{"id":160,"date":"2020-02-18T14:07:38","date_gmt":"2020-02-18T13:07:38","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=160"},"modified":"2024-08-22T18:11:42","modified_gmt":"2024-08-22T16:11:42","slug":"psychoanalyse-und-heilpaedagogik","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/psychoanalyse-und-heilpaedagogik\/","title":{"raw":"Psychoanalyse und Heilp\u00e4dagogik","rendered":"Psychoanalyse und Heilp\u00e4dagogik"},"content":{"raw":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Psychoanalytische P\u00e4dagogik<\/i><\/span> wendet die Psychoanalyse auf den p\u00e4dagogischen Alltag an. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Unbewusste Prozesse<\/i><\/span> beeinflussen alle p\u00e4dagogischen Beziehungen; dem muss im p\u00e4dagogischen Alltag Rechnung getragen werden. Die psychoanalytische P\u00e4dagogik setzt sich mit diesen innerpsychischen Prozessen, Beziehungen, Entwicklungen und Institutionalisierungen in den verschiedensten p\u00e4dagogischen Praxisfeldern auseinander.<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Geschichtliches<\/span><\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Schon 1908 hielt der Psychoanalytiker S\u00e1ndor Ferenczi auf dem Ersten Internationalen Psychoanalytischen Kongress einen Vortrag mit dem Titel <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Psychoanalyse und P\u00e4dagogik<\/i><\/span>. Zun\u00e4chst befassten sich praktizierende Psychoanalytiker mit p\u00e4dagogischen Fragestellungen; bald aber fanden Lehrer, Erzieher und andere P\u00e4dagogen ihren Weg zur Psychoanalyse in der Hoffnung, die p\u00e4dagogische Praxis in Kindergarten, Schule, Sozialp\u00e4dagogik u.a. durch die Psychoanalyse verbessern zu k\u00f6nnen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In der Zeit des Zweiten Weltkriegs fand die Pionierzeit der psychoanalytischen P\u00e4dagogik ein j\u00e4hes Ende, die meisten ihrer Protagonisten wurden vertrieben oder in Konzentrationslagern inhaftiert.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">1960er Jahren<\/span> begannen Einzelpersonen und kleinere Gruppen, die psychoanalytische P\u00e4dagogik wieder zu entdecken. Wichtige Aufs\u00e4tze aus der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Zeitschrift f\u00fcr Psychoanalytische P\u00e4dagogik<\/i><\/span> wurden neu publiziert. Das Interesse der 1968er-Generation an der Psychoanalyse wurde in dieser Zeit geweckt. Im Rahmen der antiautorit\u00e4ren Erziehung wurden klassische psychoanalytisch-p\u00e4dagogische Autoren rezipiert, allerdings einseitig und selektiv, um gegen rigide und triebfeindliche Erziehungsstile zu argumentieren. In den 1980er Jahren kam es zu einer erneuten Besch\u00e4ftigung mit der psychoanalytischen P\u00e4dagogik und zu einer systematischen Aufarbeitung der fr\u00fchen psychoanalytisch-p\u00e4dagogischen Positionen (nach Wikipedia).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Konzepte<\/span><\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Die psychoanalytische P\u00e4dagogik nutzt die Konzepte der klassischen Psychoanalyse wie die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>pers\u00f6nlichkeitstheoretischen<\/i><\/span> Annahmen oder den Umgang mit <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcbertragung<\/i> <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gegen\u00fcbertragung<\/i> <\/span>und \u00fcbertr\u00e4gt diese in einen p\u00e4dagogischen Kontext.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>szenische Verstehen<\/i><\/span> etwa, urspr\u00fcnglich eingef\u00fchrt von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Alfred Lorenzer<\/i>,<\/span> wurde von Aloys Leber und seinem Sch\u00fcler Hans-Georg Trescher als p\u00e4dagogisches Konzept weiterentwickelt und umgesetzt. Zielsetzung ist hier nicht mehr die Rekonstruktion und Durcharbeitung der verdr\u00e4ngten Szene, wie Lorenzer sie angelegt hatte, sondern eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Reflexion des Konflikts<\/i><\/span> und eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>direkte F\u00f6rderung des Klienten<\/i><\/span>. Leber f\u00fchrte das szenische Verstehen weiter als <i>f<\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00f6rdernden Dialog<\/i><\/span> (siehe folgenden Abschnitt).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<h4 class=\"textbox__content\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Literatur<\/span><\/h4>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Figdor, Helmuth (2006). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wieviel Erziehung braucht der Mensch?<\/i><\/span> In: <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Praxis der Psychoanalytischen P\u00e4dagogik II. Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze<\/span>.<\/i> Giessen, Psychosozial-Verlag.<\/li>\r\n \t<li>Figdor, Helmuth (2007). <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Wieviel Erziehung braucht der Mensch?<\/span> In: <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Praxis der Psychoanalytischen P\u00e4dagogik I. Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze<\/span>.<\/i> Giessen, Psychosozial-Verlag.<\/li>\r\n \t<li>Gerspach, M. (2009). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Psychoanalytische Heilp\u00e4dagogik. Ein systematischer \u00dcberblick<\/i> <\/span>(Heil- und Sonderp\u00e4dagogik). Stuttgart: Kohlhammer. &gt; Darin Kapitel 4) und 5) zur psychoanalytischen Heilp\u00e4dagogik.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3>F\u00f6rdernder Dialog und Verantwortete Schuld<\/h3>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<h4>F\u00f6rdernder Dialog<\/h4>\r\nDer F\u00f6rdernde Dialog setzt sich nach Aloys Leber aus den Komponenten Halten und Zumuten zusammen. Zwischen ihnen vollzieht sich ein dialektisches Wechselspiel, in dem der Psychoanalytiker wie jeder Helfer, der von einer entsprechenden Professionalit\u00e4t ausgeht, seinem Klienten in einem f\u00f6rdernden Dialog zubilligt, dass er ihn einmal \u00fcbersch\u00e4tzt und ein andermal in seinen Absichten und Handlungen verkennt, je nachdem was er gerade mit ihm zu inszenieren trachtet und welche Rolle er ihm dabei zuschiebt. Er stellt sich auf die \u00dcbertragung ein, kann sich aber gleichzeitig davon innerlich distanzieren und \u00fcber die wahrgenommene szenische Gestaltung wie \u00fcber seine eigenen Gef\u00fchlsreaktionen nachdenken. [...] Wir sehen heute die Professionalit\u00e4t des helfenden Partners gerade darin, da\u00df er annehmen und dem Klienten auch zubilligen kann, als was dieser ihn zu sehen und zu vereinnahmen sucht, w\u00e4hrend er dabei selbst nicht eigene Befriedigung und Problementlastung in dieser professionellen Beziehung suchen muss (Leber, 1991, zit. nach Wikipedia).\r\n\r\nDen Prozess des Haltens vergleicht Leber mit dem Dialog einer fr\u00fchen Mutter-Kind-Beziehung, in der das Kind der Mutter seine Bed\u00fcrftigkeit vermittelt und damit Reaktionen bei der Mutter ausl\u00f6st, diesen Bed\u00fcrfnissen nachzukommen.\r\n<h4>Verantwortete Schuld<\/h4>\r\nDas von Helmuth Figdor entwickelte Konzept bezeichnet eine bestimmte Haltung von Eltern und P\u00e4dagogInnen, in unvermeidlichen Alltagskonflikten eine Frustration der kindlichen Alltagsbed\u00fcrfnisse verantworten zu k\u00f6nnen, weil sie die Entwicklungsbed\u00fcrfnisse des Kindes (sich geliebt und geborgen zu f\u00fchlen, respektiert zu werden u.v.m.) dennoch ber\u00fccksichtigen und zu befriedigen trachten.\r\nDies erfordert ein geeignetes Verhalten in der Aus\u00fcbung von Interventionen, damit die P\u00e4dagogInnen auch in Konfliktsituationen mit dem Kind identifiziert bleiben und ihm Zuspruch und Trost oder Kompromiss- und Ersatzangebote bieten. Figdor hebt die Bedeutung der Befriedigung von Entwicklungsbed\u00fcrfnissen der Kinder hervor, weil ihre Unterdr\u00fcckung sich in Verdr\u00e4ngung und neurotischer Anpassung widerspiegelt, die sich sp\u00e4ter durch neurotische Symptome wie Lebensunzufriedenheit, Depression, sexuelle St\u00f6rung oder Beziehungsprobleme und Affektlabilit\u00e4t wie z.B. Wutausbr\u00fcche, Selbstwertprobleme, Konfliktscheu, Lern- und Leistungshemmungen ausdr\u00fccken k\u00f6nnten (Figdor, 2007, S.54f, nach Wikipedia).\r\n<h4>Literatur<\/h4>\r\n<ul>\r\n \t<li>Leber, Aloys (1991). Zur Begr\u00fcndung des f\u00f6rdernden Dialogs in der Psychoanalytischen P\u00e4dagogik. In: Iben, Gerd: Das Dialogische in der Heilp\u00e4dagogik. Mainz, Matthias-Gr\u00fcnewald-Verlag.<\/li>\r\n \t<li>Figdor, Helmuth (2006). Wieviel Erziehung braucht der Mensch? In: Praxis der Psychoanalytischen P\u00e4dagogik II. Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze. Giessen, Psychosozial-Verlag.<\/li>\r\n \t<li>Figdor, Helmuth (2007). Wieviel Erziehung braucht der Mensch? In: Praxis der Psychoanalytischen P\u00e4dagogik I. Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze. Giessen, Psychosozial-Verlag.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h1 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Psychoanalyse und Heilp\u00e4dagogik<\/h1>\r\n<div class=\"ilc_page_cont_PageContainer\">\r\n<div>In der folgenden Videoaufnahme spricht Marianne Wagner (Dozentin an der HfH) \u00fcber die Bedeutung <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>psychoanalytischer Aspekte in der Heilp\u00e4dagogik<\/i><\/span> und ihre praktische Anwendung.<\/div>\r\n<div><\/div>\r\n<\/div>\r\n<div>\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/16_Marianne_Wagner_1.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/16_Marianne_Wagner_1.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<\/div>","rendered":"<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Psychoanalytische P\u00e4dagogik<\/i><\/span> wendet die Psychoanalyse auf den p\u00e4dagogischen Alltag an. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Unbewusste Prozesse<\/i><\/span> beeinflussen alle p\u00e4dagogischen Beziehungen; dem muss im p\u00e4dagogischen Alltag Rechnung getragen werden. 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Zun\u00e4chst befassten sich praktizierende Psychoanalytiker mit p\u00e4dagogischen Fragestellungen; bald aber fanden Lehrer, Erzieher und andere P\u00e4dagogen ihren Weg zur Psychoanalyse in der Hoffnung, die p\u00e4dagogische Praxis in Kindergarten, Schule, Sozialp\u00e4dagogik u.a. durch die Psychoanalyse verbessern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In der Zeit des Zweiten Weltkriegs fand die Pionierzeit der psychoanalytischen P\u00e4dagogik ein j\u00e4hes Ende, die meisten ihrer Protagonisten wurden vertrieben oder in Konzentrationslagern inhaftiert.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">1960er Jahren<\/span> begannen Einzelpersonen und kleinere Gruppen, die psychoanalytische P\u00e4dagogik wieder zu entdecken. Wichtige Aufs\u00e4tze aus der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Zeitschrift f\u00fcr Psychoanalytische P\u00e4dagogik<\/i><\/span> wurden neu publiziert. Das Interesse der 1968er-Generation an der Psychoanalyse wurde in dieser Zeit geweckt. Im Rahmen der antiautorit\u00e4ren Erziehung wurden klassische psychoanalytisch-p\u00e4dagogische Autoren rezipiert, allerdings einseitig und selektiv, um gegen rigide und triebfeindliche Erziehungsstile zu argumentieren. In den 1980er Jahren kam es zu einer erneuten Besch\u00e4ftigung mit der psychoanalytischen P\u00e4dagogik und zu einer systematischen Aufarbeitung der fr\u00fchen psychoanalytisch-p\u00e4dagogischen Positionen (nach Wikipedia).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Konzepte<\/span><\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Die psychoanalytische P\u00e4dagogik nutzt die Konzepte der klassischen Psychoanalyse wie die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>pers\u00f6nlichkeitstheoretischen<\/i><\/span> Annahmen oder den Umgang mit <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcbertragung<\/i> <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gegen\u00fcbertragung<\/i> <\/span>und \u00fcbertr\u00e4gt diese in einen p\u00e4dagogischen Kontext.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>szenische Verstehen<\/i><\/span> etwa, urspr\u00fcnglich eingef\u00fchrt von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Alfred Lorenzer<\/i>,<\/span> wurde von Aloys Leber und seinem Sch\u00fcler Hans-Georg Trescher als p\u00e4dagogisches Konzept weiterentwickelt und umgesetzt. Zielsetzung ist hier nicht mehr die Rekonstruktion und Durcharbeitung der verdr\u00e4ngten Szene, wie Lorenzer sie angelegt hatte, sondern eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Reflexion des Konflikts<\/i><\/span> und eine <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>direkte F\u00f6rderung des Klienten<\/i><\/span>. Leber f\u00fchrte das szenische Verstehen weiter als <i>f<\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00f6rdernden Dialog<\/i><\/span> (siehe folgenden Abschnitt).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<h4 class=\"textbox__content\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Literatur<\/span><\/h4>\n<div class=\"textbox__content\">\n<ul>\n<li>Figdor, Helmuth (2006). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wieviel Erziehung braucht der Mensch?<\/i><\/span> In: <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Praxis der Psychoanalytischen P\u00e4dagogik II. 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Zwischen ihnen vollzieht sich ein dialektisches Wechselspiel, in dem der Psychoanalytiker wie jeder Helfer, der von einer entsprechenden Professionalit\u00e4t ausgeht, seinem Klienten in einem f\u00f6rdernden Dialog zubilligt, dass er ihn einmal \u00fcbersch\u00e4tzt und ein andermal in seinen Absichten und Handlungen verkennt, je nachdem was er gerade mit ihm zu inszenieren trachtet und welche Rolle er ihm dabei zuschiebt. Er stellt sich auf die \u00dcbertragung ein, kann sich aber gleichzeitig davon innerlich distanzieren und \u00fcber die wahrgenommene szenische Gestaltung wie \u00fcber seine eigenen Gef\u00fchlsreaktionen nachdenken. [&#8230;] Wir sehen heute die Professionalit\u00e4t des helfenden Partners gerade darin, da\u00df er annehmen und dem Klienten auch zubilligen kann, als was dieser ihn zu sehen und zu vereinnahmen sucht, w\u00e4hrend er dabei selbst nicht eigene Befriedigung und Problementlastung in dieser professionellen Beziehung suchen muss (Leber, 1991, zit. nach Wikipedia).<\/p>\n<p>Den Prozess des Haltens vergleicht Leber mit dem Dialog einer fr\u00fchen Mutter-Kind-Beziehung, in der das Kind der Mutter seine Bed\u00fcrftigkeit vermittelt und damit Reaktionen bei der Mutter ausl\u00f6st, diesen Bed\u00fcrfnissen nachzukommen.<\/p>\n<h4>Verantwortete Schuld<\/h4>\n<p>Das von Helmuth Figdor entwickelte Konzept bezeichnet eine bestimmte Haltung von Eltern und P\u00e4dagogInnen, in unvermeidlichen Alltagskonflikten eine Frustration der kindlichen Alltagsbed\u00fcrfnisse verantworten zu k\u00f6nnen, weil sie die Entwicklungsbed\u00fcrfnisse des Kindes (sich geliebt und geborgen zu f\u00fchlen, respektiert zu werden u.v.m.) dennoch ber\u00fccksichtigen und zu befriedigen trachten.<br \/>\nDies erfordert ein geeignetes Verhalten in der Aus\u00fcbung von Interventionen, damit die P\u00e4dagogInnen auch in Konfliktsituationen mit dem Kind identifiziert bleiben und ihm Zuspruch und Trost oder Kompromiss- und Ersatzangebote bieten. Figdor hebt die Bedeutung der Befriedigung von Entwicklungsbed\u00fcrfnissen der Kinder hervor, weil ihre Unterdr\u00fcckung sich in Verdr\u00e4ngung und neurotischer Anpassung widerspiegelt, die sich sp\u00e4ter durch neurotische Symptome wie Lebensunzufriedenheit, Depression, sexuelle St\u00f6rung oder Beziehungsprobleme und Affektlabilit\u00e4t wie z.B. Wutausbr\u00fcche, Selbstwertprobleme, Konfliktscheu, Lern- und Leistungshemmungen ausdr\u00fccken k\u00f6nnten (Figdor, 2007, S.54f, nach Wikipedia).<\/p>\n<h4>Literatur<\/h4>\n<ul>\n<li>Leber, Aloys (1991). Zur Begr\u00fcndung des f\u00f6rdernden Dialogs in der Psychoanalytischen P\u00e4dagogik. In: Iben, Gerd: Das Dialogische in der Heilp\u00e4dagogik. Mainz, Matthias-Gr\u00fcnewald-Verlag.<\/li>\n<li>Figdor, Helmuth (2006). Wieviel Erziehung braucht der Mensch? In: Praxis der Psychoanalytischen P\u00e4dagogik II. Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze. Giessen, Psychosozial-Verlag.<\/li>\n<li>Figdor, Helmuth (2007). Wieviel Erziehung braucht der Mensch? In: Praxis der Psychoanalytischen P\u00e4dagogik I. Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze. Giessen, Psychosozial-Verlag.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<h1 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Psychoanalyse und Heilp\u00e4dagogik<\/h1>\n<div class=\"ilc_page_cont_PageContainer\">\n<div>In der folgenden Videoaufnahme spricht Marianne Wagner (Dozentin an der HfH) \u00fcber die Bedeutung <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>psychoanalytischer Aspekte in der Heilp\u00e4dagogik<\/i><\/span> und ihre praktische Anwendung.<\/div>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<div>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/16_Marianne_Wagner_1.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/16_Marianne_Wagner_1.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Psychoanalytische P\u00e4dagogik wendet die Psychoanalyse auf den p\u00e4dagogischen Alltag an. 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