{"id":295,"date":"2020-02-19T17:58:39","date_gmt":"2020-02-19T16:58:39","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=295"},"modified":"2024-10-03T16:05:25","modified_gmt":"2024-10-03T14:05:25","slug":"zentrale-konzepte","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/zentrale-konzepte\/","title":{"raw":"Zentrale Konzepte","rendered":"Zentrale Konzepte"},"content":{"raw":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>humanistische Psychologie<\/i><\/span> wendet sich gegen die deterministischen und mechanistischen Aspekte in den Modellen des Behaviorismus und der Psychoanalyse. Sie orientiert sich an einer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>holistischen Zugangsweise<\/i><\/span>, wie sie vor allem in der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gestaltpsychologie<\/i><\/span>, einer der Wurzeln der humanistischen Psychologie, zum Ausdruck kommt. Viele Ph\u00e4nomene k\u00f6nnen nicht als Einzelelemente erkl\u00e4rt werden, sondern m\u00fcssen als ganzheitliches, dynamisches Geschehen betrachtet werden (siehe auch <a href=\"#video-hans-peter-duerr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Videobeitrag Hans-Peter D\u00fcrr<\/a> weiter unten). Der Mensch als reflexives Wesen muss seine Existenz in der Welt <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sinnhaft<\/i> <\/span>definieren (mit Sinn versehen). Dies kann immer nur in der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Begegnung<\/i> <\/span>mit relevanten Anderen geschehen (Kriz, 2014).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">F\u00fcr alle Richtungen der humanistischen Psychologie k\u00f6nnen die vier folgenden programmatischen Thesen der \u00abAssociation for Humanistic Psychology\u00bb als Grundlage gelten. Sie wurden von B\u00fchler &amp; Allen (1974) in ihrer \u00abEinf\u00fchrung in die Humanistische Psychologie\u00bb beschrieben (Kochinka, 2012; siehe auch Gr\u00f6schke, 1992):<\/p>\r\n\r\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die erlebende Person. Damit r\u00fcckt das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erleben<\/i><\/span> als das prim\u00e4re Ph\u00e4nomen beim Studium des Menschen in den Mittelpunkt. Sowohl theoretische Erkl\u00e4rungen wie auch sichtbares Verhalten werden im Hinblick auf das Erleben selbst und auf seine Bedeutung f\u00fcr den Menschen als zweitrangig betrachtet.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die Auswahl der Fragestellungen und der Forschungsmethoden erfolgt nach <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Massgabe der Sinnhaftigkeit<\/i><\/span> \u2014 im Gegensatz zur Betonung der Objektivit\u00e4t auf Kosten des Sinns.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Der Akzent liegt auf <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>spezifisch menschlichen Eigenschaften<\/i><\/span> wie der F\u00e4higkeit zu w\u00e4hlen, der Kreativit\u00e4t, Wertsetzung und Selbstverwirklichung \u2014 im Gegensatz zu einer mechanistischen und reduktionistischen Auffassung des Menschen.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Ein zentrales Anliegen ist die Aufrechterhaltung von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wert und W\u00fcrde des Menschen<\/i><\/span>, und das Interesse gilt der Entwicklung der jedem Menschen innewohnenden Kr\u00e4fte und F\u00e4higkeiten. In dieser Sicht nimmt der Mensch in der Entdeckung seines Selbst, in seiner Beziehung zu anderen Menschen und zu sozialen Gruppen eine zentrale Stellung ein.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">(B\u00fchler &amp; Allen, 1974; zit. nach Kochinka, 2012)<\/p>\r\n\r\n<div class=\"ilc_section_AdvancedKnowledge ilCOPageSection\">\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\nStraub (2012) setzt etwas andere Schwerpunkte und fasst die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Annahmen,<em> Prinzipien und Orientierungen der humanistischen Psychologie<\/em><\/span> folgendermassen zusammen (vgl. auch Quitman, 1985):\r\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Der Mensch ist mehr bzw. anderes als die Summe seiner einzelnen Bestandteile. Die Herkunft dieser ersten grundlegenden Annahme Ist offenkundig: In der Gestaltpsychologie sprach man vom Theorem der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcbersummativit\u00e4t<\/i><\/span>. Man widersetzte sich damit in verschiedenen Teilgebieten der Psychologie \u2014 z.B. in der Wahrnehmungs- oder Denkpsychologie \u2014 dem Standpunkt des Elementarismus, der den Behaviorismus kennzeichnete.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Das Sein des Menschen, seine Existenz, vollzieht sich im Kontext <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialer Beziehungen<\/i>. <\/span>Der Mensch ist keine Monade, sondern ist charakterisiert durch eine Art prim\u00e4re Sozialit\u00e4t und Kulturalit\u00e4t \u2014 ohne dass ihm dies den Status einer zugleich individuellen Person rauben w\u00fcrde.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Der Mensch lebt bewusst, und diese <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bewusstheit des Lebensvollzugs<\/i><\/span> ist das spezifische Charakteristikum einer Existenz, in der freilich auch das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>emotionale Erleben<\/i><\/span> von herausragender Bedeutung ist.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Der Mensch kann, ja muss aus stets m\u00f6glichen Alternativen ausw\u00e4hlen, er kann und muss <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Entscheidungen treffen<\/i><\/span>. Er kann seine Handlungs- und Lebenspraxis selbst gestalten und sich selbst bestimmen. Demzufolge muss er sein Tun und Lassen auch verantworten. Er kann dementsprechend zur Rechenschaft gezogen werden.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Das Handeln des Menschen besitzt eine intentionale Struktur, es ist zweckorientiert oder zielgerichtet und an Werten ausgerichtet, die die Grundlage der Identit\u00e4t einer Person, den Kern ihres Selbst bilden.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><a id=\"video-hans-peter-duerr\"><\/a>Video: Weil es ums Ganze geht...<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In der folgenden Videoaufnahme erkl\u00e4rt der Physiker Hans-Peter D\u00fcrr die Notwendigkeit einer \u00abSichtweise aufs Ganze\u00bb\u00a0 (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=xgpTcPQJ1U0\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=xgpTcPQJ1U0<\/a>)<\/p>\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_Weil_es_ums_Ganze_geht.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_Weil_es_ums_Ganze_geht.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Das Menschenbild der humanistischen Psychologie<\/h2>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\r\n\r\nDie wichtigsten Grundgedanken zum <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Menschenbild<\/i> <\/span>der humanistischen Psychologie beschreibt Kriz, zusammengefasst in vier Punkten (nach Kriz, 2014):\r\n\r\n[caption id=\"attachment_687\" align=\"alignright\" width=\"250\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-94.png\"><img class=\"wp-image-687 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-94.png\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"253\" \/><\/a> Da Vinci: Der vitruvianische Mensch[\/caption]\r\n\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\r\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Autonomie und soziale Interdependenz: Der Mensch strebt aus seiner postnatalen biologischen Abh\u00e4ngigkeit nach Unabh\u00e4ngigkeit von \u00e4usserer Kontrolle. Er entwickelt ein aktives Selbst, das Verantwortung f\u00fcr das eigene Leben \u00fcbernehmen kann.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Selbstverwirklichung: Auch nach der Befriedigung prim\u00e4rer Bed\u00fcrfnisse ist der Organismus lebendig und aktiv und sucht seine sch\u00f6pferischen F\u00e4higkeiten zu entfalten. Selbstaktualisierungstendenz und Wachstumsbed\u00fcrfnisse sind grundlegende Antriebskr\u00e4fte des Organismus.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Ziel- und Sinnorientierung: Humanistische Wertvorstellungen wie Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenw\u00fcrde sind neben den materiellen Grundlagen wichtig. Menschliches Handeln ist sinnstrukturierend und zielorientiert.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<h2>Ganzheit: Der menschliche Organismus gilt als Gestalt, als organisches, bedeutungsvolles Ganzes, charakterisiert durch die Ganzheitlichkeit von Gef\u00fchl und Vernunft, Leib und Seele.<\/h2>\r\n<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<\/div>\r\n<div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Die Bed\u00fcrfnishierarchie von Maslow<\/h2>\r\n<figure class=\"ilc_media_cont_MediaContainer\"><\/figure>\r\n[caption id=\"attachment_688\" align=\"alignright\" width=\"150\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-95.png\"><img class=\"wp-image-688 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-95.png\" alt=\"Fotografie von Abraham Maslow.\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> (c) Wikipedia[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Wachstums- und Selbstverwirklichungsprozesse k\u00f6nnen nur stattfinden, wenn grundlegende Bed\u00fcrfnisse des Menschen befriedigt sind. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abraham<\/i> <i>Maslow<\/i><\/span> hat f\u00fcr diese Zusammenh\u00e4nge das Modell der Bed\u00fcrfnispyramide entworfen. Die Bed\u00fcrfnishierarchie zeigt, dass Bed\u00fcrfnisse auf einer bestimmten Hierarchiestufe erst relevant werden, wenn alle darunter liegenden Stufen weitgehend erf\u00fcllt sind (Kriz, 2014).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Auf der untersten Stufe befinden sich physiologische Bed\u00fcrfnisse wie Hunger, Durst und Sexualkontakt, auf der n\u00e4chsten Stufe Sicherheitsbed\u00fcrfnisse, auf der dritten Stufe Bed\u00fcrfnisse nach Sozialkontakt (Zugeh\u00f6rigkeit und Liebe), auf der vierten Stufe die Bed\u00fcrfnisse nach Best\u00e4tigung und Wertsch\u00e4tzung. Erst wenn diese grundlegenden Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllt sind, kommen die Wachstums- und Selbstverwirklichungsbed\u00fcrfnisse nach Freiheit und Autonomie auf der f\u00fcnften Stufe zum Tragen (Kriz, 2014).<\/p>\r\n<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-96.png\"><img class=\"aligncenter wp-image-689 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-96.png\" alt=\"Bed\u00fcrfnispyramide, Begriffe von oben nach unten: 1. Kulturbed\u00fcrfnisse (Selbstverwirklichung, Transzendenz...) 2. Individual-Bed\u00fcrfnisse (Anerkennung, Geltungsbed\u00fcrfnis...) 3. Soziale Bed\u00fcrfnisse (Integration, Kommunikation, Beziehungen, Familie...) 4. Bed\u00fcrfnisse nach Sicherheit (k\u00f6rperliche Sicherheit, Versorgungssicherheit) 5. Physiologische (k\u00f6rperliche) Grundbed\u00fcrfnisse (Atem, Trinken, Schlaf, Nahrung...)\" width=\"500\" height=\"343\" \/><\/a>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>","rendered":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>humanistische Psychologie<\/i><\/span> wendet sich gegen die deterministischen und mechanistischen Aspekte in den Modellen des Behaviorismus und der Psychoanalyse. Sie orientiert sich an einer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>holistischen Zugangsweise<\/i><\/span>, wie sie vor allem in der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gestaltpsychologie<\/i><\/span>, einer der Wurzeln der humanistischen Psychologie, zum Ausdruck kommt. Viele Ph\u00e4nomene k\u00f6nnen nicht als Einzelelemente erkl\u00e4rt werden, sondern m\u00fcssen als ganzheitliches, dynamisches Geschehen betrachtet werden (siehe auch <a href=\"#video-hans-peter-duerr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Videobeitrag Hans-Peter D\u00fcrr<\/a> weiter unten). Der Mensch als reflexives Wesen muss seine Existenz in der Welt <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sinnhaft<\/i> <\/span>definieren (mit Sinn versehen). Dies kann immer nur in der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Begegnung<\/i> <\/span>mit relevanten Anderen geschehen (Kriz, 2014).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">F\u00fcr alle Richtungen der humanistischen Psychologie k\u00f6nnen die vier folgenden programmatischen Thesen der \u00abAssociation for Humanistic Psychology\u00bb als Grundlage gelten. Sie wurden von B\u00fchler &amp; Allen (1974) in ihrer \u00abEinf\u00fchrung in die Humanistische Psychologie\u00bb beschrieben (Kochinka, 2012; siehe auch Gr\u00f6schke, 1992):<\/p>\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die erlebende Person. Damit r\u00fcckt das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erleben<\/i><\/span> als das prim\u00e4re Ph\u00e4nomen beim Studium des Menschen in den Mittelpunkt. Sowohl theoretische Erkl\u00e4rungen wie auch sichtbares Verhalten werden im Hinblick auf das Erleben selbst und auf seine Bedeutung f\u00fcr den Menschen als zweitrangig betrachtet.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die Auswahl der Fragestellungen und der Forschungsmethoden erfolgt nach <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Massgabe der Sinnhaftigkeit<\/i><\/span> \u2014 im Gegensatz zur Betonung der Objektivit\u00e4t auf Kosten des Sinns.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Der Akzent liegt auf <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>spezifisch menschlichen Eigenschaften<\/i><\/span> wie der F\u00e4higkeit zu w\u00e4hlen, der Kreativit\u00e4t, Wertsetzung und Selbstverwirklichung \u2014 im Gegensatz zu einer mechanistischen und reduktionistischen Auffassung des Menschen.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Ein zentrales Anliegen ist die Aufrechterhaltung von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wert und W\u00fcrde des Menschen<\/i><\/span>, und das Interesse gilt der Entwicklung der jedem Menschen innewohnenden Kr\u00e4fte und F\u00e4higkeiten. In dieser Sicht nimmt der Mensch in der Entdeckung seines Selbst, in seiner Beziehung zu anderen Menschen und zu sozialen Gruppen eine zentrale Stellung ein.<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">(B\u00fchler &amp; Allen, 1974; zit. nach Kochinka, 2012)<\/p>\n<div class=\"ilc_section_AdvancedKnowledge ilCOPageSection\">\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p>Straub (2012) setzt etwas andere Schwerpunkte und fasst die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Annahmen,<em> Prinzipien und Orientierungen der humanistischen Psychologie<\/em><\/span> folgendermassen zusammen (vgl. auch Quitman, 1985):<\/p>\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Der Mensch ist mehr bzw. anderes als die Summe seiner einzelnen Bestandteile. Die Herkunft dieser ersten grundlegenden Annahme Ist offenkundig: In der Gestaltpsychologie sprach man vom Theorem der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcbersummativit\u00e4t<\/i><\/span>. Man widersetzte sich damit in verschiedenen Teilgebieten der Psychologie \u2014 z.B. in der Wahrnehmungs- oder Denkpsychologie \u2014 dem Standpunkt des Elementarismus, der den Behaviorismus kennzeichnete.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Das Sein des Menschen, seine Existenz, vollzieht sich im Kontext <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialer Beziehungen<\/i>. <\/span>Der Mensch ist keine Monade, sondern ist charakterisiert durch eine Art prim\u00e4re Sozialit\u00e4t und Kulturalit\u00e4t \u2014 ohne dass ihm dies den Status einer zugleich individuellen Person rauben w\u00fcrde.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Der Mensch lebt bewusst, und diese <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bewusstheit des Lebensvollzugs<\/i><\/span> ist das spezifische Charakteristikum einer Existenz, in der freilich auch das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>emotionale Erleben<\/i><\/span> von herausragender Bedeutung ist.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Der Mensch kann, ja muss aus stets m\u00f6glichen Alternativen ausw\u00e4hlen, er kann und muss <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Entscheidungen treffen<\/i><\/span>. Er kann seine Handlungs- und Lebenspraxis selbst gestalten und sich selbst bestimmen. Demzufolge muss er sein Tun und Lassen auch verantworten. Er kann dementsprechend zur Rechenschaft gezogen werden.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Das Handeln des Menschen besitzt eine intentionale Struktur, es ist zweckorientiert oder zielgerichtet und an Werten ausgerichtet, die die Grundlage der Identit\u00e4t einer Person, den Kern ihres Selbst bilden.<\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><a id=\"video-hans-peter-duerr\"><\/a>Video: Weil es ums Ganze geht&#8230;<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In der folgenden Videoaufnahme erkl\u00e4rt der Physiker Hans-Peter D\u00fcrr die Notwendigkeit einer \u00abSichtweise aufs Ganze\u00bb\u00a0 (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=xgpTcPQJ1U0\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=xgpTcPQJ1U0<\/a>)<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_Weil_es_ums_Ganze_geht.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2024\/10\/YouTube_Weil_es_ums_Ganze_geht.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Das Menschenbild der humanistischen Psychologie<\/h2>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\n<p>Die wichtigsten Grundgedanken zum <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Menschenbild<\/i> <\/span>der humanistischen Psychologie beschreibt Kriz, zusammengefasst in vier Punkten (nach Kriz, 2014):<\/p>\n<figure id=\"attachment_687\" aria-describedby=\"caption-attachment-687\" style=\"width: 250px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-94.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-687 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-94.png\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"253\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-94.png 250w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-94-65x66.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-94-225x228.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-687\" class=\"wp-caption-text\">Da Vinci: Der vitruvianische Mensch<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Autonomie und soziale Interdependenz: Der Mensch strebt aus seiner postnatalen biologischen Abh\u00e4ngigkeit nach Unabh\u00e4ngigkeit von \u00e4usserer Kontrolle. Er entwickelt ein aktives Selbst, das Verantwortung f\u00fcr das eigene Leben \u00fcbernehmen kann.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Selbstverwirklichung: Auch nach der Befriedigung prim\u00e4rer Bed\u00fcrfnisse ist der Organismus lebendig und aktiv und sucht seine sch\u00f6pferischen F\u00e4higkeiten zu entfalten. Selbstaktualisierungstendenz und Wachstumsbed\u00fcrfnisse sind grundlegende Antriebskr\u00e4fte des Organismus.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Ziel- und Sinnorientierung: Humanistische Wertvorstellungen wie Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenw\u00fcrde sind neben den materiellen Grundlagen wichtig. Menschliches Handeln ist sinnstrukturierend und zielorientiert.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<h2>Ganzheit: Der menschliche Organismus gilt als Gestalt, als organisches, bedeutungsvolles Ganzes, charakterisiert durch die Ganzheitlichkeit von Gef\u00fchl und Vernunft, Leib und Seele.<\/h2>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n<div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Die Bed\u00fcrfnishierarchie von Maslow<\/h2>\n<figure class=\"ilc_media_cont_MediaContainer\"><\/figure>\n<figure id=\"attachment_688\" aria-describedby=\"caption-attachment-688\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-95.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-688 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-95.png\" alt=\"Fotografie von Abraham Maslow.\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-95.png 150w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-95-65x65.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-688\" class=\"wp-caption-text\">(c) Wikipedia<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Wachstums- und Selbstverwirklichungsprozesse k\u00f6nnen nur stattfinden, wenn grundlegende Bed\u00fcrfnisse des Menschen befriedigt sind. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abraham<\/i> <i>Maslow<\/i><\/span> hat f\u00fcr diese Zusammenh\u00e4nge das Modell der Bed\u00fcrfnispyramide entworfen. Die Bed\u00fcrfnishierarchie zeigt, dass Bed\u00fcrfnisse auf einer bestimmten Hierarchiestufe erst relevant werden, wenn alle darunter liegenden Stufen weitgehend erf\u00fcllt sind (Kriz, 2014).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Auf der untersten Stufe befinden sich physiologische Bed\u00fcrfnisse wie Hunger, Durst und Sexualkontakt, auf der n\u00e4chsten Stufe Sicherheitsbed\u00fcrfnisse, auf der dritten Stufe Bed\u00fcrfnisse nach Sozialkontakt (Zugeh\u00f6rigkeit und Liebe), auf der vierten Stufe die Bed\u00fcrfnisse nach Best\u00e4tigung und Wertsch\u00e4tzung. Erst wenn diese grundlegenden Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllt sind, kommen die Wachstums- und Selbstverwirklichungsbed\u00fcrfnisse nach Freiheit und Autonomie auf der f\u00fcnften Stufe zum Tragen (Kriz, 2014).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-96.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-689 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-96.png\" alt=\"Bed\u00fcrfnispyramide, Begriffe von oben nach unten: 1. Kulturbed\u00fcrfnisse (Selbstverwirklichung, Transzendenz...) 2. Individual-Bed\u00fcrfnisse (Anerkennung, Geltungsbed\u00fcrfnis...) 3. Soziale Bed\u00fcrfnisse (Integration, Kommunikation, Beziehungen, Familie...) 4. Bed\u00fcrfnisse nach Sicherheit (k\u00f6rperliche Sicherheit, Versorgungssicherheit) 5. Physiologische (k\u00f6rperliche) Grundbed\u00fcrfnisse (Atem, Trinken, Schlaf, Nahrung...)\" width=\"500\" height=\"343\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-96.png 500w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-96-300x206.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-96-65x45.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-96-225x154.png 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-96-350x240.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die humanistische Psychologie wendet sich gegen die deterministischen und mechanistischen Aspekte in den Modellen des Behaviorismus und der Psychoanalyse. Sie orientiert sich an einer holistischen Zugangsweise, wie sie vor allem in der Gestaltpsychologie, einer der Wurzeln der humanistischen Psychologie, zum Ausdruck kommt. Viele Ph\u00e4nomene k\u00f6nnen nicht als Einzelelemente erkl\u00e4rt werden, sondern m\u00fcssen als ganzheitliches, dynamisches [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":19,"menu_order":4,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"","pb_subtitle":"","pb_authors":[],"pb_section_license":""},"categories":[],"chapter-type":[],"contributor":[],"license":[],"class_list":["post-295","chapter","type-chapter","status-publish","hentry"],"part":110,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/295","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/295\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1813,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/295\/revisions\/1813"}],"part":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/110"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/295\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=295"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=295"},{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=295"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=295"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=295"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}