziologie auch als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Devianz<\/i> <\/span>bezeichnet und umfasst einen ganzen Katalog von Verhaltensweisen, die gegen die gesamtgesellschaftlichen Normen und Werte verstossen. Darunter fallen so verschiedene Ph\u00e4nomene wie Kriminalit\u00e4t, Suchtverhalten, psychische Krankheiten, Suizid, Homosexualit\u00e4t und Prostitution (Peuckert, 2010).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In den soziologischen Erkl\u00e4rungsansatz f\u00fcr abweichendes Verhalten fliessen Erkenntnisse des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>symbolischen Interaktionismus<\/i><\/span> in Verbindung mit der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Etikettierungstheorie<\/i> <\/span>und der Kommunikationspsychologie ein. Typisches Handeln und Verhalten, so auch eine Verhaltensauff\u00e4lligkeit, resultiert gr\u00f6sstenteils aus Interaktionsprozessen, in denen vielf\u00e4ltige Situations- und Beziehungsdefinitionen eine Rolle spielen. Die aus den Interaktionen resultierenden Selbstdefinitionen gehen haupts\u00e4chlich auf bedeutende Bezugspersonen wie Eltern, P\u00e4dagoginnen und P\u00e4dagogen und andere zur\u00fcck (Bumann &amp; Wettstein, 2014).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Eine positive Selbstdefinition kann sich entwickeln, wenn sich Kinder angenommen f\u00fchlen, Grenzen gesetzt bekommen, diese auch einhalten, und wenn ihre individuellen Tendenzen in der Erziehung ber\u00fccksichtigt werden. Scheitert die Entwicklung einer ausbalancierten, gesunden Identit\u00e4t, kann ein Mensch f\u00fcr die Interaktion bedeutsame Qualifikationen nicht entwickeln und Interaktion somit nicht im Sinn gesellschaftlicher Normen realisieren. Er entspricht dann nicht den Erwartungen und sein Verhalten wird in der Folge als abweichend definiert (Bumann &amp; Wettstein, 2014).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Auf dieses erste abweichende Verhalten (prim\u00e4re Devianz) erfolgt eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Reaktion <\/span>durch die Umwelt. Das Individuum wird typisiert und stigmatisiert. Das Kind identifiziert sich mit dem ihm auferlegten Fremdbild und handelt danach, was als \u00absich selbst erf\u00fcllende Prophezeiung\u00bb bezeichnet wird. Diesen Erwartungen entsprechend k\u00f6nnen weitere Verhaltensabweichungen folgen, die wiederum die Typisierung und Stigmatisierung durch die Umgebung f\u00f6rdern. Diesen Ablauf beschreibt die\u00a0<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Etikettierungstheorie<\/i> (Labeling Approach)<\/span>. (Bumann &amp; Wettstein, 2014).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soziologie ist die Wissenschaft vom Zusammenleben der Menschen. 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