{"id":338,"date":"2020-02-26T14:58:17","date_gmt":"2020-02-26T13:58:17","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=338"},"modified":"2024-09-26T12:31:57","modified_gmt":"2024-09-26T10:31:57","slug":"zentrale-systematische-konzepte","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/zentrale-systematische-konzepte\/","title":{"raw":"Zentrale systemische Konzepte","rendered":"Zentrale systemische Konzepte"},"content":{"raw":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die systemische Betrachtung von Handlungsmodellen im psychologischen und sozialen Bereich ist vor allem aus praktischen Anliegen heraus entstanden und hat sich in der praktischen Anwendung weiter entwickelt. Theoretische Konzepte und Erkl\u00e4rungen wurden erst mit der Zeit wichtig (Kriz, 2014).<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_717\" align=\"alignright\" width=\"281\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-115.png\"><img class=\"wp-image-717 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-115.png\" alt=\"\" width=\"281\" height=\"240\" \/><\/a> M. C. Escher[\/caption]\r\n<h2 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Zirkularit\u00e4t<\/span><\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Zirkularit\u00e4t<\/i> <\/span>ist vielleicht das wichtigste Konzept im systemischen Ansatz. Damit ist zuerst die triviale Tatsache gemeint, dass konkrete Dinge und abstrakte Sachverhalte nicht isoliert vorkommen, sondern in Beziehung zueinander stehen, oft in wechselseitigen Wirkbeziehungen (Kriz, 2014). Die Dinge und Sachverhalte interagieren in komplexen und vernetzten Prozessen und bilden so ein <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">System<\/span> (im Sinne der Systemtheorie).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Dynamik<\/i> <\/span>dieses Systems, d.h. in der Entwicklung \u00fcber die Zeit, haben dann Ver\u00e4nderungen am Ding A stets auch Ver\u00e4nderungen an den damit in Beziehung stehenden Dingen zur Folge, und diese wirken ihrerseits auch wiederum auf A zur\u00fcck. Dieses Ph\u00e4nomen ist als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>R\u00fcckkoppelung<\/i> <\/span>bekannt (je nach Fachgebiet auch als Rekursion, Iteration oder Selbstr\u00fcckbez\u00fcglichkeit bezeichnet).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die interdisziplin\u00e4re Systemforschnung hat wiederholt gezeigt, dass R\u00fcckkoppelungsprozesse ganz ungew\u00f6hnliche und unerwartete Ph\u00e4nomene bewirken k\u00f6nnen (Kriz, 2014).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ursache und Wirkung<\/i><\/span> sind nicht geradlinig verbunden und k\u00f6nnen nicht als isolierte Ph\u00e4nomene betrachtet werden. An die Stelle geradlinig-kausaler treten zirkul\u00e4re Erkl\u00e4rungen, und statt isolierter Objekte werden die Relationen zwischen ihnen betrachtet. Vor allem im psychosozialen Bereich ist Zirkularit\u00e4t die Regel, und die Suche nach einzelnen Wirkfaktoren ist dem Verst\u00e4ndnis einer Situation oft nicht f\u00f6rderlich. Kriz (2014) zitiert dazu ein Beispiel f\u00fcr die illusion\u00e4re Suche nach isolierten Wirkfaktoren:<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<p class=\"textbox__content\">Beispiel: <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wirkfaktoren f\u00fcr den Kurerfolg von Frau X.<\/i><\/span><\/p>\r\n<p class=\"textbox__content\">Aufgrund der Distanz von zuhause war Frau X. in der Lage, ein anregendes Klima, eine reizvolle Landschaft positiv auf sich wirken zu lassen, was durch die entspannende Wirkung der B\u00e4der verst\u00e4rkt worden ist; dass es Mitpatienten gibt, denen es offenbar schlechter ging als ihr, hat Frau X. neuen Lebensmut gegeben und sie offener f\u00fcr andere Menschen gemacht; die daraufhin m\u00f6glichen Gespr\u00e4che konnten ihr wiederum ver\u00e4nderte Lebensperspektiven nahe bringen; schliesslich hat der Masseur bei Frau X. erotische Gef\u00fchle ausgel\u00f6st, die wiederum in der geschilderten aktuellen sozialen Situation zur Realisierung eines \u00abKurschattens\u00bb f\u00fchrten; dieser hat aufgrund seiner anziehenden Wirkung Frau X. zu der \u00dcberzeugung bringen k\u00f6nnen, dass es doch besser sei, die Di\u00e4tvorschriften einzuhalten und nicht etwa sich am Nachmittag ins Caf\u00e9 zu setzen, um dort die Sahnetorte zu verspeisen . . . (aus Plaum, 1999; zit. nach Kriz, 2014)<\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Zirkul\u00e4res Fragen<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Dabei handelt es sich um eine typische systemtherapeutische Interventionstechnik. Alle Variablen einer sozialen Situation sind verbunden mit einer Vielzahl von Wahrnehmungen, Vermutungen und Deutungen, und dies bei jeder an dieser sozialen Situation beteiligten Person. Es ist daher nach systemischer Sichtweise nicht m\u00f6glich, in einer problematischen Situation die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">eine <\/span>Ursache f\u00fcr das Geschehen herauszufinden, sondern es geht darum, durch neue Perspektiven eingeengte oder festgefahrene Deutungs- und Handlungsmuster bewusst zu machen und zu ver\u00e4ndern (siehe auch Kapitel <a id=\"il__st_30239_30224_1\" class=\"ilc_link_IntLink\" href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/systemtheorie-und-therapie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Systemische Therapie<\/a>).<\/p>\r\n<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/G4GaZ.gif\"><img class=\"aligncenter size-full wp-image-1363\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/G4GaZ.gif\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"224\" \/><\/a>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Evolution, statische vs. dynamische Systeme<\/h2>\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Evolution und Ko-Evolution<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Dynamische Systeme entwickeln sich im Zeitverlauf unter verschiedenen Bedingungen, sowohl systeminternen als auch externen aus dem Kontext, an die sich das System anpasst. Unter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Evolution<\/i> <\/span>versteht man die permanente Entwicklung eines Systems mit den M\u00f6glichkeiten und Begrenzungen, die die Systemumgebung bietet.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Beispiel:<\/div>\r\n<div class=\"textbox__content\">Das System der Verhaltensweisen eines Sch\u00fclers hat in seiner Umgebung andere Systeme (z. B. die Verhaltensweisen der f\u00fcr diesen Sch\u00fcler relevanten Personen, Lehrer, Eltern). Die gegenseitige Evolution dieser Systeme l\u00e4sst sich in einem Metasystem (hier die Muster der Familien- und Schuldynamik) betrachten. Die gemeinsame aufeinander bezogene Evolution der Subsysteme wird dann als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ko-Evolution<\/span> bezeichnet (Kriz, 2014).<\/div>\r\n<\/div>\r\n\r\n[caption id=\"attachment_720\" align=\"alignright\" width=\"268\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-117.png\"><img class=\"wp-image-720 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-117.png\" alt=\"\" width=\"268\" height=\"176\" \/><\/a> (c) link.springer.com\/[\/caption]\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Statische vs. dynamische Systeme<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Es gibt statische und dynamische Systeme. Dabei kann auch ein dynamisches System stabil sein (d.h. dynamisch stabil). (vgl. Erkl\u00e4rung und Beispiel unten im <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Vertiefungsabschnitt<\/i><\/span>).<\/p>\r\n\r\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Strukturelle Abstraktion<\/span><\/h4>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Lebensprozesse, sowohl somatisch-medizinische, psychische und interaktiv-soziale, sind grunds\u00e4tzlich nur als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>dynamische Systeme<\/i><\/span> zu fassen. Nicht einzelne somatische Reaktionen, Gedanken, Gef\u00fchle oder Handlungen sind relevant, sondern die Struktur, mit der diese immer wieder neu erzeugt werden (Kriz, 2014). Dies entspricht einer strukturellen Betrachtung. Das System \u00abFamilie\u00bb besteht in dieser Sicht nicht aus den konkreten Einzelpersonen, sondern aus allen Bedingungen, dem Kontext, der Psyche, der sozialen Beziehungen etc. der beteiligten Subsysteme.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Strukturelle Abstraktion<\/i><\/span> am Beispiel der HfH:<\/div>\r\n<div class=\"textbox__content\">Eine Institution, wie z. B. die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>HfH<\/i><\/span>, wird nicht durch ihre jeweils konkreten Individuen bestimmt (so wichtig und ber\u00fchmt diese auch gerade sein m\u00f6gen), sondern durch die Struktur, wie z. B. die Rollen Professor, Student, Verwaltung usw. Nach einigen Jahren ist kein einziger Student, der jetzt zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>HfH<\/i> <\/span>geh\u00f6rt, mehr dort, noch sp\u00e4ter findet man auch kein Mitglied der Professoren, der Verwaltung etc. mehr; ja es k\u00f6nnen allenfalls alle Geb\u00e4ude zerst\u00f6rt und an anderer Stelle wieder aufgebaut worden sein \u2014 kurz: nichts Materielles ist mehr geblieben und doch existiert die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>HfH<\/i> <\/span>weiter und ist stolz auf ihre Tradition (nach Kriz, 2014).<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ilc_section_AdvancedKnowledge ilCOPageSection\">\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<p class=\"textbox__title\">Kriz (2014) erkl\u00e4rt den Unterschied zwischen statischen und dynamischen Systemen am Beispiel einer brennenden Kerze. Deren Stummel kann n\u00e4mlich als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">statisches<\/span>, die Flamme hingegen als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">dynamisches System<\/span> verstanden werden:<\/p>\r\n\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">Der Stummel einer Kerze kann als System beschrieben werden \u2014 er besteht, so gesehen, aus der Menge an (salopp formuliert) Kerzenmolek\u00fclen und deren r\u00e4umlich-geometrischen Beziehungen (Anordnungen) untereinander. Dieses System ist statisch: Wenn man nicht auf den Stummel einwirkt, geschieht nichts \u2014 oder andersherum: Alles, was geschieht, ist urs\u00e4chlich auf relativ einfache Wirkfaktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren, z. B. wenn man das Wachs weich macht und den Stummel verformt oder wenn im Laufe von Jahrzehnten chemophysikalische Kr\u00e4fte die Ordnung der Kerze nach und nach zerst\u00f6ren. Urs\u00e4chlich-planerische (\u00abdesignhafte\u00bb) Eingriffe sind m\u00f6glich: Man kann das Wachs z.B. zu einem Osterhasen oder anderen Figuren verformen.<\/div>\r\n<div class=\"textbox__content\">Ganz andere Prinzipien gelten f\u00fcr das dynamische System \u00abKerzenflamme\u00bb: Auch hier muss etwas f\u00fcr den Menschen Stabiles da sein \u2014 sonst k\u00f6nnte er nicht darauf verweisen und sich sprachlich darauf beziehen. Auf der anderen Seite sind es nicht die Molek\u00fcle in ihrer Identit\u00e4t wie beim Stummel, denn zu jedem Zeitpunkt (der nicht allzu klein ist) sind andere Molek\u00fcle an dem Geschehen beteiligt \u2014 sie stammen aus dem Stummel, \u00abverbrennen\u00bb (oxidieren) und diffundieren in den umgebenden Raum. Das Stabile am Ph\u00e4nomen \u00abFlamme\u00bb ist somit nicht in der Stabilit\u00e4t der Molek\u00fcle noch ihrer r\u00e4umlichen Beziehungen begr\u00fcndet, sondern in der Struktur des dynamischen Prozesses.<\/div>\r\n<div class=\"textbox__content\">Auch ohne jede \u00e4ussere Einwirkung geschieht hier somit st\u00e4ndig etwas \u2014 h\u00e4lt die Prozessdynamik am Laufen, ausser das System h\u00f6rt auf zu existieren (die Flamme verlischt)(Kriz, 2014, S. 253).<\/div>\r\n<div><\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Beispiele und Erkl\u00e4rungen zu systemtheoretischen Ph\u00e4nomenen stammen oft aus der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Naturwissenschaft<\/i><\/span>, weil sich naturwissenschftliche Systeme leichter isoliert betrachten und beschreiben lassen als die komplexen Bedingungsgef\u00fcge beim Menschen, die sich nur sehr mangelhaft reduzieren lassen.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Stabilit\u00e4t und Ver\u00e4nderung<\/h2>\r\n[caption id=\"attachment_721\" align=\"alignright\" width=\"212\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-118.png\"><img class=\"wp-image-721 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-118.png\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"122\" \/><\/a> (c) preisvergleich.org\/[\/caption]\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Stabilit\u00e4t und Ver\u00e4nderung<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ver\u00e4nderung<\/i> <\/span>bedeutet in Bezug auf dynamische Systeme eine Ver\u00e4nderung der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Struktur <\/span>dieser Systeme. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Stabilit\u00e4t<\/i><\/span> bedeutet f\u00fcr ein dynamisches System entsprechend, dass die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Struktur<\/i> <\/span>sich (im betrachteten Zeitraum) nicht ver\u00e4ndert. Der Turnschuh auf dem Bild rechts repr\u00e4sentiert gem\u00e4ss Werbetext <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>dynamische Stabilit\u00e4t<\/i><\/span>.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der systemische Ansatz beachtet nicht nur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ver\u00e4nderungen<\/i> <\/span>in einem System, sondern auch die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Stabilit\u00e4t<\/i><\/span>. Es werden also nicht nur die die Ver\u00e4nderungen von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gesundheit &gt; Krankheit<\/i><\/span> (z. B. in der Psychopathologie), oder von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Krankheit &gt; Gesundheit<\/i><\/span> (z. B. in der Psychotherapie) thematisiert, untersucht und erkl\u00e4rt, sondern auch die Stabilit\u00e4t <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gesundheit \u2014 Gesundheit<\/i><\/span>. Diese Perspektive hat im Rahmen der Gesundheitspsychologie und -medizin (Salutogenese), aber auch im Rahmen der Heilp\u00e4dagogik eine grosse Bedeutung. Welche Einfl\u00fcsse erhalten ein gesundes System gesund oder ein krankes System krank? Dieser Aspekt ist systemtheoretisch noch weniger untersucht als Ver\u00e4nderung, aber nicht weniger wichtig. In der Medizin wird ein stabiler Krankheitszustand mit dem Begriff der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Chronizit\u00e4t<\/i> <\/span>beschrieben (nach Kriz, 2014).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Mangelnde Systemkompetenz des Menschen<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ein systemisches Verst\u00e4ndnis von Krankheit und Gesundheit ist zwar auf der Erkl\u00e4rungsebene unmittelbar einleuchtend; trotzdem scheint eine Umsetzung in reales Verhalten schwierig zu sein. Kriz (2014) schreibt dazu: So wichtig auch ein systemisches Verst\u00e4ndnis von Krankheit und Gesundheit (um nicht zu sagen: der Welt) w\u00e4re: Aufgrund der Arbeiten z.B. von D\u00f6rner (u.a. 1989) d\u00fcrfen erhebliche Zweifel angemeldet werden, ob es ohne weiteres gelingt, Einsichten selbst in elementare systemische Zusammenh\u00e4nge derart zu erlangen, dass ein ad\u00e4quates Handeln m\u00f6glich wird. D\u00f6rner hat anhand einfacher Simulationsmodelle von kleinen Sozialsystemen mit wenigen vernetzten Variablen gezeigt, wie inad\u00e4quat die \u00fcberwiegende Mehrheit der Personen die gegebene Information gebrauchte und angemessene Interventionsweisen entwickeln konnte (S. 254).<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Systemische Perspektive Bodo Hartke<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als Erg\u00e4nzung zu den bis hier beschriebenen systemischen Konzepten beschreibt Prof. Dr. Bodo Hartke im folgenden Videoausschnitt <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>systemische Konzepte<\/i><\/span> aus seiner Sicht (Video aufgenommen an den Fortbildungstagen HfH im Januar 2014).<\/p>\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/48_HartkeSystemisch1.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/48_HartkeSystemisch1.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\nAuf das von Hartke beschriebene Konzept des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00d6kosystemischen Ansatzes nach Bronfenbrenner<\/span> wird hier nicht n\u00e4her eingegangen. Weitere Einzelheiten siehe <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%96kosystemischer_Ansatz_nach_Bronfenbrenner\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikipedia<\/a>.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_722\" align=\"aligncenter\" width=\"439\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-119.png\"><img class=\"wp-image-722 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-119.png\" alt=\"\" width=\"439\" height=\"368\" \/><\/a> (c) Wikipedia[\/caption]\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>","rendered":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die systemische Betrachtung von Handlungsmodellen im psychologischen und sozialen Bereich ist vor allem aus praktischen Anliegen heraus entstanden und hat sich in der praktischen Anwendung weiter entwickelt. Theoretische Konzepte und Erkl\u00e4rungen wurden erst mit der Zeit wichtig (Kriz, 2014).<\/p>\n<figure id=\"attachment_717\" aria-describedby=\"caption-attachment-717\" style=\"width: 281px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-115.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-717 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-115.png\" alt=\"\" width=\"281\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-115.png 281w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-115-65x56.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-115-225x192.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 281px) 100vw, 281px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-717\" class=\"wp-caption-text\">M. C. Escher<\/figcaption><\/figure>\n<h2 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Zirkularit\u00e4t<\/span><\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Zirkularit\u00e4t<\/i> <\/span>ist vielleicht das wichtigste Konzept im systemischen Ansatz. Damit ist zuerst die triviale Tatsache gemeint, dass konkrete Dinge und abstrakte Sachverhalte nicht isoliert vorkommen, sondern in Beziehung zueinander stehen, oft in wechselseitigen Wirkbeziehungen (Kriz, 2014). Die Dinge und Sachverhalte interagieren in komplexen und vernetzten Prozessen und bilden so ein <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">System<\/span> (im Sinne der Systemtheorie).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Dynamik<\/i> <\/span>dieses Systems, d.h. in der Entwicklung \u00fcber die Zeit, haben dann Ver\u00e4nderungen am Ding A stets auch Ver\u00e4nderungen an den damit in Beziehung stehenden Dingen zur Folge, und diese wirken ihrerseits auch wiederum auf A zur\u00fcck. Dieses Ph\u00e4nomen ist als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>R\u00fcckkoppelung<\/i> <\/span>bekannt (je nach Fachgebiet auch als Rekursion, Iteration oder Selbstr\u00fcckbez\u00fcglichkeit bezeichnet).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die interdisziplin\u00e4re Systemforschnung hat wiederholt gezeigt, dass R\u00fcckkoppelungsprozesse ganz ungew\u00f6hnliche und unerwartete Ph\u00e4nomene bewirken k\u00f6nnen (Kriz, 2014).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ursache und Wirkung<\/i><\/span> sind nicht geradlinig verbunden und k\u00f6nnen nicht als isolierte Ph\u00e4nomene betrachtet werden. An die Stelle geradlinig-kausaler treten zirkul\u00e4re Erkl\u00e4rungen, und statt isolierter Objekte werden die Relationen zwischen ihnen betrachtet. Vor allem im psychosozialen Bereich ist Zirkularit\u00e4t die Regel, und die Suche nach einzelnen Wirkfaktoren ist dem Verst\u00e4ndnis einer Situation oft nicht f\u00f6rderlich. Kriz (2014) zitiert dazu ein Beispiel f\u00fcr die illusion\u00e4re Suche nach isolierten Wirkfaktoren:<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<p class=\"textbox__content\">Beispiel: <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wirkfaktoren f\u00fcr den Kurerfolg von Frau X.<\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"textbox__content\">Aufgrund der Distanz von zuhause war Frau X. in der Lage, ein anregendes Klima, eine reizvolle Landschaft positiv auf sich wirken zu lassen, was durch die entspannende Wirkung der B\u00e4der verst\u00e4rkt worden ist; dass es Mitpatienten gibt, denen es offenbar schlechter ging als ihr, hat Frau X. neuen Lebensmut gegeben und sie offener f\u00fcr andere Menschen gemacht; die daraufhin m\u00f6glichen Gespr\u00e4che konnten ihr wiederum ver\u00e4nderte Lebensperspektiven nahe bringen; schliesslich hat der Masseur bei Frau X. erotische Gef\u00fchle ausgel\u00f6st, die wiederum in der geschilderten aktuellen sozialen Situation zur Realisierung eines \u00abKurschattens\u00bb f\u00fchrten; dieser hat aufgrund seiner anziehenden Wirkung Frau X. zu der \u00dcberzeugung bringen k\u00f6nnen, dass es doch besser sei, die Di\u00e4tvorschriften einzuhalten und nicht etwa sich am Nachmittag ins Caf\u00e9 zu setzen, um dort die Sahnetorte zu verspeisen . . . (aus Plaum, 1999; zit. nach Kriz, 2014)<\/p>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Zirkul\u00e4res Fragen<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Dabei handelt es sich um eine typische systemtherapeutische Interventionstechnik. Alle Variablen einer sozialen Situation sind verbunden mit einer Vielzahl von Wahrnehmungen, Vermutungen und Deutungen, und dies bei jeder an dieser sozialen Situation beteiligten Person. Es ist daher nach systemischer Sichtweise nicht m\u00f6glich, in einer problematischen Situation die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">eine <\/span>Ursache f\u00fcr das Geschehen herauszufinden, sondern es geht darum, durch neue Perspektiven eingeengte oder festgefahrene Deutungs- und Handlungsmuster bewusst zu machen und zu ver\u00e4ndern (siehe auch Kapitel <a id=\"il__st_30239_30224_1\" class=\"ilc_link_IntLink\" href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/systemtheorie-und-therapie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Systemische Therapie<\/a>).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/G4GaZ.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1363\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/G4GaZ.gif\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"224\" \/><\/a><\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Evolution, statische vs. dynamische Systeme<\/h2>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Evolution und Ko-Evolution<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Dynamische Systeme entwickeln sich im Zeitverlauf unter verschiedenen Bedingungen, sowohl systeminternen als auch externen aus dem Kontext, an die sich das System anpasst. Unter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Evolution<\/i> <\/span>versteht man die permanente Entwicklung eines Systems mit den M\u00f6glichkeiten und Begrenzungen, die die Systemumgebung bietet.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">Beispiel:<\/div>\n<div class=\"textbox__content\">Das System der Verhaltensweisen eines Sch\u00fclers hat in seiner Umgebung andere Systeme (z. B. die Verhaltensweisen der f\u00fcr diesen Sch\u00fcler relevanten Personen, Lehrer, Eltern). Die gegenseitige Evolution dieser Systeme l\u00e4sst sich in einem Metasystem (hier die Muster der Familien- und Schuldynamik) betrachten. Die gemeinsame aufeinander bezogene Evolution der Subsysteme wird dann als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ko-Evolution<\/span> bezeichnet (Kriz, 2014).<\/div>\n<\/div>\n<figure id=\"attachment_720\" aria-describedby=\"caption-attachment-720\" style=\"width: 268px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-117.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-720 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-117.png\" alt=\"\" width=\"268\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-117.png 268w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-117-65x43.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-117-225x148.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 268px) 100vw, 268px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-720\" class=\"wp-caption-text\">(c) link.springer.com\/<\/figcaption><\/figure>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Statische vs. dynamische Systeme<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Es gibt statische und dynamische Systeme. Dabei kann auch ein dynamisches System stabil sein (d.h. dynamisch stabil). (vgl. Erkl\u00e4rung und Beispiel unten im <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Vertiefungsabschnitt<\/i><\/span>).<\/p>\n<h4 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Strukturelle Abstraktion<\/span><\/h4>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Lebensprozesse, sowohl somatisch-medizinische, psychische und interaktiv-soziale, sind grunds\u00e4tzlich nur als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>dynamische Systeme<\/i><\/span> zu fassen. Nicht einzelne somatische Reaktionen, Gedanken, Gef\u00fchle oder Handlungen sind relevant, sondern die Struktur, mit der diese immer wieder neu erzeugt werden (Kriz, 2014). Dies entspricht einer strukturellen Betrachtung. Das System \u00abFamilie\u00bb besteht in dieser Sicht nicht aus den konkreten Einzelpersonen, sondern aus allen Bedingungen, dem Kontext, der Psyche, der sozialen Beziehungen etc. der beteiligten Subsysteme.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Strukturelle Abstraktion<\/i><\/span> am Beispiel der HfH:<\/div>\n<div class=\"textbox__content\">Eine Institution, wie z. B. die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>HfH<\/i><\/span>, wird nicht durch ihre jeweils konkreten Individuen bestimmt (so wichtig und ber\u00fchmt diese auch gerade sein m\u00f6gen), sondern durch die Struktur, wie z. B. die Rollen Professor, Student, Verwaltung usw. Nach einigen Jahren ist kein einziger Student, der jetzt zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>HfH<\/i> <\/span>geh\u00f6rt, mehr dort, noch sp\u00e4ter findet man auch kein Mitglied der Professoren, der Verwaltung etc. mehr; ja es k\u00f6nnen allenfalls alle Geb\u00e4ude zerst\u00f6rt und an anderer Stelle wieder aufgebaut worden sein \u2014 kurz: nichts Materielles ist mehr geblieben und doch existiert die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>HfH<\/i> <\/span>weiter und ist stolz auf ihre Tradition (nach Kriz, 2014).<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"ilc_section_AdvancedKnowledge ilCOPageSection\">\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<p class=\"textbox__title\">Kriz (2014) erkl\u00e4rt den Unterschied zwischen statischen und dynamischen Systemen am Beispiel einer brennenden Kerze. Deren Stummel kann n\u00e4mlich als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">statisches<\/span>, die Flamme hingegen als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">dynamisches System<\/span> verstanden werden:<\/p>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">Der Stummel einer Kerze kann als System beschrieben werden \u2014 er besteht, so gesehen, aus der Menge an (salopp formuliert) Kerzenmolek\u00fclen und deren r\u00e4umlich-geometrischen Beziehungen (Anordnungen) untereinander. Dieses System ist statisch: Wenn man nicht auf den Stummel einwirkt, geschieht nichts \u2014 oder andersherum: Alles, was geschieht, ist urs\u00e4chlich auf relativ einfache Wirkfaktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren, z. B. wenn man das Wachs weich macht und den Stummel verformt oder wenn im Laufe von Jahrzehnten chemophysikalische Kr\u00e4fte die Ordnung der Kerze nach und nach zerst\u00f6ren. Urs\u00e4chlich-planerische (\u00abdesignhafte\u00bb) Eingriffe sind m\u00f6glich: Man kann das Wachs z.B. zu einem Osterhasen oder anderen Figuren verformen.<\/div>\n<div class=\"textbox__content\">Ganz andere Prinzipien gelten f\u00fcr das dynamische System \u00abKerzenflamme\u00bb: Auch hier muss etwas f\u00fcr den Menschen Stabiles da sein \u2014 sonst k\u00f6nnte er nicht darauf verweisen und sich sprachlich darauf beziehen. Auf der anderen Seite sind es nicht die Molek\u00fcle in ihrer Identit\u00e4t wie beim Stummel, denn zu jedem Zeitpunkt (der nicht allzu klein ist) sind andere Molek\u00fcle an dem Geschehen beteiligt \u2014 sie stammen aus dem Stummel, \u00abverbrennen\u00bb (oxidieren) und diffundieren in den umgebenden Raum. Das Stabile am Ph\u00e4nomen \u00abFlamme\u00bb ist somit nicht in der Stabilit\u00e4t der Molek\u00fcle noch ihrer r\u00e4umlichen Beziehungen begr\u00fcndet, sondern in der Struktur des dynamischen Prozesses.<\/div>\n<div class=\"textbox__content\">Auch ohne jede \u00e4ussere Einwirkung geschieht hier somit st\u00e4ndig etwas \u2014 h\u00e4lt die Prozessdynamik am Laufen, ausser das System h\u00f6rt auf zu existieren (die Flamme verlischt)(Kriz, 2014, S. 253).<\/div>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">Beispiele und Erkl\u00e4rungen zu systemtheoretischen Ph\u00e4nomenen stammen oft aus der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Naturwissenschaft<\/i><\/span>, weil sich naturwissenschftliche Systeme leichter isoliert betrachten und beschreiben lassen als die komplexen Bedingungsgef\u00fcge beim Menschen, die sich nur sehr mangelhaft reduzieren lassen.<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Stabilit\u00e4t und Ver\u00e4nderung<\/h2>\n<figure id=\"attachment_721\" aria-describedby=\"caption-attachment-721\" style=\"width: 212px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-118.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-721 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-118.png\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"122\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-118.png 212w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-118-65x37.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-721\" class=\"wp-caption-text\">(c) preisvergleich.org\/<\/figcaption><\/figure>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Stabilit\u00e4t und Ver\u00e4nderung<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ver\u00e4nderung<\/i> <\/span>bedeutet in Bezug auf dynamische Systeme eine Ver\u00e4nderung der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Struktur <\/span>dieser Systeme. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Stabilit\u00e4t<\/i><\/span> bedeutet f\u00fcr ein dynamisches System entsprechend, dass die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Struktur<\/i> <\/span>sich (im betrachteten Zeitraum) nicht ver\u00e4ndert. Der Turnschuh auf dem Bild rechts repr\u00e4sentiert gem\u00e4ss Werbetext <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>dynamische Stabilit\u00e4t<\/i><\/span>.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der systemische Ansatz beachtet nicht nur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ver\u00e4nderungen<\/i> <\/span>in einem System, sondern auch die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Stabilit\u00e4t<\/i><\/span>. Es werden also nicht nur die die Ver\u00e4nderungen von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gesundheit &gt; Krankheit<\/i><\/span> (z. B. in der Psychopathologie), oder von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Krankheit &gt; Gesundheit<\/i><\/span> (z. B. in der Psychotherapie) thematisiert, untersucht und erkl\u00e4rt, sondern auch die Stabilit\u00e4t <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gesundheit \u2014 Gesundheit<\/i><\/span>. Diese Perspektive hat im Rahmen der Gesundheitspsychologie und -medizin (Salutogenese), aber auch im Rahmen der Heilp\u00e4dagogik eine grosse Bedeutung. Welche Einfl\u00fcsse erhalten ein gesundes System gesund oder ein krankes System krank? Dieser Aspekt ist systemtheoretisch noch weniger untersucht als Ver\u00e4nderung, aber nicht weniger wichtig. In der Medizin wird ein stabiler Krankheitszustand mit dem Begriff der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Chronizit\u00e4t<\/i> <\/span>beschrieben (nach Kriz, 2014).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Mangelnde Systemkompetenz des Menschen<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ein systemisches Verst\u00e4ndnis von Krankheit und Gesundheit ist zwar auf der Erkl\u00e4rungsebene unmittelbar einleuchtend; trotzdem scheint eine Umsetzung in reales Verhalten schwierig zu sein. Kriz (2014) schreibt dazu: So wichtig auch ein systemisches Verst\u00e4ndnis von Krankheit und Gesundheit (um nicht zu sagen: der Welt) w\u00e4re: Aufgrund der Arbeiten z.B. von D\u00f6rner (u.a. 1989) d\u00fcrfen erhebliche Zweifel angemeldet werden, ob es ohne weiteres gelingt, Einsichten selbst in elementare systemische Zusammenh\u00e4nge derart zu erlangen, dass ein ad\u00e4quates Handeln m\u00f6glich wird. D\u00f6rner hat anhand einfacher Simulationsmodelle von kleinen Sozialsystemen mit wenigen vernetzten Variablen gezeigt, wie inad\u00e4quat die \u00fcberwiegende Mehrheit der Personen die gegebene Information gebrauchte und angemessene Interventionsweisen entwickeln konnte (S. 254).<\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Systemische Perspektive Bodo Hartke<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als Erg\u00e4nzung zu den bis hier beschriebenen systemischen Konzepten beschreibt Prof. Dr. Bodo Hartke im folgenden Videoausschnitt <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>systemische Konzepte<\/i><\/span> aus seiner Sicht (Video aufgenommen an den Fortbildungstagen HfH im Januar 2014).<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/48_HartkeSystemisch1.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/48_HartkeSystemisch1.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p>Auf das von Hartke beschriebene Konzept des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00d6kosystemischen Ansatzes nach Bronfenbrenner<\/span> wird hier nicht n\u00e4her eingegangen. Weitere Einzelheiten siehe <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%96kosystemischer_Ansatz_nach_Bronfenbrenner\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikipedia<\/a>.<\/p>\n<figure id=\"attachment_722\" aria-describedby=\"caption-attachment-722\" style=\"width: 439px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-119.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-722 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-119.png\" alt=\"\" width=\"439\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-119.png 439w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-119-300x251.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-119-65x54.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-119-225x189.png 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-119-350x293.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 439px) 100vw, 439px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-722\" class=\"wp-caption-text\">(c) Wikipedia<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die systemische Betrachtung von Handlungsmodellen im psychologischen und sozialen Bereich ist vor allem aus praktischen Anliegen heraus entstanden und hat sich in der praktischen Anwendung weiter entwickelt. 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