{"id":346,"date":"2020-02-26T15:00:25","date_gmt":"2020-02-26T14:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=346"},"modified":"2024-09-26T16:31:37","modified_gmt":"2024-09-26T14:31:37","slug":"neuere-entwicklungen","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/neuere-entwicklungen\/","title":{"raw":"Neuere Entwicklungen","rendered":"Neuere Entwicklungen"},"content":{"raw":"<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Die narrative Perspektive<\/h2>\r\n[caption id=\"attachment_748\" align=\"alignright\" width=\"260\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-135.png\"><img class=\"wp-image-748 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-135.png\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"149\" \/><\/a> (c) www.negativ-film.de[\/caption]\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Das Narrativ<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Einfluss postmoderner <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>narrativer Ideen<\/i><\/span> machte sich auch in der systemischen Theorie und Therapie seit den 1990er Jahren (sog. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">narrative Wende<\/span>) bemerkbar (Herman et al., 2015). Ausgehend von den strukturalistischen narrativen Theorien hat sich das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Narrativ<\/i> <\/span>(in verschiedenen Auspr\u00e4gungen des Begriffs) zu einer wichtigen Grundlage vieler interdisziplin\u00e4r verkn\u00fcpfter Forschungsans\u00e4tze entwickelt. Narrative sind der Ausdruck kognitiver und kommunikativer Prozesse und gelten als grundlegende menschliche Strategie, mit der sich das Individuum Sinn verschafft und sich in der Welt bewegt. Dabei geht es vor allem um das kommunikative Aushandeln von unterschiedlichen Realit\u00e4tskonstruktionen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Unsere Realit\u00e4t ist in hohem Masse durch <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sinndeutungen<\/i><\/span>, die zu <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erz\u00e4hlungen<\/i> <\/span>verwoben sind, aufgebaut und wird als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>episodisches Wissen<\/i><\/span> in Erz\u00e4hlungen gespeichert und weiterentwickelt. Die Einzelheiten im Strom sinnlicher Erfahrungen m\u00fcssen zu Narrativen zusammengefasst werden, wenn sie wiedererinnert werden sollen: \u00bbWas nicht narrativ strukturiert wird, geht dem Ged\u00e4chtnis verloren\u00ab, lautet eine Aussage von Jerome Bruner (1997, S. 72, zit. nach Kriz, 2014). Aber die Narrative unterscheiden sich von den eigentlichen Erfahrungen, denn Erz\u00e4hlungen unterliegen den Regeln der Sprache \u2014 in ihrer Struktur, in ihrer Art der Ver\u00e4nderung und der Anpassung an andere Kontexte (Kriz, 2014).<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Einbezug von Sinndeutungen<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Diese Ideen bewirkten, dass die Konzepte und Arbeitsweisen der Familien- und Systemtherapien modifiziert wurden und zunehmend <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>konstruktivistische Aspekte<\/i>\u00a0<\/span>Ber\u00fccksichtigung fanden. Systemische Therapeuten merkten, dass sie in die Narrative \u00fcber Probleme, Symptome und die Krankheit ihrer Klienten sowie \u00fcber deren Ver\u00e4nderungsm\u00f6glichkeiten mit eingebunden sind, und dass sie ihre Klienten nicht nur strategisch von aussen her beeinflussen (siehe Vertiefung: Kybernetik zweiter Ordnung). Dies f\u00fchrte in der Therapie von der distanzierten Intervention zur gemeinsamen Konversation: zum therapeutischen Gespr\u00e4ch aller Beteiligten \u00fcber <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sinndeutungen<\/i> <\/span>in Form von Problemen, L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten und Erkl\u00e4rungen (Kriz, 2014).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In diesem Zusammenhang wurde auch die Interdependenz zwischen individueller und sytemischer Realit\u00e4t wieder entdeckt. Das von vielen Systemikern als \u00abRelikt einer antiquierten epistemologischen Sichtweise\u00bb diskreditierte <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Subjekt<\/i> <\/span>wurde nun wieder st\u00e4rker in das therapeutische Geschehen und in die Interventionen einbezogen (Kriz, 2014). Die Narrative entstehen zwar in sozialen Situationen und Systemen, werden da ausgehandelt, weiter gesponnen und tradiert, aber das Verst\u00e4ndnis findet letztlich innerhalb des einzelnen Menschen statt.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Kybernetik zweiter Ordnung<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die\u00a0<i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Kybernetik zweiter Ordnung<\/span> <\/i>ist eine Theorie der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Beobachtung der Beobachtung<\/i><\/span>. Der Beobachter und das Beobachtete bzw. Intervenierender und das System, in das interveniert wird, sind nicht mehr streng voneinander zu trennen.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Beobachtung zweiter Ordnung <\/span><\/h4>\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Erfinder dieser zweiten Ordnung ist Heinz von Foerster, in seiner Sprache heisst sie: <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Kybernetik 2. Ordnung<\/span> (<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">second order cybernetics<\/span> oder <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">cybernetics of cybernetics<\/span>).<\/i><\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Beobachtung<\/i> <\/span>(erster Ordnung) gibt Orientierung und Gewissheit in der Welt zu sein, \u00abLeben und Beobachten ist gleichbedeutend\u00bb (Maturana, 1994).<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Beobachtungen entstehen nicht absolut sondern relativ. Sie sind abh\u00e4ngig von den strukturellen Voraussetzungen (Strukturdeterminiertheit) der BeobachterInnen.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Beobachtung zweiter Ordnung<\/i> <\/span>entsteht durch die Beobachtung der Beobachtung. Dabei erkennen wir die eigenen strukturellen Voraussetzungen als Bedingung der Beobachtung. Die Grundannahme besteht darin, dass \u00aballes Gesagte von jemandem gesagt\u00bb ist (Maturana &amp; Varela, 1987).<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Quelle: <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"http:\/\/www.dgsp.org\/glossar\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.dgsp.org\/glossar\/<\/a><\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Narrative Ans\u00e4tze<\/h2>\r\n[caption id=\"attachment_750\" align=\"alignright\" width=\"190\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-136.png\"><img class=\"wp-image-750 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-136.png\" alt=\" Foto von Michael White\" width=\"190\" height=\"250\" \/><\/a> Michael White (c)Wikipedia[\/caption]\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Narrative Therapie<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>narrative Therapie<\/i><\/span> entwickelte sich unter dem Einfluss postmoderner Theorien und betont die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>konstruktiven Aspekte<\/i><\/span>, unter denen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Sinndeutungen<\/span>, verwoben zu Narrativen (Erz\u00e4hlungen), Realit\u00e4t erzeugen. Wichtige Wegbereiter der narrativen Therapie waren <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Michael White<\/i> <\/span>und<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">David Epston<\/span><\/i> in den 1980er Jahren. In ihrer Theoriekonzeption nimmt der Begriff <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Erz\u00e4hlung <\/span>eine zentrale Rolle ein. <i>Erz\u00e4hlungen<\/i> werden als narrative Strukturen angesehen, die es Individuen und Systemen erm\u00f6glichen, einerseits Erfahrung und Wahrnehmung von Wirklichkeit, andererseits Handeln und Interaktion zu organisieren. In der Therapie geht es darum, durch Ver\u00e4nderung der Geschichten, mit denen das Individuum seine Situation sowie sein Verh\u00e4ltnis zur Welt, zu anderen und zu sich selbst beschreibt, neue Perspektiven zu er\u00f6ffnen. Die zugrunde liegende Metapher ist die, dass Menschen das eigene Leben in Narrativen organisieren. In Anekdoten, allt\u00e4glichen Gespr\u00e4chen, aber auch in Briefen oder Tageb\u00fcchern interpretieren wir unser Leben auf bedeutsame Weise und betonen dabei bestimmte Aspekte unseres Erlebens und blenden andere aus.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Das reflektierende Team<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Durch das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>reflektierende Team<\/i><\/span> (nach Andersen) sollen neue Verstehens- und damit Handlungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein Problem entwickelt werden. Die hierf\u00fcr meist von einem ganzen Therapeutenteam ge\u00e4usserten vielf\u00e4ltigen Narrationen sollen mit positiven Konnotationen verbunden sein, in Konjunktivform ge\u00e4ussert werden und nicht auf Kosten anderer Personen gehen. Sie sind besonders dann wirksam, wenn sie an vorhandenen Tendenzen ankn\u00fcpfen und aktuelles Handeln mit einbeziehen. In Erweiterung dieses Ansatzes spricht man vom kontextualisierenden oder fokussierenden Team (Kriz, 2014, S. 296).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Weitere Texte zu narrativen Ans\u00e4tzen<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Begr\u00fcnder der narrativen Therapie waren <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Michael White <\/i>und <i>David Epston<\/i><\/span> (Epston &amp; White 1992, White &amp; Epston, 1990). In der narrativen Therapie wird die Problemgeschichte, die Klienten erz\u00e4hlen, durch die Fragen der Therapeuten angereichert und erweitert mit mehr Details, sodass die Geschichte n\u00e4her an die Realit\u00e4t kommt. Dahinter steckt die Idee, dass die Problemgeschichte wichtige Aspekte ausl\u00e4sst, die aber hilfreich zu sehen sind: Widerstand gegen das Problem, biographische Gr\u00fcnde f\u00fcr das Fehlverhalten, ein gesellschaftlicher Hintergrund einer schwierigen Zeit, moralische Werte die erkl\u00e4ren, warum man ist wie man ist. So ist es m\u00f6glich, eine neue Haltung zu sich selbst und dem Problem zu finden, die umfassender als die in der urspr\u00fcnglichen Erz\u00e4hlung formulierte ist. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.ifrhamburg.de\/index.php?ifrpage=narrative-therapie\">http:\/\/www.ifrhamburg.de\/index.php?ifrpage=narrative-therapie<\/a>)<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">\u00abNarrative Therapie fokussiert fast ausschlie\u00dflich auf den Aspekt der Semantik\u00bb. White bezog sich damit auf Batesons <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>interpretative Methode<\/i><\/span> als Basis seiner Theorie und postulierte, dass Probleme nicht aufgrund von verborgenen Strukturen oder Dysfunktionen entstehen, sondern dass es die Bedeutungen sind, die Gegebenheiten zugeschrieben werden, die dann unser Verhalten bestimmen. White und seine Kollegen nehmen an, dass Menschen ihrem Leben und ihren Beziehungen Bedeutungen geben, indem sie Geschichten \u00fcber ihre Erfahrung und ihr Erleben entwickeln. Indem Sie ihre Version ihrer Geschichte anderen erz\u00e4hlen, formen sie ihr Leben und ihre Beziehungen mit anderen Menschen. (<a href=\"http:\/\/www.muenchner-familien-kolleg.de\/pdf\/morgan-mueller_moskau_wasistnarrativetherapie.pdf\">http:\/\/www.muenchner-familien-kolleg.de\/pdf\/morgan-mueller_moskau_wasistnarrativetherapie.pdf<\/a>)<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Weitere Literatur<\/h4>\r\n<ul>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Boothe, Brigitte. (2011). <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Das Narrativ. Biografisches Erz\u00e4hlen im psychotherapeutischen Prozess<\/span>. <\/i>Stuttgart: Schattauer.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">McLeod, John. (1997). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Narrative and psychotherapy<\/i><\/span>. London: Sage.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><a id=\"personzentrierte-systemtheorie\"><\/a>Personzentrierte Systemtheorie<\/h2>\r\n[caption id=\"attachment_751\" align=\"alignright\" width=\"184\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-137.png\"><img class=\"wp-image-751 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-137.png\" alt=\"Eine Fotografie von J\u00fcrgen Kriz.\" width=\"184\" height=\"192\" \/><\/a> J\u00fcrgen Kriz (c) systemische-gesellschaft.de\/[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>personzentrierte Systemtheorie<\/i><\/span> wird von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>J\u00fcrgen Kriz<\/i><\/span> seit drei Jahrzehnten entwickelt mit dem Ziel, die komplement\u00e4re Perspektivenvielfalt der neueren Entwicklungen in den verschiedenen Modellen der Psychotherapie in einer intergrativen Sicht miteinander zu verbinden und in Beziehung zu setzen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Kriz (2014, S. 305) formuliert die zentralen Anliegen der personzentrierten Systemtheorie folgendermassen:<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>personzentrierte Systemtheorie<\/i><\/span> (PZS) ist eine Mehr-Ebenen-Konzeption zum Verst\u00e4ndnis von psychotherapeutischen und klinischen Prozessen unter besonderer Ber\u00fccksichtigung des Zusammenwirkens unterschiedlicher Ebenen (u. a. k\u00f6rperliche, psychische, interpersonelle und gesellschaftliche Prozesse). Es geht dabei im Kern um die erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftigen Fragen,<\/p>\r\n\r\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">wie wir Menschen aus der unfassbaren Komplexit\u00e4t einer physikalisch-chemischen und informationellen Reizwelt unsere Lebenswelt mit hinreichend fassbarer, sinnhafter Ordnung erschaffen,<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">wie diese sich typischerweise an stets neue Bedingungen und Herausforderungen (Entwicklungsaufgaben) anpasst,<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">warum diese Adaptation aber auch partiell misslingen und sich insbesondere als \u00fcberstabil und inad\u00e4quat erweisen kann \u2014 was f\u00fcr Probleme und viele Symptome typisch ist \u2014, und letztlich<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">wie professionelle Hilfe unter Nutzung von Ressourcen und Selbstorganisationspotenzialen gestaltet werden kann.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Eines der Anliegen der Personzentrierten Systemtheorie ist es, methoden- und schulen\u00fcbergreifend die Wirkungsweise von Psychotherapie, allgemeiner von klinischen Prozessen, zu erkl\u00e4ren. Kriz bezieht sich einerseits auf die systemtheoretischen Konzepte der Gestalttheorie und der humanistischen Psychotherapie (besonders auf den personzentrierten Ansatz von Carl Rogers), andererseits auf Konzepte der modernen naturwissenschaftlichen Systemtheorie (besonders der Synergetik). Im Gegensatz zur systemischen und Familientherapie wird der Fokus in der personzentrierten Systemtheorie allerdings nicht prim\u00e4r auf die Muster in Interaktionen bzw. Kommunikationen gelegt, sondern auf die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Person<\/i>. <\/span>Zentrale Aspekte wie Sinn, Bedeutung oder Koh\u00e4renz finden prim\u00e4r auf der Ebene personaler Prozesse statt, auch wenn diese ganz erheblich durch soziale Prozesse in ihrer biographischen und historischen Dynamik beeinflusst werden. Ein Sozialsystem kann etwas als \u00absinnvoll\u00bb definieren und\/oder vorschreiben \u2013 aber ob es als etwas Sinnvolles erfahren wird, ist ein Prozess innerhalb der Person.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Entsprechend dem Modell der Synergetik werden in der personzentrierten Systemtheorie sowohl die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Kommunikation zwischen Menschen<\/i><\/span> (Paaren, Familien, Organisationen) als auch die Vernetzung zu <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>internen Prozessen<\/i><\/span> (Wahrnehmung, Denken, F\u00fchlen) in ihrer systemischen Wirkung von unten nach oben (Bottom-up) als auch von oben nach unten (Top-down) in ihrer komplexen Wechselwirkung beschrieben (Quelle: Wikipedia).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In einem l\u00e4ngeren Videointerview mit Werner Eberwein erkl\u00e4rt J\u00fcrgen Kriz die Grundlagen der personzentrierten Systemtheorie und bringt dabei viele Konzepte der Systemtheorie zur Sprache. Im folgenden Videoausschnitt aus diesem Interview begr\u00fcndet J\u00fcrgen Kriz die <span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Vor- und Nachteile des personzentrierten Ansatzes von Rogers und der systemischen Ans\u00e4tze<\/span>; diese beiden Ans\u00e4tze versucht er in der PZS zu kombinieren (Link: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ze5dG10qzF8; gesamtes Interview ca. 50 Min.).<\/p>\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/52_JKriz-PersSys.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/52_JKriz-PersSys.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<\/div>","rendered":"<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Die narrative Perspektive<\/h2>\n<figure id=\"attachment_748\" aria-describedby=\"caption-attachment-748\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-135.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-748 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-135.png\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"149\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-135.png 260w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-135-65x37.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-135-225x129.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-748\" class=\"wp-caption-text\">(c) www.negativ-film.de<\/figcaption><\/figure>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Das Narrativ<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Einfluss postmoderner <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>narrativer Ideen<\/i><\/span> machte sich auch in der systemischen Theorie und Therapie seit den 1990er Jahren (sog. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">narrative Wende<\/span>) bemerkbar (Herman et al., 2015). Ausgehend von den strukturalistischen narrativen Theorien hat sich das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Narrativ<\/i> <\/span>(in verschiedenen Auspr\u00e4gungen des Begriffs) zu einer wichtigen Grundlage vieler interdisziplin\u00e4r verkn\u00fcpfter Forschungsans\u00e4tze entwickelt. Narrative sind der Ausdruck kognitiver und kommunikativer Prozesse und gelten als grundlegende menschliche Strategie, mit der sich das Individuum Sinn verschafft und sich in der Welt bewegt. Dabei geht es vor allem um das kommunikative Aushandeln von unterschiedlichen Realit\u00e4tskonstruktionen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Unsere Realit\u00e4t ist in hohem Masse durch <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sinndeutungen<\/i><\/span>, die zu <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erz\u00e4hlungen<\/i> <\/span>verwoben sind, aufgebaut und wird als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>episodisches Wissen<\/i><\/span> in Erz\u00e4hlungen gespeichert und weiterentwickelt. Die Einzelheiten im Strom sinnlicher Erfahrungen m\u00fcssen zu Narrativen zusammengefasst werden, wenn sie wiedererinnert werden sollen: \u00bbWas nicht narrativ strukturiert wird, geht dem Ged\u00e4chtnis verloren\u00ab, lautet eine Aussage von Jerome Bruner (1997, S. 72, zit. nach Kriz, 2014). Aber die Narrative unterscheiden sich von den eigentlichen Erfahrungen, denn Erz\u00e4hlungen unterliegen den Regeln der Sprache \u2014 in ihrer Struktur, in ihrer Art der Ver\u00e4nderung und der Anpassung an andere Kontexte (Kriz, 2014).<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Einbezug von Sinndeutungen<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Diese Ideen bewirkten, dass die Konzepte und Arbeitsweisen der Familien- und Systemtherapien modifiziert wurden und zunehmend <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>konstruktivistische Aspekte<\/i>\u00a0<\/span>Ber\u00fccksichtigung fanden. Systemische Therapeuten merkten, dass sie in die Narrative \u00fcber Probleme, Symptome und die Krankheit ihrer Klienten sowie \u00fcber deren Ver\u00e4nderungsm\u00f6glichkeiten mit eingebunden sind, und dass sie ihre Klienten nicht nur strategisch von aussen her beeinflussen (siehe Vertiefung: Kybernetik zweiter Ordnung). Dies f\u00fchrte in der Therapie von der distanzierten Intervention zur gemeinsamen Konversation: zum therapeutischen Gespr\u00e4ch aller Beteiligten \u00fcber <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sinndeutungen<\/i> <\/span>in Form von Problemen, L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten und Erkl\u00e4rungen (Kriz, 2014).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In diesem Zusammenhang wurde auch die Interdependenz zwischen individueller und sytemischer Realit\u00e4t wieder entdeckt. Das von vielen Systemikern als \u00abRelikt einer antiquierten epistemologischen Sichtweise\u00bb diskreditierte <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Subjekt<\/i> <\/span>wurde nun wieder st\u00e4rker in das therapeutische Geschehen und in die Interventionen einbezogen (Kriz, 2014). Die Narrative entstehen zwar in sozialen Situationen und Systemen, werden da ausgehandelt, weiter gesponnen und tradiert, aber das Verst\u00e4ndnis findet letztlich innerhalb des einzelnen Menschen statt.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Kybernetik zweiter Ordnung<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die\u00a0<i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Kybernetik zweiter Ordnung<\/span> <\/i>ist eine Theorie der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Beobachtung der Beobachtung<\/i><\/span>. Der Beobachter und das Beobachtete bzw. Intervenierender und das System, in das interveniert wird, sind nicht mehr streng voneinander zu trennen.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Beobachtung zweiter Ordnung <\/span><\/h4>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Erfinder dieser zweiten Ordnung ist Heinz von Foerster, in seiner Sprache heisst sie: <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Kybernetik 2. Ordnung<\/span> (<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">second order cybernetics<\/span> oder <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">cybernetics of cybernetics<\/span>).<\/i><\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Beobachtung<\/i> <\/span>(erster Ordnung) gibt Orientierung und Gewissheit in der Welt zu sein, \u00abLeben und Beobachten ist gleichbedeutend\u00bb (Maturana, 1994).<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Beobachtungen entstehen nicht absolut sondern relativ. Sie sind abh\u00e4ngig von den strukturellen Voraussetzungen (Strukturdeterminiertheit) der BeobachterInnen.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Beobachtung zweiter Ordnung<\/i> <\/span>entsteht durch die Beobachtung der Beobachtung. Dabei erkennen wir die eigenen strukturellen Voraussetzungen als Bedingung der Beobachtung. Die Grundannahme besteht darin, dass \u00aballes Gesagte von jemandem gesagt\u00bb ist (Maturana &amp; Varela, 1987).<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Quelle: <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"http:\/\/www.dgsp.org\/glossar\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.dgsp.org\/glossar\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Narrative Ans\u00e4tze<\/h2>\n<figure id=\"attachment_750\" aria-describedby=\"caption-attachment-750\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-136.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-750 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-136.png\" alt=\"Foto von Michael White\" width=\"190\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-136.png 190w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-136-65x86.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-750\" class=\"wp-caption-text\">Michael White (c)Wikipedia<\/figcaption><\/figure>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Narrative Therapie<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>narrative Therapie<\/i><\/span> entwickelte sich unter dem Einfluss postmoderner Theorien und betont die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>konstruktiven Aspekte<\/i><\/span>, unter denen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Sinndeutungen<\/span>, verwoben zu Narrativen (Erz\u00e4hlungen), Realit\u00e4t erzeugen. Wichtige Wegbereiter der narrativen Therapie waren <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Michael White<\/i> <\/span>und<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">David Epston<\/span><\/i> in den 1980er Jahren. In ihrer Theoriekonzeption nimmt der Begriff <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Erz\u00e4hlung <\/span>eine zentrale Rolle ein. <i>Erz\u00e4hlungen<\/i> werden als narrative Strukturen angesehen, die es Individuen und Systemen erm\u00f6glichen, einerseits Erfahrung und Wahrnehmung von Wirklichkeit, andererseits Handeln und Interaktion zu organisieren. In der Therapie geht es darum, durch Ver\u00e4nderung der Geschichten, mit denen das Individuum seine Situation sowie sein Verh\u00e4ltnis zur Welt, zu anderen und zu sich selbst beschreibt, neue Perspektiven zu er\u00f6ffnen. Die zugrunde liegende Metapher ist die, dass Menschen das eigene Leben in Narrativen organisieren. In Anekdoten, allt\u00e4glichen Gespr\u00e4chen, aber auch in Briefen oder Tageb\u00fcchern interpretieren wir unser Leben auf bedeutsame Weise und betonen dabei bestimmte Aspekte unseres Erlebens und blenden andere aus.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Das reflektierende Team<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Durch das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>reflektierende Team<\/i><\/span> (nach Andersen) sollen neue Verstehens- und damit Handlungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein Problem entwickelt werden. Die hierf\u00fcr meist von einem ganzen Therapeutenteam ge\u00e4usserten vielf\u00e4ltigen Narrationen sollen mit positiven Konnotationen verbunden sein, in Konjunktivform ge\u00e4ussert werden und nicht auf Kosten anderer Personen gehen. Sie sind besonders dann wirksam, wenn sie an vorhandenen Tendenzen ankn\u00fcpfen und aktuelles Handeln mit einbeziehen. In Erweiterung dieses Ansatzes spricht man vom kontextualisierenden oder fokussierenden Team (Kriz, 2014, S. 296).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Weitere Texte zu narrativen Ans\u00e4tzen<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Begr\u00fcnder der narrativen Therapie waren <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Michael White <\/i>und <i>David Epston<\/i><\/span> (Epston &amp; White 1992, White &amp; Epston, 1990). In der narrativen Therapie wird die Problemgeschichte, die Klienten erz\u00e4hlen, durch die Fragen der Therapeuten angereichert und erweitert mit mehr Details, sodass die Geschichte n\u00e4her an die Realit\u00e4t kommt. Dahinter steckt die Idee, dass die Problemgeschichte wichtige Aspekte ausl\u00e4sst, die aber hilfreich zu sehen sind: Widerstand gegen das Problem, biographische Gr\u00fcnde f\u00fcr das Fehlverhalten, ein gesellschaftlicher Hintergrund einer schwierigen Zeit, moralische Werte die erkl\u00e4ren, warum man ist wie man ist. So ist es m\u00f6glich, eine neue Haltung zu sich selbst und dem Problem zu finden, die umfassender als die in der urspr\u00fcnglichen Erz\u00e4hlung formulierte ist. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.ifrhamburg.de\/index.php?ifrpage=narrative-therapie\">http:\/\/www.ifrhamburg.de\/index.php?ifrpage=narrative-therapie<\/a>)<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">\u00abNarrative Therapie fokussiert fast ausschlie\u00dflich auf den Aspekt der Semantik\u00bb. White bezog sich damit auf Batesons <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>interpretative Methode<\/i><\/span> als Basis seiner Theorie und postulierte, dass Probleme nicht aufgrund von verborgenen Strukturen oder Dysfunktionen entstehen, sondern dass es die Bedeutungen sind, die Gegebenheiten zugeschrieben werden, die dann unser Verhalten bestimmen. White und seine Kollegen nehmen an, dass Menschen ihrem Leben und ihren Beziehungen Bedeutungen geben, indem sie Geschichten \u00fcber ihre Erfahrung und ihr Erleben entwickeln. Indem Sie ihre Version ihrer Geschichte anderen erz\u00e4hlen, formen sie ihr Leben und ihre Beziehungen mit anderen Menschen. (<a href=\"http:\/\/www.muenchner-familien-kolleg.de\/pdf\/morgan-mueller_moskau_wasistnarrativetherapie.pdf\">http:\/\/www.muenchner-familien-kolleg.de\/pdf\/morgan-mueller_moskau_wasistnarrativetherapie.pdf<\/a>)<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Weitere Literatur<\/h4>\n<ul>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Boothe, Brigitte. (2011). <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Das Narrativ. Biografisches Erz\u00e4hlen im psychotherapeutischen Prozess<\/span>. <\/i>Stuttgart: Schattauer.<\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">McLeod, John. (1997). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Narrative and psychotherapy<\/i><\/span>. London: Sage.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><a id=\"personzentrierte-systemtheorie\"><\/a>Personzentrierte Systemtheorie<\/h2>\n<figure id=\"attachment_751\" aria-describedby=\"caption-attachment-751\" style=\"width: 184px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-137.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-751 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-137.png\" alt=\"Eine Fotografie von J\u00fcrgen Kriz.\" width=\"184\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-137.png 184w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-137-65x68.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-751\" class=\"wp-caption-text\">J\u00fcrgen Kriz (c) systemische-gesellschaft.de\/<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>personzentrierte Systemtheorie<\/i><\/span> wird von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>J\u00fcrgen Kriz<\/i><\/span> seit drei Jahrzehnten entwickelt mit dem Ziel, die komplement\u00e4re Perspektivenvielfalt der neueren Entwicklungen in den verschiedenen Modellen der Psychotherapie in einer intergrativen Sicht miteinander zu verbinden und in Beziehung zu setzen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Kriz (2014, S. 305) formuliert die zentralen Anliegen der personzentrierten Systemtheorie folgendermassen:<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>personzentrierte Systemtheorie<\/i><\/span> (PZS) ist eine Mehr-Ebenen-Konzeption zum Verst\u00e4ndnis von psychotherapeutischen und klinischen Prozessen unter besonderer Ber\u00fccksichtigung des Zusammenwirkens unterschiedlicher Ebenen (u. a. k\u00f6rperliche, psychische, interpersonelle und gesellschaftliche Prozesse). Es geht dabei im Kern um die erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftigen Fragen,<\/p>\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">wie wir Menschen aus der unfassbaren Komplexit\u00e4t einer physikalisch-chemischen und informationellen Reizwelt unsere Lebenswelt mit hinreichend fassbarer, sinnhafter Ordnung erschaffen,<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">wie diese sich typischerweise an stets neue Bedingungen und Herausforderungen (Entwicklungsaufgaben) anpasst,<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">warum diese Adaptation aber auch partiell misslingen und sich insbesondere als \u00fcberstabil und inad\u00e4quat erweisen kann \u2014 was f\u00fcr Probleme und viele Symptome typisch ist \u2014, und letztlich<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">wie professionelle Hilfe unter Nutzung von Ressourcen und Selbstorganisationspotenzialen gestaltet werden kann.<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Eines der Anliegen der Personzentrierten Systemtheorie ist es, methoden- und schulen\u00fcbergreifend die Wirkungsweise von Psychotherapie, allgemeiner von klinischen Prozessen, zu erkl\u00e4ren. Kriz bezieht sich einerseits auf die systemtheoretischen Konzepte der Gestalttheorie und der humanistischen Psychotherapie (besonders auf den personzentrierten Ansatz von Carl Rogers), andererseits auf Konzepte der modernen naturwissenschaftlichen Systemtheorie (besonders der Synergetik). Im Gegensatz zur systemischen und Familientherapie wird der Fokus in der personzentrierten Systemtheorie allerdings nicht prim\u00e4r auf die Muster in Interaktionen bzw. Kommunikationen gelegt, sondern auf die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Person<\/i>. <\/span>Zentrale Aspekte wie Sinn, Bedeutung oder Koh\u00e4renz finden prim\u00e4r auf der Ebene personaler Prozesse statt, auch wenn diese ganz erheblich durch soziale Prozesse in ihrer biographischen und historischen Dynamik beeinflusst werden. Ein Sozialsystem kann etwas als \u00absinnvoll\u00bb definieren und\/oder vorschreiben \u2013 aber ob es als etwas Sinnvolles erfahren wird, ist ein Prozess innerhalb der Person.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Entsprechend dem Modell der Synergetik werden in der personzentrierten Systemtheorie sowohl die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Kommunikation zwischen Menschen<\/i><\/span> (Paaren, Familien, Organisationen) als auch die Vernetzung zu <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>internen Prozessen<\/i><\/span> (Wahrnehmung, Denken, F\u00fchlen) in ihrer systemischen Wirkung von unten nach oben (Bottom-up) als auch von oben nach unten (Top-down) in ihrer komplexen Wechselwirkung beschrieben (Quelle: Wikipedia).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In einem l\u00e4ngeren Videointerview mit Werner Eberwein erkl\u00e4rt J\u00fcrgen Kriz die Grundlagen der personzentrierten Systemtheorie und bringt dabei viele Konzepte der Systemtheorie zur Sprache. Im folgenden Videoausschnitt aus diesem Interview begr\u00fcndet J\u00fcrgen Kriz die <span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Vor- und Nachteile des personzentrierten Ansatzes von Rogers und der systemischen Ans\u00e4tze<\/span>; diese beiden Ans\u00e4tze versucht er in der PZS zu kombinieren (Link: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ze5dG10qzF8; gesamtes Interview ca. 50 Min.).<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/52_JKriz-PersSys.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/52_JKriz-PersSys.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die narrative Perspektive Das Narrativ Der Einfluss postmoderner narrativer Ideen machte sich auch in der systemischen Theorie und Therapie seit den 1990er Jahren (sog. narrative Wende) bemerkbar (Herman et al., 2015). 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