{"id":178,"date":"2020-02-18T14:18:28","date_gmt":"2020-02-18T13:18:28","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=178"},"modified":"2024-06-17T22:28:48","modified_gmt":"2024-06-17T20:28:48","slug":"einleitung-lerntheoretische-modelle","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/einleitung-lerntheoretische-modelle\/","title":{"raw":"Einleitung: Lerntheoretische Modelle","rendered":"Einleitung: Lerntheoretische Modelle"},"content":{"raw":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Wie die psychodynamisch orientierten Theoretiker vertreten die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Lerntheoretiker<\/i> <\/span>eine deterministische Auffassung des menschlichen Erlebens und Verhaltens: Unsere Handlungen sind weitgehend von unseren Lebenserfahrungen bestimmt. Die psychologischen Dimensionen jedoch, f\u00fcr die sich die Lerntheoretiker interessieren, unterscheiden sich deutlich von denen der Psychodynamiker. Sie konzentrieren sich einerseits auf spezifisches Verhalten, das entsteht, wenn ein Organismus auf die Reize in seiner Umwelt reagiert. Und sie konzentrieren sich andererseits auf die Gesetzm\u00e4ssigkeiten des Lernens, also die Prozesse, durch die sich das Verhalten als Reaktion auf die Umwelt ver\u00e4ndert. Nach lerntheoretischer Ansicht ist der Mensch durch sein <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">gelerntes Verhalten<\/span> <\/i>determiniert (Comer, 2008).<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_571\" align=\"alignright\" width=\"199\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-27.png\"><img class=\"wp-image-571 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-27.png\" alt=\"Das Bild zeigt einen transparenten Menschenkopf mit Gehirn und dar\u00fcber die vergr\u00f6sserte Darstellung einer Synapse.\" width=\"199\" height=\"198\" \/><\/a> (c) beatehackmann.com[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ein grosser Teil des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>gelernten Verhaltens<\/i><\/span> ist n\u00fctzlich und adaptiv; es hilft dem Menschen, allt\u00e4gliche Aufgaben zu erf\u00fcllen und sein Leben produktiv und befriedigend zu gestalten. Aber unter den entsprechenden Bedingungen k\u00f6nnen auch von der Norm abweichende und unerw\u00fcnschte Verhaltensweisen gelernt werden. Gem\u00e4ss lerntheoretischem Modell wird abweichendes Verhalten nach denselben Prinzipen erworben wie angepasstes Verhalten.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das lerntheoretische oder <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">behavioristische Modell<\/span> <\/i>wurde in den Labors entwickelt, in denen Psychologen \u2014 meistens mit Hunden, Katzen, Ratten und Tauben \u2014 <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Experimente zur Konditionierung<\/i><\/span> durchf\u00fchrten. In diesen Experimenten wurden <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Reize <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Belohnungen<\/i> <\/span>manipuliert, und man beobachtete das darauf folgende Verhalten, also wie die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Reaktionen<\/i> <\/span>der Versuchstiere sich durch einfache Lernprozesse ver\u00e4nderten (Comer, 2008).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox\">Das<b> <\/b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>lerntheoretische Model<\/b>l<\/span> kann auch als <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>behavioristisches Modell<\/b><\/span> bezeichnet werden. Der Grundgedanke des <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Behaviorimus<\/b> <\/span>besteht darin, die Psychologie auf die Untersuchung beobachtbaren Verhaltens zu beschr\u00e4nken.<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Die lerntheoretischen Modelle gehen fliessend \u00fcber in die kognitiven Modelle, eine klare Abgrenzung ist nicht m\u00f6glich. Die Aufteilung in die beiden Module ist zum Teil etwas willk\u00fcrlich und k\u00f6nnte auch anders vorgenommen werden.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2>Was ist Lernen?<\/h2>\r\n[caption id=\"attachment_573\" align=\"alignright\" width=\"289\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-28.png\"><img class=\"wp-image-573 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-28.png\" alt=\"\" width=\"289\" height=\"260\" \/><\/a> (c) actiac.org[\/caption]\r\n\r\nAus einer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>evolution\u00e4ren Perspektive<\/i><\/span> betrachtet ist Lernen ein Produkt unserer genetischen Anlagen. Menschen, ebenso wie andere Lebewesen, bringen ein spezifisches <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Lernpotenzial<\/i> <\/span>mit in ihr Leben. Dieses Lernpotenzial unterscheidet sich je nach Art entsprechend dem genetischen Bauplan. Einige Arten, wie etwa Reptilien und Amphibien, lernen wenig aus der Interaktion mit der Umwelt. Ihr \u00dcberleben h\u00e4ngt davon ab, dass sie sich in einem relativ konstanten Lebensraum bewegen, in welchem ihre angeborenen Reaktionen auf spezifische Umweltereignisse sie zu dem bringen, was sie brauchen, und von dem fernhalten, was ihnen schaden k\u00f6nnte.\r\n\r\nBei h\u00f6her entwickelten Tieren und beim Menschen sind die spezifischen Interaktionen zwischen Verhalten und Umwelt weniger durch die Gene festgelegt. Es besteht eine grosse <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Plastizit\u00e4t<\/i> und <i>Variabilit\u00e4t<\/i><\/span> beim Lernen von Verhalten, das Ver\u00e4nderungen in ihrer Umwelt bewirken kann.\r\n\r\nDer Mensch ist mit einem grossen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Lernpotenzial<\/i> <\/span>ausger\u00fcstet. Ob dieses Potenzial genutzt wird und in welchem Ausmass, h\u00e4ngt von den individuellen Erfahrungen ab (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008).\r\n<div class=\"textbox\">Was ist Lernen? Lernen ist ein Prozess, der in einer relativ konsistenten \u00c4nderung des Verhaltens oder des Verhaltenspotenzials resultiert, und basiert auf Erfahrung. (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008)<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\nZwei <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Definitionen des Lernens<\/b><\/span>, eine neuere von Lefran\u00e7ois (2006), und die klassische Definition von Hilgard und Bower (1983):\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Definition Lernen bei Lefran\u00e7ois<\/span>:<\/b><\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Alle relativ dauerhaften Ver\u00e4nderungen im Verhaltenspotenzial, die aus Erfahrung resultieren, aber nicht durch M\u00fcdigkeit, Reifung, Drogengebrauch, Verletzung oder Krankheit verursacht sind. Streng genommen wird Lernen nat\u00fcrlich nicht durch tats\u00e4chliche oder potenzielle Verhaltens\u00e4nderungen definiert. Stattdessen ist Lernen das, was im (menschlichen oder nichtmenschlichen) Organismus als Resultat von Erfahrung geschieht. Verhaltens\u00e4nderungen sind lediglich Belege daf\u00fcr, dass Lernen stattgefunden hat. (Lefran\u00e7ois, 2006, S.6)<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Definition Lernen bei Hilgard und Bower:<\/b><\/span><\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">\u00abLernen\u00bb bezieht sich auf die Ver\u00e4nderung im Verhalten oder im Verhaltenspotenzial eines Organismus hinsichtlich einer bestimmten Situation, die auf wiederholte Erfahrungen des Organismus in dieser Situation zur\u00fcckgeht, vorausgesetzt, dass diese Verhaltens\u00e4nderung nicht auf angeborene Reaktionstendenzen, Reifung, oder vor\u00fcbergehende Zust\u00e4nde (wie etwa M\u00fcdigkeit, Trunkenheit, Triebzust\u00e4nde, usw.) zur\u00fcckgef\u00fchrt werden kann. (Hilgard &amp; Bower, 1983)<\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Bestimmungsst\u00fccke des Lernens<\/h3>\r\n<figure class=\"ilc_media_cont_MediaContainer\"><\/figure>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Folgende drei Komponenten sind in den Definitionen des Lernens enthalten (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008):<\/p>\r\n\r\n<h4><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>1. Ver\u00e4nderung im Verhalten oder Verhaltenspotenzial<\/b><\/span><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-29.png\"><img class=\"alignright wp-image-574 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-29.png\" alt=\"Das Bild zeigt eine Karikatur von Wilhelm Busch: Hunde lernen h\u00f6fliches Verhalten.\" width=\"196\" height=\"138\" \/><\/a><\/h4>\r\nLernen hat stattgefunden, wenn man Ergebnisse vorweisen kann. Jemand kann nun z.B. Autofahren oder ein kompliziertes Ger\u00e4t bedienen. Der Vorgang des Lernens ist nicht sichtbar, sondern zeigt sich in der Leistung. Man kann auch ein Verhaltenspotenzial erwerben, das sich nicht direkt in einer Leistung zeigt, sondern gewisse Verhaltensweisen und Haltungen ver\u00e4ndert, z.B. wie man mit Problemen umgeht.\r\n<h4><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">2. Eine relativ konsistente Ver\u00e4nderung<\/span><\/h4>\r\nUm als gelernt zu gelten, muss eine \u00c4nderung des Verhaltens \u00fcber verschiedene Situationen hinweg konsistent auftreten. Wenn man einmal Schwimmen oder Velofahren gelernt hat, wird man diese F\u00e4higkeit in der Regel nicht verlernen.\r\n\r\n<span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>3. Ein erfahrungsbasierter Prozess<\/b><\/span>\r\n\r\nLernen findet ausschliesslich durch Erfahrung statt. Erfahrung bedeutet in diesem Zusammenhang, Informationen aufzunehmen und Reaktionen zu zeigen, welche die Umwelt beeinflussen.\r\n\r\nGelerntes Verhalten umfasst nicht Ver\u00e4nderungen auf der Grundlage physischer Reifungsprozesse, Entwicklungen des Gehirns im Zuge von Alterungsprozessen, Erkrankungen oder Gehirnsch\u00e4digungen. Einige \u00fcberdauernde Verhaltens\u00e4nderungen erfordern allerdings eine Kombination aus Erfahrung und reifungsbedingter Bereitschaft (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008).\r\n<h4><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Lernen im p\u00e4dagogischen Kontext:<\/span><\/h4>\r\nIn Bezug auf die Verwendung des Begriffs Lernen im <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">p\u00e4dagogischen Kontext<\/span> schreibt Gr\u00f6schke (1992): Es ist zu beachten, dass diese Definition[en] zun\u00e4chst wertneutral formuliert ist. Auch Verhalten, das situativ und normativ als fehlangepasst gilt, ist in diesem Sinne gelernt. Meist meint man jedoch mit Lernen eine Verhaltens\u00e4nderung, die gemessen an Entwicklungszielen, Erziehungs- und Bildungsnormen einen positiven und konstruktiven Zugewinn zu den bisher bestehenden F\u00e4higkeiten leistet. In diesem Sinne wird Lernen dann auch zu einem p\u00e4dagogisch-psychologischen Grundbegriff (intentionales und funktionales Lernen) (S. 165).","rendered":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Wie die psychodynamisch orientierten Theoretiker vertreten die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Lerntheoretiker<\/i> <\/span>eine deterministische Auffassung des menschlichen Erlebens und Verhaltens: Unsere Handlungen sind weitgehend von unseren Lebenserfahrungen bestimmt. Die psychologischen Dimensionen jedoch, f\u00fcr die sich die Lerntheoretiker interessieren, unterscheiden sich deutlich von denen der Psychodynamiker. Sie konzentrieren sich einerseits auf spezifisches Verhalten, das entsteht, wenn ein Organismus auf die Reize in seiner Umwelt reagiert. Und sie konzentrieren sich andererseits auf die Gesetzm\u00e4ssigkeiten des Lernens, also die Prozesse, durch die sich das Verhalten als Reaktion auf die Umwelt ver\u00e4ndert. Nach lerntheoretischer Ansicht ist der Mensch durch sein <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">gelerntes Verhalten<\/span> <\/i>determiniert (Comer, 2008).<\/p>\n<figure id=\"attachment_571\" aria-describedby=\"caption-attachment-571\" style=\"width: 199px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-27.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-571 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-27.png\" alt=\"Das Bild zeigt einen transparenten Menschenkopf mit Gehirn und dar\u00fcber die vergr\u00f6sserte Darstellung einer Synapse.\" width=\"199\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-27.png 199w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-27-150x150.png 150w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-27-65x65.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-571\" class=\"wp-caption-text\">(c) beatehackmann.com<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ein grosser Teil des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>gelernten Verhaltens<\/i><\/span> ist n\u00fctzlich und adaptiv; es hilft dem Menschen, allt\u00e4gliche Aufgaben zu erf\u00fcllen und sein Leben produktiv und befriedigend zu gestalten. Aber unter den entsprechenden Bedingungen k\u00f6nnen auch von der Norm abweichende und unerw\u00fcnschte Verhaltensweisen gelernt werden. Gem\u00e4ss lerntheoretischem Modell wird abweichendes Verhalten nach denselben Prinzipen erworben wie angepasstes Verhalten.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das lerntheoretische oder <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">behavioristische Modell<\/span> <\/i>wurde in den Labors entwickelt, in denen Psychologen \u2014 meistens mit Hunden, Katzen, Ratten und Tauben \u2014 <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Experimente zur Konditionierung<\/i><\/span> durchf\u00fchrten. In diesen Experimenten wurden <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Reize <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Belohnungen<\/i> <\/span>manipuliert, und man beobachtete das darauf folgende Verhalten, also wie die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Reaktionen<\/i> <\/span>der Versuchstiere sich durch einfache Lernprozesse ver\u00e4nderten (Comer, 2008).<\/p>\n<div class=\"textbox\">Das<b> <\/b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>lerntheoretische Model<\/b>l<\/span> kann auch als <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>behavioristisches Modell<\/b><\/span> bezeichnet werden. Der Grundgedanke des <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Behaviorimus<\/b> <\/span>besteht darin, die Psychologie auf die Untersuchung beobachtbaren Verhaltens zu beschr\u00e4nken.<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">Die lerntheoretischen Modelle gehen fliessend \u00fcber in die kognitiven Modelle, eine klare Abgrenzung ist nicht m\u00f6glich. Die Aufteilung in die beiden Module ist zum Teil etwas willk\u00fcrlich und k\u00f6nnte auch anders vorgenommen werden.<\/div>\n<\/div>\n<h2>Was ist Lernen?<\/h2>\n<figure id=\"attachment_573\" aria-describedby=\"caption-attachment-573\" style=\"width: 289px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-28.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-573 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-28.png\" alt=\"\" width=\"289\" height=\"260\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-28.png 289w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-28-65x58.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-28-225x202.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 289px) 100vw, 289px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-573\" class=\"wp-caption-text\">(c) actiac.org<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aus einer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>evolution\u00e4ren Perspektive<\/i><\/span> betrachtet ist Lernen ein Produkt unserer genetischen Anlagen. Menschen, ebenso wie andere Lebewesen, bringen ein spezifisches <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Lernpotenzial<\/i> <\/span>mit in ihr Leben. Dieses Lernpotenzial unterscheidet sich je nach Art entsprechend dem genetischen Bauplan. Einige Arten, wie etwa Reptilien und Amphibien, lernen wenig aus der Interaktion mit der Umwelt. Ihr \u00dcberleben h\u00e4ngt davon ab, dass sie sich in einem relativ konstanten Lebensraum bewegen, in welchem ihre angeborenen Reaktionen auf spezifische Umweltereignisse sie zu dem bringen, was sie brauchen, und von dem fernhalten, was ihnen schaden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Bei h\u00f6her entwickelten Tieren und beim Menschen sind die spezifischen Interaktionen zwischen Verhalten und Umwelt weniger durch die Gene festgelegt. Es besteht eine grosse <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Plastizit\u00e4t<\/i> und <i>Variabilit\u00e4t<\/i><\/span> beim Lernen von Verhalten, das Ver\u00e4nderungen in ihrer Umwelt bewirken kann.<\/p>\n<p>Der Mensch ist mit einem grossen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Lernpotenzial<\/i> <\/span>ausger\u00fcstet. Ob dieses Potenzial genutzt wird und in welchem Ausmass, h\u00e4ngt von den individuellen Erfahrungen ab (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008).<\/p>\n<div class=\"textbox\">Was ist Lernen? Lernen ist ein Prozess, der in einer relativ konsistenten \u00c4nderung des Verhaltens oder des Verhaltenspotenzials resultiert, und basiert auf Erfahrung. (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008)<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p>Zwei <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Definitionen des Lernens<\/b><\/span>, eine neuere von Lefran\u00e7ois (2006), und die klassische Definition von Hilgard und Bower (1983):<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Definition Lernen bei Lefran\u00e7ois<\/span>:<\/b><\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Alle relativ dauerhaften Ver\u00e4nderungen im Verhaltenspotenzial, die aus Erfahrung resultieren, aber nicht durch M\u00fcdigkeit, Reifung, Drogengebrauch, Verletzung oder Krankheit verursacht sind. Streng genommen wird Lernen nat\u00fcrlich nicht durch tats\u00e4chliche oder potenzielle Verhaltens\u00e4nderungen definiert. Stattdessen ist Lernen das, was im (menschlichen oder nichtmenschlichen) Organismus als Resultat von Erfahrung geschieht. Verhaltens\u00e4nderungen sind lediglich Belege daf\u00fcr, dass Lernen stattgefunden hat. (Lefran\u00e7ois, 2006, S.6)<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Definition Lernen bei Hilgard und Bower:<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">\u00abLernen\u00bb bezieht sich auf die Ver\u00e4nderung im Verhalten oder im Verhaltenspotenzial eines Organismus hinsichtlich einer bestimmten Situation, die auf wiederholte Erfahrungen des Organismus in dieser Situation zur\u00fcckgeht, vorausgesetzt, dass diese Verhaltens\u00e4nderung nicht auf angeborene Reaktionstendenzen, Reifung, oder vor\u00fcbergehende Zust\u00e4nde (wie etwa M\u00fcdigkeit, Trunkenheit, Triebzust\u00e4nde, usw.) zur\u00fcckgef\u00fchrt werden kann. (Hilgard &amp; Bower, 1983)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Bestimmungsst\u00fccke des Lernens<\/h3>\n<figure class=\"ilc_media_cont_MediaContainer\"><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Folgende drei Komponenten sind in den Definitionen des Lernens enthalten (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008):<\/p>\n<h4><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>1. Ver\u00e4nderung im Verhalten oder Verhaltenspotenzial<\/b><\/span><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-29.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-574 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-29.png\" alt=\"Das Bild zeigt eine Karikatur von Wilhelm Busch: Hunde lernen h\u00f6fliches Verhalten.\" width=\"196\" height=\"138\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-29.png 196w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-29-65x46.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/><\/a><\/h4>\n<p>Lernen hat stattgefunden, wenn man Ergebnisse vorweisen kann. Jemand kann nun z.B. Autofahren oder ein kompliziertes Ger\u00e4t bedienen. Der Vorgang des Lernens ist nicht sichtbar, sondern zeigt sich in der Leistung. Man kann auch ein Verhaltenspotenzial erwerben, das sich nicht direkt in einer Leistung zeigt, sondern gewisse Verhaltensweisen und Haltungen ver\u00e4ndert, z.B. wie man mit Problemen umgeht.<\/p>\n<h4><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">2. Eine relativ konsistente Ver\u00e4nderung<\/span><\/h4>\n<p>Um als gelernt zu gelten, muss eine \u00c4nderung des Verhaltens \u00fcber verschiedene Situationen hinweg konsistent auftreten. Wenn man einmal Schwimmen oder Velofahren gelernt hat, wird man diese F\u00e4higkeit in der Regel nicht verlernen.<\/p>\n<p><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>3. Ein erfahrungsbasierter Prozess<\/b><\/span><\/p>\n<p>Lernen findet ausschliesslich durch Erfahrung statt. Erfahrung bedeutet in diesem Zusammenhang, Informationen aufzunehmen und Reaktionen zu zeigen, welche die Umwelt beeinflussen.<\/p>\n<p>Gelerntes Verhalten umfasst nicht Ver\u00e4nderungen auf der Grundlage physischer Reifungsprozesse, Entwicklungen des Gehirns im Zuge von Alterungsprozessen, Erkrankungen oder Gehirnsch\u00e4digungen. Einige \u00fcberdauernde Verhaltens\u00e4nderungen erfordern allerdings eine Kombination aus Erfahrung und reifungsbedingter Bereitschaft (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008).<\/p>\n<h4><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Lernen im p\u00e4dagogischen Kontext:<\/span><\/h4>\n<p>In Bezug auf die Verwendung des Begriffs Lernen im <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">p\u00e4dagogischen Kontext<\/span> schreibt Gr\u00f6schke (1992): Es ist zu beachten, dass diese Definition[en] zun\u00e4chst wertneutral formuliert ist. Auch Verhalten, das situativ und normativ als fehlangepasst gilt, ist in diesem Sinne gelernt. Meist meint man jedoch mit Lernen eine Verhaltens\u00e4nderung, die gemessen an Entwicklungszielen, Erziehungs- und Bildungsnormen einen positiven und konstruktiven Zugewinn zu den bisher bestehenden F\u00e4higkeiten leistet. In diesem Sinne wird Lernen dann auch zu einem p\u00e4dagogisch-psychologischen Grundbegriff (intentionales und funktionales Lernen) (S. 165).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie die psychodynamisch orientierten Theoretiker vertreten die Lerntheoretiker eine deterministische Auffassung des menschlichen Erlebens und Verhaltens: Unsere Handlungen sind weitgehend von unseren Lebenserfahrungen bestimmt. Die psychologischen Dimensionen jedoch, f\u00fcr die sich die Lerntheoretiker interessieren, unterscheiden sich deutlich von denen der Psychodynamiker. Sie konzentrieren sich einerseits auf spezifisches Verhalten, das entsteht, wenn ein Organismus auf die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":19,"menu_order":1,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"","pb_subtitle":"","pb_authors":[],"pb_section_license":""},"categories":[],"chapter-type":[],"contributor":[],"license":[],"class_list":["post-178","chapter","type-chapter","status-publish","hentry"],"part":24,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/178","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/178\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1514,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/178\/revisions\/1514"}],"part":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/24"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/178\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=178"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=178"},{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=178"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=178"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=178"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}