{"id":23,"date":"2021-10-28T10:44:39","date_gmt":"2021-10-28T08:44:39","guid":{"rendered":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/?post_type=part&#038;p=23"},"modified":"2021-11-07T16:59:25","modified_gmt":"2021-11-07T15:59:25","slug":"sehfunktionen","status":"publish","type":"part","link":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/part\/sehfunktionen\/","title":{"raw":"Sehfunktionen","rendered":"Sehfunktionen"},"content":{"raw":"&nbsp;\r\n<div class=\"textbox shaded\"><em>Im Folgenden wird gezeigt, wie und wo die \"<strong>Sehfunktionen<\/strong>\" (z.B. Visus, Gesichtsfeld, Kontrastsehen, Farbsehen) in der ICF-CY verortet sind.\u00a0F\u00fcr Studierende, die bereits viel mit der ICF gearbeitet haben, ist dieser Bereich <strong>fakultativ<\/strong>. F\u00fcr alle anderen bietet er eine gute \u00dcbersicht, \u00fcber das Arbeiten mit der ICF-CY in der Sonder- und Heilp\u00e4dagogik generell und im Speziellen im F\u00f6rderschwerpunkt Sehen.<\/em><\/div>\r\n<em>Ausschnitt aus: Hofer,\u00a0U. (2017). Sehen oder Nichtsehen: Bedeutung f\u00fcr das Lernen und aktive Teilhabe in verschiedenen Bereichen des Lebens. In M. Lang, U. Hofer &amp; F. Beyer (Hrsg.), Didaktik des Unterrichts mit blinden und hochgradig sehbehinderten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern (2. Aufl., S.\u00a017\u201383). Kohlhammer.<\/em>\r\n<h1 class=\"p1\">ICF: Sehen in systemisch-\u00f6kologischer Betrachtungsweise<\/h1>\r\n<p class=\"p1\">Der Gewinn systemischer Betrachtungsweisen liegt in der komplexen und vernetzenden Darstellung von Behinderungen. 2001 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit der ICF ein Nachfolgeinstrument des ICIDH (International Classi<span class=\"s1\">fi<\/span>cation of Impairment, Disability and Handicaps) verabschiedet. Seit 2004 liegt es in deutscher Fassung als <em>\u00bbInternationale Klassi<span class=\"s1\">fi<\/span>kation der Funktionsf\u00e4higkeit, Behinderung und Gesundheit\u00ab<\/em> und seit 2011 als<em> \u00bbInternationale Klassi<span class=\"s1\">fi<\/span>kation der Funktionsf\u00e4higkeit, Behinderung und Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen\u00ab<\/em> (ICF-CY) vor.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_199\" align=\"alignnone\" width=\"662\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/Bildschirmfoto-2021-11-07-um-16.43.09.png\"><img class=\"wp-image-199\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/Bildschirmfoto-2021-11-07-um-16.43.09-300x113.png\" alt=\"\" width=\"662\" height=\"250\" \/><\/a> Internationale Klassifikation der Funktionsf\u00e4higkeit, Behinderung und<br \/>Gesundheit[\/caption]\r\n<h2>Gliederungsprinzipien der ICF-CY<\/h2>\r\n<p class=\"p1\">Die ICF stellt eine umfassende Sammlung an Komponenten von Gesundheit und Wohlbe<span class=\"s1\">fi<\/span>nden dar, mit welchen der Mensch und sein gesamtes Umfeld, dessen f\u00f6rderliche und hemmende Bedingungen, darstellbar ist.<\/p>\r\n<p class=\"p1\">Bezieht man sie auf \u00bbSehen\u00ab, so sind diese F\u00e4higkeiten und ihre Behinderungen bestimmbar auf der k\u00f6rperlichen Ebene der Strukturen und Funktionen. Sie sind aber immer gebunden an Situationen der dinglichen und sozialen Umwelt sowie weitere pers\u00f6nliche Faktoren. Alle zugeh\u00f6rigen Aspekte beein<span class=\"s1\">fl<\/span>ussen sich gegenseitig.<\/p>\r\n<p class=\"p1\">Zusammengenommen ergibt sich daraus ein bio-psycho-soziales Modell zur Festlegung der Aktivit\u00e4t und Teilhabe eines Menschen mit allen vorhandenen Ressourcen, Problemen und Beeintr\u00e4chtigungen in verschiedenen Lebensbereichen. Behinderung ist in diesem Sinne darstellbar als eine negative Wechselwirkung zwischen einer Person und deren Kontext, welche sich auswirkt auf die Funktionsf\u00e4higkeit dieser Person (Kraus de Camargo &amp; Simon 2013).<\/p>\r\n\r\n<ul>\r\n \t<li class=\"p1\">Die ICF-CY folgt diesen Gliederungsprinzipien, enth\u00e4lt aber einige Anpassungen aufgrund der zentralen Bedeutung von Wachstum und Entwicklung in diesem Lebensalter.<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">Die folgenden vier Themenbereiche bestimmten die notwendigen Anpassungen (Hollenweger &amp; Kraus de Camargo 2011, 15 f.):<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">Familienkontext: Entwicklung als dynamischer Prozess der Abh\u00e4ngigkeit der Funktionsf\u00e4higkeit von der kontinuierlichen Interaktion mit der Familie und anderen Personen des nahen sozialen Umfeldes<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">Entwicklung: K\u00f6rperfunktionen und -strukturen sowie die Aneignung von Techniken variieren bezu\u0308glich des Zeitpunkts ihres Auftretens, weshalb Entwicklungsverz\u00f6gerungen oder drohende Behinderungen identi<span class=\"s2\">fi<\/span>zierbar sein mu\u0308ssen.<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">Teilhabe: Je ju\u0308nger Kinder sind, desto mehr sind deren Teilhabem\u00f6glichkeiten durch ihr soziales Umfeld und andere unterstu\u0308tzende Systeme bestimmt.<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">Lebenswelten: Im Laufe der Kindheit ver\u00e4ndern sich deren Lebenswelten in Abh\u00e4ngigkeit von ihren zunehmenden Kompetenzen und ihrer Unabh\u00e4ngigkeit stetig und grundlegend.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"p1\">Die folgende Systematik gilt insgesamt fu\u0308r die ICF wie auch die ICF-CY. Die gew\u00e4hlte Darstellung bezieht sich dabei auf die ICF-CY. Abweichungen von der urspru\u0308nglichen ICF-Fassung betreffen insbesondere die Komponenten der Aktivit\u00e4t und Partizipation.<\/p>\r\n\r\n<h2>K\u00f6rperstrukturen<\/h2>\r\n<p class=\"p1\">Zu den K\u00f6rperstrukturen geh\u00f6ren die anatomischen Teile des K\u00f6rpers. Das sind Organe und Gliedma\u00dfen wie z. B. Gehirn- und Nervenstrukturen, Augen, Ohren, Stimm- und Sprechorgane, Herz-, Atmungs- und Immunsystem, Verdauungssystem, Bewegungssystem, Strukturen der Haut usw. (Hollenweger &amp; Kraus de Camargo 2011, 140 ff.).<\/p>\r\n<p class=\"p1\">Alle Items der K\u00f6rperstrukturen (body structures) beginnen mit <span class=\"s1\">\u203a<\/span>s<span class=\"s1\">\u2039 <\/span>und werden dann weiter differenziert durch Zahlen. Relevant fu\u0308r die Belange des Sehens ist Kapitel 2: \u00bbDas Auge, das Ohr und mit diesen in Zusammenhang stehende Strukturen\u00ab mit den Items s210 bis s230 (ebd., 144 f.).<\/p>\r\n<p class=\"p1\">Hier stellt sich die Frage: Welche K\u00f6rperstrukturen weisen Sch\u00e4digungen auf, die auf der Ebene der Funktionen wesentliche Beeintr\u00e4chtigungen darstellen?<\/p>\r\n\r\n<h2>K\u00f6rperfunktionen<\/h2>\r\n<p class=\"p1\">K\u00f6rperfunktionen sind physiologische und psychologische Funktionen von K\u00f6rpersystemen. Dazu geh\u00f6ren alle mentalen und emotionalen Bereiche (Bewusstsein, Orientierung in Raum und Zeit, allgemeine Intelligenz, Symbolverst\u00e4ndnis, Ged\u00e4chtnis, Motivation, Aufmerksamkeit,<span class=\"s1\">\u2026<\/span>), sensorische und bewegungsbezogene Funktionen, Stimm- und Sprechfunktionen. Im Weiteren sind es kardiovaskul\u00e4re Funktionen, solche der Verdauung, des Stoffwechsels, des reproduktiven Systems und der Haut (ebd., 73 ff.).<\/p>\r\n<p class=\"p1\">Alle Items der K\u00f6rperfunktionen (body functions) beginnen mit <span class=\"s1\">\u203a<\/span>b<span class=\"s1\">\u2039<\/span>.Relevant fu\u0308r die Belange des Sehens ist Kapitel 2, \u00bbSinnesfunktionen und Schmerz\u00ab, mit dem Teil \u00bbSeh- und verwandte Funktionen\u00ab, darin den Items b210 bis b220 (ebd., 92 ff.). Die nachfolgende Liste ist bereits stark gek\u00fcrzt. Eine vollst\u00e4ndige \u00dcbersicht befindet sich bei Hofer 2017.<\/p>\r\n\r\n<ul>\r\n \t<li class=\"p1\">b2100 die <strong>Sehsch\u00e4rfe<\/strong> (Visus) betreffende Funktionen<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">b2101 das <strong>Gesichtsfeld<\/strong><\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">b21021 <strong>Farbsehverm\u00f6gen<\/strong> (Farbsinn)<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">b21022 <strong>Kontrastempfindung<\/strong><\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">...<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"p1\">Aus dem Kapitel 1 \u00bbSpezi<span class=\"s1\">fi<\/span>sche mentale Funktionen\u00ab sind insbesondere die Items b156 zu den \u00bbFunktionen der Wahrnehmung\u00ab bedeutsam (ebd. 84 ff.).<\/p>\r\n\r\n<ul>\r\n \t<li class=\"p1\">b156 Funktionen der Wahrnehmung<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">b1561 visuelle Wahrnehmung<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">b1560 auditive Wahrnehmung<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">b1564 taktile Wahrnehmung<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">b1565 r\u00e4umlich-visuelle Wahrnehmung<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"p1\">Ebenfalls relevant in Bezug auf Sehen k\u00f6nnen weitere Bereiche der spezi<span class=\"s1\">fi<\/span>schen mentalen Funktionen sein (ebd., 81 ff.). So die Items b140 zu den Funktionen der Aufmerksamkeit, die Items b144 zu den Funktionen des Ged\u00e4chtnisses, aber auch die psychomotorischen Funktionen mit den Items b147, die mentalen Funktionen, die die Durchfu\u0308hrung komplexer Bewegungshandlungen betreffen mit dem Item b176 und die Selbstwahrnehmung und die Zeitwahrnehmung betreffende Funktionen mit den Items b180.<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"p1\">Neun Lebensbereiche der Aktivit\u00e4ten und Partizipation\/Teilhabe<\/h2>\r\n<p class=\"p1\">Aktivit\u00e4t bezeichnet die Durchfu\u0308hrung einer Aufgabe oder Handlung und die Partizipation steht fu\u0308r das Einbezogensein, fu\u0308r die Integration in verschiedene Lebensbereiche (ebd., 161 ff.). Wichtig ist die Frage: Was f\u00f6rdert oder beeintr\u00e4chtigt die Aktivit\u00e4t und Partizipation in welchen Bereichen oder Situationen des Lebens?<\/p>\r\n<p class=\"p1\">Die Codierung der Items beginnt mit <span class=\"s1\">\u203a<\/span>d<span class=\"s1\">\u2039 <\/span>und zur Differenzierung folgen auch hier Zahlen.<\/p>\r\n\r\n<ul>\r\n \t<li class=\"p1\">Lernen und Wissensanwendung,<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">allgemeine Aufgaben und Anforderungen,<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">Kommunikation,<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">Mobilit\u00e4t,<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">Selbstversorgung,<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">h\u00e4usliches Leben,<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">interpersonelle Interaktionen und Beziehungen,<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">bedeutende Lebensbereiche,<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">Gemeinschafts-, soziales und staatsbu\u0308rgerliches Leben<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"p1\">Die neun Lebensbereiche werden im original Text in den Folgekapitel in Bezug auf Beeintr\u00e4chtigungen des Sehens fallbezogen dargestellt.<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"p1\">Umweltfaktoren<\/h2>\r\n<p class=\"p1\">\u00bbUmweltfaktoren bilden die materielle, soziale und einstellungsbezogene Umwelt, in der Menschen leben und ihr Dasein entfalten\u00ab (ebd., 228). Zu fragen ist hier nach den Faktoren, die <span class=\"s1\">\u2013 <\/span>aus der Sicht der betroffenen Person <span class=\"s1\">\u2013 <\/span>entweder eine Barriere oder einen F\u00f6rderfaktor darstellen (ebd.). Die Items der Umweltfaktoren (environmental factors) beginnen mit <span class=\"s1\">\u203a<\/span>e<span class=\"s1\">\u2039<\/span>, gefolgt von Zahlen zur weiteren Ausdifferenzierung. Ihre Klassi<span class=\"s1\">fi<\/span>kation (ebd., 230 ff.):<\/p>\r\n\r\n<ul>\r\n \t<li class=\"p1\">Produkte und Technologien,<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">natu\u0308rliche und vom Menschen ver\u00e4nderte Umwelt,<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">Unterstu\u0308tzung und Beziehungen,<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">Einstellungen,<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">Dienste, Systeme und Handlungsgrunds\u00e4tze.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"p1\">Personbezogene Faktoren sind zusammen mit den Umweltfaktoren eine Komponente des Kontextes. Sie werden wegen der \u00bbmit ihnen einhergehenden gro\u00dfen soziokulturellen Unterschiedlichkeit\u00ab nicht in der ICF klassi<span class=\"s1\">fi<\/span>ziert (ebd., 34).<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"p1\">Darstellung von Sch\u00e4digungen, Problemen, Barrieren oder F\u00f6rderfaktoren<\/h2>\r\n<p class=\"p1\">Die Darstellung des Ausma\u00dfes von Beeintr\u00e4chtigungen sieht hinter der jeweiligen Nummer des Items (xxx) eine Skalierung vor.<\/p>\r\n\r\n<ul>\r\n \t<li class=\"p1\">xxx.0 nicht vorhanden (0 bis 4%)<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">xxx.1 leicht ausgepr\u00e4gt (5 bis 24%)<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">xxx.2 m\u00e4\u00dfig ausgepr\u00e4gt (25 bis 49%)<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">xxx.3 erheblich ausgepr\u00e4gt (50 bis 95%)<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">xxx.4 voll ausgepr\u00e4gt (96 bis 100%)<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">xxx.8 nicht spezifiziert<\/li>\r\n \t<li class=\"p1\">xxx.9 nicht anwendbar<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p class=\"p1\">W\u00e4hrend die vorgeschlagene Skalierung fu\u0308r alle Komponenten identisch ist, wechselt die Bezeichnung. Fu\u0308r die K\u00f6rperfunktionen und Strukturen geht es um die \u00bbSch\u00e4digung\u00ab. Bei den Strukturen lassen sich, wo n\u00f6tig, erg\u00e4nzend genauere Angaben machen zur Art einer Ver\u00e4nderung sowie zu deren Lokalisation (z. B. links, rechts oder beidseitig). In Bezug auf Aktivit\u00e4ten und Partizipation wird das \u00bbProblem\u00ab in seiner Auspr\u00e4gung festgelegt und die Umweltfaktoren werden entweder als \u00bbBarriere\u00ab oder aber als \u00bbF\u00f6rderfaktor\u00ab angegeben. Um diese Unterscheidung auf einfache Weise festhalten zu k\u00f6nnen, erhalten die F\u00f6rderfaktoren zus\u00e4tzlich ein <span class=\"s1\">\ufb02 <\/span>hinter der Item-Nummer: xxx <span class=\"s1\">\ufb02 <\/span>(0, 1, 2, <span class=\"s1\">\u2026<\/span>). Funktionsf\u00e4higkeit und Behinderung werden somit in der ICF-Systematik dargestellt durch die Bestimmung relevanter k\u00f6rperlicher Funktionen und Strukturen sowie das Handeln in und die Teilhabe an bestimmten Lebenssituationen. Gleichzeitig sind sie immer gepr\u00e4gt durch die soziale und die materielle Umwelt, welche entweder als Barriere oder als f\u00f6rderlicher Faktor wirken.<\/p>\r\n\r\n<h2 class=\"p1\">Gewinne und Gefahren der ICF<\/h2>\r\n[caption id=\"attachment_200\" align=\"alignnone\" width=\"207\"]<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/ICF-CY.jpeg\"><img class=\"wp-image-200 size-medium\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/ICF-CY-207x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" \/><\/a> Die neue Ausgabe der ICF-CY[\/caption]\r\n<p class=\"p1\">Die ICF bemu\u0308ht sich um eine allgemeinverst\u00e4ndliche Sprache, was die interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit verschiedener Fachpersonen erleichtert.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"p1\">Die ICF als p\u00e4dagogisches Instrument<\/h3>\r\n<p class=\"p1\">Die Nutzbarkeit der ICF im vorschulischen und schulischen Bereich ist nicht zuletzt abh\u00e4ngig von deren Ef<span class=\"s1\">fi<\/span>zienz. Um dieser Bedingung gerecht zu werden, ist sie auch als Kurzversion verfu\u0308gbar (vgl. Hollenweger &amp; Kraus de Camargo 2011, 35) Zus\u00e4tzlich gibt es gestraffte Checklisten fu\u0308r das Kindes- und Jugendalter (Kraus de Camargo &amp; Simon 2013, 83 ff.). Diese richten sich spezi<span class=\"s1\">fi<\/span>sch aus auf vier verschiedene Altersgruppen (null bis drei Jahre, drei bis sechs Jahre, sechs bis zw\u00f6lf Jahre sowie zw\u00f6lf bis 18 Jahre).<\/p>\r\n<p class=\"p1\">Prim\u00e4r dient die ICF der f\u00f6rderdiagnostischen Erfassung vorhandener Probleme in den Lebensbereichen der Aktivit\u00e4ten und Partizipation. Werden diese in Bezug gesetzt zu den vorliegenden funktionalen Sch\u00e4digungen einerseits sowie den Barrieren und F\u00f6rderfaktoren in der Umwelt andererseits, ist eine Basis vorhanden zur Planung p\u00e4dagogischer Ma\u00dfnahmen.<\/p>\r\n<p class=\"p1\">So erfu\u0308llt die ICF ein wichtiges f\u00f6rderplanerisches Anliegen: Zur Festlegung des Bedarfs an F\u00f6rderung und Unterstu\u0308tzung kann auch bei den individuellen St\u00e4rken, bei unproblematischen Bereichen mit bereits entwickelten und beobachtbaren Lern- und Handlungsstrategien angesetzt werden. In den erfassten Umweltbedingungen ist zus\u00e4tzlich erkennbar, wo neben vorhandenen Barrieren bereits F\u00f6rderfaktoren in welchem Ausma\u00df vorhanden sind. Individuelle kompensatorische Angebote medialer und strategischer Art k\u00f6nnen daraus abgeleitet werden.<\/p>\r\n\r\n<h3 class=\"p1\">Die ICF als Klassifikationsinstrument<\/h3>\r\n<p class=\"p1\">Allerdings klassi<span class=\"s1\">fi<\/span>ziert die ICF. Der messende, einordnende und somit auch etikettierende Prozess wird zudem als internationaler Standard gehandelt. Die Klassi<span class=\"s1\">fi<\/span>kation bekommt so fu\u0308r die Betroffenen ein zus\u00e4tzliches Gewicht. Kritisch l\u00e4sst sich zumindest fragen, ob es sich dabei nicht auch um eine bestimmte Konstellation der Verteilung von Macht handeln k\u00f6nnte (Wehrli 2003).<\/p>\r\n<p class=\"p1\">Wie verh\u00e4lt es sich mit der entstehenden Grenze zwischen denjenigen, die irgendwann aufgrund einer bestimmten Vorannahme klassi<span class=\"s1\">fi<\/span>ziert werden, und denjenigen, die es nicht werden?<\/p>\r\n<p class=\"p1\">Ab welchem Ausma\u00df an Beeintr\u00e4chtigung oder Behinderung wird man erfasst?<\/p>\r\n<p class=\"p1\">Ist eine Festlegung dieses Ausma\u00dfes abh\u00e4ngig von der subjektiven Entscheidung des Selbstbetroffenen oder gibt es au\u00dfenstehende \u00bbobjektive\u00ab Kriterien dafu\u0308r?<\/p>\r\n<p class=\"p1\">Ob der in der ICFenthaltenen Terminologie ru\u0308ckt zudemeine in den letzten Jahren eher in den Hintergrund geratenemedizinische Pro<span class=\"s1\">fi<\/span>lierung vonHeil- resp. Sonderp\u00e4dagogikerneut in den Vordergrund. Betroffene sehen darin auch die Gefahr, dass Behinderung wiederum in die N\u00e4he von Krankheit geru\u0308ckt wird und damit als wegzuheilendes Anh\u00e4ngsel betrachtet wird. Dies w\u00e4re gerade auch in Bezug auf blinde Menschen sehr verh\u00e4ngnisvoll, weil sich hierdank konstruktivistischer Ans\u00e4tze inden letzten Jahren ein Perspektivenwechsel angebahnt hat. Behinderung ist eine spezi<span class=\"s1\">fi<\/span>sche Bedingung im Prozess der Auseinandersetzung eines Menschen mit seiner Umwelt. In konstruktivistischerPerspektive ist von der Relativit\u00e4t dessen, was ist, resp. der Vorstellungen daru\u0308ber, auszugehen. Spittler-Massolle betont mit Bezug auf den blinden Jungen, welcher als Tor den Pfosten annimmt und nicht den Zwischenraum zwischen den Pfosten:<\/p>\r\n<p class=\"p2\" style=\"padding-left: 40px\"><em>\u00bbMan kann einem blinden Menschen, der nicht wei\u00df, wie in der sehenden Welt ein Tor verstanden wird (aussieht), dies erkl\u00e4ren, aber ein p\u00e4dagogischer Drang, die eigene Vorstellung des Blinden als falsch zu diskriminieren, und damit zu streichen, w\u00e4re verderblich und deutete wahrscheinlich auf ein tiefes Misstrauen dagegen hin, die Relativit\u00e4t eigener Vorstellungen zu erkennen, oder dieser Drang w\u00e4re der Ausdruck eines Abwehrmechanismus gegenu\u0308ber Blindheit [<span class=\"s3\">\u2026<\/span>]\u00ab (1998, 207 f.).<\/em><\/p>\r\n<p class=\"p1\">Spittler-Massolle pl\u00e4diert dafu\u0308r, das Selbstverst\u00e4ndnis von der sehenden Welt ab und zu durch den \u00bbblinden Blick\u00ab irritieren lassen. Damit k\u00f6nnte der generell gep<span class=\"s1\">fl<\/span>egten Verabsolutierung des Sehens eine kleine Korrektur verpasst werden.<\/p>\r\n<p class=\"p2\" style=\"padding-left: 40px\"><em>\u00bbEs geht hierbei nicht um die Gleichheit der Sinnesemp<span class=\"s3\">fi<\/span>ndungen, sondern vielmehr um die Anerkennung der Tatsache, dass mit unterschiedlichen Sinnen Unterschiedliches wahrgenommen werden kann. In Verbindung mit dem Verarbeiten der Sinneserfahrungen gibt es keinen Anla\u00df und keine Berechtigung, einen qualitativen Unterschied zwischen den Konzepten Blinder und denen Sehender zu machen\u00ab (2001, 289).<\/em><\/p>\r\n<p class=\"p2\">Dass Blindheit Aktivit\u00e4t beeintr\u00e4chtigt, ist plausibel <span class=\"s1\">\u2013 <\/span>vielleicht allzu plausibel. Beschr\u00e4nkungen von Aktivit\u00e4ten in sehr vielen Lebensbereichen sind nicht nur durch die funktionelle Besonderheit erkl\u00e4rbar, sondern auch durch die Tatsache, dass vorhandene Ressourcen nicht ausreichend Resonanz erfahren in der auf Sehen ausgerichtetenUmwelt.<\/p>\r\n<p class=\"p2\">Es genu\u0308gt nicht, wie die ICF vorsieht, die vorhandenen Ressourcen zum Ausgang aller F\u00f6rderplanung zu machen. Ebenso wichtig, und wahrscheinlich noch schwieriger, ist es, den Perspektivenwechsel zu vollziehen und kritisch zu analysieren, ob wir <span class=\"s1\">\u2013 <\/span>begrenzt durch die F\u00e4higkeit des Sehens <span class=\"s1\">\u2013 <\/span>Ressourcen wirklich hinreichend auf die Wirklichkeit des blinden Menschen beziehen k\u00f6nnen.<\/p>\r\n\r\n<div class=\"textbox textbox--exercises\"><header class=\"textbox__header\">\r\n<p class=\"textbox__title\"><strong>Vertiefende Literatur<\/strong><\/p>\r\n\r\n<\/header>\r\n<div class=\"textbox__content\">\r\n<ul>\r\n \t<li><em>Hofer, U. (2017). Sehen oder Nichtsehen: Bedeutung f\u00fcr das Lernen und aktive Teilhabe in verschiedenen Bereichen des Lebens. In M. Lang, U. Hofer &amp; F. Beyer (Hrsg.), Didaktik des Unterrichts mit blinden und hochgradig sehbehinderten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern (2. Aufl., S. 17\u201383). Kohlhammer. (<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/Hofer-2017-ICF-Fallbeispiel.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link<\/a>)<\/em><\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n&nbsp;\r\n\r\n&nbsp;","rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"textbox shaded\"><em>Im Folgenden wird gezeigt, wie und wo die &#8222;<strong>Sehfunktionen<\/strong>&#8220; (z.B. Visus, Gesichtsfeld, Kontrastsehen, Farbsehen) in der ICF-CY verortet sind.\u00a0F\u00fcr Studierende, die bereits viel mit der ICF gearbeitet haben, ist dieser Bereich <strong>fakultativ<\/strong>. F\u00fcr alle anderen bietet er eine gute \u00dcbersicht, \u00fcber das Arbeiten mit der ICF-CY in der Sonder- und Heilp\u00e4dagogik generell und im Speziellen im F\u00f6rderschwerpunkt Sehen.<\/em><\/div>\n<p><em>Ausschnitt aus: Hofer,\u00a0U. (2017). Sehen oder Nichtsehen: Bedeutung f\u00fcr das Lernen und aktive Teilhabe in verschiedenen Bereichen des Lebens. In M. Lang, U. Hofer &amp; F. Beyer (Hrsg.), Didaktik des Unterrichts mit blinden und hochgradig sehbehinderten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern (2. Aufl., S.\u00a017\u201383). Kohlhammer.<\/em><\/p>\n<h1 class=\"p1\">ICF: Sehen in systemisch-\u00f6kologischer Betrachtungsweise<\/h1>\n<p class=\"p1\">Der Gewinn systemischer Betrachtungsweisen liegt in der komplexen und vernetzenden Darstellung von Behinderungen. 2001 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit der ICF ein Nachfolgeinstrument des ICIDH (International Classi<span class=\"s1\">fi<\/span>cation of Impairment, Disability and Handicaps) verabschiedet. Seit 2004 liegt es in deutscher Fassung als <em>\u00bbInternationale Klassi<span class=\"s1\">fi<\/span>kation der Funktionsf\u00e4higkeit, Behinderung und Gesundheit\u00ab<\/em> und seit 2011 als<em> \u00bbInternationale Klassi<span class=\"s1\">fi<\/span>kation der Funktionsf\u00e4higkeit, Behinderung und Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen\u00ab<\/em> (ICF-CY) vor.<\/p>\n<figure id=\"attachment_199\" aria-describedby=\"caption-attachment-199\" style=\"width: 662px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/Bildschirmfoto-2021-11-07-um-16.43.09.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-199\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/Bildschirmfoto-2021-11-07-um-16.43.09-300x113.png\" alt=\"\" width=\"662\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/Bildschirmfoto-2021-11-07-um-16.43.09-300x113.png 300w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/Bildschirmfoto-2021-11-07-um-16.43.09-1024x387.png 1024w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/Bildschirmfoto-2021-11-07-um-16.43.09-768x290.png 768w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/Bildschirmfoto-2021-11-07-um-16.43.09-65x25.png 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/Bildschirmfoto-2021-11-07-um-16.43.09-225x85.png 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/Bildschirmfoto-2021-11-07-um-16.43.09-350x132.png 350w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/Bildschirmfoto-2021-11-07-um-16.43.09.png 1101w\" sizes=\"auto, (max-width: 662px) 100vw, 662px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-199\" class=\"wp-caption-text\">Internationale Klassifikation der Funktionsf\u00e4higkeit, Behinderung und<br \/>Gesundheit<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Gliederungsprinzipien der ICF-CY<\/h2>\n<p class=\"p1\">Die ICF stellt eine umfassende Sammlung an Komponenten von Gesundheit und Wohlbe<span class=\"s1\">fi<\/span>nden dar, mit welchen der Mensch und sein gesamtes Umfeld, dessen f\u00f6rderliche und hemmende Bedingungen, darstellbar ist.<\/p>\n<p class=\"p1\">Bezieht man sie auf \u00bbSehen\u00ab, so sind diese F\u00e4higkeiten und ihre Behinderungen bestimmbar auf der k\u00f6rperlichen Ebene der Strukturen und Funktionen. Sie sind aber immer gebunden an Situationen der dinglichen und sozialen Umwelt sowie weitere pers\u00f6nliche Faktoren. Alle zugeh\u00f6rigen Aspekte beein<span class=\"s1\">fl<\/span>ussen sich gegenseitig.<\/p>\n<p class=\"p1\">Zusammengenommen ergibt sich daraus ein bio-psycho-soziales Modell zur Festlegung der Aktivit\u00e4t und Teilhabe eines Menschen mit allen vorhandenen Ressourcen, Problemen und Beeintr\u00e4chtigungen in verschiedenen Lebensbereichen. Behinderung ist in diesem Sinne darstellbar als eine negative Wechselwirkung zwischen einer Person und deren Kontext, welche sich auswirkt auf die Funktionsf\u00e4higkeit dieser Person (Kraus de Camargo &amp; Simon 2013).<\/p>\n<ul>\n<li class=\"p1\">Die ICF-CY folgt diesen Gliederungsprinzipien, enth\u00e4lt aber einige Anpassungen aufgrund der zentralen Bedeutung von Wachstum und Entwicklung in diesem Lebensalter.<\/li>\n<li class=\"p1\">Die folgenden vier Themenbereiche bestimmten die notwendigen Anpassungen (Hollenweger &amp; Kraus de Camargo 2011, 15 f.):<\/li>\n<li class=\"p1\">Familienkontext: Entwicklung als dynamischer Prozess der Abh\u00e4ngigkeit der Funktionsf\u00e4higkeit von der kontinuierlichen Interaktion mit der Familie und anderen Personen des nahen sozialen Umfeldes<\/li>\n<li class=\"p1\">Entwicklung: K\u00f6rperfunktionen und -strukturen sowie die Aneignung von Techniken variieren bezu\u0308glich des Zeitpunkts ihres Auftretens, weshalb Entwicklungsverz\u00f6gerungen oder drohende Behinderungen identi<span class=\"s2\">fi<\/span>zierbar sein mu\u0308ssen.<\/li>\n<li class=\"p1\">Teilhabe: Je ju\u0308nger Kinder sind, desto mehr sind deren Teilhabem\u00f6glichkeiten durch ihr soziales Umfeld und andere unterstu\u0308tzende Systeme bestimmt.<\/li>\n<li class=\"p1\">Lebenswelten: Im Laufe der Kindheit ver\u00e4ndern sich deren Lebenswelten in Abh\u00e4ngigkeit von ihren zunehmenden Kompetenzen und ihrer Unabh\u00e4ngigkeit stetig und grundlegend.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"p1\">Die folgende Systematik gilt insgesamt fu\u0308r die ICF wie auch die ICF-CY. Die gew\u00e4hlte Darstellung bezieht sich dabei auf die ICF-CY. Abweichungen von der urspru\u0308nglichen ICF-Fassung betreffen insbesondere die Komponenten der Aktivit\u00e4t und Partizipation.<\/p>\n<h2>K\u00f6rperstrukturen<\/h2>\n<p class=\"p1\">Zu den K\u00f6rperstrukturen geh\u00f6ren die anatomischen Teile des K\u00f6rpers. Das sind Organe und Gliedma\u00dfen wie z. B. Gehirn- und Nervenstrukturen, Augen, Ohren, Stimm- und Sprechorgane, Herz-, Atmungs- und Immunsystem, Verdauungssystem, Bewegungssystem, Strukturen der Haut usw. (Hollenweger &amp; Kraus de Camargo 2011, 140 ff.).<\/p>\n<p class=\"p1\">Alle Items der K\u00f6rperstrukturen (body structures) beginnen mit <span class=\"s1\">\u203a<\/span>s<span class=\"s1\">\u2039 <\/span>und werden dann weiter differenziert durch Zahlen. Relevant fu\u0308r die Belange des Sehens ist Kapitel 2: \u00bbDas Auge, das Ohr und mit diesen in Zusammenhang stehende Strukturen\u00ab mit den Items s210 bis s230 (ebd., 144 f.).<\/p>\n<p class=\"p1\">Hier stellt sich die Frage: Welche K\u00f6rperstrukturen weisen Sch\u00e4digungen auf, die auf der Ebene der Funktionen wesentliche Beeintr\u00e4chtigungen darstellen?<\/p>\n<h2>K\u00f6rperfunktionen<\/h2>\n<p class=\"p1\">K\u00f6rperfunktionen sind physiologische und psychologische Funktionen von K\u00f6rpersystemen. Dazu geh\u00f6ren alle mentalen und emotionalen Bereiche (Bewusstsein, Orientierung in Raum und Zeit, allgemeine Intelligenz, Symbolverst\u00e4ndnis, Ged\u00e4chtnis, Motivation, Aufmerksamkeit,<span class=\"s1\">\u2026<\/span>), sensorische und bewegungsbezogene Funktionen, Stimm- und Sprechfunktionen. Im Weiteren sind es kardiovaskul\u00e4re Funktionen, solche der Verdauung, des Stoffwechsels, des reproduktiven Systems und der Haut (ebd., 73 ff.).<\/p>\n<p class=\"p1\">Alle Items der K\u00f6rperfunktionen (body functions) beginnen mit <span class=\"s1\">\u203a<\/span>b<span class=\"s1\">\u2039<\/span>.Relevant fu\u0308r die Belange des Sehens ist Kapitel 2, \u00bbSinnesfunktionen und Schmerz\u00ab, mit dem Teil \u00bbSeh- und verwandte Funktionen\u00ab, darin den Items b210 bis b220 (ebd., 92 ff.). Die nachfolgende Liste ist bereits stark gek\u00fcrzt. Eine vollst\u00e4ndige \u00dcbersicht befindet sich bei Hofer 2017.<\/p>\n<ul>\n<li class=\"p1\">b2100 die <strong>Sehsch\u00e4rfe<\/strong> (Visus) betreffende Funktionen<\/li>\n<li class=\"p1\">b2101 das <strong>Gesichtsfeld<\/strong><\/li>\n<li class=\"p1\">b21021 <strong>Farbsehverm\u00f6gen<\/strong> (Farbsinn)<\/li>\n<li class=\"p1\">b21022 <strong>Kontrastempfindung<\/strong><\/li>\n<li class=\"p1\">&#8230;<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"p1\">Aus dem Kapitel 1 \u00bbSpezi<span class=\"s1\">fi<\/span>sche mentale Funktionen\u00ab sind insbesondere die Items b156 zu den \u00bbFunktionen der Wahrnehmung\u00ab bedeutsam (ebd. 84 ff.).<\/p>\n<ul>\n<li class=\"p1\">b156 Funktionen der Wahrnehmung<\/li>\n<li class=\"p1\">b1561 visuelle Wahrnehmung<\/li>\n<li class=\"p1\">b1560 auditive Wahrnehmung<\/li>\n<li class=\"p1\">b1564 taktile Wahrnehmung<\/li>\n<li class=\"p1\">b1565 r\u00e4umlich-visuelle Wahrnehmung<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"p1\">Ebenfalls relevant in Bezug auf Sehen k\u00f6nnen weitere Bereiche der spezi<span class=\"s1\">fi<\/span>schen mentalen Funktionen sein (ebd., 81 ff.). So die Items b140 zu den Funktionen der Aufmerksamkeit, die Items b144 zu den Funktionen des Ged\u00e4chtnisses, aber auch die psychomotorischen Funktionen mit den Items b147, die mentalen Funktionen, die die Durchfu\u0308hrung komplexer Bewegungshandlungen betreffen mit dem Item b176 und die Selbstwahrnehmung und die Zeitwahrnehmung betreffende Funktionen mit den Items b180.<\/p>\n<h2 class=\"p1\">Neun Lebensbereiche der Aktivit\u00e4ten und Partizipation\/Teilhabe<\/h2>\n<p class=\"p1\">Aktivit\u00e4t bezeichnet die Durchfu\u0308hrung einer Aufgabe oder Handlung und die Partizipation steht fu\u0308r das Einbezogensein, fu\u0308r die Integration in verschiedene Lebensbereiche (ebd., 161 ff.). Wichtig ist die Frage: Was f\u00f6rdert oder beeintr\u00e4chtigt die Aktivit\u00e4t und Partizipation in welchen Bereichen oder Situationen des Lebens?<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Codierung der Items beginnt mit <span class=\"s1\">\u203a<\/span>d<span class=\"s1\">\u2039 <\/span>und zur Differenzierung folgen auch hier Zahlen.<\/p>\n<ul>\n<li class=\"p1\">Lernen und Wissensanwendung,<\/li>\n<li class=\"p1\">allgemeine Aufgaben und Anforderungen,<\/li>\n<li class=\"p1\">Kommunikation,<\/li>\n<li class=\"p1\">Mobilit\u00e4t,<\/li>\n<li class=\"p1\">Selbstversorgung,<\/li>\n<li class=\"p1\">h\u00e4usliches Leben,<\/li>\n<li class=\"p1\">interpersonelle Interaktionen und Beziehungen,<\/li>\n<li class=\"p1\">bedeutende Lebensbereiche,<\/li>\n<li class=\"p1\">Gemeinschafts-, soziales und staatsbu\u0308rgerliches Leben<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"p1\">Die neun Lebensbereiche werden im original Text in den Folgekapitel in Bezug auf Beeintr\u00e4chtigungen des Sehens fallbezogen dargestellt.<\/p>\n<h2 class=\"p1\">Umweltfaktoren<\/h2>\n<p class=\"p1\">\u00bbUmweltfaktoren bilden die materielle, soziale und einstellungsbezogene Umwelt, in der Menschen leben und ihr Dasein entfalten\u00ab (ebd., 228). Zu fragen ist hier nach den Faktoren, die <span class=\"s1\">\u2013 <\/span>aus der Sicht der betroffenen Person <span class=\"s1\">\u2013 <\/span>entweder eine Barriere oder einen F\u00f6rderfaktor darstellen (ebd.). Die Items der Umweltfaktoren (environmental factors) beginnen mit <span class=\"s1\">\u203a<\/span>e<span class=\"s1\">\u2039<\/span>, gefolgt von Zahlen zur weiteren Ausdifferenzierung. Ihre Klassi<span class=\"s1\">fi<\/span>kation (ebd., 230 ff.):<\/p>\n<ul>\n<li class=\"p1\">Produkte und Technologien,<\/li>\n<li class=\"p1\">natu\u0308rliche und vom Menschen ver\u00e4nderte Umwelt,<\/li>\n<li class=\"p1\">Unterstu\u0308tzung und Beziehungen,<\/li>\n<li class=\"p1\">Einstellungen,<\/li>\n<li class=\"p1\">Dienste, Systeme und Handlungsgrunds\u00e4tze.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"p1\">Personbezogene Faktoren sind zusammen mit den Umweltfaktoren eine Komponente des Kontextes. Sie werden wegen der \u00bbmit ihnen einhergehenden gro\u00dfen soziokulturellen Unterschiedlichkeit\u00ab nicht in der ICF klassi<span class=\"s1\">fi<\/span>ziert (ebd., 34).<\/p>\n<h2 class=\"p1\">Darstellung von Sch\u00e4digungen, Problemen, Barrieren oder F\u00f6rderfaktoren<\/h2>\n<p class=\"p1\">Die Darstellung des Ausma\u00dfes von Beeintr\u00e4chtigungen sieht hinter der jeweiligen Nummer des Items (xxx) eine Skalierung vor.<\/p>\n<ul>\n<li class=\"p1\">xxx.0 nicht vorhanden (0 bis 4%)<\/li>\n<li class=\"p1\">xxx.1 leicht ausgepr\u00e4gt (5 bis 24%)<\/li>\n<li class=\"p1\">xxx.2 m\u00e4\u00dfig ausgepr\u00e4gt (25 bis 49%)<\/li>\n<li class=\"p1\">xxx.3 erheblich ausgepr\u00e4gt (50 bis 95%)<\/li>\n<li class=\"p1\">xxx.4 voll ausgepr\u00e4gt (96 bis 100%)<\/li>\n<li class=\"p1\">xxx.8 nicht spezifiziert<\/li>\n<li class=\"p1\">xxx.9 nicht anwendbar<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"p1\">W\u00e4hrend die vorgeschlagene Skalierung fu\u0308r alle Komponenten identisch ist, wechselt die Bezeichnung. Fu\u0308r die K\u00f6rperfunktionen und Strukturen geht es um die \u00bbSch\u00e4digung\u00ab. Bei den Strukturen lassen sich, wo n\u00f6tig, erg\u00e4nzend genauere Angaben machen zur Art einer Ver\u00e4nderung sowie zu deren Lokalisation (z. B. links, rechts oder beidseitig). In Bezug auf Aktivit\u00e4ten und Partizipation wird das \u00bbProblem\u00ab in seiner Auspr\u00e4gung festgelegt und die Umweltfaktoren werden entweder als \u00bbBarriere\u00ab oder aber als \u00bbF\u00f6rderfaktor\u00ab angegeben. Um diese Unterscheidung auf einfache Weise festhalten zu k\u00f6nnen, erhalten die F\u00f6rderfaktoren zus\u00e4tzlich ein <span class=\"s1\">\ufb02 <\/span>hinter der Item-Nummer: xxx <span class=\"s1\">\ufb02 <\/span>(0, 1, 2, <span class=\"s1\">\u2026<\/span>). Funktionsf\u00e4higkeit und Behinderung werden somit in der ICF-Systematik dargestellt durch die Bestimmung relevanter k\u00f6rperlicher Funktionen und Strukturen sowie das Handeln in und die Teilhabe an bestimmten Lebenssituationen. Gleichzeitig sind sie immer gepr\u00e4gt durch die soziale und die materielle Umwelt, welche entweder als Barriere oder als f\u00f6rderlicher Faktor wirken.<\/p>\n<h2 class=\"p1\">Gewinne und Gefahren der ICF<\/h2>\n<figure id=\"attachment_200\" aria-describedby=\"caption-attachment-200\" style=\"width: 207px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/ICF-CY.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-200 size-medium\" src=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/ICF-CY-207x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/ICF-CY-207x300.jpeg 207w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/ICF-CY-706x1024.jpeg 706w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/ICF-CY-768x1115.jpeg 768w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/ICF-CY-65x94.jpeg 65w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/ICF-CY-225x327.jpeg 225w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/ICF-CY-350x508.jpeg 350w, https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/ICF-CY.jpeg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 207px) 100vw, 207px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-200\" class=\"wp-caption-text\">Die neue Ausgabe der ICF-CY<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"p1\">Die ICF bemu\u0308ht sich um eine allgemeinverst\u00e4ndliche Sprache, was die interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit verschiedener Fachpersonen erleichtert.<\/p>\n<h3 class=\"p1\">Die ICF als p\u00e4dagogisches Instrument<\/h3>\n<p class=\"p1\">Die Nutzbarkeit der ICF im vorschulischen und schulischen Bereich ist nicht zuletzt abh\u00e4ngig von deren Ef<span class=\"s1\">fi<\/span>zienz. Um dieser Bedingung gerecht zu werden, ist sie auch als Kurzversion verfu\u0308gbar (vgl. Hollenweger &amp; Kraus de Camargo 2011, 35) Zus\u00e4tzlich gibt es gestraffte Checklisten fu\u0308r das Kindes- und Jugendalter (Kraus de Camargo &amp; Simon 2013, 83 ff.). Diese richten sich spezi<span class=\"s1\">fi<\/span>sch aus auf vier verschiedene Altersgruppen (null bis drei Jahre, drei bis sechs Jahre, sechs bis zw\u00f6lf Jahre sowie zw\u00f6lf bis 18 Jahre).<\/p>\n<p class=\"p1\">Prim\u00e4r dient die ICF der f\u00f6rderdiagnostischen Erfassung vorhandener Probleme in den Lebensbereichen der Aktivit\u00e4ten und Partizipation. Werden diese in Bezug gesetzt zu den vorliegenden funktionalen Sch\u00e4digungen einerseits sowie den Barrieren und F\u00f6rderfaktoren in der Umwelt andererseits, ist eine Basis vorhanden zur Planung p\u00e4dagogischer Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p class=\"p1\">So erfu\u0308llt die ICF ein wichtiges f\u00f6rderplanerisches Anliegen: Zur Festlegung des Bedarfs an F\u00f6rderung und Unterstu\u0308tzung kann auch bei den individuellen St\u00e4rken, bei unproblematischen Bereichen mit bereits entwickelten und beobachtbaren Lern- und Handlungsstrategien angesetzt werden. In den erfassten Umweltbedingungen ist zus\u00e4tzlich erkennbar, wo neben vorhandenen Barrieren bereits F\u00f6rderfaktoren in welchem Ausma\u00df vorhanden sind. Individuelle kompensatorische Angebote medialer und strategischer Art k\u00f6nnen daraus abgeleitet werden.<\/p>\n<h3 class=\"p1\">Die ICF als Klassifikationsinstrument<\/h3>\n<p class=\"p1\">Allerdings klassi<span class=\"s1\">fi<\/span>ziert die ICF. Der messende, einordnende und somit auch etikettierende Prozess wird zudem als internationaler Standard gehandelt. Die Klassi<span class=\"s1\">fi<\/span>kation bekommt so fu\u0308r die Betroffenen ein zus\u00e4tzliches Gewicht. Kritisch l\u00e4sst sich zumindest fragen, ob es sich dabei nicht auch um eine bestimmte Konstellation der Verteilung von Macht handeln k\u00f6nnte (Wehrli 2003).<\/p>\n<p class=\"p1\">Wie verh\u00e4lt es sich mit der entstehenden Grenze zwischen denjenigen, die irgendwann aufgrund einer bestimmten Vorannahme klassi<span class=\"s1\">fi<\/span>ziert werden, und denjenigen, die es nicht werden?<\/p>\n<p class=\"p1\">Ab welchem Ausma\u00df an Beeintr\u00e4chtigung oder Behinderung wird man erfasst?<\/p>\n<p class=\"p1\">Ist eine Festlegung dieses Ausma\u00dfes abh\u00e4ngig von der subjektiven Entscheidung des Selbstbetroffenen oder gibt es au\u00dfenstehende \u00bbobjektive\u00ab Kriterien dafu\u0308r?<\/p>\n<p class=\"p1\">Ob der in der ICFenthaltenen Terminologie ru\u0308ckt zudemeine in den letzten Jahren eher in den Hintergrund geratenemedizinische Pro<span class=\"s1\">fi<\/span>lierung vonHeil- resp. Sonderp\u00e4dagogikerneut in den Vordergrund. Betroffene sehen darin auch die Gefahr, dass Behinderung wiederum in die N\u00e4he von Krankheit geru\u0308ckt wird und damit als wegzuheilendes Anh\u00e4ngsel betrachtet wird. Dies w\u00e4re gerade auch in Bezug auf blinde Menschen sehr verh\u00e4ngnisvoll, weil sich hierdank konstruktivistischer Ans\u00e4tze inden letzten Jahren ein Perspektivenwechsel angebahnt hat. Behinderung ist eine spezi<span class=\"s1\">fi<\/span>sche Bedingung im Prozess der Auseinandersetzung eines Menschen mit seiner Umwelt. In konstruktivistischerPerspektive ist von der Relativit\u00e4t dessen, was ist, resp. der Vorstellungen daru\u0308ber, auszugehen. Spittler-Massolle betont mit Bezug auf den blinden Jungen, welcher als Tor den Pfosten annimmt und nicht den Zwischenraum zwischen den Pfosten:<\/p>\n<p class=\"p2\" style=\"padding-left: 40px\"><em>\u00bbMan kann einem blinden Menschen, der nicht wei\u00df, wie in der sehenden Welt ein Tor verstanden wird (aussieht), dies erkl\u00e4ren, aber ein p\u00e4dagogischer Drang, die eigene Vorstellung des Blinden als falsch zu diskriminieren, und damit zu streichen, w\u00e4re verderblich und deutete wahrscheinlich auf ein tiefes Misstrauen dagegen hin, die Relativit\u00e4t eigener Vorstellungen zu erkennen, oder dieser Drang w\u00e4re der Ausdruck eines Abwehrmechanismus gegenu\u0308ber Blindheit [<span class=\"s3\">\u2026<\/span>]\u00ab (1998, 207 f.).<\/em><\/p>\n<p class=\"p1\">Spittler-Massolle pl\u00e4diert dafu\u0308r, das Selbstverst\u00e4ndnis von der sehenden Welt ab und zu durch den \u00bbblinden Blick\u00ab irritieren lassen. Damit k\u00f6nnte der generell gep<span class=\"s1\">fl<\/span>egten Verabsolutierung des Sehens eine kleine Korrektur verpasst werden.<\/p>\n<p class=\"p2\" style=\"padding-left: 40px\"><em>\u00bbEs geht hierbei nicht um die Gleichheit der Sinnesemp<span class=\"s3\">fi<\/span>ndungen, sondern vielmehr um die Anerkennung der Tatsache, dass mit unterschiedlichen Sinnen Unterschiedliches wahrgenommen werden kann. In Verbindung mit dem Verarbeiten der Sinneserfahrungen gibt es keinen Anla\u00df und keine Berechtigung, einen qualitativen Unterschied zwischen den Konzepten Blinder und denen Sehender zu machen\u00ab (2001, 289).<\/em><\/p>\n<p class=\"p2\">Dass Blindheit Aktivit\u00e4t beeintr\u00e4chtigt, ist plausibel <span class=\"s1\">\u2013 <\/span>vielleicht allzu plausibel. Beschr\u00e4nkungen von Aktivit\u00e4ten in sehr vielen Lebensbereichen sind nicht nur durch die funktionelle Besonderheit erkl\u00e4rbar, sondern auch durch die Tatsache, dass vorhandene Ressourcen nicht ausreichend Resonanz erfahren in der auf Sehen ausgerichtetenUmwelt.<\/p>\n<p class=\"p2\">Es genu\u0308gt nicht, wie die ICF vorsieht, die vorhandenen Ressourcen zum Ausgang aller F\u00f6rderplanung zu machen. Ebenso wichtig, und wahrscheinlich noch schwieriger, ist es, den Perspektivenwechsel zu vollziehen und kritisch zu analysieren, ob wir <span class=\"s1\">\u2013 <\/span>begrenzt durch die F\u00e4higkeit des Sehens <span class=\"s1\">\u2013 <\/span>Ressourcen wirklich hinreichend auf die Wirklichkeit des blinden Menschen beziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<div class=\"textbox textbox--exercises\">\n<header class=\"textbox__header\">\n<p class=\"textbox__title\"><strong>Vertiefende Literatur<\/strong><\/p>\n<\/header>\n<div class=\"textbox__content\">\n<ul>\n<li><em>Hofer, U. (2017). Sehen oder Nichtsehen: Bedeutung f\u00fcr das Lernen und aktive Teilhabe in verschiedenen Bereichen des Lebens. In M. Lang, U. Hofer &amp; F. Beyer (Hrsg.), Didaktik des Unterrichts mit blinden und hochgradig sehbehinderten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern (2. Aufl., S. 17\u201383). Kohlhammer. (<a href=\"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-content\/uploads\/sites\/117\/2021\/10\/Hofer-2017-ICF-Fallbeispiel.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link<\/a>)<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Im Folgenden wird gezeigt, wie und wo die &#8222;Sehfunktionen&#8220; (z.B. Visus, Gesichtsfeld, Kontrastsehen, Farbsehen) in der ICF-CY verortet sind.\u00a0F\u00fcr Studierende, die bereits viel mit der ICF gearbeitet haben, ist dieser Bereich fakultativ. F\u00fcr alle anderen bietet er eine gute \u00dcbersicht, \u00fcber das Arbeiten mit der ICF-CY in der Sonder- und Heilp\u00e4dagogik generell und im [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"parent":0,"menu_order":1,"template":"","meta":{"pb_part_invisible":false,"pb_part_invisible_string":""},"contributor":[],"license":[],"class_list":["post-23","part","type-part","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/23","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/part"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/23\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":204,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/23\/revisions\/204"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23"}],"wp:term":[{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=23"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/zuugs.hfh.ch\/diagnostiksehen\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=23"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}