{"id":187,"date":"2020-02-18T14:21:16","date_gmt":"2020-02-18T13:21:16","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=187"},"modified":"2024-09-20T13:56:55","modified_gmt":"2024-09-20T11:56:55","slug":"lerntheoretische-verhaltenstherapie","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/lerntheoretische-verhaltenstherapie\/","title":{"raw":"Lerntheoretische Verhaltenstherapie","rendered":"Lerntheoretische Verhaltenstherapie"},"content":{"raw":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verhaltenstherapie<\/i> <\/span>ist nicht die Bezeichnung f\u00fcr einen einzelnen therapeutischen Ansatz, sondern bezeichnet eine grosse Gruppe von heterogenen Ans\u00e4tzen, die sich teilweise stark unterscheiden. Die wesentliche Gemeinsamkeit der Verhaltenstherapien ist die Grundlage der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Lerntheorien<\/i> <\/span>f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von \u00abSt\u00f6rungen\u00bb, anf\u00e4nglich weitgehend reduziert auf das beobachtbare Verhalten (Kriz, 2007).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In der lerntheoretischen Verhaltenstherapie werden die oben beschriebenen theoretischen Konzepte der klassischen und operanten Konditionierung praktisch angewendet. Dadurch verschiebt sich der Fokus, einerseits auf die Anwendung an Menschen statt an Tieren, andererseits auf die N\u00fctzlichkeit der Denk- und Handlungsmodelle hinsichtlich therapeutischer und auch p\u00e4dagogischer Aufgaben.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Mit der so genannten <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Zwei-Faktoren-Theorie<\/i><\/span> pr\u00e4sentierte Orval Hobart Mowrer 1947 eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Entstehung und die Aufrechterhaltung von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Phobien<\/i><\/span>, vor allem bezogen auf Angstst\u00f6rungen. Er kombinierte in seiner Theorie die Prinzipien des klassischen und des operanten Konditionierens. Dabei wird ein unkonditionierter Reiz durch Assoziation mit einer Angstreaktion zu einem konditionierten Stimulus, also zum Angstausl\u00f6ser. Dieser wird durch operante Konditionierung negativ verst\u00e4rkt, wobei der Betroffene lernt, die Angst durch Vermeidung des Angstausl\u00f6sers zu schw\u00e4chen.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel: <\/strong>Ein oder mehrere Bienenstiche f\u00fchren zu einer Angst vor Bienen (klassische Konditionierung). In der Folge werden Situationen mit Bienen vermieden, was die Angst beibeh\u00e4lt und zu einer Bienenphobie f\u00fchrt (operante Konditionierung).<\/div>\r\n<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Weitere Konzepte, wie das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Diathese-Stress-Modell<\/span> und das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">SORCK-Modell<\/span> werden auf den folgenden Seiten besprochen.<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><a id=\"diathese-stress-modell\"><\/a>Das Diathese-Stress-Modell<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Unter<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"> <i>Diathese<\/i> <\/span>versteht man die<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"> Disposition <\/span>f\u00fcr eine bestimmte Krankheit. Diese Disposition kann z. B. genetische oder auch lerngeschichtliche Hintergr\u00fcnde haben und wird als Neigung eines Menschen verstanden, auf eine bestimmte Weise auf Belastungen zu reagieren. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Stressoren<\/i><\/span> sind belastende Umweltereignisse oder Lebenssituationen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Sind die Belastungen (Disposition und Stressoren) zu gross und treten \u00fcber eine bestimmte Schwelle, kommt es zur Symptombildung bzw. zum Krankheitsausbruch. Zentral ist die Annahme, dass zur Entwicklung einer St\u00f6rung sowohl Diathese als auch Stress n\u00f6tig sind.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Diathese-Stress-Modell ist auch unter der Bezeichnung <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Vulnerabilit\u00e4ts-Stress-Modell<\/i><\/span> bekannt.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden Videoausschnitt demonstriert Prof. Dr. Guy Bodenmann das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Diathese-Stress-Modell <\/i><\/span>(Video aufgenommen an den Fortbildungstagen HfH im Januar 2014).<\/p>\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/17a_BodenmannDiatheseStress.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/17a_BodenmannDiatheseStress.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><a id=\"sorck-modell\"><\/a>Das SORCK-Modell<\/h2>\r\n<div class=\"textbox\">Das <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>SORCK-Modell<\/b><\/span> [1] ist eine Erweiterung des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>operanten Konditionierens<\/i><\/span> (S: Stimulus \u2192 R: Reaktion \u2192 K: Konsequenz) nach Skinner, welches von Frederick Kanfer um die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>kognitiven Elemente<\/i><\/span> O (Organismus) und C (Contingenz) erweitert wurde.<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\nAls Beispiel eine allt\u00e4gliche Situation aus einer Zahnarztpraxis mit folgenden Variablen:\r\n\r\n<span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>S<\/b>:<\/span> Stimulus oder Reiz (Praxisr\u00e4ume, Zahnarztbohrer etc.);\r\n\r\n<span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>O<\/b>:<\/span> Organismusvariablen (Kind, Angstbereitschaft etc.);\r\n\r\n<span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>R<\/b>:<\/span> Reaktion (Kind weint);\r\n\r\n<span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>K<\/b>:<\/span> Konsequenz (der Zahnarzt h\u00f6rt auf zu bohren);\r\n\r\n<span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>C<\/b>:<\/span> Contingenz (das Kind stellt einen Zusammenhang zwischen seiner eigenen Reaktion und der darauf folgenden Konsequenz her und wird beim n\u00e4chsten Zahnarztbesuch noch lauter schreien).\r\n\r\n(Quelle: http:\/\/www.medpsych.uni-freiburg.de\/OL\/body_sorck.html)\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Das SORCK-Modell von Kanfer und Saslow (1974) dient in der Verhaltenstherapie der Diagnostik, Erkl\u00e4rung und Ver\u00e4nderung von (Problem-)Verhalten. Es wird auch als horizontale Verhaltensanalyse bezeichnet, die zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Identifikation<\/i> von <i>ausl\u00f6senden<\/i> und <i>aufrechterhaltenden<\/i> <i>Einfl\u00fcssen<\/i><\/span> auf das betrachtete Verhalten genutzt wird. In der behavioristischen Terminologie steht <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>S f\u00fcr die ausl\u00f6senden externen oder internen Reize<\/i><\/span> (Stimulus; z.B. Situation, Gedanken). Unter<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">O, der Organismus-Variablen, werden individuelle Pr\u00e4dispositionen<\/span><\/i> wie biologische Prozesse, aber auch Pers\u00f6nlichkeitseigenschaften, Erfahrungen und \u00dcberzeugungen gefasst. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>R steht f\u00fcr die Reaktion<\/i><\/span>, also das Verhalten, das auf mehreren Ebenen (motorisch, affektiv, physiologisch, kognitiv) beschrieben wird. Die\u00a0 <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Konsequenzen K wirken auf das Verhalten zur\u00fcck<\/i><\/span>. Im Sinne operanter Konditionierung tragen sie zum Abbau, Aufbau oder zur Aufrechterhaltung des Verhaltens bei. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>C stellt die Contingenz zwischen R und K dar<\/i><\/span> und gibt damit an, wie h\u00e4ufig und regelm\u00e4ssig kurz- und langfristige Konsequenzen auf das Verhalten folgen.<\/div>\r\n<div class=\"textbox__content\">(nach Dorsch, Friedrich, Wirtz, Markus &amp; Strohmer, Janina. (2013). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Lexikon der Psychologie<\/i><\/span> (16. Aufl.). Bern: Huber.)<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n\r\n[caption id=\"attachment_597\" align=\"alignright\" width=\"453\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-39.png\"><img class=\"wp-image-597 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-39.png\" alt=\"\" width=\"453\" height=\"159\" \/><\/a> (c) medpsych.uni-freiburg.de\/[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">[1] Das SORCK-Modell wird auch als SORKC-, SORK- oder SORC-Modell bezeichnet. Dies r\u00fchrt daher, dass die <i>Konzepte<\/i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Konsequenz<\/i><\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Kontingenz<\/i><\/span> auf unterschiedliche Weise den Buchstaben <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>K<\/i><\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>C<\/i><\/span> zugeordnet werden, und dass die Reihenfolge von Konsequenz und Kontingenz nicht einheitlich gehandhabt wird. Letzteres stellt man sich am besten so vor, das zwischen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Reaktion<\/i>, <i>Konsequenz<\/i> und <i>Kontingenz<\/i><\/span> eine zirkul\u00e4re Abh\u00e4ngigkeit besteht, wie dies in der nebenstehenden schematischen Darstellung veranschaulicht wird.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox\">\r\n\r\n<span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Achtung<\/b><\/span>: Die folgenden Videos zum SORCK-Modell von Bodenmann und Borg-Laufs verwenden unterschiedliche Variationen des SORCK-Modells:\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Version Bodenmann: Stimulus - Organismus - <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Reaktion<\/b> - <b>Contingenz<\/b> - <b>Konsequenz<\/b><\/span><\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Version Borg-Laufs: Stimulus - Organismus - <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Reaktion<\/b> - <b>Consequence<\/b> - <b>Kontingenz<\/b><\/span><\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--learning-objectives\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Wie man an diesem Beispiel sieht, gibt es kaum Denk- und Handlungsans\u00e4tze, die sich streng und nur auf die klassischen lerntheoretischen Konzepte beschr\u00e4nken...<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Das SORCK-Modell<\/h3>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden Videoausschnitt demonstriert Prof. Dr. Guy Bodenmann das SORCK-Modell (Video aufgenommen an den Fortbildungstagen HfH im Januar 2014).<\/div>\r\n<div><\/div>\r\n<div>\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/17b_BodenmannAusschnitt3-moviem-640-360-169.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/17b_BodenmannAusschnitt3-moviem-640-360-169.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Funktionale Verhaltensanalyse<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das folgende Video (youtube) zum SORCK-Modell zeigt eine stark verk\u00fcrzte Einf\u00fchrung in die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>funktionale Verhaltensanalyse<\/i><\/span> zur Erkl\u00e4rung menschlichen Verhaltens am Beispiel klassisch konditionierter Angst und operant aufrechterhaltener unerw\u00fcnschter Verhaltensweisen bei einem aufmerksamkeitsgest\u00f6rten Kind.<\/p>\r\n[embed]https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=R_TYt44FMG4&amp;feature=emb_logo[\/embed]\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\nQuelle Prof. Dr. Michael Borg-Laufs, verf\u00fcgbar auf youtube: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=R_TYt44FMG4\r\n\r\n<\/div>","rendered":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verhaltenstherapie<\/i> <\/span>ist nicht die Bezeichnung f\u00fcr einen einzelnen therapeutischen Ansatz, sondern bezeichnet eine grosse Gruppe von heterogenen Ans\u00e4tzen, die sich teilweise stark unterscheiden. Die wesentliche Gemeinsamkeit der Verhaltenstherapien ist die Grundlage der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Lerntheorien<\/i> <\/span>f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von \u00abSt\u00f6rungen\u00bb, anf\u00e4nglich weitgehend reduziert auf das beobachtbare Verhalten (Kriz, 2007).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In der lerntheoretischen Verhaltenstherapie werden die oben beschriebenen theoretischen Konzepte der klassischen und operanten Konditionierung praktisch angewendet. Dadurch verschiebt sich der Fokus, einerseits auf die Anwendung an Menschen statt an Tieren, andererseits auf die N\u00fctzlichkeit der Denk- und Handlungsmodelle hinsichtlich therapeutischer und auch p\u00e4dagogischer Aufgaben.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Mit der so genannten <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Zwei-Faktoren-Theorie<\/i><\/span> pr\u00e4sentierte Orval Hobart Mowrer 1947 eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Entstehung und die Aufrechterhaltung von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Phobien<\/i><\/span>, vor allem bezogen auf Angstst\u00f6rungen. Er kombinierte in seiner Theorie die Prinzipien des klassischen und des operanten Konditionierens. Dabei wird ein unkonditionierter Reiz durch Assoziation mit einer Angstreaktion zu einem konditionierten Stimulus, also zum Angstausl\u00f6ser. Dieser wird durch operante Konditionierung negativ verst\u00e4rkt, wobei der Betroffene lernt, die Angst durch Vermeidung des Angstausl\u00f6sers zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel: <\/strong>Ein oder mehrere Bienenstiche f\u00fchren zu einer Angst vor Bienen (klassische Konditionierung). In der Folge werden Situationen mit Bienen vermieden, was die Angst beibeh\u00e4lt und zu einer Bienenphobie f\u00fchrt (operante Konditionierung).<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Weitere Konzepte, wie das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Diathese-Stress-Modell<\/span> und das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">SORCK-Modell<\/span> werden auf den folgenden Seiten besprochen.<\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><a id=\"diathese-stress-modell\"><\/a>Das Diathese-Stress-Modell<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Unter<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"> <i>Diathese<\/i> <\/span>versteht man die<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"> Disposition <\/span>f\u00fcr eine bestimmte Krankheit. Diese Disposition kann z. B. genetische oder auch lerngeschichtliche Hintergr\u00fcnde haben und wird als Neigung eines Menschen verstanden, auf eine bestimmte Weise auf Belastungen zu reagieren. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Stressoren<\/i><\/span> sind belastende Umweltereignisse oder Lebenssituationen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Sind die Belastungen (Disposition und Stressoren) zu gross und treten \u00fcber eine bestimmte Schwelle, kommt es zur Symptombildung bzw. zum Krankheitsausbruch. Zentral ist die Annahme, dass zur Entwicklung einer St\u00f6rung sowohl Diathese als auch Stress n\u00f6tig sind.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Diathese-Stress-Modell ist auch unter der Bezeichnung <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Vulnerabilit\u00e4ts-Stress-Modell<\/i><\/span> bekannt.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden Videoausschnitt demonstriert Prof. Dr. Guy Bodenmann das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Diathese-Stress-Modell <\/i><\/span>(Video aufgenommen an den Fortbildungstagen HfH im Januar 2014).<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/17a_BodenmannDiatheseStress.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/17a_BodenmannDiatheseStress.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><a id=\"sorck-modell\"><\/a>Das SORCK-Modell<\/h2>\n<div class=\"textbox\">Das <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>SORCK-Modell<\/b><\/span> [1] ist eine Erweiterung des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>operanten Konditionierens<\/i><\/span> (S: Stimulus \u2192 R: Reaktion \u2192 K: Konsequenz) nach Skinner, welches von Frederick Kanfer um die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>kognitiven Elemente<\/i><\/span> O (Organismus) und C (Contingenz) erweitert wurde.<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p>Als Beispiel eine allt\u00e4gliche Situation aus einer Zahnarztpraxis mit folgenden Variablen:<\/p>\n<p><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>S<\/b>:<\/span> Stimulus oder Reiz (Praxisr\u00e4ume, Zahnarztbohrer etc.);<\/p>\n<p><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>O<\/b>:<\/span> Organismusvariablen (Kind, Angstbereitschaft etc.);<\/p>\n<p><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>R<\/b>:<\/span> Reaktion (Kind weint);<\/p>\n<p><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>K<\/b>:<\/span> Konsequenz (der Zahnarzt h\u00f6rt auf zu bohren);<\/p>\n<p><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>C<\/b>:<\/span> Contingenz (das Kind stellt einen Zusammenhang zwischen seiner eigenen Reaktion und der darauf folgenden Konsequenz her und wird beim n\u00e4chsten Zahnarztbesuch noch lauter schreien).<\/p>\n<p>(Quelle: http:\/\/www.medpsych.uni-freiburg.de\/OL\/body_sorck.html)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">Das SORCK-Modell von Kanfer und Saslow (1974) dient in der Verhaltenstherapie der Diagnostik, Erkl\u00e4rung und Ver\u00e4nderung von (Problem-)Verhalten. Es wird auch als horizontale Verhaltensanalyse bezeichnet, die zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Identifikation<\/i> von <i>ausl\u00f6senden<\/i> und <i>aufrechterhaltenden<\/i> <i>Einfl\u00fcssen<\/i><\/span> auf das betrachtete Verhalten genutzt wird. In der behavioristischen Terminologie steht <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>S f\u00fcr die ausl\u00f6senden externen oder internen Reize<\/i><\/span> (Stimulus; z.B. Situation, Gedanken). Unter<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">O, der Organismus-Variablen, werden individuelle Pr\u00e4dispositionen<\/span><\/i> wie biologische Prozesse, aber auch Pers\u00f6nlichkeitseigenschaften, Erfahrungen und \u00dcberzeugungen gefasst. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>R steht f\u00fcr die Reaktion<\/i><\/span>, also das Verhalten, das auf mehreren Ebenen (motorisch, affektiv, physiologisch, kognitiv) beschrieben wird. Die\u00a0 <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Konsequenzen K wirken auf das Verhalten zur\u00fcck<\/i><\/span>. Im Sinne operanter Konditionierung tragen sie zum Abbau, Aufbau oder zur Aufrechterhaltung des Verhaltens bei. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>C stellt die Contingenz zwischen R und K dar<\/i><\/span> und gibt damit an, wie h\u00e4ufig und regelm\u00e4ssig kurz- und langfristige Konsequenzen auf das Verhalten folgen.<\/div>\n<div class=\"textbox__content\">(nach Dorsch, Friedrich, Wirtz, Markus &amp; Strohmer, Janina. (2013). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Lexikon der Psychologie<\/i><\/span> (16. Aufl.). Bern: Huber.)<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<figure id=\"attachment_597\" aria-describedby=\"caption-attachment-597\" style=\"width: 453px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-39.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-597 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-39.png\" alt=\"\" width=\"453\" height=\"159\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-39.png 453w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-39-300x105.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-39-65x23.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-39-225x79.png 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-39-350x123.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 453px) 100vw, 453px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-597\" class=\"wp-caption-text\">(c) medpsych.uni-freiburg.de\/<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">[1] Das SORCK-Modell wird auch als SORKC-, SORK- oder SORC-Modell bezeichnet. Dies r\u00fchrt daher, dass die <i>Konzepte<\/i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Konsequenz<\/i><\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Kontingenz<\/i><\/span> auf unterschiedliche Weise den Buchstaben <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>K<\/i><\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>C<\/i><\/span> zugeordnet werden, und dass die Reihenfolge von Konsequenz und Kontingenz nicht einheitlich gehandhabt wird. Letzteres stellt man sich am besten so vor, das zwischen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Reaktion<\/i>, <i>Konsequenz<\/i> und <i>Kontingenz<\/i><\/span> eine zirkul\u00e4re Abh\u00e4ngigkeit besteht, wie dies in der nebenstehenden schematischen Darstellung veranschaulicht wird.<\/p>\n<div class=\"textbox\">\n<p><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Achtung<\/b><\/span>: Die folgenden Videos zum SORCK-Modell von Bodenmann und Borg-Laufs verwenden unterschiedliche Variationen des SORCK-Modells:<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Version Bodenmann: Stimulus &#8211; Organismus &#8211; <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Reaktion<\/b> &#8211; <b>Contingenz<\/b> &#8211; <b>Konsequenz<\/b><\/span><\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Version Borg-Laufs: Stimulus &#8211; Organismus &#8211; <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Reaktion<\/b> &#8211; <b>Consequence<\/b> &#8211; <b>Kontingenz<\/b><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--learning-objectives\">\n<div class=\"textbox__content\">Wie man an diesem Beispiel sieht, gibt es kaum Denk- und Handlungsans\u00e4tze, die sich streng und nur auf die klassischen lerntheoretischen Konzepte beschr\u00e4nken&#8230;<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Das SORCK-Modell<\/h3>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im folgenden Videoausschnitt demonstriert Prof. Dr. Guy Bodenmann das SORCK-Modell (Video aufgenommen an den Fortbildungstagen HfH im Januar 2014).<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/17b_BodenmannAusschnitt3-moviem-640-360-169.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/17b_BodenmannAusschnitt3-moviem-640-360-169.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<\/div>\n<div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Funktionale Verhaltensanalyse<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das folgende Video (youtube) zum SORCK-Modell zeigt eine stark verk\u00fcrzte Einf\u00fchrung in die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>funktionale Verhaltensanalyse<\/i><\/span> zur Erkl\u00e4rung menschlichen Verhaltens am Beispiel klassisch konditionierter Angst und operant aufrechterhaltener unerw\u00fcnschter Verhaltensweisen bei einem aufmerksamkeitsgest\u00f6rten Kind.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=R_TYt44FMG4&#38;feature=emb_logo\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=R_TYt44FMG4&amp;feature=emb_logo<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quelle Prof. Dr. Michael Borg-Laufs, verf\u00fcgbar auf youtube: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=R_TYt44FMG4<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verhaltenstherapie ist nicht die Bezeichnung f\u00fcr einen einzelnen therapeutischen Ansatz, sondern bezeichnet eine grosse Gruppe von heterogenen Ans\u00e4tzen, die sich teilweise stark unterscheiden. Die wesentliche Gemeinsamkeit der Verhaltenstherapien ist die Grundlage der Lerntheorien f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von \u00abSt\u00f6rungen\u00bb, anf\u00e4nglich weitgehend reduziert auf das beobachtbare Verhalten (Kriz, 2007). In der lerntheoretischen Verhaltenstherapie werden die oben beschriebenen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":19,"menu_order":5,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"","pb_subtitle":"","pb_authors":[],"pb_section_license":""},"categories":[],"chapter-type":[],"contributor":[],"license":[],"class_list":["post-187","chapter","type-chapter","status-publish","hentry"],"part":24,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/187","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"version-history":[{"count":22,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/187\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1713,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/187\/revisions\/1713"}],"part":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/24"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/187\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=187"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=187"},{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=187"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=187"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=187"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}