{"id":291,"date":"2020-02-19T17:57:38","date_gmt":"2020-02-19T16:57:38","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=291"},"modified":"2024-06-19T08:27:42","modified_gmt":"2024-06-19T06:27:42","slug":"humanistische-erklaerungen-abweichenden-verhaltens","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/humanistische-erklaerungen-abweichenden-verhaltens\/","title":{"raw":"Humanistische Erkl\u00e4rungen abweichenden Verhaltens","rendered":"Humanistische Erkl\u00e4rungen abweichenden Verhaltens"},"content":{"raw":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Wir alle haben das grundlegende Bed\u00fcrfnis nach <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>positiver Wertsch\u00e4tzung<\/i><\/span> durch unsere Bezugspersonen (als Kinder in erster Linie durch unsere Eltern). Diejenigen Kinder, die von Anfang an unbedingte (nicht beurteilende) positive Wertsch\u00e4tzung erhalten, k\u00f6nnen als Erwachsene mit gr\u00f6sserer Wahrscheinlichkeit sich selbst akzeptieren. Das heisst, sie k\u00f6nnen ihren Wert als Person anerkennen, auch wenn sie merken, dass sie nicht vollkommen sind. Sie sind mit sich zufrieden und k\u00f6nnen sich realistisch einsch\u00e4tzen. Solche Menschen verf\u00fcgen \u00fcber gute Voraussetzungen, das in ihnen schlummernde positive Potenzial verwirklichen zu k\u00f6nnen (Comer, 2008).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Manche Kinder bekommen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">zu <i>wenig Wertsch\u00e4tzung<\/i><\/span> oder bilden sich ein, zu wenig Wertsch\u00e4tzung zu erhalten. In der Folge bilden sie sich ein, dass sie nur dann liebenswert und akzeptabel sind, wenn sie den Massst\u00e4ben ihrer Umwelt entsprechen, und sie bewerten sich dann auch anhand dieser Massst\u00e4be. Oft haben sie den Eindruck, ihre Gedanken, ihr Verhalten oder ihre Gef\u00fchle erreichten diese Massst\u00e4be nicht, und sie halten sich infolgedessen f\u00fcr wertlos.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als Erwachsene sind solche Menschen in einer schwierigen Lage. Einerseits haben sie ein grundlegendes, allumfassendes Bed\u00fcrfnis nach positiver Selbstbewertung; andererseits sind sie unf\u00e4hig, sich selbst zu lieben, wenn sie ihren hohen Anspr\u00fcchen nicht jederzeit entsprechen. Um sich ihre positive Selbstbewertung zu erhalten, m\u00fcssen sich diese Menschen selbst sehr selektiv wahrnehmen und Gedanken und Handlungen verleugnen oder entstellen, die ihren Wertmassst\u00e4ben nicht ganz entsprechen. Die st\u00e4ndige Selbstt\u00e4uschung macht diesen Menschen die Selbstverwirklichung unm\u00f6glich. Sie haben ein verzerrtes Bild von sich selbst und ihren Erfahrungen und wissen deshalb nicht, was sie wirklich f\u00fchlen oder brauchen, oder welche Werte und Ziele f\u00fcr sie sinnvoll sind (Comer, 2008).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox\">Eltern, die ihren Kindern keine unbedingte Wertsch\u00e4tzung entgegenbringen, ersticken deren kreative F\u00e4higkeiten vielleicht zwar nicht v\u00f6llig, doch vermitteln sie ihnen, Rogers Theorie zufolge, ein Gef\u00fchl der Wertlosigkeit und Unf\u00e4higkeit, das sie daran hindert, sich selbst zu verwirklichen (Comer, 2008).<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Existenzialistische Erkl\u00e4rungen abweichenden Verhaltens<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Wie die Humanisten glauben die Existenzialisten, dass psychische St\u00f6rungen auf Selbstt\u00e4uschungen zur\u00fcckgehen; doch sie reden von einer Selbstt\u00e4uschung, die dadurch charakterisiert ist, dass sich die Menschen vor Verantwortung dr\u00fccken und nicht erkennen, dass es an ihnen liegt, ihr Leben sinnvoll zu gestalten, und dass sie die F\u00e4higkeit und die Freiheit dazu haben.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Den Existenzialisten zufolge fangen Meschen dann an, pers\u00f6nliche Verantwortung und Entscheidungsfreiheit zu scheuen, wenn sie \u00fcberflutet werden von den st\u00e4ndigen Reizen, Ver\u00e4nderungen, der Verwirrung und der emotionalen Belastung der modernen Gesellschaft sowie von besonderen Belastungen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Viele Menschen suchen in dieser Situation nach F\u00fchrung und Autorit\u00e4t und passen sich \u00fcberm\u00e4ssig an soziale Normen an. Andere entwickeln einen tiefsitzenden Groll gegen die Gesellschaft. Alle \u00fcbersehen ihre pers\u00f6nliche Entscheidungsfreiheit und entziehen sich der Verantwortung f\u00fcr ihr Leben und ihre Entscheidungen. Diese Fluchtm\u00f6glichkeit hat einen hohen Preis: Diese Menschen f\u00fchren ein leeres, nichtauthentisches Leben. Ihre vorherrschenden Gef\u00fchle sind Angst, Frustration, Entfremdung und Depression (Comer, 2008).<\/p>","rendered":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Wir alle haben das grundlegende Bed\u00fcrfnis nach <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>positiver Wertsch\u00e4tzung<\/i><\/span> durch unsere Bezugspersonen (als Kinder in erster Linie durch unsere Eltern). 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Oft haben sie den Eindruck, ihre Gedanken, ihr Verhalten oder ihre Gef\u00fchle erreichten diese Massst\u00e4be nicht, und sie halten sich infolgedessen f\u00fcr wertlos.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als Erwachsene sind solche Menschen in einer schwierigen Lage. Einerseits haben sie ein grundlegendes, allumfassendes Bed\u00fcrfnis nach positiver Selbstbewertung; andererseits sind sie unf\u00e4hig, sich selbst zu lieben, wenn sie ihren hohen Anspr\u00fcchen nicht jederzeit entsprechen. Um sich ihre positive Selbstbewertung zu erhalten, m\u00fcssen sich diese Menschen selbst sehr selektiv wahrnehmen und Gedanken und Handlungen verleugnen oder entstellen, die ihren Wertmassst\u00e4ben nicht ganz entsprechen. Die st\u00e4ndige Selbstt\u00e4uschung macht diesen Menschen die Selbstverwirklichung unm\u00f6glich. 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