{"id":137,"date":"2020-02-14T10:26:27","date_gmt":"2020-02-14T09:26:27","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/?post_type=chapter&#038;p=137"},"modified":"2024-08-22T15:23:28","modified_gmt":"2024-08-22T13:23:28","slug":"psychoanalytische-konzepte","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/chapter\/psychoanalytische-konzepte\/","title":{"raw":"Psychoanalytische Konzepte","rendered":"Psychoanalytische Konzepte"},"content":{"raw":"[caption id=\"attachment_505\" align=\"alignright\" width=\"300\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-3.png\"><img class=\"wp-image-505 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-3.png\" alt=\"Bild von Anne Kneisel: Eine Art farbige Wolken in Kopfform \u00fcber dem Wasser.\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a> (c) Anne Kneisel[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der theoretische Hintergrund der Psychoanalyse ist eng mit Freuds praktischer T\u00e4tigkeit und seinen pers\u00f6nlichen Erfahrungen verbunden. Anf\u00e4nglich verwendete Freud ein <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Hypnoseverfahren<\/span><\/em>, sp\u00e4ter entwickelte er daraus die Methode der<em> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">freien Assoziation<\/span><\/em>. Mit der <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Traumdeutung <\/span><\/em>(1900) entwickelte Freud die Kernkonzepte des psychoanalytischen Theoriegeb\u00e4udes, n\u00e4mlich die Systeme <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">unbewusst<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">vorbewusst<\/span><\/em> und <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">bewusst<\/span><\/em>. Die psychoanalytische Technik soll den Zugang zum Unbewussten erm\u00f6glichen (Kriz, 2007).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Weitere zentrale Konzepte neben der freien Assoziation sind der <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Widerstand <\/span><\/em>(Widerstand des Patienten gegen die Auseinandersetzung mit dem Unbewussten), die <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00dcbertragung <\/span><\/em>fr\u00fchkindlicher affektiver Erlebnisse und Verhaltensmuster des Klienten auf den Therapeuten und die <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Gegen\u00fcbertragung <\/span><\/em>(die gef\u00fchlsm\u00e4ssige Reaktion des Therapeuten auf die \u00dcbertragung).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Sigmund Freuds Theoriengeb\u00e4ude war anf\u00e4nglich stark von durch den Zeitgeist bedingten mechanistischen Ideen gepr\u00e4gt; dies zeigt sich in Begriffen wie <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Trieb<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Libido<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">psychischer Apparat<\/span><\/em> etc. Erst nach 1920 r\u00fcckte im<em> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">strukturellen Pers\u00f6nlichkeitsmodell<\/span> <\/em>das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich <\/span>in das Zentrum der psychoanalytischen Betrachtungsweise (Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><em>strukturelle Pers\u00f6nlichkeitsmodell<\/em><\/span> wird auch <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Strukturmodell <\/span><\/em>oder <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Instanzenmodell <\/span><\/em>genannt). Neurotisches Verhalten wurde nun auf einen <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Konflikt <\/span><\/em>zwischen den Instanzen des<em> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">seelischen Apparats<\/span><\/em> zur\u00fcckgef\u00fchrt: dem <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Es<\/span><\/em>, dem <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich<\/span><\/em> und dem <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00dcber-Ich<\/span><\/em> (Kriz, 2007).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Sp\u00e4ter, und besonders nach Freuds Tod, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf die <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Funktionen des Ich<\/span><\/em>. Hierzu geh\u00f6ren z. B. Bewusstsein, Wahrnehmung, Denken, Sprache, Intention, Planung, Abwehrmechanismen, Selbstkontrolle, Frustrations- und Affekttoleranz, Selbst-Objekt-Differenzierungen, Funktionen also, die dem Individuum eine ad\u00e4quate Lebensf\u00fchrung und Problembew\u00e4ltigung erm\u00f6glichen (Kriz, 2007).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Nach Freuds Tod erfolgte eine Erweiterung der psychoanalytischen Betrachtungsweise: Zunehmend wurde den strukturellen Deformationen innerhalb der<em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"> Ich-Funktionen<\/span><\/em> erh\u00f6hte Aufmerksamkeit geschenkt, Deformationen also, welche das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich <\/span><\/em>bereits in allerfr\u00fchester Kindheit gar nicht erst zu einer angemessenen Entwicklung kommen lassen. Hiermit versucht man in der neueren Entwicklung der Psychoanalyse einige Formen von Psychose, Schizophrenie, Borderline-Syndrome und eine Reihe psychosomatischer St\u00f6rungen zu erkl\u00e4ren (Kriz, 2007).<\/p>\r\n\r\n<div>\r\n\r\n[caption id=\"attachment_507\" align=\"alignright\" width=\"187\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-4.png\"><img class=\"wp-image-507 \" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-4.png\" alt=\"Schematische Zeichnung eines menschlichen Kopfes, aus dem die Gedanken in Blasen aufsteigen.\" width=\"187\" height=\"241\" \/><\/a> (c) www.realpsychology.com[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die\u00a0<em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich-Psychologie<\/span><\/em> war zwischen 1940 und 1980 die vorherrschende Richtung psychoanalytischen Denkens. Hier\u00a0spielten Margaret Mahlers Konzepte der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Trennungs- und <em>Individuationsprozesse<\/em><\/span> eine zentrale Rolle: Nach einer fr\u00fchen <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">autistischen Phase<\/span><\/em> des S\u00e4uglings (bis zum 1. Lebensmonat) ist demnach eine symbiotische Bindung an die Mutter\u00a0unabdinglich f\u00fcr das Wohlergehen des Kindes. In diesem Entwicklungsstadium gibt es noch kein <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich<\/span><\/em>, das von einem <em>Nicht-Ich<\/em> unterschieden w\u00e4re \u2014 Innenwelt und Aussenwelt werden somit erst langsam, in der <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Differenzierungsphase<\/span><\/em>, als unterschiedlich wahrgenommen (Mahler, Pine &amp; Bergman, 1980) (Kriz, 2014, S. 42).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ich-Psychologie besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, wie es Menschen gelingt, sich an die Welt, in der sie leben, anzupassen. Anpassung wird dabei als das Ergebnis eines fortdauernden Entwicklungsprozesses angesehen, in dessen Verlauf bestimmte seelische Funktionen, welche sich auf der Basis angeborener Gegebenheiten innerhalb von emotional bedeutsamen Beziehungen entfalten, eine zunehmende funktionale Selbst\u00e4ndigkeit erlangen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Dabei geht es um Fragen der Entwicklung von Beziehungsstrukturen ebenso wie um die Regulation von Selbst- und Selbstwertgef\u00fchl, aber auch um Aspekte der Entwicklung der Motorik oder der Denk- und Wahrnehmungsfunktionen (Mertens, 2014, S. 399\/Hartkamp).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die von manchen Psychoanalytikern als zunehmend eingestufte Tendenz zu St\u00f6rungen der <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich-Funktionen<\/span><\/em> wird mit gesellschaftlichen Entwicklungen in Zusammenhang gebracht, welche das Entstehen eines Verlust-Traumas bereits in allerfr\u00fchester Kindheit beg\u00fcnstigen (Kriz, 2007).<\/p>\r\n\r\n<h2>Konflikttheorien<\/h2>\r\n<div class=\"ilc_media_caption_MediaCaption\">\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Konflikttheorie: das Strukturmodell<\/h3>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die psychoanalytische Methode soll helfen, die Dramatik im <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Erleben<\/span> des jungen Kindes nachvollziehen zu k\u00f6nnen. Die Psychoanalyse liefert eine <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Konflikttheorie<\/span><\/em>, die es erm\u00f6glicht, die Eingebundenheit des Subjekts in \u00e4ussere wie innere Spannungsfelder angemessen zu erfassen.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_513\" align=\"alignright\" width=\"210\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-5.png\"><img class=\"wp-image-513 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-5.png\" alt=\"Das Bild zeigt zwei schematisch gezeichnete ziegen\u00e4hnliche Tiere, die mit den H\u00f6rnern zusammenstossen.\" width=\"210\" height=\"158\" \/><\/a> (c) Foto: Jeger, pixelio[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Konflikttheorie bildet den Ursprung des<em> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">psychoanalytischen Denkens<\/span><\/em>. Sie basiert auf einem Trieb oder Antrieb, der als Wunsch erlebt wird, und dessen Hemmung oder Abwehr. Abwehr ist ein dynamischer Vorgang, der das Bewusstsein vor den gef\u00e4hrlichen, konflikthaften, inneren wie auch \u00e4usseren Reizen sch\u00fctzen soll. Konflikte entstehen, wenn die innere Balance zum Austarieren der inneren oder \u00e4usseren Bedrohungen nicht mehr gegeben ist und in der Folge ein f\u00fcr das Individuum unangenehmer Zustand entsteht.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Nun setzt unbewusst die Verarbeitung des inneren Konflikts zwischen Impuls und Abwehr ein, wobei die Abwehr eine zentrale Position einnimmt.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">So kann z.B. einem Wunsch nach erotischer Ann\u00e4herung eine unbewusste Hemmung entgegenstehen, weil die Verletzung eines Tabus droht. Daraus resultiert ein Konflikt zwischen dem Es und dem \u00dcber-Ich, der das Ich heftig herausfordert.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Deshalb ist die psychoanalytische <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Konflikttheorie <\/span><\/em>untrennbar mit dem psychoanalytischen <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Strukturmodell<\/span><\/em> verbunden, welches diese drei Segmente beinhaltet: Das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Es <\/span><\/em>als Triebsystem, <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich <\/span><\/em>und <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00dcber-Ich<\/span><\/em> als Steuerungssysteme. (Gerspach, 2009, S. 64)<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Grundkonflikte (nach OPD)<\/h3>\r\nEin bedeutsamer intrapsychischer unbewusster Konflikt ist z. B. jener zwischen den W\u00fcnschen nach <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Abh\u00e4ngigkeit <\/span><\/em>und jenen nach <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Autonomie<\/span><\/em>. Dass Konflikte entstehen, ist ein entwicklungspsychologisch gesehen v\u00f6llig normales Ph\u00e4nomen. Erst wenn eine L\u00f6sung der Konflikte nicht gelingt, kommt es zu einer seelischen Fehlentwicklung mit der Ausbildung von Symptomen (Gerspach, 2009).\r\n\r\nJe nach theoretischem Hintergrund der Autoren gibt es mehr oder weniger Konflikte, die begrifflich voneinander abgegrenzt werden. Gem\u00e4ss psychoanalytischem Verst\u00e4ndnis gibt es aber einen <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Grundkonflikt<\/span><\/em>, der als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><em>zentraler infantiler Konflikt<\/em><\/span> in der Lebensentwicklung eines Menschen beschrieben wird. Um diesen Grundkonflikt zu bew\u00e4ltigen, ist es erforderlich, sich zwischen zwei widerspr\u00fcchlichen Zielen zu entscheiden und so die L\u00f6sung des Konflikts zu erm\u00f6glichen.\r\n\r\nDie psychodynamische Betrachtungsweise betrachtet die Grundkonflikte als Bestandteil der menschlichen Entwicklung unter dem Blickwinkel der Konfliktverarbeitung. Ein differenziertes und auch in der diagnostischen Praxis anerkanntes Modell der unbewussten Konflikte wird in der <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik<\/span><\/em> (OPD) beschrieben. Die OPD unterscheidet acht unbewusste <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Konflikttypen <\/span><\/em>(siehe folgenden Exkurs). Im diagnostischen Prozess wird der Patient gem\u00e4ss dem Stand seiner Entwicklung und Reifung in die vorgegebenen Konflikttypen eingeordnet. Eine eindeutige Zuordnung eines Individuums zu einem einzigen Konflikttypus ist allerdings eher selten m\u00f6glich, weil h\u00e4ufig mehrere Konflikte neben dem Grundkonflikt eine Rolle spielen.\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<h4><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Grundkonflikte nach der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD)<\/span><\/h4>\r\n<ol>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Abh\u00e4ngigkeit vs. Individuation:<\/span> <\/b>Im einen Extrem w\u00fcrde ein Mensch mit diesem Grundkonflikt eine Abh\u00e4ngigkeit erzeugende Beziehung suchen als <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">willkommene Abh\u00e4ngigkeit<\/span>,<\/i> im anderen Extrem dagegen eine emotionale Unabh\u00e4ngigkeit aufbauen und die Bindungsw\u00fcnsche unterdr\u00fccken.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Unterwerfung vs. Kontrolle:<\/span> <\/b>Im einen Extrem nimmt der Mensch die Gegebenheiten hin als Schicksal, dem er sich f\u00fcgt, dabei sind Erleben und Verhalten gepr\u00e4gt von Gehorsam und Unterwerfung. Im anderen Extrem bestimmen Kontrolle und Auflehnung (Bek\u00e4mpfen) das Erleben und Verhalten.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Versorgung vs. Autarkie:<\/b><\/span> Im einen Extrem f\u00fchren Versorgungs- und Geborgenheitsw\u00fcnsche zu starker Abh\u00e4ngigkeit, und der Mensch wirkt passiv und anklammernd. Im anderen Extrem nimmt der Mensch keine Hilfe an und wehrt die W\u00fcnsche nach Hilfe ab, indem er sich als anspruchslos darstellt. In einer altruistischen Konfliktverarbeitung bekommen Andere die Versorgung, nach der er sich selbst unbewusst sehnt.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Selbstwert vs. Objektwert:<\/b><\/span> Es bestehen Selbstwertkonflikte, die im einen Extrem als Minderwertigkeit erlebt werden, w\u00e4hrend andere aufgewertet oder idealisiert werden. Im anderen Extrem werden kompensatorische Anstrengungen erbracht, die das Selbstbild bis hin zum Gr\u00f6ssenwahn st\u00fctzen, w\u00e4hrend andere abgewertet werden.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>\u00dcber-Ich- und Schuldkonflikte:<\/b><\/span> Im einen Extrem f\u00fchrt die Schuld\u00fcbernahme bis zur masochistischen Unterwerfung. Im anderen Extrem sieht der Mensch die Schuld nur beim anderen, wobei ihm jegliche Form eines eigenen Schuldgef\u00fchls fehlt.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">\u00d6dipal-sexuelle Konflikte:<\/span> <\/b>Im einen Extrem nimmt der Mensch seine Erotik und Sexualit\u00e4t nicht wahr, im anderen Extrem bestimmt sie alle Lebensbereiche, ohne dass eine Befriedigung gelingt. Dies meint nicht sexuelle Funktionsst\u00f6rungen anderer Herkunft.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Identit\u00e4tskonflikte:<\/span> <\/b>Bei sonst hinreichenden Ich-Funktionen \u00fcbernimmt der Mensch die Geschlechts-, Rollen oder Gruppenidentit\u00e4t anderer oder \u00fcberspielt die Identit\u00e4tsambivalenz kompensatorisch.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Fehlende Konflikt- und Gef\u00fchls-Wahrnehmung:<\/span> <\/b>Bei diesem Grundkonflikt werden Konflikte, Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse bei sich und anderen nicht wahrgenommen, oder sie werden durch sachlich-technische oder philosophische Beschreibungen ersetzt.<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">(zitiert nach Wikipedia)<\/span>\r\n<div>Litratur: Arbeitskreis OPD (Hrsg.). (2006). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Operationalisierte psychodynamische Diagnostik OPD-2. Das Manual f\u00fcr Diagnostik und Therapieplanung<\/span>. Bern: Huber.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Es, Ich, \u00dcber-Ich<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In seinem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><em>Strukturmodell (auch Instanzenmodell)<\/em> <\/span>beschrieb Freud den immerw\u00e4hrenden Kampf zwischen zwei gegnerischen Instanzen der Pers\u00f6nlichkeit \u2014 dem <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Es <\/span><\/em>und dem <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00dcber-Ich<\/span><\/em>. Der dritte Aspekt des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Selbst<\/span>, das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich<\/span><\/em>, tritt in diesem Kampf als Vermittler auf (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008, S. 617).<\/p>\r\n\r\n<h3>Es<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Es<\/span><\/em> repr\u00e4sentiert die grundlegenden Triebe. Es handelt irrational, auf Impulse hin und dr\u00e4ngt nach Ausdruck und unmittelbarer Befriedigung, ohne zu ber\u00fccksichtigen, ob das Gew\u00fcnschte realistisch und m\u00f6glich, sozial w\u00fcnschenswert und moralisch akzeptabel ist. Das Es wird vom <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Lustprinzip <\/span><\/em>beherrscht, dem unregulierten Drang nach Befriedigung \u2014 insbesondere sexueller, k\u00f6rperlicher und emotionaler L\u00fcste, die hier und jetzt erfahren werden wollen, ohne R\u00fccksicht auf die Konsequenzen (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008, S. 617).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_heading3_Headline3\">\u00dcber-Ich<\/h3>\r\n[caption id=\"attachment_518\" align=\"alignright\" width=\"224\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-7.png\"><img class=\"wp-image-518 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-7.png\" alt=\"Das Bild zeigt einen transparenten Menschenkopf, in dessen Innern sich die drei Instanzen als kleine Figuren gegen\u00fcberstehen und miteinander sprechen.\" width=\"224\" height=\"203\" \/><\/a> (c) freudsigmund.blogspot.com[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00dcber-Ich<\/span><\/em> repr\u00e4sentiert die Werte eines Individuums, einschliesslich der moralischen Einstellungen, die von der Gesellschaft gelernt wurden. Das \u00dcber-Ich entspricht in etwa der landl\u00e4ufigen Vorstellung von <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Gewissen<\/span><\/em>. Es entwickelt sich, indem das Kind nach und nach die Verbote der Eltern und anderer Erwachsener bez\u00fcglich gesellschaftlich unerw\u00fcnschter Handlungen zu seinen eigenen Werten macht. Es ist die innere Stimme des <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Sollens<\/span><\/em> und des <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Nicht-Sollens<\/span><\/em>. Das \u00dcber-Ich schliesst auch das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich-Ideal<\/span><\/em> ein, die Ansicht einer Person dar\u00fcber, was f\u00fcr ein Mensch sie versuchen sollte zu werden. Das Es will tun, was sich gut anf\u00fchlt, w\u00e4hrend das \u00dcber-Ich darauf besteht, das zu tun, was richtig ist (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008, S. 617).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ich<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich <\/span>ist der <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">realit\u00e4tsgebundene Aspekt des Selbst<\/span><\/em>, der den Konflikt zwischen den Impulsen des Es und den Anforderungen des \u00dcber-Ich schlichtet. Das Ich repr\u00e4sentiert die pers\u00f6nliche Sicht einer Person auf die materielle und soziale Realit\u00e4t \u2014 ihre bewussten \u00dcberzeugungen \u00fcber die Ursachen und Konsequenzen von Verhalten. Ein Teil der Aufgaben des Ich besteht darin, Handlungen auszuw\u00e4hlen, welche die Impulse des Es befriedigen, ohne unerw\u00fcnschte Konsequenzen zu haben. Das Ich wird vom <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Realit\u00e4tsprinzip <\/span><\/em>beherrscht, das vern\u00fcnftige Entscheidungen \u00fcber lustorientierte Begierden stellt (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008, S. 617).<\/p>\r\nDas <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich ist <\/span>jenes Funktionenb\u00fcndel, das sich im Dienst des Austauschs mit den jeweils relevanten Umwelten herausbildet und selbst- wie objekterhaltend t\u00e4tig ist. Einige sogenannte <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich-Funktionen<\/span> sind z. B.: Wahrnehmen, Urteilen, Steuern, Antizipieren, Aufschieben. Das Ich b\u00fcndelt psychische Energie und vermittelt gegens\u00e4tzliche Kr\u00e4fte aus Es und \u00dcber-Ich. (Mertens &amp; Waldvogel, 2008)\r\n\r\nDas folgende Video stellt das Zusammenspiel von Es, Ich und \u00dcber-Ich anschaulich szenisch dar, mit Kommentaren von Sigmund Freud (aus einem alten Lehrfilm, (c) The Phoenix Learning Group Inc.).\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/08_Id-Ego-a-Superego.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/08_Id-Ego-a-Superego.vtt\" srclang=\"en\" label=\"English\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Bereiche des Bewusstseins<\/h2>\r\nIm Zusammenhang mit den oben beschriebenen drei psychischen <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Instanzen <\/span><\/em>unterscheidet Freud <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">drei <em>Bereiche des Bewusstseins<\/em><\/span> n\u00e4mlich das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Bewusste<\/span><\/em>, das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Vorbewusste <\/span><\/em>und das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Unbewusste<\/span><\/em>.\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_heading3_Headline3\">Das Bewusste<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-8.png\"><img class=\"wp-image-522 size-full alignright\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-8.png\" alt=\"Bild eines Eisbergs, dessen gr\u00f6sster Teil unter Wasser und deshalb nicht sichtbar ist.\" width=\"203\" height=\"249\" \/><\/a>Die Aufgabe des <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich<\/span><\/em>, zwischen den Anforderungen des <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Es <\/span><\/em>und denen des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcber-Ich<\/i><\/span> eine realit\u00e4tsangepasste Synthese zu finden, geh\u00f6rt zum <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bewussten<\/i> <\/span>(Bewusstsein), da sich das Ich dabei der willk\u00fcrlichen k\u00f6rperlichen Bewegungen, der Wahrnehmung, des Ged\u00e4chtnisses usw. bedient (Kriz, 2007).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Bild des Eisbergs veranschaulicht, dass gem\u00e4ss der Theorie Freuds nur etwa 10 bis 20 Prozent der psychischen Inhalte dem Bewusstsein zug\u00e4nglich sind (siehe Exkurs weiter unten).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Unbewusste<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Gewisse Teile des Gef\u00fcges aus <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Geboten, Verboten<\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>moralischen Wertvorstellungen<\/i><\/span> (die zum \u00dcber-Ich geh\u00f6ren) sind zwar bewusst. Andere <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wertvorstellungen<\/i> <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Anforderungen<\/i><\/span> wurden schon in fr\u00fchester Kindheit \u00fcbernommen und sind <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>nicht bewusst<\/i><\/span> (oder nicht mehr bewusst). Diese Anforderungen k\u00f6nnen sogar <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>verleugnet<\/i> <\/span>werden, obwohl eine Person konkret danach handelt. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Unbewusst<\/i> <\/span>ist aber vor allem das gesamte <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Es <\/span>mit seinen vitalen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Triebanspr\u00fcchen<\/i><\/span> (Kriz, 2007).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Der Bereich des <i>Unbewussten<\/i> kann zus\u00e4tzlich differenziert werden:<\/span><\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Deskriptiv Unbewusstes<\/span>:<\/i> Der mentalen Vergegenw\u00e4rtigung und sprachlichen Reflexion aktuell oder vor\u00fcbergehend nicht zug\u00e4nglich.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Dynamisch Unbewusstes<\/span>: <\/i>Der mentalen Vergegenw\u00e4rtigung und sprachlichen Reflexion dauerhaft durch <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Abwehrprozesse <\/span>entzogen. Die dynamisch unbewussten Inhalte sind der Vergegenw\u00e4rtigung entzogen, weil sie, ihres bedrohlichen oder verp\u00f6nten Charakters wegen, die Stabilit\u00e4t des Ich bedrohen.<\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_heading3_Headline3\">Das Vorbewusste<\/h3>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Vorbewusste<\/i> <\/span>enth\u00e4lt jene psychischen Inhalte, welche zwar momentan im Bewusstsein nicht pr\u00e4sent sind, aber nahezu beliebig reproduziert und erinnert werden k\u00f6nnen. Es handelt sich also um <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>bewusstseinsf\u00e4higes Material<\/i><\/span>, das nicht verdr\u00e4ngt wurde, sondern das tempor\u00e4r aus dem aktuellen Bewusstsein zur\u00fcckgetreten ist, um damit die Funktionst\u00fcchtigkeit des Organismus zu erh\u00f6hen (Kriz, 2007).<\/div>\r\n<div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><strong>Exkurs: Das Eisbergmodell<\/strong><\/h3>\r\nDas <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Eisbergmodell\u00a0<\/i><\/span>wird in verschiedenen Disziplinen zur Veranschaulichung verwendet, so vor allem in den Theorien zur zwischenmenschlichen Kommunikation (Quelle: Wikipedia).\r\n\r\n<\/div>\r\n<span style=\"background-color: #ff0000\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-9.png\"><img class=\"aligncenter wp-image-528 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-9.png\" alt=\"\" width=\"526\" height=\"395\" \/><\/a><\/span>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Der Traum<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Traum<\/i> <\/span>war f\u00fcr Freud \u00abder K\u00f6nigsweg\u00bb zur Entdeckung des Unbewussten. Die in der Traumdeutung aufgedeckten Mechanismen finden sich in anderen Erscheinungsformen des Unbewussten wieder, z. B. in <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Fehlleistungen<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Versehen<\/span>, <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Versprechern<\/i> <\/span>etc. Freud nahm an, dass das unbewusste <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Es<\/i> <\/span>an der Traumbildung einen wesentlichen Anteil hat. Im Traum werden viele Eindr\u00fccke aus fr\u00fcher Kindheit und andere vergessene Szenen reproduziert, allerdings meist entstellt (Kriz, 2007).<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_532\" align=\"alignright\" width=\"216\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-10.png\"><img class=\"wp-image-532 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-10.png\" alt=\"\" width=\"216\" height=\"216\" \/><\/a> (c) Bild: Richard Wilkinson[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Freud hat den Traum auch als \u00abH\u00fcter des Schlafes\u00bb bezeichnet: Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ich<\/i> <\/span>setzt dabei Bed\u00fcrfnissen und Anspr\u00fcchen, die sonst zum Erwachen f\u00fchren w\u00fcrden, eine harmlose <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wunscherf\u00fcllung<\/i> <\/span>entgegen, etwa wenn das Hungergef\u00fchl durch einen Traum beschwichtigt wird, in dem man etwas isst. Wenn allerdings der Drang zu gross wird, wacht der Schl\u00e4fer auf. Die Anspr\u00fcche stammen insbesondere aus dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Es<\/i><\/span>, also aus dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Unbewussten<\/i><\/span>, wo sie im Wachzustand erfolgreich verdr\u00e4ngt werden, im Schlafzustand aber durch einen Traum in entstellter und damit relativ harmloser Form eine Wunscherf\u00fcllung erfahren, womit das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ich<\/i> <\/span>die St\u00f6rung des Schlafes beseitigen m\u00f6chte (Kriz, 2007).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Deutung von Tr\u00e4umen<\/i><\/span> hat im psychoanalytischen Setting einen hohen Stellenwert, weil durch den Traum unbewusstes Material an die \u00abOberfl\u00e4che\u00bb bef\u00f6rdert und der Bearbeitung zug\u00e4nglich gemacht wird. F\u00fcr die Deutungsarbeit allgemein \u2014 und auch die mit Traummaterial \u2014 gilt, dass es <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>keine allgemein g\u00fcltigen Deutungen<\/i><\/span> gibt. Vielmehr arbeiten im <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Deutungsprozess<\/i> <\/span>Patient und Therapeut gemeinsam an der Offenlegung der unbewussten Bedeutung, und zwar in einem langen Prozess, in dem durchaus auch zun\u00e4chst gebildete Hypothesen wieder verworfen werden k\u00f6nnen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Es geht dabei um eine Rekonstruktion und Einsicht in die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Dynamik des fr\u00fchkindlichen Konfliktes<\/i><\/span>, der der jeweiligen St\u00f6rung zugrunde liegt, und nicht um eine pr\u00e4zise Zuordnung zwischen einzelnen Traumelementen und deren Bedeutung. Da sich der Konflikt besonders in charakteristischen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abwehrmustern<\/i> <\/span>manifestiert, geht es bei der Deutungsarbeit eher um die Analyse dieser Abwehrmuster bzw. der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Widerst\u00e4nde<\/i> <\/span>in der Arbeit an den Inhalten, als um eine symbolhafte Deutung der Inhalte selbst (Kriz, 2007).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Manifester vs. Latenter Trauminhalt<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Freud definierte zwei Arten des Trauminhalts, den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>manifesten<\/i> <\/span>und den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>latenten<\/i><\/span>. Der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>manifeste Inhalt<\/i><\/span> ist der bewusst erinnerte Traum, der nach dem Aufwachen mehr oder weniger genau erinnert wird. Der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>latente (versteckte) Inhalt\u00a0<\/i><\/span>wird nicht erinnert, sondern muss in seiner symbolischen Bedeutung erschlossen werden. Hier zeigen sich die eigentlichen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Motive<\/i><\/span>, die nach Ausdruck suchen, jedoch so schmerzvoll oder inakzeptabel sind, dass sie nur in versteckter oder symbolischer Form ausgedr\u00fcckt werden k\u00f6nnen. Um einen Traum zu deuten, muss der Therapeut dessen manifesten Inhalt in den latenten \u00fcbersetzen. Jeder Traum ist einzigartig und hat nur f\u00fcr den jeweiligen Tr\u00e4umer Bedeutung.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">PsychoanalytikerInnen glauben, dass Tr\u00e4ume eine gute Quelle f\u00fcr Informationen \u00fcber die\u00a0 unbewussten Motivationen des Patienten sind. Im Schlaf, so wird angenommen, ist das \u00dcber-lch weniger wachsam gegen\u00fcber den inakzeptablen Impulsen des Es, so dass ein Motiv, das im wachen Zustand nicht ausgedr\u00fcckt werden kann, vielleicht im Traum offen gelegt wird.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Therapeuten versuchen mit Hilfe der Traumanalyse, diese versteckten Motive zu enth\u00fcllen. Dabei handelt es sich um eine therapeutische Technik, mit der man den Inhalt von Tr\u00e4umen einer Person untersucht, um die dahinter verborgenen oder versteckten Motivationen und symbolischen Bedeutungen wichtiger Lebenserfahrungen und W\u00fcnsche zu entdecken (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\nAusf\u00fchrlicher Artikel zum <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Traum<\/b> <\/span>im <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe<\/span>:\r\n\r\nLeuschner, W. (2014). Traum. In W. Mertens (Hrsg.), <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe<\/span> <\/i>(4., \u00fcberarb. und erweiterte Auflage, S. 954\u2013962). Stuttgart: Kohlhammer.\r\n\r\n<b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Originaltext Freud<\/span>: <\/b>Freud, S. (1900). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Die Traumdeutung<\/span>. GW.\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Abwehr<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als Abwehr bezeichnet die Psychoanalyse jede psychische Aktivit\u00e4t, die darauf abzielt, psychischen Schmerz in all seinen m\u00f6glichen Formen zu vermeiden (M\u00fcller-Pozzi, 2002). Eine Wahrnehmung, eine Erinnerung oder ein Handlungsimpuls wird abgewehrt (unbewusst), weil die bewusste Konfrontation damit Unlust bereitet.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abwehr<\/i> <\/span>ist ein dynamischer Vorgang, der das Bewusstsein vor unangenehmen, aber auch vor gef\u00e4hrlichen, konflikthaften, inneren wie auch \u00e4usseren Reizen sch\u00fctzen soll (Gerspach, 2009).<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_534\" align=\"alignright\" width=\"278\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-11.png\"><img class=\"wp-image-534 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-11.png\" alt=\"Eine Karikatur, die zeigt wie ein Strauss und ein Mensch gemeinsam die K\u00f6pfe in den Sand stecken.\" width=\"278\" height=\"215\" \/><\/a> (c) psychologytoday.com[\/caption]\r\n\r\nDie <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abwehrmechanismen<\/i> <\/span>geh\u00f6ren zu den Funktionen des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ich<\/i> <\/span>und dienen der Wahrnehmung und Bew\u00e4ltigung der psychischen Realit\u00e4t. Eine Wahrnehmung verf\u00e4llt der Abwehr, wenn die bewusste Konfrontation damit dem Ich Unlust bereitet. Allgemein richtet sich die Abwehr gegen alles, was Angst hervorrufen kann: Emotionen, bestimmte Situationen, Vorstellungen, \u00dcber-Ich-Forderungen etc. Dabei kann sich die Abwehr der verschiedensten Aktivit\u00e4ten bedienen (Arbeitskreis OPD, 2006).\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die Abwehr ist im Dienste der Unlustvermeidung funktional, wenn sie die Wahrnehmung der unangenehmen Konfrontation umgeht. Das gelingt durch bestimmte Mechanismen wie Verdr\u00e4ngung als der zentralen Leistung des Unbewusstmachens, sowie durch weitere Abwehrmechanismen wie Leugnung, Isolierung, Ungeschehenmachen, Projektion, Regression Rationalisierung etc. (Freud, 1964).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das klassische Konzept der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abwehr<\/i> <\/span>geht davon aus, dass Abwehr als solche nicht pathologisch ist, da sie zugleich die Voraussetzung f\u00fcr die Charakterbildung ist. Die Ich-St\u00e4rkung und mit ihr die Abwehrorganisation sind f\u00fcr die kindliche Entwicklung entscheidend und ebenso wichtig wie die Entwicklung der Triebe (Mertens, 2014, S. 7 \/K\u00fcchenhoff).<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Abwehrmechanismen<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-12.png\"><img class=\"wp-image-535 size-full alignright\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-12.png\" alt=\"Karikatur eines Tintenfisches, der eine grosse violette Tintenwolke ausst\u00f6sst.\" width=\"226\" height=\"143\" \/><\/a>Abwehrmechanismen<\/i> <\/span>sind mentale Strategien, mit denen sich das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ich<\/i> <\/span>gegen den t\u00e4glichen Konflikt zwischen Impulsen des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Es<\/i><\/span>, die nach Ausdruck verlangen, und der Forderung des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcber-Ich<\/i><\/span>, diese zu verweigern, verteidigt. In der psychoanalytischen Theorie werden diese Mechanismen als essenziell f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung m\u00e4chtiger innerer Konflikte durch das Individuum betrachtet. Durch ihren Einsatz ist eine Person in der Lage, ein g\u00fcnstiges Selbstbild aufrechtzuerhalten und ein akzeptables soziales Erscheinungsbild zu wahren. Wenn ein Kind beispielsweise starke Hassgef\u00fchle gegen seinen Vater hegt \u2014 die gef\u00e4hrlich w\u00e4ren, wenn sie ausgelebt w\u00fcrden \u2014, kann die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verdr\u00e4ngung<\/i> <\/span>einsetzen und die Hassgef\u00fchle ins Unbewusste verbannen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der feindselige Impuls strebt dann nicht l\u00e4nger bewusst danach, ausgelebt zu werden, er wird nicht einmal mehr als existent wahrgenommen. Obwohl der Impuls nicht mehr wahrgenommen wird, ist er dennoch nicht verschwunden; die Gef\u00fchle spielen weiterhin eine Rolle bei der Funktionsweise der Pers\u00f6nlichkeit. Indem es beispielsweise eine starke <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Identifikation<\/i> <\/span>mit seinem Vater entwickelt, kann das Kind sein Selbstwertgef\u00fchl vergr\u00f6ssern und seine unbewusste Furcht vor der Enttarnung als feindselige Person verringern (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abwehrmechanismen<\/i> <\/span>halten Vorstellungen, Gef\u00fchlsregungen, Gem\u00fctsbewegungen, Handlungsimpulse, Triebregungen oder Ged\u00e4chtnisinhalte, die f\u00fcr das Individuum aversiv sind und die es nicht zur Kenntnis nehmen will, vom Bewusstsein fern.<\/div>\r\nAbwehrmechanismen sind kommunikative, mentale und physische Operationen, die der Spannungsregulierung dienen. Es geht um die Herstellung oder Aufrechterhaltung des Wohlbefindens, des positiven Selbstgef\u00fchls und des Sicherheitsgef\u00fchls.\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Abwehr und Abwehrmechanismen<\/h3>\r\nIm folgenden Videoausschnitt beschreibt die Psychoanalytikerin Vera Luif die psychoanalytischen Konzepte der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Abwehr <\/span>und der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Abwehrmechanismen<\/span>.\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/09_AbwehrAllgemein640.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/09_AbwehrAllgemein640.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Verdr\u00e4ngung<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verdr\u00e4ngung<\/i> <\/span>ist der grundlegende Abwehrmechanismus: Gedanken, Gef\u00fchle oder Erinnerungen, die Schmerz oder Schuldgef\u00fchle verursachen, werden aus dem Bewusstsein ausgeschlossen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Individuum unterdr\u00fcckt die Wahrnehmung bedrohlicher oder verp\u00f6nter Triebimpulse oder Affekte, die es gegen\u00fcber einem Objekt hat. Die Verdr\u00e4ngung geht vom <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ich<\/i> <\/span>aus, eventuell im Auftrag des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcber-Ich<\/i><\/span>, und verhindert eine vom <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Es<\/i> <\/span>angeregte Triebbesetzung. Manchmal schliesst dieser Kompromiss zwischen dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Es<\/i> <\/span>und dem<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00dcber-Ich<\/span><\/i> ein, dass dem Es ein Riegel vorgeschoben wird. Extreme Begierden werden aus dem Bewusstsein in die Privatheit des Unbewussten gedr\u00e4ngt.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Verdr\u00e4ngung ist der psychische Prozess, der das Individuum davor sch\u00fctzt, extreme Angst oder Schuld zu empfinden, weil seine Impulse, Vorstellungen und Erinnerungen inakzeptabel sind und\/oder weil ihr Ausdruck gef\u00e4hrlich w\u00e4re. Dem Ich bleibt sowohl der zensierte mentale Inhalt verborgen als auch der Prozess, mit dem die Verdr\u00e4ngung die Informationen aus dem Bewusstsein fernh\u00e4lt. Verdr\u00e4ngung gilt als die grundlegendste der verschiedenen Methoden, mit welchen sich das Ich vor einer \u00dcberw\u00e4ltigung durch bedrohliche Impulse und Vorstellungen sch\u00fctzt (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verdr\u00e4ngte<\/i> <\/span>bildet einen Teil des Unbewussten und bleibt dort aktionsf\u00e4hig. Mit der Gegenbesetzung sch\u00fctzt sich das Bewusste gegen das Andr\u00e4ngen der unbewussten Vorstellung. Dies wird in der analytischen Arbeit als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Widerstand<\/i> <\/span>erkennbar.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Verdr\u00e4ngung zeigt sich in scheinbar unerkl\u00e4rlicher Naivit\u00e4t, Fehler beim Erinnern oder im Versagen bestimmter Sinnesorgane bei der Aufnahme von Information (Boothe et al., 2013).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\u00abDas muss ich wohl absichtlich verdr\u00e4ngt haben\u00bb stellt eine beliebte Redewendung dar, die h\u00e4ufig im Sinne von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">bewusst unterdr\u00fccken<\/span> oder <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">vergessen <\/span>gebraucht wird. Der Vorgang der Verdr\u00e4ngung ist jedoch wie bei jedem Abwehrmechanismus als unbewusst zu bezeichnen, d.h. der Betreffende bemerkt nichts davon. Was f\u00fcr den Prozess gilt, trifft ebenso f\u00fcr die Inhalte zu: auch diese k\u00f6nnen nicht mehr anhand von Erinnerung in das Ged\u00e4chtnis zur\u00fcckgeholt werden (Mertens, 1992).<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Die Verdr\u00e4ngung (Psychoanalyse)<\/h3>\r\nIm folgenden Videoausschnitt beschreibt die Psychoanalytikerin Vera Luif den Abwehrmechanismus der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verdr\u00e4ngung<\/i><\/span>.\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/10_Verdraengung640.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/10_Verdraengung640.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n&nbsp;\r\n\r\nDie folgende Videoszene zeigt ein Beispiel zu Verdr\u00e4ngung oder Verleugnung.\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/11_Antonj-Tanne.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/11_Antonj-Tanne.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\nAufgabe:\u00a0Formuliere f\u00fcr dich, wie die Abwehrmechanismen in dieser Szene von den verschiedenen Personen gehandhabt werden.\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Verschiebung<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verschiebung<\/i> <\/span>ist wie die Projektion eine \u00dcbertragung verdr\u00e4ngter W\u00fcnsche und Impulse. In diesem Fall verschiebt man seine Feindseligkeit von einem gef\u00e4hrlichen Objekt auf einen sichereren Ersatz.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Beispiel: Der Mann, dem der Parkplatz weggenommen wurde, l\u00e4sst seine angestaute Wut zu Hause heraus, indem er einen Streit mit seiner Freundin vom Zaun bricht (Comer, 2008).<\/div>\r\n<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Wegen ihrer multiplen Funktionen sind <span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Verschiebung <\/span>und<i> <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verdichtung<\/i> <\/span>als Generalmechanismen sowohl des normalen als auch des pathologischen seelischen Geschehens zu bezeichnen. Als Abwehrmechanismen im Dienste der Zensur (A. Freud, 1936) dezentrieren und maskieren sie<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00a0<\/span><i style=\"font-size: 1em\">unbewusste W\u00fcnsche<\/i><i><span style=\"font-size: 1em\">\u00a0<\/span><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">und Vorste<\/span><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">llungen<\/span><\/i><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\"> und bilden damit die wichtigsten Teilschritte bei der neurotischen und psychotischen Symptombildung. Dar\u00fcber hinaus spielen sie bei normalen Denk-, Erinnerungs- und Aufmerksamkeitsvorg\u00e4ngen, bei der Gestaltung von Tr\u00e4umen, von Witzen, Metaphern, M\u00e4rchen, Massenph\u00e4nomenen und Kulturleistungen eine zentrale Rolle (Mertens, 2014, S. 1060\/Leuschner).<\/span><\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\n<span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Verschiebung und Verdichtung<\/b><\/span>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verschiebung<\/i> <\/span>ist derjenige seelische Vorgang, durch den seelische Energie, mit der bestimmte unbewusste Vorstellungsrepr\u00e4sentanzen besetzt sind, an eine andere Besetzung abgegeben wird. Dieser Vorgang ist somit als ein der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verdichtung<\/i> <\/span>entgegengesetzter Prozess zu verstehen. Verschiebung dient der psychischen \u00d6konomie, indem Affektbetr\u00e4ge relativ frei von einem Inhalt zum anderen \u00fcberwechseln k\u00f6nnen. Daher wird im Hinblick auf den psychodynamischen Aspekt der Objektbesetzung die Verschiebung auch synonym als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Affektverschiebung<\/i><\/span> bezeichnet. Sie kann als Ergebnis einer \u00dcberdeterminierung aufgefasst werden. Verschiebung und Verdichtung kennzeichnen den Prim\u00e4rprozess. Die Konzeption geht auf Freud zur\u00fcck und wurde von ihm zuerst als Vorgang der Traumarbeit beschrieben. Nach Freuds \u00f6konomischer Theorie kann eine Vorstellung den ganzen Energiebetrag ihrer Besetzung an eine andere <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>abgeben<\/i><\/span>. Durch den Prozess der Verdichtung kann sie die Besetzung mehrerer anderer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>aufnehmen<\/i><\/span>. Bisweilen dient die Verschiebung auch als Abwehrmechanismus, so z. B. bei Phobien oder Deckerinnerungen. (nach Wikipedia)<\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Regression<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Regression<\/i> <\/span>bezeichnet man den R\u00fcckzug vor einem angsterzeugenden Konflikt auf eine Entwicklungsstufe, auf der keine Anspr\u00fcche an reifes und verantwortliches Handeln gestellt werden (Comer 2008). Dieser R\u00fcckzug auf eine fr\u00fchere Entwicklungsstufe des Denkens, F\u00fchlens oder Handelns erfolgt unbewusst (z.B. Trotzverhalten, Fresslust, Suche nach Versorgung). Die entstehenden Probleme durch regressives Verhalten werden durch andere Abwehrmechanismen abgewehrt.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_536\" align=\"alignright\" width=\"210\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-13.png\"><img class=\"wp-image-536 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-13.png\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"176\" \/><\/a> (c) lolasrecoverysite .wordpress.com[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Prozess psychischer Erkrankung wird dann <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>regressiv<\/i><\/span> genannt, wenn der Kranke in einer belastenden Lebenssituation seine inneren Konflikte nur dadurch bew\u00e4ltigen kann, dass er auf fr\u00fchere, kindliche und insofern primitivere Erlebnis- und Verarbeitungsweisen zur\u00fcckgreift.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Unter den Bedingungen der<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"> <i>psychoanalytisch-therapeutischen<\/i> Situation<\/span> regrediert ein Patient dann, wenn er die \u00dcbertragungssituation entsprechend seiner unbewussten Beziehungsphantasien gestaltet.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Regressionen<\/i> <\/span>unterscheiden sich hinsichtlich zahlreicher Eigenschaften: Sie k\u00f6nnen die ganze Pers\u00f6nlichkeit erfassen oder nur eine einzelne Ich-Funktion ver\u00e4ndern, stabil oder sporadisch auftreten, sie sind pathologisch (krankhaft) oder gutartig (im Dienste des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ich<\/i><\/span>).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Regressionen dienen im Alltagsleben der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Problembew\u00e4ltigung<\/i> <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Konfliktl\u00f6sung<\/i><\/span>, wenn das Subjekt vor\u00fcbergehend von einer hochstrukturierten, zielorientierten zu einer eher ganzheitlichen, anmutungshaften Wahrnehmungs- und Denkweise zur\u00fcckkehrt, oder auch wenn sich ein Individuum\u00a0 introspektiv seinen vorbewussten und unbewussten <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Phantasien<\/i><\/span> \u00f6ffnet, z. B. in sch\u00f6pferischem Denken oder k\u00fcnstlerischer Produktivit\u00e4t (Mertens, 2014, S. 803\/K\u00f6rner).<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Rationalisierung<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In der Psychoanalyse ist <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Rationalisierung<\/i> <\/span>ein Abwehrmechanismus des Ich, n\u00e4mlich der Versuch, Handlungen, die durch unbewusste Motive gesteuert werden (z.B. durch verdr\u00e4ngte Triebimpulse), nachtr\u00e4glich einen rationalen Sinn zu geben.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Rationalisierung ist einer der verbreitetsten Abwehrmechanismen. Gem\u00e4ss Sigmund Freud ist die Rationalisierung ein Versuch, uns und anderen unser Verhalten vern\u00fcnftig zu erkl\u00e4ren, obwohl ein Grossteil davon auf unbewusste Triebe zur\u00fcckgeht, die irrational und infantil sind.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Beispiel: Eine Studentin redet ihren Eltern deren Besorgnis wegen schlechter Semesternoten aus, indem sie sich auf die \u00abErfahrung des College-Besuchs insgesamt\u00bb beruft und behauptet, dass eine \u00dcberbetonung von Noten dem \u00fcbergeordneten Ziel einer abgerundeten Bildung schade. Diese Rationalisierung kann eine untergr\u00fcndige Versagensangst und ein mangelndes Selbstwertgef\u00fchl verbergen (Comer, 2008).<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\nDie folgende Fabel des griechischen Fabeldichters \u00c4sop (ca. 600\u00a0v.\u00a0Chr) illustriert anschaulich den Vorgang der Rationalisierung.\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Citation\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Der Fuchs und die Trauben <\/b><\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_538\" align=\"alignright\" width=\"306\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-14.png\"><img class=\"wp-image-538 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-14.png\" alt=\"Das Bild zeigt eine Illustration der Fabel von \u00c4sop: der Fuchs schaut neugierug zu den hoch oben h\u00e4ngenden Trauben hinauf.\" width=\"306\" height=\"393\" \/><\/a> (c) Jules David:The Fox and the Grapes[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Citation\"><em>Eine Maus und ein Spatz sa\u00dfen an einem Herbstabend unter einem Weinstock und plauderten miteinander. Auf einmal zirpte der Spatz seiner Freundin zu: \u00abVersteck dich, der Fuchs kommt\u00bb, und flog rasch hinauf ins Laub.<\/em><\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Citation\"><em>Der Fuchs schlich sich an den Weinstock heran, seine Blicke hingen sehns\u00fcchtig an den dicken, blauen, \u00fcberreifen Trauben. Vorsichtig sp\u00e4hte er nach allen Seiten. Dann st\u00fctzte er sich mit seinen Vorderpfoten gegen den Stamm, reckte kr\u00e4ftig seinen K\u00f6rper empor und wollte mit dem Mund ein paar Trauben erwischen. Aber sie hingen zu hoch.<\/em><\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Citation\"><em>Etwas ver\u00e4rgert versuchte er sein Gl\u00fcck noch einmal. Diesmal tat er einen gewaltigen Satz, doch er schnappte wieder nur ins Leere.<\/em><\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Citation\"><em>Ein drittes Mal bem\u00fchte er sich und sprang aus Leibeskr\u00e4ften. Voller Gier huschte er nach den \u00fcppigen Trauben und streckte sich so lange dabei, bis er auf den R\u00fccken kollerte. Nicht ein Blatt hatte sich bewegt.<\/em><\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Citation\"><em>Der Spatz, der schweigend zugesehen hatte, konnte sich nicht l\u00e4nger beherrschen und zwitscherte belustigt: \u00abHerr Fuchs, Ihr wollt zu hoch hinaus!\u00bb <\/em><em>Die Maus \u00e4ugte aus ihrem Versteck und piepste vorwitzig: \u00abGib dir keine M\u00fche, die Trauben bekommst du nie.\u00bb Und wie ein Pfeil schoss sie in ihr Loch zur\u00fcck. <\/em><em>Der Fuchs biss die Z\u00e4hne zusammen, r\u00fcmpfte die Nase und meinte hochm\u00fctig: \u00abSie sind mir noch nicht reif genug, ich mag keine sauren Trauben.\u00bb Mit erhobenem Haupt stolzierte er in den Wald zur\u00fcck.<\/em><\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Udo Klinger: Ausgew\u00e4hlte Fabeln von \u00c4sop: <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"http:\/\/www.udoklinger.de\/Deutsch\/Fabeln\/Aesop.htm#Der_Fuchs_und_die_Trauben\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.udoklinger.de\/Deutsch\/Fabeln\/Aesop.htm#Der_Fuchs_und_die_Trauben<\/a><\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Projektion<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Bei der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Projektion<\/i> <\/span>werden einem Gegen\u00fcber eigene Affekte und Impulse unbewusst zugeschrieben. Die projizierende Person ist dabei felsenfest davon \u00fcberzeugt, dass ihr Interaktionspartner genau so ist, wie sie ihn wahrnimmt. Das Gegen\u00fcber kann eine Person sein, aber auch eine Gruppe oder Institution.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Zum Beispiel hat man nicht selbst ausbeuterische und manipulierende Z\u00fcge und Absichten, sondern der Partner, das andere Geschlecht, das Unternehmen, die Gesellschaft usf.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Projektionen k\u00f6nnen nicht nur zu andauernden Konflikten in Beziehungen f\u00fchren, sondern auch zu schweren wahnhaften\u00a0 Beeintr\u00e4chtigungen. Ein l\u00e4nger andauernder Gebrauch von Projektion schw\u00e4cht die Realit\u00e4tspr\u00fcfung und f\u00fchrt zu negativen Konsequenzen f\u00fcr die Orientierung in der \u00e4usseren Welt (Mertens, 1992).<\/p>\r\n\r\n<div>\r\n<div class=\"textbox\">Die Projektion dient der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Vermeidung von Angst<\/i><\/span> und der Aufrechterhaltung eines <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>erw\u00fcnschten Selbstbildes<\/i><\/span>.<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel<\/strong>: Eine verheiratete Frau f\u00fchlt sich von ihrem Schwager sexuell bel\u00e4stigt, obwohl dieser nichts mit ihr zu tun haben will. Dabei ist es vielmehr so, dass sie sich unbewusst in ihn verliebt hat. Dies kann nicht zugelassen werden, da sie ja verheiratet ist. Ihr eigener sexueller Wunsch wird auf den Schwager projiziert.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Von der Projektion ist die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Externalisierung <\/i><\/span>zu unterscheiden: jedermann kennt diese, wenn er z.B. vor\u00fcbergehend einen anderen Menschen f\u00fcr sein momentanes Missgeschick verantwortlich macht, dabei aber weiss oder ahnt, dass dies der Entlastung seines Selbstwertgef\u00fchls dient. Kinder machen davon reichlich Gebrauch. Die Externalisierung bezieht sich in der Regel auf Schuldgef\u00fchle.<\/p>\r\n\r\n<h3>Video: Die Projektion (Psychoanalyse)<\/h3>\r\nIm folgenden Video beschreibt die Psychoanalytikerin Vera Luif den Abwehrmechanismus der Projektion.\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/12_Projektion640.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/12_Projektion640.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Projektive Identifizierung<\/h2>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Unter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>projektiver Identifizierung<\/i><\/span> wird ein Vorgang verstanden, bei dem Teile von abgewehrten eigenen Werten, Gedanken oder Gef\u00fchlen in eine \u00e4ussere Beziehung hinein verlagert werden. Dadurch werden diese als die Gedanken oder Gef\u00fchle der anderen Person wahrgenommen. Dies geschieht durch subtiles oder offenes manipulatives Verhalten. Dadurch wird das Gegen\u00fcber dazu gebracht, den Projektionen gem\u00e4ss zu erleben und sich entsprechend zu verhalten (Mertens, 2014, S. 745\/Reich).<\/div>\r\n<figure class=\"ilc_media_cont_MediaContainer\">\r\n<div class=\"ilc_Mob\">\r\n\r\n[caption id=\"attachment_541\" align=\"alignright\" width=\"257\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-15.png\"><img class=\"wp-image-541 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-15.png\" alt=\"Karikatur zum Thema &quot;Projektive Identifizierung&quot;: eine Figur stellt sich ein Glas Bier vor und sieht ihr Gegen\u00fcber als ein Glas Bier.\" width=\"257\" height=\"195\" \/><\/a> (c) www.soth.co.uk[\/caption]\r\n\r\n<\/div><\/figure>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\r\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Unerw\u00fcnschte Selbstanteile werden in eine andere Person projiziert.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\u00dcber die konkrete Interaktion wird Druck auf diese Person ausge\u00fcbt, so zu f\u00fchlen und zu handeln, wie es der Projektion entspricht.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die projizierten Phantasien und Gef\u00fchle werden durch die andere Person gehalten und verarbeitet, was zu einer Reintrojektion in modifizierter Form f\u00fchrt (Gerspach, 2009).<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Aus entwicklungspsychologischer Sicht gibt es einen wichtigen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">kommunikativen Aspekt<\/span> der projektiven Identifizierung: Wenn der verzweifelt schreiende S\u00e4ugling z. B. heftige Affekte und Phantasien in seiner Mutter ausl\u00f6st, und wenn diese sich ihm als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Container<\/span> zur Verf\u00fcgung stellt, gelingt eine existentiell \u00fcberaus wichtige Kommunikation: die Modulation der unertr\u00e4glichen Affektspannungen des S\u00e4uglings im Erleben der Mutter und ihr Begreifen der auf den ersten Blick sinnlosen Affekte schafft den Boden f\u00fcr ein Verstehen ihres Kindes. \u00abIn liebevollem. geduldigem Umgang vermittelt sie ihm das Gef\u00fchl, dass seine zun\u00e4chst namenlose Qual in ihr geborgen und verstanden worden ist, so dass sie dann besser ausgehalten und toleriert werden kann\u00bb (Cycon, 1991, S. 167, zit. nach Mertens, 1992).<\/div>\r\n<div class=\"ilc_section_AdvancedKnowledge ilCOPageSection\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\r\n<div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\n<span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Ideengeschichtlicher Hintergrund:<\/b><\/span>\r\n<div>Die mit dem Begriff <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Projektive Identifizierung<\/i><\/span> umschriebenen Ph\u00e4nomene tauchen in der Mythologie und Literatur vielf\u00e4ltig auf und werden hier zur Darstellung genutzt, z. B. in den Figuren des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Alter Ego<\/i><\/span>, des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Doppelg\u00e4ngers<\/i><\/span>, der Verwandlungen, in denen das eigene B\u00f6se in anderer Gestalt wiederbelebt wird.<\/div>\r\nDiese Themen werden insbesondere in der Romantik, aber auch in der nachfolgenden Literatur durch die Darstellung innerer Zerrissenheit durch Konflikte und \u00abSpaltungen\u00bb sowie des \u00abUnheimlichen\u00bb ausgearbeitet. Schliesslich ist die Erzeugung eines Stellvertreters \u00ab... die Technik, die jeder erfolgreiche Geschichtenerz\u00e4hler gebraucht. Die F\u00e4higkeit, die Zuh\u00f6rerschaft in solcher Weise in die Handlung einzubeziehen ist die Kunst jedes Dramatikers\u00bb (Wangh 1963, S.141; zit. nach Mertens, 2014\/Reich).\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"ilc_section_AdvancedKnowledge ilCOPageSection\">\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<p class=\"textbox__content\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Containing<\/b><\/span> bezeichnet in der Psychologie die F\u00e4higkeit von Psychotherapeuten, Projektionen von Patienten vorerst aufzunehmen, ohne die eigenen Emotionen, die durch die Projektionen ausgel\u00f6st werden, auszuagieren.<\/p>\r\n<p class=\"textbox__content\">Das Containing wird durch eine Art \u00abtr\u00e4umerisches Ahnungsverm\u00f6gen\u00bb erm\u00f6glicht, \u00e4hnlich der Gem\u00fctsverfassung einer Mutter, die die \u00c4ngste ihres Kindes zu lindern versucht, indem sie diese innerlich modifiziert und anschliessend strukturiert zur\u00fcckspiegelt. Sie \u00fcbernimmt sozusagen eine aktive \u00abVerdauungsarbeit\u00bb unertr\u00e4glicher Gef\u00fchle, anstatt lediglich als Projektionsfl\u00e4che zu dienen.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\nDie Ich-st\u00e4rkende Funktion f\u00fcr das Kind besteht dabei in zweierlei Hinsicht:\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">einerseits kann es daraufhin die modifizierten und damit aushaltbaren \u00c4ngste durch Introjektion wieder von der Mutter zur\u00fcck aufnehmen.<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">andererseits kann das Baby mit diesem Vorgang die Mutter als ein Objekt verinnerlichen, das es schafft, mit seiner Angst umzugehen. So erreicht es, durch Identifikation mit der Mutter, selbst mit solchen \u00c4ngsten fertig zu werden.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n(nach Wikipedia)\r\n\r\nDie Rollen von Mutter und Kind k\u00f6nnen sinngem\u00e4ss auch auf die Rollen von Therapeut und Patient \u00fcbertragen werden.\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3>Exkurs: Liste der Abwehrmechanismen<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Eine Liste von Abwehrmechanismen mit kurzen Definitionen (nach Comer, 2008; Zimbardo &amp; Gerrig, 2008, S. 614; Kriz, 2007). Die Liste hat keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit; je nach AutorIn gibt es mehr oder weniger Abwehrmechanismen.<\/p>\r\n\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Verdr\u00e4ngung<\/b><\/span>: Schmerzhafte oder gef\u00e4hrliche Gedanken werden aus dem Bewusstsein gedr\u00e4ngt und unbewusst gehalten; gilt als grundlegendster Abwehrmechanismus.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Verschiebung<\/b><\/span>: Entladung aufgestauter Gef\u00fchle, \u00fcblicherweise feindseliger Natur, an Objekten, die weniger gef\u00e4hrlich sind als jene, welche die Emotion urspr\u00fcnglich ausgel\u00f6st haben.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Regression<\/b><\/span>: R\u00fcckzug auf einen fr\u00fcheren Entwicklungsstand, was kindlichere Reaktionen und gew\u00f6hnlich auch niedrigere Anspr\u00fcche mit sich bringt.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Reaktionsbildung<\/b><\/span>: Vermeidung des Ausdrucks gef\u00e4hrlicher Begierden durch Unterst\u00fctzung gegenteiliger Einstellungen und Verhaltensweisen, die als \u00abBarriere\u00bb dienen.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Isolierung<\/b><\/span>: Abtrennung der emotionalen Erregung von schmerzhaften Situationen oder Abtrennung von unvereinbaren Einstellungen in logik-sichere Gefilde (die Aufrechterhaltung widerspr\u00fcchlicher Einstellungen, die nie gleichzeitig oder in Beziehung zueinander reflektiert werden).<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Ungeschehenmachen<\/b><\/span>: So tun, als ob bestimmte Gedanken, W\u00fcnsche und Handlungen nicht geschehen w\u00e4ren \u2014 oft verbunden mit Zwangshandlungen und Ritualen.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Projektion<\/b><\/span>: \u00dcbertragung der Schuld f\u00fcr die eigenen Schwierigkeiten auf andere oder die Zuschreibung der eigenen \u00abverbotenen\u00bb Begierden an andere Personen.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Rationalisierung<\/b><\/span>: Der Versuch zu beweisen, dass das eigene Verhalten rational und zu rechtfertigen ist, und dass es insofern wert ist, von einem selbst und von anderen Zustimmung zu erfahren.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Verkehrung ins Gegenteil<\/b><\/span>: Verwandlung des Zieles eines Triebes in sein Gegenteil, mit Umkehrung von Aktivit\u00e4t\/Passivit\u00e4t.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Sublimierung<\/b><\/span>: Befriedigung oder Abarbeitung frustrierter sexueller Begierden in nicht-sexuellen Ersatzhandlungen, die in der eigenen Kultur sozial akzeptiert sind.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Identifikation<\/b><\/span>: Erh\u00f6hung des eigenen Selbstwertgef\u00fchls durch Identifikation mit einer anderen Person oder Institution, die oft eine herausragende Stellung innehat (Verringerung der Angst durch Identifikation mit dem Aggressor).<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Wendung gegen die eigene Person<\/b><\/span>: Ersetzung eines fremden Objektes durch die eigenen Person (z.B. Aggression gegen sich selbst).<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Phantasien<\/b><\/span>: Befriedigung frustrierter Begierden durch imagin\u00e4re Erf\u00fcllung (\u00abTagtr\u00e4umen\u00bb ist eine verbreitete Form).<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Realit\u00e4tsverleugung<\/b><\/span>: Schutz vor der unangenehmen Realit\u00e4t durch die Weigerung, sie wahrzunehmen.<\/p>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h3>Abwehrmechanismen mit Beispielen<\/h3>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Um die <b>Verdr\u00e4ngung<\/b> kreist die gesamte psychoanalytische Therapie. Alle anderen Abwehrmechanismen gehen aus ihr hervor. Die verdr\u00e4ngende Person vermeidet Angst, indem sie es schmerzlichen oder gef\u00e4hrlichen Gedanken einfach verwehrt, ins Bewusstsein zu dringen. Wenn die Gedanken einmal verdr\u00e4ngt worden sind, k\u00f6nnen andere Abwehrmechanismen sie weiter isolieren.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Ein Manager verweigert seinem Wunsch, bei einer Vorstandssitzung Amok zu laufen und seine Chefs und Kollegen umzubringen, den Zugang zum Bewusstsein.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><b>Verleugnung<\/b> ist eine extreme Form von Selbstschutz. Eine Person, die die Realit\u00e4t leugnet, weigert sich einfach, die Existenz einer \u00e4usseren Angstquelle anzuerkennen.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Sie haben morgen eine Abschlusspr\u00fcfung in klinischer Psychologie und sind v\u00f6llig unvorbereitet, doch Sie sagen sich, dass es im Grunde keine wichtige Pr\u00fcfung sei und dass es keinen Grund gebe, heute Abend nicht ins Kino zu gehen.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Eine <b>Reaktionsbildung<\/b> ist ein Verhalten, das genau das Gegenteil von Impulsen darstellt, die man nicht auszudr\u00fccken oder nicht einmal zu erkennen wagt.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Ein Mann hat homosexuelle Neigungen und reagiert darauf, indem er seinen Kollegen gegen\u00fcber einen strikt antihomosexuellen Standpunkt vertritt.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Die <b>Verschiebung<\/b> ist wie die Projektion eine \u00dcbertragung verdr\u00e4ngter W\u00fcnsche und Impulse. In diesem Fall verschiebt man seine Feindseligkeit von einem gef\u00e4hrlichen Objekt auf einen sichereren Ersatz.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Der Student, dem der Parkplatz weggenommen wurde, l\u00e4sst seine angestaute Wut zu Hause heraus, indem er einen Streit mit seiner Freundin vom Zaun bricht.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Durch <b>Isolierung<\/b> verdr\u00e4ngt man die emotionale Komponente einer Reaktion und nimmt Zuflucht zu einem dezidiert logischen Umgang mit dem jeweiligen Problem. Eine derartige Einstellung verk\u00f6rpert exemplarisch Mr. Spock aus der Fernsehserie Raumschiff Enterprise, der \u00fcberzeugt ist, dass emotionale Reaktionen die Analyse eines Ereignisses behindern.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Eine Frau, die vergewaltigt wurde, beschreibt die Auswirkungen, die eine solche Tortur bekanntlich auf das Opfer hat, distanziert und methodisch.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><b>Ungeschehenmachen<\/b> ist, wie der Name schon sagt, ein Versuch, f\u00fcr unannehmbare W\u00fcnsche oder Handlungen zu s\u00fchnen, h\u00e4ufig durch ritualisiertes Verhalten.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Eine Frau, die Mordgedanken gegen ihren Mann hegt, staubt bei jedem Auftreten dieser W\u00fcnsche zeremoniell ihr Hochzeitsphoto ab und r\u00fcckt es zurecht.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Als <b>Regression<\/b> bezeichnet man den R\u00fcckzug vor einem angsterzeugenden Konflikt auf eine Entwicklungsstufe, auf der keine Anspr\u00fcche an reifes und verantwortliches Handeln gestellt werden.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel<\/strong>: Ein Junge, der mit der Wut, die er seiner gef\u00fchllosen und abweisenden Mutter gegen\u00fcber empfindet, nicht fertig wird, verh\u00e4lt sich wieder wie ein S\u00e4ugling, sorgt zum Beispiel nicht mehr f\u00fcr die Erf\u00fcllung seiner Grundbed\u00fcrfnisse und beschmutzt wieder seine Kleidung.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><b>Identifikation<\/b> ist das Gegenteil von Projektion. Statt einen Aspekt der eigenen Gedanken oder Gef\u00fchle einem anderen zu unterstellen, versucht man, sein Selbstwertgef\u00fchl zu steigern, indem man die Werte und Gef\u00fchle der Person \u00fcbernimmt, die die Angst verursacht.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> In den Konzentrationslagern im Zweiten Weltkrieg \u00fcbernahmen manche H\u00e4ftlinge das Verhalten und die Einstellungen ihrer Unterdr\u00fccker, sogar bis zum Schaden ihrer Leidensgenossen. Durch Identifikation mit ihren Kerkermeistern (Identifikation mit dem Aggressor) versuchten diese Gefangenen, ihre eigene Angst zu verringern.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Bei der <b>Sublimierung<\/b> wird sexuelle und aggressive Energie in einer Form ausgedr\u00fcckt, die f\u00fcr die Gesellschaft akzeptabel ist. Dieser Abwehrmechanismus ist insofern einzigartig, als er sehr konstruktiv ist und f\u00fcr das Individuum und die Gemeinschaft n\u00fctzlich sein kann. F\u00fcr Freud stellte die Liebe Sublimierung in ihrer besten Form dar: Sie gestattet \u00a0den Ausdruck und die Befriedigung sexueller Energie in einer gesellschaftlich annehmbaren Weise.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\r\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Die H\u00f6chstleistungen mancher Menschen in unserer Gesellschaft \u2014 Athleten, K\u00fcnstler und anderer hochmotivierter und -qualifizierter Menschen \u2014 kann man sich damit erkl\u00e4ren, dass sie andere Energien auf ihre Arbeit umlenken.<\/div>\r\n<\/div>\r\nalle Beispiele aus Comer (2008, S. 42\/43).\r\n\r\n<\/div>\r\n<div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h3>\r\n<ul>\r\n \t<li>Freud, A. (1964). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Das Ich und die Abwehrmechanismen<\/i><\/span> (7. Aufl.). M\u00fcnchen: Kindler.<\/li>\r\n \t<li>Mertens, W. (Hrsg.). (2014). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe<\/i><\/span> (4., \u00fcberarb. und erweiterte Auflage). Stuttgart: Kohlhammer. &gt; Darin die Beitr\u00e4ge <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abwehr<\/i> <\/span>(K\u00fcchenhoff) und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abwehrmechanismen<\/i> <\/span>(Ehlers).<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Widerstand<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Da unbewusste Inhalte zun\u00e4chst einmal als bedrohlich, peinlich oder schmerzhaft empfunden werden, setzt das Unbewusste des Patienten dem Aufdecken dieser Inhalte einen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Widerstand<\/i><\/span> entgegen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-16.png\"><img class=\"alignright wp-image-543 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-16.png\" alt=\"Foto einer Frau, die abwehrend ihre Hand der Kamera entgegenstreckt.\" width=\"123\" height=\"140\" \/><\/a>Trotz akzeptierter Grundregel und dem Wunsch nach Hilfe muss der Patient der Aufdeckungsarbeit des Therapeuten Widerst\u00e4nde entgegensetzen, weil die Symptombildung letztlich ein Kompromiss zwischen dem Konflikt und der Abwehrorganisation ist. Deshalb ist die Aufdeckung des Unbewussten, und damit eine Wiederbelebung des Konfliktes, eine schmerzliche Angelegenheit und bedeutet einen zeitweiligen Verlust der Stabilit\u00e4t des Gesamtsystems. Trotz des unbefriedigenden Ergebnisses \u2014 unter dem der Patient ja letztlich leidet \u2014 hatte die Symptombildung ja zu einem gewissen Gleichgewicht gef\u00fchrt (Kriz, 2007).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Funktion des Widerstands<\/i>: <\/span>Der Widerstand in der Therapie hat den Zweck, das Bewusstwerden verdr\u00e4ngter Konflikte zu vermeiden. Dabei zeigt die Widerstandsdynamik \u00fcblicherweise jene charakteristischen Muster, welche die allgemeine Abwehrorganisation des Patienten kennzeichnen (Kriz, 2007).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Schweigen<\/i> <\/span>und das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ausbleiben von Einf\u00e4llen<\/i><\/span> kann auf Widerst\u00e4nden beruhen, ebenso Hemmungen, bestimmte Erlebnisse mitzuteilen, \u00fcbergef\u00fcgiges Assoziieren, rasche Symptomheilungen, Agieren, und vieles andere. Im Grunde kann jedes Verhalten ein Widerstand gegen die Psychoanalyse sein und dazu dienen, sich einer tieferen Einsicht, einem verdr\u00e4ngten Affekt oder einer Erinnerung, dem Durcharbeiten oder der Ver\u00e4nderung zu entziehen. Widerst\u00e4nde zu analysieren bedeutet, sie auf ihre unbewussten Wurzeln zur\u00fcckzuf\u00fchren, das heisst, diese schrittweise aufzudecken und zu deuten. Dabei zeigt sich, dass die h\u00e4ufigste Quelle der Widerst\u00e4nde die \u00dcbertragung ist (Freud, 1912), so dass die Analyse der sogenannten \u00dcbertragungswiderst\u00e4nde ein zentrales Element der psychoanalytischen Technik ist (Boothe et al., 2013).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Der Widerstand (Psychoanalyse)<\/h3>\r\nIm folgenden Video beschreibt die Psychoanalytikerin Vera Luif das psychoanalytische Konzept des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Widerstands<\/i><\/span>.\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/13_Widerstand640.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/13_Widerstand640.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">\u00dcbertragung und Gegen\u00fcbertragung<\/h2>\r\n[caption id=\"attachment_544\" align=\"alignright\" width=\"236\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-17.png\"><img class=\"wp-image-544 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-17.png\" alt=\"Die Abbildung in vier Teilen zeigt die \u00dcbertragung einer zornigen Reaktion vom Chef auf den Angestellten, weiter zur Frau des Angestellten, zum Kind und schliesslich zur Katze.\" width=\"236\" height=\"236\" \/><\/a> (c) Richard Sargent[\/caption]\r\n\r\nDer Begriff der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcbertragung<\/i><\/span> bezeichnet den Vorgang, dass ein Mensch alte \u2014 oftmals verdr\u00e4ngte \u2014 Gef\u00fchle, Affekte, Erwartungen (insbesondere Rollenerwartungen), W\u00fcnsche und Bef\u00fcrchtungen aus der Kindheit unbewusst auf neue soziale Beziehungen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00fcbertr\u00e4gt<\/i><\/span> und reaktiviert. Urspr\u00fcnglich k\u00f6nnen diese Gef\u00fchle auf die Eltern oder Geschwister bezogen gewesen sein, bleiben aber auch nach der Abl\u00f6sung aus dem Elternhaus in der Psyche pr\u00e4sent und wirken dort weiter. Dieser Vorgang ist zun\u00e4chst normal und weit verbreitet, kann aber, wenn die \u00fcbertragenen Gef\u00fchle sich gegen\u00fcber tats\u00e4chlichen gegenw\u00e4rtigen Beziehungen als nicht angemessen erweisen, zu erheblichen Problemen und Spannungen f\u00fchren.\r\n\r\nAls <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gegen\u00fcbertragung<\/i><\/span> bezeichnet man eine Form der \u00dcbertragung, bei der ein Therapeut auf den Patienten (bzw. auf dessen Handlungen und \u00c4usserungen) reagiert und seinerseits seine eigenen Gef\u00fchle, Vorurteile, Erwartungen und W\u00fcnsche auf diesen richtet. Der Therapeut verl\u00e4sst hierbei aus verschiedenen Motiven seine neutrale Position. Daher galt die Gegen\u00fcbertragung in den Anf\u00e4ngen der Psychoanalyse als st\u00f6render Einfluss, den der Therapeut sich bewusst machen muss, und der beseitigt werden muss. Die moderne Psychoanalyse sieht die Gef\u00fchle des Therapeuten gegen\u00fcber dem Patienten eher als eine Art \u00abResonanzboden\u00bb, durch den er Informationen \u00fcber den Patienten gewinnt\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">\u00dcbertragung<\/h3>\r\n[caption id=\"attachment_545\" align=\"alignright\" width=\"295\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-18.png\"><img class=\"wp-image-545 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-18.png\" alt=\"Foto eines m\u00e4nnlichen Kopfes mit ausgeschnittenem Gesicht, d.h. ohne Gesicht.\" width=\"295\" height=\"163\" \/><\/a> (c) psychologytoday.com[\/caption]\r\n\r\nAls st\u00e4rksten Widerstand hatte Freud urspr\u00fcnglich die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcbertragung<\/i><\/span> bezeichnet. Damit werden Gef\u00fchle des Patienten dem Analytiker gegen\u00fcber gekennzeichnet, die nicht in der realen Situation begr\u00fcndet sind, sondern von fr\u00fcheren Beziehungen stammen und nun in der therapeutischen Situation neu belebt werden (Kriz, 2007).\r\n\r\nEs geht nach Freud vor allem darum, l\u00e4ngst vergangene Beziehungserfahrungen in der Gegenwart neu zu beleben, so die damit verbundenen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Affekte<\/i> <\/span>neu zu erleben und dem Bewusstsein zug\u00e4nglich zu machen, und damit auch der therapeutischen Beeinflussung.\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\n<strong>Exkurs:<\/strong>\r\n\r\nOriginaltext Freud zur \u00dcbertragung (Freud, 1905e, zit. nach Thom\u00e4 &amp; K\u00e4chele, 2006, S. 64):\r\n<div>Es sind Neuauflagen, Nachbildungen von den Regungen und Phantasien, die w\u00e4hrend des Vordringens der Analyse erweckt und bewusst gemacht werden sollen, mit einer f\u00fcr die Gattung charakteristischen Ersetzung einer fr\u00fcheren Person durch die Person des Arztes. Um es anders zu sagen: Eine ganze Reihe fr\u00fcherer psychischer Erlebnisse wird nicht als vergangen, sondern als aktuelle Beziehung zur Person des Arztes wieder lebendig. Es gibt solche \u00dcbertragungen, die sich im Inhalt von ihrem Vorbilde in gar nichts bis auf die Ersetzung unterscheiden. Das sind also, um in dem Gleichnisse zu bleiben, einfache Neudrucke, unver\u00e4nderte Neuauflagen. Andere sind kunstvoller gemacht, indem sie sich an irgendeine geschickt verwertete reale Besonderheit an der Person oder in den Verh\u00e4ltnissen des Arztes anlehnen. Das sind also Neubearbeitungen, nicht mehr Neudrucke.<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\nDurch das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ausagieren verdr\u00e4ngter Konflikte<\/i><\/span> in der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcbertragung<\/i> <\/span>wird die Beziehung von allgemeinen Handlungs-, Erlebens- und Wahrnehmungsmustern und den Widerst\u00e4nden in der Therapiesituation deutlich. Daher kam Freud bald zur Einsicht, dass die \u00dcbertragung als wichtigstes Hilfsmittel angesehen werden kann, um Aufschluss \u00fcber das Verdr\u00e4ngte zu erhalten. Denn der Patient agiert praktisch ein St\u00fcck seiner Lebensgeschichte aus, zu dem er sonst schwer Zugang h\u00e4tte. Ausserhalb der \u00dcbertragung allerdings ist Agieren statt Erinnern h\u00f6chst unerw\u00fcnscht \u2014 der Therapeut muss diesem Wiederholungszwang entgegenwirken (Kriz, 2007).\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Die \u00dcbertragung (Psychoanalyse)<\/h3>\r\nIm folgenden Video beschreibt die Psychoanalytikerin Vera Luif den Begriff der \u00dcbertragung.\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/14_Uebertragung640.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/14_Uebertragung640.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Gegen\u00fcbertragung<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gegen\u00fcbertragung<\/i> <\/span>ist als die nicht-neurotische <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Reaktion des Analytikers<\/i><\/span> auf die \u00dcbertragung seiner Patienten definiert. Somit ist die Gegen\u00fcbertragung komplement\u00e4r zur \u00dcbertragung zu sehen und bedeutet praktisch, dass der Therapeut die Gef\u00fchle aufgreift, mit denen er auf die \u00dcbertragung reagiert, d.h. die der Patient quasi in ihm erzeugt. Auch diese Gef\u00fchle k\u00f6nnen nun analysiert und damit die Gegen\u00fcbertragung als therapeutisches Instrument genutzt werden (Kriz, 2007).<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_546\" align=\"alignright\" width=\"360\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-19.png\"><img class=\"wp-image-546 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-19.png\" alt=\"Cartoon about childhood\" width=\"360\" height=\"120\" \/><\/a> (c) www.pixton.com[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Gegen\u00fcbertragung <i>bewirkt<\/i> unbewusste Prozesse, die sich in Phantasien, Stimmungen, Impulsen, Verhaltensweisen oder Einstellungen \u00e4ussern. Die Gegen\u00fcbertragung verl\u00e4uft entweder analog zu den \u00dcbertragungen und stellt somit einen indirekten Indikator f\u00fcr den Inhalt der \u00dcbertragungen dar, oder sie l\u00f6st eine defensive Reaktion im Analytiker aus, welche ihn die Wahrnehmung der Gegen\u00fcbertragung abwehren l\u00e4sst (Boothe et al., 2013).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\n<b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Historischer Hintergrund<\/span>:<\/b>\r\n\r\nDer Begriff der Gegen\u00fcbertragung wurde von Freud erstmals im Jahre 1910 erw\u00e4hnt. Er definierte ihn als den \u00abEinfluss des Patienten auf das unbewusste F\u00fchlen des Arztes\u00bb (Freud 1910; zit. nach Mertens, 2002) und beurteilte die Gegen\u00fcbertragung als ein Ph\u00e4nomen, das die Therapie behindert, aber unumg\u00e4nglich mit der \u00dcbertragung zusammenh\u00e4ngt. Anders als bei der \u00dcbertragung, deren Nutzen oder gar zentrale Rolle f\u00fcr die Analyse Freud sp\u00e4ter anerkannte, fand die Gegen\u00fcbertragung keine vergleichbare W\u00fcrdigung in seinen Werken. Isoliert betrachtet schien die Gegen\u00fcbertragung die psychoanalytische Arbeit zu hindern und wurde als neurotisches Verhalten des Analytikers gesehen, welches ihn an seine Grenzen stossen liess (Boothe et al., 2013).\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h3>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\nGerspach (2009, S. 90) zur Gegen\u00fcbertragung:\r\n\r\nF\u00fcr den Umgang mit der Gegen\u00fcbertragung ist mittlerweile das Konzept einer nicht-pathologischen Form der projektiven Identifizierung massgeblich. Dieser Begriff markiert noch einmal sehr gut die Dynamik des unbewussten Beziehungsgeschehens. In diesem Konzept, welches auf Melanie Klein zur\u00fcckgeht, verbinden sich der innere mit dem \u00e4usseren Bereich (vgl. Stemmer-L\u00fcck 2004, S. 101ff.):\r\n<ol>\r\n \t<li>Unerw\u00fcnschte Selbstanteile werden in eine andere Person projiziert.<\/li>\r\n \t<li>\u00dcber die konkrete Interaktion wird Druck auf diese Person ausge\u00fcbt, so zu f\u00fchlen und zu handeln, wie es der Projektion entspricht.<\/li>\r\n \t<li>Die projizierten Phantasien und Gef\u00fchle werden durch die andere Person gehalten und verarbeitet, was zu einer Reintrojektion in modifizierter Form f\u00fchrt.<\/li>\r\n<\/ol>\r\nGerspach (2009, S. 90) zur projektiven Identifikation:\r\n\r\nDie Verarbeitung der projektiven Identifikation beinhaltet einen Vorgang, durch den ein psychologischer dialektischer Prozess wiederhergestellt wird, in dem der induzierte Gef\u00fchlszustand erfahren, gedanklich nachvollzogen und durch das interpretierende Subjekt verstanden werden kann. Die Gegen\u00fcbertragung wird also als Manifestation dessen betrachtet, was im Analysanden nicht verarbeitet werden kann [...]. \u00c4hnlich der Mutter erh\u00e4lt er dadurch eine Container-Funktion (vgl. Bion 1992). Im Bionschen Modell vom Container-Contained bedeutet Containing, dass sich die Mutter zur Verf\u00fcgung stellt, um \u00aballe die noch nicht bewussten und (noch) unintegrierbaren Affekte und Empfindungen des S\u00e4uglings (zum Beispiel Wut und Angst) eine Zeitlang in sich zu bewahren, in sich stellvertretend zu verarbeiten, um so das Kind vor einem \u00dcberflutetwerden von seinen Affekten zu sch\u00fctzen und ihm ein Gef\u00fchl der Kontinuit\u00e4t seiner Existenz in Beziehung zu seiner Umwelt zu erm\u00f6glichen\u00bb (vgl. Trescher, Finger-Trescher 1992, 94).\r\n\r\nvgl. das Kapitel zum Abwehrmechanismus der \u00abProjektiven Identifizierung\u00bb.\r\n\r\nGerspach, M. (2009). <i>Psychoanalytische Heilp\u00e4dagogik. Ein systematischer \u00dcberblick.<\/i> Stuttgart: Kohlhammer.\r\n\r\n--&gt;Darin Kapitel 2.5, <i>\u00dcbertragung und Gegen\u00fcbertragung<\/i>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Agieren<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Mit <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Agieren<\/i> <\/span>wird in der Psychoanalyse ein Verhalten oder Handeln bezeichnet, das Kindheitserfahrungen wiederholt, ohne dass dies dem Subjekt bewusst ist. Agieren steht f\u00fcr <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Handlungen<\/i><\/span>, die der Patient an Stelle von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erinnerungen<\/i> <\/span>produziert (Mertens, 2014, S. 51\/Kl\u00fcwer).<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_548\" align=\"alignright\" width=\"201\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-20.png\"><img class=\"wp-image-548 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-20.png\" alt=\"Foto einer Frau, die eine Frau, die aus einer grossen Glac\u00e9packung isst.\" width=\"201\" height=\"261\" \/><\/a> (c) heartanddesign.blogspot.com[\/caption]\r\n\r\nFreud beschrieb Agieren erstmals 1905, nachdem er das Ph\u00e4nomen im Zusammenhang mit der Ubertragung seiner Patientin <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Dora<\/i> <\/span>entdeckt hatte. Er setzte Agieren zu <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcbertragung<\/i> <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Widerstand<\/i> <\/span>in Beziehung und sah es als einen Ersatz f\u00fcr <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erinnern<\/i><\/span>. Dora agierte ihre Erinnerungen, anstatt sie \u00abin der Kur zu reproduzieren\u00bb.\r\n<h3>Im Originaltext Freuds:<\/h3>\r\nZ.B. der Analysierte erz\u00e4hlt nicht, er erinnere, da\u00df er trotzig und ungl\u00e4ubig gegen die Autorit\u00e4t der Eltern gewesen sei, sondern er benimmt sich solcherweise gegen den Arzt. Er erinnert nicht, da\u00df er in seiner infantilen Sexualforschung rat- und hilflos steckengeblieben ist, sondern bringt einen Haufen verworrener Tr\u00e4ume und Einf\u00e4lle vor, jammert, da\u00df ihm nichts gelinge, und stellt es als sein Schicksal hin, niemals eine Unternehmung zu Ende zu f\u00fchren . . . Je gr\u00f6sser der Widerstand ist, desto ausgiebiger wird das Erinnern durch das Agieren (Wiederholen) ersetzt sein (Freud, 1914g, S. 129\/30, zit. nach Mertens, 2014, S. 51).\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\n<strong><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Wichtig f\u00fcr die Heilp\u00e4dagogik<\/span><\/strong>\r\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Entwicklungspsychologische Konzeptualisierungen machten deutlich, dass es zu einfach ist, das Agieren lediglich als Widerstand gegen das Erinnern peinlicher Vorstellungen zu betrachten. Die Einschr\u00e4nkung dieses Konzepts auf die Wiederholung von Phantasien aus dem Umkreis des sprachlich organisierten Erlebens wurde aufgehoben und auf Erlebnisse aus <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">pr\u00e4verbaler Zeit<\/span> ausgedehnt. Damit wurde auch anerkannt, da\u00df das Agieren f\u00fcr einen Analysanden oftmals die einzige M\u00f6glichkeit darstellt, Erlebnisse aus der pr\u00e4verbalen Zeit wiederzuerleben. Zu dieser handlungsm\u00e4ssigen Inszenierung in der \u00dcbertragung k\u00f6nnen z.B. fr\u00fche Introjektionen von Stimmungs- und Affektvariablen des sensomotorisch und affektiv erfahrenen Dialogs mit der Mutter geh\u00f6ren. Die abwertende Einsch\u00e4tzung, die das Agieren, vor allem mit den Vorg\u00e4ngen des Agierens au\u00dferhalb der \u00dcbertragung, erfahren hatte, wich so einem angemessenen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr sprachlos gebliebene, fr\u00fch erlittene Traumatisierungen, die sich nur handlungsm\u00e4ssig inszenieren k\u00f6nnen. (Mertens, 1992, S. 17)<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Bindung<\/h2>\r\n[caption id=\"attachment_549\" align=\"alignright\" width=\"275\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-21.png\"><img class=\"wp-image-549 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-21.png\" alt=\"Foto einer Babyhand, die die Hand eines Erwachsenen h\u00e4lt.\" width=\"275\" height=\"274\" \/><\/a> (c) Institut f\u00fcr Psychologie, Universit\u00e4t Innsbruck[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als Grundbegriff der Psychoanalyse bezieht sich <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bindung<\/i> <\/span>prim\u00e4r auf die Theorie von John Bowlby, welche die Bildung einer engen emotionalen Beziehung als universelles, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>prim\u00e4res<\/i> <i>menschliches Bed\u00fcrfnis<\/i><\/span> versteht. Wichtig ist dabei die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>affektive Verbindung<\/i><\/span>, die sich zuerst zwischen dem S\u00e4ugling und dessen prim\u00e4rer Bezugsperson entwickelt. Bindung wird verstanden als das Resultat von Verhalten, das die Herstellung von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>N\u00e4he<\/i> <\/span>zum Ziel hat (Mertens, 2014, S. 129\/Strauss).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Dieses Verhaltenssystem wird aktiviert, wenn das Kind sich in Gefahr sieht oder die Bindungsperson nicht mehr in erreichbarer N\u00e4he ist. Dann werden andere Verhaltenssysteme deaktiviert und das kindliche Verhalten konzentriert sich darauf, N\u00e4he wiederherzustellen bzw. zu erhalten. Wenn sich das Kind in Sicherheit f\u00fchlt, wird das System ausgeschaltet und das Kind befasst sich sorglos mit anderen Aktivit\u00e4ten (Mertens, 2014, S. 129\/Strauss).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Bindung <\/span>ist Ausdruck (eines emotionalen Kerns) gef\u00fchlter Sicherheit und wahrgenommenen Schutzes vor Gefahr in Gegenwart einer Bindungsperson (Mertens, 2014. S.129\/Strauss).<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Bindungstheorie<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bindungstheorie<\/i> <\/span>entstand aus Bowlbys Bem\u00fchungen um ein Modell, welches die Urspr\u00fcnge psychischer St\u00f6rungen von Kindern und Erwachsenen erkl\u00e4ren konnte, und so wurden Untersuchungen zum Einfluss der fr\u00fchen Umwelt auf die Entwicklung von Neurosen durchgef\u00fchrt. Auch zeigte sich, dass Kinder, die von ihren Eltern getrennt wurden, emotional heftig reagierten \u2014 von trennungsbedingter Angst bis hin zur Depression \u2014 und sich schliesslich emotional zur\u00fcckzogen (Mertens, 2014\/Strauss).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\n<b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Drei Postulate der Bindungstheorie<\/span>:<\/b>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Wenn ein Individuum darauf vertraut, dass eine Bindungsfigur verf\u00fcgbar ist, wann immer es das w\u00fcnscht, dann neigt dieses Individuum weniger zu intensiver oder chronischer Furcht als eine andere Person, die dieses Vertrauen aus irgendwelchen Gr\u00fcnden nicht besitzt.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die zweite Behauptung betrifft die sensitive Periode, in der sich dieses Vertrauen entwickelt und lautet: Vertrauen in die Verf\u00fcgbarkeit einer Bindungsperson oder Fehlen desselben entwickelt sich nach und nach in den Jahren der Unreife \u2014 Kleinkindzeit, Kindheit und Jugend \u2014, und was immer sich an Erwartungen in diesen Jahren entwickelt, bleibt f\u00fcr den Rest des Lebens relativ unver\u00e4ndert bestehen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die dritte These bezieht sich auf die Rolle tats\u00e4chlicher Erfahrung; sie lautet: Die mannigfaltigen Erwartungen in Bezug auf die Zug\u00e4nglichkeit und Reaktionsbereitschaft von Bindungsfiguren, die unterschiedliche Individuen in den Jahren der Unreife entwickeln, sind ziemlich genaue Reflexionen der Erfahrungen, die diese Individuen tats\u00e4chlich bereits gemacht haben.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">(Bowlby 1973, S. 246, zit. nach Mertens, 2014, S.130\/Strauss)<\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Bowlby war Psychiater und Psychoanalytiker. Mangels prospektiver Untersuchungsans\u00e4tze und theoriegeleiteter Empirie arbeitete Bowlby auch mit Konzepten der Verhaltensforschung und der Systemtheorie. Trotz ihrer Ausrichtung auf die Diagnostik und Behandlung emotional gest\u00f6rter Patienten und Familien stiess die Bindungstheorie zuerst in der Entwicklungspsychologie auf Interesse und wurde erst in den letzten Jahren im klinischen Bereich und in der Psychotherapieforschung beachtet (Mertens, 2014\/Strauss).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Bindungsforschung<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Ergebnisse der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bindungsforschung<\/i> <\/span>sind f\u00fcr die Heilp\u00e4dagogik von von grosser Relevanz. Dort wird seit den Arbeiten von John Bowlby das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Interaktionsverhalten zwischen Kind und Mutter<\/i><\/span> (in seiner Auswirkung auf die Ausbildung der inneren Repr\u00e4sentanzen beim Kind) untersucht, um festzustellen, was sich davon in seinem sp\u00e4teren Bindungs- und Sozialverhalten zeigen wird. Das Verhalten der Mutter ist seinerseits immer von den eigenen fr\u00fcheren Erfahrungen und den damit verkn\u00fcpften Erwartungen, Phantasien und \u00c4ngsten abh\u00e4ngig. F\u00fcr die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bindungsqualit\u00e4t<\/i> <\/span>ist das Bindungsverhalten der m\u00fctterlichen Bezugsperson bedeutsam. Bedingung f\u00fcr eine gute Bindungsqualit\u00e4t ist die kontinuierliche Verf\u00fcgbarkeit der Bezugsperson. Ausserdem ist wichtig, wie die Mutter die Signale des Kindes beantwortet: feinf\u00fchlig, einf\u00fchlsam oder uneinf\u00fchlsam (Gerspach, 2009, S. 74). Vgl. Exkurs unten.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_552\" align=\"alignright\" width=\"200\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-22.png\"><img class=\"wp-image-552 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-22.png\" alt=\"Foto mit Mutter und Kind.\" width=\"200\" height=\"122\" \/><\/a> (c) www.knetfeder.de[\/caption]\r\n\r\n<i>Mary Ainsworth<\/i> und ihre Mitarbeiter\/innen haben mit dem sogenannten <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Fremde-Situation-Test<\/i><\/span>, bei dem die Kinder kurzzeitig von ihrer Mutter getrennt werden und sich einem unbekannten Menschen gegen\u00fcber sehen, ein einfaches Beobachtungsverfahren entwickelt, mit dem die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bindungsqualit\u00e4t<\/i> <\/span>bei Kindern im Alter von 1\u20142 Jahren gemessen werden kann. Ihre Systematik einer Einteilung in drei Basisgruppen unterscheidet die folgenden Typen:\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Sicher gebundene Kinder<\/b><\/span> - Sie sind beunruhigt und zeigen Trennungsschmerz. Nach der R\u00fcckkehr der Mutter wenden sie sich ihr zu und k\u00f6nnen sich den n\u00f6tigen Trost holen (Typ B).<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Unsicher-vermeidend gebundene Kinder<\/span> <\/b>\u2013 diese scheinen von der Trennung wenig beeindruckt zu sein, vermeiden bei R\u00fcckkehr der Mutter N\u00e4he und Kontakt zu ihr und unterdr\u00fccken Bindungsgef\u00fchle. Einer fremden Person gegen\u00fcber verhalten sie sich nicht anders als gegen\u00fcber der Mutter (Typ A).<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Unsicher-ambivalent gebundene Kinder<\/b><\/span> \u2013 Sie wirken durch die Trennung enorm beunruhigt und ver\u00e4ngstigt, lassen sich jedoch nach R\u00fcckkehr der Mutter nur langsam beruhigen und sind nicht in der Lage, aus der N\u00e4he zu ihr Sicherheit zu sch\u00f6pfen. Sie wechseln dabei zwischen Suche nach N\u00e4he und aggressiver Ablehnung des Kontakts (Typ C).<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Sp\u00e4ter wurde eine weitere Gruppe hinzugef\u00fcgt, n\u00e4mlich die <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><strong>desorientiert\/desorganisierten<\/strong> Kinder<\/span> \u2013 sie zeigen ungerichtete Reaktionen, einen Mangel an Strategie und k\u00f6nnen die Mutter nicht als sichere Basis nutzen (Typ D).<\/p>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\nDie resonante, emotionale Reaktion der Bezugsperson kann als wichtiges <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Einstimmen <\/span>(<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">attunement<\/span>) erachtet werden, das dem Kind die so dringend ben\u00f6tigte Sicherheit gew\u00e4hrt:\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Fehlen die F\u00e4higkeiten zum <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">attunement<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">containing <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">holding <\/span>(. . .) ist auch das Kind nicht in der Lage, durch Identifikation mit dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">gen\u00fcgend guten Objekt<\/span> (. . .) eine eigene innere Impuls- und Affektregulierung zu entwickeln (vgl. Leuzinger-Bohleber u. a. 2008, S. 627; zit. nach Gerspach, 2009, S. 74).<\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Bindung, reflexive Funktionen und Mentalisierung<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Strauss (2014, in Mertens, 2014) zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Mentalisierungsf\u00e4higkeit<\/i><\/span>:<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Sicher <i>gebundene Kinder<\/i><\/span> entwickeln eigene Kompetenz und haben gute Voraussetzungen, Belastungen zu bew\u00e4ltigen, innerhalb von Beziehungen zu kommunizieren und Vertrauen zu entwickeln in die Verf\u00fcgbarkeit anderer Personen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Es spricht vieles daf\u00fcr, dass ein autonomes Selbstgef\u00fchl sich zun\u00e4chst nur aus einer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sicheren Eltern-Kind-Beziehung<\/i><\/span> heraus entwickeln kann. Tats\u00e4chlich zeigen L\u00e4ngsschnittuntersuchungen von Bindungsqualit\u00e4ten aus dem Bereich der Entwicklungspsychologie eine erstaunlich hohe Stabilit\u00e4t, zumindest bis ins fr\u00fche Jugendalter. Zum Verst\u00e4ndnis der klinischen Bedeutung der Bindungstheorie sind Befunde wichtig, die zeigen, dass Bindungsmuster generationen\u00fcbergreifend bestehen. Es wurde in mehreren Untersuchungen gezeigt, dass eine hohe Konkordanz zwischen der Bindungsorganisation von M\u00fcttern und dem Bindungsverhalten von Kleinkindern besteht.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die moderne Bindungsforschung begreift die Entwicklung einer sicheren Bindung als Grundlage f\u00fcr die Differenzierung der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Reflexionsfunktionen<\/i> <\/span>bzw. der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Mentalisierungsf\u00e4higkeit<\/i><\/span>, die wiederum die Entwicklung des Selbst und der Affektregulierung beeinflusst, und die F\u00e4higkeit \"psychologisch zu interpretieren\" (vgl. hierzu Fonagy, Gergely, Jurist und Target 2004) (Mertens, 2014, S. 131\/Strauss). Siehe auch Gerspach (2009, S. 74-77) und das folgende Kapitel zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Mentalisierung<\/span>.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h3>\r\n<div class=\"ilc_page_cont_PageContainer\">\r\n<ul>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Fonagy, P., Gergely, G., Jurist, E. L. &amp; Target, M. (2004). <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst<\/span>.<\/i> Stuttgart: Klett-Cotta.<\/li>\r\n \t<li>Gerspach, M. (2009). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Psychoanalytische Heilp\u00e4dagogik.<\/i> Ein systematischer \u00dcberblick<\/span> (Heil- und Sonderp\u00e4dagogik). Stuttgart: Kohlhammer. Darin besonders Teile des Kapitels 2.3 \"Die Ber\u00fccksichtigung zentraler Erkenntnisse der Psychoanalyse\", S. 74 - 77.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Mentalisierung<\/h2>\r\n[caption id=\"attachment_553\" align=\"alignright\" width=\"300\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-23.png\"><img class=\"wp-image-553 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-23.png\" alt=\"Mehrere Fotos mit Gesichtern von Statuen und realen Gesichtern, ineinander \u00fcbergehend\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a> (c) mentalisierung.net[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Mentalisierung<\/i><\/span>oder<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>reflexive Funktion<\/i><\/span>ist eine kognitive Leistung und beschreibt die F\u00e4higkeit, Mitmenschen in Bezug auf ihre mentalen Aktivit\u00e4ten, wie W\u00fcnsche, Hoffnungen, Vermutungen oder Absichten einzusch\u00e4tzen und gleichzeitig \u00fcber das eigene Denken nachzudenken. Mentalisierung und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>reflexive Kompetenz<\/i><\/span> dienen der Selbstorganisation sowie der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Impulskontrolle<\/i><\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Affektregulation<\/i><\/span>, und sie stehen im Zusammenhang mit seelischer Gesundheit. So ist die Beeintr\u00e4chtigung der Reflexionsf\u00e4higkeit bei psychischen Erkrankungen oder bei misshandelten Kindern nachgewiesen. Die Entwicklung der Mentalisierung ist ein interaktiver Prozess, in dem der affektive Austausch mit den Objekten der fr\u00fchen Kindheit eine ausschlaggebende Bedeutung hat.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Konzept der Mentalisierung ist auf dem Hintergrund der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Bindungsforschung <\/span>und der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Theory of Mind<\/i><\/span>entstanden und hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Zu verdanken ist dieser Umstand in erster Linie den Arbeiten von Fonagy und Mitarbeitern seit Beginn der 90er Jahre.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Entwicklung<\/i><\/span>der Mentalisierung betrifft eine spezifische kognitive F\u00e4higkeit, die bestimmte Gehirnreifungsprozesse voraussetzt. W\u00e4hrend die einzelnen Hirnstrukturen heranreifen, erwirbt das Kind durch die Umgangsart der Mutter sein Beziehungswissen, welches sich unbewusst auf F\u00fchlen und Handeln auswirkt.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im Alter von ca. 4 Jahren verf\u00fcgt das Kind \u00fcber die M\u00f6glichkeit, \u00fcber das eigene Selbst und \u00fcber das vermutete Innenleben eines anderen Menschen nachzudenken. Es hat gelernt, bei anderen Menschen Gef\u00fchle und Intentionen wahrzunehmen (Boothe et al., 2013).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Entwicklung der Mentalisierung<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im Alter von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">ca. 4 Jahren<\/span> verf\u00fcgt das Kind \u00fcber die M\u00f6glichkeit, \u00fcber das eigene Selbst und \u00fcber das vermutete Innenleben eines anderen Menschen nachzudenken. Es hat gelernt, bei anderen Menschen Gef\u00fchle und Intentionen wahrzunehmen. (Boothe et al., 2013 \/ Judith Br\u00e4ndle)<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n\r\n<span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Entwicklung der Mentalisierung<\/b><\/span>\r\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>1.-2. Lebensmonat<\/i>:<\/span> Nach der Geburt sind Mutter und Kind nicht mehr verbunden, die Mutter wirkt von aussen auf das Kind ein. Sie \u00fcbernimmt die Rolle einer Koordinatorin der kindlichen Rhythmen, die vom Kind noch nicht eigenst\u00e4ndig ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Das Kind kann diese Rolle erst selber \u00fcbernehmen, wenn es die durch die Mutter gewonnenen Erfahrungen physiologischer Zust\u00e4nde gespeichert hat. Diese an die Mutter delegierte Hom\u00f6ostase ist f\u00fcr das Kind sehr wichtig; sie wird im weiteren Verlauf mit Affekten verbunden und bildet so den affektiven Kern des Menschen. In dieser Zeit bilden sich immer mehr Erwartungen von bestimmten Vorg\u00e4ngen aus, die durch die Verhaltensweisen der Mutter bestimmt werden (z.B. das Stillen).<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>3.-7. Lebensmonat<\/i><\/span>: In der Interaktion zwischen Eltern und Kind kommt es zu Spielen, insbesondere zu L\u00e4chelspielen. Durch das L\u00e4cheln kann das Kind die Erfahrung machen, wie es seine Umwelt beeinflussen kann. Erfolg oder Misserfolg wirken sich auf die Bildung des affektiven Kerns und auf seinen sozialen Stil aus. Im Spiel mit der Mutter lernt das Kind zudem, sein Erregungsniveau und seinen Affektzustand zu regulieren.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>8.-18. Lebensmonat<\/i><\/span>: Das Kind beginnt, eine neue Qualit\u00e4t des Denkens zu entwickeln; es ist der Beginn der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Theory of Mind<\/span>. In dieser Phase f\u00e4ngt das Kind an zu begreifen, dass hinter einem gezeigten Verhalten noch etwas weiteres sein muss. Das von Stern (1992; zit. nach K\u00f6hler, 2004, S.166) als Affektabstimmung bezeichnete Verhalten der Mutter besteht darin, dass die Mutter den Gef\u00fchlszustand, der einer Handlung des Kindes zugrunde liegt, erfasst und ihn in anderer Weise wiedergibt. Die Art der Spiegelung durch die Mutter ist f\u00fcr das sich entwickelnde Selbstgef\u00fchl des Kindes sehr wichtig. Damit entwickelt das Kind zwei Selbstrepr\u00e4sentanzen: eine erste, die seiner eigenen Wahrnehmung entspricht, und eine zweite, wie es mit den Augen der Mutter gesehen wird.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>19.-42. Lebensmonat<\/i><\/span>: Durch den Spracherwerb lernt das Kind, Affekte mit Bedeutung zu versehen und sie zu symbolisieren. Gleichzeitig lernt es im Symbolspiel, sich symbolisch auszudr\u00fccken und \u00fcbt damit, mehrere Perspektiven gleichzeitig zu beachten. Im Rollenspiel konstruiert das Kind eine zweite, so genannte \u00abAls-ob-Realit\u00e4t\u00bb, die von der tats\u00e4chlichen Realit\u00e4t ganz klar unterschieden werden kann.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>ab ca. 54. Lebensmonat<\/i><\/span>: Im Alter von ca. 4 Jahren macht die Hirnentwicklung einen Sprung, die dem Kind erm\u00f6glicht, mehrere Realit\u00e4ten in Betracht zu ziehen, sich von seinem egozentrischen Weltbild zu l\u00f6sen und die Sicht anderer einzunehmen. Es kommt zur Ausbildung der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Theory of Mind<\/span>.<\/p>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Mentalisierung mit Bezug auf die Heilp\u00e4dagogik<\/h3>\r\n<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-25.png\"><img class=\"alignright wp-image-555 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-25.png\" alt=\"Peter Fonagy\" width=\"209\" height=\"360\" \/><\/a>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Mentalisieren steht f\u00fcr die menschliche F\u00e4higkeit, eigene mentale Verfassungen in urs\u00e4chlichen Zusammenhang mit der mentalen Verfassung anderer Personen zu bringen (Gerspach, 2009).<\/p>\r\nAllgemeiner gesagt bezeichnet man <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Mentalisierung<\/i><\/span>in der Psychologie und Psychoanalyse als die \u00abF\u00e4higkeit, das eigene Verhalten oder das Verhalten anderer Menschen durch Zuschreibung mentaler Zust\u00e4nde zu interpretieren\u00bb (Fonagy et al., 2004). Hierbei wird also nicht nur auf das Verhalten des Gegen\u00fcbers eingegangen, sondern auf die eigenen Vorstellungen \u00fcber dessen \u00dcberzeugungen, Gef\u00fchle, Einstellungen, W\u00fcnsche etc., die dem Verhalten zugrunde liegen. Mentalisierung bedeutet gewissermassen am Verhalten \u00abablesen zu k\u00f6nnen, was in den K\u00f6pfen anderer vorgeht\u00bb. So ist es auch m\u00f6glich, das eigene Erleben und Handeln reflexiv zu erfassen. Das Mentalisierungskonzept ist an die Theory-of-Mind-Forschung angelehnt, es wurde von Peter Fonagy und Mary Target gepr\u00e4gt.\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Gerspach (2009) stellt das Konzept der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Mentalisierung<\/i><\/span>oder <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>reflexiven Funktion<\/i><\/span> mit Sicht auf die Heilp\u00e4dagogik ausf\u00fchrlich vor: <em>Die Gruppe um Peter Fonagy hat ihr Konzept inzwischen \u00e4usserst differenziert ausgearbeitet. Im Anschluss an die kognitionspsychologische <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Theory of Mind<\/span> gehen sie der Frage nach, wie und wann Kinder entdecken, dass sie und andere Wesen mit mentalen Zust\u00e4nden sind. Die F\u00e4higkeit, den Anderen und die eigene Person als Wesen mit geistig-seelischen Zust\u00e4nden zu verstehen, nennen sie Mentalisierung<\/em> (Gerspach, 2009, S. 93 ff.).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">Das Konzept der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Mentalisierung<\/i> <\/span>betont, wie wichtig die affektiv-interaktive Qualit\u00e4t von Prim\u00e4rbeziehungen f\u00fcr die Entwicklung der Mentalisierungsf\u00e4higkeit ist. Zentral ist dabei die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Affektspiegelung<\/i> <\/span>und damit verbunden die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Markierung<\/i> <\/span>des emotionalen Zustands des Kindes durch die Eltern. Durch die Markierung merkt das Kind, dass die \u00fcbertrieben gezeigten Affekte nicht echt, sondern nur eine Darstellung sind. Es \u00fcbertr\u00e4gt die gezeigte Darstellung auf seinen eigenen Zustand und versteht ihn als Ausdruck seines eigenen Affekts.Die Aufgabe der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Affektspiegelung<\/i> <\/span>wird ab dem Alter von eineinhalb Jahren vom <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Playing-with-reality<\/span> <\/i>\u00fcbernommen. Das symbolische Spiel nimmt von nun an den Platz der Affektspiegelung ein. Jetzt beginnt das Kind zwischen zwei parallel zueinander existierenden Modalit\u00e4ten hin und her zu pendeln: dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Als-ob-Modus<\/span> und dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00c4quivalenzmodus<\/span>. Das Kind erf\u00e4hrt durch beide Modi Gef\u00fchle und Gedanken, jedoch auf andere Art und Weise. Im <i>Als-ob-Modus<\/i> wird die elterliche Darstellung von Affekten durch das Spiel abgel\u00f6st, indem Zust\u00e4nde auf Spielfiguren \u00fcbertragen werden. Im \u00c4quivalenzmodus hingegen nimmt das Kind seine Vorstellungen als real an und sieht sie als Abbilder der Realit\u00e4t.Ein ad\u00e4quater Umgang der Eltern mit den kindlichen Lebens\u00e4usserungen ist von grosser Bedeutung. Nur so k\u00f6nnen der Als-ob-Modus und der \u00c4quivalenzmodus zusammengef\u00fchrt werden. Es entsteht ein so genannter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>reflektierender Modus<\/i><\/span>, welcher dem Kind erm\u00f6glicht, seine Gedanken und Gef\u00fchle nicht mehr als Abbildung der Realit\u00e4t, sondern eher als eine Einstellung dazu wahrzunehmen. (Boothe et al., 2013)<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Mentalisierung: Weiterf\u00fchrende Links und Literatur<\/h3>\r\n<ul>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Konzept des Mentalisierens und seine Hintergr\u00fcnde in Bindungstheorie, Theory of Mind und Psychoanalyse sind sehr gut im entsprechenden deutschsprachigen <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mentalisierung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikipedia-Artikel<\/a> beschrieben!<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Mentalisierung<\/span>: Ein neues Konzept in Psychoanalyse und Psychotherapie: <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"http:\/\/www.mentalisierung.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.mentalisierung.net<\/a><\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Fonagy, P., Gergely, G., Jurist, E. L. &amp; Target, M. (2004). <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst<\/span>.<\/i> Stuttgart: Klett-Cotta.<\/li>\r\n \t<li>Gerspach, M. (2009). <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Psychoanalytische Heilp\u00e4dagogik. Ein systematischer \u00dcberblick (Heil- und Sonderp\u00e4dagogik)<\/span>.<\/i> Stuttgart: Kohlhammer. (Darin Kapitel 2.6: Zum Konzept des Mentalisierens).<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Szene und Szenisches Verstehen<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Szene<\/i><\/span>ist im psychoanalytischen Verst\u00e4ndnis die meist nicht-bewusste Herstellung einer interaktiven Struktur mit Rollenzuweisungen an das Selbst und die in die Szene verstrickten Objekte, die f\u00fcr den Akteur hohe emotionale Bedeutung haben (Boothe et al., 2013).<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_557\" align=\"alignright\" width=\"300\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-26.png\"><img class=\"wp-image-557 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-26.png\" alt=\"K\u00fcnstlerisches Bild einer Szene mit Flugzeug und winkenden Personen.\" width=\"300\" height=\"182\" \/><\/a> (c) Martin Honert 1995[\/caption]\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Szenisches Verstehen<\/i><\/span> ist der Vorgang, in dem der Analytiker die Differenz zwischen der manifesten Szene, der von ihr \u00fcberlagerten aktuellen oder berichteten Situation und einer vom Analysanden fr\u00fcher erlebten Szene f\u00fcr sich zu verstehen versucht, auf der Grundlage der Wahrnehmung von \u00dcbertragung und Gegen\u00fcbertragung (Mertens, 2014, S.934\/Wolf).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Szenisches Verstehen bedeutet das Verstehen von Interaktionsprozessen, es soll entschl\u00fcsselt werden, wie der Analysand den Analytiker in seine Szene einbindet. Der Analytiker steht dabei also nicht in Distanz zu der Szene, sondern muss sich auf das Spiel des Patienten einlassen. Der Patient bringt in die Szene verdr\u00e4ngte Erlebnisse ein. Er agiert durch einen Wiederholungszwang st\u00e4ndig mit dem gleichen Muster, ver\u00e4ndert die urspr\u00fcngliche Szene in seiner Vergangenheit jedoch. Aufgabe des Analytikers ist es nun, die urspr\u00fcngliche Szene bewusst zu machen und zu rekonstruieren.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Die \u00dcbernahme des szenischen Verstehens auf das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gebiet der P\u00e4dagogik<\/i><\/span> vermag dann pr\u00e4gnant so gefasst werden: \u00abDer Heilp\u00e4dagoge versucht, den Gest\u00f6rten und Behinderten aus dem, was jener offen und verschleiert in Szenen von sich mitteilt, zu verstehen\u00bb (Leber 1979). Jede konflikthafte Verwicklung des P\u00e4dagogen mit seinen Kindern und Jugendlichen erscheint demnach als an seine Person gekn\u00fcpfter inszenierter Wiederholungsversuch unbew\u00e4ltigter Lebensgeschichte. Versteht der P\u00e4dagoge diesen Kontext nicht, tr\u00e4gt er unbewusst zu einer f\u00fcr ihn selber schmerzhaften Vervollst\u00e4ndigung der Szene bei, verh\u00e4lt er sich doch gem\u00e4ss der unbewussten Erwartungen des Interaktionspartners (Gerspach, 2009, S. 110).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Dieses Unverst\u00e4ndnis l\u00e4sst ihm nur eine M\u00f6glichkeit: Genau so unzureichend, abweisend und versagend zu reagieren wie die Elternfiguren. Verh\u00e4lt er sich aber gem\u00e4ss der unbewussten Erwartungen des Kindes, wird die Beziehung zwischen beiden dann die gleichen unbefriedigenden Merkmale aufweisen wie die zu den Eltern. Entwicklung findet dann nicht mehr statt. So wird er leicht in Versuchung geraten, aus einem nicht reflektierten Selbstschutz heraus die ihm zugef\u00fcgte Kr\u00e4nkung zur\u00fcckzugeben und dies wom\u00f6glich noch mit hehren erzieherischen Grunds\u00e4tzen \u2014 \u00abKinder brauchen Grenzen\u00bb \u2014 zu rationalisieren suchen (Gerspach, 2009, S. 110).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Mit dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">szenischen Verstehen<\/span> k\u00f6nnen wir besser nachempfinden, was ein Kind von seinen inneren Schwierigkeiten und Konflikten in reale Handlungen transformiert. Indem es unbewusst in seinem Verh\u00e4ltnis z. B. zu seinen Mitsch\u00fclern und Lehrern etwas inszeniert und diese damit in seinen Bann zieht, \u00e4ussert es sich in seinem (auff\u00e4lligen) Verhalten auf eine verschleierte Weise. Seine innere Problematik und seine unbew\u00e4ltigten Lebensthemen zeigen sich in der Art und Weise, wie es seine Beziehungen zu und mit anderen Menschen arrangiert. Diesen Appell gilt es zu entschl\u00fcsseln, um darauf eine angemessene Antwort zu finden, damit das unbewusst agierte Leiden nach und nach in eine (sprach-)symbolische Form gekleidet werden kann (Gerspach, 2009, S. 112).<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Szenisches Verstehen im p\u00e4dagogischen Feld<\/h3>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die wesentlichen Grundlagen f\u00fcr das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>szenische<\/i><i>Verstehen<\/i><\/span> im p\u00e4dagogischen Feld sind nach Gerspach (2009, S. 117\/118):<\/p>\r\n\r\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Das szenische Verstehen offenbart uns die unbewusste <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wiederbelebung eines unbew\u00e4ltigten Lebensthemas<\/i><\/span> im aktuellen Beziehungsarrangement, wie es sich als St\u00f6rung darstellt. Wir selbst werden in diese Szene hineingezogen.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Das unbew\u00e4ltigte Thema wird uns vor allem in Form <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sprachlosen Agierens<\/i><\/span> pr\u00e4sentiert. Es existiert keine andere Form der Selbstmitteilung. In diesem Mangel liegt die Belastung der P\u00e4dagoginnen.<\/p>\r\n<\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Auftrag der Heilp\u00e4dagogik ist es, ein Klima zu schaffen, in dem sich das st\u00f6rende Kind angenommen f\u00fchlt. \u00dcber das Wachsen einer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>stabilen Beziehung<\/i><\/span> kann allm\u00e4hlich <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sprache<\/i><\/span>in den Dialog eingebaut werden. Erst wenn eine erlebensnahe Sprache zur Verf\u00fcgung steht, wird sich das st\u00f6rende Verhalten in <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale wie kognitive Kompetenz<\/i><\/span> transformieren lassen.<\/p>\r\n<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Szenisches Verstehen im psa. Erstgespr\u00e4ch<\/h3>\r\nIm folgenden Video erl\u00e4utert die Psychoanalytikerin Vera Luif das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">szenische Verstehen<\/span> als Bestandteil des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">psychoanalytischen Erstgespr\u00e4chs<\/span>.\r\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/15_PsychoanalytischesErstgespraech640.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/15_PsychoanalytischesErstgespraech640.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Weiterf\u00fchrende Links und Literatur<\/h3>\r\nGerspach, M. (2009). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Psychoanalytische Heilp\u00e4dagogik. Ein systematischer \u00dcberblick<\/i> <\/span>(Heil- und Sonderp\u00e4dagogik). Stuttgart: Kohlhammer.\u00a0Darin das Kapitel 3.2 \"Das szenische Verstehen in der Heilp\u00e4dagogik\", S. 107 - 113.\r\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Affekttheorien<\/h2>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Affektforschung<\/i><\/span>liefert uns wichtige Zug\u00e4nge zu fr\u00fchkindlichen Entwicklungsprozessen.<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Affekte<\/i><\/span>sind die psychischen Repr\u00e4sentanzen von hierarchisch organisierten, aus dem K\u00f6rperinnern und durch externe Reize aktivierbaren, zielorientierten Motivsystemen. Affekte steuern die Objektbeziehungen, aber auch andere nicht soziale Handlungen in motivspezifischer Weise (Krause, 1983). Affekte wie <span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Freude<\/span><i>, <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Interesse<\/span><i>, <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Furcht<\/span><i>, <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">\u00dcberraschung<\/span><i>, <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Schmerz <\/span>oder<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wut<\/i><\/span>sind die zentralen Organisatoren der Psyche. Sie sind die prim\u00e4re Sinnesmodalit\u00e4t, um die innere wie \u00e4ussere Wirklichkeit zu erkunden (Gerspach, 2009).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Man kann sie definieren als \u00abpsychische Strukturen, die sich aus motivationalen, somatischen, expressiven, kommunikativen sowie emotionalen Komponenten zusammensetzen und an eine bestimmte Vorstellung oder einen bestimmten kognitiven Inhalt gebunden sind\u00bb (vgl. Tyson, Tyson 1997, 141). Von Anfang an bilden sie die Grundlage der Entwicklung von Objektbeziehungen eines Kindes mit seinen prim\u00e4ren Beziehungspartnern. Die Art und Weise, wie ein Kind sich und seine Umgebung wahrnimmt, wird in einem wechselseitigen affektiven Dialog entfaltet. Dieser Dialog bildet das Fundament seines Pers\u00f6nlichkeitsaufbaus (Gerspach, 2009, S. 65).<\/p>\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Unbestritten gibt es jedenfalls einen engen Zusammenhang von affektivem Klima des Beziehungsarrangements mit der individuellen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Entwicklung<\/i><\/span>bzw. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Entwicklungshemmung<\/i><\/span>eines Kindes. Diesbez\u00fcglich hat sich in der psychoanalytischen Betrachtungsweise in den letzten Jahren eine kleine Revolution ereignet: \u00abAffekte, und nicht die Triebe, sind die uranf\u00e4nglichen Bausteine des psychischen Lebens\u00bb (Mertens 1996, S. 83 f). So zeigt uns etwa die moderne S\u00e4uglingsforschung, dass sich der Mensch zu Beginn seines Lebens vor allem \u00fcber affektive Wahrnehmungskan\u00e4le orientiert und dabei sehr stark auf eine gelingende Regulation seiner Affekte durch seine prim\u00e4ren Beziehungspartner, in der Regel die Mutter, angewiesen ist (Gerspach, 2009, S. 65).<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Die Objektbeziehungstheorie unterstreicht die interaktive Funktion der Affekte. Sie spielen eine Rolle in der Anbahnung interpersoneller Beziehungen und der Regulation von Subjekt-Objekt-Interaktionen. Ein von sechs Komponenten ausgehendes Affektmodell stammt von Rainer Krause. Es untergliedert das Affektsystem in:<\/span><\/p>\r\n\r\n<ol>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Expressive Komponente (mimischer und gestischer Ausdruck des Affekts)<\/span><\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Physiologische Komponente (endokrine und neuronale Ebene des Affekts)<\/span><\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Motivationale Komponente (Innervation der Skelettmuskulatur)<\/span><\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Wahrnehmung\/Bewusstes Erleben des Affekts<\/span><\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Sprachliche Benennung des Erlebens<\/span><\/li>\r\n \t<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Bewusste Wahrnehmung des Affekts als inneres Bild und als spezifische situative Bedeutung der Welt und der Objekte<\/span><\/li>\r\n<\/ol>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h3>\r\nGerspach, M. (2009). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Psychoanalytische Heilp\u00e4dagogik. Ein systematischer \u00dcberblick<\/i> <\/span>(Heil- und Sonderp\u00e4dagogik). Stuttgart: Kohlhammer. Darin: <span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Ganzes Kapitel 3.3.<\/span>\r\n\r\n<\/div>","rendered":"<figure id=\"attachment_505\" aria-describedby=\"caption-attachment-505\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-505 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-3.png\" alt=\"Bild von Anne Kneisel: Eine Art farbige Wolken in Kopfform \u00fcber dem Wasser.\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-3.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-3-65x49.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-3-225x169.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-505\" class=\"wp-caption-text\">(c) Anne Kneisel<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der theoretische Hintergrund der Psychoanalyse ist eng mit Freuds praktischer T\u00e4tigkeit und seinen pers\u00f6nlichen Erfahrungen verbunden. Anf\u00e4nglich verwendete Freud ein <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Hypnoseverfahren<\/span><\/em>, sp\u00e4ter entwickelte er daraus die Methode der<em> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">freien Assoziation<\/span><\/em>. Mit der <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Traumdeutung <\/span><\/em>(1900) entwickelte Freud die Kernkonzepte des psychoanalytischen Theoriegeb\u00e4udes, n\u00e4mlich die Systeme <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">unbewusst<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">vorbewusst<\/span><\/em> und <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">bewusst<\/span><\/em>. Die psychoanalytische Technik soll den Zugang zum Unbewussten erm\u00f6glichen (Kriz, 2007).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Weitere zentrale Konzepte neben der freien Assoziation sind der <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Widerstand <\/span><\/em>(Widerstand des Patienten gegen die Auseinandersetzung mit dem Unbewussten), die <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00dcbertragung <\/span><\/em>fr\u00fchkindlicher affektiver Erlebnisse und Verhaltensmuster des Klienten auf den Therapeuten und die <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Gegen\u00fcbertragung <\/span><\/em>(die gef\u00fchlsm\u00e4ssige Reaktion des Therapeuten auf die \u00dcbertragung).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Sigmund Freuds Theoriengeb\u00e4ude war anf\u00e4nglich stark von durch den Zeitgeist bedingten mechanistischen Ideen gepr\u00e4gt; dies zeigt sich in Begriffen wie <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Trieb<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Libido<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">psychischer Apparat<\/span><\/em> etc. Erst nach 1920 r\u00fcckte im<em> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">strukturellen Pers\u00f6nlichkeitsmodell<\/span> <\/em>das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich <\/span>in das Zentrum der psychoanalytischen Betrachtungsweise (Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><em>strukturelle Pers\u00f6nlichkeitsmodell<\/em><\/span> wird auch <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Strukturmodell <\/span><\/em>oder <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Instanzenmodell <\/span><\/em>genannt). Neurotisches Verhalten wurde nun auf einen <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Konflikt <\/span><\/em>zwischen den Instanzen des<em> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">seelischen Apparats<\/span><\/em> zur\u00fcckgef\u00fchrt: dem <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Es<\/span><\/em>, dem <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich<\/span><\/em> und dem <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00dcber-Ich<\/span><\/em> (Kriz, 2007).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Sp\u00e4ter, und besonders nach Freuds Tod, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf die <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Funktionen des Ich<\/span><\/em>. Hierzu geh\u00f6ren z. B. Bewusstsein, Wahrnehmung, Denken, Sprache, Intention, Planung, Abwehrmechanismen, Selbstkontrolle, Frustrations- und Affekttoleranz, Selbst-Objekt-Differenzierungen, Funktionen also, die dem Individuum eine ad\u00e4quate Lebensf\u00fchrung und Problembew\u00e4ltigung erm\u00f6glichen (Kriz, 2007).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Nach Freuds Tod erfolgte eine Erweiterung der psychoanalytischen Betrachtungsweise: Zunehmend wurde den strukturellen Deformationen innerhalb der<em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"> Ich-Funktionen<\/span><\/em> erh\u00f6hte Aufmerksamkeit geschenkt, Deformationen also, welche das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich <\/span><\/em>bereits in allerfr\u00fchester Kindheit gar nicht erst zu einer angemessenen Entwicklung kommen lassen. Hiermit versucht man in der neueren Entwicklung der Psychoanalyse einige Formen von Psychose, Schizophrenie, Borderline-Syndrome und eine Reihe psychosomatischer St\u00f6rungen zu erkl\u00e4ren (Kriz, 2007).<\/p>\n<div>\n<figure id=\"attachment_507\" aria-describedby=\"caption-attachment-507\" style=\"width: 187px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-4.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-507\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-4.png\" alt=\"Schematische Zeichnung eines menschlichen Kopfes, aus dem die Gedanken in Blasen aufsteigen.\" width=\"187\" height=\"241\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-4.png 175w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-4-65x84.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-507\" class=\"wp-caption-text\">(c) www.realpsychology.com<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die\u00a0<em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich-Psychologie<\/span><\/em> war zwischen 1940 und 1980 die vorherrschende Richtung psychoanalytischen Denkens. Hier\u00a0spielten Margaret Mahlers Konzepte der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Trennungs- und <em>Individuationsprozesse<\/em><\/span> eine zentrale Rolle: Nach einer fr\u00fchen <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">autistischen Phase<\/span><\/em> des S\u00e4uglings (bis zum 1. Lebensmonat) ist demnach eine symbiotische Bindung an die Mutter\u00a0unabdinglich f\u00fcr das Wohlergehen des Kindes. In diesem Entwicklungsstadium gibt es noch kein <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich<\/span><\/em>, das von einem <em>Nicht-Ich<\/em> unterschieden w\u00e4re \u2014 Innenwelt und Aussenwelt werden somit erst langsam, in der <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Differenzierungsphase<\/span><\/em>, als unterschiedlich wahrgenommen (Mahler, Pine &amp; Bergman, 1980) (Kriz, 2014, S. 42).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ich-Psychologie besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, wie es Menschen gelingt, sich an die Welt, in der sie leben, anzupassen. Anpassung wird dabei als das Ergebnis eines fortdauernden Entwicklungsprozesses angesehen, in dessen Verlauf bestimmte seelische Funktionen, welche sich auf der Basis angeborener Gegebenheiten innerhalb von emotional bedeutsamen Beziehungen entfalten, eine zunehmende funktionale Selbst\u00e4ndigkeit erlangen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Dabei geht es um Fragen der Entwicklung von Beziehungsstrukturen ebenso wie um die Regulation von Selbst- und Selbstwertgef\u00fchl, aber auch um Aspekte der Entwicklung der Motorik oder der Denk- und Wahrnehmungsfunktionen (Mertens, 2014, S. 399\/Hartkamp).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die von manchen Psychoanalytikern als zunehmend eingestufte Tendenz zu St\u00f6rungen der <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich-Funktionen<\/span><\/em> wird mit gesellschaftlichen Entwicklungen in Zusammenhang gebracht, welche das Entstehen eines Verlust-Traumas bereits in allerfr\u00fchester Kindheit beg\u00fcnstigen (Kriz, 2007).<\/p>\n<h2>Konflikttheorien<\/h2>\n<div class=\"ilc_media_caption_MediaCaption\">\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Konflikttheorie: das Strukturmodell<\/h3>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die psychoanalytische Methode soll helfen, die Dramatik im <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Erleben<\/span> des jungen Kindes nachvollziehen zu k\u00f6nnen. Die Psychoanalyse liefert eine <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Konflikttheorie<\/span><\/em>, die es erm\u00f6glicht, die Eingebundenheit des Subjekts in \u00e4ussere wie innere Spannungsfelder angemessen zu erfassen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_513\" aria-describedby=\"caption-attachment-513\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-5.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-513 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-5.png\" alt=\"Das Bild zeigt zwei schematisch gezeichnete ziegen\u00e4hnliche Tiere, die mit den H\u00f6rnern zusammenstossen.\" width=\"210\" height=\"158\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-5.png 210w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-5-65x49.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-513\" class=\"wp-caption-text\">(c) Foto: Jeger, pixelio<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Konflikttheorie bildet den Ursprung des<em> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">psychoanalytischen Denkens<\/span><\/em>. Sie basiert auf einem Trieb oder Antrieb, der als Wunsch erlebt wird, und dessen Hemmung oder Abwehr. Abwehr ist ein dynamischer Vorgang, der das Bewusstsein vor den gef\u00e4hrlichen, konflikthaften, inneren wie auch \u00e4usseren Reizen sch\u00fctzen soll. Konflikte entstehen, wenn die innere Balance zum Austarieren der inneren oder \u00e4usseren Bedrohungen nicht mehr gegeben ist und in der Folge ein f\u00fcr das Individuum unangenehmer Zustand entsteht.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Nun setzt unbewusst die Verarbeitung des inneren Konflikts zwischen Impuls und Abwehr ein, wobei die Abwehr eine zentrale Position einnimmt.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">So kann z.B. einem Wunsch nach erotischer Ann\u00e4herung eine unbewusste Hemmung entgegenstehen, weil die Verletzung eines Tabus droht. Daraus resultiert ein Konflikt zwischen dem Es und dem \u00dcber-Ich, der das Ich heftig herausfordert.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Deshalb ist die psychoanalytische <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Konflikttheorie <\/span><\/em>untrennbar mit dem psychoanalytischen <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Strukturmodell<\/span><\/em> verbunden, welches diese drei Segmente beinhaltet: Das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Es <\/span><\/em>als Triebsystem, <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich <\/span><\/em>und <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00dcber-Ich<\/span><\/em> als Steuerungssysteme. (Gerspach, 2009, S. 64)<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Grundkonflikte (nach OPD)<\/h3>\n<p>Ein bedeutsamer intrapsychischer unbewusster Konflikt ist z. B. jener zwischen den W\u00fcnschen nach <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Abh\u00e4ngigkeit <\/span><\/em>und jenen nach <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Autonomie<\/span><\/em>. Dass Konflikte entstehen, ist ein entwicklungspsychologisch gesehen v\u00f6llig normales Ph\u00e4nomen. Erst wenn eine L\u00f6sung der Konflikte nicht gelingt, kommt es zu einer seelischen Fehlentwicklung mit der Ausbildung von Symptomen (Gerspach, 2009).<\/p>\n<p>Je nach theoretischem Hintergrund der Autoren gibt es mehr oder weniger Konflikte, die begrifflich voneinander abgegrenzt werden. Gem\u00e4ss psychoanalytischem Verst\u00e4ndnis gibt es aber einen <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Grundkonflikt<\/span><\/em>, der als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><em>zentraler infantiler Konflikt<\/em><\/span> in der Lebensentwicklung eines Menschen beschrieben wird. Um diesen Grundkonflikt zu bew\u00e4ltigen, ist es erforderlich, sich zwischen zwei widerspr\u00fcchlichen Zielen zu entscheiden und so die L\u00f6sung des Konflikts zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Die psychodynamische Betrachtungsweise betrachtet die Grundkonflikte als Bestandteil der menschlichen Entwicklung unter dem Blickwinkel der Konfliktverarbeitung. Ein differenziertes und auch in der diagnostischen Praxis anerkanntes Modell der unbewussten Konflikte wird in der <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik<\/span><\/em> (OPD) beschrieben. Die OPD unterscheidet acht unbewusste <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Konflikttypen <\/span><\/em>(siehe folgenden Exkurs). Im diagnostischen Prozess wird der Patient gem\u00e4ss dem Stand seiner Entwicklung und Reifung in die vorgegebenen Konflikttypen eingeordnet. Eine eindeutige Zuordnung eines Individuums zu einem einzigen Konflikttypus ist allerdings eher selten m\u00f6glich, weil h\u00e4ufig mehrere Konflikte neben dem Grundkonflikt eine Rolle spielen.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<h4><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Grundkonflikte nach der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD)<\/span><\/h4>\n<ol>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Abh\u00e4ngigkeit vs. Individuation:<\/span> <\/b>Im einen Extrem w\u00fcrde ein Mensch mit diesem Grundkonflikt eine Abh\u00e4ngigkeit erzeugende Beziehung suchen als <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">willkommene Abh\u00e4ngigkeit<\/span>,<\/i> im anderen Extrem dagegen eine emotionale Unabh\u00e4ngigkeit aufbauen und die Bindungsw\u00fcnsche unterdr\u00fccken.<\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Unterwerfung vs. Kontrolle:<\/span> <\/b>Im einen Extrem nimmt der Mensch die Gegebenheiten hin als Schicksal, dem er sich f\u00fcgt, dabei sind Erleben und Verhalten gepr\u00e4gt von Gehorsam und Unterwerfung. Im anderen Extrem bestimmen Kontrolle und Auflehnung (Bek\u00e4mpfen) das Erleben und Verhalten.<\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Versorgung vs. Autarkie:<\/b><\/span> Im einen Extrem f\u00fchren Versorgungs- und Geborgenheitsw\u00fcnsche zu starker Abh\u00e4ngigkeit, und der Mensch wirkt passiv und anklammernd. Im anderen Extrem nimmt der Mensch keine Hilfe an und wehrt die W\u00fcnsche nach Hilfe ab, indem er sich als anspruchslos darstellt. In einer altruistischen Konfliktverarbeitung bekommen Andere die Versorgung, nach der er sich selbst unbewusst sehnt.<\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Selbstwert vs. Objektwert:<\/b><\/span> Es bestehen Selbstwertkonflikte, die im einen Extrem als Minderwertigkeit erlebt werden, w\u00e4hrend andere aufgewertet oder idealisiert werden. Im anderen Extrem werden kompensatorische Anstrengungen erbracht, die das Selbstbild bis hin zum Gr\u00f6ssenwahn st\u00fctzen, w\u00e4hrend andere abgewertet werden.<\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>\u00dcber-Ich- und Schuldkonflikte:<\/b><\/span> Im einen Extrem f\u00fchrt die Schuld\u00fcbernahme bis zur masochistischen Unterwerfung. Im anderen Extrem sieht der Mensch die Schuld nur beim anderen, wobei ihm jegliche Form eines eigenen Schuldgef\u00fchls fehlt.<\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">\u00d6dipal-sexuelle Konflikte:<\/span> <\/b>Im einen Extrem nimmt der Mensch seine Erotik und Sexualit\u00e4t nicht wahr, im anderen Extrem bestimmt sie alle Lebensbereiche, ohne dass eine Befriedigung gelingt. Dies meint nicht sexuelle Funktionsst\u00f6rungen anderer Herkunft.<\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Identit\u00e4tskonflikte:<\/span> <\/b>Bei sonst hinreichenden Ich-Funktionen \u00fcbernimmt der Mensch die Geschlechts-, Rollen oder Gruppenidentit\u00e4t anderer oder \u00fcberspielt die Identit\u00e4tsambivalenz kompensatorisch.<\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Fehlende Konflikt- und Gef\u00fchls-Wahrnehmung:<\/span> <\/b>Bei diesem Grundkonflikt werden Konflikte, Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse bei sich und anderen nicht wahrgenommen, oder sie werden durch sachlich-technische oder philosophische Beschreibungen ersetzt.<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">(zitiert nach Wikipedia)<\/span><\/p>\n<div>Litratur: Arbeitskreis OPD (Hrsg.). (2006). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Operationalisierte psychodynamische Diagnostik OPD-2. Das Manual f\u00fcr Diagnostik und Therapieplanung<\/span>. Bern: Huber.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Es, Ich, \u00dcber-Ich<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In seinem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><em>Strukturmodell (auch Instanzenmodell)<\/em> <\/span>beschrieb Freud den immerw\u00e4hrenden Kampf zwischen zwei gegnerischen Instanzen der Pers\u00f6nlichkeit \u2014 dem <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Es <\/span><\/em>und dem <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00dcber-Ich<\/span><\/em>. Der dritte Aspekt des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Selbst<\/span>, das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich<\/span><\/em>, tritt in diesem Kampf als Vermittler auf (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008, S. 617).<\/p>\n<h3>Es<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Es<\/span><\/em> repr\u00e4sentiert die grundlegenden Triebe. Es handelt irrational, auf Impulse hin und dr\u00e4ngt nach Ausdruck und unmittelbarer Befriedigung, ohne zu ber\u00fccksichtigen, ob das Gew\u00fcnschte realistisch und m\u00f6glich, sozial w\u00fcnschenswert und moralisch akzeptabel ist. Das Es wird vom <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Lustprinzip <\/span><\/em>beherrscht, dem unregulierten Drang nach Befriedigung \u2014 insbesondere sexueller, k\u00f6rperlicher und emotionaler L\u00fcste, die hier und jetzt erfahren werden wollen, ohne R\u00fccksicht auf die Konsequenzen (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008, S. 617).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_heading3_Headline3\">\u00dcber-Ich<\/h3>\n<figure id=\"attachment_518\" aria-describedby=\"caption-attachment-518\" style=\"width: 224px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-7.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-518 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-7.png\" alt=\"Das Bild zeigt einen transparenten Menschenkopf, in dessen Innern sich die drei Instanzen als kleine Figuren gegen\u00fcberstehen und miteinander sprechen.\" width=\"224\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-7.png 224w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-7-65x59.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 224px) 100vw, 224px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-518\" class=\"wp-caption-text\">(c) freudsigmund.blogspot.com<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00dcber-Ich<\/span><\/em> repr\u00e4sentiert die Werte eines Individuums, einschliesslich der moralischen Einstellungen, die von der Gesellschaft gelernt wurden. Das \u00dcber-Ich entspricht in etwa der landl\u00e4ufigen Vorstellung von <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Gewissen<\/span><\/em>. Es entwickelt sich, indem das Kind nach und nach die Verbote der Eltern und anderer Erwachsener bez\u00fcglich gesellschaftlich unerw\u00fcnschter Handlungen zu seinen eigenen Werten macht. Es ist die innere Stimme des <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Sollens<\/span><\/em> und des <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Nicht-Sollens<\/span><\/em>. Das \u00dcber-Ich schliesst auch das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich-Ideal<\/span><\/em> ein, die Ansicht einer Person dar\u00fcber, was f\u00fcr ein Mensch sie versuchen sollte zu werden. Das Es will tun, was sich gut anf\u00fchlt, w\u00e4hrend das \u00dcber-Ich darauf besteht, das zu tun, was richtig ist (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008, S. 617).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Ich<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich <\/span>ist der <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">realit\u00e4tsgebundene Aspekt des Selbst<\/span><\/em>, der den Konflikt zwischen den Impulsen des Es und den Anforderungen des \u00dcber-Ich schlichtet. Das Ich repr\u00e4sentiert die pers\u00f6nliche Sicht einer Person auf die materielle und soziale Realit\u00e4t \u2014 ihre bewussten \u00dcberzeugungen \u00fcber die Ursachen und Konsequenzen von Verhalten. Ein Teil der Aufgaben des Ich besteht darin, Handlungen auszuw\u00e4hlen, welche die Impulse des Es befriedigen, ohne unerw\u00fcnschte Konsequenzen zu haben. Das Ich wird vom <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Realit\u00e4tsprinzip <\/span><\/em>beherrscht, das vern\u00fcnftige Entscheidungen \u00fcber lustorientierte Begierden stellt (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008, S. 617).<\/p>\n<p>Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich ist <\/span>jenes Funktionenb\u00fcndel, das sich im Dienst des Austauschs mit den jeweils relevanten Umwelten herausbildet und selbst- wie objekterhaltend t\u00e4tig ist. Einige sogenannte <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich-Funktionen<\/span> sind z. B.: Wahrnehmen, Urteilen, Steuern, Antizipieren, Aufschieben. Das Ich b\u00fcndelt psychische Energie und vermittelt gegens\u00e4tzliche Kr\u00e4fte aus Es und \u00dcber-Ich. (Mertens &amp; Waldvogel, 2008)<\/p>\n<p>Das folgende Video stellt das Zusammenspiel von Es, Ich und \u00dcber-Ich anschaulich szenisch dar, mit Kommentaren von Sigmund Freud (aus einem alten Lehrfilm, (c) The Phoenix Learning Group Inc.).<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/08_Id-Ego-a-Superego.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/08_Id-Ego-a-Superego.vtt\" srclang=\"en\" label=\"English\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Bereiche des Bewusstseins<\/h2>\n<p>Im Zusammenhang mit den oben beschriebenen drei psychischen <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Instanzen <\/span><\/em>unterscheidet Freud <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">drei <em>Bereiche des Bewusstseins<\/em><\/span> n\u00e4mlich das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Bewusste<\/span><\/em>, das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Vorbewusste <\/span><\/em>und das <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Unbewusste<\/span><\/em>.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_heading3_Headline3\">Das Bewusste<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-8.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-522 size-full alignright\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-8.png\" alt=\"Bild eines Eisbergs, dessen gr\u00f6sster Teil unter Wasser und deshalb nicht sichtbar ist.\" width=\"203\" height=\"249\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-8.png 203w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-8-65x80.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><\/a>Die Aufgabe des <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Ich<\/span><\/em>, zwischen den Anforderungen des <em><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Es <\/span><\/em>und denen des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcber-Ich<\/i><\/span> eine realit\u00e4tsangepasste Synthese zu finden, geh\u00f6rt zum <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bewussten<\/i> <\/span>(Bewusstsein), da sich das Ich dabei der willk\u00fcrlichen k\u00f6rperlichen Bewegungen, der Wahrnehmung, des Ged\u00e4chtnisses usw. bedient (Kriz, 2007).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Bild des Eisbergs veranschaulicht, dass gem\u00e4ss der Theorie Freuds nur etwa 10 bis 20 Prozent der psychischen Inhalte dem Bewusstsein zug\u00e4nglich sind (siehe Exkurs weiter unten).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Unbewusste<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Gewisse Teile des Gef\u00fcges aus <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Geboten, Verboten<\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>moralischen Wertvorstellungen<\/i><\/span> (die zum \u00dcber-Ich geh\u00f6ren) sind zwar bewusst. Andere <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wertvorstellungen<\/i> <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale Anforderungen<\/i><\/span> wurden schon in fr\u00fchester Kindheit \u00fcbernommen und sind <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>nicht bewusst<\/i><\/span> (oder nicht mehr bewusst). Diese Anforderungen k\u00f6nnen sogar <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>verleugnet<\/i> <\/span>werden, obwohl eine Person konkret danach handelt. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Unbewusst<\/i> <\/span>ist aber vor allem das gesamte <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Es <\/span>mit seinen vitalen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Triebanspr\u00fcchen<\/i><\/span> (Kriz, 2007).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Der Bereich des <i>Unbewussten<\/i> kann zus\u00e4tzlich differenziert werden:<\/span><\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Deskriptiv Unbewusstes<\/span>:<\/i> Der mentalen Vergegenw\u00e4rtigung und sprachlichen Reflexion aktuell oder vor\u00fcbergehend nicht zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Dynamisch Unbewusstes<\/span>: <\/i>Der mentalen Vergegenw\u00e4rtigung und sprachlichen Reflexion dauerhaft durch <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Abwehrprozesse <\/span>entzogen. Die dynamisch unbewussten Inhalte sind der Vergegenw\u00e4rtigung entzogen, weil sie, ihres bedrohlichen oder verp\u00f6nten Charakters wegen, die Stabilit\u00e4t des Ich bedrohen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_Paragraph ilc_heading3_Headline3\">Das Vorbewusste<\/h3>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Vorbewusste<\/i> <\/span>enth\u00e4lt jene psychischen Inhalte, welche zwar momentan im Bewusstsein nicht pr\u00e4sent sind, aber nahezu beliebig reproduziert und erinnert werden k\u00f6nnen. Es handelt sich also um <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>bewusstseinsf\u00e4higes Material<\/i><\/span>, das nicht verdr\u00e4ngt wurde, sondern das tempor\u00e4r aus dem aktuellen Bewusstsein zur\u00fcckgetreten ist, um damit die Funktionst\u00fcchtigkeit des Organismus zu erh\u00f6hen (Kriz, 2007).<\/div>\n<div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\"><strong>Exkurs: Das Eisbergmodell<\/strong><\/h3>\n<p>Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Eisbergmodell\u00a0<\/i><\/span>wird in verschiedenen Disziplinen zur Veranschaulichung verwendet, so vor allem in den Theorien zur zwischenmenschlichen Kommunikation (Quelle: Wikipedia).<\/p>\n<\/div>\n<p><span style=\"background-color: #ff0000\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-9.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-528 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-9.png\" alt=\"\" width=\"526\" height=\"395\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-9.png 526w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-9-300x225.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-9-65x49.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-9-225x169.png 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-9-350x263.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 526px) 100vw, 526px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Der Traum<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Traum<\/i> <\/span>war f\u00fcr Freud \u00abder K\u00f6nigsweg\u00bb zur Entdeckung des Unbewussten. Die in der Traumdeutung aufgedeckten Mechanismen finden sich in anderen Erscheinungsformen des Unbewussten wieder, z. B. in <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Fehlleistungen<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Versehen<\/span>, <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Versprechern<\/i> <\/span>etc. Freud nahm an, dass das unbewusste <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Es<\/i> <\/span>an der Traumbildung einen wesentlichen Anteil hat. Im Traum werden viele Eindr\u00fccke aus fr\u00fcher Kindheit und andere vergessene Szenen reproduziert, allerdings meist entstellt (Kriz, 2007).<\/p>\n<figure id=\"attachment_532\" aria-describedby=\"caption-attachment-532\" style=\"width: 216px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-10.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-532 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-10.png\" alt=\"\" width=\"216\" height=\"216\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-10.png 216w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-10-150x150.png 150w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-10-65x65.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 216px) 100vw, 216px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-532\" class=\"wp-caption-text\">(c) Bild: Richard Wilkinson<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Freud hat den Traum auch als \u00abH\u00fcter des Schlafes\u00bb bezeichnet: Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ich<\/i> <\/span>setzt dabei Bed\u00fcrfnissen und Anspr\u00fcchen, die sonst zum Erwachen f\u00fchren w\u00fcrden, eine harmlose <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wunscherf\u00fcllung<\/i> <\/span>entgegen, etwa wenn das Hungergef\u00fchl durch einen Traum beschwichtigt wird, in dem man etwas isst. Wenn allerdings der Drang zu gross wird, wacht der Schl\u00e4fer auf. Die Anspr\u00fcche stammen insbesondere aus dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Es<\/i><\/span>, also aus dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Unbewussten<\/i><\/span>, wo sie im Wachzustand erfolgreich verdr\u00e4ngt werden, im Schlafzustand aber durch einen Traum in entstellter und damit relativ harmloser Form eine Wunscherf\u00fcllung erfahren, womit das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ich<\/i> <\/span>die St\u00f6rung des Schlafes beseitigen m\u00f6chte (Kriz, 2007).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Deutung von Tr\u00e4umen<\/i><\/span> hat im psychoanalytischen Setting einen hohen Stellenwert, weil durch den Traum unbewusstes Material an die \u00abOberfl\u00e4che\u00bb bef\u00f6rdert und der Bearbeitung zug\u00e4nglich gemacht wird. F\u00fcr die Deutungsarbeit allgemein \u2014 und auch die mit Traummaterial \u2014 gilt, dass es <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>keine allgemein g\u00fcltigen Deutungen<\/i><\/span> gibt. Vielmehr arbeiten im <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Deutungsprozess<\/i> <\/span>Patient und Therapeut gemeinsam an der Offenlegung der unbewussten Bedeutung, und zwar in einem langen Prozess, in dem durchaus auch zun\u00e4chst gebildete Hypothesen wieder verworfen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Es geht dabei um eine Rekonstruktion und Einsicht in die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Dynamik des fr\u00fchkindlichen Konfliktes<\/i><\/span>, der der jeweiligen St\u00f6rung zugrunde liegt, und nicht um eine pr\u00e4zise Zuordnung zwischen einzelnen Traumelementen und deren Bedeutung. Da sich der Konflikt besonders in charakteristischen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abwehrmustern<\/i> <\/span>manifestiert, geht es bei der Deutungsarbeit eher um die Analyse dieser Abwehrmuster bzw. der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Widerst\u00e4nde<\/i> <\/span>in der Arbeit an den Inhalten, als um eine symbolhafte Deutung der Inhalte selbst (Kriz, 2007).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Manifester vs. Latenter Trauminhalt<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Freud definierte zwei Arten des Trauminhalts, den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>manifesten<\/i> <\/span>und den <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>latenten<\/i><\/span>. Der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>manifeste Inhalt<\/i><\/span> ist der bewusst erinnerte Traum, der nach dem Aufwachen mehr oder weniger genau erinnert wird. Der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>latente (versteckte) Inhalt\u00a0<\/i><\/span>wird nicht erinnert, sondern muss in seiner symbolischen Bedeutung erschlossen werden. Hier zeigen sich die eigentlichen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Motive<\/i><\/span>, die nach Ausdruck suchen, jedoch so schmerzvoll oder inakzeptabel sind, dass sie nur in versteckter oder symbolischer Form ausgedr\u00fcckt werden k\u00f6nnen. Um einen Traum zu deuten, muss der Therapeut dessen manifesten Inhalt in den latenten \u00fcbersetzen. Jeder Traum ist einzigartig und hat nur f\u00fcr den jeweiligen Tr\u00e4umer Bedeutung.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">PsychoanalytikerInnen glauben, dass Tr\u00e4ume eine gute Quelle f\u00fcr Informationen \u00fcber die\u00a0 unbewussten Motivationen des Patienten sind. Im Schlaf, so wird angenommen, ist das \u00dcber-lch weniger wachsam gegen\u00fcber den inakzeptablen Impulsen des Es, so dass ein Motiv, das im wachen Zustand nicht ausgedr\u00fcckt werden kann, vielleicht im Traum offen gelegt wird.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Therapeuten versuchen mit Hilfe der Traumanalyse, diese versteckten Motive zu enth\u00fcllen. Dabei handelt es sich um eine therapeutische Technik, mit der man den Inhalt von Tr\u00e4umen einer Person untersucht, um die dahinter verborgenen oder versteckten Motivationen und symbolischen Bedeutungen wichtiger Lebenserfahrungen und W\u00fcnsche zu entdecken (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p>Ausf\u00fchrlicher Artikel zum <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Traum<\/b> <\/span>im <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe<\/span>:<\/p>\n<p>Leuschner, W. (2014). Traum. In W. Mertens (Hrsg.), <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe<\/span> <\/i>(4., \u00fcberarb. und erweiterte Auflage, S. 954\u2013962). Stuttgart: Kohlhammer.<\/p>\n<p><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Originaltext Freud<\/span>: <\/b>Freud, S. (1900). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Die Traumdeutung<\/span>. GW.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Abwehr<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als Abwehr bezeichnet die Psychoanalyse jede psychische Aktivit\u00e4t, die darauf abzielt, psychischen Schmerz in all seinen m\u00f6glichen Formen zu vermeiden (M\u00fcller-Pozzi, 2002). Eine Wahrnehmung, eine Erinnerung oder ein Handlungsimpuls wird abgewehrt (unbewusst), weil die bewusste Konfrontation damit Unlust bereitet.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abwehr<\/i> <\/span>ist ein dynamischer Vorgang, der das Bewusstsein vor unangenehmen, aber auch vor gef\u00e4hrlichen, konflikthaften, inneren wie auch \u00e4usseren Reizen sch\u00fctzen soll (Gerspach, 2009).<\/p>\n<figure id=\"attachment_534\" aria-describedby=\"caption-attachment-534\" style=\"width: 278px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-11.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-534 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-11.png\" alt=\"Eine Karikatur, die zeigt wie ein Strauss und ein Mensch gemeinsam die K\u00f6pfe in den Sand stecken.\" width=\"278\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-11.png 278w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-11-65x50.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-11-225x174.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 278px) 100vw, 278px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-534\" class=\"wp-caption-text\">(c) psychologytoday.com<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abwehrmechanismen<\/i> <\/span>geh\u00f6ren zu den Funktionen des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ich<\/i> <\/span>und dienen der Wahrnehmung und Bew\u00e4ltigung der psychischen Realit\u00e4t. Eine Wahrnehmung verf\u00e4llt der Abwehr, wenn die bewusste Konfrontation damit dem Ich Unlust bereitet. Allgemein richtet sich die Abwehr gegen alles, was Angst hervorrufen kann: Emotionen, bestimmte Situationen, Vorstellungen, \u00dcber-Ich-Forderungen etc. Dabei kann sich die Abwehr der verschiedensten Aktivit\u00e4ten bedienen (Arbeitskreis OPD, 2006).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die Abwehr ist im Dienste der Unlustvermeidung funktional, wenn sie die Wahrnehmung der unangenehmen Konfrontation umgeht. Das gelingt durch bestimmte Mechanismen wie Verdr\u00e4ngung als der zentralen Leistung des Unbewusstmachens, sowie durch weitere Abwehrmechanismen wie Leugnung, Isolierung, Ungeschehenmachen, Projektion, Regression Rationalisierung etc. (Freud, 1964).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das klassische Konzept der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abwehr<\/i> <\/span>geht davon aus, dass Abwehr als solche nicht pathologisch ist, da sie zugleich die Voraussetzung f\u00fcr die Charakterbildung ist. Die Ich-St\u00e4rkung und mit ihr die Abwehrorganisation sind f\u00fcr die kindliche Entwicklung entscheidend und ebenso wichtig wie die Entwicklung der Triebe (Mertens, 2014, S. 7 \/K\u00fcchenhoff).<\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Abwehrmechanismen<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-12.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-535 size-full alignright\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-12.png\" alt=\"Karikatur eines Tintenfisches, der eine grosse violette Tintenwolke ausst\u00f6sst.\" width=\"226\" height=\"143\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-12.png 226w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-12-65x41.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-12-225x142.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px\" \/><\/a>Abwehrmechanismen<\/i> <\/span>sind mentale Strategien, mit denen sich das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ich<\/i> <\/span>gegen den t\u00e4glichen Konflikt zwischen Impulsen des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Es<\/i><\/span>, die nach Ausdruck verlangen, und der Forderung des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcber-Ich<\/i><\/span>, diese zu verweigern, verteidigt. In der psychoanalytischen Theorie werden diese Mechanismen als essenziell f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung m\u00e4chtiger innerer Konflikte durch das Individuum betrachtet. Durch ihren Einsatz ist eine Person in der Lage, ein g\u00fcnstiges Selbstbild aufrechtzuerhalten und ein akzeptables soziales Erscheinungsbild zu wahren. Wenn ein Kind beispielsweise starke Hassgef\u00fchle gegen seinen Vater hegt \u2014 die gef\u00e4hrlich w\u00e4ren, wenn sie ausgelebt w\u00fcrden \u2014, kann die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verdr\u00e4ngung<\/i> <\/span>einsetzen und die Hassgef\u00fchle ins Unbewusste verbannen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der feindselige Impuls strebt dann nicht l\u00e4nger bewusst danach, ausgelebt zu werden, er wird nicht einmal mehr als existent wahrgenommen. Obwohl der Impuls nicht mehr wahrgenommen wird, ist er dennoch nicht verschwunden; die Gef\u00fchle spielen weiterhin eine Rolle bei der Funktionsweise der Pers\u00f6nlichkeit. Indem es beispielsweise eine starke <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Identifikation<\/i> <\/span>mit seinem Vater entwickelt, kann das Kind sein Selbstwertgef\u00fchl vergr\u00f6ssern und seine unbewusste Furcht vor der Enttarnung als feindselige Person verringern (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008).<\/p>\n<div class=\"textbox\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abwehrmechanismen<\/i> <\/span>halten Vorstellungen, Gef\u00fchlsregungen, Gem\u00fctsbewegungen, Handlungsimpulse, Triebregungen oder Ged\u00e4chtnisinhalte, die f\u00fcr das Individuum aversiv sind und die es nicht zur Kenntnis nehmen will, vom Bewusstsein fern.<\/div>\n<p>Abwehrmechanismen sind kommunikative, mentale und physische Operationen, die der Spannungsregulierung dienen. Es geht um die Herstellung oder Aufrechterhaltung des Wohlbefindens, des positiven Selbstgef\u00fchls und des Sicherheitsgef\u00fchls.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Abwehr und Abwehrmechanismen<\/h3>\n<p>Im folgenden Videoausschnitt beschreibt die Psychoanalytikerin Vera Luif die psychoanalytischen Konzepte der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Abwehr <\/span>und der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Abwehrmechanismen<\/span>.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/09_AbwehrAllgemein640.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/09_AbwehrAllgemein640.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Verdr\u00e4ngung<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verdr\u00e4ngung<\/i> <\/span>ist der grundlegende Abwehrmechanismus: Gedanken, Gef\u00fchle oder Erinnerungen, die Schmerz oder Schuldgef\u00fchle verursachen, werden aus dem Bewusstsein ausgeschlossen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Individuum unterdr\u00fcckt die Wahrnehmung bedrohlicher oder verp\u00f6nter Triebimpulse oder Affekte, die es gegen\u00fcber einem Objekt hat. Die Verdr\u00e4ngung geht vom <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ich<\/i> <\/span>aus, eventuell im Auftrag des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcber-Ich<\/i><\/span>, und verhindert eine vom <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Es<\/i> <\/span>angeregte Triebbesetzung. Manchmal schliesst dieser Kompromiss zwischen dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Es<\/i> <\/span>und dem<i> <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00dcber-Ich<\/span><\/i> ein, dass dem Es ein Riegel vorgeschoben wird. Extreme Begierden werden aus dem Bewusstsein in die Privatheit des Unbewussten gedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Verdr\u00e4ngung ist der psychische Prozess, der das Individuum davor sch\u00fctzt, extreme Angst oder Schuld zu empfinden, weil seine Impulse, Vorstellungen und Erinnerungen inakzeptabel sind und\/oder weil ihr Ausdruck gef\u00e4hrlich w\u00e4re. Dem Ich bleibt sowohl der zensierte mentale Inhalt verborgen als auch der Prozess, mit dem die Verdr\u00e4ngung die Informationen aus dem Bewusstsein fernh\u00e4lt. Verdr\u00e4ngung gilt als die grundlegendste der verschiedenen Methoden, mit welchen sich das Ich vor einer \u00dcberw\u00e4ltigung durch bedrohliche Impulse und Vorstellungen sch\u00fctzt (Zimbardo &amp; Gerrig, 2008).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verdr\u00e4ngte<\/i> <\/span>bildet einen Teil des Unbewussten und bleibt dort aktionsf\u00e4hig. Mit der Gegenbesetzung sch\u00fctzt sich das Bewusste gegen das Andr\u00e4ngen der unbewussten Vorstellung. Dies wird in der analytischen Arbeit als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Widerstand<\/i> <\/span>erkennbar.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Verdr\u00e4ngung zeigt sich in scheinbar unerkl\u00e4rlicher Naivit\u00e4t, Fehler beim Erinnern oder im Versagen bestimmter Sinnesorgane bei der Aufnahme von Information (Boothe et al., 2013).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">\u00abDas muss ich wohl absichtlich verdr\u00e4ngt haben\u00bb stellt eine beliebte Redewendung dar, die h\u00e4ufig im Sinne von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">bewusst unterdr\u00fccken<\/span> oder <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">vergessen <\/span>gebraucht wird. Der Vorgang der Verdr\u00e4ngung ist jedoch wie bei jedem Abwehrmechanismus als unbewusst zu bezeichnen, d.h. der Betreffende bemerkt nichts davon. Was f\u00fcr den Prozess gilt, trifft ebenso f\u00fcr die Inhalte zu: auch diese k\u00f6nnen nicht mehr anhand von Erinnerung in das Ged\u00e4chtnis zur\u00fcckgeholt werden (Mertens, 1992).<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Die Verdr\u00e4ngung (Psychoanalyse)<\/h3>\n<p>Im folgenden Videoausschnitt beschreibt die Psychoanalytikerin Vera Luif den Abwehrmechanismus der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verdr\u00e4ngung<\/i><\/span>.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/10_Verdraengung640.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/10_Verdraengung640.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die folgende Videoszene zeigt ein Beispiel zu Verdr\u00e4ngung oder Verleugnung.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/11_Antonj-Tanne.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/11_Antonj-Tanne.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<p>Aufgabe:\u00a0Formuliere f\u00fcr dich, wie die Abwehrmechanismen in dieser Szene von den verschiedenen Personen gehandhabt werden.<\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Verschiebung<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verschiebung<\/i> <\/span>ist wie die Projektion eine \u00dcbertragung verdr\u00e4ngter W\u00fcnsche und Impulse. In diesem Fall verschiebt man seine Feindseligkeit von einem gef\u00e4hrlichen Objekt auf einen sichereren Ersatz.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">Beispiel: Der Mann, dem der Parkplatz weggenommen wurde, l\u00e4sst seine angestaute Wut zu Hause heraus, indem er einen Streit mit seiner Freundin vom Zaun bricht (Comer, 2008).<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Wegen ihrer multiplen Funktionen sind <span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Verschiebung <\/span>und<i> <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verdichtung<\/i> <\/span>als Generalmechanismen sowohl des normalen als auch des pathologischen seelischen Geschehens zu bezeichnen. Als Abwehrmechanismen im Dienste der Zensur (A. Freud, 1936) dezentrieren und maskieren sie<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00a0<\/span><i style=\"font-size: 1em\">unbewusste W\u00fcnsche<\/i><i><span style=\"font-size: 1em\">\u00a0<\/span><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">und Vorste<\/span><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">llungen<\/span><\/i><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\"> und bilden damit die wichtigsten Teilschritte bei der neurotischen und psychotischen Symptombildung. Dar\u00fcber hinaus spielen sie bei normalen Denk-, Erinnerungs- und Aufmerksamkeitsvorg\u00e4ngen, bei der Gestaltung von Tr\u00e4umen, von Witzen, Metaphern, M\u00e4rchen, Massenph\u00e4nomenen und Kulturleistungen eine zentrale Rolle (Mertens, 2014, S. 1060\/Leuschner).<\/span><\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Verschiebung und Verdichtung<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verschiebung<\/i> <\/span>ist derjenige seelische Vorgang, durch den seelische Energie, mit der bestimmte unbewusste Vorstellungsrepr\u00e4sentanzen besetzt sind, an eine andere Besetzung abgegeben wird. Dieser Vorgang ist somit als ein der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Verdichtung<\/i> <\/span>entgegengesetzter Prozess zu verstehen. Verschiebung dient der psychischen \u00d6konomie, indem Affektbetr\u00e4ge relativ frei von einem Inhalt zum anderen \u00fcberwechseln k\u00f6nnen. Daher wird im Hinblick auf den psychodynamischen Aspekt der Objektbesetzung die Verschiebung auch synonym als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Affektverschiebung<\/i><\/span> bezeichnet. Sie kann als Ergebnis einer \u00dcberdeterminierung aufgefasst werden. Verschiebung und Verdichtung kennzeichnen den Prim\u00e4rprozess. Die Konzeption geht auf Freud zur\u00fcck und wurde von ihm zuerst als Vorgang der Traumarbeit beschrieben. Nach Freuds \u00f6konomischer Theorie kann eine Vorstellung den ganzen Energiebetrag ihrer Besetzung an eine andere <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>abgeben<\/i><\/span>. Durch den Prozess der Verdichtung kann sie die Besetzung mehrerer anderer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>aufnehmen<\/i><\/span>. Bisweilen dient die Verschiebung auch als Abwehrmechanismus, so z. B. bei Phobien oder Deckerinnerungen. (nach Wikipedia)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Regression<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Regression<\/i> <\/span>bezeichnet man den R\u00fcckzug vor einem angsterzeugenden Konflikt auf eine Entwicklungsstufe, auf der keine Anspr\u00fcche an reifes und verantwortliches Handeln gestellt werden (Comer 2008). Dieser R\u00fcckzug auf eine fr\u00fchere Entwicklungsstufe des Denkens, F\u00fchlens oder Handelns erfolgt unbewusst (z.B. Trotzverhalten, Fresslust, Suche nach Versorgung). Die entstehenden Probleme durch regressives Verhalten werden durch andere Abwehrmechanismen abgewehrt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_536\" aria-describedby=\"caption-attachment-536\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-13.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-536 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-13.png\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-13.png 210w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-13-65x54.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-536\" class=\"wp-caption-text\">(c) lolasrecoverysite .wordpress.com<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Der Prozess psychischer Erkrankung wird dann <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>regressiv<\/i><\/span> genannt, wenn der Kranke in einer belastenden Lebenssituation seine inneren Konflikte nur dadurch bew\u00e4ltigen kann, dass er auf fr\u00fchere, kindliche und insofern primitivere Erlebnis- und Verarbeitungsweisen zur\u00fcckgreift.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Unter den Bedingungen der<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"> <i>psychoanalytisch-therapeutischen<\/i> Situation<\/span> regrediert ein Patient dann, wenn er die \u00dcbertragungssituation entsprechend seiner unbewussten Beziehungsphantasien gestaltet.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Regressionen<\/i> <\/span>unterscheiden sich hinsichtlich zahlreicher Eigenschaften: Sie k\u00f6nnen die ganze Pers\u00f6nlichkeit erfassen oder nur eine einzelne Ich-Funktion ver\u00e4ndern, stabil oder sporadisch auftreten, sie sind pathologisch (krankhaft) oder gutartig (im Dienste des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ich<\/i><\/span>).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Regressionen dienen im Alltagsleben der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Problembew\u00e4ltigung<\/i> <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Konfliktl\u00f6sung<\/i><\/span>, wenn das Subjekt vor\u00fcbergehend von einer hochstrukturierten, zielorientierten zu einer eher ganzheitlichen, anmutungshaften Wahrnehmungs- und Denkweise zur\u00fcckkehrt, oder auch wenn sich ein Individuum\u00a0 introspektiv seinen vorbewussten und unbewussten <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Phantasien<\/i><\/span> \u00f6ffnet, z. B. in sch\u00f6pferischem Denken oder k\u00fcnstlerischer Produktivit\u00e4t (Mertens, 2014, S. 803\/K\u00f6rner).<\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Rationalisierung<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">In der Psychoanalyse ist <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Rationalisierung<\/i> <\/span>ein Abwehrmechanismus des Ich, n\u00e4mlich der Versuch, Handlungen, die durch unbewusste Motive gesteuert werden (z.B. durch verdr\u00e4ngte Triebimpulse), nachtr\u00e4glich einen rationalen Sinn zu geben.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Rationalisierung ist einer der verbreitetsten Abwehrmechanismen. Gem\u00e4ss Sigmund Freud ist die Rationalisierung ein Versuch, uns und anderen unser Verhalten vern\u00fcnftig zu erkl\u00e4ren, obwohl ein Grossteil davon auf unbewusste Triebe zur\u00fcckgeht, die irrational und infantil sind.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\">Beispiel: Eine Studentin redet ihren Eltern deren Besorgnis wegen schlechter Semesternoten aus, indem sie sich auf die \u00abErfahrung des College-Besuchs insgesamt\u00bb beruft und behauptet, dass eine \u00dcberbetonung von Noten dem \u00fcbergeordneten Ziel einer abgerundeten Bildung schade. Diese Rationalisierung kann eine untergr\u00fcndige Versagensangst und ein mangelndes Selbstwertgef\u00fchl verbergen (Comer, 2008).<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p>Die folgende Fabel des griechischen Fabeldichters \u00c4sop (ca. 600\u00a0v.\u00a0Chr) illustriert anschaulich den Vorgang der Rationalisierung.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Citation\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Der Fuchs und die Trauben <\/b><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_538\" aria-describedby=\"caption-attachment-538\" style=\"width: 306px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-14.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-538 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-14.png\" alt=\"Das Bild zeigt eine Illustration der Fabel von \u00c4sop: der Fuchs schaut neugierug zu den hoch oben h\u00e4ngenden Trauben hinauf.\" width=\"306\" height=\"393\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-14.png 306w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-14-234x300.png 234w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-14-65x83.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-14-225x289.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 306px) 100vw, 306px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-538\" class=\"wp-caption-text\">(c) Jules David:The Fox and the Grapes<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Citation\"><em>Eine Maus und ein Spatz sa\u00dfen an einem Herbstabend unter einem Weinstock und plauderten miteinander. Auf einmal zirpte der Spatz seiner Freundin zu: \u00abVersteck dich, der Fuchs kommt\u00bb, und flog rasch hinauf ins Laub.<\/em><\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Citation\"><em>Der Fuchs schlich sich an den Weinstock heran, seine Blicke hingen sehns\u00fcchtig an den dicken, blauen, \u00fcberreifen Trauben. Vorsichtig sp\u00e4hte er nach allen Seiten. Dann st\u00fctzte er sich mit seinen Vorderpfoten gegen den Stamm, reckte kr\u00e4ftig seinen K\u00f6rper empor und wollte mit dem Mund ein paar Trauben erwischen. Aber sie hingen zu hoch.<\/em><\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Citation\"><em>Etwas ver\u00e4rgert versuchte er sein Gl\u00fcck noch einmal. Diesmal tat er einen gewaltigen Satz, doch er schnappte wieder nur ins Leere.<\/em><\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Citation\"><em>Ein drittes Mal bem\u00fchte er sich und sprang aus Leibeskr\u00e4ften. Voller Gier huschte er nach den \u00fcppigen Trauben und streckte sich so lange dabei, bis er auf den R\u00fccken kollerte. Nicht ein Blatt hatte sich bewegt.<\/em><\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Citation\"><em>Der Spatz, der schweigend zugesehen hatte, konnte sich nicht l\u00e4nger beherrschen und zwitscherte belustigt: \u00abHerr Fuchs, Ihr wollt zu hoch hinaus!\u00bb <\/em><em>Die Maus \u00e4ugte aus ihrem Versteck und piepste vorwitzig: \u00abGib dir keine M\u00fche, die Trauben bekommst du nie.\u00bb Und wie ein Pfeil schoss sie in ihr Loch zur\u00fcck. <\/em><em>Der Fuchs biss die Z\u00e4hne zusammen, r\u00fcmpfte die Nase und meinte hochm\u00fctig: \u00abSie sind mir noch nicht reif genug, ich mag keine sauren Trauben.\u00bb Mit erhobenem Haupt stolzierte er in den Wald zur\u00fcck.<\/em><\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Udo Klinger: Ausgew\u00e4hlte Fabeln von \u00c4sop: <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"http:\/\/www.udoklinger.de\/Deutsch\/Fabeln\/Aesop.htm#Der_Fuchs_und_die_Trauben\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.udoklinger.de\/Deutsch\/Fabeln\/Aesop.htm#Der_Fuchs_und_die_Trauben<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Projektion<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Bei der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Projektion<\/i> <\/span>werden einem Gegen\u00fcber eigene Affekte und Impulse unbewusst zugeschrieben. Die projizierende Person ist dabei felsenfest davon \u00fcberzeugt, dass ihr Interaktionspartner genau so ist, wie sie ihn wahrnimmt. Das Gegen\u00fcber kann eine Person sein, aber auch eine Gruppe oder Institution.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Zum Beispiel hat man nicht selbst ausbeuterische und manipulierende Z\u00fcge und Absichten, sondern der Partner, das andere Geschlecht, das Unternehmen, die Gesellschaft usf.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Projektionen k\u00f6nnen nicht nur zu andauernden Konflikten in Beziehungen f\u00fchren, sondern auch zu schweren wahnhaften\u00a0 Beeintr\u00e4chtigungen. Ein l\u00e4nger andauernder Gebrauch von Projektion schw\u00e4cht die Realit\u00e4tspr\u00fcfung und f\u00fchrt zu negativen Konsequenzen f\u00fcr die Orientierung in der \u00e4usseren Welt (Mertens, 1992).<\/p>\n<div>\n<div class=\"textbox\">Die Projektion dient der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Vermeidung von Angst<\/i><\/span> und der Aufrechterhaltung eines <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>erw\u00fcnschten Selbstbildes<\/i><\/span>.<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel<\/strong>: Eine verheiratete Frau f\u00fchlt sich von ihrem Schwager sexuell bel\u00e4stigt, obwohl dieser nichts mit ihr zu tun haben will. Dabei ist es vielmehr so, dass sie sich unbewusst in ihn verliebt hat. Dies kann nicht zugelassen werden, da sie ja verheiratet ist. Ihr eigener sexueller Wunsch wird auf den Schwager projiziert.<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Von der Projektion ist die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Externalisierung <\/i><\/span>zu unterscheiden: jedermann kennt diese, wenn er z.B. vor\u00fcbergehend einen anderen Menschen f\u00fcr sein momentanes Missgeschick verantwortlich macht, dabei aber weiss oder ahnt, dass dies der Entlastung seines Selbstwertgef\u00fchls dient. Kinder machen davon reichlich Gebrauch. Die Externalisierung bezieht sich in der Regel auf Schuldgef\u00fchle.<\/p>\n<h3>Video: Die Projektion (Psychoanalyse)<\/h3>\n<p>Im folgenden Video beschreibt die Psychoanalytikerin Vera Luif den Abwehrmechanismus der Projektion.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/12_Projektion640.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/12_Projektion640.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Projektive Identifizierung<\/h2>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Unter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>projektiver Identifizierung<\/i><\/span> wird ein Vorgang verstanden, bei dem Teile von abgewehrten eigenen Werten, Gedanken oder Gef\u00fchlen in eine \u00e4ussere Beziehung hinein verlagert werden. Dadurch werden diese als die Gedanken oder Gef\u00fchle der anderen Person wahrgenommen. Dies geschieht durch subtiles oder offenes manipulatives Verhalten. Dadurch wird das Gegen\u00fcber dazu gebracht, den Projektionen gem\u00e4ss zu erleben und sich entsprechend zu verhalten (Mertens, 2014, S. 745\/Reich).<\/div>\n<figure class=\"ilc_media_cont_MediaContainer\">\n<div class=\"ilc_Mob\">\n<figure id=\"attachment_541\" aria-describedby=\"caption-attachment-541\" style=\"width: 257px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-15.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-541 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-15.png\" alt=\"Karikatur zum Thema &quot;Projektive Identifizierung&quot;: eine Figur stellt sich ein Glas Bier vor und sieht ihr Gegen\u00fcber als ein Glas Bier.\" width=\"257\" height=\"195\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-15.png 257w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-15-65x49.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-15-225x171.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 257px) 100vw, 257px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-541\" class=\"wp-caption-text\">(c) www.soth.co.uk<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/figure>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Unerw\u00fcnschte Selbstanteile werden in eine andere Person projiziert.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\u00dcber die konkrete Interaktion wird Druck auf diese Person ausge\u00fcbt, so zu f\u00fchlen und zu handeln, wie es der Projektion entspricht.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">Die projizierten Phantasien und Gef\u00fchle werden durch die andere Person gehalten und verarbeitet, was zu einer Reintrojektion in modifizierter Form f\u00fchrt (Gerspach, 2009).<\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Aus entwicklungspsychologischer Sicht gibt es einen wichtigen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">kommunikativen Aspekt<\/span> der projektiven Identifizierung: Wenn der verzweifelt schreiende S\u00e4ugling z. B. heftige Affekte und Phantasien in seiner Mutter ausl\u00f6st, und wenn diese sich ihm als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Container<\/span> zur Verf\u00fcgung stellt, gelingt eine existentiell \u00fcberaus wichtige Kommunikation: die Modulation der unertr\u00e4glichen Affektspannungen des S\u00e4uglings im Erleben der Mutter und ihr Begreifen der auf den ersten Blick sinnlosen Affekte schafft den Boden f\u00fcr ein Verstehen ihres Kindes. \u00abIn liebevollem. geduldigem Umgang vermittelt sie ihm das Gef\u00fchl, dass seine zun\u00e4chst namenlose Qual in ihr geborgen und verstanden worden ist, so dass sie dann besser ausgehalten und toleriert werden kann\u00bb (Cycon, 1991, S. 167, zit. nach Mertens, 1992).<\/div>\n<div class=\"ilc_section_AdvancedKnowledge ilCOPageSection\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">\n<div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Ideengeschichtlicher Hintergrund:<\/b><\/span><\/p>\n<div>Die mit dem Begriff <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Projektive Identifizierung<\/i><\/span> umschriebenen Ph\u00e4nomene tauchen in der Mythologie und Literatur vielf\u00e4ltig auf und werden hier zur Darstellung genutzt, z. B. in den Figuren des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Alter Ego<\/i><\/span>, des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Doppelg\u00e4ngers<\/i><\/span>, der Verwandlungen, in denen das eigene B\u00f6se in anderer Gestalt wiederbelebt wird.<\/div>\n<p>Diese Themen werden insbesondere in der Romantik, aber auch in der nachfolgenden Literatur durch die Darstellung innerer Zerrissenheit durch Konflikte und \u00abSpaltungen\u00bb sowie des \u00abUnheimlichen\u00bb ausgearbeitet. Schliesslich ist die Erzeugung eines Stellvertreters \u00ab&#8230; die Technik, die jeder erfolgreiche Geschichtenerz\u00e4hler gebraucht. Die F\u00e4higkeit, die Zuh\u00f6rerschaft in solcher Weise in die Handlung einzubeziehen ist die Kunst jedes Dramatikers\u00bb (Wangh 1963, S.141; zit. nach Mertens, 2014\/Reich).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"ilc_section_AdvancedKnowledge ilCOPageSection\">\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<p class=\"textbox__content\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Containing<\/b><\/span> bezeichnet in der Psychologie die F\u00e4higkeit von Psychotherapeuten, Projektionen von Patienten vorerst aufzunehmen, ohne die eigenen Emotionen, die durch die Projektionen ausgel\u00f6st werden, auszuagieren.<\/p>\n<p class=\"textbox__content\">Das Containing wird durch eine Art \u00abtr\u00e4umerisches Ahnungsverm\u00f6gen\u00bb erm\u00f6glicht, \u00e4hnlich der Gem\u00fctsverfassung einer Mutter, die die \u00c4ngste ihres Kindes zu lindern versucht, indem sie diese innerlich modifiziert und anschliessend strukturiert zur\u00fcckspiegelt. Sie \u00fcbernimmt sozusagen eine aktive \u00abVerdauungsarbeit\u00bb unertr\u00e4glicher Gef\u00fchle, anstatt lediglich als Projektionsfl\u00e4che zu dienen.<\/p>\n<div class=\"textbox__content\">\n<p>Die Ich-st\u00e4rkende Funktion f\u00fcr das Kind besteht dabei in zweierlei Hinsicht:<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">einerseits kann es daraufhin die modifizierten und damit aushaltbaren \u00c4ngste durch Introjektion wieder von der Mutter zur\u00fcck aufnehmen.<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">andererseits kann das Baby mit diesem Vorgang die Mutter als ein Objekt verinnerlichen, das es schafft, mit seiner Angst umzugehen. So erreicht es, durch Identifikation mit der Mutter, selbst mit solchen \u00c4ngsten fertig zu werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>(nach Wikipedia)<\/p>\n<p>Die Rollen von Mutter und Kind k\u00f6nnen sinngem\u00e4ss auch auf die Rollen von Therapeut und Patient \u00fcbertragen werden.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3>Exkurs: Liste der Abwehrmechanismen<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Eine Liste von Abwehrmechanismen mit kurzen Definitionen (nach Comer, 2008; Zimbardo &amp; Gerrig, 2008, S. 614; Kriz, 2007). Die Liste hat keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit; je nach AutorIn gibt es mehr oder weniger Abwehrmechanismen.<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Verdr\u00e4ngung<\/b><\/span>: Schmerzhafte oder gef\u00e4hrliche Gedanken werden aus dem Bewusstsein gedr\u00e4ngt und unbewusst gehalten; gilt als grundlegendster Abwehrmechanismus.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Verschiebung<\/b><\/span>: Entladung aufgestauter Gef\u00fchle, \u00fcblicherweise feindseliger Natur, an Objekten, die weniger gef\u00e4hrlich sind als jene, welche die Emotion urspr\u00fcnglich ausgel\u00f6st haben.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Regression<\/b><\/span>: R\u00fcckzug auf einen fr\u00fcheren Entwicklungsstand, was kindlichere Reaktionen und gew\u00f6hnlich auch niedrigere Anspr\u00fcche mit sich bringt.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Reaktionsbildung<\/b><\/span>: Vermeidung des Ausdrucks gef\u00e4hrlicher Begierden durch Unterst\u00fctzung gegenteiliger Einstellungen und Verhaltensweisen, die als \u00abBarriere\u00bb dienen.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Isolierung<\/b><\/span>: Abtrennung der emotionalen Erregung von schmerzhaften Situationen oder Abtrennung von unvereinbaren Einstellungen in logik-sichere Gefilde (die Aufrechterhaltung widerspr\u00fcchlicher Einstellungen, die nie gleichzeitig oder in Beziehung zueinander reflektiert werden).<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Ungeschehenmachen<\/b><\/span>: So tun, als ob bestimmte Gedanken, W\u00fcnsche und Handlungen nicht geschehen w\u00e4ren \u2014 oft verbunden mit Zwangshandlungen und Ritualen.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Projektion<\/b><\/span>: \u00dcbertragung der Schuld f\u00fcr die eigenen Schwierigkeiten auf andere oder die Zuschreibung der eigenen \u00abverbotenen\u00bb Begierden an andere Personen.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Rationalisierung<\/b><\/span>: Der Versuch zu beweisen, dass das eigene Verhalten rational und zu rechtfertigen ist, und dass es insofern wert ist, von einem selbst und von anderen Zustimmung zu erfahren.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Verkehrung ins Gegenteil<\/b><\/span>: Verwandlung des Zieles eines Triebes in sein Gegenteil, mit Umkehrung von Aktivit\u00e4t\/Passivit\u00e4t.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Sublimierung<\/b><\/span>: Befriedigung oder Abarbeitung frustrierter sexueller Begierden in nicht-sexuellen Ersatzhandlungen, die in der eigenen Kultur sozial akzeptiert sind.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Identifikation<\/b><\/span>: Erh\u00f6hung des eigenen Selbstwertgef\u00fchls durch Identifikation mit einer anderen Person oder Institution, die oft eine herausragende Stellung innehat (Verringerung der Angst durch Identifikation mit dem Aggressor).<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Wendung gegen die eigene Person<\/b><\/span>: Ersetzung eines fremden Objektes durch die eigenen Person (z.B. Aggression gegen sich selbst).<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Phantasien<\/b><\/span>: Befriedigung frustrierter Begierden durch imagin\u00e4re Erf\u00fcllung (\u00abTagtr\u00e4umen\u00bb ist eine verbreitete Form).<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Realit\u00e4tsverleugung<\/b><\/span>: Schutz vor der unangenehmen Realit\u00e4t durch die Weigerung, sie wahrzunehmen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Abwehrmechanismen mit Beispielen<\/h3>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">Um die <b>Verdr\u00e4ngung<\/b> kreist die gesamte psychoanalytische Therapie. Alle anderen Abwehrmechanismen gehen aus ihr hervor. Die verdr\u00e4ngende Person vermeidet Angst, indem sie es schmerzlichen oder gef\u00e4hrlichen Gedanken einfach verwehrt, ins Bewusstsein zu dringen. Wenn die Gedanken einmal verdr\u00e4ngt worden sind, k\u00f6nnen andere Abwehrmechanismen sie weiter isolieren.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Ein Manager verweigert seinem Wunsch, bei einer Vorstandssitzung Amok zu laufen und seine Chefs und Kollegen umzubringen, den Zugang zum Bewusstsein.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\"><b>Verleugnung<\/b> ist eine extreme Form von Selbstschutz. Eine Person, die die Realit\u00e4t leugnet, weigert sich einfach, die Existenz einer \u00e4usseren Angstquelle anzuerkennen.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Sie haben morgen eine Abschlusspr\u00fcfung in klinischer Psychologie und sind v\u00f6llig unvorbereitet, doch Sie sagen sich, dass es im Grunde keine wichtige Pr\u00fcfung sei und dass es keinen Grund gebe, heute Abend nicht ins Kino zu gehen.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">Eine <b>Reaktionsbildung<\/b> ist ein Verhalten, das genau das Gegenteil von Impulsen darstellt, die man nicht auszudr\u00fccken oder nicht einmal zu erkennen wagt.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Ein Mann hat homosexuelle Neigungen und reagiert darauf, indem er seinen Kollegen gegen\u00fcber einen strikt antihomosexuellen Standpunkt vertritt.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">Die <b>Verschiebung<\/b> ist wie die Projektion eine \u00dcbertragung verdr\u00e4ngter W\u00fcnsche und Impulse. In diesem Fall verschiebt man seine Feindseligkeit von einem gef\u00e4hrlichen Objekt auf einen sichereren Ersatz.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Der Student, dem der Parkplatz weggenommen wurde, l\u00e4sst seine angestaute Wut zu Hause heraus, indem er einen Streit mit seiner Freundin vom Zaun bricht.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">Durch <b>Isolierung<\/b> verdr\u00e4ngt man die emotionale Komponente einer Reaktion und nimmt Zuflucht zu einem dezidiert logischen Umgang mit dem jeweiligen Problem. Eine derartige Einstellung verk\u00f6rpert exemplarisch Mr. Spock aus der Fernsehserie Raumschiff Enterprise, der \u00fcberzeugt ist, dass emotionale Reaktionen die Analyse eines Ereignisses behindern.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Eine Frau, die vergewaltigt wurde, beschreibt die Auswirkungen, die eine solche Tortur bekanntlich auf das Opfer hat, distanziert und methodisch.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\"><b>Ungeschehenmachen<\/b> ist, wie der Name schon sagt, ein Versuch, f\u00fcr unannehmbare W\u00fcnsche oder Handlungen zu s\u00fchnen, h\u00e4ufig durch ritualisiertes Verhalten.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Eine Frau, die Mordgedanken gegen ihren Mann hegt, staubt bei jedem Auftreten dieser W\u00fcnsche zeremoniell ihr Hochzeitsphoto ab und r\u00fcckt es zurecht.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">Als <b>Regression<\/b> bezeichnet man den R\u00fcckzug vor einem angsterzeugenden Konflikt auf eine Entwicklungsstufe, auf der keine Anspr\u00fcche an reifes und verantwortliches Handeln gestellt werden.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel<\/strong>: Ein Junge, der mit der Wut, die er seiner gef\u00fchllosen und abweisenden Mutter gegen\u00fcber empfindet, nicht fertig wird, verh\u00e4lt sich wieder wie ein S\u00e4ugling, sorgt zum Beispiel nicht mehr f\u00fcr die Erf\u00fcllung seiner Grundbed\u00fcrfnisse und beschmutzt wieder seine Kleidung.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\"><b>Identifikation<\/b> ist das Gegenteil von Projektion. Statt einen Aspekt der eigenen Gedanken oder Gef\u00fchle einem anderen zu unterstellen, versucht man, sein Selbstwertgef\u00fchl zu steigern, indem man die Werte und Gef\u00fchle der Person \u00fcbernimmt, die die Angst verursacht.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> In den Konzentrationslagern im Zweiten Weltkrieg \u00fcbernahmen manche H\u00e4ftlinge das Verhalten und die Einstellungen ihrer Unterdr\u00fccker, sogar bis zum Schaden ihrer Leidensgenossen. Durch Identifikation mit ihren Kerkermeistern (Identifikation mit dem Aggressor) versuchten diese Gefangenen, ihre eigene Angst zu verringern.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">Bei der <b>Sublimierung<\/b> wird sexuelle und aggressive Energie in einer Form ausgedr\u00fcckt, die f\u00fcr die Gesellschaft akzeptabel ist. Dieser Abwehrmechanismus ist insofern einzigartig, als er sehr konstruktiv ist und f\u00fcr das Individuum und die Gemeinschaft n\u00fctzlich sein kann. F\u00fcr Freud stellte die Liebe Sublimierung in ihrer besten Form dar: Sie gestattet \u00a0den Ausdruck und die Befriedigung sexueller Energie in einer gesellschaftlich annehmbaren Weise.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<div class=\"textbox__content\"><strong>Beispiel:<\/strong> Die H\u00f6chstleistungen mancher Menschen in unserer Gesellschaft \u2014 Athleten, K\u00fcnstler und anderer hochmotivierter und -qualifizierter Menschen \u2014 kann man sich damit erkl\u00e4ren, dass sie andere Energien auf ihre Arbeit umlenken.<\/div>\n<\/div>\n<p>alle Beispiele aus Comer (2008, S. 42\/43).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h3>\n<ul>\n<li>Freud, A. (1964). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Das Ich und die Abwehrmechanismen<\/i><\/span> (7. Aufl.). M\u00fcnchen: Kindler.<\/li>\n<li>Mertens, W. (Hrsg.). (2014). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe<\/i><\/span> (4., \u00fcberarb. und erweiterte Auflage). Stuttgart: Kohlhammer. &gt; Darin die Beitr\u00e4ge <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abwehr<\/i> <\/span>(K\u00fcchenhoff) und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Abwehrmechanismen<\/i> <\/span>(Ehlers).<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Widerstand<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Da unbewusste Inhalte zun\u00e4chst einmal als bedrohlich, peinlich oder schmerzhaft empfunden werden, setzt das Unbewusste des Patienten dem Aufdecken dieser Inhalte einen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Widerstand<\/i><\/span> entgegen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-16.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-543 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-16.png\" alt=\"Foto einer Frau, die abwehrend ihre Hand der Kamera entgegenstreckt.\" width=\"123\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-16.png 123w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-16-65x74.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 123px) 100vw, 123px\" \/><\/a>Trotz akzeptierter Grundregel und dem Wunsch nach Hilfe muss der Patient der Aufdeckungsarbeit des Therapeuten Widerst\u00e4nde entgegensetzen, weil die Symptombildung letztlich ein Kompromiss zwischen dem Konflikt und der Abwehrorganisation ist. Deshalb ist die Aufdeckung des Unbewussten, und damit eine Wiederbelebung des Konfliktes, eine schmerzliche Angelegenheit und bedeutet einen zeitweiligen Verlust der Stabilit\u00e4t des Gesamtsystems. Trotz des unbefriedigenden Ergebnisses \u2014 unter dem der Patient ja letztlich leidet \u2014 hatte die Symptombildung ja zu einem gewissen Gleichgewicht gef\u00fchrt (Kriz, 2007).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Funktion des Widerstands<\/i>: <\/span>Der Widerstand in der Therapie hat den Zweck, das Bewusstwerden verdr\u00e4ngter Konflikte zu vermeiden. Dabei zeigt die Widerstandsdynamik \u00fcblicherweise jene charakteristischen Muster, welche die allgemeine Abwehrorganisation des Patienten kennzeichnen (Kriz, 2007).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Schweigen<\/i> <\/span>und das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ausbleiben von Einf\u00e4llen<\/i><\/span> kann auf Widerst\u00e4nden beruhen, ebenso Hemmungen, bestimmte Erlebnisse mitzuteilen, \u00fcbergef\u00fcgiges Assoziieren, rasche Symptomheilungen, Agieren, und vieles andere. Im Grunde kann jedes Verhalten ein Widerstand gegen die Psychoanalyse sein und dazu dienen, sich einer tieferen Einsicht, einem verdr\u00e4ngten Affekt oder einer Erinnerung, dem Durcharbeiten oder der Ver\u00e4nderung zu entziehen. Widerst\u00e4nde zu analysieren bedeutet, sie auf ihre unbewussten Wurzeln zur\u00fcckzuf\u00fchren, das heisst, diese schrittweise aufzudecken und zu deuten. Dabei zeigt sich, dass die h\u00e4ufigste Quelle der Widerst\u00e4nde die \u00dcbertragung ist (Freud, 1912), so dass die Analyse der sogenannten \u00dcbertragungswiderst\u00e4nde ein zentrales Element der psychoanalytischen Technik ist (Boothe et al., 2013).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Der Widerstand (Psychoanalyse)<\/h3>\n<p>Im folgenden Video beschreibt die Psychoanalytikerin Vera Luif das psychoanalytische Konzept des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Widerstands<\/i><\/span>.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/13_Widerstand640.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/13_Widerstand640.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">\u00dcbertragung und Gegen\u00fcbertragung<\/h2>\n<figure id=\"attachment_544\" aria-describedby=\"caption-attachment-544\" style=\"width: 236px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-17.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-544 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-17.png\" alt=\"Die Abbildung in vier Teilen zeigt die \u00dcbertragung einer zornigen Reaktion vom Chef auf den Angestellten, weiter zur Frau des Angestellten, zum Kind und schliesslich zur Katze.\" width=\"236\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-17.png 236w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-17-150x150.png 150w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-17-65x65.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-17-225x225.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 236px) 100vw, 236px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-544\" class=\"wp-caption-text\">(c) Richard Sargent<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Begriff der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcbertragung<\/i><\/span> bezeichnet den Vorgang, dass ein Mensch alte \u2014 oftmals verdr\u00e4ngte \u2014 Gef\u00fchle, Affekte, Erwartungen (insbesondere Rollenerwartungen), W\u00fcnsche und Bef\u00fcrchtungen aus der Kindheit unbewusst auf neue soziale Beziehungen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00fcbertr\u00e4gt<\/i><\/span> und reaktiviert. Urspr\u00fcnglich k\u00f6nnen diese Gef\u00fchle auf die Eltern oder Geschwister bezogen gewesen sein, bleiben aber auch nach der Abl\u00f6sung aus dem Elternhaus in der Psyche pr\u00e4sent und wirken dort weiter. Dieser Vorgang ist zun\u00e4chst normal und weit verbreitet, kann aber, wenn die \u00fcbertragenen Gef\u00fchle sich gegen\u00fcber tats\u00e4chlichen gegenw\u00e4rtigen Beziehungen als nicht angemessen erweisen, zu erheblichen Problemen und Spannungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Als <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gegen\u00fcbertragung<\/i><\/span> bezeichnet man eine Form der \u00dcbertragung, bei der ein Therapeut auf den Patienten (bzw. auf dessen Handlungen und \u00c4usserungen) reagiert und seinerseits seine eigenen Gef\u00fchle, Vorurteile, Erwartungen und W\u00fcnsche auf diesen richtet. Der Therapeut verl\u00e4sst hierbei aus verschiedenen Motiven seine neutrale Position. Daher galt die Gegen\u00fcbertragung in den Anf\u00e4ngen der Psychoanalyse als st\u00f6render Einfluss, den der Therapeut sich bewusst machen muss, und der beseitigt werden muss. Die moderne Psychoanalyse sieht die Gef\u00fchle des Therapeuten gegen\u00fcber dem Patienten eher als eine Art \u00abResonanzboden\u00bb, durch den er Informationen \u00fcber den Patienten gewinnt<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">\u00dcbertragung<\/h3>\n<figure id=\"attachment_545\" aria-describedby=\"caption-attachment-545\" style=\"width: 295px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-18.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-545 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-18.png\" alt=\"Foto eines m\u00e4nnlichen Kopfes mit ausgeschnittenem Gesicht, d.h. ohne Gesicht.\" width=\"295\" height=\"163\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-18.png 295w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-18-65x36.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-18-225x124.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 295px) 100vw, 295px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-545\" class=\"wp-caption-text\">(c) psychologytoday.com<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als st\u00e4rksten Widerstand hatte Freud urspr\u00fcnglich die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcbertragung<\/i><\/span> bezeichnet. Damit werden Gef\u00fchle des Patienten dem Analytiker gegen\u00fcber gekennzeichnet, die nicht in der realen Situation begr\u00fcndet sind, sondern von fr\u00fcheren Beziehungen stammen und nun in der therapeutischen Situation neu belebt werden (Kriz, 2007).<\/p>\n<p>Es geht nach Freud vor allem darum, l\u00e4ngst vergangene Beziehungserfahrungen in der Gegenwart neu zu beleben, so die damit verbundenen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Affekte<\/i> <\/span>neu zu erleben und dem Bewusstsein zug\u00e4nglich zu machen, und damit auch der therapeutischen Beeinflussung.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p><strong>Exkurs:<\/strong><\/p>\n<p>Originaltext Freud zur \u00dcbertragung (Freud, 1905e, zit. nach Thom\u00e4 &amp; K\u00e4chele, 2006, S. 64):<\/p>\n<div>Es sind Neuauflagen, Nachbildungen von den Regungen und Phantasien, die w\u00e4hrend des Vordringens der Analyse erweckt und bewusst gemacht werden sollen, mit einer f\u00fcr die Gattung charakteristischen Ersetzung einer fr\u00fcheren Person durch die Person des Arztes. Um es anders zu sagen: Eine ganze Reihe fr\u00fcherer psychischer Erlebnisse wird nicht als vergangen, sondern als aktuelle Beziehung zur Person des Arztes wieder lebendig. Es gibt solche \u00dcbertragungen, die sich im Inhalt von ihrem Vorbilde in gar nichts bis auf die Ersetzung unterscheiden. Das sind also, um in dem Gleichnisse zu bleiben, einfache Neudrucke, unver\u00e4nderte Neuauflagen. Andere sind kunstvoller gemacht, indem sie sich an irgendeine geschickt verwertete reale Besonderheit an der Person oder in den Verh\u00e4ltnissen des Arztes anlehnen. Das sind also Neubearbeitungen, nicht mehr Neudrucke.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Durch das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Ausagieren verdr\u00e4ngter Konflikte<\/i><\/span> in der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcbertragung<\/i> <\/span>wird die Beziehung von allgemeinen Handlungs-, Erlebens- und Wahrnehmungsmustern und den Widerst\u00e4nden in der Therapiesituation deutlich. Daher kam Freud bald zur Einsicht, dass die \u00dcbertragung als wichtigstes Hilfsmittel angesehen werden kann, um Aufschluss \u00fcber das Verdr\u00e4ngte zu erhalten. Denn der Patient agiert praktisch ein St\u00fcck seiner Lebensgeschichte aus, zu dem er sonst schwer Zugang h\u00e4tte. Ausserhalb der \u00dcbertragung allerdings ist Agieren statt Erinnern h\u00f6chst unerw\u00fcnscht \u2014 der Therapeut muss diesem Wiederholungszwang entgegenwirken (Kriz, 2007).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Die \u00dcbertragung (Psychoanalyse)<\/h3>\n<p>Im folgenden Video beschreibt die Psychoanalytikerin Vera Luif den Begriff der \u00dcbertragung.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/14_Uebertragung640.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/14_Uebertragung640.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Gegen\u00fcbertragung<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gegen\u00fcbertragung<\/i> <\/span>ist als die nicht-neurotische <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Reaktion des Analytikers<\/i><\/span> auf die \u00dcbertragung seiner Patienten definiert. Somit ist die Gegen\u00fcbertragung komplement\u00e4r zur \u00dcbertragung zu sehen und bedeutet praktisch, dass der Therapeut die Gef\u00fchle aufgreift, mit denen er auf die \u00dcbertragung reagiert, d.h. die der Patient quasi in ihm erzeugt. Auch diese Gef\u00fchle k\u00f6nnen nun analysiert und damit die Gegen\u00fcbertragung als therapeutisches Instrument genutzt werden (Kriz, 2007).<\/p>\n<figure id=\"attachment_546\" aria-describedby=\"caption-attachment-546\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-19.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-546 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-19.png\" alt=\"Cartoon about childhood\" width=\"360\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-19.png 360w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-19-300x100.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-19-65x22.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-19-225x75.png 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-19-350x117.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-546\" class=\"wp-caption-text\">(c) www.pixton.com<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Gegen\u00fcbertragung <i>bewirkt<\/i> unbewusste Prozesse, die sich in Phantasien, Stimmungen, Impulsen, Verhaltensweisen oder Einstellungen \u00e4ussern. Die Gegen\u00fcbertragung verl\u00e4uft entweder analog zu den \u00dcbertragungen und stellt somit einen indirekten Indikator f\u00fcr den Inhalt der \u00dcbertragungen dar, oder sie l\u00f6st eine defensive Reaktion im Analytiker aus, welche ihn die Wahrnehmung der Gegen\u00fcbertragung abwehren l\u00e4sst (Boothe et al., 2013).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Historischer Hintergrund<\/span>:<\/b><\/p>\n<p>Der Begriff der Gegen\u00fcbertragung wurde von Freud erstmals im Jahre 1910 erw\u00e4hnt. Er definierte ihn als den \u00abEinfluss des Patienten auf das unbewusste F\u00fchlen des Arztes\u00bb (Freud 1910; zit. nach Mertens, 2002) und beurteilte die Gegen\u00fcbertragung als ein Ph\u00e4nomen, das die Therapie behindert, aber unumg\u00e4nglich mit der \u00dcbertragung zusammenh\u00e4ngt. Anders als bei der \u00dcbertragung, deren Nutzen oder gar zentrale Rolle f\u00fcr die Analyse Freud sp\u00e4ter anerkannte, fand die Gegen\u00fcbertragung keine vergleichbare W\u00fcrdigung in seinen Werken. Isoliert betrachtet schien die Gegen\u00fcbertragung die psychoanalytische Arbeit zu hindern und wurde als neurotisches Verhalten des Analytikers gesehen, welches ihn an seine Grenzen stossen liess (Boothe et al., 2013).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h3>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p>Gerspach (2009, S. 90) zur Gegen\u00fcbertragung:<\/p>\n<p>F\u00fcr den Umgang mit der Gegen\u00fcbertragung ist mittlerweile das Konzept einer nicht-pathologischen Form der projektiven Identifizierung massgeblich. Dieser Begriff markiert noch einmal sehr gut die Dynamik des unbewussten Beziehungsgeschehens. In diesem Konzept, welches auf Melanie Klein zur\u00fcckgeht, verbinden sich der innere mit dem \u00e4usseren Bereich (vgl. Stemmer-L\u00fcck 2004, S. 101ff.):<\/p>\n<ol>\n<li>Unerw\u00fcnschte Selbstanteile werden in eine andere Person projiziert.<\/li>\n<li>\u00dcber die konkrete Interaktion wird Druck auf diese Person ausge\u00fcbt, so zu f\u00fchlen und zu handeln, wie es der Projektion entspricht.<\/li>\n<li>Die projizierten Phantasien und Gef\u00fchle werden durch die andere Person gehalten und verarbeitet, was zu einer Reintrojektion in modifizierter Form f\u00fchrt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Gerspach (2009, S. 90) zur projektiven Identifikation:<\/p>\n<p>Die Verarbeitung der projektiven Identifikation beinhaltet einen Vorgang, durch den ein psychologischer dialektischer Prozess wiederhergestellt wird, in dem der induzierte Gef\u00fchlszustand erfahren, gedanklich nachvollzogen und durch das interpretierende Subjekt verstanden werden kann. Die Gegen\u00fcbertragung wird also als Manifestation dessen betrachtet, was im Analysanden nicht verarbeitet werden kann [&#8230;]. \u00c4hnlich der Mutter erh\u00e4lt er dadurch eine Container-Funktion (vgl. Bion 1992). Im Bionschen Modell vom Container-Contained bedeutet Containing, dass sich die Mutter zur Verf\u00fcgung stellt, um \u00aballe die noch nicht bewussten und (noch) unintegrierbaren Affekte und Empfindungen des S\u00e4uglings (zum Beispiel Wut und Angst) eine Zeitlang in sich zu bewahren, in sich stellvertretend zu verarbeiten, um so das Kind vor einem \u00dcberflutetwerden von seinen Affekten zu sch\u00fctzen und ihm ein Gef\u00fchl der Kontinuit\u00e4t seiner Existenz in Beziehung zu seiner Umwelt zu erm\u00f6glichen\u00bb (vgl. Trescher, Finger-Trescher 1992, 94).<\/p>\n<p>vgl. das Kapitel zum Abwehrmechanismus der \u00abProjektiven Identifizierung\u00bb.<\/p>\n<p>Gerspach, M. (2009). <i>Psychoanalytische Heilp\u00e4dagogik. Ein systematischer \u00dcberblick.<\/i> Stuttgart: Kohlhammer.<\/p>\n<p>&#8211;&gt;Darin Kapitel 2.5, <i>\u00dcbertragung und Gegen\u00fcbertragung<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Agieren<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Mit <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Agieren<\/i> <\/span>wird in der Psychoanalyse ein Verhalten oder Handeln bezeichnet, das Kindheitserfahrungen wiederholt, ohne dass dies dem Subjekt bewusst ist. Agieren steht f\u00fcr <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Handlungen<\/i><\/span>, die der Patient an Stelle von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erinnerungen<\/i> <\/span>produziert (Mertens, 2014, S. 51\/Kl\u00fcwer).<\/p>\n<figure id=\"attachment_548\" aria-describedby=\"caption-attachment-548\" style=\"width: 201px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-20.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-548 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-20.png\" alt=\"Foto einer Frau, die eine Frau, die aus einer grossen Glac\u00e9packung isst.\" width=\"201\" height=\"261\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-20.png 201w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-20-65x84.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-548\" class=\"wp-caption-text\">(c) heartanddesign.blogspot.com<\/figcaption><\/figure>\n<p>Freud beschrieb Agieren erstmals 1905, nachdem er das Ph\u00e4nomen im Zusammenhang mit der Ubertragung seiner Patientin <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Dora<\/i> <\/span>entdeckt hatte. Er setzte Agieren zu <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>\u00dcbertragung<\/i> <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Widerstand<\/i> <\/span>in Beziehung und sah es als einen Ersatz f\u00fcr <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Erinnern<\/i><\/span>. Dora agierte ihre Erinnerungen, anstatt sie \u00abin der Kur zu reproduzieren\u00bb.<\/p>\n<h3>Im Originaltext Freuds:<\/h3>\n<p>Z.B. der Analysierte erz\u00e4hlt nicht, er erinnere, da\u00df er trotzig und ungl\u00e4ubig gegen die Autorit\u00e4t der Eltern gewesen sei, sondern er benimmt sich solcherweise gegen den Arzt. Er erinnert nicht, da\u00df er in seiner infantilen Sexualforschung rat- und hilflos steckengeblieben ist, sondern bringt einen Haufen verworrener Tr\u00e4ume und Einf\u00e4lle vor, jammert, da\u00df ihm nichts gelinge, und stellt es als sein Schicksal hin, niemals eine Unternehmung zu Ende zu f\u00fchren . . . Je gr\u00f6sser der Widerstand ist, desto ausgiebiger wird das Erinnern durch das Agieren (Wiederholen) ersetzt sein (Freud, 1914g, S. 129\/30, zit. nach Mertens, 2014, S. 51).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p><strong><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Wichtig f\u00fcr die Heilp\u00e4dagogik<\/span><\/strong><\/p>\n<div class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Entwicklungspsychologische Konzeptualisierungen machten deutlich, dass es zu einfach ist, das Agieren lediglich als Widerstand gegen das Erinnern peinlicher Vorstellungen zu betrachten. Die Einschr\u00e4nkung dieses Konzepts auf die Wiederholung von Phantasien aus dem Umkreis des sprachlich organisierten Erlebens wurde aufgehoben und auf Erlebnisse aus <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">pr\u00e4verbaler Zeit<\/span> ausgedehnt. Damit wurde auch anerkannt, da\u00df das Agieren f\u00fcr einen Analysanden oftmals die einzige M\u00f6glichkeit darstellt, Erlebnisse aus der pr\u00e4verbalen Zeit wiederzuerleben. Zu dieser handlungsm\u00e4ssigen Inszenierung in der \u00dcbertragung k\u00f6nnen z.B. fr\u00fche Introjektionen von Stimmungs- und Affektvariablen des sensomotorisch und affektiv erfahrenen Dialogs mit der Mutter geh\u00f6ren. Die abwertende Einsch\u00e4tzung, die das Agieren, vor allem mit den Vorg\u00e4ngen des Agierens au\u00dferhalb der \u00dcbertragung, erfahren hatte, wich so einem angemessenen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr sprachlos gebliebene, fr\u00fch erlittene Traumatisierungen, die sich nur handlungsm\u00e4ssig inszenieren k\u00f6nnen. (Mertens, 1992, S. 17)<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Bindung<\/h2>\n<figure id=\"attachment_549\" aria-describedby=\"caption-attachment-549\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-21.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-549 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-21.png\" alt=\"Foto einer Babyhand, die die Hand eines Erwachsenen h\u00e4lt.\" width=\"275\" height=\"274\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-21.png 275w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-21-150x150.png 150w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-21-65x65.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-21-225x224.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-549\" class=\"wp-caption-text\">(c) Institut f\u00fcr Psychologie, Universit\u00e4t Innsbruck<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Als Grundbegriff der Psychoanalyse bezieht sich <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bindung<\/i> <\/span>prim\u00e4r auf die Theorie von John Bowlby, welche die Bildung einer engen emotionalen Beziehung als universelles, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>prim\u00e4res<\/i> <i>menschliches Bed\u00fcrfnis<\/i><\/span> versteht. Wichtig ist dabei die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>affektive Verbindung<\/i><\/span>, die sich zuerst zwischen dem S\u00e4ugling und dessen prim\u00e4rer Bezugsperson entwickelt. Bindung wird verstanden als das Resultat von Verhalten, das die Herstellung von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>N\u00e4he<\/i> <\/span>zum Ziel hat (Mertens, 2014, S. 129\/Strauss).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Dieses Verhaltenssystem wird aktiviert, wenn das Kind sich in Gefahr sieht oder die Bindungsperson nicht mehr in erreichbarer N\u00e4he ist. Dann werden andere Verhaltenssysteme deaktiviert und das kindliche Verhalten konzentriert sich darauf, N\u00e4he wiederherzustellen bzw. zu erhalten. Wenn sich das Kind in Sicherheit f\u00fchlt, wird das System ausgeschaltet und das Kind befasst sich sorglos mit anderen Aktivit\u00e4ten (Mertens, 2014, S. 129\/Strauss).<\/p>\n<div class=\"textbox\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Bindung <\/span>ist Ausdruck (eines emotionalen Kerns) gef\u00fchlter Sicherheit und wahrgenommenen Schutzes vor Gefahr in Gegenwart einer Bindungsperson (Mertens, 2014. S.129\/Strauss).<\/div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Bindungstheorie<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bindungstheorie<\/i> <\/span>entstand aus Bowlbys Bem\u00fchungen um ein Modell, welches die Urspr\u00fcnge psychischer St\u00f6rungen von Kindern und Erwachsenen erkl\u00e4ren konnte, und so wurden Untersuchungen zum Einfluss der fr\u00fchen Umwelt auf die Entwicklung von Neurosen durchgef\u00fchrt. Auch zeigte sich, dass Kinder, die von ihren Eltern getrennt wurden, emotional heftig reagierten \u2014 von trennungsbedingter Angst bis hin zur Depression \u2014 und sich schliesslich emotional zur\u00fcckzogen (Mertens, 2014\/Strauss).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Drei Postulate der Bindungstheorie<\/span>:<\/b><\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Wenn ein Individuum darauf vertraut, dass eine Bindungsfigur verf\u00fcgbar ist, wann immer es das w\u00fcnscht, dann neigt dieses Individuum weniger zu intensiver oder chronischer Furcht als eine andere Person, die dieses Vertrauen aus irgendwelchen Gr\u00fcnden nicht besitzt.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die zweite Behauptung betrifft die sensitive Periode, in der sich dieses Vertrauen entwickelt und lautet: Vertrauen in die Verf\u00fcgbarkeit einer Bindungsperson oder Fehlen desselben entwickelt sich nach und nach in den Jahren der Unreife \u2014 Kleinkindzeit, Kindheit und Jugend \u2014, und was immer sich an Erwartungen in diesen Jahren entwickelt, bleibt f\u00fcr den Rest des Lebens relativ unver\u00e4ndert bestehen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die dritte These bezieht sich auf die Rolle tats\u00e4chlicher Erfahrung; sie lautet: Die mannigfaltigen Erwartungen in Bezug auf die Zug\u00e4nglichkeit und Reaktionsbereitschaft von Bindungsfiguren, die unterschiedliche Individuen in den Jahren der Unreife entwickeln, sind ziemlich genaue Reflexionen der Erfahrungen, die diese Individuen tats\u00e4chlich bereits gemacht haben.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">(Bowlby 1973, S. 246, zit. nach Mertens, 2014, S.130\/Strauss)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Bowlby war Psychiater und Psychoanalytiker. Mangels prospektiver Untersuchungsans\u00e4tze und theoriegeleiteter Empirie arbeitete Bowlby auch mit Konzepten der Verhaltensforschung und der Systemtheorie. Trotz ihrer Ausrichtung auf die Diagnostik und Behandlung emotional gest\u00f6rter Patienten und Familien stiess die Bindungstheorie zuerst in der Entwicklungspsychologie auf Interesse und wurde erst in den letzten Jahren im klinischen Bereich und in der Psychotherapieforschung beachtet (Mertens, 2014\/Strauss).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Bindungsforschung<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die Ergebnisse der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bindungsforschung<\/i> <\/span>sind f\u00fcr die Heilp\u00e4dagogik von von grosser Relevanz. Dort wird seit den Arbeiten von John Bowlby das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Interaktionsverhalten zwischen Kind und Mutter<\/i><\/span> (in seiner Auswirkung auf die Ausbildung der inneren Repr\u00e4sentanzen beim Kind) untersucht, um festzustellen, was sich davon in seinem sp\u00e4teren Bindungs- und Sozialverhalten zeigen wird. Das Verhalten der Mutter ist seinerseits immer von den eigenen fr\u00fcheren Erfahrungen und den damit verkn\u00fcpften Erwartungen, Phantasien und \u00c4ngsten abh\u00e4ngig. F\u00fcr die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bindungsqualit\u00e4t<\/i> <\/span>ist das Bindungsverhalten der m\u00fctterlichen Bezugsperson bedeutsam. Bedingung f\u00fcr eine gute Bindungsqualit\u00e4t ist die kontinuierliche Verf\u00fcgbarkeit der Bezugsperson. Ausserdem ist wichtig, wie die Mutter die Signale des Kindes beantwortet: feinf\u00fchlig, einf\u00fchlsam oder uneinf\u00fchlsam (Gerspach, 2009, S. 74). Vgl. Exkurs unten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_552\" aria-describedby=\"caption-attachment-552\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-22.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-552 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-22.png\" alt=\"Foto mit Mutter und Kind.\" width=\"200\" height=\"122\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-22.png 200w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-22-65x40.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-552\" class=\"wp-caption-text\">(c) www.knetfeder.de<\/figcaption><\/figure>\n<p><i>Mary Ainsworth<\/i> und ihre Mitarbeiter\/innen haben mit dem sogenannten <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Fremde-Situation-Test<\/i><\/span>, bei dem die Kinder kurzzeitig von ihrer Mutter getrennt werden und sich einem unbekannten Menschen gegen\u00fcber sehen, ein einfaches Beobachtungsverfahren entwickelt, mit dem die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Bindungsqualit\u00e4t<\/i> <\/span>bei Kindern im Alter von 1\u20142 Jahren gemessen werden kann. Ihre Systematik einer Einteilung in drei Basisgruppen unterscheidet die folgenden Typen:<\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Sicher gebundene Kinder<\/b><\/span> &#8211; Sie sind beunruhigt und zeigen Trennungsschmerz. Nach der R\u00fcckkehr der Mutter wenden sie sich ihr zu und k\u00f6nnen sich den n\u00f6tigen Trost holen (Typ B).<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><b><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Unsicher-vermeidend gebundene Kinder<\/span> <\/b>\u2013 diese scheinen von der Trennung wenig beeindruckt zu sein, vermeiden bei R\u00fcckkehr der Mutter N\u00e4he und Kontakt zu ihr und unterdr\u00fccken Bindungsgef\u00fchle. Einer fremden Person gegen\u00fcber verhalten sie sich nicht anders als gegen\u00fcber der Mutter (Typ A).<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Unsicher-ambivalent gebundene Kinder<\/b><\/span> \u2013 Sie wirken durch die Trennung enorm beunruhigt und ver\u00e4ngstigt, lassen sich jedoch nach R\u00fcckkehr der Mutter nur langsam beruhigen und sind nicht in der Lage, aus der N\u00e4he zu ihr Sicherheit zu sch\u00f6pfen. Sie wechseln dabei zwischen Suche nach N\u00e4he und aggressiver Ablehnung des Kontakts (Typ C).<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Sp\u00e4ter wurde eine weitere Gruppe hinzugef\u00fcgt, n\u00e4mlich die <span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><strong>desorientiert\/desorganisierten<\/strong> Kinder<\/span> \u2013 sie zeigen ungerichtete Reaktionen, einen Mangel an Strategie und k\u00f6nnen die Mutter nicht als sichere Basis nutzen (Typ D).<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p>Die resonante, emotionale Reaktion der Bezugsperson kann als wichtiges <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Einstimmen <\/span>(<span class=\"ilc_text_inline_Emph\">attunement<\/span>) erachtet werden, das dem Kind die so dringend ben\u00f6tigte Sicherheit gew\u00e4hrt:<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Fehlen die F\u00e4higkeiten zum <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">attunement<\/span>, <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">containing <\/span>und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">holding <\/span>(. . .) ist auch das Kind nicht in der Lage, durch Identifikation mit dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">gen\u00fcgend guten Objekt<\/span> (. . .) eine eigene innere Impuls- und Affektregulierung zu entwickeln (vgl. Leuzinger-Bohleber u. a. 2008, S. 627; zit. nach Gerspach, 2009, S. 74).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Bindung, reflexive Funktionen und Mentalisierung<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Strauss (2014, in Mertens, 2014) zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Mentalisierungsf\u00e4higkeit<\/i><\/span>:<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Sicher <i>gebundene Kinder<\/i><\/span> entwickeln eigene Kompetenz und haben gute Voraussetzungen, Belastungen zu bew\u00e4ltigen, innerhalb von Beziehungen zu kommunizieren und Vertrauen zu entwickeln in die Verf\u00fcgbarkeit anderer Personen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Es spricht vieles daf\u00fcr, dass ein autonomes Selbstgef\u00fchl sich zun\u00e4chst nur aus einer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sicheren Eltern-Kind-Beziehung<\/i><\/span> heraus entwickeln kann. Tats\u00e4chlich zeigen L\u00e4ngsschnittuntersuchungen von Bindungsqualit\u00e4ten aus dem Bereich der Entwicklungspsychologie eine erstaunlich hohe Stabilit\u00e4t, zumindest bis ins fr\u00fche Jugendalter. Zum Verst\u00e4ndnis der klinischen Bedeutung der Bindungstheorie sind Befunde wichtig, die zeigen, dass Bindungsmuster generationen\u00fcbergreifend bestehen. Es wurde in mehreren Untersuchungen gezeigt, dass eine hohe Konkordanz zwischen der Bindungsorganisation von M\u00fcttern und dem Bindungsverhalten von Kleinkindern besteht.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Die moderne Bindungsforschung begreift die Entwicklung einer sicheren Bindung als Grundlage f\u00fcr die Differenzierung der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Reflexionsfunktionen<\/i> <\/span>bzw. der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Mentalisierungsf\u00e4higkeit<\/i><\/span>, die wiederum die Entwicklung des Selbst und der Affektregulierung beeinflusst, und die F\u00e4higkeit &#8222;psychologisch zu interpretieren&#8220; (vgl. hierzu Fonagy, Gergely, Jurist und Target 2004) (Mertens, 2014, S. 131\/Strauss). Siehe auch Gerspach (2009, S. 74-77) und das folgende Kapitel zur <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Mentalisierung<\/span>.<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h3>\n<div class=\"ilc_page_cont_PageContainer\">\n<ul>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Fonagy, P., Gergely, G., Jurist, E. L. &amp; Target, M. (2004). <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst<\/span>.<\/i> Stuttgart: Klett-Cotta.<\/li>\n<li>Gerspach, M. (2009). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Psychoanalytische Heilp\u00e4dagogik.<\/i> Ein systematischer \u00dcberblick<\/span> (Heil- und Sonderp\u00e4dagogik). Stuttgart: Kohlhammer. Darin besonders Teile des Kapitels 2.3 &#8222;Die Ber\u00fccksichtigung zentraler Erkenntnisse der Psychoanalyse&#8220;, S. 74 &#8211; 77.<\/li>\n<\/ul>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Mentalisierung<\/h2>\n<figure id=\"attachment_553\" aria-describedby=\"caption-attachment-553\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-23.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-553 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-23.png\" alt=\"Mehrere Fotos mit Gesichtern von Statuen und realen Gesichtern, ineinander \u00fcbergehend\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-23.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-23-65x49.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-23-225x169.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-553\" class=\"wp-caption-text\">(c) mentalisierung.net<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Mentalisierung<\/i><\/span>oder<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>reflexive Funktion<\/i><\/span>ist eine kognitive Leistung und beschreibt die F\u00e4higkeit, Mitmenschen in Bezug auf ihre mentalen Aktivit\u00e4ten, wie W\u00fcnsche, Hoffnungen, Vermutungen oder Absichten einzusch\u00e4tzen und gleichzeitig \u00fcber das eigene Denken nachzudenken. Mentalisierung und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>reflexive Kompetenz<\/i><\/span> dienen der Selbstorganisation sowie der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Impulskontrolle<\/i><\/span> und <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Affektregulation<\/i><\/span>, und sie stehen im Zusammenhang mit seelischer Gesundheit. So ist die Beeintr\u00e4chtigung der Reflexionsf\u00e4higkeit bei psychischen Erkrankungen oder bei misshandelten Kindern nachgewiesen. Die Entwicklung der Mentalisierung ist ein interaktiver Prozess, in dem der affektive Austausch mit den Objekten der fr\u00fchen Kindheit eine ausschlaggebende Bedeutung hat.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Konzept der Mentalisierung ist auf dem Hintergrund der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Bindungsforschung <\/span>und der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Theory of Mind<\/i><\/span>entstanden und hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Zu verdanken ist dieser Umstand in erster Linie den Arbeiten von Fonagy und Mitarbeitern seit Beginn der 90er Jahre.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Entwicklung<\/i><\/span>der Mentalisierung betrifft eine spezifische kognitive F\u00e4higkeit, die bestimmte Gehirnreifungsprozesse voraussetzt. W\u00e4hrend die einzelnen Hirnstrukturen heranreifen, erwirbt das Kind durch die Umgangsart der Mutter sein Beziehungswissen, welches sich unbewusst auf F\u00fchlen und Handeln auswirkt.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im Alter von ca. 4 Jahren verf\u00fcgt das Kind \u00fcber die M\u00f6glichkeit, \u00fcber das eigene Selbst und \u00fcber das vermutete Innenleben eines anderen Menschen nachzudenken. Es hat gelernt, bei anderen Menschen Gef\u00fchle und Intentionen wahrzunehmen (Boothe et al., 2013).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Entwicklung der Mentalisierung<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Im Alter von <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">ca. 4 Jahren<\/span> verf\u00fcgt das Kind \u00fcber die M\u00f6glichkeit, \u00fcber das eigene Selbst und \u00fcber das vermutete Innenleben eines anderen Menschen nachzudenken. Es hat gelernt, bei anderen Menschen Gef\u00fchle und Intentionen wahrzunehmen. (Boothe et al., 2013 \/ Judith Br\u00e4ndle)<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p><span class=\"ilc_text_inline_Strong\"><b>Entwicklung der Mentalisierung<\/b><\/span><\/p>\n<ul class=\"ilc_list_u_BulletedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>1.-2. Lebensmonat<\/i>:<\/span> Nach der Geburt sind Mutter und Kind nicht mehr verbunden, die Mutter wirkt von aussen auf das Kind ein. Sie \u00fcbernimmt die Rolle einer Koordinatorin der kindlichen Rhythmen, die vom Kind noch nicht eigenst\u00e4ndig ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Das Kind kann diese Rolle erst selber \u00fcbernehmen, wenn es die durch die Mutter gewonnenen Erfahrungen physiologischer Zust\u00e4nde gespeichert hat. Diese an die Mutter delegierte Hom\u00f6ostase ist f\u00fcr das Kind sehr wichtig; sie wird im weiteren Verlauf mit Affekten verbunden und bildet so den affektiven Kern des Menschen. In dieser Zeit bilden sich immer mehr Erwartungen von bestimmten Vorg\u00e4ngen aus, die durch die Verhaltensweisen der Mutter bestimmt werden (z.B. das Stillen).<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>3.-7. Lebensmonat<\/i><\/span>: In der Interaktion zwischen Eltern und Kind kommt es zu Spielen, insbesondere zu L\u00e4chelspielen. Durch das L\u00e4cheln kann das Kind die Erfahrung machen, wie es seine Umwelt beeinflussen kann. Erfolg oder Misserfolg wirken sich auf die Bildung des affektiven Kerns und auf seinen sozialen Stil aus. Im Spiel mit der Mutter lernt das Kind zudem, sein Erregungsniveau und seinen Affektzustand zu regulieren.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>8.-18. Lebensmonat<\/i><\/span>: Das Kind beginnt, eine neue Qualit\u00e4t des Denkens zu entwickeln; es ist der Beginn der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Theory of Mind<\/span>. In dieser Phase f\u00e4ngt das Kind an zu begreifen, dass hinter einem gezeigten Verhalten noch etwas weiteres sein muss. Das von Stern (1992; zit. nach K\u00f6hler, 2004, S.166) als Affektabstimmung bezeichnete Verhalten der Mutter besteht darin, dass die Mutter den Gef\u00fchlszustand, der einer Handlung des Kindes zugrunde liegt, erfasst und ihn in anderer Weise wiedergibt. Die Art der Spiegelung durch die Mutter ist f\u00fcr das sich entwickelnde Selbstgef\u00fchl des Kindes sehr wichtig. Damit entwickelt das Kind zwei Selbstrepr\u00e4sentanzen: eine erste, die seiner eigenen Wahrnehmung entspricht, und eine zweite, wie es mit den Augen der Mutter gesehen wird.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>19.-42. Lebensmonat<\/i><\/span>: Durch den Spracherwerb lernt das Kind, Affekte mit Bedeutung zu versehen und sie zu symbolisieren. Gleichzeitig lernt es im Symbolspiel, sich symbolisch auszudr\u00fccken und \u00fcbt damit, mehrere Perspektiven gleichzeitig zu beachten. Im Rollenspiel konstruiert das Kind eine zweite, so genannte \u00abAls-ob-Realit\u00e4t\u00bb, die von der tats\u00e4chlichen Realit\u00e4t ganz klar unterschieden werden kann.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>ab ca. 54. Lebensmonat<\/i><\/span>: Im Alter von ca. 4 Jahren macht die Hirnentwicklung einen Sprung, die dem Kind erm\u00f6glicht, mehrere Realit\u00e4ten in Betracht zu ziehen, sich von seinem egozentrischen Weltbild zu l\u00f6sen und die Sicht anderer einzunehmen. Es kommt zur Ausbildung der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Theory of Mind<\/span>.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Mentalisierung mit Bezug auf die Heilp\u00e4dagogik<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-25.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-555 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-25.png\" alt=\"Peter Fonagy\" width=\"209\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-25.png 209w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-25-174x300.png 174w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-25-65x112.png 65w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Mentalisieren steht f\u00fcr die menschliche F\u00e4higkeit, eigene mentale Verfassungen in urs\u00e4chlichen Zusammenhang mit der mentalen Verfassung anderer Personen zu bringen (Gerspach, 2009).<\/p>\n<p>Allgemeiner gesagt bezeichnet man <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Mentalisierung<\/i><\/span>in der Psychologie und Psychoanalyse als die \u00abF\u00e4higkeit, das eigene Verhalten oder das Verhalten anderer Menschen durch Zuschreibung mentaler Zust\u00e4nde zu interpretieren\u00bb (Fonagy et al., 2004). Hierbei wird also nicht nur auf das Verhalten des Gegen\u00fcbers eingegangen, sondern auf die eigenen Vorstellungen \u00fcber dessen \u00dcberzeugungen, Gef\u00fchle, Einstellungen, W\u00fcnsche etc., die dem Verhalten zugrunde liegen. Mentalisierung bedeutet gewissermassen am Verhalten \u00abablesen zu k\u00f6nnen, was in den K\u00f6pfen anderer vorgeht\u00bb. So ist es auch m\u00f6glich, das eigene Erleben und Handeln reflexiv zu erfassen. Das Mentalisierungskonzept ist an die Theory-of-Mind-Forschung angelehnt, es wurde von Peter Fonagy und Mary Target gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Gerspach (2009) stellt das Konzept der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Mentalisierung<\/i><\/span>oder <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>reflexiven Funktion<\/i><\/span> mit Sicht auf die Heilp\u00e4dagogik ausf\u00fchrlich vor: <em>Die Gruppe um Peter Fonagy hat ihr Konzept inzwischen \u00e4usserst differenziert ausgearbeitet. Im Anschluss an die kognitionspsychologische <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Theory of Mind<\/span> gehen sie der Frage nach, wie und wann Kinder entdecken, dass sie und andere Wesen mit mentalen Zust\u00e4nden sind. Die F\u00e4higkeit, den Anderen und die eigene Person als Wesen mit geistig-seelischen Zust\u00e4nden zu verstehen, nennen sie Mentalisierung<\/em> (Gerspach, 2009, S. 93 ff.).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">Das Konzept der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Mentalisierung<\/i> <\/span>betont, wie wichtig die affektiv-interaktive Qualit\u00e4t von Prim\u00e4rbeziehungen f\u00fcr die Entwicklung der Mentalisierungsf\u00e4higkeit ist. Zentral ist dabei die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Affektspiegelung<\/i> <\/span>und damit verbunden die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Markierung<\/i> <\/span>des emotionalen Zustands des Kindes durch die Eltern. Durch die Markierung merkt das Kind, dass die \u00fcbertrieben gezeigten Affekte nicht echt, sondern nur eine Darstellung sind. Es \u00fcbertr\u00e4gt die gezeigte Darstellung auf seinen eigenen Zustand und versteht ihn als Ausdruck seines eigenen Affekts.Die Aufgabe der <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Affektspiegelung<\/i> <\/span>wird ab dem Alter von eineinhalb Jahren vom <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Playing-with-reality<\/span> <\/i>\u00fcbernommen. Das symbolische Spiel nimmt von nun an den Platz der Affektspiegelung ein. Jetzt beginnt das Kind zwischen zwei parallel zueinander existierenden Modalit\u00e4ten hin und her zu pendeln: dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Als-ob-Modus<\/span> und dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">\u00c4quivalenzmodus<\/span>. Das Kind erf\u00e4hrt durch beide Modi Gef\u00fchle und Gedanken, jedoch auf andere Art und Weise. Im <i>Als-ob-Modus<\/i> wird die elterliche Darstellung von Affekten durch das Spiel abgel\u00f6st, indem Zust\u00e4nde auf Spielfiguren \u00fcbertragen werden. Im \u00c4quivalenzmodus hingegen nimmt das Kind seine Vorstellungen als real an und sieht sie als Abbilder der Realit\u00e4t.Ein ad\u00e4quater Umgang der Eltern mit den kindlichen Lebens\u00e4usserungen ist von grosser Bedeutung. Nur so k\u00f6nnen der Als-ob-Modus und der \u00c4quivalenzmodus zusammengef\u00fchrt werden. Es entsteht ein so genannter <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>reflektierender Modus<\/i><\/span>, welcher dem Kind erm\u00f6glicht, seine Gedanken und Gef\u00fchle nicht mehr als Abbildung der Realit\u00e4t, sondern eher als eine Einstellung dazu wahrzunehmen. (Boothe et al., 2013)<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Mentalisierung: Weiterf\u00fchrende Links und Literatur<\/h3>\n<ul>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Das Konzept des Mentalisierens und seine Hintergr\u00fcnde in Bindungstheorie, Theory of Mind und Psychoanalyse sind sehr gut im entsprechenden deutschsprachigen <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mentalisierung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikipedia-Artikel<\/a> beschrieben!<\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Mentalisierung<\/span>: Ein neues Konzept in Psychoanalyse und Psychotherapie: <a class=\"ilc_link_ExtLink\" href=\"http:\/\/www.mentalisierung.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.mentalisierung.net<\/a><\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Fonagy, P., Gergely, G., Jurist, E. L. &amp; Target, M. (2004). <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst<\/span>.<\/i> Stuttgart: Klett-Cotta.<\/li>\n<li>Gerspach, M. (2009). <i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\">Psychoanalytische Heilp\u00e4dagogik. Ein systematischer \u00dcberblick (Heil- und Sonderp\u00e4dagogik)<\/span>.<\/i> Stuttgart: Kohlhammer. (Darin Kapitel 2.6: Zum Konzept des Mentalisierens).<\/li>\n<\/ul>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Szene und Szenisches Verstehen<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Szene<\/i><\/span>ist im psychoanalytischen Verst\u00e4ndnis die meist nicht-bewusste Herstellung einer interaktiven Struktur mit Rollenzuweisungen an das Selbst und die in die Szene verstrickten Objekte, die f\u00fcr den Akteur hohe emotionale Bedeutung haben (Boothe et al., 2013).<\/p>\n<figure id=\"attachment_557\" aria-describedby=\"caption-attachment-557\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-26.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-557 size-full\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-26.png\" alt=\"K\u00fcnstlerisches Bild einer Szene mit Flugzeug und winkenden Personen.\" width=\"300\" height=\"182\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-26.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-26-65x39.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/image-26-225x137.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-557\" class=\"wp-caption-text\">(c) Martin Honert 1995<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Szenisches Verstehen<\/i><\/span> ist der Vorgang, in dem der Analytiker die Differenz zwischen der manifesten Szene, der von ihr \u00fcberlagerten aktuellen oder berichteten Situation und einer vom Analysanden fr\u00fcher erlebten Szene f\u00fcr sich zu verstehen versucht, auf der Grundlage der Wahrnehmung von \u00dcbertragung und Gegen\u00fcbertragung (Mertens, 2014, S.934\/Wolf).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Szenisches Verstehen bedeutet das Verstehen von Interaktionsprozessen, es soll entschl\u00fcsselt werden, wie der Analysand den Analytiker in seine Szene einbindet. Der Analytiker steht dabei also nicht in Distanz zu der Szene, sondern muss sich auf das Spiel des Patienten einlassen. Der Patient bringt in die Szene verdr\u00e4ngte Erlebnisse ein. Er agiert durch einen Wiederholungszwang st\u00e4ndig mit dem gleichen Muster, ver\u00e4ndert die urspr\u00fcngliche Szene in seiner Vergangenheit jedoch. Aufgabe des Analytikers ist es nun, die urspr\u00fcngliche Szene bewusst zu machen und zu rekonstruieren.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Die \u00dcbernahme des szenischen Verstehens auf das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Gebiet der P\u00e4dagogik<\/i><\/span> vermag dann pr\u00e4gnant so gefasst werden: \u00abDer Heilp\u00e4dagoge versucht, den Gest\u00f6rten und Behinderten aus dem, was jener offen und verschleiert in Szenen von sich mitteilt, zu verstehen\u00bb (Leber 1979). Jede konflikthafte Verwicklung des P\u00e4dagogen mit seinen Kindern und Jugendlichen erscheint demnach als an seine Person gekn\u00fcpfter inszenierter Wiederholungsversuch unbew\u00e4ltigter Lebensgeschichte. Versteht der P\u00e4dagoge diesen Kontext nicht, tr\u00e4gt er unbewusst zu einer f\u00fcr ihn selber schmerzhaften Vervollst\u00e4ndigung der Szene bei, verh\u00e4lt er sich doch gem\u00e4ss der unbewussten Erwartungen des Interaktionspartners (Gerspach, 2009, S. 110).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Dieses Unverst\u00e4ndnis l\u00e4sst ihm nur eine M\u00f6glichkeit: Genau so unzureichend, abweisend und versagend zu reagieren wie die Elternfiguren. Verh\u00e4lt er sich aber gem\u00e4ss der unbewussten Erwartungen des Kindes, wird die Beziehung zwischen beiden dann die gleichen unbefriedigenden Merkmale aufweisen wie die zu den Eltern. Entwicklung findet dann nicht mehr statt. So wird er leicht in Versuchung geraten, aus einem nicht reflektierten Selbstschutz heraus die ihm zugef\u00fcgte Kr\u00e4nkung zur\u00fcckzugeben und dies wom\u00f6glich noch mit hehren erzieherischen Grunds\u00e4tzen \u2014 \u00abKinder brauchen Grenzen\u00bb \u2014 zu rationalisieren suchen (Gerspach, 2009, S. 110).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Mit dem <span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">szenischen Verstehen<\/span> k\u00f6nnen wir besser nachempfinden, was ein Kind von seinen inneren Schwierigkeiten und Konflikten in reale Handlungen transformiert. Indem es unbewusst in seinem Verh\u00e4ltnis z. B. zu seinen Mitsch\u00fclern und Lehrern etwas inszeniert und diese damit in seinen Bann zieht, \u00e4ussert es sich in seinem (auff\u00e4lligen) Verhalten auf eine verschleierte Weise. Seine innere Problematik und seine unbew\u00e4ltigten Lebensthemen zeigen sich in der Art und Weise, wie es seine Beziehungen zu und mit anderen Menschen arrangiert. Diesen Appell gilt es zu entschl\u00fcsseln, um darauf eine angemessene Antwort zu finden, damit das unbewusst agierte Leiden nach und nach in eine (sprach-)symbolische Form gekleidet werden kann (Gerspach, 2009, S. 112).<\/p>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Szenisches Verstehen im p\u00e4dagogischen Feld<\/h3>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die wesentlichen Grundlagen f\u00fcr das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>szenische<\/i><i>Verstehen<\/i><\/span> im p\u00e4dagogischen Feld sind nach Gerspach (2009, S. 117\/118):<\/p>\n<ol class=\"ilc_list_o_NumberedList\">\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Das szenische Verstehen offenbart uns die unbewusste <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wiederbelebung eines unbew\u00e4ltigten Lebensthemas<\/i><\/span> im aktuellen Beziehungsarrangement, wie es sich als St\u00f6rung darstellt. Wir selbst werden in diese Szene hineingezogen.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Das unbew\u00e4ltigte Thema wird uns vor allem in Form <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>sprachlosen Agierens<\/i><\/span> pr\u00e4sentiert. Es existiert keine andere Form der Selbstmitteilung. In diesem Mangel liegt die Belastung der P\u00e4dagoginnen.<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"ilc_list_item_StandardListItem\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Example2\">Auftrag der Heilp\u00e4dagogik ist es, ein Klima zu schaffen, in dem sich das st\u00f6rende Kind angenommen f\u00fchlt. \u00dcber das Wachsen einer <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>stabilen Beziehung<\/i><\/span> kann allm\u00e4hlich <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Sprache<\/i><\/span>in den Dialog eingebaut werden. Erst wenn eine erlebensnahe Sprache zur Verf\u00fcgung steht, wird sich das st\u00f6rende Verhalten in <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>soziale wie kognitive Kompetenz<\/i><\/span> transformieren lassen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Video: Szenisches Verstehen im psa. Erstgespr\u00e4ch<\/h3>\n<p>Im folgenden Video erl\u00e4utert die Psychoanalytikerin Vera Luif das <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">szenische Verstehen<\/span> als Bestandteil des <span class=\"ilc_text_inline_Emph\">psychoanalytischen Erstgespr\u00e4chs<\/span>.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-video\"><video src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/15_PsychoanalytischesErstgespraech640.mp4\" controls=\"controls\" width=\"1000\" height=\"150\"><track src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/verhalten\/wp-content\/uploads\/sites\/29\/2020\/02\/15_PsychoanalytischesErstgespraech640.vtt\" srclang=\"de\" label=\"Deutsch\" kind=\"subtitles\" \/><\/video><\/figure>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Weiterf\u00fchrende Links und Literatur<\/h3>\n<p>Gerspach, M. (2009). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Psychoanalytische Heilp\u00e4dagogik. Ein systematischer \u00dcberblick<\/i> <\/span>(Heil- und Sonderp\u00e4dagogik). Stuttgart: Kohlhammer.\u00a0Darin das Kapitel 3.2 &#8222;Das szenische Verstehen in der Heilp\u00e4dagogik&#8220;, S. 107 &#8211; 113.<\/p>\n<h2 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Affekttheorien<\/h2>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\">Die <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Affektforschung<\/i><\/span>liefert uns wichtige Zug\u00e4nge zu fr\u00fchkindlichen Entwicklungsprozessen.<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_Standard\"><span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Affekte<\/i><\/span>sind die psychischen Repr\u00e4sentanzen von hierarchisch organisierten, aus dem K\u00f6rperinnern und durch externe Reize aktivierbaren, zielorientierten Motivsystemen. Affekte steuern die Objektbeziehungen, aber auch andere nicht soziale Handlungen in motivspezifischer Weise (Krause, 1983). Affekte wie <span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Freude<\/span><i>, <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Interesse<\/span><i>, <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Furcht<\/span><i>, <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">\u00dcberraschung<\/span><i>, <\/i><span class=\"ilc_text_inline_Emph\" style=\"font-style: italic\">Schmerz <\/span>oder<span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Wut<\/i><\/span>sind die zentralen Organisatoren der Psyche. Sie sind die prim\u00e4re Sinnesmodalit\u00e4t, um die innere wie \u00e4ussere Wirklichkeit zu erkunden (Gerspach, 2009).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Man kann sie definieren als \u00abpsychische Strukturen, die sich aus motivationalen, somatischen, expressiven, kommunikativen sowie emotionalen Komponenten zusammensetzen und an eine bestimmte Vorstellung oder einen bestimmten kognitiven Inhalt gebunden sind\u00bb (vgl. Tyson, Tyson 1997, 141). Von Anfang an bilden sie die Grundlage der Entwicklung von Objektbeziehungen eines Kindes mit seinen prim\u00e4ren Beziehungspartnern. Die Art und Weise, wie ein Kind sich und seine Umgebung wahrnimmt, wird in einem wechselseitigen affektiven Dialog entfaltet. Dieser Dialog bildet das Fundament seines Pers\u00f6nlichkeitsaufbaus (Gerspach, 2009, S. 65).<\/p>\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\">Unbestritten gibt es jedenfalls einen engen Zusammenhang von affektivem Klima des Beziehungsarrangements mit der individuellen <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Entwicklung<\/i><\/span>bzw. <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Entwicklungshemmung<\/i><\/span>eines Kindes. Diesbez\u00fcglich hat sich in der psychoanalytischen Betrachtungsweise in den letzten Jahren eine kleine Revolution ereignet: \u00abAffekte, und nicht die Triebe, sind die uranf\u00e4nglichen Bausteine des psychischen Lebens\u00bb (Mertens 1996, S. 83 f). So zeigt uns etwa die moderne S\u00e4uglingsforschung, dass sich der Mensch zu Beginn seines Lebens vor allem \u00fcber affektive Wahrnehmungskan\u00e4le orientiert und dabei sehr stark auf eine gelingende Regulation seiner Affekte durch seine prim\u00e4ren Beziehungspartner, in der Regel die Mutter, angewiesen ist (Gerspach, 2009, S. 65).<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--key-takeaways\">\n<div class=\"textbox__content\">\n<p class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Die Objektbeziehungstheorie unterstreicht die interaktive Funktion der Affekte. Sie spielen eine Rolle in der Anbahnung interpersoneller Beziehungen und der Regulation von Subjekt-Objekt-Interaktionen. Ein von sechs Komponenten ausgehendes Affektmodell stammt von Rainer Krause. Es untergliedert das Affektsystem in:<\/span><\/p>\n<ol>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Expressive Komponente (mimischer und gestischer Ausdruck des Affekts)<\/span><\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Physiologische Komponente (endokrine und neuronale Ebene des Affekts)<\/span><\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Motivationale Komponente (Innervation der Skelettmuskulatur)<\/span><\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Wahrnehmung\/Bewusstes Erleben des Affekts<\/span><\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Sprachliche Benennung des Erlebens<\/span><\/li>\n<li class=\"ilc_Paragraph ilc_text_block_StandardMitEinzug\"><span style=\"text-align: initial;font-size: 1em\">Bewusste Wahrnehmung des Affekts als inneres Bild und als spezifische situative Bedeutung der Welt und der Objekte<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3 class=\"ilc_page_title_PageTitle\">Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h3>\n<p>Gerspach, M. (2009). <span class=\"ilc_text_inline_Emph\"><i>Psychoanalytische Heilp\u00e4dagogik. Ein systematischer \u00dcberblick<\/i> <\/span>(Heil- und Sonderp\u00e4dagogik). Stuttgart: Kohlhammer. Darin: <span class=\"ilc_text_inline_Strong\">Ganzes Kapitel 3.3.<\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der theoretische Hintergrund der Psychoanalyse ist eng mit Freuds praktischer T\u00e4tigkeit und seinen pers\u00f6nlichen Erfahrungen verbunden. Anf\u00e4nglich verwendete Freud ein Hypnoseverfahren, sp\u00e4ter entwickelte er daraus die Methode der freien Assoziation. Mit der Traumdeutung (1900) entwickelte Freud die Kernkonzepte des psychoanalytischen Theoriegeb\u00e4udes, n\u00e4mlich die Systeme unbewusst, vorbewusst und bewusst. 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