{"id":342,"date":"2020-02-26T14:59:24","date_gmt":"2020-02-26T13:59:24","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=342"},"modified":"2024-10-16T09:24:30","modified_gmt":"2024-10-16T07:24:30","slug":"systemtheorie-und-therapie","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/systemtheorie-und-therapie\/","title":{"raw":"Systemtheorie und -therapie","rendered":"Systemtheorie und -therapie"},"content":{"raw":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Neben zahlreichen Ph\u00e4nomenen in den Naturwissenschaften lassen sich auch in den Human- und Sozialwissenschaften viele Vorg\u00e4nge als <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">selbstorganisierte Dynamiken<\/span>verstehen<\/i>. So bewegt sich eine Paar-, Gruppen- oder Familiendynamik zwar normalerweise im Rahmen juristischer und sozialer Regeln und Normen, wird aber ebenso durch genetische und somatische Gegebenheiten mitbestimmt. Diese stellen eher die Umgebungsbedingungen dar: Denn das, was eine spezifische Gruppen- oder Familiendynamik ausmacht und von anderen unterscheidet, spielt sich im Laufe der Zeit als Regel zwischen diesen Menschen ein und organisiert sich selbst (Kriz, 2007).<\/p>\r\n\r\n<div>\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\n[caption id=\"attachment_733\" align=\"alignright\" width=\"310\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-124.png\"><img class=\"wp-image-733 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-124.png\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"200\" \/><\/a> (c) www.asys.ac.at\/[\/caption]\r\n\r\nIm Beispiel stabilisieren sich die beiden Verhaltensweisen A) (Frau n\u00f6rgelt) und B) (Mann schmollt und geht in die Kneipe) im Rahmen dieses vereinfachten Systems gegenseitig \u00fcber die Zeit. Die beiden Personen haben diese Verhaltensweisen nicht einfach in die Beziehung eingebracht, sondern die Dynamik hin zu diesem Muster hat sich in kleinen Schritten entwickelt, verst\u00e4rkt und stabilisiert (Kriz, 2007).\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Therapieformen auf dem Hintergrund von systemischem Denken entstanden seit den 1940er Jahren durch den Einbezug der Familienmitglieder in die herk\u00f6mmlichen Therapien, woraus sich dann die explizit so genannte <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familientherapie<\/i><\/span> in verschiedenen Formen entwicklte. Erst im Laufe der Zeit erfolgte eine theoretische Fundierung der Hintergr\u00fcnde und wurden Bez\u00fcge zur interdisziplin\u00e4ren Systemtheorie hergestellt. Die daraus entstandene <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>systemische Therapie<\/i><\/span> arbeitet heute nicht mehr prim\u00e4r mit physisch in einem Raum anwesenden Familienmitgliedern, sondern der Begriff <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>System<\/i> <\/span>ist wesentlich flexibler. System meint in diesem Kontext ein Beziehungsgeflecht aus \u00c4usserungen, Handlungen, Interpretationen, also innerpsychischen und \u00e4usseren kommunikativen Vorg\u00e4ngen, die sich gegenseitig beeinflussen und dabei bestimmte Regeln und Strukturen ausbilden (Kriz, 2014).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden Videoausschnitt \u00e4ussert sich Gunther Schmidt zum <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>systemischen Denken<\/i> und Handeln<\/span> auf die Frage: <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Was ist unter systemisch zu verstehen?<\/i><\/span><\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gunther Schmidt<\/i><\/span> ist ein deutscher Arzt mit den Arbeitsschwerpunkten Psychosomatik und Psychotherapie. Er gilt als einer der Pioniere der Verbindung von Systemtherapie und Hypnotherapie nach Milton Erickson zu einem ganzheitlichen Konzept (hypnosystemisches Integrationsmodell).<\/p>\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/50_SchmidtBuesser.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/50_SchmidtBuesser.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\nIm folgenden Videoausschnitt beschreibt Gunther Schmidt die Basisannahmen und Pr\u00e4missen des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">systemischen Denkens.<\/span>\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/50a_Schmidt2.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/50a_Schmidt2.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Kennzeichen systemischer Handlungsmodelle<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Was unterscheidet die systemischen Handlungsmodelle von den bisher betrachteten psychodynamischen, lerntheoretischen, kognitivistischen und humanistischen Modellen? Kriz (2014, S. 250) fasst die besonderen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Merkmale des systemischen Ansatzes <\/i><\/span>mit den folgenden Worten zusammen (in Bezug nicht nur zur Psychotherapie, sondern in Bezug auf Handlungsmodelle in allen sozialen Bereichen):<img class=\"size-full wp-image-735 alignright\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-125.png\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"263\" \/><\/p>\r\n\r\n<ul>\r\n \t<li>Zentrale Ber\u00fccksichtigung des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialen Umfeldes<\/i><\/span> und der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Interaktionsstrukturen<\/i> <\/span>sowie der gemeinsamen Deutungen und Verstehensweisen \u00abder Welt\u00bb.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Zentrale Ber\u00fccksichtigung des Aspekts, dass ein bedeutsamer Anteil von Realit\u00e4t \u2014 insbesondere sozialer Realit\u00e4t, die mit Problemen verbunden ist \u2014 von den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Deutungen und Narrationen \u00fcber die Wirklichkeit<\/i><\/span> abh\u00e4ngt (und nicht nur von \u00abobjektiven\u00bb Fakten).<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Weniger erforschende, diagnostische oder spekulative Besch\u00e4ftigung mit der Entdeckung von m\u00f6glichen Ursachen der Probleme, sondern Konzentration auf die Frage, was die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Probleme <i>aufrechterh\u00e4lt<\/i><\/span>, welche L\u00f6sungen m\u00f6glich sind und wie diese erreicht werden k\u00f6nnen.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">F\u00fcr Systemiker ist weniger das Verstehen der Inhalte und Ursachen der Probleme wesentlich; sie fokussieren ihre Arbeit vielmehr auf die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Prozesse der Ver\u00e4nderung<\/i><\/span>.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die theoretische und praktische Bezugnahme auf Prinzipien der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Selbstorganisation<\/i><\/span>: Neue L\u00f6sungen und die Ver\u00e4nderung dazu m\u00fcssen nicht von aussen gefunden oder vorgegeben werden, sie m\u00fcssen auch keinem Programm folgen oder trainiert werden, sondern sie k\u00f6nnen weitgehend selbst gefunden werden (oder sind schon vorhanden und wurden nur nicht genutzt), sofern die Rahmenbedingungen f\u00fcr diese Ver\u00e4nderungsprozesse bereitgestellt werden (Dies ist auch ein Aspekt des humanistischen Ansatzes, dort sind allerdings die Rahmenbedingungen auf Aspekte von Verstehen, Einf\u00fchlen und Erleben problematischer Zusammenh\u00e4nge \u2014 zudem ganz \u00fcberwiegend bei Einzelnen \u2014 beschr\u00e4nkt).<span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">\u00a0<\/span><\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Leitlinien systemischer Arbeit<\/h2>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der systemische Ansatz (in der Therapie) kann anhand der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Leitlinien<\/i> <i>systemischer Arbeit<\/i><\/span> vertieft werden, wie sie Kriz (2014, S. 249) in Anlehnung an von Schlippe (2003) formuliert.<\/div>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\r\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Ein Problem ist ein <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Prozessgeschehen<\/i><\/span>.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Wirklichkeit ist das Ergebnis <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialer Konstruktion<\/i><\/span>.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Wirklichkeitsbeschreibung muss <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>dekonstruiert<\/i> <\/span>werden.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erwartungserwartungen<\/i> <\/span>spielen eine wichtige Rolle.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Vorhandene <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ressourcen<\/i> <\/span>nutzen.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Auf <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Autonomie<\/i> <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Eigendynamik<\/i> <\/span>(des Systems) achten.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Kooperationsbeziehung<\/i> <\/span>zu allen Beteiligten aufbauen.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wertsch\u00e4tzende Beschreibungen<\/i><\/span> finden.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Geschichte systemtherapeutischer Ans\u00e4tze<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In den 1970er und 1980er Jahren wurde als wesentliches Kennzeichen des systemischen Ansatzes in der Psychotherapie oft die Verschiebung des Fokus vom Individuum weg auf die Familie verstanden (Kriz, 2014). Statt \u00abinnere Konflikte\u00bb dem Individuum zuzuschreiben, wurden sie nun als Funktionstr\u00e4ger in sozialen Interaktionsprozessen gesehen. Im Laufe der Entwicklung der systemischen Ans\u00e4tze wurde aber der Einbezug der Famile als spezielles Merkmal dieser Ans\u00e4tze zunehmend unbedeutend, weil gleichzeitig auch psychodynamische, verhaltenstherapeutische und humanistische Ans\u00e4tze Therapieformen f\u00fcr Paare, Familien und Gruppen entwickelten (Kriz, 2014).<\/p>\r\n<img class=\"size-full wp-image-736 alignright\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-126.png\" alt=\"\" width=\"291\" height=\"122\" \/>Zur Zeit der Anf\u00e4nge der systemischen Therapie wurden die (famili\u00e4ren)Interaktionsstrukturen als so wichtig angesehen, dass die inneren Strukturen und Prozesse des einzelnen Menschen vernachl\u00e4ssigt und teilweise sogar als irrelevant bezeichnet wurden. Kriz (2014) bezeichnet dieses Ph\u00e4nomen als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialsystemischen Reduktionismus<\/i><\/span>. Auch andere Eigendynamiken wurden dabei \u00fcbersehen, so z. B. biochemische Reaktionen des K\u00f6rpers, die ebenso zur Interaktion im System beitragen. Als Gegenbewegung zu dieser Entwicklung begann schon fr\u00fch die Entwicklung der personzentrierten Systemtheorie (Kriz, 2014, siehe auch das Kapitel <a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/neuere-entwicklungen#personzentrierte-systemtheorie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Neuere Entwicklungen &gt; personzentrierte Systemtheorie<\/a>).\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Das System Familie<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das System <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familie<\/i> <\/span>ist nicht das einzige System, in das Individuen eingebunden sind und das f\u00fcr interaktive und kommunikative Pozesse relevant ist. Es sind dies ebenso Bezugsgruppen aller Art, Vereine, der Arbeitsplatz, die weitere Verwandtschaft etc. Die Familie ist in diesem Sinne nur eines der m\u00f6glichen Systeme. Ebenso wird das System Familie in der systemischen Auffassung nicht durch die in der Therapiesituation faktisch anwesenden Familienmitglieder bestimmt, sondern durch Interaktionsdynamiken und Erwartungs-Erwartungen, die auch abwesende oder verstorbene Familien- oder Gruppenmitglieder betreffen k\u00f6nnen. Kriz spricht von der \u00abFamilie im Kopf\u00bb (2014, S. 257). Man spricht deshalb heute eher von \u00absystemischer Therapie\u00bb statt von \u00abFamilientherapie\u00bb.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Begriff des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Systems Familie<\/i><\/span> kann auch ein ontologisches Missverst\u00e4ndnis hervorrufen: Das System Familie, oder im vorliegenden Kontext jede Systemhierarchie, ist nicht eine Anordnung objektiv vorhandener Personen, Gegenst\u00e4nde oder Objekte, sondern es handelt sich dabei immer um \u00abkognitive Sch\u00f6pfungen von Erkenntnissubjekten\u00bb (Kriz, 2014), die subjektiv und abh\u00e4ngig von den Erkenntnis- und Erkl\u00e4rungsinteressen des einzelnen Individuums sind.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"ilc_page_cont_PageContainer\">\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><a id=\"fruehe-systemtherapeutische-konzepte\"><\/a>Fr\u00fche systemtherapeutische Konzepte<\/h2>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In der klinischen Forschung gab es schon fr\u00fch Theorien, die den Einbezug des famili\u00e4ren und sozialen Kontextes f\u00fcr die Erkl\u00e4rung der Schizophrenie postulierten. Das Konzept der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>schizophrenogenen Mutter<\/i><\/span> stellte St\u00f6rungen beim Kind in Bezug zu pathogenen Z\u00fcgen der Mutter. Die familientherapeutische Arbeit mit Familien mit Schizophrenen sprach von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>pathogenen Familienmustern<\/i><\/span>, und die Forschergruppe um Gregory Bateson erkl\u00e4rte die Schizophrenie im Rahmen der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Double-Bind-Theorie<\/i>\u00a0<\/span>zu einer Beziehungsst\u00f6rung (Kriz, 2014).<\/div>\r\n<div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Systemische Therapie<\/h2>\r\n[caption id=\"attachment_737\" align=\"alignright\" width=\"288\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-127.png\"><img class=\"wp-image-737 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-127.png\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"208\" \/><\/a> (c) db-thueringen.de\/[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>systemische Therapie<\/i><\/span> wird eine psychotherapeutische Fachrichtung beschrieben, die die oben beschriebenen systemischen Zusammenh\u00e4nge und die Interaktion und Kommunikation der Individuen in ihrem sozialen Kontext als Grundlage f\u00fcr die Diagnose und Therapie von psychischen Beschwerden und interpersonellen Konflikten betrachtet. Auf die gleichen Grundannahmen beziehen sich die systemische Sozialarbeit, die systemische Organisationsberatung und das systemische Coaching.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Begriff <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familientherapie<\/i> <\/span>ist ein Sammelbegriff und bezeichnet verschiedene einander \u00e4hnliche Therapieformen, deren Grundkonzepte und praktisches therapeutisches Vorgehen sich im Laufe der Zeit angen\u00e4hert und vermischt haben, und die heute generell als systemische Therapie bezeichnet werden.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\r\n\r\nIm folgenden Abschnitt werden zuerst einige richtungs\u00fcbergreifende <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Interventionskonzepte<\/i> <\/span>der verschiedenen \u00abklassischen\u00bb Ans\u00e4tze der Familientherapie vorgestellt; anschliessend werden vier dieser klassischen Ans\u00e4tze in K\u00fcrze vorgestellt, n\u00e4mlich\r\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">die psychoanalytisch orientierte Familientherapie,<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">die strukturelle Familientherapie,<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">die erfahrungszentrierte Familientherapie und<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">die strategische Familientherapie.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Richtungs\u00fcbergreifende Interventionskonzepte<\/h3>\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Joining<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Joining bezeichnet das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>therapeutische Arbeitsb\u00fcndnis<\/i><\/span>. Indem der Therapeut mit der Familie zu arbeiten beginnt, entsteht ein neues System. Es ist deshalb wichtig, von Anfang an die Beziehung so zu gestalten, dass ein vertrauensvoller und stabiler Kontakt entsteht. Die gemeinsamen Regeln und die Art der gemeinsamen Kommunikation sollen einvernehmlich festgelegt werden (direkte Kommunikation der Beteiligten), damit sich die Dynamik des therapeutischen Prozesses entfalten kann.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Systemisches Fragen<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Durch systemisches Fragen soll die festgefahrene Gruppen- oder Familendynamik durchbrochen werden. Die rigiden Konstruktionen und einengenden Narrationen sollen in der Therapie verfl\u00fcssigt werden, um f\u00fcr die Beteiligten den Verst\u00e4ndnis- und Handlungsraum zu erweitern. Damit soll die Kompetenz zur Erh\u00f6hung der positiven und zur Reduzierung der unerw\u00fcnschten Handlungen gesteigert werden. Das respektlose Hinterfragen dient der Verfl\u00fcssigung der verkrusteten kognitiven und interaktiven Strukturen.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Arbeit an den Grenzen<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Funktion und Struktur von Grenzen werden besonders im strukturellen Ansatz hervorgehoben. Personen oder Personengruppen m\u00fcssen gegen\u00fcber andern abgegrenzt werden, z. B. die Eltern gegen\u00fcber den Kindern. Der Therapeut muss sorgf\u00e4ltig intervenieren; er muss sich entscheiden, ob er Koalitionen und Subsysteme st\u00e4rkt oder schw\u00e4cht.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Reframing<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Reframing bedeutet Umdeutung von festgefahrenen Familienstrukturen: Probleme und Erwartungen werden in einen ver\u00e4nderten Verstehens- und Interpretationsrahmen gestellt. Die Sichtweise der Probleme und damit die Bedeutung der Symptome wird neu definiert; das pathogene Familienspiel soll durchbrochen werden. Dazu dienen Techniken wie die positive oder wertsch\u00e4tzende Konnotation, paradoxe Interventionen und Symptomverschreibungen (diese werden teilweise auch in der NLP angewendet (neurolinguistisches Programmieren)).<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_738\" align=\"alignright\" width=\"176\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-128.png\"><img class=\"wp-image-738 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-128.png\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"266\" \/><\/a> (c) www.einreden.de\/[\/caption]\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Familienanamnese und Genogramm<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Mit der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familienanamnese<\/i> <\/span>kann man gut mit allen Familienmitgliedern auf neutrale Weise in Kontakt kommen. Die Beteiligung aller und die Konzentration auf \u00abobjektive\u00bb Informationssammlung vermindert Angst, besonders f\u00fcr den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>identifizierten Patienten<\/i><\/span> (die Person, die als Problem angesehen wird). Es werden dabei Familiendaten gesammelt, Geburtsdaten, Personen und Generationen, wichtige Familienereignisse etc. Als\u00a0<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Genogramm<\/i> <\/span>wird die Darstellung der Familienanamnese in grafischer Form bezeichnet.<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Familienskulptur und Metaphern<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familienskulptur<\/i> <\/span>ist ein pantomimisches Spiel zur Darstellung von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">famili\u00e4ren Beziehungen und <i>Haltungen<\/i><\/span>. Eine Person ist Bildhauer, die andern sind die Darsteller.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Bedeutungen und Strukturen werden k\u00f6rperlich dargestellt und k\u00f6nnen sinnlich erfahren werden. Dadurch kann der oft reduzierende Einfluss der Sprache umgangen werden.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\u00c4hnlich ist die Wirkung von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Metaphern<\/i><\/span>. Weil die Sprache im metaphorischen Kontext der \u00fcblichen Alltagskategorisierung und Verdinglichung durch ihren Symbolcharakter enthoben ist, erm\u00f6glicht sie neue Perspektiven des Verstehens und Erlebens. Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familienaufstellung<\/i><\/span> ist eine Variante dieser Vorgehensweise (u.a. Hellinger, 1994). Familien- und Problemstrukturen werden von einem Protagonisten aufgestellt, und die Aufgestellten werden gebeten, ihre Wahrenehmungen und Empfindungen mitzuteilen. Das Verfahren wird kontrovers dikutiert und ist durch die Person Hellingers in Verruf geraten. Ihm werden \u00abautorit\u00e4re bis faschistoide Verhaltensweisen, guruhaftes Gebaren und wenig Offenheit f\u00fcr kritische und wissenschaftliche \u00dcberpr\u00fcfung seiner kurzfristigen Erfolge\u00bb vorgeworfen (Kriz, 2014, S. 264).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Familientherapien<\/h3>\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Psychoanalytisch orientierte Familientherapie<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Viele Familentherapeuten waren urspr\u00fcnglich Psychoanalytiker. Der Fokus liegt bei dieser Richtung auf den\u00a0 Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern (Objektbeziehungen); die Interaktionen werden als Manifestation der fr\u00fchen Eltern-Kind-Beziehung gedeutet. Oft wird eine Person als kompensatorisches Ersatzobjekt eingesetzt und nimmt dann die entsprechende Rolle ein. Pioniere der psychoanalytisch orientierten Familientherapie waren (in Deutschland) Horst-Eberhard Richter und Helm Stierlin <i>(<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Dynamische Familientherapie<\/span>)<\/i>.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Kennzeichen der therapeutischen Intervention in der dynamischen (psychoanalytisch orientierten) Familientherapie sind (nach Kriz, 2014):<\/p>\r\n\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Allparteilichkeit<\/i><\/span>: Das Bem\u00fchen und die F\u00e4higkeit des Therapeuten, sich aktiv in die Position eines jeden Familienmitgliedes einzuf\u00fchlen.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Aktivit\u00e4t<\/i><\/span>: H\u00e4ufiges Eingreifen des Therapeuten ist sinnvoll, weil sonst leicht die Abwehrman\u00f6ver und die pathogenen Prozesse des Systems verst\u00e4rkt werden.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Betonung des Positiven<\/span>:<\/i> Statt pathologisch-dysfunktionaler Aspekte soll die Funktionalit\u00e4t der Symptome und deren Beitrag f\u00fcr die Familie betont werden.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Mobilisierung der Ressourcen<\/span>:<\/i> Ressourcen wie Einsatzbereitschaft und Opferbereitschaft sind wichtig und erm\u00f6glichen oft Ver\u00e4nderungen in kurzer Zeit.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Strukturelle Familientherapie<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die strukturelle Familientherapie geht auf ihren Begr\u00fcnder <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Salvador Minuchin<\/span> zur\u00fcck und betont die normativen Vorstellungen dar\u00fcber, wie eine gut funktionierende Familie beschaffen sein sollte. Wichtig sind klare Grenzen zwischen den Subsystemen, z. B. zwischen dem ehelichen, dem elterlichen und dem geschwisterlichen Subsystem. Die Grenzen sollten weder ganz starr noch allzu diffus sein. Der Therapeut hat die Aufgabe, die pathogenen oder dysfunktionalen Strukturen aufzudecken, die das Problem verursachen. Mit der strukturellen Intervention betont Minuchin drei Hauptstrategien der strukturellen Familientherapie (nach Kriz, 2014):<\/p>\r\n\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Herausforderung des Symptoms<\/i><\/span>: Die Problemsicht der Familie und die Art, darauf zu reagieren, muss neu definiert werden. Der Therapeut versucht durch seine Interventionen, die Familie herauszufordern und f\u00fcr den Prozess der Umdefinition zu gewinnen.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Herausforderung der Familienstruktur<\/span>:<\/i> Der Therapeut bildet Hypothesen \u00fcber die dysfunktionalen Strukturen und Prozesse in der Familie. Ziel ist es, das Gleichgewicht der Familie so zu ersch\u00fcttern, dass der Phasen\u00fcbergang zu einem neuen Regelsystem notwendig wird.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Herausforderung der Familienrealit\u00e4t<\/i><\/span>: Die Symptome zeigen, dass die Familie mit der Realit\u00e4t nicht mehr fertig wird. Die Ver\u00e4nderung der dysfunktionalen Strukturen ver\u00e4ndert auch die Realit\u00e4tserfahrung, und umgekehrt. Durch Interventionstechniken wie <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Reframing <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">paradoxe Intervention<\/span> sollen die Familienmitglieder sich selbst und die andern neu erfahren. Dadurch werden neue Handlungsm\u00f6glichkeiten und eine neue Realit\u00e4tssicht erm\u00f6glicht.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Erfahrungszentrierte Familientherapie<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die erfahrungszentrierte Familientherapie befindet sich in der N\u00e4he zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>humanistischen Psychologie<\/i><\/span>, mit Themen wie Autonomie, Wachstum, Begegnung, Ganzheit, Erfahrung. Oft stehen delegierte Aufgaben oder \u00dcberlebensmythen einer Familie der Umsetzung dieser Themen und Ziele im Wege. Nach <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Virginia Satir<\/i><\/span> h\u00e4ngt das Selbstwertgef\u00fchl eng mit den Kommunikationsstrukturen in der Familie zusammen. Sie unterscheidet vier Kommunikationsmuster, die einer Minderung des Selbstwertgef\u00fchls vorbeugen sollen, und die durch bestimmte K\u00f6rperhaltungen, Gestik und Mimik ausgedr\u00fcckt werden: <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Beschwichtigen<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Anklagen<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Rationalisieren <\/span><\/i>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ablenken<\/i><\/span>.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im erfahrungsorientierten Ansatz stehen entsprechend dem humanistischen Ansatz nicht therapeutische Techniken im Vordergrund, sondern die Haltung des Therapeuten mit Fokus auf Begegnung und Wertsch\u00e4tzung. Trotzdem gibt es gewisse Handlungsprinzipien: die erstarrten Kommunikationsstrukturen verfl\u00fcssigen, das Problem umdefinieren und die Interaktionsprozesse f\u00f6rdern (nach Kriz, 2014).<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Strategische Familientherapie<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die strategische Familientherapie verbindet sich mit dem Namen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gregory Bateson<\/i><\/span>; in Europa besonders mit dem Namen <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Mara Selvini Palazzoli<\/span> <\/i>(Mail\u00e4nder Modell oder Mail\u00e4nder Gruppe). In den Anf\u00e4ngen der strategischen Familientherapie war die Individualit\u00e4t eines Familienmitglieds weitgehend irrelevant. Der Fokus lag vielmehr auf der Erfassung des \u00abFamilienspiels\u00bb und der aktiven \u00abVerst\u00f6rung\u00bb jener Kommunikationsstrukturen, welche die Symptome stabilisieren (Kriz, 2014). Folgende Begriffe sind im Rahmen der strategischen Familientherapie wichtig:<\/p>\r\n\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familienspiel<\/i><\/span>: Das Objekt der Interventionen ist weder das Individuum noch die Familie, sondern das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Familienspiel<\/span>. Die Familie reguliert sich in Form von regelhaften und eingespielten Transaktionen, die auch die Symptome widerspiegeln.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Paradoxe Kommunikation<\/span>:<\/i> Schizophrene Familien funktionieren gem\u00e4ss Mail\u00e4nder Modell nach der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">double-bind-Theorie<\/span> (Bateson). Kern dieser Theorie ist ein Paradoxon (eine paradoxe Aufforderung) aufgrund von inkongruenter Kommunikation auf der Inhalts- und Beziehungsebene, dem man sich nicht durch Metakommunikation oder offene Flucht entziehen kann (Kriz, 2014, siehe Vertiefungsbeispiel).<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Symptomverschreibungen<\/i><\/span>: diese beruhen auf dem Konzept des \u00abGegenparadoxons\u00bb: die Logik des paradoxen Spiels soll ausser Kraft gesetzt werden, indem das symptomatische Verhalten der Familienmitglieder als positiv f\u00fcr die dynamische Stabilit\u00e4t des Familiensystems definiert und empfohlen wird. Darauf bleibt der Familie nichts Anderes \u00fcbrig, als das Verhalten zu \u00e4ndern; oder sie \u00fcbernimmt die Verantwortung f\u00fcr die Interpretation.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die drei Grundkonzepte der Mail\u00e4nder Schule:\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Hypothetisieren<\/i> <\/span>macht die Interventionen zu einer experimentellen Situation: die Hypothesen werden gepr\u00fcft.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Zirkularit\u00e4t<\/i> <\/span>bezeichnet die F\u00e4higkeit des Therapeuten, sich auf das Feedback der Gruppe einzulassen (Technik des<i> <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>zirkul\u00e4ren Fragens,<\/i> <\/span>siehe folgender Abschnitt).<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Neutralit\u00e4t<\/i><\/span>: Die Therapeuten sollen so unbeteiligt und k\u00fchl wie m\u00f6glich mitspielen, um nicht in das Paradoxon der Familie verstrickt zu werden.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als typische Interventionstechniken sollen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">paradoxe Interventionen<\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Symptomverschreibungen<\/i> <\/span>das bisherige Spiel unterbrechen und ver\u00e4ndern. Dabei ist eine genaue Einsicht des Therapeuten in das Spiel keine notwendige Voraussetzung f\u00fcr den Erfolg (siehe auch Kapitel\u00a0<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/kommunikation-paradoxie-kollusion#pragmatische-paradoxien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kommunikation, Paradoxie, Kollusion &gt; Pragmatische Paradoxien<\/a>).<\/p>\r\n\r\n<details open=\"open\"><summary>Exkurs: Zirkul\u00e4res Fragen<\/summary>\r\n\r\n[caption id=\"attachment_739\" align=\"alignright\" width=\"399\"]<img class=\"wp-image-739 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-129.png\" alt=\"\" width=\"399\" height=\"296\" \/> (c) katzenblog.net\/[\/caption]\r\n\r\nDie Methode des <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>zirkul\u00e4ren Fragen<\/b>s<\/span> wurde in der systemtherapeutischen Praxis entwickelt und und dient dazu, zirkul\u00e4re Prozesse in Beziehungssystemen aufzudecken und starre Kommunikations- und Interaktionsmuster durch unterschiedliche Beobachterpositionen und Perspektivenwechsel zu verfl\u00fcssigen.\r\n\r\nUrspr\u00fcnglich hat man unter zirkul\u00e4rem Fragen einen bestimmten Fragetypus verstanden, bei dem eine Person entweder \u00fcber eine oder mehrere Drittpersonen Auskunft gibt.\r\n\r\nDer Fragende (der Therapeut oder \u00fcbertragen auf Lehr- und Lernprozesse z.B. der Lehrende) er\u00f6ffnet den Beteiligten durch seine triadische Frageweise M\u00f6glichkeiten, sich in andere Positionen hinein zu versetzen und sich dabei auf einen Perspektivenwechsel innerhalb des Systems einzulassen. Die triadische Frageweise provoziert ein \u00abMutmassen im Beisein der Anderen\u00bb, denn die Beteiligten werden angeregt, ihre Vermutungen \u00fcber W\u00fcnsche, Bed\u00fcrfnisse, Meinungen, Beziehungen usw. anderer Beteiligter zu \u00e4ussern. Im wechselseitigen Bezug auf einander werden neue Denkprozesse eingeleitet, und Ver\u00e4nderungen werden m\u00f6glich.\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Das Zirkul\u00e4re Fragen ist Bestandteil der systemischen Sichtweise. Die Methode des Zirkul\u00e4ren Fragens geht dabei haupts\u00e4chlich auf die sogenannte \u00abMail\u00e4nder Schule\u00bb zur\u00fcck. Im Jahre 1967 fand sich in Italien eine Arbeitsgemeinschaft aus acht Psychologen und Psychoanalytikern zusammen. Sie bildeten das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Centro per lo Studio della Famiglia e delle tecniche di Gruppo<\/i><\/span>, eine Einrichtung, die sich zun\u00e4chst auf die Behandlung von Paaren und Familien auf psychoanalytischer Basis spezialisierte. Zu dieser Gruppe geh\u00f6rten u. a. Mara Selvini Palazzoli, Luigi Boscolo, Gianfranco Cecchin und Giuliana Prata. Ziel der Gruppe war es, in Zukunft verst\u00e4rkt mit einem mehr kommunikationstheoretischen Ansatz zu arbeiten, statt bei den tradierten Positionen der Psychoanalyse zu verbleiben. Inspiriert u. a. von Batesons Kybernetik und Watzlawicks Kommunikationstheorie entwickelten sie die Methode des Zirkul\u00e4ren Fragens f\u00fcr ihre Arbeit mit Familien.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Als eine der wichtigsten Publikationen ihrer Zeit ver\u00f6ffentlichten sie \u00abParadoxon und Gegenparadoxon\u00bb, sowie den Artikel \u00abHypothetisieren \u2013 Zirkularit\u00e4t \u2013 Neutralit\u00e4t\u00bb. Auch heute noch geh\u00f6rt letzterer zu den bedeutendsten Grundlagen der Systemtheorie.<\/p>\r\n\r\n<ul>\r\n \t<li>Palazzoli, M.S. u.a.: <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Paradoxon und Gegenparadoxon<\/i>. <\/span>11.Auflage Stuttgart (Klett-Cotta) 2003<\/li>\r\n \t<li>Selvini Palazzoli, Mara; Boscolo, Luigi; Cecchin, Gianfranco &amp; Prata, Giuliana (1981): Hypothetisieren - Zirkularit\u00e4t \u2013 Neutralit\u00e4t. In: <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familiendynamik<\/i>, 6<\/span>: 123-139<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">(Quelle: http:\/\/<a href=\"http:\/\/www.uni-koeln.de\/hf\/konstrukt\/didaktik\/zirkulaer\/zirkulaer_quellen.html\">www.uni-koeln.de\/hf\/konstrukt\/didaktik\/zirkulaer\/zirkulaer_quellen.html<\/a>)<\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/details><details><summary>Exkurs: Beispiel Hundeangst<\/summary>\r\n<h4>Beispiel: Paradoxe Intervention bei Hundeangst<\/h4>\r\n[caption id=\"attachment_740\" align=\"alignright\" width=\"277\"]<img class=\"wp-image-740 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-130.png\" alt=\"\" width=\"277\" height=\"149\" \/> (c) apotheken-umschau.de\/[\/caption]\r\n\r\nIn einem ausf\u00fchrlich dokumentierten Fall (Haley, 1977) wird eine besonders raffinierte Form paradoxer Intervention gew\u00e4hlt: Der Patient ist ein achtj\u00e4hriger Junge mit einer so starken Hundeangst, dass er das Haus kaum verl\u00e4sst und kopflos in den Strassenverkehr rennt, wenn er einem Hund begegnet. Nach einigen Therapiesitzungen (in der z. B. ein verdeckter Konflikt der Eltern deutlich wird), ist der Junge so weit, dass er mit dem Vater zusammen einen kleinen Welpen kaufen kann \u2014 das in der Therapie festgelegte Kriterium f\u00fcr die Auswahl des Hundes ist dabei, dass dieser vor ihm Angst hat. Die Aufgabe des Jungen besteht im weiteren Verlauf nun darin, den Hund von dieser Angst zu \u00abheilen\u00bb, indem er ihm \u00abvorspielt\u00bb, er, der Junge, h\u00e4tte Angst vor dem Hund. Dieses paradoxe Arrangement war wirksam: Nach wenigen Wochen war der Junge seine Hundeangst los (Kriz, 2007, S. 281).\r\n\r\n<\/details>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Links und Literatur<\/h2>\r\n<ul>\r\n \t<li class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Informationen zum <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>systemischen Ansatz<\/b><\/span> auf der Homepage der Systemischen Gesellschaft (DE). <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"http:\/\/systemische-gesellschaft.de\/systemischer-ansatz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/systemische-gesellschaft.de\/systemischer-ansatz\/<\/a><\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Entstehungsgeschichte<\/b> <\/span>der systemischen Therapie und Beratung: Kurzer, informativer und gut verst\u00e4ndlicher Text. <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"http:\/\/www.systemis.ch\/fileadmin\/img\/content\/PDFs\/Entstehungsgeschichte_systemischen_Therapie_und_Beratung_d.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.systemis.ch\/fileadmin\/img\/content\/PDFs\/Entstehungsgeschichte_systemischen_Therapie_und_Beratung_d.pdf<\/a><\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>","rendered":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Neben zahlreichen Ph\u00e4nomenen in den Naturwissenschaften lassen sich auch in den Human- und Sozialwissenschaften viele Vorg\u00e4nge als <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">selbstorganisierte Dynamiken<\/span>verstehen<\/i>. So bewegt sich eine Paar-, Gruppen- oder Familiendynamik zwar normalerweise im Rahmen juristischer und sozialer Regeln und Normen, wird aber ebenso durch genetische und somatische Gegebenheiten mitbestimmt. Diese stellen eher die Umgebungsbedingungen dar: Denn das, was eine spezifische Gruppen- oder Familiendynamik ausmacht und von anderen unterscheidet, spielt sich im Laufe der Zeit als Regel zwischen diesen Menschen ein und organisiert sich selbst (Kriz, 2007).<\/p>\n<div>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<figure id=\"attachment_733\" aria-describedby=\"caption-attachment-733\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-124.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-733 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-124.png\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-124.png 310w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-124-300x194.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-124-65x42.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-124-225x145.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 310px) 100vw, 310px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-733\" class=\"wp-caption-text\">(c) www.asys.ac.at\/<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Beispiel stabilisieren sich die beiden Verhaltensweisen A) (Frau n\u00f6rgelt) und B) (Mann schmollt und geht in die Kneipe) im Rahmen dieses vereinfachten Systems gegenseitig \u00fcber die Zeit. Die beiden Personen haben diese Verhaltensweisen nicht einfach in die Beziehung eingebracht, sondern die Dynamik hin zu diesem Muster hat sich in kleinen Schritten entwickelt, verst\u00e4rkt und stabilisiert (Kriz, 2007).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Therapieformen auf dem Hintergrund von systemischem Denken entstanden seit den 1940er Jahren durch den Einbezug der Familienmitglieder in die herk\u00f6mmlichen Therapien, woraus sich dann die explizit so genannte <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familientherapie<\/i><\/span> in verschiedenen Formen entwicklte. Erst im Laufe der Zeit erfolgte eine theoretische Fundierung der Hintergr\u00fcnde und wurden Bez\u00fcge zur interdisziplin\u00e4ren Systemtheorie hergestellt. Die daraus entstandene <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>systemische Therapie<\/i><\/span> arbeitet heute nicht mehr prim\u00e4r mit physisch in einem Raum anwesenden Familienmitgliedern, sondern der Begriff <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>System<\/i> <\/span>ist wesentlich flexibler. System meint in diesem Kontext ein Beziehungsgeflecht aus \u00c4usserungen, Handlungen, Interpretationen, also innerpsychischen und \u00e4usseren kommunikativen Vorg\u00e4ngen, die sich gegenseitig beeinflussen und dabei bestimmte Regeln und Strukturen ausbilden (Kriz, 2014).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden Videoausschnitt \u00e4ussert sich Gunther Schmidt zum <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>systemischen Denken<\/i> und Handeln<\/span> auf die Frage: <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Was ist unter systemisch zu verstehen?<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gunther Schmidt<\/i><\/span> ist ein deutscher Arzt mit den Arbeitsschwerpunkten Psychosomatik und Psychotherapie. Er gilt als einer der Pioniere der Verbindung von Systemtherapie und Hypnotherapie nach Milton Erickson zu einem ganzheitlichen Konzept (hypnosystemisches Integrationsmodell).<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/50_SchmidtBuesser.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/50_SchmidtBuesser.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p>Im folgenden Videoausschnitt beschreibt Gunther Schmidt die Basisannahmen und Pr\u00e4missen des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">systemischen Denkens.<\/span><\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/50a_Schmidt2.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/50a_Schmidt2.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Kennzeichen systemischer Handlungsmodelle<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Was unterscheidet die systemischen Handlungsmodelle von den bisher betrachteten psychodynamischen, lerntheoretischen, kognitivistischen und humanistischen Modellen? Kriz (2014, S. 250) fasst die besonderen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Merkmale des systemischen Ansatzes <\/i><\/span>mit den folgenden Worten zusammen (in Bezug nicht nur zur Psychotherapie, sondern in Bezug auf Handlungsmodelle in allen sozialen Bereichen):<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-735 alignright\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-125.png\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-125.png 200w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-125-65x85.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<ul>\n<li>Zentrale Ber\u00fccksichtigung des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialen Umfeldes<\/i><\/span> und der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Interaktionsstrukturen<\/i> <\/span>sowie der gemeinsamen Deutungen und Verstehensweisen \u00abder Welt\u00bb.<\/li>\n<\/ul>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Zentrale Ber\u00fccksichtigung des Aspekts, dass ein bedeutsamer Anteil von Realit\u00e4t \u2014 insbesondere sozialer Realit\u00e4t, die mit Problemen verbunden ist \u2014 von den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Deutungen und Narrationen \u00fcber die Wirklichkeit<\/i><\/span> abh\u00e4ngt (und nicht nur von \u00abobjektiven\u00bb Fakten).<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Weniger erforschende, diagnostische oder spekulative Besch\u00e4ftigung mit der Entdeckung von m\u00f6glichen Ursachen der Probleme, sondern Konzentration auf die Frage, was die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Probleme <i>aufrechterh\u00e4lt<\/i><\/span>, welche L\u00f6sungen m\u00f6glich sind und wie diese erreicht werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">F\u00fcr Systemiker ist weniger das Verstehen der Inhalte und Ursachen der Probleme wesentlich; sie fokussieren ihre Arbeit vielmehr auf die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Prozesse der Ver\u00e4nderung<\/i><\/span>.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die theoretische und praktische Bezugnahme auf Prinzipien der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Selbstorganisation<\/i><\/span>: Neue L\u00f6sungen und die Ver\u00e4nderung dazu m\u00fcssen nicht von aussen gefunden oder vorgegeben werden, sie m\u00fcssen auch keinem Programm folgen oder trainiert werden, sondern sie k\u00f6nnen weitgehend selbst gefunden werden (oder sind schon vorhanden und wurden nur nicht genutzt), sofern die Rahmenbedingungen f\u00fcr diese Ver\u00e4nderungsprozesse bereitgestellt werden (Dies ist auch ein Aspekt des humanistischen Ansatzes, dort sind allerdings die Rahmenbedingungen auf Aspekte von Verstehen, Einf\u00fchlen und Erleben problematischer Zusammenh\u00e4nge \u2014 zudem ganz \u00fcberwiegend bei Einzelnen \u2014 beschr\u00e4nkt).<span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">\u00a0<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Leitlinien systemischer Arbeit<\/h2>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der systemische Ansatz (in der Therapie) kann anhand der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Leitlinien<\/i> <i>systemischer Arbeit<\/i><\/span> vertieft werden, wie sie Kriz (2014, S. 249) in Anlehnung an von Schlippe (2003) formuliert.<\/div>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Ein Problem ist ein <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Prozessgeschehen<\/i><\/span>.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Wirklichkeit ist das Ergebnis <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialer Konstruktion<\/i><\/span>.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Wirklichkeitsbeschreibung muss <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>dekonstruiert<\/i> <\/span>werden.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erwartungserwartungen<\/i> <\/span>spielen eine wichtige Rolle.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Vorhandene <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ressourcen<\/i> <\/span>nutzen.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Auf <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Autonomie<\/i> <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Eigendynamik<\/i> <\/span>(des Systems) achten.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Kooperationsbeziehung<\/i> <\/span>zu allen Beteiligten aufbauen.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wertsch\u00e4tzende Beschreibungen<\/i><\/span> finden.<\/li>\n<\/ol>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Geschichte systemtherapeutischer Ans\u00e4tze<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In den 1970er und 1980er Jahren wurde als wesentliches Kennzeichen des systemischen Ansatzes in der Psychotherapie oft die Verschiebung des Fokus vom Individuum weg auf die Familie verstanden (Kriz, 2014). Statt \u00abinnere Konflikte\u00bb dem Individuum zuzuschreiben, wurden sie nun als Funktionstr\u00e4ger in sozialen Interaktionsprozessen gesehen. Im Laufe der Entwicklung der systemischen Ans\u00e4tze wurde aber der Einbezug der Famile als spezielles Merkmal dieser Ans\u00e4tze zunehmend unbedeutend, weil gleichzeitig auch psychodynamische, verhaltenstherapeutische und humanistische Ans\u00e4tze Therapieformen f\u00fcr Paare, Familien und Gruppen entwickelten (Kriz, 2014).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-736 alignright\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-126.png\" alt=\"\" width=\"291\" height=\"122\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-126.png 291w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-126-65x27.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-126-225x94.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 291px) 100vw, 291px\" \/>Zur Zeit der Anf\u00e4nge der systemischen Therapie wurden die (famili\u00e4ren)Interaktionsstrukturen als so wichtig angesehen, dass die inneren Strukturen und Prozesse des einzelnen Menschen vernachl\u00e4ssigt und teilweise sogar als irrelevant bezeichnet wurden. Kriz (2014) bezeichnet dieses Ph\u00e4nomen als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialsystemischen Reduktionismus<\/i><\/span>. Auch andere Eigendynamiken wurden dabei \u00fcbersehen, so z. B. biochemische Reaktionen des K\u00f6rpers, die ebenso zur Interaktion im System beitragen. Als Gegenbewegung zu dieser Entwicklung begann schon fr\u00fch die Entwicklung der personzentrierten Systemtheorie (Kriz, 2014, siehe auch das Kapitel <a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/neuere-entwicklungen#personzentrierte-systemtheorie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Neuere Entwicklungen &gt; personzentrierte Systemtheorie<\/a>).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Das System Familie<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das System <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familie<\/i> <\/span>ist nicht das einzige System, in das Individuen eingebunden sind und das f\u00fcr interaktive und kommunikative Pozesse relevant ist. Es sind dies ebenso Bezugsgruppen aller Art, Vereine, der Arbeitsplatz, die weitere Verwandtschaft etc. Die Familie ist in diesem Sinne nur eines der m\u00f6glichen Systeme. Ebenso wird das System Familie in der systemischen Auffassung nicht durch die in der Therapiesituation faktisch anwesenden Familienmitglieder bestimmt, sondern durch Interaktionsdynamiken und Erwartungs-Erwartungen, die auch abwesende oder verstorbene Familien- oder Gruppenmitglieder betreffen k\u00f6nnen. Kriz spricht von der \u00abFamilie im Kopf\u00bb (2014, S. 257). Man spricht deshalb heute eher von \u00absystemischer Therapie\u00bb statt von \u00abFamilientherapie\u00bb.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Begriff des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Systems Familie<\/i><\/span> kann auch ein ontologisches Missverst\u00e4ndnis hervorrufen: Das System Familie, oder im vorliegenden Kontext jede Systemhierarchie, ist nicht eine Anordnung objektiv vorhandener Personen, Gegenst\u00e4nde oder Objekte, sondern es handelt sich dabei immer um \u00abkognitive Sch\u00f6pfungen von Erkenntnissubjekten\u00bb (Kriz, 2014), die subjektiv und abh\u00e4ngig von den Erkenntnis- und Erkl\u00e4rungsinteressen des einzelnen Individuums sind.<\/p>\n<div class=\"ilc_page_cont_PageContainer\">\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><a id=\"fruehe-systemtherapeutische-konzepte\"><\/a>Fr\u00fche systemtherapeutische Konzepte<\/h2>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In der klinischen Forschung gab es schon fr\u00fch Theorien, die den Einbezug des famili\u00e4ren und sozialen Kontextes f\u00fcr die Erkl\u00e4rung der Schizophrenie postulierten. Das Konzept der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>schizophrenogenen Mutter<\/i><\/span> stellte St\u00f6rungen beim Kind in Bezug zu pathogenen Z\u00fcgen der Mutter. Die familientherapeutische Arbeit mit Familien mit Schizophrenen sprach von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>pathogenen Familienmustern<\/i><\/span>, und die Forschergruppe um Gregory Bateson erkl\u00e4rte die Schizophrenie im Rahmen der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Double-Bind-Theorie<\/i>\u00a0<\/span>zu einer Beziehungsst\u00f6rung (Kriz, 2014).<\/div>\n<div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Systemische Therapie<\/h2>\n<figure id=\"attachment_737\" aria-describedby=\"caption-attachment-737\" style=\"width: 288px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-127.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-737 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-127.png\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-127.png 288w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-127-65x47.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-127-225x163.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-737\" class=\"wp-caption-text\">(c) db-thueringen.de\/<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>systemische Therapie<\/i><\/span> wird eine psychotherapeutische Fachrichtung beschrieben, die die oben beschriebenen systemischen Zusammenh\u00e4nge und die Interaktion und Kommunikation der Individuen in ihrem sozialen Kontext als Grundlage f\u00fcr die Diagnose und Therapie von psychischen Beschwerden und interpersonellen Konflikten betrachtet. Auf die gleichen Grundannahmen beziehen sich die systemische Sozialarbeit, die systemische Organisationsberatung und das systemische Coaching.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Begriff <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familientherapie<\/i> <\/span>ist ein Sammelbegriff und bezeichnet verschiedene einander \u00e4hnliche Therapieformen, deren Grundkonzepte und praktisches therapeutisches Vorgehen sich im Laufe der Zeit angen\u00e4hert und vermischt haben, und die heute generell als systemische Therapie bezeichnet werden.<\/p>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\n<p>Im folgenden Abschnitt werden zuerst einige richtungs\u00fcbergreifende <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Interventionskonzepte<\/i> <\/span>der verschiedenen \u00abklassischen\u00bb Ans\u00e4tze der Familientherapie vorgestellt; anschliessend werden vier dieser klassischen Ans\u00e4tze in K\u00fcrze vorgestellt, n\u00e4mlich<\/p>\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">die psychoanalytisch orientierte Familientherapie,<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">die strukturelle Familientherapie,<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">die erfahrungszentrierte Familientherapie und<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">die strategische Familientherapie.<\/li>\n<\/ol>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Richtungs\u00fcbergreifende Interventionskonzepte<\/h3>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Joining<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Joining bezeichnet das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>therapeutische Arbeitsb\u00fcndnis<\/i><\/span>. Indem der Therapeut mit der Familie zu arbeiten beginnt, entsteht ein neues System. Es ist deshalb wichtig, von Anfang an die Beziehung so zu gestalten, dass ein vertrauensvoller und stabiler Kontakt entsteht. Die gemeinsamen Regeln und die Art der gemeinsamen Kommunikation sollen einvernehmlich festgelegt werden (direkte Kommunikation der Beteiligten), damit sich die Dynamik des therapeutischen Prozesses entfalten kann.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Systemisches Fragen<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Durch systemisches Fragen soll die festgefahrene Gruppen- oder Familendynamik durchbrochen werden. Die rigiden Konstruktionen und einengenden Narrationen sollen in der Therapie verfl\u00fcssigt werden, um f\u00fcr die Beteiligten den Verst\u00e4ndnis- und Handlungsraum zu erweitern. Damit soll die Kompetenz zur Erh\u00f6hung der positiven und zur Reduzierung der unerw\u00fcnschten Handlungen gesteigert werden. Das respektlose Hinterfragen dient der Verfl\u00fcssigung der verkrusteten kognitiven und interaktiven Strukturen.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Arbeit an den Grenzen<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Funktion und Struktur von Grenzen werden besonders im strukturellen Ansatz hervorgehoben. Personen oder Personengruppen m\u00fcssen gegen\u00fcber andern abgegrenzt werden, z. B. die Eltern gegen\u00fcber den Kindern. Der Therapeut muss sorgf\u00e4ltig intervenieren; er muss sich entscheiden, ob er Koalitionen und Subsysteme st\u00e4rkt oder schw\u00e4cht.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Reframing<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Reframing bedeutet Umdeutung von festgefahrenen Familienstrukturen: Probleme und Erwartungen werden in einen ver\u00e4nderten Verstehens- und Interpretationsrahmen gestellt. Die Sichtweise der Probleme und damit die Bedeutung der Symptome wird neu definiert; das pathogene Familienspiel soll durchbrochen werden. Dazu dienen Techniken wie die positive oder wertsch\u00e4tzende Konnotation, paradoxe Interventionen und Symptomverschreibungen (diese werden teilweise auch in der NLP angewendet (neurolinguistisches Programmieren)).<\/p>\n<figure id=\"attachment_738\" aria-describedby=\"caption-attachment-738\" style=\"width: 176px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-128.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-738 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-128.png\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"266\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-128.png 176w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-128-65x98.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-738\" class=\"wp-caption-text\">(c) www.einreden.de\/<\/figcaption><\/figure>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Familienanamnese und Genogramm<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Mit der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familienanamnese<\/i> <\/span>kann man gut mit allen Familienmitgliedern auf neutrale Weise in Kontakt kommen. Die Beteiligung aller und die Konzentration auf \u00abobjektive\u00bb Informationssammlung vermindert Angst, besonders f\u00fcr den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>identifizierten Patienten<\/i><\/span> (die Person, die als Problem angesehen wird). Es werden dabei Familiendaten gesammelt, Geburtsdaten, Personen und Generationen, wichtige Familienereignisse etc. Als\u00a0<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Genogramm<\/i> <\/span>wird die Darstellung der Familienanamnese in grafischer Form bezeichnet.<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Familienskulptur und Metaphern<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familienskulptur<\/i> <\/span>ist ein pantomimisches Spiel zur Darstellung von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">famili\u00e4ren Beziehungen und <i>Haltungen<\/i><\/span>. Eine Person ist Bildhauer, die andern sind die Darsteller.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Bedeutungen und Strukturen werden k\u00f6rperlich dargestellt und k\u00f6nnen sinnlich erfahren werden. Dadurch kann der oft reduzierende Einfluss der Sprache umgangen werden.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\u00c4hnlich ist die Wirkung von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Metaphern<\/i><\/span>. Weil die Sprache im metaphorischen Kontext der \u00fcblichen Alltagskategorisierung und Verdinglichung durch ihren Symbolcharakter enthoben ist, erm\u00f6glicht sie neue Perspektiven des Verstehens und Erlebens. Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familienaufstellung<\/i><\/span> ist eine Variante dieser Vorgehensweise (u.a. Hellinger, 1994). Familien- und Problemstrukturen werden von einem Protagonisten aufgestellt, und die Aufgestellten werden gebeten, ihre Wahrenehmungen und Empfindungen mitzuteilen. Das Verfahren wird kontrovers dikutiert und ist durch die Person Hellingers in Verruf geraten. Ihm werden \u00abautorit\u00e4re bis faschistoide Verhaltensweisen, guruhaftes Gebaren und wenig Offenheit f\u00fcr kritische und wissenschaftliche \u00dcberpr\u00fcfung seiner kurzfristigen Erfolge\u00bb vorgeworfen (Kriz, 2014, S. 264).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Familientherapien<\/h3>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Psychoanalytisch orientierte Familientherapie<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Viele Familentherapeuten waren urspr\u00fcnglich Psychoanalytiker. Der Fokus liegt bei dieser Richtung auf den\u00a0 Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern (Objektbeziehungen); die Interaktionen werden als Manifestation der fr\u00fchen Eltern-Kind-Beziehung gedeutet. Oft wird eine Person als kompensatorisches Ersatzobjekt eingesetzt und nimmt dann die entsprechende Rolle ein. Pioniere der psychoanalytisch orientierten Familientherapie waren (in Deutschland) Horst-Eberhard Richter und Helm Stierlin <i>(<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Dynamische Familientherapie<\/span>)<\/i>.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Kennzeichen der therapeutischen Intervention in der dynamischen (psychoanalytisch orientierten) Familientherapie sind (nach Kriz, 2014):<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Allparteilichkeit<\/i><\/span>: Das Bem\u00fchen und die F\u00e4higkeit des Therapeuten, sich aktiv in die Position eines jeden Familienmitgliedes einzuf\u00fchlen.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Aktivit\u00e4t<\/i><\/span>: H\u00e4ufiges Eingreifen des Therapeuten ist sinnvoll, weil sonst leicht die Abwehrman\u00f6ver und die pathogenen Prozesse des Systems verst\u00e4rkt werden.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Betonung des Positiven<\/span>:<\/i> Statt pathologisch-dysfunktionaler Aspekte soll die Funktionalit\u00e4t der Symptome und deren Beitrag f\u00fcr die Familie betont werden.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Mobilisierung der Ressourcen<\/span>:<\/i> Ressourcen wie Einsatzbereitschaft und Opferbereitschaft sind wichtig und erm\u00f6glichen oft Ver\u00e4nderungen in kurzer Zeit.<\/li>\n<\/ul>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Strukturelle Familientherapie<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die strukturelle Familientherapie geht auf ihren Begr\u00fcnder <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Salvador Minuchin<\/span> zur\u00fcck und betont die normativen Vorstellungen dar\u00fcber, wie eine gut funktionierende Familie beschaffen sein sollte. Wichtig sind klare Grenzen zwischen den Subsystemen, z. B. zwischen dem ehelichen, dem elterlichen und dem geschwisterlichen Subsystem. Die Grenzen sollten weder ganz starr noch allzu diffus sein. Der Therapeut hat die Aufgabe, die pathogenen oder dysfunktionalen Strukturen aufzudecken, die das Problem verursachen. Mit der strukturellen Intervention betont Minuchin drei Hauptstrategien der strukturellen Familientherapie (nach Kriz, 2014):<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Herausforderung des Symptoms<\/i><\/span>: Die Problemsicht der Familie und die Art, darauf zu reagieren, muss neu definiert werden. Der Therapeut versucht durch seine Interventionen, die Familie herauszufordern und f\u00fcr den Prozess der Umdefinition zu gewinnen.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Herausforderung der Familienstruktur<\/span>:<\/i> Der Therapeut bildet Hypothesen \u00fcber die dysfunktionalen Strukturen und Prozesse in der Familie. Ziel ist es, das Gleichgewicht der Familie so zu ersch\u00fcttern, dass der Phasen\u00fcbergang zu einem neuen Regelsystem notwendig wird.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Herausforderung der Familienrealit\u00e4t<\/i><\/span>: Die Symptome zeigen, dass die Familie mit der Realit\u00e4t nicht mehr fertig wird. Die Ver\u00e4nderung der dysfunktionalen Strukturen ver\u00e4ndert auch die Realit\u00e4tserfahrung, und umgekehrt. Durch Interventionstechniken wie <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Reframing <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">paradoxe Intervention<\/span> sollen die Familienmitglieder sich selbst und die andern neu erfahren. Dadurch werden neue Handlungsm\u00f6glichkeiten und eine neue Realit\u00e4tssicht erm\u00f6glicht.<\/li>\n<\/ul>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Erfahrungszentrierte Familientherapie<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die erfahrungszentrierte Familientherapie befindet sich in der N\u00e4he zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>humanistischen Psychologie<\/i><\/span>, mit Themen wie Autonomie, Wachstum, Begegnung, Ganzheit, Erfahrung. Oft stehen delegierte Aufgaben oder \u00dcberlebensmythen einer Familie der Umsetzung dieser Themen und Ziele im Wege. Nach <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Virginia Satir<\/i><\/span> h\u00e4ngt das Selbstwertgef\u00fchl eng mit den Kommunikationsstrukturen in der Familie zusammen. Sie unterscheidet vier Kommunikationsmuster, die einer Minderung des Selbstwertgef\u00fchls vorbeugen sollen, und die durch bestimmte K\u00f6rperhaltungen, Gestik und Mimik ausgedr\u00fcckt werden: <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Beschwichtigen<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Anklagen<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Rationalisieren <\/span><\/i>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ablenken<\/i><\/span>.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im erfahrungsorientierten Ansatz stehen entsprechend dem humanistischen Ansatz nicht therapeutische Techniken im Vordergrund, sondern die Haltung des Therapeuten mit Fokus auf Begegnung und Wertsch\u00e4tzung. Trotzdem gibt es gewisse Handlungsprinzipien: die erstarrten Kommunikationsstrukturen verfl\u00fcssigen, das Problem umdefinieren und die Interaktionsprozesse f\u00f6rdern (nach Kriz, 2014).<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Strategische Familientherapie<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die strategische Familientherapie verbindet sich mit dem Namen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gregory Bateson<\/i><\/span>; in Europa besonders mit dem Namen <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Mara Selvini Palazzoli<\/span> <\/i>(Mail\u00e4nder Modell oder Mail\u00e4nder Gruppe). In den Anf\u00e4ngen der strategischen Familientherapie war die Individualit\u00e4t eines Familienmitglieds weitgehend irrelevant. Der Fokus lag vielmehr auf der Erfassung des \u00abFamilienspiels\u00bb und der aktiven \u00abVerst\u00f6rung\u00bb jener Kommunikationsstrukturen, welche die Symptome stabilisieren (Kriz, 2014). Folgende Begriffe sind im Rahmen der strategischen Familientherapie wichtig:<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familienspiel<\/i><\/span>: Das Objekt der Interventionen ist weder das Individuum noch die Familie, sondern das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Familienspiel<\/span>. Die Familie reguliert sich in Form von regelhaften und eingespielten Transaktionen, die auch die Symptome widerspiegeln.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Paradoxe Kommunikation<\/span>:<\/i> Schizophrene Familien funktionieren gem\u00e4ss Mail\u00e4nder Modell nach der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">double-bind-Theorie<\/span> (Bateson). Kern dieser Theorie ist ein Paradoxon (eine paradoxe Aufforderung) aufgrund von inkongruenter Kommunikation auf der Inhalts- und Beziehungsebene, dem man sich nicht durch Metakommunikation oder offene Flucht entziehen kann (Kriz, 2014, siehe Vertiefungsbeispiel).<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Symptomverschreibungen<\/i><\/span>: diese beruhen auf dem Konzept des \u00abGegenparadoxons\u00bb: die Logik des paradoxen Spiels soll ausser Kraft gesetzt werden, indem das symptomatische Verhalten der Familienmitglieder als positiv f\u00fcr die dynamische Stabilit\u00e4t des Familiensystems definiert und empfohlen wird. Darauf bleibt der Familie nichts Anderes \u00fcbrig, als das Verhalten zu \u00e4ndern; oder sie \u00fcbernimmt die Verantwortung f\u00fcr die Interpretation.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die drei Grundkonzepte der Mail\u00e4nder Schule:\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Hypothetisieren<\/i> <\/span>macht die Interventionen zu einer experimentellen Situation: die Hypothesen werden gepr\u00fcft.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Zirkularit\u00e4t<\/i> <\/span>bezeichnet die F\u00e4higkeit des Therapeuten, sich auf das Feedback der Gruppe einzulassen (Technik des<i> <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>zirkul\u00e4ren Fragens,<\/i> <\/span>siehe folgender Abschnitt).<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Neutralit\u00e4t<\/i><\/span>: Die Therapeuten sollen so unbeteiligt und k\u00fchl wie m\u00f6glich mitspielen, um nicht in das Paradoxon der Familie verstrickt zu werden.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als typische Interventionstechniken sollen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">paradoxe Interventionen<\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Symptomverschreibungen<\/i> <\/span>das bisherige Spiel unterbrechen und ver\u00e4ndern. Dabei ist eine genaue Einsicht des Therapeuten in das Spiel keine notwendige Voraussetzung f\u00fcr den Erfolg (siehe auch Kapitel\u00a0<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/kommunikation-paradoxie-kollusion#pragmatische-paradoxien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kommunikation, Paradoxie, Kollusion &gt; Pragmatische Paradoxien<\/a>).<\/p>\n<details open=\"open\">\n<summary>Exkurs: Zirkul\u00e4res Fragen<\/summary>\n<figure id=\"attachment_739\" aria-describedby=\"caption-attachment-739\" style=\"width: 399px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-739 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-129.png\" alt=\"\" width=\"399\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-129.png 399w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-129-300x223.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-129-65x48.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-129-225x167.png 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-129-350x260.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 399px) 100vw, 399px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-739\" class=\"wp-caption-text\">(c) katzenblog.net\/<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Methode des <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>zirkul\u00e4ren Fragen<\/b>s<\/span> wurde in der systemtherapeutischen Praxis entwickelt und und dient dazu, zirkul\u00e4re Prozesse in Beziehungssystemen aufzudecken und starre Kommunikations- und Interaktionsmuster durch unterschiedliche Beobachterpositionen und Perspektivenwechsel zu verfl\u00fcssigen.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich hat man unter zirkul\u00e4rem Fragen einen bestimmten Fragetypus verstanden, bei dem eine Person entweder \u00fcber eine oder mehrere Drittpersonen Auskunft gibt.<\/p>\n<p>Der Fragende (der Therapeut oder \u00fcbertragen auf Lehr- und Lernprozesse z.B. der Lehrende) er\u00f6ffnet den Beteiligten durch seine triadische Frageweise M\u00f6glichkeiten, sich in andere Positionen hinein zu versetzen und sich dabei auf einen Perspektivenwechsel innerhalb des Systems einzulassen. Die triadische Frageweise provoziert ein \u00abMutmassen im Beisein der Anderen\u00bb, denn die Beteiligten werden angeregt, ihre Vermutungen \u00fcber W\u00fcnsche, Bed\u00fcrfnisse, Meinungen, Beziehungen usw. anderer Beteiligter zu \u00e4ussern. Im wechselseitigen Bezug auf einander werden neue Denkprozesse eingeleitet, und Ver\u00e4nderungen werden m\u00f6glich.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Das Zirkul\u00e4re Fragen ist Bestandteil der systemischen Sichtweise. Die Methode des Zirkul\u00e4ren Fragens geht dabei haupts\u00e4chlich auf die sogenannte \u00abMail\u00e4nder Schule\u00bb zur\u00fcck. Im Jahre 1967 fand sich in Italien eine Arbeitsgemeinschaft aus acht Psychologen und Psychoanalytikern zusammen. Sie bildeten das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Centro per lo Studio della Famiglia e delle tecniche di Gruppo<\/i><\/span>, eine Einrichtung, die sich zun\u00e4chst auf die Behandlung von Paaren und Familien auf psychoanalytischer Basis spezialisierte. Zu dieser Gruppe geh\u00f6rten u. a. Mara Selvini Palazzoli, Luigi Boscolo, Gianfranco Cecchin und Giuliana Prata. Ziel der Gruppe war es, in Zukunft verst\u00e4rkt mit einem mehr kommunikationstheoretischen Ansatz zu arbeiten, statt bei den tradierten Positionen der Psychoanalyse zu verbleiben. Inspiriert u. a. von Batesons Kybernetik und Watzlawicks Kommunikationstheorie entwickelten sie die Methode des Zirkul\u00e4ren Fragens f\u00fcr ihre Arbeit mit Familien.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Als eine der wichtigsten Publikationen ihrer Zeit ver\u00f6ffentlichten sie \u00abParadoxon und Gegenparadoxon\u00bb, sowie den Artikel \u00abHypothetisieren \u2013 Zirkularit\u00e4t \u2013 Neutralit\u00e4t\u00bb. Auch heute noch geh\u00f6rt letzterer zu den bedeutendsten Grundlagen der Systemtheorie.<\/p>\n<ul>\n<li>Palazzoli, M.S. u.a.: <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Paradoxon und Gegenparadoxon<\/i>. <\/span>11.Auflage Stuttgart (Klett-Cotta) 2003<\/li>\n<li>Selvini Palazzoli, Mara; Boscolo, Luigi; Cecchin, Gianfranco &amp; Prata, Giuliana (1981): Hypothetisieren &#8211; Zirkularit\u00e4t \u2013 Neutralit\u00e4t. In: <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Familiendynamik<\/i>, 6<\/span>: 123-139<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">(Quelle: http:\/\/<a href=\"http:\/\/www.uni-koeln.de\/hf\/konstrukt\/didaktik\/zirkulaer\/zirkulaer_quellen.html\">www.uni-koeln.de\/hf\/konstrukt\/didaktik\/zirkulaer\/zirkulaer_quellen.html<\/a>)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/details>\n<details>\n<summary>Exkurs: Beispiel Hundeangst<\/summary>\n<h4>Beispiel: Paradoxe Intervention bei Hundeangst<\/h4>\n<figure id=\"attachment_740\" aria-describedby=\"caption-attachment-740\" style=\"width: 277px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-740 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-130.png\" alt=\"\" width=\"277\" height=\"149\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-130.png 277w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-130-65x35.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-130-225x121.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 277px) 100vw, 277px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-740\" class=\"wp-caption-text\">(c) apotheken-umschau.de\/<\/figcaption><\/figure>\n<p>In einem ausf\u00fchrlich dokumentierten Fall (Haley, 1977) wird eine besonders raffinierte Form paradoxer Intervention gew\u00e4hlt: Der Patient ist ein achtj\u00e4hriger Junge mit einer so starken Hundeangst, dass er das Haus kaum verl\u00e4sst und kopflos in den Strassenverkehr rennt, wenn er einem Hund begegnet. Nach einigen Therapiesitzungen (in der z. B. ein verdeckter Konflikt der Eltern deutlich wird), ist der Junge so weit, dass er mit dem Vater zusammen einen kleinen Welpen kaufen kann \u2014 das in der Therapie festgelegte Kriterium f\u00fcr die Auswahl des Hundes ist dabei, dass dieser vor ihm Angst hat. Die Aufgabe des Jungen besteht im weiteren Verlauf nun darin, den Hund von dieser Angst zu \u00abheilen\u00bb, indem er ihm \u00abvorspielt\u00bb, er, der Junge, h\u00e4tte Angst vor dem Hund. Dieses paradoxe Arrangement war wirksam: Nach wenigen Wochen war der Junge seine Hundeangst los (Kriz, 2007, S. 281).<\/p>\n<\/details>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Links und Literatur<\/h2>\n<ul>\n<li class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Informationen zum <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>systemischen Ansatz<\/b><\/span> auf der Homepage der Systemischen Gesellschaft (DE). <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"http:\/\/systemische-gesellschaft.de\/systemischer-ansatz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/systemische-gesellschaft.de\/systemischer-ansatz\/<\/a><\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Entstehungsgeschichte<\/b> <\/span>der systemischen Therapie und Beratung: Kurzer, informativer und gut verst\u00e4ndlicher Text. <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"http:\/\/www.systemis.ch\/fileadmin\/img\/content\/PDFs\/Entstehungsgeschichte_systemischen_Therapie_und_Beratung_d.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.systemis.ch\/fileadmin\/img\/content\/PDFs\/Entstehungsgeschichte_systemischen_Therapie_und_Beratung_d.pdf<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben zahlreichen Ph\u00e4nomenen in den Naturwissenschaften lassen sich auch in den Human- und Sozialwissenschaften viele Vorg\u00e4nge als selbstorganisierte Dynamikenverstehen. So bewegt sich eine Paar-, Gruppen- oder Familiendynamik zwar normalerweise im Rahmen juristischer und sozialer Regeln und Normen, wird aber ebenso durch genetische und somatische Gegebenheiten mitbestimmt. 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