{"id":344,"date":"2020-02-26T14:59:57","date_gmt":"2020-02-26T13:59:57","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=344"},"modified":"2024-09-26T15:17:43","modified_gmt":"2024-09-26T13:17:43","slug":"kommunikation-paradoxie-kollusion","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/kommunikation-paradoxie-kollusion\/","title":{"raw":"Kommunikation, Paradoxie, Kollusion","rendered":"Kommunikation, Paradoxie, Kollusion"},"content":{"raw":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In diesem Kapitel werden wichtige systemische Konzepte vorgestellt, die nicht direkt in der Arbeit mit Familien entstanden sind, n\u00e4mlich die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Pragmatik menschlicher<\/i> <i>Kommunikation<\/i><\/span>, die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>pragmatischen Paradoxien<\/i><\/span> und das Konzept der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Kollusion<\/i><\/span>.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die systemische Betrachtungsweise konzentriert sich vor allem auf die Ebene der Kommunikation und achtet dabei besonders auf die \u00abgest\u00f6rte\u00bb Kommunikation. Dabei besteht kein Unterschied zwischen sprachlichen kommunikativen Handlungen, wie Fragen oder Kritisieren, und symptomatischen kommunikativen Handlungen, wie Nichtessen, Erbrechen etc.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In der systemischen Therapie geht es nicht nur um die Ver\u00e4nderung von sozialen Strukturen und Interaktionen, sondern es geht auch um die Ver\u00e4nderung der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>kommunikativen Beziehungen<\/i><\/span> zur Welt, zu Partnern und zu sich selbst (Kriz, 2014). Als Kommunikation gilt in diesem Zusammenhang nicht nur sprachliches Verhalten, sondern jedes Verhalten in einer zwischenmenschlichen Situation. Dazu geh\u00f6ren neben Worten auch paralinguistische Aspekte, wie Tonfall, Betonung, Modulation, aber auch Mimik, Gestik und K\u00f6rperhaltung.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-131.png\"><img class=\"alignright wp-image-742 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-131.png\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"108\" \/><\/a>Als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">pragmatische Paradoxien<\/span> bezeichnet man unaufl\u00f6sbare Widerspr\u00fcche in der Kommunikation und in der Deutung von Kommunikation und Handlungen. Ein typisches Beispiel f\u00fcr eine pragmatische Paradoxie ist die Aufforderung \u00abSei spontan!\u00bb, die nicht befolgt werden kann, weil das ja gerade nicht spontanes Verhalten w\u00e4re, und die deshalb spontanes Verhalten verhindert.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Kollusion<\/i> <\/span>wird ein oft unbewusstes Zusammenspiel zweier oder mehrerer Personen bezeichnet; der Begriff ist vor allem durch das Kollusionskonzept in der Zweierbeziehung bekannt geworden, wie es J\u00fcrg Willi beschrieben hat (Willi, 2010). Demnach finden sich h\u00e4ufig Partner zusammen, f\u00fcr die \u00e4hnliche Grundthemen wichtig sind, und die sich in einem uneingestandenen Zusammenspiel im Umgang mit einem Grundkonflikt erg\u00e4nzen.<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Macht<\/span><\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Gem\u00e4ss Kriz (2014) ist die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Machtfrage<\/i> <\/span>ein potenzielles Problem in der systemischen Denkweise, weil z. B. eine auf den ersten Blick offensichtliche Zuschreibung der Rollen \u00abOpfer\u00bb und \u00abT\u00e4ter\u00bb bei systemischer Analyse eine ganz andere Sichtweise nahelegen kann. Subtile und eingespielte Interaktionsmuster k\u00f6nnen unter Umst\u00e4nden ein Ungleichgewicht in der Verteilung von Macht und Unterlegenheit aufzeigen, so dass die T\u00e4ter- und Opferrollen auf verschiedenen Betrachtungsebenen nicht mehr so eindeutig sind.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im Alltagsverst\u00e4ndnis wird ein therapeutisches Verstehen abweichenden Verhaltens oft mit einem Entschuldigen dieses Verhaltens gleichgesetzt. Aber Verstehen und Entschuldigen einer Handlungsweise ist nicht dasselbe. In Bezug auf das Ph\u00e4nomen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Macht<\/i> <\/span>ist es wichtig, unterschiedliche Perspektiven und Ebenen zu ber\u00fccksichtigen. Werden Handlungen einer Person zugeschrieben, sagen wir, dass diese Person diese Handlungen \u00abmacht\u00bb. Wenn dieselben Handlungen aber aus der Perspektive interaktioneller Regeln betrachtet werden, dann neigen wir dazu, mindestens einen Teil der Konsequenzen der Handlungen diesen Regeln zuzuschreiben; es wird dann etwas mit der Person \u00abgemacht\u00bb (Kriz, 2014).<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Watzlawick: Menschliche Kommunikation<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Buch<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Pragmatics of Human Communication<\/span> <\/i>(Watzlawick et al., 1967, siehe unten) hat die Entwicklung systemischer Theorien und Therapie stark beeinflusst:<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Es geht es um den Verwendungszweck und die Wirkung von Zeichen (wie Sprache) im Hinblick auf die Kommunikation. Die Autoren haben <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">f\u00fcnf Axiome der Kommunikation<\/span> <\/i>formuliert, die deutlich machen, dass \u00c4usserungen von Menschen nicht nur auf etwas \u00abin der Welt\u00bb verweisen (Semantik) und dabei eine bestimmte Struktur aufweisen (Syntaktik), sondern vor allem in beziehungsrelevanter Weise verwendet werden (Pragmatik). Besonders aus der Vermengung von Inhalts- und Beziehungsaspekten sowie aus unterschiedlichen Kausalzuschreibungen (Interpunktionen) einer Wechselwirkung ergeben sich viele Kommunikationsst\u00f6rungen. (Kriz, 2014)<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">F\u00fcnf Axiome der Kommunikation<\/span><\/h3>\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Axiom 1: Man kann nicht nicht kommunizieren.<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Jedes Verhalten in einer zwischenmenschlichen Situation ist Kommunikation. Verhalten hat kein Gegenteil, d.h. man kann sich dem sozialen Kontext nicht entziehen. Gest\u00f6rte Kommunikation entsteht durch Ignorieren oder widerwillige Annahme der Kommunikation, oder durch Kommunikationsunf\u00e4higkeit infolge M\u00fcdigkeit, Krankheit etc.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Axiom 2: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Sprache \u00fcbermittelt nicht nur Sachverhalte, sondern stellt vor allem eine Beziehung her. Der Inhaltsaspekt sagt etwas \u00fcber das WAS einer Mitteilung aus, der Beziehungsaspekt sagt etwas dar\u00fcber, WIE der Sender die Mitteilung verstanden haben m\u00f6chte. Die Aussagen sind nicht eindeutig, je nach Kontext und Betonung bedeuten sie etwas Anderes (metakommunikative Ebene). Kommunikation ist erfolgreich, wenn man sich auf der Beziehungsebene einig ist, so dass auf der Inhaltsebene eine sachliche Kontroverse m\u00f6glich ist. Kommunikationsst\u00f6rungen ergeben sich vor allem aus der Vermischung von Sach- und Beziehungsebene.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<h4><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Axiom 3: Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktionsabl\u00e4ufe seitens der Partner bedingt.<\/span><\/h4>\r\nZu jedem kommunikativen Verhalten der Person A kann ein kommunikatives Verhalten der Person B gefunden werden, das diesem vorausgeht (oder folgt). Diese Abfolge kann aber von beiden Beteiligten unterschiedlich gegliedert und interpretiert werden; das eigene Verhalten kann sowohl Reaktion auf das Verhalten des andern sein als auch Reiz und Verst\u00e4rkung f\u00fcr das Verhalten des andern; dies wird Interpunktion genannt. Erfolgreiche Kommunikation bedingt \u00e4hnliche Interpunktionen der Kommunikationspartner.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Axiom 4: Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalit\u00e4ten<\/span>.<\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">(Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax, aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzul\u00e4ngliche Semantik. Analoge Kommunikationen dagegen besitzen dieses semantische Potenzial, ermangeln aber der f\u00fcr eindeutige Kommunikationen erforderlichen logischen Syntax). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Digitale <\/span>Kommunikation bezieht sich auf abstrakte Sprache, auf die Zuordnung von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Zeichen <\/span>zu <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Inhalten <\/span>(W\u00f6rter sind Zeichenfolgen zur Bezeichnung von Inhalten: K-a-t-z-e bezeichnet das Tier Katze). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Analog <\/span>ist eine Zuordnung, wenn eine \u00c4hnlichkeit zwischen Inhalt und Zeichen besteht (Bild einer Katze zum Tier Katze). Inhaltsaspekte der Kommunikation werden eher digital \u00fcbermittelt, Beziehungsaspekte eher analog (Mimik, Gestik, Tonfall). Kommunikationsst\u00f6rungen in Bezug auf digitale und analoge Modalit\u00e4ten beruhen meist auf Mehrdeutigkeiten oder auf Inkongruenz.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Axiom 5: Zwischenmenschliche Kommunikationsabl\u00e4ufe sind entweder symmetrisch oder komplement\u00e4r, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht.<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Bei der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>symmetrischen Interaktionsform<\/i><\/span> werden Unterschiede vermindert, beide Partner streben nach Gleichheit, bei der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">komplement\u00e4ren Interaktionsform\u00a0<\/span>versuchen sich die Partner m\u00f6glichst gut zu erg\u00e4nzen. Erfolgreiche Kommunikation entsteht, wenn beide Interaktionsformen in einem ausgeglichenen Verh\u00e4ltnis vorkommen. Kommunikationsst\u00f6rungen in symmetrischen und komplement\u00e4ren Interaktionen sind oft mit einer starren und ausschliesslichen Wahl einer der beiden Formen verbunden.<\/p>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Literatur<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Watzlawick, Paul; Bavelas, Janet Beavin; Jackson, Don D. (2000): <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Menschliche Kommunikation. Formen, St\u00f6rungen, Paradoxien<\/i>. <\/span>10. Aufl. Bern: Huber.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_744\" align=\"aligncenter\" width=\"481\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-132.png\"><img class=\"wp-image-744 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-132.png\" alt=\"\" width=\"481\" height=\"605\" \/><\/a> (c) www.collide.info\/[\/caption]\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Watzlawick: Die Geschichte mit dem Hammer<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden Videoausschnitt (Audio mit Standbild) liest Paul Watzlawick die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Geschichte mit dem Hammer<\/i><\/span> aus seinem Buch<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Anleitung zum Ungl\u00fccklichsein<\/span><\/i>.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Prof. Dr. Paul Watzlawick, 1921 in K\u00e4rnten geboren, war seit 1960 Lehrbeauftragter am Mental Research Institute in Palo Alto\/California und ab 1976 Professor an der Stanford University.<\/p>\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/51_WatzlawikHammer.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/51_WatzlawikHammer.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Ein Mann will ein Bild aufh\u00e4ngen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschliesst unser Mann, hin\u00fcberzugehen und ihn auszu\u00adborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Ge\u00adstern schon gr\u00fcsste er mich nur so fl\u00fcchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorge\u00adsch\u00fctzt, und er hat etwas gegen mich.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich g\u00e4be es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen ab\u00adschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloss weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht's mir wirklich. \u2014 Und so st\u00fcrmt er hin\u00fcber, l\u00e4utet, der Nachbar \u00f6ffnet, doch bevor er \u00abGuten Tag\u00bb sagen kann, schreit ihn unser Mann an: \u00abBehalten Sie Ihren Hammer, Sie R\u00fcpel!\u00bb (Quelle: Watzlawick, Paul. (2007). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Anleitung zum Ungl\u00fccklichsein<\/span> (Serie Piper). M\u00fcnchen: Piper.).<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><a id=\"pragmatische-paradoxien\"><\/a>Pragmatische Paradoxien<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-133.png\"><img class=\"alignright wp-image-745 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-133.png\" alt=\"\" width=\"108\" height=\"98\" \/><\/a>Die Paradoxie ist ein Widerspruch, \u00abder sich durch folgerichtige Deduktion aus widerspruchsfreien Pr\u00e4missen ergibt\u00bb (Watzlawick et al., 1969\/2000). Im Gegensatz zu mathematisch-logischen und philosophischen Paradoxien, die f\u00fcr den Alltag wenig Bedeutung haben, k\u00f6nnen in Bezug auf die (Be)Deutung von kommunikativen Handlungen aber Situationen entstehen, die als pragmatische Paradoxien (paradoxe Aufforderungen) bezeichnet werden (Kriz, 2014), wie im Beispiel auf der vorhergehenden Seite gezeigt wurde (\u00abSei spontan!\u00bb).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Man bezeichnet dies auch als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Double-Bind-Konstellation<\/span> (siehe auch Kapitel\u00a0<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/systemtheorie-und-therapie#fruehe-systemtherapeutische-konzepte\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Systemtheorie und -therapie &gt; Fr\u00fche systemtherapeutische Konzepte<\/a>), die in den 1950er und 1960er Jahren zur Erkl\u00e4rung der Schizophrenie diente. Die Schizophrenie wird in diesem Kontext als ad\u00e4quate Reaktion auf eine unhaltbare Situation bezeichnet, z. B. auf eine Mitteilung, die etwas aussagt, die aber zus\u00e4tzlich etwas \u00fcber die eigene Aussage aussagt. Beide Aussagen widersprechen sich und sind unvereinbar (Kriz, 2014).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Auch die<i>\u00a0<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Kommunikation mit sich selbst<\/span><\/i> ist st\u00f6rungsanf\u00e4llig. Mit seinem reflexiven Bewusstsein kommuniziert der Mensch auch mit sich selbst und kann sich dadurch in eine Double-Bind-Situation man\u00f6verieren, wie das Beispiel des Einschlafenwollens zeigt (Kriz, 2014):<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<h3 class=\"textbox__content\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Beispiel: Paradoxie des Einschlafenwollens<\/span><\/h3>\r\n<div class=\"textbox__content\">Typisches Beispiel ist eine Person, die einschlafen will, etwa weil sie am Morgen f\u00fcr eine Pr\u00fcfung besonders ausgeruht sein muss, oder weil sie schon weiss, dass sie Schlafst\u00f6rungen hat. Je sp\u00e4ter es wird und je l\u00e4nger sie wach liegt, umso gr\u00f6sser wird das Problem. \u00abIch muss jetzt endlich schlafen, sonst bin ich nicht ausgeschlafen\u00bb oder: \u00ab . . . sonst werde ich noch ganz krank\u00bb etc. Es handelt sich hier aber um eine Variante der oben erw\u00e4hnten \u00absei spontan!\u00bb-Paradoxie: Einschlafen ist ein spontaner Vorgang, der eben gerade deshalb nicht gewollt werden kann. Je mehr Energie und Willenskraft auf den Einschlafakt verwendet wird, desto unwahrscheinlicher wird ein Erfolg, obwohl meist irgendwann die k\u00f6rperliche Ersch\u00f6pfung dem paradoxen Gedankenspiel ein Ende bereitet (nach Kriz, 2014).<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Paradoxe Intervention, therapeutische Doppelbindung, Symptomverschreibung<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Unter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">paradoxer <i>Intervention<\/i><\/span> versteht man verschiedene therapeutische Techniken, die scheinbar im Widerspruch zu den therapeutischen Zielen stehen, die aber tats\u00e4chlich dazu dienen sollen, diese Ziele zu erreichen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">therapeutische <i>Doppelbindung<\/i> <\/span>ist eine paradoxe Intervention, die nicht an der bisherigen L\u00f6sung (erster Ordnung) ansetzt, sondern z. B. durch <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Symptomverschreibung<\/i> <\/span>eine L\u00f6sung zweiter Ordnung erm\u00f6glichen soll: Wenn der Patient die Aufforderung, das pathologische Verhalten zu verst\u00e4rken, befolgt, zeigt dies, dass er das als unkontrollierbar empfundene Symptom z. T. unter bewusster Kontrolle hat. Wenn er sie nicht befolgt, kann er dies nur durch nichtsymptomatisches Verhalten tun. F\u00fcr den Erfolg paradoxer Interventionen sind eine genaue Problemanalyse und die Kreativit\u00e4t des Therapeuten mit entscheidend (Kriz, 2014, S. 293).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Mit<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"> <i>Symptomverschreibungen<\/i><\/span> soll die Logik des paradoxen Spiels ausser Kraft gesetzt werden. Das Symptom wird quasi zur Beibehaltung verschrieben und so der Reflexion zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--learning-objectives\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Unterschied zwischen <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>paradoxer Intervention<\/b><\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>paradoxer Intentio<\/b>n<\/span>: Die Praxis der paradoxen Intervention wurde in \u00e4hnlicher Weise schon von Viktor Frankl angewendet (siehe Kapitel <a id=\"il__pg_5879_30250_2\" class=\"ilc_link_IntLink\" href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/therapieformen-des-humanistischen-modells#theorie-und-praxis-der-logotherapie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Therapieformen des humanistischen Modells &gt; Theorie und Praxis der Logotherapie<\/a>). Bei Frankl geht es allerdings um eine etwas andere Interventionsperspektive: Nicht der Therapeut macht durch seine Aufforderung eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>paradoxe Intervention<\/i><\/span>, sondern er leitet den Patienten an, sich selbst paradoxe Situationsbeschreibungen zu geben und damit die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Erwartungsangst <\/span>zu unterlaufen. Frankl sprach daher auch von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>paradoxer Intention<\/i><\/span> (des Patienten) statt Intervention (des Therapeuten) (siehe Kriz, 2014, S. 286).<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Partnerschaftliche Kollusion<\/h2>\r\n[caption id=\"attachment_746\" align=\"alignright\" width=\"158\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-134.png\"><img class=\"wp-image-746 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-134.png\" alt=\"Foto von J\u00fcrg Willi.\" width=\"158\" height=\"236\" \/><\/a> J\u00fcrg Willi (c) psychotherapieausbildung.ch[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Konzept der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Kollusion<\/i> <\/span>stammt von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>J\u00fcrg Willi<\/i><\/span> (1975, 2010) und bezeichnet ein unbewusstes malignes Zusammenspiel zwischen zwei Partnern. Kriz bezeichnet das Konzept der Kollusion als \u00abeine gelungene Verbindung psychodynamischer und systemischer Grundkonzepte\u00bb. Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Paar<\/i> <\/span>ist als kleinste Einheit besonders geeignet f\u00fcr das Sichtbarwerden und die Ver\u00e4nderung von Interaktionsmustern.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Abgrenzungsprinzip<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Gem\u00e4ss Willi sind die Grenzen eines Systems wichtig; dies betrifft sowohl die Abgrenzung innerhalb der Paarbeziehung als auch die Abgrenzung des Paares gegen\u00fcber andern Personen. In einer funktionierenden Partnerschaft werden diese Grenzen als \u00abklar und durchl\u00e4ssig\u00bb charakterisiert (Kriz, 2014). Im \u00abgest\u00f6rten Fall\u00bb sind diese Grenzen entweder zu starr oder zu diffus. Die Partnerbeziehung muss gegen aussen abgegrenzt und klar unterschieden sein von jeder andern Beziehung. Innerhalb der Beziehung m\u00fcssen die Partner aber unterschieden bleiben und klare Grenzen zwischen sich respektieren.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Regressive und progressive Tendenzen<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Idealerweise kommen im Verhaltensrepertoire einer Partnerschaft regressive (kindliche) und progressive (erwachsene) Verhaltenstendenzen vor und k\u00f6nnen von beiden Partnern flexibel gehandhabt und gewechselt werden. Neurotische Partner sind dagegen eher auf eine der beiden Positionen fixiert (Kriz, 2014).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Dynamik der Kollusion<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Willi (1975, S. 59; zit. nach Kriz, 2014) fasst die Dynamik, die sich in einer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Kollusion <\/span>ausdr\u00fcckt, folgendermassen zusammen:<\/p>\r\n\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Kollusion meint ein uneingestandenes, voreinander verheimlichtes Zusammenspiel zweier oder mehrerer Partner aufgrund eines gleichartigen, unbew\u00e4ltigten Grundkonfliktes.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Der gemeinsame unbew\u00e4ltigte Grundkonflikt wird in verschiedenen Rollen ausgetragen, was den Eindruck entstehen l\u00e4sst, der eine Partner sei geradezu das Gegenteil des anderen. Es handelt sich dabei aber lediglich um polarisierte Varianten des Gleichen.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die Verbindung im gleichartigen Grundkonflikt beg\u00fcnstigt in Paarbeziehungen beim einen Partner progressive (\u00fcberkompensierende), beim anderen Partner regressive Selbstheilungsversuche.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Dieses progressive und regressive Abwehrverhalten bewirkt zu einem wesentlichen Teil die Anziehung und dyadische Verklammerung der Partner. Jeder hofft, von seinem Grundkonflikt durch den Partner erl\u00f6st zu werden. Beide glauben, in der Abwehr ihrer tiefen \u00c4ngste durch den Partner so weit gesichert zu sein, dass eine Bed\u00fcrfnisbefriedigung in bisher nicht erreichtem Masse zul\u00e4ssig und m\u00f6glich w\u00e4re.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Im l\u00e4ngeren Zusammenleben scheitert dieser kollusive Selbstheilungsversuch wegen der Wiederkehr des Verdr\u00e4ngten bei beiden Partnern. Die auf den Partner verlegten (delegierten oder externalisierten) Anteile kommen im eigenen Selbst wieder hoch.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Konzept der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Kollusion<\/i> <\/span>ist nicht nur auf die Familien- und Paarsituation beschr\u00e4nkt. Auch in gr\u00f6sseren sozialen Verb\u00e4nden und Gruppen sind \u00e4hnliche Strategien anzutreffen.<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Literatur<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Willi, J\u00fcrg. (2010). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Die Zweierbeziehung. Spannungsursachen, St\u00f6rungsmuster, Kl\u00e4rungsprozesse, L\u00f6sungsmodelle<\/i><\/span> (20. Aufl.). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<h3><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">\u00d6kologisch-systemische Therapie<\/span><\/h3>\r\nIn der systemischen Therapie wird die Person stets als Teil eines sozialen Bezugsystems gesehen. Psychische St\u00f6rungen und persistierende Konflikte werden als Hinweise auf notwendige Ver\u00e4nderungen von Bewertungs- und Interaktionsmustern verstanden. Die Therapie zielt darauf ab, Sichtweisen und Verhaltensm\u00f6glichkeiten anzuregen und zu best\u00e4rken, welche psychische Gesundheit und konstruktive Konfliktbew\u00e4ltigung beg\u00fcnstigen.\r\n\r\nDer systemische Therapieansatz des Instituts f\u00fcr \u00d6kologisch-systemische Therapie legt den Schwerpunkt auf das Wirken der Person und dessen Beantwortung. Gem\u00e4ss \u00f6kologisch-systemischem Verst\u00e4ndnis treten psychische Probleme und ernsthafte Beziehungsst\u00f6rungen dann auf, wenn es der Person nicht mehr ausreichend gelingt, mit ihrem Wirken die erhoffte Beantwortung durch die Umwelt zu erzielen. Die Therapie soll pers\u00f6nliche Entwicklungen anregen und unterst\u00fctzen, welche die Wahrscheinlichkeit der angestrebten Beantwortung erh\u00f6hen. Die therapeutische Arbeit kann im Einzel-, Paar-\u00a0 oder Familiensetting erfolgen.\r\n\r\nQuelle: <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"https:\/\/psychotherapieausbildung.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/psychotherapieausbildung.ch\/<\/a>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>","rendered":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In diesem Kapitel werden wichtige systemische Konzepte vorgestellt, die nicht direkt in der Arbeit mit Familien entstanden sind, n\u00e4mlich die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Pragmatik menschlicher<\/i> <i>Kommunikation<\/i><\/span>, die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>pragmatischen Paradoxien<\/i><\/span> und das Konzept der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Kollusion<\/i><\/span>.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die systemische Betrachtungsweise konzentriert sich vor allem auf die Ebene der Kommunikation und achtet dabei besonders auf die \u00abgest\u00f6rte\u00bb Kommunikation. Dabei besteht kein Unterschied zwischen sprachlichen kommunikativen Handlungen, wie Fragen oder Kritisieren, und symptomatischen kommunikativen Handlungen, wie Nichtessen, Erbrechen etc.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In der systemischen Therapie geht es nicht nur um die Ver\u00e4nderung von sozialen Strukturen und Interaktionen, sondern es geht auch um die Ver\u00e4nderung der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>kommunikativen Beziehungen<\/i><\/span> zur Welt, zu Partnern und zu sich selbst (Kriz, 2014). Als Kommunikation gilt in diesem Zusammenhang nicht nur sprachliches Verhalten, sondern jedes Verhalten in einer zwischenmenschlichen Situation. Dazu geh\u00f6ren neben Worten auch paralinguistische Aspekte, wie Tonfall, Betonung, Modulation, aber auch Mimik, Gestik und K\u00f6rperhaltung.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-131.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-742 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-131.png\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"108\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-131.png 270w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-131-65x26.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-131-225x90.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a>Als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">pragmatische Paradoxien<\/span> bezeichnet man unaufl\u00f6sbare Widerspr\u00fcche in der Kommunikation und in der Deutung von Kommunikation und Handlungen. Ein typisches Beispiel f\u00fcr eine pragmatische Paradoxie ist die Aufforderung \u00abSei spontan!\u00bb, die nicht befolgt werden kann, weil das ja gerade nicht spontanes Verhalten w\u00e4re, und die deshalb spontanes Verhalten verhindert.<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Kollusion<\/i> <\/span>wird ein oft unbewusstes Zusammenspiel zweier oder mehrerer Personen bezeichnet; der Begriff ist vor allem durch das Kollusionskonzept in der Zweierbeziehung bekannt geworden, wie es J\u00fcrg Willi beschrieben hat (Willi, 2010). Demnach finden sich h\u00e4ufig Partner zusammen, f\u00fcr die \u00e4hnliche Grundthemen wichtig sind, und die sich in einem uneingestandenen Zusammenspiel im Umgang mit einem Grundkonflikt erg\u00e4nzen.<\/p>\n<h2 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Macht<\/span><\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Gem\u00e4ss Kriz (2014) ist die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Machtfrage<\/i> <\/span>ein potenzielles Problem in der systemischen Denkweise, weil z. B. eine auf den ersten Blick offensichtliche Zuschreibung der Rollen \u00abOpfer\u00bb und \u00abT\u00e4ter\u00bb bei systemischer Analyse eine ganz andere Sichtweise nahelegen kann. Subtile und eingespielte Interaktionsmuster k\u00f6nnen unter Umst\u00e4nden ein Ungleichgewicht in der Verteilung von Macht und Unterlegenheit aufzeigen, so dass die T\u00e4ter- und Opferrollen auf verschiedenen Betrachtungsebenen nicht mehr so eindeutig sind.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im Alltagsverst\u00e4ndnis wird ein therapeutisches Verstehen abweichenden Verhaltens oft mit einem Entschuldigen dieses Verhaltens gleichgesetzt. Aber Verstehen und Entschuldigen einer Handlungsweise ist nicht dasselbe. In Bezug auf das Ph\u00e4nomen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Macht<\/i> <\/span>ist es wichtig, unterschiedliche Perspektiven und Ebenen zu ber\u00fccksichtigen. Werden Handlungen einer Person zugeschrieben, sagen wir, dass diese Person diese Handlungen \u00abmacht\u00bb. Wenn dieselben Handlungen aber aus der Perspektive interaktioneller Regeln betrachtet werden, dann neigen wir dazu, mindestens einen Teil der Konsequenzen der Handlungen diesen Regeln zuzuschreiben; es wird dann etwas mit der Person \u00abgemacht\u00bb (Kriz, 2014).<\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Watzlawick: Menschliche Kommunikation<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Buch<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Pragmatics of Human Communication<\/span> <\/i>(Watzlawick et al., 1967, siehe unten) hat die Entwicklung systemischer Theorien und Therapie stark beeinflusst:<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Es geht es um den Verwendungszweck und die Wirkung von Zeichen (wie Sprache) im Hinblick auf die Kommunikation. Die Autoren haben <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">f\u00fcnf Axiome der Kommunikation<\/span> <\/i>formuliert, die deutlich machen, dass \u00c4usserungen von Menschen nicht nur auf etwas \u00abin der Welt\u00bb verweisen (Semantik) und dabei eine bestimmte Struktur aufweisen (Syntaktik), sondern vor allem in beziehungsrelevanter Weise verwendet werden (Pragmatik). Besonders aus der Vermengung von Inhalts- und Beziehungsaspekten sowie aus unterschiedlichen Kausalzuschreibungen (Interpunktionen) einer Wechselwirkung ergeben sich viele Kommunikationsst\u00f6rungen. (Kriz, 2014)<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">F\u00fcnf Axiome der Kommunikation<\/span><\/h3>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Axiom 1: Man kann nicht nicht kommunizieren.<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Jedes Verhalten in einer zwischenmenschlichen Situation ist Kommunikation. Verhalten hat kein Gegenteil, d.h. man kann sich dem sozialen Kontext nicht entziehen. Gest\u00f6rte Kommunikation entsteht durch Ignorieren oder widerwillige Annahme der Kommunikation, oder durch Kommunikationsunf\u00e4higkeit infolge M\u00fcdigkeit, Krankheit etc.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Axiom 2: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Sprache \u00fcbermittelt nicht nur Sachverhalte, sondern stellt vor allem eine Beziehung her. Der Inhaltsaspekt sagt etwas \u00fcber das WAS einer Mitteilung aus, der Beziehungsaspekt sagt etwas dar\u00fcber, WIE der Sender die Mitteilung verstanden haben m\u00f6chte. Die Aussagen sind nicht eindeutig, je nach Kontext und Betonung bedeuten sie etwas Anderes (metakommunikative Ebene). Kommunikation ist erfolgreich, wenn man sich auf der Beziehungsebene einig ist, so dass auf der Inhaltsebene eine sachliche Kontroverse m\u00f6glich ist. Kommunikationsst\u00f6rungen ergeben sich vor allem aus der Vermischung von Sach- und Beziehungsebene.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<h4><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Axiom 3: Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktionsabl\u00e4ufe seitens der Partner bedingt.<\/span><\/h4>\n<p>Zu jedem kommunikativen Verhalten der Person A kann ein kommunikatives Verhalten der Person B gefunden werden, das diesem vorausgeht (oder folgt). Diese Abfolge kann aber von beiden Beteiligten unterschiedlich gegliedert und interpretiert werden; das eigene Verhalten kann sowohl Reaktion auf das Verhalten des andern sein als auch Reiz und Verst\u00e4rkung f\u00fcr das Verhalten des andern; dies wird Interpunktion genannt. Erfolgreiche Kommunikation bedingt \u00e4hnliche Interpunktionen der Kommunikationspartner.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Axiom 4: Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalit\u00e4ten<\/span>.<\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">(Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax, aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzul\u00e4ngliche Semantik. Analoge Kommunikationen dagegen besitzen dieses semantische Potenzial, ermangeln aber der f\u00fcr eindeutige Kommunikationen erforderlichen logischen Syntax). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Digitale <\/span>Kommunikation bezieht sich auf abstrakte Sprache, auf die Zuordnung von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Zeichen <\/span>zu <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Inhalten <\/span>(W\u00f6rter sind Zeichenfolgen zur Bezeichnung von Inhalten: K-a-t-z-e bezeichnet das Tier Katze). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Analog <\/span>ist eine Zuordnung, wenn eine \u00c4hnlichkeit zwischen Inhalt und Zeichen besteht (Bild einer Katze zum Tier Katze). Inhaltsaspekte der Kommunikation werden eher digital \u00fcbermittelt, Beziehungsaspekte eher analog (Mimik, Gestik, Tonfall). Kommunikationsst\u00f6rungen in Bezug auf digitale und analoge Modalit\u00e4ten beruhen meist auf Mehrdeutigkeiten oder auf Inkongruenz.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Axiom 5: Zwischenmenschliche Kommunikationsabl\u00e4ufe sind entweder symmetrisch oder komplement\u00e4r, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht.<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Bei der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>symmetrischen Interaktionsform<\/i><\/span> werden Unterschiede vermindert, beide Partner streben nach Gleichheit, bei der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">komplement\u00e4ren Interaktionsform\u00a0<\/span>versuchen sich die Partner m\u00f6glichst gut zu erg\u00e4nzen. Erfolgreiche Kommunikation entsteht, wenn beide Interaktionsformen in einem ausgeglichenen Verh\u00e4ltnis vorkommen. Kommunikationsst\u00f6rungen in symmetrischen und komplement\u00e4ren Interaktionen sind oft mit einer starren und ausschliesslichen Wahl einer der beiden Formen verbunden.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h2 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Literatur<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Watzlawick, Paul; Bavelas, Janet Beavin; Jackson, Don D. (2000): <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Menschliche Kommunikation. Formen, St\u00f6rungen, Paradoxien<\/i>. <\/span>10. Aufl. Bern: Huber.<\/p>\n<figure id=\"attachment_744\" aria-describedby=\"caption-attachment-744\" style=\"width: 481px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-132.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-744 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-132.png\" alt=\"\" width=\"481\" height=\"605\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-132.png 481w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-132-239x300.png 239w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-132-65x82.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-132-225x283.png 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-132-350x440.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 481px) 100vw, 481px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-744\" class=\"wp-caption-text\">(c) www.collide.info\/<\/figcaption><\/figure>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Watzlawick: Die Geschichte mit dem Hammer<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden Videoausschnitt (Audio mit Standbild) liest Paul Watzlawick die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Geschichte mit dem Hammer<\/i><\/span> aus seinem Buch<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Anleitung zum Ungl\u00fccklichsein<\/span><\/i>.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Prof. Dr. Paul Watzlawick, 1921 in K\u00e4rnten geboren, war seit 1960 Lehrbeauftragter am Mental Research Institute in Palo Alto\/California und ab 1976 Professor an der Stanford University.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/51_WatzlawikHammer.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/51_WatzlawikHammer.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Ein Mann will ein Bild aufh\u00e4ngen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschliesst unser Mann, hin\u00fcberzugehen und ihn auszu\u00adborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Ge\u00adstern schon gr\u00fcsste er mich nur so fl\u00fcchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorge\u00adsch\u00fctzt, und er hat etwas gegen mich.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich g\u00e4be es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen ab\u00adschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloss weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht&#8217;s mir wirklich. \u2014 Und so st\u00fcrmt er hin\u00fcber, l\u00e4utet, der Nachbar \u00f6ffnet, doch bevor er \u00abGuten Tag\u00bb sagen kann, schreit ihn unser Mann an: \u00abBehalten Sie Ihren Hammer, Sie R\u00fcpel!\u00bb (Quelle: Watzlawick, Paul. (2007). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Anleitung zum Ungl\u00fccklichsein<\/span> (Serie Piper). M\u00fcnchen: Piper.).<\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><a id=\"pragmatische-paradoxien\"><\/a>Pragmatische Paradoxien<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-133.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-745 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-133.png\" alt=\"\" width=\"108\" height=\"98\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-133.png 108w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-133-65x59.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 108px) 100vw, 108px\" \/><\/a>Die Paradoxie ist ein Widerspruch, \u00abder sich durch folgerichtige Deduktion aus widerspruchsfreien Pr\u00e4missen ergibt\u00bb (Watzlawick et al., 1969\/2000). Im Gegensatz zu mathematisch-logischen und philosophischen Paradoxien, die f\u00fcr den Alltag wenig Bedeutung haben, k\u00f6nnen in Bezug auf die (Be)Deutung von kommunikativen Handlungen aber Situationen entstehen, die als pragmatische Paradoxien (paradoxe Aufforderungen) bezeichnet werden (Kriz, 2014), wie im Beispiel auf der vorhergehenden Seite gezeigt wurde (\u00abSei spontan!\u00bb).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Man bezeichnet dies auch als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Double-Bind-Konstellation<\/span> (siehe auch Kapitel\u00a0<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/systemtheorie-und-therapie#fruehe-systemtherapeutische-konzepte\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Systemtheorie und -therapie &gt; Fr\u00fche systemtherapeutische Konzepte<\/a>), die in den 1950er und 1960er Jahren zur Erkl\u00e4rung der Schizophrenie diente. Die Schizophrenie wird in diesem Kontext als ad\u00e4quate Reaktion auf eine unhaltbare Situation bezeichnet, z. B. auf eine Mitteilung, die etwas aussagt, die aber zus\u00e4tzlich etwas \u00fcber die eigene Aussage aussagt. Beide Aussagen widersprechen sich und sind unvereinbar (Kriz, 2014).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Auch die<i>\u00a0<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Kommunikation mit sich selbst<\/span><\/i> ist st\u00f6rungsanf\u00e4llig. Mit seinem reflexiven Bewusstsein kommuniziert der Mensch auch mit sich selbst und kann sich dadurch in eine Double-Bind-Situation man\u00f6verieren, wie das Beispiel des Einschlafenwollens zeigt (Kriz, 2014):<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<h3 class=\"textbox__content\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Beispiel: Paradoxie des Einschlafenwollens<\/span><\/h3>\n<div class=\"textbox__content\">Typisches Beispiel ist eine Person, die einschlafen will, etwa weil sie am Morgen f\u00fcr eine Pr\u00fcfung besonders ausgeruht sein muss, oder weil sie schon weiss, dass sie Schlafst\u00f6rungen hat. Je sp\u00e4ter es wird und je l\u00e4nger sie wach liegt, umso gr\u00f6sser wird das Problem. \u00abIch muss jetzt endlich schlafen, sonst bin ich nicht ausgeschlafen\u00bb oder: \u00ab . . . sonst werde ich noch ganz krank\u00bb etc. Es handelt sich hier aber um eine Variante der oben erw\u00e4hnten \u00absei spontan!\u00bb-Paradoxie: Einschlafen ist ein spontaner Vorgang, der eben gerade deshalb nicht gewollt werden kann. Je mehr Energie und Willenskraft auf den Einschlafakt verwendet wird, desto unwahrscheinlicher wird ein Erfolg, obwohl meist irgendwann die k\u00f6rperliche Ersch\u00f6pfung dem paradoxen Gedankenspiel ein Ende bereitet (nach Kriz, 2014).<\/div>\n<\/div>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Paradoxe Intervention, therapeutische Doppelbindung, Symptomverschreibung<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Unter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">paradoxer <i>Intervention<\/i><\/span> versteht man verschiedene therapeutische Techniken, die scheinbar im Widerspruch zu den therapeutischen Zielen stehen, die aber tats\u00e4chlich dazu dienen sollen, diese Ziele zu erreichen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">therapeutische <i>Doppelbindung<\/i> <\/span>ist eine paradoxe Intervention, die nicht an der bisherigen L\u00f6sung (erster Ordnung) ansetzt, sondern z. B. durch <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Symptomverschreibung<\/i> <\/span>eine L\u00f6sung zweiter Ordnung erm\u00f6glichen soll: Wenn der Patient die Aufforderung, das pathologische Verhalten zu verst\u00e4rken, befolgt, zeigt dies, dass er das als unkontrollierbar empfundene Symptom z. T. unter bewusster Kontrolle hat. Wenn er sie nicht befolgt, kann er dies nur durch nichtsymptomatisches Verhalten tun. F\u00fcr den Erfolg paradoxer Interventionen sind eine genaue Problemanalyse und die Kreativit\u00e4t des Therapeuten mit entscheidend (Kriz, 2014, S. 293).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Mit<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"> <i>Symptomverschreibungen<\/i><\/span> soll die Logik des paradoxen Spiels ausser Kraft gesetzt werden. Das Symptom wird quasi zur Beibehaltung verschrieben und so der Reflexion zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--learning-objectives\">\n<div class=\"textbox__content\">Unterschied zwischen <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>paradoxer Intervention<\/b><\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>paradoxer Intentio<\/b>n<\/span>: Die Praxis der paradoxen Intervention wurde in \u00e4hnlicher Weise schon von Viktor Frankl angewendet (siehe Kapitel <a id=\"il__pg_5879_30250_2\" class=\"ilc_link_IntLink\" href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/therapieformen-des-humanistischen-modells#theorie-und-praxis-der-logotherapie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Therapieformen des humanistischen Modells &gt; Theorie und Praxis der Logotherapie<\/a>). Bei Frankl geht es allerdings um eine etwas andere Interventionsperspektive: Nicht der Therapeut macht durch seine Aufforderung eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>paradoxe Intervention<\/i><\/span>, sondern er leitet den Patienten an, sich selbst paradoxe Situationsbeschreibungen zu geben und damit die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Erwartungsangst <\/span>zu unterlaufen. Frankl sprach daher auch von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>paradoxer Intention<\/i><\/span> (des Patienten) statt Intervention (des Therapeuten) (siehe Kriz, 2014, S. 286).<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Partnerschaftliche Kollusion<\/h2>\n<figure id=\"attachment_746\" aria-describedby=\"caption-attachment-746\" style=\"width: 158px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-134.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-746 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-134.png\" alt=\"Foto von J\u00fcrg Willi.\" width=\"158\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-134.png 158w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-134-65x97.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 158px) 100vw, 158px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-746\" class=\"wp-caption-text\">J\u00fcrg Willi (c) psychotherapieausbildung.ch<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Konzept der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Kollusion<\/i> <\/span>stammt von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>J\u00fcrg Willi<\/i><\/span> (1975, 2010) und bezeichnet ein unbewusstes malignes Zusammenspiel zwischen zwei Partnern. Kriz bezeichnet das Konzept der Kollusion als \u00abeine gelungene Verbindung psychodynamischer und systemischer Grundkonzepte\u00bb. Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Paar<\/i> <\/span>ist als kleinste Einheit besonders geeignet f\u00fcr das Sichtbarwerden und die Ver\u00e4nderung von Interaktionsmustern.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Abgrenzungsprinzip<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Gem\u00e4ss Willi sind die Grenzen eines Systems wichtig; dies betrifft sowohl die Abgrenzung innerhalb der Paarbeziehung als auch die Abgrenzung des Paares gegen\u00fcber andern Personen. In einer funktionierenden Partnerschaft werden diese Grenzen als \u00abklar und durchl\u00e4ssig\u00bb charakterisiert (Kriz, 2014). Im \u00abgest\u00f6rten Fall\u00bb sind diese Grenzen entweder zu starr oder zu diffus. Die Partnerbeziehung muss gegen aussen abgegrenzt und klar unterschieden sein von jeder andern Beziehung. Innerhalb der Beziehung m\u00fcssen die Partner aber unterschieden bleiben und klare Grenzen zwischen sich respektieren.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Regressive und progressive Tendenzen<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Idealerweise kommen im Verhaltensrepertoire einer Partnerschaft regressive (kindliche) und progressive (erwachsene) Verhaltenstendenzen vor und k\u00f6nnen von beiden Partnern flexibel gehandhabt und gewechselt werden. Neurotische Partner sind dagegen eher auf eine der beiden Positionen fixiert (Kriz, 2014).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Dynamik der Kollusion<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Willi (1975, S. 59; zit. nach Kriz, 2014) fasst die Dynamik, die sich in einer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Kollusion <\/span>ausdr\u00fcckt, folgendermassen zusammen:<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Kollusion meint ein uneingestandenes, voreinander verheimlichtes Zusammenspiel zweier oder mehrerer Partner aufgrund eines gleichartigen, unbew\u00e4ltigten Grundkonfliktes.<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Der gemeinsame unbew\u00e4ltigte Grundkonflikt wird in verschiedenen Rollen ausgetragen, was den Eindruck entstehen l\u00e4sst, der eine Partner sei geradezu das Gegenteil des anderen. Es handelt sich dabei aber lediglich um polarisierte Varianten des Gleichen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die Verbindung im gleichartigen Grundkonflikt beg\u00fcnstigt in Paarbeziehungen beim einen Partner progressive (\u00fcberkompensierende), beim anderen Partner regressive Selbstheilungsversuche.<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Dieses progressive und regressive Abwehrverhalten bewirkt zu einem wesentlichen Teil die Anziehung und dyadische Verklammerung der Partner. Jeder hofft, von seinem Grundkonflikt durch den Partner erl\u00f6st zu werden. Beide glauben, in der Abwehr ihrer tiefen \u00c4ngste durch den Partner so weit gesichert zu sein, dass eine Bed\u00fcrfnisbefriedigung in bisher nicht erreichtem Masse zul\u00e4ssig und m\u00f6glich w\u00e4re.<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Im l\u00e4ngeren Zusammenleben scheitert dieser kollusive Selbstheilungsversuch wegen der Wiederkehr des Verdr\u00e4ngten bei beiden Partnern. Die auf den Partner verlegten (delegierten oder externalisierten) Anteile kommen im eigenen Selbst wieder hoch.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Konzept der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Kollusion<\/i> <\/span>ist nicht nur auf die Familien- und Paarsituation beschr\u00e4nkt. Auch in gr\u00f6sseren sozialen Verb\u00e4nden und Gruppen sind \u00e4hnliche Strategien anzutreffen.<\/p>\n<h2 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Literatur<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Willi, J\u00fcrg. (2010). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Die Zweierbeziehung. Spannungsursachen, St\u00f6rungsmuster, Kl\u00e4rungsprozesse, L\u00f6sungsmodelle<\/i><\/span> (20. Aufl.). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<h3><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">\u00d6kologisch-systemische Therapie<\/span><\/h3>\n<p>In der systemischen Therapie wird die Person stets als Teil eines sozialen Bezugsystems gesehen. Psychische St\u00f6rungen und persistierende Konflikte werden als Hinweise auf notwendige Ver\u00e4nderungen von Bewertungs- und Interaktionsmustern verstanden. Die Therapie zielt darauf ab, Sichtweisen und Verhaltensm\u00f6glichkeiten anzuregen und zu best\u00e4rken, welche psychische Gesundheit und konstruktive Konfliktbew\u00e4ltigung beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<p>Der systemische Therapieansatz des Instituts f\u00fcr \u00d6kologisch-systemische Therapie legt den Schwerpunkt auf das Wirken der Person und dessen Beantwortung. Gem\u00e4ss \u00f6kologisch-systemischem Verst\u00e4ndnis treten psychische Probleme und ernsthafte Beziehungsst\u00f6rungen dann auf, wenn es der Person nicht mehr ausreichend gelingt, mit ihrem Wirken die erhoffte Beantwortung durch die Umwelt zu erzielen. Die Therapie soll pers\u00f6nliche Entwicklungen anregen und unterst\u00fctzen, welche die Wahrscheinlichkeit der angestrebten Beantwortung erh\u00f6hen. Die therapeutische Arbeit kann im Einzel-, Paar-\u00a0 oder Familiensetting erfolgen.<\/p>\n<p>Quelle: <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"https:\/\/psychotherapieausbildung.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/psychotherapieausbildung.ch\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Kapitel werden wichtige systemische Konzepte vorgestellt, die nicht direkt in der Arbeit mit Familien entstanden sind, n\u00e4mlich die Pragmatik menschlicher Kommunikation, die pragmatischen Paradoxien und das Konzept der Kollusion. Die systemische Betrachtungsweise konzentriert sich vor allem auf die Ebene der Kommunikation und achtet dabei besonders auf die \u00abgest\u00f6rte\u00bb Kommunikation. 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