{"id":193,"date":"2020-02-18T14:22:36","date_gmt":"2020-02-18T13:22:36","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=193"},"modified":"2024-06-18T21:42:29","modified_gmt":"2024-06-18T19:42:29","slug":"kritik-an-lerntheoretischen-techniken","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/kritik-an-lerntheoretischen-techniken\/","title":{"raw":"Kritik an lerntheoretischen Techniken","rendered":"Kritik an lerntheoretischen Techniken"},"content":{"raw":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Bedeutung der behavioristisch orientierten Psychologie ist seit den 1950er Jahren st\u00e4ndig gewachsen, und die lerntheoretischen Modelle gewannen besonders im klinischen Bereich im Rahmen der Verhaltenstherapie grossen Einfluss. Verhaltenstherapeutische Techniken wurden und werden erfolgreich im klinischen, aber auch im p\u00e4dagogischen Bereich angewendet.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das behavioristische Modell hat aber auch Schw\u00e4chen. So ist es umstritten, ob abweichendes Verhalten einfach das Resultat von unangemessener Konditionierung ist. Es gibt Erkenntnisse aus Lernlabors, die zeigen, dass die Prinzipien von Reiz, Reaktion und Verst\u00e4rkung, die einst die Grundlagen dieses Modells bildeten, in Lernexperimenten in Frage gestellt wurden. Manche Studien zeigen sogar, dass Versuchstiere und -personen in einer Weise Verhalten erwerben und beibehalten k\u00f6nnen, die den Grundprinzipien der Konditionierung widerspricht (Comer, 2008).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Schliesslich wird kritisiert, der behavioristische Ansatz vereinfache zu sehr, seine Begriffe und Prinzipien k\u00f6nnten die Komplexit\u00e4t des menschlichen Verhaltens nicht ad\u00e4quat abbilden, und die menschliche F\u00e4higkeit zu kritischem Denken werde untersch\u00e4tzt (Comer, 2008). Bundschuh (2008) sagt dazu: Die urspr\u00fcngliche Verhaltenstheorie erweist sich als zu eng angelegt, interne Prozesse des Menschen werden geleugnet, komplexes Verhalten (Handlungen) und komplexe Situationen, Emotionen sowie Motivationen k\u00f6nnen nicht hinreichend erfasst und beschrieben werden. Eine Gefahr im p\u00e4dagogischen Bereich besteht darin, dass sich Lehrer zu sehr am \u00e4usserlich wahrnehmbaren Verhalten, also an Symptomen, orientieren, und diese nicht als Signale von Konflikten und Notsituationen wahrnehmen. Bei vielen Fachleuten hat Verhaltenstherapie den Ruf eines \u00abzudeckenden Verfahrens\u00bb. (S. 277)<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Die Techniken der Verhaltensmodifikation bergen aber auch immer die Gefahr der Manipulation von Kindern, Jugendlichen (und Erwachsenen). Der Manipulationsvorwurf ist denn auch eine h\u00e4ufig ge\u00e4usserte Kritik an behavioristischen Techniken im Rahmen der P\u00e4dagogik. Gem\u00e4ss Bundschuh (2008) [schr\u00e4nke] Verhaltensmodifikation als ein Instrument der Manipulation den Freiheitsraum ein, verhindere Eigenaktivit\u00e4ten, Einsichten, schlichtweg M\u00f6glichkeiten der Kreativit\u00e4t, Selbstentfaltung des Individuums. Tats\u00e4chlich muss gefragt werden, wer letztendlich die Normen f\u00fcr \u2039richtiges\u203a, \u2039st\u00f6rungsfreies\u203a, \u2039angepasstes\u203a Verhalten festlegt und ob nicht auch Missbrauch betrieben werden kann (S. 273).<\/p>","rendered":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Bedeutung der behavioristisch orientierten Psychologie ist seit den 1950er Jahren st\u00e4ndig gewachsen, und die lerntheoretischen Modelle gewannen besonders im klinischen Bereich im Rahmen der Verhaltenstherapie grossen Einfluss. Verhaltenstherapeutische Techniken wurden und werden erfolgreich im klinischen, aber auch im p\u00e4dagogischen Bereich angewendet.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das behavioristische Modell hat aber auch Schw\u00e4chen. So ist es umstritten, ob abweichendes Verhalten einfach das Resultat von unangemessener Konditionierung ist. Es gibt Erkenntnisse aus Lernlabors, die zeigen, dass die Prinzipien von Reiz, Reaktion und Verst\u00e4rkung, die einst die Grundlagen dieses Modells bildeten, in Lernexperimenten in Frage gestellt wurden. Manche Studien zeigen sogar, dass Versuchstiere und -personen in einer Weise Verhalten erwerben und beibehalten k\u00f6nnen, die den Grundprinzipien der Konditionierung widerspricht (Comer, 2008).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Schliesslich wird kritisiert, der behavioristische Ansatz vereinfache zu sehr, seine Begriffe und Prinzipien k\u00f6nnten die Komplexit\u00e4t des menschlichen Verhaltens nicht ad\u00e4quat abbilden, und die menschliche F\u00e4higkeit zu kritischem Denken werde untersch\u00e4tzt (Comer, 2008). Bundschuh (2008) sagt dazu: Die urspr\u00fcngliche Verhaltenstheorie erweist sich als zu eng angelegt, interne Prozesse des Menschen werden geleugnet, komplexes Verhalten (Handlungen) und komplexe Situationen, Emotionen sowie Motivationen k\u00f6nnen nicht hinreichend erfasst und beschrieben werden. Eine Gefahr im p\u00e4dagogischen Bereich besteht darin, dass sich Lehrer zu sehr am \u00e4usserlich wahrnehmbaren Verhalten, also an Symptomen, orientieren, und diese nicht als Signale von Konflikten und Notsituationen wahrnehmen. Bei vielen Fachleuten hat Verhaltenstherapie den Ruf eines \u00abzudeckenden Verfahrens\u00bb. (S. 277)<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Die Techniken der Verhaltensmodifikation bergen aber auch immer die Gefahr der Manipulation von Kindern, Jugendlichen (und Erwachsenen). Der Manipulationsvorwurf ist denn auch eine h\u00e4ufig ge\u00e4usserte Kritik an behavioristischen Techniken im Rahmen der P\u00e4dagogik. Gem\u00e4ss Bundschuh (2008) [schr\u00e4nke] Verhaltensmodifikation als ein Instrument der Manipulation den Freiheitsraum ein, verhindere Eigenaktivit\u00e4ten, Einsichten, schlichtweg M\u00f6glichkeiten der Kreativit\u00e4t, Selbstentfaltung des Individuums. Tats\u00e4chlich muss gefragt werden, wer letztendlich die Normen f\u00fcr \u2039richtiges\u203a, \u2039st\u00f6rungsfreies\u203a, \u2039angepasstes\u203a Verhalten festlegt und ob nicht auch Missbrauch betrieben werden kann (S. 273).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bedeutung der behavioristisch orientierten Psychologie ist seit den 1950er Jahren st\u00e4ndig gewachsen, und die lerntheoretischen Modelle gewannen besonders im klinischen Bereich im Rahmen der Verhaltenstherapie grossen Einfluss. Verhaltenstherapeutische Techniken wurden und werden erfolgreich im klinischen, aber auch im p\u00e4dagogischen Bereich angewendet. Das behavioristische Modell hat aber auch Schw\u00e4chen. 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