{"id":189,"date":"2020-02-18T14:21:57","date_gmt":"2020-02-18T13:21:57","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=189"},"modified":"2024-09-20T14:03:04","modified_gmt":"2024-09-20T12:03:04","slug":"lerntheoretische-konzepte","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/lerntheoretische-konzepte\/","title":{"raw":"Lerntheoretische und verhaltenstherapeutische Konzepte","rendered":"Lerntheoretische und verhaltenstherapeutische Konzepte"},"content":{"raw":"<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden werden grundlegende <strong>Konzepte bzw. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Prozesse des Lernens<\/span><\/strong> vorgestellt, die f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis herausfordernden Verhaltens und den Umgang damit auf einer praktischen Ebene n\u00fctzlich sind, unabh\u00e4ngig davon, welcher der oben vorgestellten einzelnen Theorien sie zuzuordnen sind:<\/div>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Desensibilisierung und Gegenkonditionierung<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Habituation<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Prim\u00e4re und sekund\u00e4re Verst\u00e4rker<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">L\u00f6schung<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Kontingenz und Kontiguit\u00e4t<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Generalisierung und Diskrimination<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Shaping und Chaining<\/li>\r\n<\/ul>\r\nDie Zuordnungen zur den Theorien sind oft nicht eindeutig und bringen wenig praktischen Nutzen f\u00fcr die Arbeit der Heilp\u00e4dagogen. Die vorgestellten Konzepte basieren zum Teil auf dem klassischen Konditionieren, zum Teil auf operanten Methoden. Ausserdem wird der Kontext der Verhaltenstherapie einbezogen.\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Fallvignette (Bodenmann)<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Diese kurze Fallvignette stammt aus dem Referat von Prof. Dr. Guy Bodenmann anl\u00e4sslich der Fortbildungstage HfH, im Januar 2014. Die nachfolgenden Videobeispiele zu lerntheoretischen Konzepten werden anhand dieser Fallvignette erl\u00e4utert.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox\">\r\n\r\nJoel (10 j\u00e4hrig) weigert sich in die Schule zu gehen. Morgens fragt er bereits beim Aufstehen, ob er in die Schule gehen m\u00fcsse oder ob Wochenende sei. Wenn die Mutter sagt, dass heute sehr wohl Schule sei, beginnt Joel zu weinen. Er wolle nicht zur Schule gehen. Er tr\u00f6delt mit dem Anziehen, verweigert das Fr\u00fchst\u00fcck. Er klagt \u00fcber starke Bauchschmerzen. Er f\u00fchle sich unwohl und m\u00fcsse zu Hause bleiben. Die Mutter, welche berufst\u00e4tig ist, kommt jeweils stark unter Druck, da sie nicht zu sp\u00e4t zur Arbeit kommen kann. Sie versucht Joel zuerst liebevoll, dann mit mehr Nachdruck zu \u00fcberzeugen, dass die Schule okay sei und man doch gern zur Schule gehe. Sie verstehe nicht, was denn los sei. Sie nimmt Joel in die Arme, macht ihm eine warme Bettflasche und redet ihm gut zu. Kurz bevor Joel dann das Haus verlassen sollte, spitzt sich die Lage weiter zu. Joel schreit, klammert sich an die Mutter, beschw\u00f6rt sie, wird w\u00fctend und ausf\u00e4llig. Die Mutter schimpft schliesslich entnervt und zerrt ihn unsanft aus dem Haus. Sie f\u00e4hrt ihn zum Schulhaus und droht, ihm am Abend das Fernsehen zu streichen. (Bodenmann, 2014)\r\n\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Desensibilisierung und Gegenkonditionierung<\/h2>\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Gegenkonditionierung<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Methoden der Verhaltenstherapie in den 1940er und 50er Jahren besch\u00e4ftigten sich vor allem mit dem Abbau von \u00c4ngsten und Neurosen mittels Techniken der <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">klassischen Konditionierung <\/span><\/i>(Kriz, 2007). Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Desensibilisierung<\/i><\/span>i st eines der \u00e4ltesten und etabliertesten verhaltenstherapeutischen Konzepte und basiert auf dem Prinzip der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gegenkonditionierung<\/i><\/span>.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die Verbindung zwischen Angst und dem ausl\u00f6senden Reiz (der ggf. auch eine ganze Situation umfassen kann) wird als konditioniert aufgefasst, wie z. B. die Angst des kleinen Albert vor \u00abpelzartigen Gegenst\u00e4nden\u00bb im Versuch von Watson. Nun wird in einem neuen Konditionierungs-Experiment zu diesem CS eine andere, positive Reaktion konditioniert, etwa das positive Gef\u00fchl beim Essen von S\u00fcssigkeiten. Diese neue Verbindung hemmt und verdr\u00e4ngt die alte. (Kriz, 2007)<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Systematische Desensibilisierung<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Methode der systematischen Desensibilisierung besteht aus mehreren Teilschritten: Zuerst wird mit dem Patienten zusammen eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Angsthierarchie <\/i><\/span>erstellt (Einordnung der vorhandenen \u00c4ngste nach Intensit\u00e4t). Nachdem sich der Patient durch ein Trainingsverfahren entspannt hat, wird er aufgefordert, sich mit den aufgelisteten Angstsituationen (angefangen mit den schw\u00e4chsten) gedanklich zu besch\u00e4ftigen. Die Angsthierarchie wird so stufenweise abgearbeitet; wenn starke Angstsymptome auftreten, wird wieder eine Entspannungsphase eingelegt. In der klinischen Praxis wird die systematische Desensibilisierung f\u00fcr ein breites Spektrum von Symptomen angewendet, vor allem f\u00fcr Phobien verschiedener Art.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Expositionstherapie<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die systematische Desensibilisierung beruht auf <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>gedanklicher Konfrontation<\/i><\/span> mit den \u00c4ngsten. Bei bestimmten Angstst\u00f6rungen ist aber auch eine Konfrontation mit den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>realen <\/i><\/span>angstbesetzten Situationen und Objekten sinnvoll und n\u00fctzlich (in vivo). Auch hier erfolgt \u00fcblicherweise eine schrittweise Ann\u00e4herung an h\u00f6here Angststufen.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Flooding<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im Gegensatz zum langsamen Prozess der Desensibilisierung wird bei der Technik des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Flooding <\/i><\/span>sofort mit einer Situation h\u00f6chster Angstintensit\u00e4t gearbeitet. Die Angst steigt anf\u00e4nglich stark an und sinkt dann langsam ab; ein Habituationsprozess setzt ein (Kriz, 2007).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Eine Konkurrenzhypothese zur systematischen Desensibilisierung behauptet, dass sich ein <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gew\u00f6hnungseffekt <\/i><\/span>durch mehrfache Darbietung eines Reizes einstelle, was ebenfalls als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Habituation <\/i><\/span>bezeichnet wird (siehe weiter unten).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"ilc_section_AdvancedKnowledge ilCOPageSection\">\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Einigen Therapiemethoden in der Angstbehandlung liegt das Prinzip der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gegenkonditionierung <\/i><\/span>zugrunde. Hierbei werden vormals konditionierte Reize mit unkonditionierten Reizen verbunden, die angenehme Qualit\u00e4t haben. Die vormals negative Reaktion (wie z. B. Angst) auf den konditionierten Reiz wird dann durch eine positive Reaktion \u00fcberformt. Ein Beispiel daf\u00fcr sind Konfrontationsverfahren im Rahmen der Angstbehandlung, bei denen die Betroffenen angeleitet werden, sich wiederholt einem konditionierten Reiz auszusetzen, bis die konditionierte Reaktion nachl\u00e4sst und der konditionierte Reiz wieder mit neutralen Konsequenzen (z. B. im Kaufhaus sein und keine Angst haben) verkn\u00fcpft wird. Eine direkte Neuverkn\u00fcpfung wird bei der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Systematischen Desensibilisierung<\/i><\/span> vorgenommen, bei der die Patienten sich einen angstausl\u00f6senden Reiz (CS) vorstellen und daraufhin eine einge\u00fcbte Entspannungsreaktion als [zur] Angst inkompatible angenehme Konsequenz ausf\u00fchren. (Petermann et al., 2011)<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Folge klassischer Konditionierung<\/h3>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden Videoausschnitt erl\u00e4utert Prof. Dr. Guy Bodenmann das Zustandekommen von <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">abweichendem Verhalten als Folge einer klassischen Konditionierung<\/span> (<\/i>Video aufgenommen an den Fortbildungstagen HfH im Januar 2014). Die Beispiele beziehen sich auf die am Kapitelanfang pr\u00e4sentierte Fallvignette.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div>\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/20_BodenmannKlassKond.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/20_BodenmannKlassKond.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Habituation<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Unter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><strong>Habituation<\/strong> <\/span>versteht man eine Abnahme der Reaktionsbereitschaft auf einen mehrfach dargebotenen Reiz.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ein Organismus reagiert auf neue Situationen und Reize mit erh\u00f6hter Aufmerksamkeit und Hinwendung. Dies wird als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Orientierungsreaktion <\/i><\/span>bezeichnet. Damit kann der Organismus eine Situation schnell erfassen und darauf reagieren. Mit der wiederholten Darbietung ist der Reiz f\u00fcr das Individuum nicht mehr \u00abneu\u00bb, so dass sich die Orientierungsreaktion abschw\u00e4cht (Reinecker, 2005).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Beispiel: Wenn man zum ersten Mal in einem Raum mit einer laut tickenden Uhr zu schlafen versucht, so st\u00f6rt das Ticken zun\u00e4chst enorm (das heisst es handelt sich um einen neuen Reiz, dem man Aufmerksamkeit schenkt). Nach einer gewissen Zeit stellt man fest, dass man das Ticken gar nicht mehr wahrnimmt, das bedeutet, man hat sich mit dem Ticken abgefunden oder <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>habituiert<\/i><\/span>. (Reinecker, 2005)<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ilc_section_AdvancedKnowledge ilCOPageSection\">\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Der Prozess der Habituation ist von der Erm\u00fcdung einerseits und von der L\u00f6schung andererseits abzugrenzen: Von Erm\u00fcdung spricht man dann, wenn sich nach dem h\u00e4ufigen Ausf\u00fchren eines Verhaltens ein Nachlassen an Spannung und Reaktionsst\u00e4rke zeigt (zum Beispiel Abnahme des Muskeltonus nach einer anstrengenden T\u00e4tigkeit; Abnahme der Konzentrationsleistung nach der Lekt\u00fcre eines Textes usw.). Charakteristisch f\u00fcr die Erm\u00fcdung ist die Abnahme von Leistung im zeitlichen Verlauf. Prozesse der Erm\u00fcdung werden in vielen Definitionen des Lernens explizit ausgeschlossen. (Reinecker, 2005)<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Prim\u00e4re und sekund\u00e4re Verst\u00e4rker<\/h2>\r\n<div class=\"textbox\">Als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verst\u00e4rker<\/i><\/span> werden Verhaltenskonsequenzen bezeichnet, die regelm\u00e4ssig (kontingent) auf ein bestimmtes Verhalten erfolgen und dadurch die Auftretenswahrscheinlichkeit oder Ausf\u00fchrungsgeschwindigkeit dieses Verhaltens erh\u00f6hen.<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Prim\u00e4re Verst\u00e4rker <\/b><\/span>befriedigen in der Regel physiologische, nicht erlernte Bed\u00fcrfnisse (z.B. Essen, Trinken, K\u00f6rperkontakt) [1] und wirken verst\u00e4rkend, ohne dass vorher Lernen stattgefunden hat (Lefran\u00e7ois, 2006).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-40.png\"><img class=\"alignright wp-image-599 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-40.png\" alt=\"\" width=\"161\" height=\"145\" \/><\/a><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Sekund\u00e4re Verst\u00e4rker<\/b><\/span> sind Ereignisse, die urspr\u00fcnglich nicht verst\u00e4rkend wirken, aber durch Paarung mit anderen Verst\u00e4rkern eine verst\u00e4rkende Wirkung entwickeln (Lefran\u00e7ois, 2006). Sie sind lediglich die Ank\u00fcndigung oder das Versprechen eines prim\u00e4ren Verst\u00e4rkers. Ein typischer sekund\u00e4rer Verst\u00e4rker ist Geld, das urspr\u00fcnglich selbst keine Bed\u00fcrfnisse befriedigt. Sekund\u00e4re Verst\u00e4rker sind durch klassische Konditionierung aus prim\u00e4ren Verst\u00e4rkern entstanden und erlangen ihre Bedeutung durch Kontingenz mit diesen Verst\u00e4rkern (z.B. Geld f\u00fcr Nahrung).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Das Licht in der Skinnerbox wird zuweilen als <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">sekund\u00e4rer Verst\u00e4rker<\/span> <\/i>verwendet. Wenn \u00fcber eine Reihe von Durchg\u00e4ngen jedesmal das Licht angeschaltet wird, wenn das Tier gef\u00fcttert wird (einen prim\u00e4ren Verst\u00e4rker erh\u00e4lt), wird das Tier mit der Zeit reagieren, sobald das Licht angeht. Wenn dies geschieht, hat das Licht die Eigenschaft eines sekund\u00e4ren Verst\u00e4rkers entwickelt. (Lefran\u00e7ois, 2006).<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Welche Bedeutung hat sekund\u00e4re Verst\u00e4rkung?<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sekund\u00e4re Verst\u00e4rkung<\/i><\/span> hat in der p\u00e4dagogischen Praxis eine grosse Bedeutung. Viele Verhaltensweisen sind nicht durch prim\u00e4re, sondern durch sekund\u00e4re Verst\u00e4rkung motiviert. Eine wichtige Funktion sekund\u00e4rer Verst\u00e4rkung besteht darin, Zeitr\u00e4ume ohne prim\u00e4re Verst\u00e4rkung zu \u00fcberbr\u00fccken. Lernen kann somit auch dann erfolgen, wenn keine prim\u00e4ren Verst\u00e4rker verabreicht oder keine prim\u00e4ren Bed\u00fcrfnisse befriedigt werden (Reinecker, 2005). In der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>P\u00e4dagogik<\/i> <\/span>wichtige sekund\u00e4re Verst\u00e4rker sind z.B. Lob, Preise, gute Noten etc. Die Relevanz sekund\u00e4rer Verst\u00e4rkung f\u00fcr die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Praxis<\/i> der Verhaltenstherapie<\/span> ist ebenfalls sehr hoch, wie das folgende Beispiel zeigt:<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<h4 class=\"textbox__content\">Beispiel f\u00fcr Erkl\u00e4rungsversuche der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Drogenabh\u00e4ngigkeit<\/span><\/h4>\r\n<div class=\"textbox__content\">In seinen \u00dcberlegungen weist Wikler (1976) auf die Bedeutung sekund\u00e4rer Verst\u00e4rkung bei der Einnahme von Drogen hin, wobei sowohl Aspekte des klassischen, als auch des instrumentellen Konditionierens eine bedeutende Rolle spielen (Die Ursachen f\u00fcr die Einnahme von Drogen sind nat\u00fcrlich heterogen; die sekund\u00e4re Verst\u00e4rkung ist ein Faktor unter vielen).<\/div>\r\n<div class=\"textbox__content\">Wikler (1976) zeigt, dass zur Verwendung von Drogen zumeist <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Rituale <\/span>geh\u00f6ren, die als sekund\u00e4re Stimuli aufgefasst werden k\u00f6nnen. Neben der pharmakologischen Wirkung verschiedener Drogen spielen solche <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">situationalen Aspekte<\/span> eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle. In die Klasse der Rituale und damit sekund\u00e4ren Verst\u00e4rker geh\u00f6ren spezielle Merkmale des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Settings <\/span>(zum Beispiel Beleuchtung, bestimmte Lokale etc.) ebenso wie einzelne Handlungen (zum Beispiel Einnahme des Alkohols in bestimmten Gl\u00e4sern; Reinigung von \u00abBesteck\u00bb bei der Drogeneinnahme usw.) und soziale Bedingungen (etwa das Dazugeh\u00f6ren, das sich in vagen Beschreibungen der Erlebnisse manifestiert und eine bestimmte Gemeinsamkeit unterstellt). (Reinecker, 2005).<\/div>\r\n<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">[1] Essen und Trinken als prim\u00e4re Verst\u00e4rker reduzieren Hunger und Durst.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--learning-objectives\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Prim\u00e4re und sekund\u00e4re Verst\u00e4rker d\u00fcrfen nicht verwechselt werden mit positiven und negativen Verst\u00e4rkern, wie sie im Kapitel \u00fcber Skinner (<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/klassische-lerntheorien#skinner-operante-konditionierung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Klassische Lerntheorien &gt; Skinner: Operante Konditionierung<span style=\"color: #000000\">)<\/span><\/a> beschrieben sind:<\/div>\r\n<div class=\"textbox__content\">Ein <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>positiver Verst\u00e4rker <\/i><\/span>ist jeder Reiz, der die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Wirkreaktion <\/span>beg\u00fcnstigt, wenn er unmittelbar auf diese Reaktion erfolgt. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Negative Verst\u00e4rker<\/i><\/span> sind Reize\/Stimuli, die zu erh\u00f6hter Reaktionsfrequenz f\u00fchren, wenn sie weggelassen werden.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Das Token-System<\/h3>\r\n[caption id=\"attachment_600\" align=\"alignright\" width=\"199\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-41.png\"><img class=\"wp-image-600 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-41.png\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"266\" \/><\/a> (c) mamaot.com[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Token-System (Token Economy) ist ein <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verfahren der Verhaltenstherapie<\/i><\/span>, das auf Prinzipien der operanten Konditionierung beruht (oft auch als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Belohnungsplan<\/i> <\/span>bezeichnet). Ziel ist der Aufbau erw\u00fcnschten Verhaltens durch Verwendung systematischer Anreize. Da <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>belohnende Verst\u00e4rker<\/i><\/span> (Aktivit\u00e4ten oder Dinge, die vom Betroffenen gesch\u00e4tzt oder gew\u00fcnscht sind) h\u00e4ufig nicht unmittelbar zur Verf\u00fcgung stehen, wenn das erw\u00fcnschte Verhalten gezeigt wurde, werden in einem Token-System <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Tokens<\/i> <\/span>(engl. M\u00fcnzen) zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>zeitlich kontingenten Verst\u00e4rkung des Zielverhaltens<\/i><\/span> eingesetzt. Tokens werden also verwendet, um die zeitliche Verz\u00f6gerung zwischen dem erw\u00fcnschten Verhalten und der \u00abeigentlichen\u00bb (prim\u00e4ren) Verst\u00e4rkung zu \u00fcberbr\u00fccken.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\u00c4hnlich wie bei Geld handelt es sich bei einem Token um einen sog. generalisierten Verst\u00e4rker, d. h. einen (konditionierten) <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sekund\u00e4ren Verst\u00e4rker<\/i><\/span>, der f\u00fcr ganz verschiedene Bed\u00fcrfnisse eingesetzt werden kann. Tokens sind z. B. Chips, Punkte, Smileys, Murmeln, Kredit in einem Kreditkartensystem, Scheckheftsystem etc. Diese Tokens kann der Betreffende sp\u00e4ter nach einem vorher festgelegten Plan eintauschen gegen den (begehrten) prim\u00e4ren Verst\u00e4rker.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Token-Systeme werden im Rahmen der Kinderpsychotherapie angewendet, stammen aber urspr\u00fcnglich aus der Psychiatrie und Sonderp\u00e4dagogik, wo sie z.B. zur Reduktion von aggressivem Verhalten eingesetzt werden (Petermann et al., 2011).<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_601\" align=\"aligncenter\" width=\"196\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-42.png\"><img class=\"wp-image-601 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-42.png\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"256\" \/><\/a> (c) Lefran\u00e7ois (2006)[\/caption]\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Folge operanter Konditionierung<\/h3>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden Videoausschnitt erl\u00e4utert Prof. Dr. Guy Bodenmann das Zustandekommen von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">abweichendem Verhalten als Folge einer operanten Konditionierung<\/span> (Video aufgenommen an den Fortbildungstagen HfH im Januar 2014).<\/div>\r\n<div>\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/21_BodenmannOperantKond.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/21_BodenmannOperantKond.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<div>\r\n<div id=\"mainspacekeeper\" class=\"container-fluid ilContainerWidth ilFixedTopSpacer\">\r\n<div class=\"row\">\r\n<div id=\"fixed_content\" class=\"ilLeftNavSpace ilContentFixed\">\r\n<div id=\"mainscrolldiv\">\r\n<div class=\"ilTabsContentOuter\">\r\n<div id=\"ilContentContainer\" class=\"container-fluid\">\r\n<div class=\"row\">\r\n<div id=\"il_center_col\" class=\"col-sm-12\">\r\n<div id=\"ilCOPageContent\" class=\"ilc_page_cont_PageContainer\">\r\n<div class=\"ilc_page_Page\">\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">L\u00f6schung<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><strong>L\u00f6schung<\/strong> <\/span>oder <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><strong>Extinktion<\/strong> <\/span>ist ein Lernprinzip der operanten Konditionierung. Dabei werden die Konsequenzen eines Verhaltens unterdr\u00fcckt oder aufgehoben, so dass das betreffende Verhalten allm\u00e4hlich nicht mehr gezeigt wird. Wenn der Verst\u00e4rker unterdr\u00fcckt wird, kann das Verhalten anf\u00e4nglich sogar noch intensiviert werden, bevor es verschwindet. Diese Technik kann dann angewendet werden, wenn ein Verhalten aufgrund <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">positiver Verst\u00e4rkung <\/span><\/i>aufrechterhalten wird und die Verst\u00e4rkung unter der Kontrolle z.B. des Lehrers oder Therapeuten ist. Bestimmte unerw\u00fcnschte Verhaltensweisen k\u00f6nnen gel\u00f6scht werden, indem man sie nicht beachtet.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Ein Beispiel stellt ein quengelndes Kind dar, das an der Supermarktasse gern etwas S\u00fcsses gekauft haben m\u00f6chte. Ignoriert die Mutter das Quengeln, kann es sein, dass das Kind zun\u00e4chst noch heftiger reagiert, sich z. B. auf den Boden wirft oder schreit. Ignoriert die Mutter das Kind jedoch weiterhin, wird es in der Regel mit dem Verhalten aufh\u00f6ren, da es lernt, dass es auf diesem Weg nichts erreicht. L\u00f6schung stellt eine der wirksamsten Methoden zum Abbau unerw\u00fcnschten Verhaltens dar, ist in der Praxis jedoch h\u00e4ufig mit hohen Anforderungen an die Disziplin und die Konsequenz der Durchf\u00fchrenden verbunden. (Petermann et al., 2011)<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox\">L\u00f6schung ist der Entzug jeglicher aufrechterhaltender Verhaltenskonsequenzen. (Petermann et al., 2011)<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ilTabsContentOuter\">\r\n<div id=\"ilContentContainer\" class=\"container-fluid\">\r\n<div class=\"row\">\r\n<div id=\"il_center_col\" class=\"col-sm-12\">\r\n<div id=\"ilCOPageContent\" class=\"ilc_page_cont_PageContainer\">\r\n<div class=\"ilc_page_Page\">\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Kontingenz und Kontiguit\u00e4t<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Verschiedene Bedingungen m\u00fcssen f\u00fcr einen gelingenden Lernprozess erf\u00fcllt sein, der auf Verst\u00e4rkungslernen beruht.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox\"><strong>Kontingenz<\/strong> bezeichnet die St\u00e4rke des Zusammenhangs zwischen dem relevanten Verhalten und der Konsequenz (Petermann et al., 2011).<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Zusammenhang muss m\u00f6glichst eng sein; die Konsequenz sollte nur als Folge dieses speziellen Verhaltens auftreten und nicht unter anderen Bedingungen.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox\"><strong>Kontiguit\u00e4t<\/strong> beschreibt den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>zeitlichen Zusammenhang<\/i><\/span> zwischen Verhalten und Konsequenz (Petermann et al., 2011).<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der zeitliche Abstand zwischen Verhalten und folgender Konsequenz sollte dabei m\u00f6glichst kurz sein.<\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ilc_page_Page\">\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><a id=\"generalisierung-und-diskrimination\"><\/a>Generalisierung und Diskrimination<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><strong>Generalisierung <\/strong><\/span>bedeutet, dass ein Organismus bereits gelerntes Verhalten auch als Reaktion auf \u00e4hnliche Stimuli und neue Situationen anwendet. Durch die wiederholte Konfrontation mit \u00e4hnlichen Stimuli und Situationen lernt der Organismus aber auch, kleine Unterschiede in den einzelnen Situationen wahrzunehmen, was als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Diskrimination <\/span>bezeichnet wird. Generalisierung und <i>Diskrimination<\/i> sind f\u00fcr das menschliche <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Lernen <\/i><\/span>sehr wichtig. Das differenzierte Zusammenwirken von Generalisierung und Diskrimination erm\u00f6glicht die Flexibilit\u00e4t unseres Verhaltensrepertoires.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\nEin Beispiel daf\u00fcr ist die Taube, die sich in Reaktion auf das Wort <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>picken <\/i><\/span>dreht,\r\n\r\n[caption id=\"attachment_602\" align=\"alignright\" width=\"238\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-43.png\"><img class=\"wp-image-602 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-43.png\" alt=\"\" width=\"238\" height=\"171\" \/><\/a> (c) youtube[\/caption]\r\n\r\nbevor sie gelernt hat, zwischen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>drehen <\/i><\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>picken <\/i><\/span>zu diskriminieren. Ein weiteres Beispiel ist der vielleicht weitaus beeindruckendere Befund, dass Tauben relativ leicht lernen, zwischen kugelf\u00f6rmigen und nicht kugelf\u00f6rmigen Stimuli zu unterscheiden und, nach weniger als 150 Trainingsdurchg\u00e4ngen, das \u00abKonzept\u00bb kugelf\u00f6rmig auf hunderte anderer Stimulusobjekte \u00fcbertragen. (Lefran\u00e7ois, 2006)\r\n\r\n<\/div>\r\n<div><\/div>\r\n<div><\/div>\r\n<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Wie wir am Beispiel des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>kleinen Albert<\/i><\/span> gesehen haben, nahm John B. Watson an, dass emotionale Reaktionen genau wie Verhaltensweisen durch Konditionierung erworben werden k\u00f6nnen.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox\">Als Reizgeneralisierung bezeichnet man die \u00dcbertragung der konditionierten Reaktion auf Reize, die verschiedene Merkmale mit dem konditionierten Reiz teilen. (Petermann et al., 2011)<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Beispiele f\u00fcr die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Generalisierung <\/i><\/span>im menschlichen Verhalten: \u00abalte\u00bb Verhaltensweisen werden auf neue Situationen \u00fcbertragen:<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Neue Autos werden auf \u00e4hnliche Weise wie alte gefahren; jemand, der zuf\u00e4llig einen Fremden schubst, entschuldigt sich, obwohl er diesen speziellen Fremden niemals zuvor geschubst hat; ein Farmer \u00fcberlegt bei der Aufgabe, 27 K\u00e4ngurus und 28 Zebras zu addieren, dass die Summe dieselbe sein muss wie die von 27 Schweinen und 28 Pferden; Menschen gehen davon aus, dass Dinge von Berggipfeln genauso herabfallen wie von B\u00e4umen; Fremde geben einander die Hand, wenn sie vorgestellt werden usw. Alle diese Handlungen sind Beispiele von Reaktionen auf neue Situationen, die auf vorherigem Lernen basieren. Generalisierung ist deshalb wichtig, weil nicht alle, noch nicht einmal die meisten, Situationen, auf die Menschen in ihrem Leben reagieren m\u00fcssen, in der Schule oder anderen Lernsituationen gelehrt werden k\u00f6nnen. Das Vermitteln der F\u00e4higkeit zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Generalisierung<\/i> (Transfer)<\/span> ist eine der Hauptfunktionen der Schule. (Lefran\u00e7ois, 2006)<\/div>\r\n<\/div>\r\n<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-44.png\"><img class=\"alignright wp-image-603 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-44.png\" alt=\"\" width=\"161\" height=\"189\" \/><\/a><\/i><\/span><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><strong>Diskrimination<\/strong><\/span> verh\u00e4lt sich komplement\u00e4r zur Generalisierung. Die Einzelheiten \u00e4hnlicher Situationen werden in der Wahrnehmung unterschieden, damit darauf angemessen reagiert werden kann. Die Taube, die gelernt hat, auf die Pr\u00e4sentation der beiden W\u00f6rter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>picken <\/i><\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>drehen <\/i><\/span>unterschiedlich zu reagieren, zeigt uns das Diskiminationslernen, das f\u00fcr das menschliche Verhalten ebenso wichtig ist wie die F\u00e4higkeit zu generalisieren.\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"row\">\r\n<div id=\"il_center_col\" class=\"col-sm-12\">\r\n<div id=\"ilCOPageContent\" class=\"ilc_page_cont_PageContainer\">\r\n<div class=\"ilc_page_Page\">\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Kinder m\u00fcssen schon sehr fr\u00fch lernen, zwischen \u00e4hnlichen Situationen, die unterschiedliche Reaktionen erfordern, zu diskriminieren. Kinder lernen z.B., dass man seine Eltern k\u00fcssen darf, aber Fremde nicht; dass man seine Schwestern nicht boxen darf, aber b\u00f6se Jungen aus der Nachbarschaft unter gewissen, klar diskriminierbaren (unterscheidbaren) Umst\u00e4nden schon; dass man in stillen Kirchen keine lauten Ger\u00e4usche machen darf, in stillen H\u00e4usern aber schon usw. Daher ist sozial angepasstes Verhalten in hohem Masse eine Funktion des Lernens, \u00e4hnliche Situationen, die verschiedene Verhaltensweisen erfordern, unterscheiden zu k\u00f6nnen. (Lefran\u00e7ois, 2006)<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox\">Den zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Generalisierung <\/i><\/span>komplement\u00e4ren Prozess bezeichnet man als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Diskrimination<\/span>. Man versteht darunter die F\u00e4higkeit des Organismus, bereits auf leicht unterschiedliche Situationen auch unterschiedlich zu reagieren (Reinecker, 2005).<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Sowohl <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Diskriminations<\/span>-<\/i> als auch <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Generalisierungslernen <\/i><\/span>spielen eine wichtige Rolle beim Erwerb sozialer Regeln. Kinder lernen, bestimmte Umgangsformen mit Gesichts- oder Sprachausdruck in Beziehung zu bringen oder bestimmte Hinweisreize mit bestimmten Verhaltensregeln gleichzusetzen (Petermann et al.; 2011).<\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Shaping und Chaining<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><strong>Shaping<\/strong> (Verhaltensformung) wird angewendet, wenn das auszuformende Verhalten noch nicht im nat\u00fcrlichen Verhaltensrepertoire einer Person verankert ist oder andere Lernformen aufgrund von Beeintr\u00e4chtigungen nicht eingesetzt werden k\u00f6nnen. Beim Shaping wird zun\u00e4chst jede Verhaltensweise verst\u00e4rkt, die in die Richtung des gew\u00fcnschten Verhaltens zeigt. Allm\u00e4hlich werden Verhaltensweisen verst\u00e4rkt, die dem Zielverhalten immer \u00e4hnlicher werden, bis schliesslich nur noch das gew\u00fcnschte Verhalten verst\u00e4rkt wird (Petermann et al., 2008).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Will man beispielsweise einem Kind beibringen, mit einem L\u00f6ffel zu essen, kann zun\u00e4chst das alleinige Greifen des L\u00f6ffels durch Lob verst\u00e4rkt werden. Im n\u00e4chsten Schritt wird nur verst\u00e4rkt, wenn das Kind den L\u00f6ffel richtig in der Hand h\u00e4lt; in anschliessenden Schritten erfolgt Verst\u00e4rkung nur noch, wenn das Kind den L\u00f6ffel zum Mund f\u00fchrt und so weiter. (Petermann et al., 2008)<\/div>\r\n<\/div>\r\n\r\n[caption id=\"attachment_604\" align=\"alignright\" width=\"197\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-45.png\"><img class=\"wp-image-604 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-45.png\" alt=\"\" width=\"197\" height=\"176\" \/><\/a> (c) www.massey.ac.nz\/[\/caption]\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ilContentContainer\" class=\"container-fluid\">\r\n<div class=\"row\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Beim <strong><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Chaining <\/span><\/strong>(Kettenbildung) wird eine Handlungskette in mehrere kleine Sequenzen zerlegt. Das zuletzt gelernte Glied der Verhaltenskette dient als sekund\u00e4rer Verst\u00e4rker f\u00fcr das n\u00e4chstfolgende Verhalten und erm\u00f6glicht schliesslich das Erlernen von komplexeren Verhaltensweisen.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Ein Beispiel f\u00fcr <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Chaining <\/i><\/span>ist das Vermitteln der Reihenfolge, in der ein Kind sich anziehen soll. Das Chaining kann sowohl vorw\u00e4rts als auch r\u00fcckw\u00e4rts durchgef\u00fchrt werden. Vorw\u00e4rts-Chaining w\u00fcrde bedeuten, dass ein Kind zun\u00e4chst f\u00fcr das Anziehen der Unterw\u00e4sche gelobt wird, unabh\u00e4ngig davon, was als n\u00e4chstes passiert. Im zweiten Schritt wird es nur noch verst\u00e4rkt, wenn es Unterw\u00e4sche und T-Shirt in der richtigen Reihenfolge anzieht. Dies wird fortgesetzt bis die Verhaltenskette vollst\u00e4ndig ist. Das Chaining kann auch r\u00fcckw\u00e4rts erfolgen, das heisst man beginnt mit der Verst\u00e4rkung beim Anziehen der Schuhe und durchl\u00e4uft die Verhaltenskette von diesem Punkt aus r\u00fcckw\u00e4rts. (Petermann et al., 2008, S.49)<\/div>\r\n<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">F\u00fcr die p\u00e4dagogische Praxis k\u00f6nnte das heissen, dass eine Handlungskette in kleine, leicht ausf\u00fchrbare Schritte zerlegt wird und entsprechende gezielte Verst\u00e4rkung angewendet wird (das Kind lernt z.B., sauber zu werden, sich anzuziehen, Ordnung zu halten). Voraussetzung: Erste Ans\u00e4tze zu einem Verhalten m\u00fcssen beobachtet, entdeckt, evtl. gesucht werden (F\u00f6rderdiagnostik, Verhaltensbeobachtung, Suche nach Ankn\u00fcpfungspunkten). (Bundschuh, 2008, S. 275)<\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Literatur<\/h2>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Bundschuh, K. (2008). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Heilp\u00e4dagogische Psychologie<\/i><\/span> (UTB Sonder- und Heilp\u00e4dagogik, Psychologie, 4. Aufl.). M\u00fcnchen: Reinhardt.<\/li>\r\n \t<li>Kriz, J. (2007).<i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Grundkonzepte der Psychotherapie<\/span><\/i> (6. Aufl.). Weinheim: Beltz PVU.<\/li>\r\n \t<li>Lefran\u00e7ois, G. R. (2006). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Psychologie des Lernens<\/i><\/span> (4. Aufl.). Heidelberg: Springer.<\/li>\r\n \t<li>Petermann, F., Maercker, ., Lutz, W. &amp; Stangier, U. (2011). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Klinische Psychologie - Grundlagen<\/i><\/span> (Bachelorstudium Psychologie). G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\r\n \t<li>Reinecker, H. (2005). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Grundlagen der Verhaltenstherapie<\/i><\/span> (3. Aufl.). Weinheim: Beltz PVU.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>","rendered":"<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden werden grundlegende <strong>Konzepte bzw. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Prozesse des Lernens<\/span><\/strong> vorgestellt, die f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis herausfordernden Verhaltens und den Umgang damit auf einer praktischen Ebene n\u00fctzlich sind, unabh\u00e4ngig davon, welcher der oben vorgestellten einzelnen Theorien sie zuzuordnen sind:<\/div>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Desensibilisierung und Gegenkonditionierung<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Habituation<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Prim\u00e4re und sekund\u00e4re Verst\u00e4rker<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">L\u00f6schung<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Kontingenz und Kontiguit\u00e4t<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Generalisierung und Diskrimination<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Shaping und Chaining<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Zuordnungen zur den Theorien sind oft nicht eindeutig und bringen wenig praktischen Nutzen f\u00fcr die Arbeit der Heilp\u00e4dagogen. Die vorgestellten Konzepte basieren zum Teil auf dem klassischen Konditionieren, zum Teil auf operanten Methoden. Ausserdem wird der Kontext der Verhaltenstherapie einbezogen.<\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Fallvignette (Bodenmann)<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Diese kurze Fallvignette stammt aus dem Referat von Prof. Dr. Guy Bodenmann anl\u00e4sslich der Fortbildungstage HfH, im Januar 2014. Die nachfolgenden Videobeispiele zu lerntheoretischen Konzepten werden anhand dieser Fallvignette erl\u00e4utert.<\/p>\n<div class=\"textbox\">\n<p>Joel (10 j\u00e4hrig) weigert sich in die Schule zu gehen. Morgens fragt er bereits beim Aufstehen, ob er in die Schule gehen m\u00fcsse oder ob Wochenende sei. Wenn die Mutter sagt, dass heute sehr wohl Schule sei, beginnt Joel zu weinen. Er wolle nicht zur Schule gehen. Er tr\u00f6delt mit dem Anziehen, verweigert das Fr\u00fchst\u00fcck. Er klagt \u00fcber starke Bauchschmerzen. Er f\u00fchle sich unwohl und m\u00fcsse zu Hause bleiben. Die Mutter, welche berufst\u00e4tig ist, kommt jeweils stark unter Druck, da sie nicht zu sp\u00e4t zur Arbeit kommen kann. Sie versucht Joel zuerst liebevoll, dann mit mehr Nachdruck zu \u00fcberzeugen, dass die Schule okay sei und man doch gern zur Schule gehe. Sie verstehe nicht, was denn los sei. Sie nimmt Joel in die Arme, macht ihm eine warme Bettflasche und redet ihm gut zu. Kurz bevor Joel dann das Haus verlassen sollte, spitzt sich die Lage weiter zu. Joel schreit, klammert sich an die Mutter, beschw\u00f6rt sie, wird w\u00fctend und ausf\u00e4llig. Die Mutter schimpft schliesslich entnervt und zerrt ihn unsanft aus dem Haus. Sie f\u00e4hrt ihn zum Schulhaus und droht, ihm am Abend das Fernsehen zu streichen. (Bodenmann, 2014)<\/p>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Desensibilisierung und Gegenkonditionierung<\/h2>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Gegenkonditionierung<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Methoden der Verhaltenstherapie in den 1940er und 50er Jahren besch\u00e4ftigten sich vor allem mit dem Abbau von \u00c4ngsten und Neurosen mittels Techniken der <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">klassischen Konditionierung <\/span><\/i>(Kriz, 2007). Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Desensibilisierung<\/i><\/span>i st eines der \u00e4ltesten und etabliertesten verhaltenstherapeutischen Konzepte und basiert auf dem Prinzip der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gegenkonditionierung<\/i><\/span>.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die Verbindung zwischen Angst und dem ausl\u00f6senden Reiz (der ggf. auch eine ganze Situation umfassen kann) wird als konditioniert aufgefasst, wie z. B. die Angst des kleinen Albert vor \u00abpelzartigen Gegenst\u00e4nden\u00bb im Versuch von Watson. Nun wird in einem neuen Konditionierungs-Experiment zu diesem CS eine andere, positive Reaktion konditioniert, etwa das positive Gef\u00fchl beim Essen von S\u00fcssigkeiten. Diese neue Verbindung hemmt und verdr\u00e4ngt die alte. (Kriz, 2007)<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Systematische Desensibilisierung<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Methode der systematischen Desensibilisierung besteht aus mehreren Teilschritten: Zuerst wird mit dem Patienten zusammen eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Angsthierarchie <\/i><\/span>erstellt (Einordnung der vorhandenen \u00c4ngste nach Intensit\u00e4t). Nachdem sich der Patient durch ein Trainingsverfahren entspannt hat, wird er aufgefordert, sich mit den aufgelisteten Angstsituationen (angefangen mit den schw\u00e4chsten) gedanklich zu besch\u00e4ftigen. Die Angsthierarchie wird so stufenweise abgearbeitet; wenn starke Angstsymptome auftreten, wird wieder eine Entspannungsphase eingelegt. In der klinischen Praxis wird die systematische Desensibilisierung f\u00fcr ein breites Spektrum von Symptomen angewendet, vor allem f\u00fcr Phobien verschiedener Art.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Expositionstherapie<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die systematische Desensibilisierung beruht auf <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>gedanklicher Konfrontation<\/i><\/span> mit den \u00c4ngsten. Bei bestimmten Angstst\u00f6rungen ist aber auch eine Konfrontation mit den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>realen <\/i><\/span>angstbesetzten Situationen und Objekten sinnvoll und n\u00fctzlich (in vivo). Auch hier erfolgt \u00fcblicherweise eine schrittweise Ann\u00e4herung an h\u00f6here Angststufen.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Flooding<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im Gegensatz zum langsamen Prozess der Desensibilisierung wird bei der Technik des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Flooding <\/i><\/span>sofort mit einer Situation h\u00f6chster Angstintensit\u00e4t gearbeitet. Die Angst steigt anf\u00e4nglich stark an und sinkt dann langsam ab; ein Habituationsprozess setzt ein (Kriz, 2007).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Eine Konkurrenzhypothese zur systematischen Desensibilisierung behauptet, dass sich ein <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gew\u00f6hnungseffekt <\/i><\/span>durch mehrfache Darbietung eines Reizes einstelle, was ebenfalls als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Habituation <\/i><\/span>bezeichnet wird (siehe weiter unten).<\/p>\n<div class=\"ilc_section_AdvancedKnowledge ilCOPageSection\">\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">Einigen Therapiemethoden in der Angstbehandlung liegt das Prinzip der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gegenkonditionierung <\/i><\/span>zugrunde. Hierbei werden vormals konditionierte Reize mit unkonditionierten Reizen verbunden, die angenehme Qualit\u00e4t haben. Die vormals negative Reaktion (wie z. B. Angst) auf den konditionierten Reiz wird dann durch eine positive Reaktion \u00fcberformt. Ein Beispiel daf\u00fcr sind Konfrontationsverfahren im Rahmen der Angstbehandlung, bei denen die Betroffenen angeleitet werden, sich wiederholt einem konditionierten Reiz auszusetzen, bis die konditionierte Reaktion nachl\u00e4sst und der konditionierte Reiz wieder mit neutralen Konsequenzen (z. B. im Kaufhaus sein und keine Angst haben) verkn\u00fcpft wird. Eine direkte Neuverkn\u00fcpfung wird bei der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Systematischen Desensibilisierung<\/i><\/span> vorgenommen, bei der die Patienten sich einen angstausl\u00f6senden Reiz (CS) vorstellen und daraufhin eine einge\u00fcbte Entspannungsreaktion als [zur] Angst inkompatible angenehme Konsequenz ausf\u00fchren. (Petermann et al., 2011)<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Folge klassischer Konditionierung<\/h3>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden Videoausschnitt erl\u00e4utert Prof. Dr. Guy Bodenmann das Zustandekommen von <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">abweichendem Verhalten als Folge einer klassischen Konditionierung<\/span> (<\/i>Video aufgenommen an den Fortbildungstagen HfH im Januar 2014). Die Beispiele beziehen sich auf die am Kapitelanfang pr\u00e4sentierte Fallvignette.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/20_BodenmannKlassKond.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/20_BodenmannKlassKond.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<\/div>\n<div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Habituation<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Unter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><strong>Habituation<\/strong> <\/span>versteht man eine Abnahme der Reaktionsbereitschaft auf einen mehrfach dargebotenen Reiz.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ein Organismus reagiert auf neue Situationen und Reize mit erh\u00f6hter Aufmerksamkeit und Hinwendung. Dies wird als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Orientierungsreaktion <\/i><\/span>bezeichnet. Damit kann der Organismus eine Situation schnell erfassen und darauf reagieren. Mit der wiederholten Darbietung ist der Reiz f\u00fcr das Individuum nicht mehr \u00abneu\u00bb, so dass sich die Orientierungsreaktion abschw\u00e4cht (Reinecker, 2005).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">Beispiel: Wenn man zum ersten Mal in einem Raum mit einer laut tickenden Uhr zu schlafen versucht, so st\u00f6rt das Ticken zun\u00e4chst enorm (das heisst es handelt sich um einen neuen Reiz, dem man Aufmerksamkeit schenkt). Nach einer gewissen Zeit stellt man fest, dass man das Ticken gar nicht mehr wahrnimmt, das bedeutet, man hat sich mit dem Ticken abgefunden oder <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>habituiert<\/i><\/span>. (Reinecker, 2005)<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"ilc_section_AdvancedKnowledge ilCOPageSection\">\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">Der Prozess der Habituation ist von der Erm\u00fcdung einerseits und von der L\u00f6schung andererseits abzugrenzen: Von Erm\u00fcdung spricht man dann, wenn sich nach dem h\u00e4ufigen Ausf\u00fchren eines Verhaltens ein Nachlassen an Spannung und Reaktionsst\u00e4rke zeigt (zum Beispiel Abnahme des Muskeltonus nach einer anstrengenden T\u00e4tigkeit; Abnahme der Konzentrationsleistung nach der Lekt\u00fcre eines Textes usw.). Charakteristisch f\u00fcr die Erm\u00fcdung ist die Abnahme von Leistung im zeitlichen Verlauf. Prozesse der Erm\u00fcdung werden in vielen Definitionen des Lernens explizit ausgeschlossen. (Reinecker, 2005)<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Prim\u00e4re und sekund\u00e4re Verst\u00e4rker<\/h2>\n<div class=\"textbox\">Als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verst\u00e4rker<\/i><\/span> werden Verhaltenskonsequenzen bezeichnet, die regelm\u00e4ssig (kontingent) auf ein bestimmtes Verhalten erfolgen und dadurch die Auftretenswahrscheinlichkeit oder Ausf\u00fchrungsgeschwindigkeit dieses Verhaltens erh\u00f6hen.<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Prim\u00e4re Verst\u00e4rker <\/b><\/span>befriedigen in der Regel physiologische, nicht erlernte Bed\u00fcrfnisse (z.B. Essen, Trinken, K\u00f6rperkontakt) [1] und wirken verst\u00e4rkend, ohne dass vorher Lernen stattgefunden hat (Lefran\u00e7ois, 2006).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-40.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-599 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-40.png\" alt=\"\" width=\"161\" height=\"145\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-40.png 161w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-40-65x59.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 161px) 100vw, 161px\" \/><\/a><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Sekund\u00e4re Verst\u00e4rker<\/b><\/span> sind Ereignisse, die urspr\u00fcnglich nicht verst\u00e4rkend wirken, aber durch Paarung mit anderen Verst\u00e4rkern eine verst\u00e4rkende Wirkung entwickeln (Lefran\u00e7ois, 2006). Sie sind lediglich die Ank\u00fcndigung oder das Versprechen eines prim\u00e4ren Verst\u00e4rkers. Ein typischer sekund\u00e4rer Verst\u00e4rker ist Geld, das urspr\u00fcnglich selbst keine Bed\u00fcrfnisse befriedigt. Sekund\u00e4re Verst\u00e4rker sind durch klassische Konditionierung aus prim\u00e4ren Verst\u00e4rkern entstanden und erlangen ihre Bedeutung durch Kontingenz mit diesen Verst\u00e4rkern (z.B. Geld f\u00fcr Nahrung).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">Das Licht in der Skinnerbox wird zuweilen als <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">sekund\u00e4rer Verst\u00e4rker<\/span> <\/i>verwendet. Wenn \u00fcber eine Reihe von Durchg\u00e4ngen jedesmal das Licht angeschaltet wird, wenn das Tier gef\u00fcttert wird (einen prim\u00e4ren Verst\u00e4rker erh\u00e4lt), wird das Tier mit der Zeit reagieren, sobald das Licht angeht. Wenn dies geschieht, hat das Licht die Eigenschaft eines sekund\u00e4ren Verst\u00e4rkers entwickelt. (Lefran\u00e7ois, 2006).<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Welche Bedeutung hat sekund\u00e4re Verst\u00e4rkung?<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sekund\u00e4re Verst\u00e4rkung<\/i><\/span> hat in der p\u00e4dagogischen Praxis eine grosse Bedeutung. Viele Verhaltensweisen sind nicht durch prim\u00e4re, sondern durch sekund\u00e4re Verst\u00e4rkung motiviert. Eine wichtige Funktion sekund\u00e4rer Verst\u00e4rkung besteht darin, Zeitr\u00e4ume ohne prim\u00e4re Verst\u00e4rkung zu \u00fcberbr\u00fccken. Lernen kann somit auch dann erfolgen, wenn keine prim\u00e4ren Verst\u00e4rker verabreicht oder keine prim\u00e4ren Bed\u00fcrfnisse befriedigt werden (Reinecker, 2005). In der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>P\u00e4dagogik<\/i> <\/span>wichtige sekund\u00e4re Verst\u00e4rker sind z.B. Lob, Preise, gute Noten etc. Die Relevanz sekund\u00e4rer Verst\u00e4rkung f\u00fcr die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Praxis<\/i> der Verhaltenstherapie<\/span> ist ebenfalls sehr hoch, wie das folgende Beispiel zeigt:<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<h4 class=\"textbox__content\">Beispiel f\u00fcr Erkl\u00e4rungsversuche der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Drogenabh\u00e4ngigkeit<\/span><\/h4>\n<div class=\"textbox__content\">In seinen \u00dcberlegungen weist Wikler (1976) auf die Bedeutung sekund\u00e4rer Verst\u00e4rkung bei der Einnahme von Drogen hin, wobei sowohl Aspekte des klassischen, als auch des instrumentellen Konditionierens eine bedeutende Rolle spielen (Die Ursachen f\u00fcr die Einnahme von Drogen sind nat\u00fcrlich heterogen; die sekund\u00e4re Verst\u00e4rkung ist ein Faktor unter vielen).<\/div>\n<div class=\"textbox__content\">Wikler (1976) zeigt, dass zur Verwendung von Drogen zumeist <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Rituale <\/span>geh\u00f6ren, die als sekund\u00e4re Stimuli aufgefasst werden k\u00f6nnen. Neben der pharmakologischen Wirkung verschiedener Drogen spielen solche <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">situationalen Aspekte<\/span> eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle. In die Klasse der Rituale und damit sekund\u00e4ren Verst\u00e4rker geh\u00f6ren spezielle Merkmale des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Settings <\/span>(zum Beispiel Beleuchtung, bestimmte Lokale etc.) ebenso wie einzelne Handlungen (zum Beispiel Einnahme des Alkohols in bestimmten Gl\u00e4sern; Reinigung von \u00abBesteck\u00bb bei der Drogeneinnahme usw.) und soziale Bedingungen (etwa das Dazugeh\u00f6ren, das sich in vagen Beschreibungen der Erlebnisse manifestiert und eine bestimmte Gemeinsamkeit unterstellt). (Reinecker, 2005).<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">[1] Essen und Trinken als prim\u00e4re Verst\u00e4rker reduzieren Hunger und Durst.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--learning-objectives\">\n<div class=\"textbox__content\">Prim\u00e4re und sekund\u00e4re Verst\u00e4rker d\u00fcrfen nicht verwechselt werden mit positiven und negativen Verst\u00e4rkern, wie sie im Kapitel \u00fcber Skinner (<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/klassische-lerntheorien#skinner-operante-konditionierung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Klassische Lerntheorien &gt; Skinner: Operante Konditionierung<span style=\"color: #000000\">)<\/span><\/a> beschrieben sind:<\/div>\n<div class=\"textbox__content\">Ein <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>positiver Verst\u00e4rker <\/i><\/span>ist jeder Reiz, der die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Wirkreaktion <\/span>beg\u00fcnstigt, wenn er unmittelbar auf diese Reaktion erfolgt. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Negative Verst\u00e4rker<\/i><\/span> sind Reize\/Stimuli, die zu erh\u00f6hter Reaktionsfrequenz f\u00fchren, wenn sie weggelassen werden.<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Das Token-System<\/h3>\n<figure id=\"attachment_600\" aria-describedby=\"caption-attachment-600\" style=\"width: 199px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-41.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-600 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-41.png\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"266\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-41.png 199w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-41-65x87.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-600\" class=\"wp-caption-text\">(c) mamaot.com<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Token-System (Token Economy) ist ein <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verfahren der Verhaltenstherapie<\/i><\/span>, das auf Prinzipien der operanten Konditionierung beruht (oft auch als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Belohnungsplan<\/i> <\/span>bezeichnet). Ziel ist der Aufbau erw\u00fcnschten Verhaltens durch Verwendung systematischer Anreize. Da <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>belohnende Verst\u00e4rker<\/i><\/span> (Aktivit\u00e4ten oder Dinge, die vom Betroffenen gesch\u00e4tzt oder gew\u00fcnscht sind) h\u00e4ufig nicht unmittelbar zur Verf\u00fcgung stehen, wenn das erw\u00fcnschte Verhalten gezeigt wurde, werden in einem Token-System <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Tokens<\/i> <\/span>(engl. M\u00fcnzen) zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>zeitlich kontingenten Verst\u00e4rkung des Zielverhaltens<\/i><\/span> eingesetzt. Tokens werden also verwendet, um die zeitliche Verz\u00f6gerung zwischen dem erw\u00fcnschten Verhalten und der \u00abeigentlichen\u00bb (prim\u00e4ren) Verst\u00e4rkung zu \u00fcberbr\u00fccken.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\u00c4hnlich wie bei Geld handelt es sich bei einem Token um einen sog. generalisierten Verst\u00e4rker, d. h. einen (konditionierten) <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sekund\u00e4ren Verst\u00e4rker<\/i><\/span>, der f\u00fcr ganz verschiedene Bed\u00fcrfnisse eingesetzt werden kann. Tokens sind z. B. Chips, Punkte, Smileys, Murmeln, Kredit in einem Kreditkartensystem, Scheckheftsystem etc. Diese Tokens kann der Betreffende sp\u00e4ter nach einem vorher festgelegten Plan eintauschen gegen den (begehrten) prim\u00e4ren Verst\u00e4rker.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Token-Systeme werden im Rahmen der Kinderpsychotherapie angewendet, stammen aber urspr\u00fcnglich aus der Psychiatrie und Sonderp\u00e4dagogik, wo sie z.B. zur Reduktion von aggressivem Verhalten eingesetzt werden (Petermann et al., 2011).<\/p>\n<figure id=\"attachment_601\" aria-describedby=\"caption-attachment-601\" style=\"width: 196px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-42.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-601 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-42.png\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"256\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-42.png 196w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-42-65x85.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-601\" class=\"wp-caption-text\">(c) Lefran\u00e7ois (2006)<\/figcaption><\/figure>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Folge operanter Konditionierung<\/h3>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden Videoausschnitt erl\u00e4utert Prof. Dr. Guy Bodenmann das Zustandekommen von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">abweichendem Verhalten als Folge einer operanten Konditionierung<\/span> (Video aufgenommen an den Fortbildungstagen HfH im Januar 2014).<\/div>\n<div>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/21_BodenmannOperantKond.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/21_BodenmannOperantKond.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<\/div>\n<div>\n<div id=\"mainspacekeeper\" class=\"container-fluid ilContainerWidth ilFixedTopSpacer\">\n<div class=\"row\">\n<div id=\"fixed_content\" class=\"ilLeftNavSpace ilContentFixed\">\n<div id=\"mainscrolldiv\">\n<div class=\"ilTabsContentOuter\">\n<div id=\"ilContentContainer\" class=\"container-fluid\">\n<div class=\"row\">\n<div id=\"il_center_col\" class=\"col-sm-12\">\n<div id=\"ilCOPageContent\" class=\"ilc_page_cont_PageContainer\">\n<div class=\"ilc_page_Page\">\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">L\u00f6schung<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><strong>L\u00f6schung<\/strong> <\/span>oder <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><strong>Extinktion<\/strong> <\/span>ist ein Lernprinzip der operanten Konditionierung. Dabei werden die Konsequenzen eines Verhaltens unterdr\u00fcckt oder aufgehoben, so dass das betreffende Verhalten allm\u00e4hlich nicht mehr gezeigt wird. Wenn der Verst\u00e4rker unterdr\u00fcckt wird, kann das Verhalten anf\u00e4nglich sogar noch intensiviert werden, bevor es verschwindet. Diese Technik kann dann angewendet werden, wenn ein Verhalten aufgrund <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">positiver Verst\u00e4rkung <\/span><\/i>aufrechterhalten wird und die Verst\u00e4rkung unter der Kontrolle z.B. des Lehrers oder Therapeuten ist. Bestimmte unerw\u00fcnschte Verhaltensweisen k\u00f6nnen gel\u00f6scht werden, indem man sie nicht beachtet.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">Ein Beispiel stellt ein quengelndes Kind dar, das an der Supermarktasse gern etwas S\u00fcsses gekauft haben m\u00f6chte. Ignoriert die Mutter das Quengeln, kann es sein, dass das Kind zun\u00e4chst noch heftiger reagiert, sich z. B. auf den Boden wirft oder schreit. Ignoriert die Mutter das Kind jedoch weiterhin, wird es in der Regel mit dem Verhalten aufh\u00f6ren, da es lernt, dass es auf diesem Weg nichts erreicht. L\u00f6schung stellt eine der wirksamsten Methoden zum Abbau unerw\u00fcnschten Verhaltens dar, ist in der Praxis jedoch h\u00e4ufig mit hohen Anforderungen an die Disziplin und die Konsequenz der Durchf\u00fchrenden verbunden. (Petermann et al., 2011)<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox\">L\u00f6schung ist der Entzug jeglicher aufrechterhaltender Verhaltenskonsequenzen. (Petermann et al., 2011)<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"ilTabsContentOuter\">\n<div id=\"ilContentContainer\" class=\"container-fluid\">\n<div class=\"row\">\n<div id=\"il_center_col\" class=\"col-sm-12\">\n<div id=\"ilCOPageContent\" class=\"ilc_page_cont_PageContainer\">\n<div class=\"ilc_page_Page\">\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Kontingenz und Kontiguit\u00e4t<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Verschiedene Bedingungen m\u00fcssen f\u00fcr einen gelingenden Lernprozess erf\u00fcllt sein, der auf Verst\u00e4rkungslernen beruht.<\/p>\n<div class=\"textbox\"><strong>Kontingenz<\/strong> bezeichnet die St\u00e4rke des Zusammenhangs zwischen dem relevanten Verhalten und der Konsequenz (Petermann et al., 2011).<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Zusammenhang muss m\u00f6glichst eng sein; die Konsequenz sollte nur als Folge dieses speziellen Verhaltens auftreten und nicht unter anderen Bedingungen.<\/p>\n<div class=\"textbox\"><strong>Kontiguit\u00e4t<\/strong> beschreibt den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>zeitlichen Zusammenhang<\/i><\/span> zwischen Verhalten und Konsequenz (Petermann et al., 2011).<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der zeitliche Abstand zwischen Verhalten und folgender Konsequenz sollte dabei m\u00f6glichst kurz sein.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"ilc_page_Page\">\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><a id=\"generalisierung-und-diskrimination\"><\/a>Generalisierung und Diskrimination<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><strong>Generalisierung <\/strong><\/span>bedeutet, dass ein Organismus bereits gelerntes Verhalten auch als Reaktion auf \u00e4hnliche Stimuli und neue Situationen anwendet. Durch die wiederholte Konfrontation mit \u00e4hnlichen Stimuli und Situationen lernt der Organismus aber auch, kleine Unterschiede in den einzelnen Situationen wahrzunehmen, was als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Diskrimination <\/span>bezeichnet wird. Generalisierung und <i>Diskrimination<\/i> sind f\u00fcr das menschliche <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Lernen <\/i><\/span>sehr wichtig. Das differenzierte Zusammenwirken von Generalisierung und Diskrimination erm\u00f6glicht die Flexibilit\u00e4t unseres Verhaltensrepertoires.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Taube, die sich in Reaktion auf das Wort <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>picken <\/i><\/span>dreht,<\/p>\n<figure id=\"attachment_602\" aria-describedby=\"caption-attachment-602\" style=\"width: 238px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-43.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-602 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-43.png\" alt=\"\" width=\"238\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-43.png 238w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-43-65x47.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-43-225x162.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 238px) 100vw, 238px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-602\" class=\"wp-caption-text\">(c) youtube<\/figcaption><\/figure>\n<p>bevor sie gelernt hat, zwischen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>drehen <\/i><\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>picken <\/i><\/span>zu diskriminieren. Ein weiteres Beispiel ist der vielleicht weitaus beeindruckendere Befund, dass Tauben relativ leicht lernen, zwischen kugelf\u00f6rmigen und nicht kugelf\u00f6rmigen Stimuli zu unterscheiden und, nach weniger als 150 Trainingsdurchg\u00e4ngen, das \u00abKonzept\u00bb kugelf\u00f6rmig auf hunderte anderer Stimulusobjekte \u00fcbertragen. (Lefran\u00e7ois, 2006)<\/p>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Wie wir am Beispiel des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>kleinen Albert<\/i><\/span> gesehen haben, nahm John B. Watson an, dass emotionale Reaktionen genau wie Verhaltensweisen durch Konditionierung erworben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<div class=\"textbox\">Als Reizgeneralisierung bezeichnet man die \u00dcbertragung der konditionierten Reaktion auf Reize, die verschiedene Merkmale mit dem konditionierten Reiz teilen. (Petermann et al., 2011)<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Beispiele f\u00fcr die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Generalisierung <\/i><\/span>im menschlichen Verhalten: \u00abalte\u00bb Verhaltensweisen werden auf neue Situationen \u00fcbertragen:<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">Neue Autos werden auf \u00e4hnliche Weise wie alte gefahren; jemand, der zuf\u00e4llig einen Fremden schubst, entschuldigt sich, obwohl er diesen speziellen Fremden niemals zuvor geschubst hat; ein Farmer \u00fcberlegt bei der Aufgabe, 27 K\u00e4ngurus und 28 Zebras zu addieren, dass die Summe dieselbe sein muss wie die von 27 Schweinen und 28 Pferden; Menschen gehen davon aus, dass Dinge von Berggipfeln genauso herabfallen wie von B\u00e4umen; Fremde geben einander die Hand, wenn sie vorgestellt werden usw. Alle diese Handlungen sind Beispiele von Reaktionen auf neue Situationen, die auf vorherigem Lernen basieren. Generalisierung ist deshalb wichtig, weil nicht alle, noch nicht einmal die meisten, Situationen, auf die Menschen in ihrem Leben reagieren m\u00fcssen, in der Schule oder anderen Lernsituationen gelehrt werden k\u00f6nnen. Das Vermitteln der F\u00e4higkeit zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Generalisierung<\/i> (Transfer)<\/span> ist eine der Hauptfunktionen der Schule. (Lefran\u00e7ois, 2006)<\/div>\n<\/div>\n<p><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-44.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-603 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-44.png\" alt=\"\" width=\"161\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-44.png 161w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-44-65x76.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 161px) 100vw, 161px\" \/><\/a><\/i><\/span><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><strong>Diskrimination<\/strong><\/span> verh\u00e4lt sich komplement\u00e4r zur Generalisierung. Die Einzelheiten \u00e4hnlicher Situationen werden in der Wahrnehmung unterschieden, damit darauf angemessen reagiert werden kann. Die Taube, die gelernt hat, auf die Pr\u00e4sentation der beiden W\u00f6rter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>picken <\/i><\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>drehen <\/i><\/span>unterschiedlich zu reagieren, zeigt uns das Diskiminationslernen, das f\u00fcr das menschliche Verhalten ebenso wichtig ist wie die F\u00e4higkeit zu generalisieren.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"row\">\n<div id=\"il_center_col\" class=\"col-sm-12\">\n<div id=\"ilCOPageContent\" class=\"ilc_page_cont_PageContainer\">\n<div class=\"ilc_page_Page\">\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">Kinder m\u00fcssen schon sehr fr\u00fch lernen, zwischen \u00e4hnlichen Situationen, die unterschiedliche Reaktionen erfordern, zu diskriminieren. Kinder lernen z.B., dass man seine Eltern k\u00fcssen darf, aber Fremde nicht; dass man seine Schwestern nicht boxen darf, aber b\u00f6se Jungen aus der Nachbarschaft unter gewissen, klar diskriminierbaren (unterscheidbaren) Umst\u00e4nden schon; dass man in stillen Kirchen keine lauten Ger\u00e4usche machen darf, in stillen H\u00e4usern aber schon usw. Daher ist sozial angepasstes Verhalten in hohem Masse eine Funktion des Lernens, \u00e4hnliche Situationen, die verschiedene Verhaltensweisen erfordern, unterscheiden zu k\u00f6nnen. (Lefran\u00e7ois, 2006)<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox\">Den zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Generalisierung <\/i><\/span>komplement\u00e4ren Prozess bezeichnet man als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Diskrimination<\/span>. Man versteht darunter die F\u00e4higkeit des Organismus, bereits auf leicht unterschiedliche Situationen auch unterschiedlich zu reagieren (Reinecker, 2005).<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Sowohl <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Diskriminations<\/span>&#8211;<\/i> als auch <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Generalisierungslernen <\/i><\/span>spielen eine wichtige Rolle beim Erwerb sozialer Regeln. Kinder lernen, bestimmte Umgangsformen mit Gesichts- oder Sprachausdruck in Beziehung zu bringen oder bestimmte Hinweisreize mit bestimmten Verhaltensregeln gleichzusetzen (Petermann et al.; 2011).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Shaping und Chaining<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><strong>Shaping<\/strong> (Verhaltensformung) wird angewendet, wenn das auszuformende Verhalten noch nicht im nat\u00fcrlichen Verhaltensrepertoire einer Person verankert ist oder andere Lernformen aufgrund von Beeintr\u00e4chtigungen nicht eingesetzt werden k\u00f6nnen. Beim Shaping wird zun\u00e4chst jede Verhaltensweise verst\u00e4rkt, die in die Richtung des gew\u00fcnschten Verhaltens zeigt. Allm\u00e4hlich werden Verhaltensweisen verst\u00e4rkt, die dem Zielverhalten immer \u00e4hnlicher werden, bis schliesslich nur noch das gew\u00fcnschte Verhalten verst\u00e4rkt wird (Petermann et al., 2008).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">Will man beispielsweise einem Kind beibringen, mit einem L\u00f6ffel zu essen, kann zun\u00e4chst das alleinige Greifen des L\u00f6ffels durch Lob verst\u00e4rkt werden. Im n\u00e4chsten Schritt wird nur verst\u00e4rkt, wenn das Kind den L\u00f6ffel richtig in der Hand h\u00e4lt; in anschliessenden Schritten erfolgt Verst\u00e4rkung nur noch, wenn das Kind den L\u00f6ffel zum Mund f\u00fchrt und so weiter. (Petermann et al., 2008)<\/div>\n<\/div>\n<figure id=\"attachment_604\" aria-describedby=\"caption-attachment-604\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-45.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-604 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-45.png\" alt=\"\" width=\"197\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-45.png 197w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-45-65x58.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-604\" class=\"wp-caption-text\">(c) www.massey.ac.nz\/<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"ilContentContainer\" class=\"container-fluid\">\n<div class=\"row\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Beim <strong><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Chaining <\/span><\/strong>(Kettenbildung) wird eine Handlungskette in mehrere kleine Sequenzen zerlegt. Das zuletzt gelernte Glied der Verhaltenskette dient als sekund\u00e4rer Verst\u00e4rker f\u00fcr das n\u00e4chstfolgende Verhalten und erm\u00f6glicht schliesslich das Erlernen von komplexeren Verhaltensweisen.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">Ein Beispiel f\u00fcr <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Chaining <\/i><\/span>ist das Vermitteln der Reihenfolge, in der ein Kind sich anziehen soll. Das Chaining kann sowohl vorw\u00e4rts als auch r\u00fcckw\u00e4rts durchgef\u00fchrt werden. Vorw\u00e4rts-Chaining w\u00fcrde bedeuten, dass ein Kind zun\u00e4chst f\u00fcr das Anziehen der Unterw\u00e4sche gelobt wird, unabh\u00e4ngig davon, was als n\u00e4chstes passiert. Im zweiten Schritt wird es nur noch verst\u00e4rkt, wenn es Unterw\u00e4sche und T-Shirt in der richtigen Reihenfolge anzieht. Dies wird fortgesetzt bis die Verhaltenskette vollst\u00e4ndig ist. Das Chaining kann auch r\u00fcckw\u00e4rts erfolgen, das heisst man beginnt mit der Verst\u00e4rkung beim Anziehen der Schuhe und durchl\u00e4uft die Verhaltenskette von diesem Punkt aus r\u00fcckw\u00e4rts. (Petermann et al., 2008, S.49)<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">F\u00fcr die p\u00e4dagogische Praxis k\u00f6nnte das heissen, dass eine Handlungskette in kleine, leicht ausf\u00fchrbare Schritte zerlegt wird und entsprechende gezielte Verst\u00e4rkung angewendet wird (das Kind lernt z.B., sauber zu werden, sich anzuziehen, Ordnung zu halten). Voraussetzung: Erste Ans\u00e4tze zu einem Verhalten m\u00fcssen beobachtet, entdeckt, evtl. gesucht werden (F\u00f6rderdiagnostik, Verhaltensbeobachtung, Suche nach Ankn\u00fcpfungspunkten). (Bundschuh, 2008, S. 275)<\/p>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Literatur<\/h2>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\n<ul>\n<li>Bundschuh, K. (2008). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Heilp\u00e4dagogische Psychologie<\/i><\/span> (UTB Sonder- und Heilp\u00e4dagogik, Psychologie, 4. Aufl.). M\u00fcnchen: Reinhardt.<\/li>\n<li>Kriz, J. (2007).<i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Grundkonzepte der Psychotherapie<\/span><\/i> (6. Aufl.). Weinheim: Beltz PVU.<\/li>\n<li>Lefran\u00e7ois, G. R. (2006). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Psychologie des Lernens<\/i><\/span> (4. Aufl.). Heidelberg: Springer.<\/li>\n<li>Petermann, F., Maercker, ., Lutz, W. &amp; Stangier, U. (2011). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Klinische Psychologie &#8211; Grundlagen<\/i><\/span> (Bachelorstudium Psychologie). G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/li>\n<li>Reinecker, H. (2005). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Grundlagen der Verhaltenstherapie<\/i><\/span> (3. Aufl.). Weinheim: Beltz PVU.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im folgenden werden grundlegende Konzepte bzw. Prozesse des Lernens vorgestellt, die f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis herausfordernden Verhaltens und den Umgang damit auf einer praktischen Ebene n\u00fctzlich sind, unabh\u00e4ngig davon, welcher der oben vorgestellten einzelnen Theorien sie zuzuordnen sind: Desensibilisierung und Gegenkonditionierung Habituation Prim\u00e4re und sekund\u00e4re Verst\u00e4rker L\u00f6schung Kontingenz und Kontiguit\u00e4t Generalisierung und Diskrimination Shaping und Chaining [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":19,"menu_order":6,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"","pb_subtitle":"","pb_authors":[],"pb_section_license":""},"categories":[],"chapter-type":[],"contributor":[],"license":[],"class_list":["post-189","chapter","type-chapter","status-publish","hentry"],"part":24,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/189","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"version-history":[{"count":34,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/189\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1717,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/189\/revisions\/1717"}],"part":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/24"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/189\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=189"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=189"},{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=189"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=189"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=189"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}