{"id":293,"date":"2020-02-19T17:58:20","date_gmt":"2020-02-19T16:58:20","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=293"},"modified":"2024-06-19T08:31:26","modified_gmt":"2024-06-19T06:31:26","slug":"urspruenge-des-humanistischen-modells","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/urspruenge-des-humanistischen-modells\/","title":{"raw":"Urspr\u00fcnge des humanistischen Modells","rendered":"Urspr\u00fcnge des humanistischen Modells"},"content":{"raw":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Anf\u00e4nge des humanistisch-existenzialistischen Modells gehen in die 1940er Jahre zur\u00fcck. Zu dieser Zeit begann <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Carl Rogers<\/i> <\/span>(1902\u20141987), der vielen als Pionier des humanistischen Ansatzes gilt, psychotherapeutische Vorstellungen zu entwickeln, die mit den einflussreichen psychodynamischen Prinzipien jener Zeit konkurrierten. Er vertrat die Ansicht, die Klienten w\u00fcrden mehr von der Behandlung profitieren, wenn die Therapie von ihrer besonderen, subjektiven Sicht der Dinge ausginge statt von einer fremden Definition von objektiver Realit\u00e4t. Auch meinte Rogers, die Klienten w\u00fcrden besser reagieren, wenn sich die Therapeuten besonders warm, echt und verst\u00e4ndnisvoll verhielten. Er beschrieb seine neue therapeutische Methode, die klientenzentrierte Psychotherapie, in einem einflussreichen, in den 1950er Jahren ver\u00f6ffentlichten Buch (\u00abClient-Centered Therapy\u00bb).<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_682\" align=\"alignright\" width=\"280\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-91.png\"><img class=\"wp-image-682 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-91.png\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"167\" \/><\/a> (c) www.synergetik-institut.de[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im selben Zeitraum trat auch die existenzialistische Sicht der Pers\u00f6nlichkeit und der psychischen St\u00f6rungen in Erscheinung. Sie berief sich auf die Ideen der europ\u00e4ischen Existenzphilosophen, wie S\u00f6ren Kierkegaard, Karl Jaspers, Edmund Husserl, Martin Heidegger und Jean-Paul Sartre. Diese Theoretiker behaupteten, dass der Mensch sein Dasein durch seine Handlungen definiere und dass der Sinn der einzelnen Existenz in diesen Definitionsbem\u00fchungen liege.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\u00c4usserst popul\u00e4r waren die humanistischen und existenzialistischen Theorien in den 1960er und 1970er Jahren, einer Zeit tiefreichender Identit\u00e4tssuche und sozialer Umbr\u00fcche in den westlichen Gesellschaften. Viele Menschen fanden, die Gesellschaft des 20. Jahrhunderts sei durch den \u00dcberfluss zu materialistisch geworden, menschliche Werte und Belange seien beiseite geschoben worden, und angesichts des schnellen technischen und wirtschaftlichen Wachstums h\u00e4tten sich Entfremdung, Sinnlosigkeit und geistige Leere ausgebreitet. Die humanistischen Theorien, die eine erneuerte Menschlichkeit proklamierten, und die existenzialistischen Theorien, die die Menschen dazu aufforderten, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, griffen diese wachsende Besorgnis auf. Zwar verlor das humanistisch-existenzialistische Modell in den 1980er Jahren an Popularit\u00e4t, doch es beeinflusst immer noch viele therapeutische Techniken (Comer, 2008).<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Philosophische Wurzeln<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>philosophischen Wurzeln<\/i><\/span> der humanistischen Psychologie k\u00f6nnen unter verschiedenen Voraussetzungen beschrieben werden. Eine kurze, aber fundierte Beschreibung findet sich bei Kriz (2014), der die folgenden philosophischen Str\u00f6mungen und ihre wichtigsten Vertreter als Wurzeln der humanistischen Psychologie bezeichnet (S. 186):<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_684\" align=\"alignright\" width=\"204\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-92.png\"><img class=\"wp-image-684 size-medium\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-92-204x300.png\" alt=\"Das Bild zeigt ein Port\u00e4t von S\u00f6ren Kierkegaard.\" width=\"204\" height=\"300\" \/><\/a> S\u00f6ren Kierkegaard. (c) Wikipedia[\/caption]\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Existenzphilosophie<\/i><\/span>, repr\u00e4sentiert durch S\u00f6ren Kierkegaard, Friedrich Nietzsche, Martin Buber, Gabriel Marcel und Karl Jaspers,<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ph\u00e4nomenologie<\/i> <\/span>(Edmund Husserl, Max Scheler),<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>klassischen Humanismus<\/i><\/span> (Johann Gottfried Herder) und den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialistischen Humanismus<\/i><\/span> (Karl Marx),<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">und den<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Humanismus moderner franz\u00f6sischer Pr\u00e4gung<\/span><\/i>, der im ph\u00e4nomenologischen und existenziellen Kontext entwickelt wurde (Maurice Merleau-Ponty, Jean-Paul Sartre, Albert Camus).<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Demgegen\u00fcber existieren in Publikationen und im Internet unz\u00e4hlige Beschreibungen und Aufz\u00e4hlungen der philosphischen Wurzeln und der Vorgeschichte der humanistischen Psychologie, die als Erg\u00e4nzung zu den oben erw\u00e4hnten eine mehr oder weniger beliebige Aufz\u00e4hlung (namedropping) von Vorl\u00e4ufern und Traditionen von der Antike bis zur Moderne liefern (Straub, 2012).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als Beispiel zitiert Straub eine Aufz\u00e4hlung, die bei Homer und Platon beginnt und \u00fcber Erasmus von Rotterdam, Jean-Jacques Rousseau, Johann Heinrich Pestalozzi, Friedrich Nietzsche, William James, Wilhelm Dilthey, Eduard Spranger, Edmund Husserl, Martin Heidegger, Maurice Merleau-Ponty, S\u00f6ren Kierkegaard, Albert Camus, Lew Wygotski reicht und schliesslich auch noch Federico Fellini bem\u00fcht (Straub, 2012).<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Einfl\u00fcsse aus der Psychologie<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Gestaltpsychologische Konzepte<\/span> <\/i>aus dem deutschen Sprachraum \u00fcbten einen starken Einfluss auf die Entwicklung der humanistischen Psychologie aus (Wertheimer, K\u00f6hler, Koffka, Goldstein). Die Gestaltpsychologie betont, dass Wahrnehmung, Denken, Willenshandlungen und Bewegungsabl\u00e4ufe ganzheitlich nach \u00fcbergeordneten Gestaltgesetzen organisiert sind (Kriz, 2014).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-93.png\"><img class=\"alignright wp-image-685 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-93.png\" alt=\"\" width=\"347\" height=\"218\" \/><\/a>Die so genannten <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gestalten<\/i> <\/span>sind transponierbar und heben sich vor einem Hintergrund als geschlossene, in sich gegliederte Ganzheiten ab. Dies wurde bereits im Modul zu den kogntiven Modellen (<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/kognitivismus#gestaltpsychologie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kognitivismus &gt; Gestaltpsychologie<\/a>) ausf\u00fchrlich dargestellt. Die Gestaltpsychologen zeigten, dass die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gestaltgesetze<\/i> <\/span>nicht nur f\u00fcr den Wahrnehmungsbereich, sondern f\u00fcr den gesamten Organismus g\u00fcltig sind. Sie betonten die Einheit und die F\u00e4higkeit zur Selbstregulation des Organismus. Dynamische Prozesse der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Selbstaktualisierung<\/i> <\/span>f\u00fchren zu einer angemessenen Ordnung. Die gestalpsychologischen Konzepte zeigen ausserdem eine bemerkenswerte N\u00e4he zur naturwissenschaftlich fundierten modernen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Systemtheorie<\/i> <\/span>(Kriz, 2014).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ein weiterer wichtiger Einfluss f\u00fcr die Entstehung der humanistischen Psychologie stammt vom Psychiater Jacob Levy <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Moreno<\/i> <\/span>(siehe Kapitel <a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/therapieformen-des-humanistischen-modells#psychodrama-moreno\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Therapieformen des humanistischen Modells &gt; Psychodrama<\/a>), in dessen Gruppenpsychotherapie <i>(<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Psychodrama<\/span>)<\/i> zwischenmenschliche Konflikte in theater\u00e4hnlichen Szenen dargestellt werden.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"ilc_section_AdvancedKnowledge ilCOPageSection\">\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\nDie <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Gestalttheorie <\/span>hat mit den folgenden Leits\u00e4tzen zur theoretischen Fundierung des Handlungsmodells der\u00a0 <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>humanistischen Psychotherapie<\/i><\/span> beigetragen (<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Sechs Kennzeichen der Arbeit am Lebendigen<\/span>, Kriz, 2014, nach Walter, 1994).\r\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Nichtbeliebigkeit der Form<\/span>:<\/b> Man kann Lebendigem \u00abauf die Dauer nichts gegen seine Natur aufzwingen\u00bb; man \u00abkann nur zur Entfaltung bringen, was schon in dem \u2039Material\u203a selbst an M\u00f6glichkeiten angelegt ist\u00bb.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Gestaltung aus inneren Kr\u00e4ften<\/span>:<\/b> \u00abDie Kr\u00e4fte und Antriebe, die die angestrebte Form verwirklichen, haben wesentlich in dem betreuenden Wesen selbst ihren Ursprung. Der Betreuer sieht sich darauf beschr\u00e4nkt, durch die Setzung und Abwandlung gewisser Randbedingungen dessen innere Kr\u00e4fte nach seinem Wunsch zu steuern, zu st\u00e4rken oder zu schw\u00e4chen, ihre Wirksamkeit im Ganzen oder an bestimmten Stellen zu erleichtern oder zu hemmen. Von Dauer sind im Bereich des Lebendigen nur solche Formen, die durch die Entfaltung innerer Kr\u00e4fte sich bilden und st\u00e4ndig von ihnen getragen und wieder hergestellt werden\u00bb.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Nichtbeliebigkeit der Arbeitszeiten<\/span>:<\/b> Das lebende Wesen kann nicht beliebig auf seine Pflege warten. Es hat vor allem seine eigenen fruchtbaren Zeiten und Augenblicke, in denen es bestimmten Arten der Beeinflussung, der Lenkung oder der Festlegung zug\u00e4nglich ist. Der Formungsvorgang in dem Augenblick, wo ich mich von dem betreuten Wesen abwende, [bleibt] nicht stehen; er geht weiter\u00bb.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Nichtbeliebigkeit der Arbeitsgeschwindigkeit<\/span>:<\/b> \u00abProzesse des Wachsens, Reifens, \u00dcberstehens einer Krankheit haben offenbar ihre jeweils eigent\u00fcmlichen Ablaufgeschwindigkeiten, die sich nicht beliebig beschleunigen lassen.\u00bb<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Duldung von Umwegen<\/span>:<\/b> \u00abWer mit der Pflege, Aufzucht und Erziehung von lebenden Wesen zu tun hat, muss \u00fcberall dort Umwege in Kauf nehmen, wo diese bei der Entwicklung jenes Wesens im Sch\u00f6pfungsplan vorgesehen sind\u00bb.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Wechselseitigkeit des Geschehens<\/span>:<\/b> \u00abDas Geschehen beim Pflegen ist wechselseitig. Es ist im ausgepr\u00e4gten Fall ein Umgang mit \u2039Partnern des Lebens\u203a. Man kann daher \u2014 im strengen Sinne des Wortes \u2014 nur ein lebendes Wesen lieben \u2014 und von ihm wiedergeliebt werden, oder hassen \u2014 und von ihm wiedergehasst werden\u00bb.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Diese \u00abKennzeichen\u00bb Metzgers machen deutlich, wie gut Wurzeln der Philosophie und der Gestaltpsychologie zu einem \u00abBusch\u00bb (mit vielen Zweigen) \u00abhumanistische Psychologie\u00bb zusammenwachsen k\u00f6nnen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">(Kriz, 2014, S. 189, nach Walter, der Metzgers Aussagen kommentiert).<\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Humanistische P\u00e4dagogik<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Humanistische P\u00e4dagogik<\/b><\/span> ist eine Einstellung und Praxis in der Erziehung, die den Aspekten der Freiheit, der Wertsch\u00e4tzung, der W\u00fcrde und der Integrit\u00e4t von Personen ein grosses Gewicht beimisst.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Die moderne <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>humanistische P\u00e4dagogik<\/i><\/span> \u00fcbernahm ihre Grundans\u00e4tze aus der humanistischen Psychologie. Als wichtige Vertreter dieser Richtung sind Carl Rogers, Charlotte B\u00fchler, Abraham Maslow und Paul Goodman zu nennen. Die Ziele der humanistischen P\u00e4dagogik wurden 1978 von der ASCD (Association for Supervision and Curriculum Development) wie folgt formuliert:<\/p>\r\n\r\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die Humanistische P\u00e4dagogik akzeptiert die Bed\u00fcrfnisse der Lernenden und stellt Erfahrungsm\u00f6glichkeiten und Programme zusammen, die ihr Potenzial ber\u00fccksichtigen.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Sie erleichtert \u00abSelbst-Aktualisierung\u00bb und versucht, in allen Personen ein Bewusstsein pers\u00f6nlicher Wertsch\u00e4tzung zu entwickeln.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Sie betont den Erwerb grundlegender F\u00e4higkeiten, um in einer aus vielen Kulturen bestehenden Gesellschaft zu leben. Dies beinhaltet akademische, pers\u00f6nliche, zwischenmenschliche, kommunikative und \u00f6konomische Bereiche.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Sie versucht, p\u00e4dagogische Entscheidungen und Praktiken pers\u00f6nlich zu machen. Zu diesem Zweck beabsichtigt sie, die Lernenden in den Prozess ihrer eigenen Erziehung miteinzubeziehen (sch\u00fclerorientierter Unterricht).<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Sie erkennt die wichtige Rolle von Gef\u00fchlen an und verwendet pers\u00f6nliche Werte und Wahrnehmungen als integrierte Teile des Erziehungsprozesses, vgl.Ganzheitlichkeit (P\u00e4dagogik).<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Sie entwickelt ein Lernklima, das pers\u00f6nliches Wachstum f\u00f6rdert und das von den Lernenden als interessant, verstehend, unterst\u00fctzend und angstfrei empfunden wird.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Sie entwickelt in den Lernenden einen echten Respekt f\u00fcr den Wert des Mitmenschen sowie die F\u00e4higkeit, Konflikte zu l\u00f6sen (Sozialkompetenz).<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Verschiedene therapeutische Ans\u00e4tze, die sich in der humanistischen Psychologie entwickelten, fanden ebenfalls Eingang in die p\u00e4dagogische Arbeit (nach Wikipedia).<\/p>\r\n\r\n<\/div>","rendered":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Anf\u00e4nge des humanistisch-existenzialistischen Modells gehen in die 1940er Jahre zur\u00fcck. Zu dieser Zeit begann <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Carl Rogers<\/i> <\/span>(1902\u20141987), der vielen als Pionier des humanistischen Ansatzes gilt, psychotherapeutische Vorstellungen zu entwickeln, die mit den einflussreichen psychodynamischen Prinzipien jener Zeit konkurrierten. Er vertrat die Ansicht, die Klienten w\u00fcrden mehr von der Behandlung profitieren, wenn die Therapie von ihrer besonderen, subjektiven Sicht der Dinge ausginge statt von einer fremden Definition von objektiver Realit\u00e4t. Auch meinte Rogers, die Klienten w\u00fcrden besser reagieren, wenn sich die Therapeuten besonders warm, echt und verst\u00e4ndnisvoll verhielten. Er beschrieb seine neue therapeutische Methode, die klientenzentrierte Psychotherapie, in einem einflussreichen, in den 1950er Jahren ver\u00f6ffentlichten Buch (\u00abClient-Centered Therapy\u00bb).<\/p>\n<figure id=\"attachment_682\" aria-describedby=\"caption-attachment-682\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-91.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-682 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-91.png\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"167\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-91.png 280w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-91-65x39.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-91-225x134.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-682\" class=\"wp-caption-text\">(c) www.synergetik-institut.de<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im selben Zeitraum trat auch die existenzialistische Sicht der Pers\u00f6nlichkeit und der psychischen St\u00f6rungen in Erscheinung. Sie berief sich auf die Ideen der europ\u00e4ischen Existenzphilosophen, wie S\u00f6ren Kierkegaard, Karl Jaspers, Edmund Husserl, Martin Heidegger und Jean-Paul Sartre. Diese Theoretiker behaupteten, dass der Mensch sein Dasein durch seine Handlungen definiere und dass der Sinn der einzelnen Existenz in diesen Definitionsbem\u00fchungen liege.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\u00c4usserst popul\u00e4r waren die humanistischen und existenzialistischen Theorien in den 1960er und 1970er Jahren, einer Zeit tiefreichender Identit\u00e4tssuche und sozialer Umbr\u00fcche in den westlichen Gesellschaften. Viele Menschen fanden, die Gesellschaft des 20. Jahrhunderts sei durch den \u00dcberfluss zu materialistisch geworden, menschliche Werte und Belange seien beiseite geschoben worden, und angesichts des schnellen technischen und wirtschaftlichen Wachstums h\u00e4tten sich Entfremdung, Sinnlosigkeit und geistige Leere ausgebreitet. Die humanistischen Theorien, die eine erneuerte Menschlichkeit proklamierten, und die existenzialistischen Theorien, die die Menschen dazu aufforderten, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, griffen diese wachsende Besorgnis auf. Zwar verlor das humanistisch-existenzialistische Modell in den 1980er Jahren an Popularit\u00e4t, doch es beeinflusst immer noch viele therapeutische Techniken (Comer, 2008).<\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Philosophische Wurzeln<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>philosophischen Wurzeln<\/i><\/span> der humanistischen Psychologie k\u00f6nnen unter verschiedenen Voraussetzungen beschrieben werden. Eine kurze, aber fundierte Beschreibung findet sich bei Kriz (2014), der die folgenden philosophischen Str\u00f6mungen und ihre wichtigsten Vertreter als Wurzeln der humanistischen Psychologie bezeichnet (S. 186):<\/p>\n<figure id=\"attachment_684\" aria-describedby=\"caption-attachment-684\" style=\"width: 204px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-92.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-684 size-medium\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-92-204x300.png\" alt=\"Das Bild zeigt ein Port\u00e4t von S\u00f6ren Kierkegaard.\" width=\"204\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-92-204x300.png 204w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-92-65x95.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-92-225x330.png 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-92.png 235w\" sizes=\"auto, (max-width: 204px) 100vw, 204px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-684\" class=\"wp-caption-text\">S\u00f6ren Kierkegaard. (c) Wikipedia<\/figcaption><\/figure>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Existenzphilosophie<\/i><\/span>, repr\u00e4sentiert durch S\u00f6ren Kierkegaard, Friedrich Nietzsche, Martin Buber, Gabriel Marcel und Karl Jaspers,<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ph\u00e4nomenologie<\/i> <\/span>(Edmund Husserl, Max Scheler),<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>klassischen Humanismus<\/i><\/span> (Johann Gottfried Herder) und den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sozialistischen Humanismus<\/i><\/span> (Karl Marx),<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">und den<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Humanismus moderner franz\u00f6sischer Pr\u00e4gung<\/span><\/i>, der im ph\u00e4nomenologischen und existenziellen Kontext entwickelt wurde (Maurice Merleau-Ponty, Jean-Paul Sartre, Albert Camus).<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Demgegen\u00fcber existieren in Publikationen und im Internet unz\u00e4hlige Beschreibungen und Aufz\u00e4hlungen der philosphischen Wurzeln und der Vorgeschichte der humanistischen Psychologie, die als Erg\u00e4nzung zu den oben erw\u00e4hnten eine mehr oder weniger beliebige Aufz\u00e4hlung (namedropping) von Vorl\u00e4ufern und Traditionen von der Antike bis zur Moderne liefern (Straub, 2012).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als Beispiel zitiert Straub eine Aufz\u00e4hlung, die bei Homer und Platon beginnt und \u00fcber Erasmus von Rotterdam, Jean-Jacques Rousseau, Johann Heinrich Pestalozzi, Friedrich Nietzsche, William James, Wilhelm Dilthey, Eduard Spranger, Edmund Husserl, Martin Heidegger, Maurice Merleau-Ponty, S\u00f6ren Kierkegaard, Albert Camus, Lew Wygotski reicht und schliesslich auch noch Federico Fellini bem\u00fcht (Straub, 2012).<\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Einfl\u00fcsse aus der Psychologie<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Gestaltpsychologische Konzepte<\/span> <\/i>aus dem deutschen Sprachraum \u00fcbten einen starken Einfluss auf die Entwicklung der humanistischen Psychologie aus (Wertheimer, K\u00f6hler, Koffka, Goldstein). Die Gestaltpsychologie betont, dass Wahrnehmung, Denken, Willenshandlungen und Bewegungsabl\u00e4ufe ganzheitlich nach \u00fcbergeordneten Gestaltgesetzen organisiert sind (Kriz, 2014).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-93.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-685 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-93.png\" alt=\"\" width=\"347\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-93.png 347w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-93-300x188.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-93-65x41.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-93-225x141.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 347px) 100vw, 347px\" \/><\/a>Die so genannten <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gestalten<\/i> <\/span>sind transponierbar und heben sich vor einem Hintergrund als geschlossene, in sich gegliederte Ganzheiten ab. Dies wurde bereits im Modul zu den kogntiven Modellen (<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/kognitivismus#gestaltpsychologie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kognitivismus &gt; Gestaltpsychologie<\/a>) ausf\u00fchrlich dargestellt. Die Gestaltpsychologen zeigten, dass die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gestaltgesetze<\/i> <\/span>nicht nur f\u00fcr den Wahrnehmungsbereich, sondern f\u00fcr den gesamten Organismus g\u00fcltig sind. Sie betonten die Einheit und die F\u00e4higkeit zur Selbstregulation des Organismus. Dynamische Prozesse der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Selbstaktualisierung<\/i> <\/span>f\u00fchren zu einer angemessenen Ordnung. Die gestalpsychologischen Konzepte zeigen ausserdem eine bemerkenswerte N\u00e4he zur naturwissenschaftlich fundierten modernen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Systemtheorie<\/i> <\/span>(Kriz, 2014).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ein weiterer wichtiger Einfluss f\u00fcr die Entstehung der humanistischen Psychologie stammt vom Psychiater Jacob Levy <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Moreno<\/i> <\/span>(siehe Kapitel <a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/therapieformen-des-humanistischen-modells#psychodrama-moreno\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Therapieformen des humanistischen Modells &gt; Psychodrama<\/a>), in dessen Gruppenpsychotherapie <i>(<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Psychodrama<\/span>)<\/i> zwischenmenschliche Konflikte in theater\u00e4hnlichen Szenen dargestellt werden.<\/p>\n<div class=\"ilc_section_AdvancedKnowledge ilCOPageSection\">\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p>Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Gestalttheorie <\/span>hat mit den folgenden Leits\u00e4tzen zur theoretischen Fundierung des Handlungsmodells der\u00a0 <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>humanistischen Psychotherapie<\/i><\/span> beigetragen (<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Sechs Kennzeichen der Arbeit am Lebendigen<\/span>, Kriz, 2014, nach Walter, 1994).<\/p>\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Nichtbeliebigkeit der Form<\/span>:<\/b> Man kann Lebendigem \u00abauf die Dauer nichts gegen seine Natur aufzwingen\u00bb; man \u00abkann nur zur Entfaltung bringen, was schon in dem \u2039Material\u203a selbst an M\u00f6glichkeiten angelegt ist\u00bb.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Gestaltung aus inneren Kr\u00e4ften<\/span>:<\/b> \u00abDie Kr\u00e4fte und Antriebe, die die angestrebte Form verwirklichen, haben wesentlich in dem betreuenden Wesen selbst ihren Ursprung. Der Betreuer sieht sich darauf beschr\u00e4nkt, durch die Setzung und Abwandlung gewisser Randbedingungen dessen innere Kr\u00e4fte nach seinem Wunsch zu steuern, zu st\u00e4rken oder zu schw\u00e4chen, ihre Wirksamkeit im Ganzen oder an bestimmten Stellen zu erleichtern oder zu hemmen. Von Dauer sind im Bereich des Lebendigen nur solche Formen, die durch die Entfaltung innerer Kr\u00e4fte sich bilden und st\u00e4ndig von ihnen getragen und wieder hergestellt werden\u00bb.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Nichtbeliebigkeit der Arbeitszeiten<\/span>:<\/b> Das lebende Wesen kann nicht beliebig auf seine Pflege warten. Es hat vor allem seine eigenen fruchtbaren Zeiten und Augenblicke, in denen es bestimmten Arten der Beeinflussung, der Lenkung oder der Festlegung zug\u00e4nglich ist. Der Formungsvorgang in dem Augenblick, wo ich mich von dem betreuten Wesen abwende, [bleibt] nicht stehen; er geht weiter\u00bb.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Nichtbeliebigkeit der Arbeitsgeschwindigkeit<\/span>:<\/b> \u00abProzesse des Wachsens, Reifens, \u00dcberstehens einer Krankheit haben offenbar ihre jeweils eigent\u00fcmlichen Ablaufgeschwindigkeiten, die sich nicht beliebig beschleunigen lassen.\u00bb<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Duldung von Umwegen<\/span>:<\/b> \u00abWer mit der Pflege, Aufzucht und Erziehung von lebenden Wesen zu tun hat, muss \u00fcberall dort Umwege in Kauf nehmen, wo diese bei der Entwicklung jenes Wesens im Sch\u00f6pfungsplan vorgesehen sind\u00bb.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Wechselseitigkeit des Geschehens<\/span>:<\/b> \u00abDas Geschehen beim Pflegen ist wechselseitig. Es ist im ausgepr\u00e4gten Fall ein Umgang mit \u2039Partnern des Lebens\u203a. Man kann daher \u2014 im strengen Sinne des Wortes \u2014 nur ein lebendes Wesen lieben \u2014 und von ihm wiedergeliebt werden, oder hassen \u2014 und von ihm wiedergehasst werden\u00bb.<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Diese \u00abKennzeichen\u00bb Metzgers machen deutlich, wie gut Wurzeln der Philosophie und der Gestaltpsychologie zu einem \u00abBusch\u00bb (mit vielen Zweigen) \u00abhumanistische Psychologie\u00bb zusammenwachsen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">(Kriz, 2014, S. 189, nach Walter, der Metzgers Aussagen kommentiert).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Humanistische P\u00e4dagogik<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Humanistische P\u00e4dagogik<\/b><\/span> ist eine Einstellung und Praxis in der Erziehung, die den Aspekten der Freiheit, der Wertsch\u00e4tzung, der W\u00fcrde und der Integrit\u00e4t von Personen ein grosses Gewicht beimisst.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Die moderne <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>humanistische P\u00e4dagogik<\/i><\/span> \u00fcbernahm ihre Grundans\u00e4tze aus der humanistischen Psychologie. Als wichtige Vertreter dieser Richtung sind Carl Rogers, Charlotte B\u00fchler, Abraham Maslow und Paul Goodman zu nennen. Die Ziele der humanistischen P\u00e4dagogik wurden 1978 von der ASCD (Association for Supervision and Curriculum Development) wie folgt formuliert:<\/p>\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die Humanistische P\u00e4dagogik akzeptiert die Bed\u00fcrfnisse der Lernenden und stellt Erfahrungsm\u00f6glichkeiten und Programme zusammen, die ihr Potenzial ber\u00fccksichtigen.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Sie erleichtert \u00abSelbst-Aktualisierung\u00bb und versucht, in allen Personen ein Bewusstsein pers\u00f6nlicher Wertsch\u00e4tzung zu entwickeln.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Sie betont den Erwerb grundlegender F\u00e4higkeiten, um in einer aus vielen Kulturen bestehenden Gesellschaft zu leben. Dies beinhaltet akademische, pers\u00f6nliche, zwischenmenschliche, kommunikative und \u00f6konomische Bereiche.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Sie versucht, p\u00e4dagogische Entscheidungen und Praktiken pers\u00f6nlich zu machen. Zu diesem Zweck beabsichtigt sie, die Lernenden in den Prozess ihrer eigenen Erziehung miteinzubeziehen (sch\u00fclerorientierter Unterricht).<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Sie erkennt die wichtige Rolle von Gef\u00fchlen an und verwendet pers\u00f6nliche Werte und Wahrnehmungen als integrierte Teile des Erziehungsprozesses, vgl.Ganzheitlichkeit (P\u00e4dagogik).<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Sie entwickelt ein Lernklima, das pers\u00f6nliches Wachstum f\u00f6rdert und das von den Lernenden als interessant, verstehend, unterst\u00fctzend und angstfrei empfunden wird.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Sie entwickelt in den Lernenden einen echten Respekt f\u00fcr den Wert des Mitmenschen sowie die F\u00e4higkeit, Konflikte zu l\u00f6sen (Sozialkompetenz).<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Verschiedene therapeutische Ans\u00e4tze, die sich in der humanistischen Psychologie entwickelten, fanden ebenfalls Eingang in die p\u00e4dagogische Arbeit (nach Wikipedia).<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anf\u00e4nge des humanistisch-existenzialistischen Modells gehen in die 1940er Jahre zur\u00fcck. Zu dieser Zeit begann Carl Rogers (1902\u20141987), der vielen als Pionier des humanistischen Ansatzes gilt, psychotherapeutische Vorstellungen zu entwickeln, die mit den einflussreichen psychodynamischen Prinzipien jener Zeit konkurrierten. Er vertrat die Ansicht, die Klienten w\u00fcrden mehr von der Behandlung profitieren, wenn die Therapie von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":19,"menu_order":3,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"","pb_subtitle":"","pb_authors":[],"pb_section_license":""},"categories":[],"chapter-type":[],"contributor":[],"license":[],"class_list":["post-293","chapter","type-chapter","status-publish","hentry"],"part":110,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/293","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/293\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1578,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/293\/revisions\/1578"}],"part":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/110"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/293\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=293"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=293"},{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=293"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=293"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=293"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}